Liebe Leserin, lieber Leser,

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mit diesem Editorial beginnt die rein digitale Geschichte der NPL. Gut sechs Jahrzehnte lang erschien unsere Zeitschrift nur gedruckt und eine knappe Dekade lang hybrid. Die Zeiten ändern sich. Ab heute erscheint die NPL im Diamond Open Access (DOA). Herausgebende und Redaktion sind überzeugt, dass wir als eine der ersten traditionsreichen wissenschaftlichen Zeitschriften aus den Geschichts- und Politikwissenschaften im DOA-Format einen wichtigen Schritt gingen, der freilich alternativlos war. Im Editorial für Heft 2/3 (2025) haben wir die Gründe dafür aus Sicht der Redaktion und unserer Autorinnen und Autoren nachgezeichnet.1 Das Editorial hat zahlreiche Reaktionen in der Fachwelt ausgelöst, die uns in unserer Entscheidung bestärkt haben.

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In diesem Editorial möchte ich einige weitere Überlegungen anstellen. Ausgangspunkt dieser Gedanken ist, dass sich die in DEAL gesetzten Hoffnungen nicht erfüllten. Ziel war neben der „Demokratisierung“ des Zugangs zu Forschungsergebnissen eine Kostendämpfung von Ausgaben für wissenschaftliche Publikationen. DEAL verlagerte nun die Kosten von der Abnehmerseite (Zeitschriftenabonnements) auf die Autorenseite (Publikationsgebühren). Am Ende zahlten die wissenschaftlichen Organisationen weiter doppelt: Erstens, indem sie die Arbeitszeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finanzierten und zweitens, indem sie für diese die anfallenden Publikationsgebühren übernahmen. Das geschah zunächst versteckt, in den letzten Jahren immer häufiger so, dass die Publizierenden diese Kosten spürten, etwa indem sie Lehrstuhlmittel dafür aufwenden mussten. Damit wurde der Zugang zu den Publikationen zwar demokratisiert, weil kostenfrei. Doch der Zugang zum Veröffentlichen wurde immer exklusiver. Zugleich verfeinerten die privatwirtschaftlich betriebenen Verlage ihr zunehmend risikoloses Geschäftsmodell weiter. Wir sind davon überzeugt, dass diese Entwicklung in die falsche Richtung geht, und haben uns auch deshalb auf den Weg nach DOA gemacht. Allerdings birgt dieser Schritt zugleich einige Risiken. Mit dem Abschied von unserem bisherigen Verlag verlieren wir eine nicht unbedeutende Einnahmequelle und ein sehr leistungsstarkes digitales Vertriebssystem inklusive einer international anerkannten Publikationsplattform auf höchstem technischem Niveau.

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Von nun an sind wir darauf angewiesen, dass die Kosten unserer Zeitschrift ‚vom Wissenschaftssystem‘ komplett übernommen werden. Insgesamt produzieren wir unser Produkt nun deutlich günstiger für die öffentliche Hand als bisher. Trotzdem entstehen natürlich weiterhin Kosten. Dabei ist eines klar: Eine Zeitschrift zu betreiben ist ein langfristiges Unternehmen. Es kann nicht einer kurzfristigen Projektlogik unterworfen werden, wenn es gedeihen soll. Insofern widerspricht unsere Tätigkeit einem Merkmal, das das Wissenschaftssystem seit einem Vierteljahrhundert dominiert. Deshalb beobachten wir mit großem Interesse die gerade anlaufende Debatte über neue Finanzierungsmodelle für wissenschaftliche Zeitschriften und mit gewisser Distanz die Zurückhaltung von Hochschulleitungen bei diesem Thema.

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Notwendig ist eine dauerhafte Finanzierung von Redaktionen und Online-Vertrieb. Der Vorteil: Fast alle diese Aufgaben werden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern übernommen, und so kommt eine entsprechende institutionelle Förderung direkt der Forschung zugute.

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An dieser Stelle sei noch einmal die zentrale Rolle von Redaktionen betont. Sie sind keine technischen Dienstleister, sondern erbringen genuin wissenschaftliche und wissenschaftspolitische Arbeit. Bei der NPL gilt seit den 1950er Jahren der Grundsatz der „autonomen Redaktion“: Sie wird zwar von den Herausgebenden beraten und unterstützt. Im Alltag trifft sie jedoch die zentralen Entscheidungen selbst. So, wie die NPL insgesamt als ein Organ der wissenschaftsinternen Qualitätssicherung gelten kann, indem sie neue Forschungsergebnisse darstellt und kritisch einordnet, so leistet die Redaktion die zentrale qualitätssichernde Arbeit innerhalb der NPL. Sie stützt sich dabei auf externe Expertise und Gutachten. Doch die Auswahl der Themen, der Autorinnen und Autoren sowie der Gutachtenden erfolgt im Regelfall durch die Redaktion. Das erfordert Umsicht, Verantwortungsbewusstsein und einen sehr guten Überblick über die Forschungslandschaft in Geschichts- und Politikwissenschaft. Nach unserem Eindruck ist diese Arbeit mindestens ebenso wichtig, zuverlässig und qualitativ hochwertig wie die Expertise, die wir in Form von externen blinded Peer-Review-Gutachten erhalten. Wir würden es sehr begrüßen, wenn Formen des Editorial Review stärkeren Eingang in die Debatte über die Finanzierung wissenschaftlicher Zeitschriften fänden.

