[1]
Der britische Autor Richard Overy, ein ausgewiesener Kenner der Geschichte des 20. Jahrhunderts, ist vor allem mit seinen Werken zum Zweiten Weltkrieg und zum nationalsozialistischen Deutschland bekannt geworden. Er hat darüber hinaus Studien zum Bombenkrieg vorgelegt, jüngst zum Atombomben-Krieg gegen Japan. Ihm ist auch ein Vergleich der Diktaturen Hitlers und Stalins zu verdanken. Er ist in fachwissenschaftlichen Debatten hervorgetreten, wendet sich in Interviews und Zeitungsartikeln an die Öffentlichkeit, wirkt an Ausstellungen mit und hat etliche Bücher, die einem breiten Publikum weltgeschichtliche Überblicke bieten, verfasst und herausgegeben. All dies rückt Overy in den Kreis international angesehener Zeithistoriker, die auch außerhalb des Fachs bekannt sind. Wikipedia informiert in 17 Sprachen über ihn.1
[2]
Bisher hat sich Overy als Experte für die geschichtswissenschaftliche Forschungssynthese zu Themen des 20. Jahrhunderts profiliert. Nun weitet er dieses Feld mit seinem Buch „Warum Krieg?“ universalgeschichtlich und multidisziplinär (das Original „Why War?“ erschien 2024 bei Pelican Books). Wer eine Geschichte des Krieges oder einzelner Kriege lesen will, muss zu anderen Büchern greifen. Jeder Krieg, so betont Overy als Historiker, erfordere „seine eigene historische Erklärung“, die ohne den „jeweiligen Kontext“ nicht möglich sei (S. 17). In seinem neuen Werk will er hingegen die „prinzipiellen Erklärungsansätze zum Krieg“ (ebd.), die bisher vorgelegt wurden, betrachten; genauer: wie in der Fachliteratur unterschiedlicher Disziplinen zu erklären versucht wird, warum seit den Anfängen der Menschheit bis heute immer wieder Kriege geführt wurden und weiterhin geführt werden. „Über den gesamten Zeitraum der menschlichen Evolution hinweg gab es kollektive, tödliche Gewalt zwischen unterschiedlichen Gruppen, und für dieses Phänomen muss eine Erklärung gefunden werden“ (S. 15). Die Erklärungen, die er zusammengetragen hat, veranschaulicht er mit zahlreichen Kriegsbeispielen, ohne jedoch einzelne Kriege darstellen zu wollen. „Es geht auch nicht vorrangig um die Frage, wie und mit welchen Folgen“ Kriege geführt wurden (S. 17). Dies ist allerdings schwer einzulösen, denn die Frage „Warum Krieg“ ist kaum zu trennen von „Wozu Krieg“: Was wollten die Akteure mit ihren Kriegen erreichen? Zwischen dem Warum und Wozu und der Art der Kriegführung bestehen ebenfalls Zusammenhänge, deshalb kann Overy nicht völlig darauf verzichten, sie zu betrachten.
[3]
Der erste Teil des Buches ist der „deterministischen Sicht“ in den Humanwissenschaften Biologie, Psychologie, Anthropologie und Ökologie gewidmet, der zweite Teil den „nichtdeterministischen“ Erklärungen in den Geschichts-, Sozial- und Politikwissenschaften (S. 10). Diese scharfe Trennung weicht Overy jedoch mit guten Gründen mitunter auf, wenn er die Forschungslage bespricht. So verweist er etwa im Abschnitt zur Biologie auf die Kulturfähigkeit des Menschen (S. 36).
[4]
Overy beginnt seinen Text mit dem kurzen Briefwechsel, den Albert Einstein 1932 mit Sigmund Freud über die „Existenzfrage für die zivilisierte Menschheit“ geführt hat: „Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien?“2 Der Austausch der beiden über Einsteins Frage sei ergebnislos geblieben (S. 10). Diese Einschätzung überrascht. Denn Freuds Antwort, es gebe „keine Aussicht […], die aggressiven Neigungen der Menschen abschaffen“ zu können3, nimmt individualpsychologisch die politische Prognose vorweg, mit der Overys Buch schließt: „Die Aussicht auf eine Welt ohne Krieg erscheint verschwindend gering“ (S. 315). Während Freud seine psychologische Erkundung in eine ferne Hoffnung münden ließ – „Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg“4 –, traut Overy der Kultur offensichtlich nicht die Fähigkeit zur Kriegseindämmung zu. Die wechselseitige Verbindung von Kulturniveau und Staatsbildung habe weder die Bereitschaft zum Krieg verringert noch die Kriegführung zivilisiert. Er hält es für „unbestreitbar“, „dass Kriege immer umfassender und tödlicher wurden, je stärker sich Staaten konsolidierten, bürokratisierten und sozial segmentierten“ (S. 12). Das gilt gewiss hinsichtlich der Zahl der Soldaten und der Kriegstoten, doch in Relation zur Bevölkerung lag der Mobilisierungsgrad in vielen vorstaatlichen Gesellschaften höher als in den Staatenkriegen, einschließlich der Weltkriege des 20. Jahrhunderts, und dies gilt ebenso für die Todesraten (d.h. den Anteil der im Krieg oder an dessen Folgen gestorbenen Personen, bezogen auf die jeweilige Bevölkerung).5 Zeiten der Staats- und Imperiumsbildung waren und sind Kriegszeiten. Das ist historisch dicht belegt.6 In der Gegenwart wird diese historische Erfahrung in dem Krieg um die staatliche Existenz der Ukraine und den Kriegen um die staatliche Gestalt Palästinas/Israels erneut bestätigt. Dieser Kriegsgrund, der die Geschichte von Staaten und Imperien durchzieht, wird von Overy nicht systematisch betrachtet, er scheint nur indirekt in Teil 2 auf, wo er nach „Beweggründen“ für Kriege fragt (S. 11).
