Einleitung
Nach 70 Jahren stellt die NPL ihre Druckausgabe ein. Das bedeutet einen radikalen Wandel in Publikationstechniken und Rezeptionsweisen für die Zeitschrift. Der Geruch einer frisch gedruckten NPL, das Gefühl, eine Zeitschrift in der Hand zu halten und von vorne bis hinten durchblättern zu können, wird künftig fehlen. Aber klagen hilft nicht weiter. Im Schnittpunkt von abnormen Gewinnerwartungen der internationalen Wissenschaftsverlage und Budgetkürzungen der öffentlichen Haushalte ist das eben so. Die NPL ist nicht das einzige Opfer dieser Konstellation. Diese Abhängigkeit ist natürlich auch die Folge davon, dass wir uns seit langem daran gewöhnt haben, dass Kultur – nicht nur was das Lesen betrifft – nur noch selten von ihren Nutzern finanziert wird. Bei einer Abonnentenzahl im niedrigen dreistelligen Bereich trägt sich eine Zeitschrift wie die NPL selbst dann nicht, wenn sie – anders als früher – seit 2011 keine Honorare mehr bezahlt, sondern auf unbezahlte Arbeit seitens der Autoren angewiesen ist, also auf „maecenatism from below“, wie das ein Kollege schon vor Jahrzehnten ironisch nannte. Aber Verlage sind nun einmal keine Wohltätigkeitsinstitutionen und dass sie unsere Neugier und Leseleidenschaft subventionieren sollen, wird man nicht erwarten dürfen.
Die NPL ist nicht das einzige Beispiel einer Zeitschrift, die die etablierte Verlagswelt verlässt, aber nicht untergeht, sondern im Netz weiterexistiert. Vor ihr hat beispielsweise schon 2009 die sich nun „Sozial. Geschichte Online“ nennende Zeitschrift diesen Schritt vollzogen und das zum Anlass für einen Rückblick genutzt. Im Editorial von Heft 30 (2021) zeigte sie sich ausgesprochen zuversichtlich, dass sie auch „weiterhin – trotz oder gerade aufgrund der prekären Arbeitsverhältnisse – als ‚selbstbewusste Außenseiterin‘“1, wie sie sich mit ihrer aktivistischen Ausrichtung zu Recht sieht, ihre Nische finden wird. 2007 war das noch anders. Damals stellte die Zeitschrift ihr Erscheinen ein – vorübergehend, wie sich zeigen sollte – und so zeichneten die abtretenden Herausgeber angesichts der prekär gewordenen Arbeitsverhältnisse in der akademischen Welt und des gleichzeitigen dramatischen Wandels in der Wissenschaft ein düsteres Bild. An den prekären Arbeitsverhältnissen hat sich bekanntlich nichts geändert, an ihnen liegt es also nicht, dass sich „Sozial.Geschichte Online“ stabilisiert hat. Am 2010 gegründeten Trägerverein allein sicher auch nicht. Offensichtlich stößt ihre Art des Zeitschriftenmachens, und zwar inhaltlich wie technisch, auf Interesse, besetzt sie also eine Nische, die kein anderes Medium angemessen bedient. Auflagenzahlen interessieren dann nicht mehr – in den 1990er Jahren zählte sie immerhin 1.100 Abonnements, deutlich mehr als damals die NPL, die 1977 ihren Höchststand von 1.200 verzeichnete –, Klickzahlen entscheiden nicht mehr über Wohl und Wehe der Zeitschrift. Ein Modell? Wer weiß.2
In Psalm 90 heißt es zwar nicht in Bezug auf die NPL, aber irgendwie doch passend: „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hochkommt, so sind’s achtzig, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen.“ Von dieser Mühe und Arbeit, die im Rückblick gelegentlich durchaus köstliche Momente präsentiert, soll nun ein bisschen die Rede sein.
Gründungsphase 1952/56–1964
Wenn man die sieben Jahrzehnte einschließlich der vorangehenden zweieinhalb Jahre, also 1952/54, in denen die Zeitschrift „Politische Literatur“ (PL) erschienen ist, in drei Abschnitte einteilt, nämlich bis 1964, von 1964 bis 1990/91 und seither, dann war die Gründungsphase in jeder Hinsicht nichts als Mühe und Arbeit.3 Dass sich 1952 zwei ehemalige Landesminister, Erwin Stein und Georg Strickrodt, und ein junger Juradozent, Helmut Ridder – allesamt Linkskatholiken, die beiden Älteren überdies NS-Verfolgte und Mitgründer der CDU – zusammentaten und ohne Medienerfahrung eine Zeitschrift gründeten, ist aus heutiger Sicht kurios, vermittelt aber ein Bild von der damals herrschenden Aufbruchsstimmung. Einen Verleger fanden sie mit Karl Drott aus Offenbach natürlich nur im eigenen Milieu, was ihnen den Start erleichterte, aber das Geschäft schon bald erschwerte, denn die unternehmerischen Gaben dieses sozialdemokratischen NS-Verfolgten, der lieber Politik machte, hielten sich in Grenzen; sein Bollwerk-Verlag wurde 1954 liquidiert. Im Nachlass von Gründungsherausgeber Erwin Stein findet sich für jene Frühzeit nicht viel anderes als Niederschriften zu dieser von vorneherein zum Scheitern verurteilten Zusammenarbeit und Bettelbriefe an die weitreichenden Kontakte in die Welt der Politik beziehungsweise im Falle Strickrodts auch der Wirtschaft. Diese Briefe sollten wohl der Zeitschrift den nötigen Absatz verschaffen. Dass sie den Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers zu einem Geleitwort veranlassen konnten, möge als Beleg für deren Relevanz genügen.
Man brauchte natürlich auch eine Redaktion. Dafür stützten sich die drei auf die Mittel des Lehrstuhls für Politische Wissenschaften an der Universität Frankfurt am Main. Dessen Ordinarius Ernst Wilhelm Meyer kehrte zwar just im Gründungsmoment der Zeitschrift in den diplomatischen Dienst zurück, aus dem ihn die Nazis vertrieben hatten, und konnte so nur noch das Vorwort zum ersten Heft beisteuern. Aber auch zum Nachfolger Carlo Schmid, der in Frankfurt zwischen wichtigen politischen Stationen Vorlesungen hielt, hatte man guten Kontakt, vor allem aber zum dort beschäftigten Assistenten Friedrich A. Krummacher. Krummacher erwies sich als publizistischer Tausendsassa und erledigte bis in die frühen 1960er Jahre wohl die redaktionelle Hauptarbeit.
Obwohl die PL anfangs eine Auflagenhöhe von 1.800 Exemplaren hatte, war sie von Beginn an defizitär, möglicherweise der hohen Honorare wegen. Die andererseits aber vermutlich einen Beitrag dazu leisteten, dass schon für die erste Nummer hochrangige Personen als Autoren gewonnen werden konnten: die Journalisten Hans Heigert und Thilo Bode, der Soziologe Wilhelm Emil Mühlmann, der Indologe Helmuth von Glasenapp, der Staatsrechtler Heinrich Herrfahrdt, der noch im Exil lebende Politologe Michael Freund und andere. Noch bemerkenswerter war die Liste der Rezensierten. Von den elf im ersten Heft besprochenen Autoren lebten drei im amerikanischen beziehungsweise englischen (Karl Loewenstein, Hans Kelsen und Moritz Julius Bonn) und einer im Schweizer Exil (der belgische Sozialist Hendrik de Man), rezensiert wurden ferner der nachmals berühmt werdende Rosa-Luxemburg-Biograf John Peter Nettl sowie James Joll und Robert Payne. Ein vergleichbar prominentes Profil sucht man 1952 in Westdeutschland vergeblich.
Das änderte nichts an der finanziellen Misere von Verlag und Zeitschrift. Die Monatshefte wurden immer schleppender ausgeliefert. 1954, als die Not am größten war, beriefen die drei Herausgeber rasch vier renommierte Kollegen zu Mitherausgebern: die nachweislichen NS-Gegner Carlo Schmid, Wolfgang Abendroth und Hans Peters, aber wie zum Ausgleich auch den hochdekorierten Fallschirmjägeroffizier und stramm konservativen Staatsrechtslehrer August Freiherr von der Heydte; er war immerhin 1932/33 für kurze Zeit Kelsens Privatassistent in Köln gewesen. Aber dieser Schritt half ebenso wenig wie der zweimalige Wechsel des Verlags. Honorarschulden und andere Verbindlichkeiten sowie, nicht verwunderlich, Abonnementkündigungen besiegelten das Ende. Es kam mit Heft 10 (1954), das im Mai des folgenden Jahres ausgeliefert wurde.