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Bei allen Herausforderungen: Es gibt deutliche Lichtblicke in der aktuellen Situation. Den Umstieg auf DOA haben wir nur deshalb angehen können, weil in Darmstadt ein sehr leistungsfähiger Publikationspartner ansässig ist. Die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Darmstadt hat sich im letzten Jahrzehnt zu einer führenden Einrichtung für Infrastrukturen des wissenschaftlichen Publizierens in Deutschland entwickelt. Nicht ohne Grund ist sie seit 2025 Konsortialführerin der deutschlandweiten „Servicestelle für Diamond Open Access“ (SeDOA).

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Beim Umstieg in den letzten rund zehn Monaten haben wir eine sehr umfangreiche Unterstützung durch die ULB genießen dürfen. Dafür sagen wir insbesondere Anne-Christine Günther und ihrem Team „Digitales Publizieren“ sowie dem Direktor Thomas Stäcker herzlichen Dank. Mit diesem starken Partner ‚im Hause‘ gehen wir mit breiter Brust in die Ära des DOA.

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Zu guter Letzt geht der Wechsel zu DOA mit einem kleinen Generationswechsel im Kreis der Herausgebenden einher. Zwei der NPL über Jahrzehnte verbundene Herausgeber haben uns verlassen. Ganz herzlichen Dank an Lutz Raphael, der in einer frühen Karrierephase einst Redaktionsleiter der NPL gewesen ist, sowie an Jürgen Osterhammel. Zugleich stoßen nun vier Neue zu uns: Nicolai Hannig (Darmstadt), Theo Jung (Halle), Reinhild Kreis (Siegen) und Daniel Siemens (Newcastle). Sie werden der NPL neue Impulse geben und nach dem Übergang ins rein Digitale das Profil der NPL schärfen. Ihnen ein herzliches Willkommen!

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Jens Ivo Engels

Grußwort der Redaktion

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Liebe Leserinnen und Leser,

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ergänzend zum Editorial unseres geschäftsführenden Herausgebers Jens Ivo Engels möchten wir, die Redaktion der NPL, Sie ebenfalls mit einem kleinen ‚Gruß aus der Küche‘ in der digitalen Gegenwart unserer Zeitschrift begrüßen.

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In den letzten Monaten haben wir im Hintergrund viele Prozesse umgestellt und uns Gedanken über die Möglichkeiten des digitalen Publizierens gemacht. Wir haben uns mit anderen Redaktionen ausgetauscht und viel gelernt. Nun starten wir mit Ideen und Vorfreude in dieses neue Kapitel und werden Sie informieren, wenn und wie wir unsere Ideen peu à peu umsetzen werden. Ein besonderer Dank gilt Andrea Perthen, die als Redakteurin unsere Projektmanagerin wurde und im vergangenen Jahr die Transformation auf sehr vielen sichtbaren und unsichtbaren Ebenen in die Hand genommen und vorangetrieben hat.

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Nun können wir voller Freude und Zuversicht sagen: Künftig erreichen Sie ‚Ihre‘ NPL unter https://www.neue-politische-literatur.tu-darmstadt.de/. Dort werden Sie sowohl zu unseren aktuellen Artikeln und Heften weitergeleitet als auch die Möglichkeit haben, sich in unserem Content Management System (CMS) zu registrieren oder anzumelden. Über dieses werden wir künftig konsequent Autor_innen, deren Beiträge und Gutachten verwalten. Das erleichtert uns, aber hoffentlich auch unserer Autorenschaft den Arbeitsprozess.

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Wir werden zudem einen Newsletter einrichten, der Sie per E-Mail über das Erscheinen aktueller Hefte informiert. Sollten Sie Interesse daran haben, so schreiben Sie uns eine kurze E-Mail mit dem Betreff „Newsletter“ an npl-review@pg.tu-darmstadt.de. Darüber hinaus möchten wir Sie herzlich einladen, der NPL auf bluesky (@nplreview.bsky.social) zu folgen, wo Sie nicht nur aktuelle Informationen erhalten, sondern immer wieder anlassbezogen auf Beiträge aus unserem Archiv hingewiesen werden.

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A propos Archiv: Der Prozess des back-issue-Transfers ist angestoßen. Inzwischen sind die Daten unseres alten Verlages an die ULB übermittelt und wir freuen uns, Ihnen demnächst die letzten sieben Jahrgänge auch auf unserer neuen Webpräsenz präsentieren zu können. Ältere Texte finden Sie zudem teilweise bei recensio.net. Ab 2026 werden wir mit der Münchner Meta-Plattform wieder zusammenarbeiten. Unsere künftigen Texte werden Sie also ebenfalls dort finden können.

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Wir freuen uns, dass wir unsere digitalen Hefte mit spannenden Beiträgen beginnen dürfen. Insbesondere sind wir Hubertus Buchstein sehr dankbar, dass er zugestimmt hat, seine beiden großartigen Beiträge zu Geschichte und Gegenwart der Frankfurter Schule so zu schieben, dass sie unseren Relaunch als „Headliner“ begleiten können. Sie bilden für uns eine Brücke, die zeigt, wie unsere inhaltlichen Stärken und thematischen Schwerpunkte auch im neuen Gewand weiter zentral bleiben.

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In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Vergnügen mit unserem neuen Heft.

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Ihre NPL-Redaktion

Endnotes

  1. Engels, Jens Ivo/Köhler, Volker: Editorial, in: NPL 70 (2025), H. 2/3, DOI: 10.1007/s42520-025-00661-y [Zugriff: 01.12.2025].