[5]
Im ersten Teil des Buches prüft Overy, wie die „deterministischen“ Fächer begründen, warum Menschen Krieg führen. Er beginnt mit der Biologie – „Der gefährlichste Teil unseres Erbes“ (S. 21–49). Charles Darwins Evolutionslehre schien denen, die im ‚Kampf ums Dasein‘ den biologischen Grund sehen, warum Menschen von jeher Krieg führten und auch in Zukunft führen werden, eine wissenschaftliche Begründung zu schaffen. Overy bietet einen Einblick in diese stets kontroverse Diskussion unter Biologen und wie sie in der gesellschaftlichen Debatte aufgenommen und instrumentalisiert worden ist. Die politisch-gesellschaftliche Wirkungsgeschichte ging ihre eigenen Wege – am wirkmächtigsten wohl im Sozialdarwinismus –, auch wenn versucht wurde, sie mit der Fachdiskussion in der Biologie zu verbinden. Letztere steht bei Overy im Zentrum. Er skizziert Positionen und deren Entwicklung in der Ethologie und Evolutionsbiologie, verweist auf das Problem der Analogieschlüsse, wenn von Tierstudien Grundlagen menschlichen Verhaltens abgeleitet werden, und doch „erscheint“ ihm „die Schlussfolgerung unausweichlich, dass über den längsten Zeitraum, seit es Menschen gibt, das Streben nach Gesamtfitness nicht nur Soziabilität und Anpassung beinhaltet, sondern auch gewaltsame Konflikte, wenn es die Umstände erfordern“ (S. 67 f.). Mit diesen „Umständen“ reicht er das Problem an sein Fach und an andere „nichtdeterministische“ Fächer weiter, die Kriege und ihre Ursachen aus der Nähe betrachten. Gleichwohl betont er, das „Konzept der biologisch-kulturellen Koevolution“ sei auch „für neuere historische Zeiträume eindeutig von Nutzen“ (S. 46). Dieses Konzept, wird man hinzufügen müssen, bleibt aber auch in der neuesten Forschung so offen, dass daraus für die Ursachenanalyse konkreter Kriege keine fallspezifischen Erklärungshilfen abgeleitet werden können. Ein Experte hat den evolutionsbiologischen Forschungsstand jüngst so bilanziert: „Das Individuum bleibt zwar generell die Einheit der Selektion, doch es befindet sich nicht in einem kontinuierlichen Existenzkampf, sondern ist Teil eines kooperativen ‚Spiels‘, in dem der Erfolg des eigenen Verhaltens vom Verhalten der Mitspieler abhängt.“ Dieses „Wechselspiel zwischen Kooperation, Konflikt und Interessenausgleich“ sei „eines der komplexesten – und immer noch nicht völlig gelösten – Probleme der Evolutionsbiologie.“7 Sie hat mithin für die Geschichtswissenschaft kein Verfahren anzubieten, mit dem generalisiert werden könnte, wie in der kulturellen Entwicklung Konflikt und Kooperation zusammengewirkt haben. Dies zu bestimmen, bleibt weiterhin die Aufgabe von Fallanalysen.
[6]
Der Rückgriff auf Darwin und die Grundlagen der Evolutionslehre, die er gelegt hat, wird für die Frage „Warum Krieg“ noch komplexer, wenn man bedenkt, dass schon Darwin in der kognitiven Kompetenz des Menschen die „Grundlage für die menschliche Moralfähigkeit“ gesehen hat.8 Sie versetze den Menschen in die Lage, sich vom „Gesetz der biologischen Fitneßmaximierung [sic]“ zu lösen.9 Man kann deshalb Overy in seiner evolutionsbiologischen Bilanz zustimmen, wonach sowohl „Konfliktverhalten als auch Sozialität und Kulturaufbau dazu beitragen, die Entwicklung des Menschen zu verstehen“ (S. 49). Diese Einsicht hilft nicht bei der Frage nach spezifischen Ursachen bestimmter Kriege, doch sie mag gegen die Vorstellung schützen, der Mensch sei aufgrund seiner ererbten Verhaltensanlagen „naturnotwendig“ auf Krieg ausgerichtet.