Was war die Bilanz? Ob die Beteiligten, Herausgeber, Redakteure und Rezensenten – das männliche Geschlecht ist hier nicht nur sprachlich, wie im Rest des Textes, sondern auch empirisch angebracht – die aufgewandte Mühe und Arbeit als ‚köstlich‘ empfanden, darf man bezweifeln. Über die Rezeption durch die Leser ist nichts bekannt und damit auch nichts über die Rolle der PL in der Medienlandschaft der frühen Bundesrepublik. Immerhin konnte sie von Anfang an namhafte Wissenschaftler des In- und Auslandes zur Mitarbeit bewegen. Sie bot aber auch, wie das bei neuen Zeitschriften oft zu gehen pflegt, dem Nachwuchs Gelegenheit, sich durch Rezensionen bekannt zu machen. So begegnen uns hier und in den ersten Jahrgängen der NPL Namen, die später prominent werden sollten, wie Rudolf von Albertini, Waldemar Besson, Karl Dietrich Bracher, Andreas Hillgruber, Eberhard Jäckel, Carl Jantke, Reinhart Koselleck, Helmut Krausnick, Armin Mohler, Rudolf Morsey, Peter von Oertzen, Wolfgang Scheffler, Manfred Schlenke, Roman Schnur und Friedrich Zipfel.
Die Zeitschrift war gescheitert, aber die sie tragende Idee hielten Stein, Strickroth und Ridder nach wie vor für wichtig, ja vielleicht wichtiger denn je. Ridder, der letzte Zeitzeuge, berichtet in einem knappen Rückblick 40 Jahre später4 von der „Idee, ein Rezensionsblättchen mit einer repräsentativen Herausgeberschaft zu machen“. Und weiter:
Es gab ja damals nichts dergleichen, es gab nur in alter Frische das ‚Historisch-Politische Buch‘ (HPB), das in Göttingen herausgebracht wurde. Der Gedanke war, Einzel- oder auch Sammelrezensionen zu veröffentlichen. Es gab dann einen ersten Versuch, der ist am Geldmangel gestorben. Und nach einer gewissen Zeit hatten wir die Idee, es mit einer neuen Ausgabe zu probieren (S. 379).
Der Grund für diesen Willen, die Zeitschrift trotz widriger Umstände neu aufleben zu lassen, scheint hier klar durch: Man wollte dem restaurativen Klima der 1950er Jahre und der unvollkommenen Entnazifizierung der Deutschen etwas entgegenstellen. Diese restaurativen Tendenzen verkörperte gewissermaßen das HPB, das ab 1953 erschien und von der Ranke-Gesellschaft. Vereinigung für Geschichte im öffentlichen Leben getragen wurde. Zur Veranschaulichung: In der von der nationalkonservativen Hamburger Toepfer-Stiftung finanzierten Ranke-Gesellschaft versammelten sich in der Tat die „Ewig-Gestrigen“, um ein zeitgenössisches Zitat zu verwenden, unter anderem Walther Hubatsch, Gustav Adolf Rein, Gotthold Rhode, Hellmuth Rössler und Wilhelm Schüßler (die beiden Letzteren lehrten übrigens an der TH Darmstadt5) und gründeten das HPB. Als „Schriftleiter“ – nicht etwa als Redakteur – fungierte der damals noch nicht wieder auf eine Professur gelangte Günther Franz, der auf dem Erfurter Historikertag 1937 in SS-Uniform aufgetreten und später Professor an der Reichsuniversität Straßburg gewesen war.6
Der zweite Versuch mit einem „Rezensionsblättchen“ war besser vorbereitet. Vor dem Start gründete man nach manchen Beratungen 1956 die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Förderung politischer Literatur e. V. Deren raffinierte Satzung war das Werk Ridders, wie er später erzählte, und machte die bald darauf erscheinende NPL zu einer besonderen Zeitschrift. Der erste Zweck war nämlich nicht ein Auffangbecken für Zuwendungen – darum ging es natürlich auch –, sondern etwas anderes und verbirgt sich hinter dem scheinbar banalen Vereinsziel:
Die Gesellschaft verfolgt den Zweck, zu einem vertieften Verständnis staatspolitischer Probleme beizutragen und die wissenschaftliche Arbeit auf allen Gebieten der Politik durch Einflussnahmen auf Publikationen, insbesondere periodischer Art, zu fördern [Hervorh. CD] (§ 2 Abs. 2).
Was damit gemeint war, wird ebenfalls scheinbar beiläufig in Paragraf 3 – Mitglieder – genannt: „Die Zeitschrift ‚NEUE POLITISCHE LITERATUR‘ wird jedem Mitglied zu einem Vorzugspreis geliefert“.7 Damit produziert qua Satzung der Verein die Zeitschrift, die folglich diesem selbst und eben nicht wie im Regelfall einem Verlag gehört, der damit im Zweifel das letzte Wort hat. Bis heute profitiert die NPL von dieser Unabhängigkeit, die noch dadurch gesteigert wird8, dass man dem Verein nicht einfach beitreten kann, sondern um Aufnahme ersuchen muss. So kam es – ohne dass das irgendwo formuliert wurde – dazu, dass der Verein nur aus einer Handvoll Mitgliedern besteht, die seit einer 1978 beschlossenen Satzungsänderung zugleich die Herausgeber sind. Um sich politisch und ethisch abzusichern, bestimmt die Satzung überdies, dass der Vorstand mit einfacher Mehrheit ein Mitglied ausschließen kann.9 Das ist sehr ungewöhnlich, denn meist ist dafür eine Mitgliederversammlung erforderlich, die ein bestimmtes Quorum erreichen muss.
Die satzungsgemäße Allmacht der Herausgeber steht aber nur auf dem Papier, denn da der Vereinszweck die Herausgabe einer Zeitschrift ist, benötigt diese eine Redaktion. Von ihr ist in der Satzung jedoch nicht die Rede und so brachte es die sorgfältige Personenauswahl der drei Gründungsherausgeber mit sich, dass von Anbeginn die Redaktion ein hohes Maß an Autonomie genoss und die Herausgeber so gut wie keinen Einfluss besaßen, Letztere aber im Gegenteil bei Beschwerden die Redaktion in Schutz nahmen.10 Das ist ungewöhnlich und eher noch ungewöhnlicher ist, dass die meisten Redakteure nach ihrer Tätigkeit in den Kreis der Herausgeber aufrückten und somit ihr Sachverstand nicht verloren ging. Tatsächlich gibt es bei Themen, Büchern und in Frage kommenden Rezensenten häufig Kontakte zwischen Redaktion und Herausgebern.
1956 begann also die NPL als Fortsetzung der PL. Die Gründungsherausgeber des ersten waren auch die des zweiten Versuchs, aber anders als 1952 umgaben sie sich diesmal von Anfang an mit einem Beraterkreis, der weniger aktiv als vor allem mit seinen Namen wirken sollte. Die 1954 in aller Eile hinzugerufenen Professoren hätten natürlich den Vortritt gehabt, aber es behielt nur einer seinen Platz: Hans Peters, seit 1949 Juraprofessor in Köln, Mitglied des Kreisauer Kreises und nach dem Krieg Mitgründer der CDU in Hamburg. Er starb allerdings bereits 1966. Von den anderen war Carlo Schmid als hochrangiger SPD-Politiker zeitlich zu sehr in Bonn und Straßburg in Anspruch genommen. August Freiherr von der Heydte war politisch inzwischen wohl wegen seines Eintretens zugunsten von Carl Schmitt vor allem in den Augen Ridders untragbar geworden, während sich Abendroth durch seine Kritik an der PL gegenüber der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung und seinen Versuch, Krummacher durch einen eigenen Mitarbeiter zu ersetzen, unmöglich gemacht hatte.11 So beriefen die drei als Flankenschutz zwei wissenschaftlich vielversprechende, obgleich ihnen in mancher Hinsicht eher fernstehende ehemalige Königsberger und NSDAP-Parteigenossen, nämlich Theodor Schieder und Werner Conze, ferner den gewerkschaftsnahen Gründer des Braunschweiger Internationalen Schulbuchinstituts Georg Eckert sowie den bisherigen Redakteur Helmut Röhr. Während sich Schieder und Conze aktiv beteiligten, ist von Peters und Eckert Vergleichbares nicht überliefert; Röhr musste den Trägerverein, wie berichtet, bereits 1959 verlassen. Eckert trat 1964 aus, Schieder offiziell 1970, doch brach im Schriftwechsel bereits 1960 der Kontakt ab12; Conze trat erst 1980 nach seiner im Vorjahr eingetretenen Emeritierung aus. Dass Schieder 1957 auch Herausgeber der „Historischen Zeitschrift“ (HZ) werden und Eckert 1961 das „Archiv für Sozialgeschichte“ (AfS) mitgründen sollte, konnten die Gründungsherausgeber natürlich nicht wissen, scheint sie aber auch später nicht gestört zu haben.