[7]
Im folgenden Kapitel befragt Overy die Psychologie – „Die Geburt des Feindes“ (S. 51–82) – auf ihre Antworten zur Leitfrage des Buches. Die Versuche seitens der Psychoanalyse, die Ursachen des Krieges aus der Psyche des Individuums zu erklären – er verfolgt das Fachgespräch, das durch die Weltkriegserfahrungen stimuliert worden ist –, hätten sich als „Sackgasse“ (S. 59) erwiesen. Dies gelte letztlich auch für die Ansätze der Evolutionspsychologie, Kriege zu erklären. Eine „universelle psychische Prädisposition, sich an Gewaltaktionen zu beteiligen“, sei „nicht wahrscheinlich oder zumindest nicht beweisbar“ (S. 67). Vor allem zur Erklärung der Ursachen bestimmter Kriege trage die Evolutionspsychologie nichts bei. Wohl aber haben sozialpsychologische Experimente zu verstehen gelehrt, wie situationsgebundene Bereitschaft entsteht, Gewalt auszuüben. Eine dieser Studien stellt er ausführlich vor. Sie endet mit dem Fazit: „The existence of psychological adaptations for warfare does not allow the inference that humans are naturally war-prone and that warfare is inevitable. Instead, humans seem to possess specialized psychological design that regulates the conditional expression of behavior in response to environmental contingencies.“ Diese Verhaltensweise habe wohl auch die Menschen in „the ancestral past“ geprägt.10
[8]
Die in Laborversuchen nachgewiesenen „Wirkungsweisen von Ingroup-Tugend und Outgroup-Bosheit“ (S. 81) sieht Overy in historischen Studien bestätigt. Generell biete „die Geschichte […] mehr als genug Beispiele dafür, wie psychologische Gewissheiten Angriffskriege oder robuste Verteidigungskriege gerechtfertigt haben“ (S. 81 f.). Die psychologische Forschung, so wird man dieses Fazit deuten dürfen, bestätigt, was die historische Kriegsforschung weiß. Letztere zeige zudem eine Kriegsmotivation, die in der Psychologie kaum zur Kenntnis genommen werde: „die emotionale Anziehungskraft des Krieges“, der „Ehre, Wertschätzung, Prestige und Ruhm“ verspreche (S. 82). In evolutionspsychologischen Studien zur „male warrior“-Hypothese wird der „Lohn“ des Krieges aber als bedeutsam gesehen.11
[9]
Im dritten Kapitel, das die Anthropologie, Archäologie und Ethnografie befragt, wird vor allem geprüft, ob es in größerem Ausmaß Gesellschaften ohne Krieg gegeben habe. An der ethnografischen Forschung ist auch die Soziologie beteiligt12, doch spezifisch soziologische Studien bezieht Overy nicht ein, wenngleich das Fach zur Frage „Warum Krieg“ einiges beigetragen hat. So hat Heinrich Popitz über die gesellschaftliche Bedeutung von Macht und Gewalt nachgedacht, Wolfgang Sofsky hat dies fortgesetzt. Für Pitirim Sorokin galt es als selbstverständlich, dass eine Soziologie des sozialen und kulturellen Wandels zum Krieg nicht schweigen dürfe.13 Den heutigen Forschungsstand formuliert Overy vorsichtig: Das Ergebnis der zahlreichen Studien zur „gegenwärtigen und vergangenen Kriegführung bei nicht staatlich organisierten Völkern […] macht es heute schwer, die Vorstellung einer ‚friedfertigen Vergangenheit‘ noch weiter zu vertreten“ (S. 92). Die Experten urteilen meist nicht so zurückhaltend. Verwiesen sei nur auf Lawrence H. Keeley, dessen Buch Overy populär und polemisch nennt (S. 92), während ich es für grundlegend halte, oder auf Azar Gats universalgeschichtliche Synthese.14 In diesem Kapitel konstatiert der Autor auch die Symbiose von Staatsbildung und Krieg, ohne dies näher auszuarbeiten. Es war der Krieg, der den „Weg zur Entstehung von institutionalisierten Staaten“ in Europa, Asien und den beiden Amerikas bereitet habe (S. 99). Für Afrika, das er hier nicht erwähnt, gilt das auch.15
[10]
„Wird Krieg von Kultur verursacht?“ (S. 117) fragt Overy und antwortet zurückhaltend. Erneut bestätigt sich, dass er nicht Freuds Hoffnung teilt, die kulturelle Entwicklung könne der Menschheit helfen, aus ihrer Kriegsgeschichte irgendwann auszusteigen. „Kriegerische Kulturen“ seien „universell“ (S. 118). Deshalb rechnet er zu den Wissenschaften, die Krieg erklären oder zumindest dazu etwas beitragen können, neben Biologie und Psychologie auch die Disziplinen, die sich mit Kultur befassen. Wer allerdings Hinweise erhalten möchte, wie solche „prinzipiellen Erklärungsansätze zum Krieg“ (S. 17) für die Analyse konkreter Kriege genutzt werden könnten, muss sich in die Fachliteratur vertiefen, um zu erfahren, was die Akteure mit diesen Kriegen erreichen wollten, wie sie ihre Kriege geführt haben und mit welchen Wirkungen. In dem von Overy ausgewertetem Sammelwerk „The Archaeology of Warfare“ benennt der Anthropologe Brian Ferguson in seinem bilanzierenden Schlusskapitel drei Kriegsursachen: „struggle over important productive resources, the ambitions of political leaders, and local cultural beliefs which provide both justification and an impulse toward war.“16 Er rät, nicht von der Vermutung auszugehen „‘war is in our blood‘“, sondern zu fragen, „who is calling the shots, what are their material and political interests, and how do they selectively employ cultural identities, symbols, and values in leading people into war.”17 Der Anthropologe erwartet also, nachdem er die Forschungsergebnisse in seinem Fach geprüft hat, aus der Fallanalyse Antworten auf die Frage „Warum Krieg?“ Daraus leitet Overy jedoch keine grundsätzliche Skepsis ab, ob die Frage nach anthropologischen Konstanten im Verhalten von Menschen bei der historischen Analyse von Kriegsursachen hilfreich sein kann.
[11]
Das vierte und letzte Kapitel zu den „Deterministen“ ist der Ökologie gewidmet – „Stress, Krisen und Klimaschock“ (S. 119–149). Gab es „in den vergangenen Tausenden von Jahren, in denen es mehrfach zu Klimaschocks und Umweltkrisen kam, einen wesentlichen Zusammenhang von Ökologie und Krieg“ (S. 119)? Den bereits im 19. Jahrhundert postulierten Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum und Krieg betrachtet Overy zunächst an Thomas Robert Malthus und dem Anthropogeografen Friedrich Ratzel, dessen „Lebensraum“-Vorstellungen von den Nationalsozialisten „gekapert“ wurden (S. 133).18 Vor allem aber befragt er die einschlägige Forschung, was sie über den Zusammenhang von Klimakrisen und Krieg aussagt. Sein Fazit: Unter den Experten bestehe eine „grundlegende Uneinigkeit“ (S. 144). „Bestenfalls“ lasse sich feststellen, „dass der ökologische Kontext auf unterschiedliche Weise zu den Gewalt auslösenden Umständen beigetragen“ habe (S. 148). Schwierig, meist unmöglich sei die kausale Zurechnung. Es bleibe dann bei Feststellungen wie: In China ereigneten sich in 453 Jahren einer Kältephase 603 Kriege, in 459 wärmeren Jahren nur 296 (S. 140); die Hussitenkriege könnten von den Folgen des „climatic stress“ im 15. Jahrhundert („Kleine Eiszeit“) mitausgelöst worden sein.19 Deshalb empfiehlt ein von Overy ausgewerteter Forschungsbericht zum Thema „Climate Wars?“, die großflächigen quantitativen Erhebungen durch qualitative lokale Studien zu ergänzen.20 Die ökologische Forschung, so ist festzuhalten, öffnet einen spezifischen Zugang für die Frage nach Kriegsursachen, doch um plausible Antworten zu finden, müssen andere Zugänge hinzukommen. Dieses Ergebnis gilt für alle Disziplinen, die Overy im ersten Teil seines Buches befragt hat. Ohne historische Fallanalyse scheint der große Blick auf lange Zeiträume erklärungsarm zu bleiben.
[12]
Der zweite Teil, in dem die „Nicht-Deterministen“ zu Wort kommen, ist nicht nach Fachdisziplinen gegliedert, sondern nach den „vier Kategorien von Beweggründen für einen Krieg“, die Overy für bedeutsam hält: Ressourcen, Glaube, Macht, Sicherheit (S. 11). Diese Kategorien sind weit genug, um die Kriegsursachen, die in der Fachliteratur genannt werden, erfassen zu können. Das Ressourcenkapitel ist in seinem Aufbau schwer nachzuvollziehen. Es beginnt mit einem kurzen Blick auf „Hitlers Besessenheit von Ressourcen“ (S. 155), die er durch sein geplantes „ausbeuterisches Kolonialreich“ im Osten Europas (S. 153) stillen wollte, wechselt zum marxistischen Verständnis des kapitalistischen Imperialismus, der unvermeidlich in den Krieg führe, und zu Stalins Unterscheidung von „gerechten und ungerechten Kriegen“ (S. 159), um dann Raub- und Beschaffungskriege in früheren Zeiten zu betrachten, die sich mit monopolkapitalistischen Theorien nicht erklären lassen. Auf diesem Krebsgang durch die Geschichte wird eine Vielzahl von Kriegen in vielen Regionen der Welt erwähnt, in denen es um Land, Güter und Menschen ging, um Frauenraub, Kontrolle von Handelswegen und anderes mehr. Auch hier habe Kultur nicht die Bereitschaft zum Krieg gedämpft. Mit den Hochkulturen wurde das „systematische Beutemachen bei eroberten Völkern […] auf ein neues Niveau gehoben“ (S. 164). Plünderungen gehörten zur Kriegsnormalität, europäische Kolonialarmeen lebten davon. Die „wichtigste Ausbeutung des Menschen als Ressource“ (S. 167) sei die Sklaverei gewesen, deren unterschiedliche Formen im Laufe der Geschichte auf wenigen Seiten resümiert werden.