Bei diesen Persönlichkeiten blieb es jedoch nicht. Carlo Schmid sollte durch einen Freund Erwin Steins, Hermann Brill, ersetzt werden. Dieser war wie Schmid Mitbegründer der SPD, Mitglied des Verfassungskonvents von Herrenchiemsee, von Alliierten berufener (und wieder abgesetzter) Regierungspräsident, dann Hochschullehrer in Frankfurt und überdies aktiv im Widerstand gewesen. Er starb jedoch schon 1959, sodass in diesem Jahr zwei Vakanzen bestanden. So kam es damals zur Nachberufung des Remigranten und einflussreichen Freiburger Politikwissenschaftlers Arnold Bergstraesser und des frisch nach Bonn berufenen Professors für Wissenschaft von der Politik und Zeitgeschichte Karl Dietrich Bracher. Das Pikante daran: Mit dessen Habilitationsschrift über das Ende der Weimarer Republik13 hatte sich Conze 1957 in der HZ wegen Herabminderung der Verdienste Brünings außerordentlich kritisch auseinandergesetzt, dann aber die zweite Auflage von Brachers Buch 1959 ebenfalls in der HZ zum Anlass für eine weitgehende Rücknahme seiner Kritik benützt – ein wohl ziemlich einmaliger Fall in der Wissenschaft.14 Brachers Mitgliedschaft im Herausgebergremium stand somit nichts mehr entgegen. Die Berufung Walter Mallmanns, seit 1957 Professor für Öffentliches Recht in Frankfurt am Main, im ‚Dritten Reich‘ an der Ausbildung zum Volljuristen gehindert, hatte außer diesem menschlich-politischen Gütesiegel seinen Grund in Mallmanns perfekter Kenntnis des Zeitschriftenwesens, war er doch seit 1945 leitender Redakteur der renommierten „Juristenzeitung“ im Beck-Verlag und im Laufe der Zeit hervorragender Kenner des Verlags- und Presserechts geworden. Mallmann schied allerdings bereits 1964 wieder aus, was ihn die Freundschaft zu Ridder nicht gekostet hat, wurde er doch von diesem als Gründungsdekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät im Folgejahr nach Gießen berufen.
Dass 1962 der Rothfels-Schüler Waldemar Besson, seit dem Vorjahr Ordinarius für Politikwissenschaft in Erlangen-Nürnberg, in den Herausgeberkreis berufen worden ist, geht vermutlich auf die Initiative Krummachers zurück, der 1962 ZDF-Redakteur wurde, im selben Jahr wie Besson Mitglied im ZDF-Fernsehrat. Als einflussreiches CDU-Mitglied war er den Parteifreunden Stein und Strickrodt natürlich umso mehr willkommen. Weniger erbaut dürfte Bracher gewesen sein, denn Bessons Habilitationsschrift über die Auflösung der Weimarer Republik15 argumentierte ganz im Sinne Conzes und damit gegen den nur sieben Jahre älteren schwäbischen Landsmann. Besson starb allerdings überraschend schon 1971, kurz vor seiner geplanten Wahl zum Intendanten des ZDF.
Mit Bessons Berufung, aber nicht seinetwegen nähern wir uns dem Ende der ersten Phase der NPL-Geschichte. Dieses fällt ins Krisenjahr 1964. Damals verließ Krummacher, der seit 1953 maßgebliche, wenngleich nicht einzige Redakteur der Zeitschrift, die Schriftleitung (obwohl er noch bis 1967 als solcher im Impressum genannt wird). Seit 1956 hatte ihn der Historiker Alfred Milatz unterstützt, doch war dieser seit 1952 im Hauptberuf Generalsekretär der in Bonn angesiedelten Kommission für die Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, sodass man sich über den Sinn dieser Personalie durchaus kritische Gedanken machen kann. Zudem waren 1964 wieder einmal die Geldmittel zur Neige gegangen und wieder einmal drohte das Ende der Zeitschrift.
Dabei hatte sich der Anfang gut angelassen. Bis 1961 zahlten das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft Zuschüsse. Auch gingen dank dem in Wirtschaftskreisen gut vernetzten Strickrodt Spenden mancher Firmen ein, aber das waren alles keine Dauerlösungen. Vergeblich versuchte Stein über seinen Parteifreund Außenminister Heinrich von Brentano zu erreichen, dass sämtliche deutschen Botschaften die NPL abonnierten, denn selbst wenn Brentano länger im Amt geblieben wäre – er trat im Oktober 1961 aus Ärger über die FDP zurück –, hätte er sich diesem Ansinnen verschließen müssen. Schon 1957 diskutierten die Herausgeber auf Anregung Bergstraessers das Zusammengehen von NPL und der in München erscheinenden „Zeitschrift für Politik“, um sich gegen die wachsende Konkurrenz durch die „Politische Vierteljahresschrift“ und das HPB behaupten zu können. Aber das hätte einen weitgehenden Verzicht auf den ‚Geist‘ der NPL bedeutet, denn die Münchener Hochschule für Politik war politisch geradezu gegenteilig ausgerichtet. Viel besser hätte ein 1962 diskutiertes Zusammengehen mit dem Berliner Otto-Suhr-Institut gepasst. Dieses bangte jedoch damals selbst um die Sicherung seiner Existenz. Eine, wenn auch kurzfristige, Aushilfe bot die ebenfalls von Stein zuwege gebrachte Verbindung mit Martin Cremer, dem Leiter des 1961 von diesem in Frankfurt gegründeten Max-Planck-Instituts für Dokumentationswesen, dessen finanzielle Unterstützung das weitere Erscheinen der NPL zunächst sicherte, wenngleich um den Preis eines gekürzten Umfangs. Trotzdem erschienen ab 1962 die Hefte zunehmend unregelmäßig, weshalb zahlreiche Bezieher ihre Abonnements kündigten. Und dann geriet auch noch der seit 1956 die Zeitschrift publizierende Ring-Verlag in Schwierigkeiten. Krummacher entschloss sich zum Weggang ans ZDF. So war die Lage „beinahe aussichtslos“.16
Am Schluss dieses Rückblicks auf die erste Phase der NPL soll der Blick auf inhaltliche Fragen gerichtet werden, wobei ‚inhaltlich‘ nicht im engeren Sinne zu verstehen ist – denn wie ließe sich das erste Dutzend Jahrgänge inhaltlich angemessen wiedergeben, von den 70 bis heute aufgelaufenen ganz zu schweigen –, sondern Programm und Besonderheiten zu referieren.
Im Nachruf auf seinen Freund Georg Strickrodt rekapitulierte Erwin Stein 1990 die Gründungsidee von „1954“, wie er irrtümlich schreibt. Sie sei eine doppelte gewesen: „Die politische Wirklichkeit mit wissenschaftlichen Methoden erhellen zu helfen und dadurch zugleich verantwortungsbewußt auf ihre Gestaltung einzuwirken“.17 Diese politische Gestaltungsabsicht klingt für eine wissenschaftliche Zeitschrift heute sehr fremd, entsprach aber dem Zeitgeist der frühen 1950er Jahre, in denen um die grundsätzliche Ausrichtung der Bundesrepublik gerungen wurde und es mit ihrer Selbstanerkennung noch nicht weit her war. Ob PL und NPL tatsächlich irgendwo einen messbaren Erfolg in dieser Hinsicht hatten, lässt sich nicht feststellen und wäre auch sehr merkwürdig, denn wie soll ein fast von Anbeginn an taumelndes „Rezensionsblättchen“ mit bescheidener Auflagenhöhe18 dieses hochgesteckte Ziel erreichen? Und so haben auch Strickrodt und Ridder schon 1955 in einem Bettelbrief an das Presse- und Informationsamt davon gesprochen, dass der Zweck ihrer Zeitschrift die Unterstützung der Politik- als Demokratiewissenschaft und Hilfe bei der Etablierung der neuen Disziplin der Zeitgeschichte sei.19 Auch das war noch ziemlich vollmundig, sollte aber natürlich als Antragsprosa den Erwartungen des Geldgebers entsprechen.