[13]
Nach den Rückblicken in die Vergangenheit wendet sich Overy der Gegenwart zu, indem er Bürger- und Sezessionskriege erwähnt, in denen es um die Kontrolle von Ressourcen ging (unter anderem Sierra Leone, Angola, Papua-Neuguinea oder Sumatra). Ressourcenkriege zwischen Staaten habe es ausschließlich um Erdöl gegeben. In den „neuen Ölkriegen“, wie man sie genannt hat, dominiere eine „Mischung aus politischen, religiösen und finanziellen Motiven“ (S. 187).21 Auch den gegenwärtigen Krieg, mit dem Russland die Ukraine überzieht, erwähnt Overy in diesem Kapitel: Kein Ressourcenkrieg, sondern die „Ausweitung des Konflikts zum Stellvertreterkrieg durch die NATO“ habe zu einer „Krise in der Öl- und Gasversorgung aus Russland nach Europa“ geführt (S. 189). An diesem verunglückten Satz, der an der Kriegsursache gänzlich vorbeigeht22, mag man erkennen, wie schwer es ist, in einer universalhistorischen tour d’horizon, die eine Fülle von Ereignissen ohne eingehendere Analyse aufführt, einen konkreten Krieg kurz zu beurteilen. Das Kapitel endet mit der plausiblen Feststellung, zu „Raubzügen“ haben Ressourcen „verleitet“, weil sie „begehrt“ waren. „Diese Wertzuschreibung erklärt, warum Ressourcenkriege geführt wurden und noch immer geführt werden – vom Sklavenraub der klassischen Antike bis zur Plünderung der Diamanten- und Erdölvorkommen unserer Tage“ (S. 191). Ein solcher universalgeschichtlich abstrahierender Begriff „Ressourcenkrieg“ vermag allerdings für das konkrete Geschehen wenig auszusagen. Was alles in Overys Betrachtung von Ressourcenkriegen ausgeblendet wird, lässt das jüngst erschienene Buch des Althistorikers Mischa Meier über die Hunnen erkennen. Sie schufen einen „strukturellen Raubstaat“, dessen Krieger zerstörten und verheerten, töteten und raubten. Doch sie waren auch „Vermittler“, indem sie „Dynamiken entfesselten“, die „den zentralasiatischen Austausch förderten, intensivierten“ und ein „gewaltiges Verknüpfungspotential“ schufen. Die aggressiven Reiterkrieger mit ihren Plünderungskriegen wurden zu einem „wichtigen Motor tiefgreifender Transformationsprozesse in der spätantik-frühmittelalterlichen Welt“.23 Sie interagierten durch Krieg. Es waren immer auch Raubkriege, es ging um Ressourcen. Doch es dabei zu belassen, würde nicht helfen zu verstehen, was sie auslösten und bewirkten. Um die Vielfalt von Ressourcenkriegen einschätzen zu können, müssen auch ihre Wirkungen einbezogen werden.
[14]
Das nächste Kapitel betrachtet den Kriegsgrund „Glaube“ (S. 193–229) – „kein allgemeines Merkmal vergangener oder gegenwärtiger Kriege“, doch für zahllose Kriege „in unterschiedlichen Kontexten im Laufe Tausender Jahre Menschheitsgeschichte“ bedeutsam (S. 193). „Glaube“ fasst Overy weit, von kosmologischen Deutungen bis zu „politischen Religionen“. Ausführlich geht er auf die „beiden kriegerischsten unter den Weltreligionen“ ein, Christentum und Islam (S. 194): Kreuzzüge und Gegenwehr von Muslimen, Kriege und Bürgerkriege zwischen Katholiken und Protestanten sowie zwischen Muslimen. Ausführlich wird auch die Bedeutung von Krieg und Opfer im Weltbild der Azteken vorgestellt. „In modernen Zeiten ist der Glaube als Kriegstreiber unaufdringlicher geworden, ganz verschwunden ist er allerdings nicht“ (S. 217). Overy führt auf: die „nationalen Befreiungskämpfe“ im 19. Jahrhundert; der Kriegswille der „politischen Religionen“ Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus nach dem Ersten Weltkrieg. Er charakterisiert weiterhin den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Juden Europas, „in einem mörderischen Glauben verwurzelt“ (S. 219), als Glaubenskrieg; hebt ab auf den „biblischen Charakter einer Bestrafung der Gottlosen“ in den „Flächenbombardements deutscher Städte“ mit Codenamen wie „Gomorrha“ oder „Millennium“ (S. 221). Schließlich verweist Overy auf die gegenwärtige „Rückkehr einer radikalen Dschihad-Politik“ (S. 222); oder die Berufung George W. Bushs auf Gott und die Geschichte, um „‚die Tyrannei in unserer Welt zu beenden‘“ (ebd.). Stets habe „Glaube“ dazu gedient, Krieg zu rechtfertigen. Overy warnt davor, dies als scheinreligiöse Begründungen abzuwerten. Anthropologen hätten an den Gesellschaften, die sie untersuchen, früher als historische und sozialwissenschaftliche Disziplinen erkannt, dass Weltbilder für die Menschen, die an sie glauben, „ganz real sind“ (S. 228) und deshalb Gewalt und Krieg legitimieren und auch zum „primären Kriegstreiber“ (S. 229) werden können. Overy plädiert dafür, jede Art von Glauben als handlungsleitend ernst zu nehmen, auch wenn die Vorstellungen irrational erscheinen mögen. Die Wirkkraft von Ideen hängt, darin wird man ihm beipflichten müssen, nicht von ihrer Rationalität ab.