In der Praxis ist eine Rezensionszeitschrift doppelter Abhängigkeit ausgesetzt: dem Buchmarkt und der Bereitschaft von Rezensenten zur Mitarbeit. Das schränkt ihre eben zitierte vollmundige Gestaltungsabsicht von vornherein ein und so begann auch das erste Heft der NPL mit einer Besprechung der Zusammenstellung niedersächsischer Wahlergebnisse durch Günther Franz20 – ausgerechnet, möchte man sagen, als ob es nicht zum Neuanfang 1956 einen weniger belasteten Autor gegeben hätte, und ausgerechnet durch einen ebenfalls nicht ganz unbelasteten Rezensenten. Aber das sind eben die Mühen der Ebene. Fast möchte man vom „hilflosen Antifaschismus“ sprechen.21
Zwei Jahre später reichte aber der Ruf der jungen NPL bereits ins Ausland. Jedenfalls würdigte 1958 die „Neue Zürcher Zeitung“ die Rolle der NPL für die Etablierung der jungen politikwissenschaftlichen Disziplin und wies dabei eigens auf deren Spezialität der Sammelbesprechungen hin.22 Einen regelrechten Paukenschlag bewirkte sie, als im selben Jahr auf Anregung Strickrodts alle drei Herausgeber der durchaus kritischen Rezension des Hartung-Schülers Richard Dietrich von Ernst Rudolf Hubers erstem Band der „Deutschen Verfassungsgeschichte seit 1789“ eine gemeinsame Besprechung voranstellten, die die „bewußte Programmatik“ dieses umstrittenen Staatsrechtlers angriff, die darauf ziele, „die Wirtschafts- und Staatsverfassung […] des frühen 19. Jahrhunderts schließlich noch zum Schicksal des späten 20. Jahrhunderts werden“ zu lassen. Dagegen helfe nur der Blick auf das von dem aufrechten Demokraten Friedrich Meinecke nach 1918 und erst recht nach 1945 entwickelte „neue Verfassungsverständnis“.23
Die NPL stand nicht mit der die gesamte Geschichtswissenschaft bedienenden HZ in Konkurrenz, sondern von Anbeginn an mit politikwissenschaftlichen Zeitschriften, vor allem aber mit dem HPB. Der Blick in die Inhaltsverzeichnisse beider Organe lässt die unterschiedliche Sicht auf die Welt sofort erkennen. Mehr noch gilt das für den Tonfall der Besprechungen. Eine Besprechung der Bücher Carl Schmitts war in der NPL undenkbar.24 Andererseits gaben PL und NPL von Anfang an25 ihre Ablehnung der offiziellen westdeutschen Ostpolitik zu erkennen, also des Beharrens auf einem Deutschland in den Grenzen von 1938 (trotz der Potsdamer Beschlüsse der Alliierten). Damit wagten sich die Zeitschriften auf vermintes Gebiet – lange bevor einflussreiche andere Akteure wie etwa die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine andere Ostpolitik befürworteten. Es war darum kein Wunder, dass die meisten Beschwerden bei diesem Thema eingingen.26
Eine davon kam ausgerechnet von Mitherausgeber Theodor Schieder, der seine im Erscheinen befindliche „Dokumentation der Vertreibung“ durch kritische Rezensionen in der NPL in Gefahr sah, nachdem er durch seinen ehemaligen Königsberger Kollegen Bolko Freiherr von Richthofen auf den bevorstehenden Druck eines entsprechenden Aufsatzes des Sorbonne-Professors Georges Langrod erfuhr. Schieder intervenierte sofort und monierte, dass der „gebürtige Pole“ Langrod 1958 einen Aufsatz (eine richtige Sammelbesprechung war das nicht) über Westdeutschland und die „unter vorläufiger Verwaltung stehenden deutschen Ostgebiete“ für die NPL schrieb, drohte mit Rücktritt und beriet sich mit seinem Duzfreund Conze, wie der Artikel zu verhindern sei. In Wahrheit setzte sich Langrod ganz allgemein kritisch mit dem vererbbaren Vertriebenenstatus auseinander und brachte die Vertreibung der Deutschen mit der nationalsozialistischen Volkstumspolitik in Zusammenhang.27 Nur dem diplomatischen Geschick Krummachers war es zu danken, dass der Eklat vermieden wurde. Krummacher war es auch, der (aus eigenem Antrieb?) damals einen Halbjahresband der NPL an Vertriebenenminister Theodor Oberländer schicken ließ, in dessen Haus die Dokumentation angesiedelt war, gewissermaßen als Beleg für die Seriosität der Zeitschrift. Oberländer bedankte sich ausführlich („Sehr geehrter Herr Kollege“). Schieder vermochte nun, möglicherweise als Entgegenkommen, eine Besprechung des von ihm herausgegebenen Doppelbandes „Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei“ durch Johann Wolfgang Brügel durchzusetzen.28
Mit Langrod hatten Herausgeber und Redaktion der NPL ganz gezielt einen ausländischen Autor ausgewählt, weil man es als wichtig erachtete, „zu wissen, wie die deutschen Argumente über das Problem der ehemals deutschen Ostgebiete in anderen Ländern gesehen werden“.29 Aufgrund der Aufregungen schon im Vorfeld wurde der Autor auch als ein „an der Sorbonne lehrender Sachkenner“ vorgestellt30 und dem Text von der Redaktion eine Nachbemerkung hinzugefügt, in der es hieß: „Im Interesse einer sachlich fundierten Diskussion wird auf früher in dieser Zeitschrift erschienene Beiträge zum gleichen Problemkreise verwiesen“.31 Auch wurden weitere Beiträge angekündigt.
Bei den Herausgebern oder der Redaktion beschwerten sich noch weitere Kollegen und Vertriebenenfunktionäre, so der bereits genannte Freiherr von Richthofen, ein gebürtiger Schlesier mit geschöntem Lebenslauf, der bei Krummacher die „Art und Weise der Behandlung von Ostfragen, insbesondere der Frage der sog. Oder-Neiße-Grenze“ in der NPL beklagte und den Abdruck eines Gegenartikels verlangte. Nach Ansicht der Redaktion handelte es sich dabei um „nichts weiter als die unkritische Ausschlachtung einer Publikation für die Propagandazwecke der Schlesischen Landsmannschaft“ und lehnte ab.32 – So der Göttinger Arbeitskreis, eine bereits 1946 gegründete Vereinigung überwiegend aus Ostpreußen vertriebener Hochschullehrer. Er hatte im Vorjahr das Buch „Deutsch-polnische Nachbarschaft. Lebensbilder deutscher Helfer in Polen“ herausgegeben, das erstmals 1940 von dem „thoroughly reliable Nazi historian“33 Kurt Lück unter dem Titel „Deutsche Gestalter und Ordner im Osten“ veröffentlich worden war. Nunmehr beklagte der Arbeitskreis Langrods Beitrag als „Schädigung der deutschen Sache“.34 – So nicht zuletzt der stramm nationalkonservative Bonner Historiker Walther Hubatsch, Mitglied des Göttinger Arbeitskreises und des Herausgebegremiums des HPB. Er war schon 1954 von der PL kritisiert worden35 und beschwerte sich nun bei seinem Kollegen Conze über die seiner Meinung nach tendenziöse Sammelrezension Eberhard von Vietschs über die von ihm 1958 begründete Reihe „Studien zur Geschichte Preußens“.36 Auch Hubatsch verlangte eine Gegendarstellung. Die wurde abgewiesen, denn man war sich intern einig, dass er für eine Richtung in der deutschen Geschichtswissenschaft stehe, „die die Grenzen von kritischer Forschung und nationaler Gesinnung mißachtet und verwischt hat“.37 – In Sachen Vertreibung, Ostpolitik und Minderheiten vertrat die NPL eine klare, in der Bundesrepublik lange Jahre nicht mehrheitsfähige Position, die sie mit einer Vielzahl von Besprechungen – ihre Zahl kann kein Zufall sein – immer wieder zu Gehör brachte. Das änderte sich auch nicht nach dem Weggang Krummachers und Milatz’, denn deren 1963 eingetretener Nachfolger Erwin Viefhaus hatte 1959 bei Theodor Schieder über Minderheiten promoviert und 1961 in der NPL eine erste Rezension zum Thema veröffentlicht.38
Richtig ernst schien die Lage zu werden, als der weltläufige Freiburger Jura-Assistent Hartmut Jäckel die Publikation des Göttinger Arbeitskreises, „Die deutschen Ostgebiete jenseits von Oder und Neiße im Spiegel der polnischen Presse“ (Würzburg 1958), in der NPL besprach und dort wie schon zuvor polnische Publikationen diesem Buch attestierte, es habe sich „einer groben Fälschung schuldig gemacht“.39 Die Herausgeber wussten, dass dies eine brisante These war, und hatten Jäckels Artikel zuvor – ein bisher nie dagewesener Fall – von dem Osteuropahistoriker Hans Lemberg begutachten lassen; dieser hatte keine Einwände. Im September 1960 beschwerte sich Freiherr von Braun bei der Redaktion. Sie nahm sofort über Waldemar Besson, der im Folgejahr in den Herausgeberkreis aufrücken sollte, Kontakt zu Hans Rothfels, Werner Markert und dem sich seit 1959 auf dem Rückzug von der NPL befindlichen Theodor Schieder auf – sie waren alle drei Mitglieder des Göttinger Arbeitskreises –, um ihren Rat zu erfahren. Als Braun dann aber beim Göttinger Amtsgericht gegen Verfasser und Redaktion Klage wegen übler Nachrede und Beleidigung einreichte, signalisierte immerhin der 1939 aus Deutschland vertriebene Rothfels, dass er an einer Auseinandersetzung mit dem revisionistischen Göttinger Arbeitskreis nichts auszusetzen habe.40 Die Beklagten trugen natürlich auf Abweisung der Klage an, aber das Gericht wollte sich darauf nicht einlassen. Befangenheit des Richters ist nicht ausgeschlossen, schrieb er doch Jäckel, die Vorstellung, „daß also die deutschen Ostgebiete ‚verloren‘ seien […] als Realität zu erklären, eröffnet fürchterliche Aussichten“.41 Im Sommer 1963 wollte das Amtsgericht die Sache wegen Geringfügigkeit einstellen, aber dem widersprachen die Beklagten mit Blick auf die Kostenfrage; diese war zugleich ein historischer Leckerbissen.42 So ging die Sache ans Landgericht, das nach drei weiteren Jahren einen Vergleich vorschlug, weil es sich außerstande sah, den Wahrheitsgehalt durch einen vereidigten Übersetzer prüfen zu lassen. Jäckel war dagegen, aber Krummacher und Milatz, inzwischen gar nicht mehr im Amt, wollten die Angelegenheit hinter sich bringen, sodass 1968 tatsächlich ein Vergleich geschlossen wurde, in dem sich die Parteien verpflichteten, die Sache ruhen zu lassen.