[15]
Das Kapitel „Macht“ ist in der deutschen Übersetzung mit „Reiche ohne Grenzen“ überschrieben. Das Original begnügt sich mit „Power“. Der Zusatz charakterisiert Overys Deutung treffend: Macht ziele auf Ausdehnung von Herrschaft, sei es in Kämpfen zwischen Stammesgemeinschaften, im Weg Roms zu einem „Imperium ohne Ende“, wie es in Vergils Aeneis heißt (S. 237), oder im permanenten Krieg, auf den alle Imperien angewiesen waren. An Alexander dem Großen, Napoleon Bonaparte und Hitler diskutiert Overy die Bedeutung individueller Hybris als „Triebfeder der Kriegsmaschinerie“ (S. 239). „Macht, die von Führern zynisch genutzt wird, um im Namen einer Schicksalsmission Krieg zu führen, ist die gefährlichste und unberechenbarste Kriegsursache, von der klassischen Antike bis ins 21. Jahrhundert“ (S. 256). „Machtübergänge“, so argumentiert er gegen sozialwissenschaftliche Erklärungsmodelle, haben keineswegs überwiegend in Kriege geführt. Dies müsse auch nicht geschehen, falls es zu einem Machtübergang von den USA auf China kommen sollte. Bislang sei dies nur eine voreilige Behauptung oder eine „unbedachte Provokation“ (S. 263). Für wahrscheinlicher hält Overy aufgrund der bisherigen historischen Erfahrung, dass auch künftig „Machtkriege als Ergebnis einer von Hybris geprägten Herrschaft entstehen“ (ebd.). Die Wahrscheinlichkeit von Machtkriegen lasse sich nicht vorhersagen, zumal die „allermeisten dieser Kriege“ bislang „nicht nur aus Machtgründen geführt“ worden sind, „sondern um Land, Reichtum, Beute oder Ressourcen, um einen Glauben zu verteidigen oder zu verbreiten, oder um Ruhm und Ansehen zu erlangen“ (S. 264 f.). Machtkriege aus „Hybris und Selbstüberschätzung“ hätten bislang „eher in den Untergang statt zum Triumph“ geführt (S. 265).
[16]
Macht ist mit „Sicherheit“ – „In einer Welt der Anarchie“ (S. 267–303) – eng verbunden. Davon ging Thomas Hobbes aus, und mit dessen Modell eines Naturstandes dauernden Krieges arbeite auch die „moderne neorealistischen Schule der Sicherheitsstudien“ (S. 268). Macht sei, so der Politologe Nicholas J. Spykman, „die Fähigkeit, erfolgreich Krieg zu führen“ (S. 269).24 Deshalb das Streben nach Sicherheit, indem feste Grenzen geschaffen werden. Seit es weltweit Nationalstaaten gibt, sei die Grenzverteidigung universell geworden, gleichwohl bleiben Grenzen kriegsgefährliche „Zonen der Unsicherheit“ (S. 270). Overy gibt deshalb einen kurzen Überblick über die vielen Versuche, natürliche wie künstliche Grenzen gegen Angriffe von außen zu schützen. Er erwähnt Pufferzonen oder mehr oder weniger ausgefeilte Befestigungsanlagen um Dörfer, Städte, Paläste, spricht über lange Grenzanlagen wie die Große Mauer der Ming-Dynastie und die vielfältigen Formen der Grenzsicherung im römischen Imperium. In den jeweiligen Sprachen spiegelt sich diese Vielfalt an Grenzen in der Vielfalt der Bezeichnungen. Der „mit Abstand gefährlichste“ Grenzkonflikt in der Gegenwart sei der zwischen China, Indien und Pakistan (S. 289).
[17]
Die fortdauernde Kriegsgefahr, die von Grenzverletzungen ausgeht, habe nach dem Zweiten Weltkrieg zum Aufschwung des Fachs Sicherheitsstudien geführt, ohne einer zumindest theoretischen Lösung des „Sicherheitsdilemmas“ näherzukommen. Es werde überdauern, solange die internationale Ordnung ein „Reich der Anarchie“ bleibe, wie es Kenneth Waltz formuliert hat (S. 296).25 In ihm werde der Frieden stets brüchig sein. Die „ewige Suche nach Sicherheit“ gehöre zu den Gründen für den „hartnäckigen Fortbestand von Kriegen“ (S. 302). Die neuen Grenzen, die im 21. Jahrhundert hinzukamen – „Kriege im Weltraum und Cyberkriege sind denkbar und möglich geworden“ (S. 303) –, haben die Lage noch unsicherer gemacht. Mit diesem dunklen Blick in die Zukunft, Phasen der Sicherheit bleiben begrenzt in der Welt des Krieges, endet das letzte Kapitel.
[18]
Das kurze Schlusswort (S. 305–315) fasst das unerfreuliche Ergebnis des Buches zusammen: Krieg ist weltweit „ein integraler Bestandteil der langen Geschichte der Menschen“ (S. 306 f.). Die Wissenschaftszweige, die Overy befragt, begründen aus ihrer jeweiligen Sicht diesen Befund. Die Erwartung, künftig könnte es besser werden, nennt er „reichlich optimistisch“ (S. 314), denn das Potenzial für Kriege nehme zu.