Am Schlusse dieser Schilderung der ersten Phase seien ein paar Bemerkungen zum disziplinären Stellenwert der Zeitschrift angefügt. Ihrem Titel nach mussten bevorzugt Bücher zur Regierungslehre, zur Demokratieforschung – sie lag besonders Ridder am Herzen –, zur Verfassungsgeschichte und zur Totalitarismusforschung besprochen werden43, gegebenenfalls auch Grundsatzfragen zum politischen Status der Gegenwart.44 Beim KPD-Prozess gab es Dissens zwischen Stein, der als Richter am Bundesverfassungsgericht beteiligt war, und dem das Verfahren ablehnenden Ridder.45 Zwischen beiden Disziplinen waren Beiträge zu Gegenwartsfragen, das heißt vornehmlich zur politischen Lage und zu politischen Entscheidungen angesiedelt. Sie lösten, wie berichtet, am ehesten Widerspruch, ja Streit aus. Und was die Geschichtswissenschaft betrifft, so standen das ‚Dritte Reich‘46, seine Vorgeschichte und der Umgang mit ihm nach 1945 im Vordergrund. Das schloss andere Themen wie etwa Beiträge zur Geschichte der Geschichtsschreibung nicht aus, wie Bilanzen zu Friedrich Meinecke, Gerhard Ritter oder Hans Rothfels belegen.47 Der Anteil zeitgeschichtlicher Besprechungen nahm alsbald zu, wohl eine Folge des Umstands, dass die Redaktion durchweg aus Historikern bestand (und bis heute besteht). Gleichwohl gibt es auffallende Lücken, insbesondere was die großen zeithistorischen Kontroversen betrifft. Indes: Eine Rezensionszeitschrift kann zu ihnen natürlich nur im Rahmen von Buchbesprechungen Stellung beziehen und nicht selbst in die Debatte eingreifen. Doch selbst diese eher bescheidene Möglichkeit wurde wenig genutzt. Immerhin beschäftigten sich bei der sogenannten Fischer-Kontroverse, dem ersten großen Streit in der deutschen Geschichtswissenschaft nach 1945, nicht weniger als vier teils mehr, teils weniger kritische Aufsätze mit den provokanten Thesen in Fischers „Griff nach der Weltmacht“. Am positivsten fiel Brachers Beitrag aus, der die von Fischer hergestellte Verbindung zwischen ‚Zweitem‘ und ‚Drittem Reich‘ als wichtigsten Ertrag lobte.48
Dass dem bis heute nichts Vergleichbares folgte, zeigt besser als viele Worte die enorme Bedeutung dieser Kontroverse in den frühen 1960er Jahren, weil sie eine zuletzt sogar international akzeptierte Selbstentlastung der Deutschen in Frage stellte. Inzwischen ist sie längst historisiert. Ernst Nolte hat seine unhistorische Faschismustheorie in mehreren Büchern dem Publikum dargeboten. Sein frühestes, die Habilitationsschrift von 1963, besprach der Celler Dozent Rolf-Joachim Sattler ausgesprochen ehrfurchtsvoll49; die anderen Bücher Noltes fallen in die zweite Epoche der NPL-Geschichte.
Zum Schluss sei noch einmal auf die prekäre Lage der NPL hingewiesen. Sie war ein Dauerzustand, denn nicht nur die Finanzierung stand auf sehr wackligen Beinen, sondern sie hatte seit 1956, als nicht mehr das Frankfurter Institut für Politische Wissenschaft als (fiktiver) Herausgeber im Impressum stand, keinen festen Redaktionssitz mehr, weshalb dort abwechselnd die Privatadressen der beiden Redakteure angegeben waren. Durch den schrittweisen Rückzug Krummachers musste 1962 gar die Redaktionsarbeit für gewisse Zeit eingestellt werden, denn Milatz war mit seiner Bonner Tätigkeit voll ausgelastet. Man sprach Erwin Viefhaus an, der damals Dozent an der Staatlichen Ingenieurschule Heilbronn war, aber im Vorjahr bereits eine Rezension verfasst hatte, und wurde mit ihm einig, dass er 1963 in die Redaktion eintreten sollte. Auch der Ring-Verlag hatte wegen Personalmangel zunehmend Schwierigkeiten mit Satz und Druck. Kein Wunder, dass die Zeitschrift, die immer noch den Anspruch hatte, monatlich in einem Heftumfang von durchschnittlich 50 Seiten publiziert zu werden, nur unregelmäßig erschien. Für institutionelle und nicht rein mäzenatische Geldgeber war das unattraktiv. An Honorarzahlungen hielt man allerdings fest50, sodass es keine Not gab, Rezensenten zu finden. Viele von ihnen kamen im Gegenteil selbst auf die Redaktion zu. Aber die Lage war ernst und verlangte eine grundsätzliche Änderung.
Stabilisierung in Darmstadt 1964–1990/91
Die maßgeblichen Figuren der zweiten Epoche der NPL sind die Darmstädter Professoren Eugen Kogon und Karl Otmar von Aretin – und ex negativo Georg Strickrodt.51 Kogon hatte vor 1964 keinen Kontakt zur Zeitschrift, wohl aber zu Erwin Stein. Sie kannten sich seit 1949, hatten dieselben Vorstellungen von dem, was der jungen Bundesrepublik nottue52 und arbeiteten darum gemeinsam in manchen Projekten.53
Wie es zum Angebot Kogons bei der Suche nach einem anderen Verlag kam, ist unbekannt. Aretin schrieb in seinem Nachruf auf den Kollegen lapidar54:
Als 1964 die Besprechungszeitschrift Neue Politische Literatur auf der Suche nach einem neuen Verlag war, sprang Kogon in die Bresche. Er erreichte [auch], daß für die Redaktion eine eigene Assistentenstelle an der Technischen Hochschule Darmstadt geschaffen wurde. Auf diese Weise wurde der langjährige Redakteur Prof. Dr. Erwin Viefhaus für Darmstadt gewonnen (S. 6).
Kogon kannte die Medienwelt aus eigener Erfahrung sehr gut und war außerdem seit 1951 Professor für Politikwissenschaft in Darmstadt. Es gelang ihm nicht nur, für Viefhaus zum 1. Januar 1965 eine unbefristete Assistentenstelle an der TH zu organisieren, die man wohl deshalb dem 1964 nach Darmstadt berufenen Aretin zuordnete55, weil beide Historiker waren und Aretin im Unterschied zu Kogon vor Ort lebte, sondern auch bei der gewerkschaftsnahen Bank für Gemeinwirtschaft finanzielle Unterstützung auszuhandeln und den Verlagswechsel zur ebenfalls gewerkschaftsnahen Europäischen Verlagsanstalt Frankfurt (EVA) zu organisieren. Auch unterstützte er die NPL materiell und vermittelte beispielweise Gymnasial-Abonnements – 1967 waren das nicht weniger als 900 Stück –, deren Kosten ein von ihm verwalteter Bildungsfonds trug.56 Kogon leistete 1964 also Beachtliches und es ist wohl nicht zu viel gesagt, in ihm den Retter der NPL zu sehen. Natürlich holten ihn Stein, Strickrodt und Ridder sofort in den Trägerverein, wo er bis zu seinem Tod Mitglied blieb, ohne freilich jemals nur eine einzige Zeile in der von ihm nun mitherausgegebenen Zeitschrift zu veröffentlichen.
Viefhaus zog 1966 nach Darmstadt und wurde 1967 nach dem endgültigen Weggang von Krummacher und Milatz – sie standen allerdings seit längerem praktisch nur noch im Impressum – alleinverantwortlicher Redakteur. Das endete, als er 1972 zum Professor ernannt wurde und ein höheres Lehrdeputat erfüllen musste, sodass Aretin ihm den Stipendiaten am Mainzer Institut für Europäische Geschichte, dessen Ko-Direktor er seit 1968 war, Günter Hollenberg beigab, der sich bis zu seinem Weggang in den hessischen Archivdienst 1978 die Redaktionsgeschäfte mit Viefhaus teilte. In diesem Jahr rückte Letzterer zu den Herausgebern auf und beendete seine Redakteurstätigkeit weitgehend, sodass der auf Hollenberg folgende Dieter Gessner, der in Köln promoviert hatte, die Arbeit allein erledigen musste. Vielleicht war das der Grund, dass er bereits 1979 die Redaktion wieder verließ und von Wolfgang Michalka ersetzt wurde, der von Manfred Schlenke in Mannheim promoviert worden war.
1964/65 war die NPL eine Besprechungszeitschrift, die „ganz der Zeitdiagnose gewidmet“ war und für die „der kritische Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus zum Markenkern“ gehörte.57 Es ist jedoch ziemlich eindeutig, dass die NPL nach ihrem Umzug nach Darmstadt kein politisches Projekt mehr verfolgte, sondern eine normale wissenschaftliche Zeitschrift sein beziehungsweise werden wollte. Viefhaus stellte als erstes 1964 die aufwendige, arbeitsintensive monatliche Erscheinungsweise auf Quartalshefte um und suchte dann schrittweise den Blick weiter zurück in die Vergangenheit zu erweitern sowie auf bisher eher unterbelichtete Themenfelder zu richten. Bei beidem hielt sich der Erfolg in Grenzen, denn altetablierte und neue Spezialzeitschriften waren in diesen Bereichen auf Dauer erfolgreicher.
Die maßgebliche Figur war trotz seiner Doppelbelastung in Mainz und Darmstadt spätestens 1970 Aretin. Man hatte ihn 1965 in den Kreis der Mitherausgeber aufgenommen, gleichzeitig mit Krummacher, bei dem dies jedoch als ehemaligem Redakteur eher Formsache war; so auch bei Milatz 1967. Die erste Bewährungsprobe für Aretin kam mit der „Doppelkrise 1971“58, als die EVA wegen geringer Rentabilität den Druck der NPL einstellen wollte und man nach der absehbaren Ernennung Viefhaus’ zum Professor ab 1972 einen weiteren Mitarbeiter benötigte. Aretins Kollege, der eben zum Präsidenten der TH Darmstadt gewählte Fritz-Fischer-Schüler Helmut Böhme, gewährte diesem umstandslos seine Bitte um eine Mitarbeiterstelle und wirkte auch bei der Suche nach einem neuen Verlag mit. Dies war der damals noch in Wiesbaden ansässige Franz Steiner Verlag, der schon länger für das Institut für Europäische Geschichte druckte. Zum Dank wurde Böhme 1972 in den Herausgeberkreis aufgenommen. Das Bündnis Aretin-Böhme bewährte sich noch im selben Jahr, als das nunmehr finanziell offenbar gesundete Otto-Suhr-Institut der FU Berlin Viefhaus samt der NPL zu sich holen wollte und ihm dafür eine Redaktionsstelle plus 10.000 DM pro Jahr anbot. Böhme nahm die Herausforderung an. Er setzte alles daran, Viefhaus zum Bleiben zu bewegen und Aretin, der sich abwartend verhielt, ebenfalls zu unterstützen. So bekam Aretin für die Redaktion eine halbe Sekretariatsstelle, während die EVA bisher nur 250 DM pro Monat für Bürokosten zugeschossen hatte59; auch übernahm Böhme die aufgelaufenen Schulden der Zeitschrift. Und er verschaffte Viefhaus’ Frau Marianne, promovierte Kunsthistorikerin und im Journalismus tätig, die neugeschaffene Stelle der Presse- und Kommunikationsreferentin der TH und sicherte damit langfristig den Verbleib des Ehepaars Viefhaus in Darmstadt.
Dort wurde zwar die Arbeit gemacht, aber die Letztentscheidungen hatten sich satzungsgemäß die drei Gründungsherausgeber vorbehalten. Solange diese sich nicht ins Alltagsgeschäft einmischten, konnte man darüber hinwegsehen. 1976 kam es aber zum grotesken „Registerstreit“, weil Strickrodt als Vorsitzender der Geschäftsführung das von ihm entworfene sachsystematische Register der Jahrgänge 1966 bis 1975 verwirklichen wollte. Es scheiterte nicht am Geld, sondern am entschiedenen Widerstand Aretins, der das als „Schwachsinn“ bezeichnete60 und eine Blamage für die NPL fürchtete. Intern ließ er nicht ganz ernst gemeint verlauten, ein Register der nicht besprochenen Bücher sei wichtiger.61
Da Aretin satzungsgemäß nichts beschließen konnte, plädierte er für eine Verjüngung des Trägervereins und hatte dabei Kogon, Milatz und Böhme auf seiner Seite. Bei der Herausgebersitzung Ende 1976 kam es zur Machtprobe. Aretin kündigte ultimativ seinen Austritt an, falls Strickrodt an seinem Vorhaben festhalte. Böhme sekundierte mit seinem Angebot, ein alphabetisches Register vom neuen Rechenzentrum der TH erstellen zu lassen. Das war schwieriger als erwartet und als es im Dezember 1977 immer noch nicht fertig war, kündigte Strickrodt seinen Rücktritt als Geschäftsführer, der er seit 1956 war, an.
Der Streit ging aber weiter, weil Strickrodt im Sommer 1978 behauptete, die drei Gründungsherausgeber besäßen die Urheberrechte an der NPL und die Trägergesellschaft existiere wegen ausgebliebener Vorstandswahlen nicht mehr. Als Ersatz schlug er die Errichtung einer Stiftung vor – er war Spezialist für Stiftungsrecht –, „mit dem erklärten Ziel, die NPL vor Änderungen ihrer Redaktionspolitik zu schützen“.62 Auf diese Kampfansage reagierte Aretin mit einem neuerlichen Ultimatum: Er trete „aus dem Herausgebergremium aus […], wenn Herr Stein oder Herr Strickrodt diesem weiter angehören“.63 Böhme sekundierte mit einem weiteren Ultimatum: Die TH werde jegliche Unterstützung der NPL einstellen, die ohnedies gegen Haushaltsrecht verstoße, wenn Aretin nicht ins Leitungsgremium gewählt werde. Auf der Mitgliederversammlung im Oktober 197864 kam es beim Thema Satzungsänderung zur Kampfabstimmung. Mit Mehrheit beschloss man die Gleichberechtigung aller Mitglieder des Trägervereins, die ab sofort in alphabetischer Reihenfolge im Impressum der NPL erscheinen sollten. Neuer Vorsitzender wurde der als Vermittler aktive Ridder, zum Geschäftsführenden Vorsitzenden hingegen wie gewünscht Aretin. Damit wurde die seither gültige Praxis begründet, dass der Darmstädter Professor für Neuere und Neueste Geschichte zugleich die Geschäftsführung der NPL innehat. Es ist tragisch, dass ein für die (Früh‑)Geschichte der NPL derart wichtiger Mann wie Strickrodt den Wandel der Zeiten nicht einzusehen vermochte.65
Der Zeitschrift schadete der Wechsel im geschäftsführenden Vorsitz nicht, im Gegenteil. Schon die Regelung 1972 war für den Trägerverein vorteilhaft, musste er nun kaum noch finanzielle Risiken tragen. Und dank der Anwesenheit der Redaktion in Darmstadt erhielten nun die beiden Institute für Geschichte und Politikwissenschaft im Tausch, also kostenlos, rund 30 Zeitschriftenabonnements.
Die Auflage stieg bis 1977 auf circa 1.200 frei verkaufte Abonnements, den historischen Höchststand dank der Anstrengungen des Gespanns Viefhaus/Hollenberg, sodass der Steiner Verlag ab 1980 die Finanzierung der Sekretariatsstelle übernahm. Aus heutiger Sicht paradiesische Verhältnisse, aber wie das eben so ist, auf Erden gibt es kein Paradies, ja es folgten nicht einmal wie im alten Ägypten (1. Mose 41) auf die sieben fetten Jahre nur sieben magere, sondern was die Auflagen wissenschaftlicher Bücher und Zeitschriften betrifft, nehmen die mageren Jahre kein Ende. Als die NPL-Abonnements auf 880 Stück gesunken waren, kündigte Steiner den Vertrag 1989. Aretin wurde nach einiger Suche mit dem Verlag Peter Lang handelseinig, der statt der Sekretariatsstelle nur noch das Salär für eine studentische Hilfskraft und die Porto-Kosten bezahlte, ansonsten aber hochzufrieden war, weil sein Geschäftsführer, Jürgen-Matthias Springer, die NPL als intellektuelles Flaggschiff seines Verlags betrachtete, der bisher mit seiner Produktion in der Geschichts- und Politikwissenschaft nur wenig Prestige hatte erringen können.