[19]
Overys Vergangenheitsanalyse verdunkelt den Zukunftsblick. Das ist kein Ergebnis idiosynkratischer Weltwahrnehmung. Overy legt eine historische Bestandsaufnahme vor, das sei abschließend noch einmal betont, die sich aus vielen unterschiedlichen, auch konträren Sehepunkten zusammensetzt und deshalb beanspruchen kann, eine ausgewogene Bilanz zu bieten. Anders als andere, ebenfalls vorzügliche Werke, die in den letzten Jahrzehnten zur Universalgeschichte des Krieges erschienen sind26, bietet Overy zu dem Thema „Warum Krieg“ einen Zugang, der nach Fachdisziplinen gegliedert ist. Überspitzt gesagt – eine Gesamtdarstellung, zusammengesetzt aus Forschungsberichten zu sieben Fächern beziehungsweise Fächergruppen, unterteilt in Nicht-Deterministen und Deterministen. Kein Einzelner kann diese Fächer überblicken, und auch der Versuch, sich anhand der fachspezifischen Literatur kundig zu machen, ist mit Unsicherheiten belastet. Deshalb beginnt der Zeithistoriker Overy sein universalgeschichtlich-multidisziplinäres Werk damit, es „eine Unverschämtheit“ (S. 7) zu nennen. Für dieses Risiko, sich in fachfremde Gebiete zu wagen, gebührt ihm Dank. Und selbstverständlich muss betont werden: Nicht minder unverschämt ist es, ein solches multidisziplinäres Wagnis zu besprechen, ganz gleich aus welchem Fach der Rezensent kommt. Gleichwohl wird man aus geschichtswissenschaftlicher Sicht hinzufügen dürfen: Die fachspezifischen Erklärungsversuche, die Overy referiert, bieten nichts, was die historische Analyse von Kriegen und Kriegsursachen künftig erleichtern könnte.
Besprochene Literatur
| Overy, Richard: Warum Krieg?, 368 S., Rowohlt, Berlin 2024. |
Endnotes
- Ausführliche Informationen zur Biografie und zum Werk Richard Overys, einschließlich einer Liste mit Büchern, die er geschrieben und allein oder gemeinsam mit anderen herausgegeben hat, bieten die deutsch- und die englischsprachige Wikipedia, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Overy, https://en.wikipedia.org/wiki/Richard_Overy [Zugriff jew. 08.07.2025]. ⮭
- Einstein, Albert/Freud, Sigmund: Warum Krieg? Ein Briefwechsel, Institut International de Cooperation Intellectuelle, Paris 1933, S. 12. Der Briefwechsel (je ein Brief der beiden) liegt in zahlreichen Ausgaben vor. Das Original ist online zugänglich, URL: https://ia803106.us.archive.org/7/items/freud_1933_warum/Freud_Einstein_1933_Warum_Krieg_b.pdf [Zugriff 23.06.2025]. ⮭
- Ebd. S. 51. ⮭
- Ebd. S. 62. ⮭
- Vgl. mit der Fachliteratur und zahlreichen Tabellen und Schaubildern Langewiesche, Dieter: Eskalierte die Kriegsgewalt im Laufe der Geschichte?, in: Baberowski, Jörg (Hrsg.): Moderne Zeiten? Krieg, Revolution und Gewalt im 20. Jahrhundert, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, S. 12–36. ⮭
- Vgl. Langewiesche, Dieter: Der gewaltsame Lehrer. Europas Kriege in der Moderne, Beck, München 2019. ⮭
- Tautz, Diethard: Evolutionstheorie auf dem Prüfstand, in: Spektrum der Wissenschaft (2021), H. 5, S. 1–21, hier S. 8 f., URL: https://www.spektrum.de/news/charles-darwin-evolutionstheorie-auf-dem-pruefstand/1860808 [Zugriff: 10.07.2025]. Der Evolutionsbiologe und Populationsgenetiker Tautz ist Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön. ⮭
- Engels, Eve-Marie: Charles Darwins evolutionäre Theorie der Erkenntnis- und Moralfähigkeit, in: dies. (Hrsg.): Charles Darwin und seine Wirkung, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2009, S. 303–319, hier S. 319. ⮭
- Engels, Eve-Marie: Charles Darwin. Person, Theorie, Rezeption. Zur Einführung, in: dies., Charles Darwin (wie Anm. 8), S. 9–57, hier S. 49. ⮭
- Lopez, Anthony C.: The Evolutionary Psychology of War. Offense and Defense in the Adapted Mind, in: Evolutionary Psychology (2017) October–December, S. 1–23, hier S. 20. Forschungsüberblick zu Versuchen, eine Evolutionstheorie des Krieges zu entwerfen: ders.: The Evolution of War: Theory and Controversy, in: International Theory 8 (2016), H. 1, S. 97–139. ⮭
- Vgl. etwa McDonald, Melissa M./Navarrete, Carlos David/van Vugt, Mark: Evolution and the Psychology of Intergroup Conflict. The Male Warrior Hypothesis, in: Philosophical Transactions of The Royal Society, Biological Sciences 367 (2012), H. 1589, S. 670–679. ⮭
- Breidenstein, Georg u. a.: Ethnografie. Die Praxis der Feldforschung, utb, Konstanz 2013. ⮭