Überlegungen zur Absatzsteigerung finden sich seit den 1980er Jahren in jedem Protokoll der Herausgebersitzungen und die Redaktion unternahm manche Anstrengungen. Die auffälligste fand 1985 statt, als der 1979 eingetretene Wolfgang Michalka die jährliche Heftproduktion auf nur noch drei Stück verringerte und stattdessen mit der Herausgabe von Beiheften begann. Dahinter stand die Idee, nach dem Muster anderer Zeitschriften wie HZ oder VSWG der offenbar immer weniger geschätzten reinen Rezensionszeitschrift ‚richtige‘ Bücher an die Seite zu stellen. Die Beihefte waren Sammelbände mit Forschungsberichten. Das Themenspektrum reichte von klassischer Politikgeschichte, dem Spezialgebiet Michalkas, über politische Bildung bis zur Migrationsgeschichte.66 Dieser Band war der letzte, denn noch während des Herstellungsprozesses verließ Michalka Darmstadt, um eine sicherere Stelle als Bundesbeamter anzutreten. Es trat eine Vakanz von über einem Jahr ein. Erst dann konnte aufgrund einer Ausschreibung – dieses Erfordernis war ebenso neu wie die automatisch für wissenschaftliche Mitarbeiter geltende Befristung – Lutz Raphael als Inhaber der Redaktionsstelle gewonnen werden. Er kam aus Münster, wo er von der politischen Soziologin Karin Priester promoviert worden war. Besonders qualifizierte ihn, dass er neben breitem Fachwissen auch über Erfahrungen auf dem Gebiet des Druck- und Verlagsgewerbes verfügte.
Oben wurde behauptet, dass die NPL nach ihrem Umzug nach Darmstadt eine normale wissenschaftliche Zeitschrift sein beziehungsweise werden wollte. ‚Normalität‘ konnte unter den Bedingungen der 1970/80er Jahre eigentlich nur heißen, dass in dem von der NPL überblickten Themenspektrum die Selbstanerkennung der Bundesrepublik maßgeblich wurde und damit die Grundsatzdebatten früherer Zeiten abebbten. Ausnahme war der sogenannte Historikerstreit, in Grenzen auch noch der Streit um die Verbrechen der Wehrmacht, der um die Jahrhundertwende schon nur noch jene Gemüter erhitzte, die mit den Erkenntnissen der Geschichtswissenschaft nicht vertraut waren. Der Blick in die Jahresinhaltsverzeichnisse zeigt deutlich, dass die einst allgegenwärtige Streitkultur so gut wie verschwunden war. Besprochen wurde jetzt, was auf dem Markt war – im Grundsatz jedenfalls, denn in der Praxis hing viel von Vorlieben und Abneigungen der Redakteure ab und mehr noch von der Fähigkeit, willige Rezensenten aufzutreiben. Was diese betrifft, so ist eine Verschiebung von Professoren zum akademischen Mittelbau und Mitarbeitern außeruniversitärer Forschungsinstitute unübersehbar; erst recht nahm die Zahl der Studienräte, die bei der NPL wie auch bei den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte beziehungsweise der Politischen Vierteljahresschrift (PVS) lange Zeit das Gros der Abonnenten ausmachten, auch als Autoren einzelner Buchrezensionen stark ab. Die jahrzehntealte Verzahnung von Wissenschaft und Schule kam an ihr Ende. Sammelbesprechungen waren lange Zeit bevorzugtes Genre von Habilitanden, denen eine Würdigung der für sie maßgeblichen Forschungsmittel vergleichsweise leichtfiel. Inzwischen ist es sehr schwierig geworden, Autoren für eine Sammelbesprechung, die nützlichste Forschungshilfe überhaupt, zu gewinnen. Über die Gründe muss hier nicht nachgedacht werden.
Der Historikerstreit belegt eindrucksvoll den Wert solcher Sammelrezensionen. Ihn hatte bekanntlich Ernst Nolte ausgelöst. Sein geschichtspolitisches Sendungsbewusstsein war jedoch schon lange vor 1986 groß, sonst hätte er nicht Anfang jenes Jahres bei der NPL-Redaktion zur Besprechung seiner bis dahin erschienenen Faschismusbücher aufgefordert. „Den ‚Faschismus‘ überläßt man Herrn Dutschke und den Amerikanern“, klagte er.67 Mitherausgeber Besson rezensierte dann in Windeseile Noltes Werke ausführlich, aber nach Meinung Viefhaus’ zu positiv68, wie er dem Abendroth-Assistenten Reinhard Kühnl schrieb69, der gerne viel Kritischeres über den Marburger Professor (und Kollegen seines Doktorvaters) geschrieben hätte. Kühnl rezensierte stattdessen Literatur über den angeblich klassenbedingten „deutschen Faschismus“, bei dem es natürlich ohne Nolte nicht ging.70 Aber nicht nur Kühnl, auch Wolfgang Schieder wollte Noltes Faschismustheorie einer öffentlichen Prüfung unterziehen. Seine Anfrage an die Redaktion kam jedoch zu spät – das Thema war vergeben. Schieder hoffte jedoch: „Wenn Nolte aber seinen faschistischen Brei weiterhin immer wieder aufkochen wird, komme ich vielleicht doch auch noch einmal zum Zuge“.71 Das war in der Tat der Fall, zwei Jahre später ließ er die einschlägige Literatur von Kühnl bis Nolte sehr kritisch Revue passieren.72 Nolte dürfte – anders als von ihm selbst behauptet – einer der meistbesprochenen Autoren in der NPL sein.
In dem eigens angeforderten Beitrag zum Historikerstreit kam Nolte aber wenig zur Sprache. Er war klugerweise von einem Ausländer verfasst, und zwar von einem Professor der Universität Posen. Es ist nicht auszuschließen, dass Aretin, der 1984 als erster Deutscher dort den Ehrendoktor verliehen bekommen hatte, die Sache einfädelte. Henryk Olszewski, ein Kenner des Nationalsozialismus, besprach unvermeidlicher Weise nur einen kleinen Teil der dazu erschienenen Literatur, aber sein Fazit, dass die Debatte „die Wachsamkeit“ des Fachs erwiesen und Beiträge „zum Sinn geschichtlicher Vergleichbarkeit“ hervorgebracht habe, überzeugt auch aus zeitlicher Distanz.73
Abschließend ein kurzer Blick auf das Gesamtbild der NPL.74 Das Verhältnis von geschichts- zu politikwissenschaftlichen Beiträgen zwischen 1956 und 1970 lag bei 40 zu 37 Prozent. Zieht man die anfangs recht zahlreichen Artikel zur politischen Bildung ab und beschränkt sich auf die im strengen Sinne wissenschaftlichen, so wird das geschichtswissenschaftliche Übergewicht schon in dieser Zeit sichtbar. Inzwischen hat es noch weit deutlichere Konturen angenommen. Bemerkenswert ist der hohe Anteil der besprochenen ausländischen Literatur, der bei einem knappen Drittel lag. Mit Blick auf die Inhalte kam Anja Pinkowsky zu dem plausiblen Ergebnis75:
In der Gesamtschau gewinnt man den Eindruck, dass die Zeitschrift in den Jahren 1952 bis 1970 Spiegel der Selbstfindung der Disziplin der Zeitgeschichte und des ‚neuen‘ politikwissenschaftlichen Faches war, was sie insgesamt zu einem Spiegel der Wissenschaftsgeschichte der Geschichts- und Politikwissenschaften macht (S. 86).
Freilich blieb der Schwerpunkt auf der Politikgeschichte. Die Gesellschafts- und Strukturgeschichte fand nicht in dem Maß Berücksichtigung, wie man das in der Rückschau erwarten könnte.76 Selbst in der nächsten Epoche halten sich die hier einzureihenden Aufsätze in Grenzen. Setzte man Aretins sarkastischen Vorschlag vom Register der nicht besprochenen Werke um, würde Hans-Ulrich Wehler dort einen prominenten Platz einnehmen. Keines seiner maßgeblichen Bücher zur Gesellschaftsgeschichte wurde in der NPL rezensiert, obwohl das Kaiserreich häufig Gegenstand von Einzel- oder Sammelbesprechungen war. Aber auch anderswo ist Wehler der große Abwesende: In der zehnten Auflage des Gebhardt-Handbuchs zur deutschen Geschichte verfasste Volker Berghahn den Band zum Kaiserreich. Über die Gründe für diese auffallende Tatsache zu reflektieren ist hier nicht der Ort.
In ruhigem Fahrwasser? 1990/91 bis heute
Die letzte Phase der Geschichte ist rasch erzählt, denn der Autor gestaltete sie die Hälfte der Zeit aktiv mit und weiß natürlich als Historiker, wie problematisch Erinnerungen von Zeitzeugen sind. Mit diesen will er darum die Leser nicht mehr als unbedingt nötig behelligen.
Die vom Gespann Aretin/Böhme herbeigeführte Konsolidierung der NPL bescherte der Zeitschrift eine sichere Existenz. Sie war nicht länger von Spenden, Zuschüssen und Auflagenhöhe abhängig, sondern vom Rektorat beziehungsweise Präsidium, was zunächst schon deswegen völlig unproblematisch war, weil der Historiker Böhme Rektor und Mitherausgeber in einer Person war. Genau besehen handelte es sich bei der Zeitschrift nun um ein Organ der Technischen Hochschule beziehungsweise Universität, denn diese finanzierte eine Redakteursstelle (die anfangs unbefristeten Charakter hatte) sowie eine studentische Hilfskraft und stellte die räumliche und sächliche Ausstattung. Der Darmstädter Professor für Neuere und Neueste Geschichte war zugleich geschäftsführender Herausgeber; so stand es in den Stellenausschreibungen 1988 und 2007.