- Popitz, Heinrich: Phänomene der Macht, Mohr Siebeck, Tübingen 21992; Sofsky, Wolfgang: Traktat über die Gewalt, S. Fischer, Frankfurt a. M. 1996; Sorokin, Pitirim: Social and Cultural Dynamics. A Study of Change in Major Systems of Art, Truth, Ethics, Law and Social Relationships, Porter Sargent Publishers, Boston, MA 21970. Wichtig, wenngleich in der neueren Forschung wenig beachtet ist das kriegssoziologische und -ethnologische Werk von Sebald Rudolf Steinmetz, der zu den Gründern der Soziologie in den Niederlanden gehört. Vgl. Steinmetz, Sebald Rudolf: Der Krieg als sociologisches Problem, Versluys, Amsterdam 1899; stark erweitert zu: Die Philosophie des Krieges, Barth, Leipzig 1907; völlig neubearbeitet und erneut stark erweitert: Soziologie des Krieges, Barth, Leipzig 1929. 2014 neu herausgegeben und mit einem Nachwort von Arno Bammé versehen im Metropolis Verlag, Marburg 2014. ⮭
- Keeley, Lawrence H.: War before Civilization. The Myth of the Peaceful Savage, Oxford UP, Oxford 1996; Gat, Azar: War in Human Civilization, Oxford UP, Oxford 2006. Begrenzt auf die Prähistorie: Arkush, Elizabeth N./Allen, Mark W. (Hrsg.): The Archaeology of Warfare. Prehistories of Raiding and Conquest, Florida UP, Gainesville, FL 2006. Die Einleitung beginnt folgendermaßen: „in many times and places in the pre-modern and prehistoric past, warfare was a constant and overwhelmingly important fact in People’s lives” (S. 1). ⮭
- Reid, Richard J.: Warfare in African History, Cambridge UP, Cambridge 2012. ⮭
- Ferguson, R. Brian: Cultural Anthropology, and the Origins and Intensifications of War, in: Arkush/Allen, Archaeology (wie Anm. 14), S. 469–523, hier S. 505. ⮭
- Ebd. ⮭
- Eine abwägende Einschätzung von Ratzels Werk und dessen politischem Einfluss bietet Schulz, Hans-Dietrich: Friedrich Ratzel. Bellizistischer Raumtheoretiker mit Naturgefühl oder Vorläufer der NS-Lebensraumpolitik?, in: Deimel, Claus/Lentz, Sebastian/Streck, Bernhard (Hrsg.): Auf der Suche nach Vielfalt. Ethnographie und Geographie in Leipzig, Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig 2009, S. 125–142. ⮭
- So das auch von Overy konsultierte Buch von Lamb, Hubert H.: Climate, History and the Modern World, Routledge, London/New York 21995, S. 206. Overy (S. 142) meint, dass Lamb Kriege nicht zu den Hauptwirkungen zähle. Doch Unruhen, Revolutionen und Kriege nennt Lamb unter den „impacts“ ökologischer Krisen (Lamb, S. 286). ⮭
- Sakaguchi, Kendra/Varughese, Anil/Auld, Graeme: Climate Wars? A Systematic Review of Empirical Analyses on the Links between Climate Change and Violent Conflict, in: International Studies Review 19 (2017), H. 4, S. 622–645, hier S. 642. ⮭
- Kaldor, Mary/Karl, Terry Lynn/Said, Yahia (Hrsg.): Oil Wars, Pluto, London 2007. Vgl. Kaldor, Mary: New and Old Wars. Organised Violence in a Global Era, Polity, Cambridge u. a. 32012. ⮭
- Es liegt nicht an der Übersetzung. Das Original lautet: „The war between Russia and Ukraine was not over resources, but the widening of the conflict to include surrogate warfare by NATO opened up a crisis in oil and gas supply from Russia to Europe.“ (Kindle-Version, S. 190). Fair informieren über die langfristige Entwicklung des Verhältnisses zwischen Ukraine und Russland und den gegenwärtigen Krieg: Kappeler, Andreas: Ungleiche Brüder. Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart, erw. Neuausgabe, Beck, München 2023; Sasse, Gwendolyn: Russlands Krieg gegen die Ukraine. Hintergründe, Ereignisse, Folgen, Beck, München 32024. ⮭
- Meier, Mischa: Die Hunnen. Geschichte der geheimnisvollen Reiterkrieger, Beck, München 2025, S. 347 f. ⮭
- Spykman, Nicholas John: Frontiers, Security, and International Organization, in: Geographical Review 32 (1942), H. 3, S. 436–447. ⮭
- Waltz, Kenneth: The Origins of War in Neorealist Theory, in: Rotberg, Robert/Rabb, Theodore (Hrsg.): The Origins and Prevention of Major Wars, Cambridge UP, Cambridge 1989, S. 39–52, hier S. 43 f.; vgl. die kritische Würdigung von Schroeder, Paul: Historical Reality vs. Neo-realist Theory, in: International Security, 19 (1994), H. 1, S. 108–148. ⮭
- Vor Augen habe ich vor allem Gat, War (wie Anm. 14) und MacMillan, Margaret: Krieg. Wie Konflikte die Menschheit prägten, Propyläen, Berlin 2021 (engl. Orig.: War. How Conflict Shaped Us, Random House, London 2020). ⮭