Aber noch vor dem Wechsel von Aretin zu Dipper zeigte sich der Nachteil dieser Abhängigkeit, denn beim Weggang Michalkas wurde die Stelle des Redakteurs befristet, weil jedes Institut am Fachbereich nur eine Dauerstelle haben durfte, und eine zweite folglich endlose Debatten auslösen würde. Lutz Raphael bekam daher 1988 einen Fünfjahresvertrag und als 1990 Dipper zum Nachfolger Aretins ernannt wurde, stand dieser vor dem Dilemma, entweder einen wissenschaftlichen Mitarbeiter per Ausschreibung zu suchen und Raphael nach zwei Jahren ziehen zu lassen oder diesen zum Mitarbeiter zu machen und die Redakteursstelle damit sofort statt erst in zwei Jahren zu opfern. Er hatte gute Gründe, sich für letzteres zu entscheiden, zumal er einen, wenn auch bescheidenen Ersatz in Gestalt einer Stelle für eine wissenschaftliche Hilfskraft mit Abschluss bekam. Von nun an war der Mitarbeiter am Lehrstuhl, um es altmodisch zu formulieren, zugleich Redakteur der NPL, und das bedeutet, dass die Redakteure fortan zum wissenschaftlichen Nachwuchs gehörten. Und in der Tat erlangten alle drei bisher auf dieser Stelle beschäftigten Mitarbeiter nach ihrem Abgang eine Professur: Lutz Raphael in Trier, Ute Schneider in Essen und Birte Förster in Bielefeld.77 Das ist, vorsichtig gesagt, nicht bei allen Zeitschriften der Fall.
Dieses ganze Konstrukt galt bis 2008 ad personam, das heißt bis zum Eintritt Dippers in den Ruhestand. Seither sind alle Zusagen befristet, sodass die Ausstattung der Redaktion mehr als früher von der Kassenlage der Hochschule einerseits und dem Engagement der Universitätsleitung andererseits abhängt. Bei beidem erlebte die NPL in den vergangenen Jahren Schwankungen. Ende 2024 eröffnete die Präsidentin der TU Darmstadt dem Geschäftsführenden Vorsitzenden, Jens Ivo Engels, nämlich, dass die Finanzierung der Redaktionsstelle zum 31. Dezember 2024 auslaufe. Grund sind die zu erwartenden Haushaltskürzungen für 2025 und die folgenden Jahre im Zusammenhang mit dem damals noch nicht ausverhandelten neuen Hochschulpakt für Hessen. Wie die Präsidentin und der Kanzler am 7. Juli 2025 in einem E‑Mail-Rundschreiben an alle Hochschulangehörigen mitteilten, wolle man sich bei den Kürzungen „auf die Stärken und das Kernprofil unserer Universität“ konzentrieren. Die Förderung einer Zeitschrift wie der NPL zählt offensichtlich nicht (mehr) dazu.
2008 war die NPL längst nicht mehr dieselbe wie 1991. Erstens hatte sie ihr Themenspektrum dem Wandel der Zeit angepasst und berichtete nun regelmäßig über Debatten zur politischen Theorie, über Fragen der Sicherheitspolitik, des zusammenwachsenden Europas, der internationalen Beziehungen und der Globalisierung und natürlich zur deutschen und europäischen Geschichte seit dem 19. Jahrhundert. Weil die genannten Disziplinen seit einigen Jahren im Generationsumbruch begriffen sind, beschlossen die Herausgeber zweitens ein ganz neues Format: Sie ließen die abtretenden Größen ihres Faches durch Kollegen interviewen. Selbsteinschätzung und Selbstauslegung stehen dabei naturgemäß im Mittelpunkt, die Disziplingeschichte kommt jedoch nicht zu kurz. Kein anderes Organ machte damals Vergleichbares, sodass auch in dieser Hinsicht die NPL ohne Konkurrenz war. Drittens griff die NPL auch Themen auf, die im Schnittpunkt von Tagespolitik und Wissenschaft liegen. Weil sich in zahlreichen Ländern Europas die Versuche der Politik zu häufen begannen, die Deutung der Vergangenheit durch Parlamentsbeschluss oder auf andere Weise zu steuern, und dieser Vorgang in den anderen wissenschaftlichen Zeitschriften nur wenig oder gar keine Beachtung fand, entschlossen sich die Herausgeber, diese Vorgänge durch kritische Beobachter aufgreifen und kommentieren zu lassen. Es erschienen Beiträge zu Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Großbritannien, Polen, Lettland, Russland und der Türkei sowie ein bilanzierender Aufsatz Dippers.78 Viertens begann die NPL, Essays zu publizieren. Herausragende Neuerscheinungen sollten rascher und ausführlicher vorgestellt werden können als beim herkömmlichen Rezensionsverfahren – eine Neuerung, die sich sehr bewährt hat.
Auch im Erscheinungsbild hatte sich einiges geändert. Eine Veränderung des Layouts hat die Lesbarkeit beträchtlich verbessert. Viel wichtiger waren natürlich die ersten Schritte zusammen mit dem Peter Lang Verlag in die Digitalisierung. Ausgewählte Einzelrezensionen und Essays wurden ins Netz gestellt, was die Sichtbarkeit der Zeitschrift nachweislich erhöhte. So nutzte etwa der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages einige Jahre lang mit einer eigenen Verlinkung die Hefte und die Internetausgabe zur Information der Parlamentarier. Das Goethe-Institut empfahl die NPL auf seiner einschlägigen Homepage dem internationalen Publikum, bis es unter Außenministerin Annalena Baerbock einem kulturellen Kahlschlag ausgesetzt wurde und selber einen namhaften Teil seiner Bibliotheken gerade in Europa schließen musste. Die Digitalisierung betraf natürlich nicht nur die höhere Wahrnehmbarkeit der Zeitschrift, sondern auch die internen Abläufe. Die Redaktion verfügte um 1995 über einen riesigen Satz Karteikarten, auf denen Autoren beziehungsweise Kandidaten sowie Titel verzeichnet waren. Mit dem Informatiker Thomas Werner fand man einen so hilfsbereiten wie kenntnisreichen Fachmann, der mit der Konstruktion einer Datenbank begann, für die es damals, Ende der 1990er Jahre, kein Muster gab. Diese Datenbank wurde schließlich 2014 nach langer Vorarbeit in der Redaktion durch Birte Förster, Philipp Hertzog und Silke Vetter-Schultheiß in Zusammenarbeit mit der Münchner Firma mediaventa und mit Unterstützung des damals herausgebenden Verlages Peter Lang in ein online gehostetes Content Management System (CMS) überführt, das die NPL bis heute nutzt. Neben der reinen Verwaltung von Autoren, Rezensionsexemplaren und Beiträgen gehört dazu auch ein Teil der Kommunikation zwischen den Beteiligten.
Alle diese (und weitere, hier nicht angesprochene) Maßnahmen konnten und können jedoch das Sinken der Abonnentenzahlen nicht aufhalten. Der Lang-Verlag trug’s mit Fassung, solange Jürgen-Matthias Springer sein Geschäftsführer war. Springer, ein ausgesprochener Bonvivant, lud sogar bei der Mitgliederversammlung 2011 die Anwesenden aus Anlass der zwanzigjährigen Zusammenarbeit zum Essen ein. Sein Nachfolger Martin Meidenbauer setzte diese Linie fort. Aber nicht nur der Verlag kam 2015 ins Trudeln, sondern auch die Fortexistenz der NPL in der herkömmlichen Form wurde nach 50 Jahren wieder Thema. Wenn es im Protokoll der Mitgliederversammlung 2014 heißt: „Die Abonnementszahlen entwickeln sich erfreulich“79, obwohl die Zahl der Abonnements von 385 auf 383 gesunken war, dann bedeutet das offensichtlich, dass die hergebrachten Maßstäbe für eine wissenschaftliche Zeitschrift nicht länger Geltung beanspruchen können. Nicht nur die NPL war und ist von dieser Entwicklung betroffen, es kämpfen inzwischen ja alle Printmedien um ihre Existenz. Die vom Redaktionsteam von „H-Soz-Kult“ 2021 veranlasste Diskussion zum Thema „Buchrezensionen in den Geschichtswissenschaften“80, deren Hintergrund der dort diagnostizierte sinkende Stellenwert von Rezensionen durch das Wissenschaftssystem bildete, sprach darum nur einen Teil des Problems an, und selbst dieser wurde von Olaf Blaschkes quantifizierender Analyse ins Reich der Legenden verwiesen81 – nicht ganz zu Recht. Denn das veränderte Leseverhalten als Technikfolge und die sich ändernden Einstellungen der Gebildeten zum Buch(‑Kauf) und privaten Zeitschriftenabonnement – eine umfangreiche private Bibliothek verschafft heutzutage kaum noch Distinktionsgewinn – sind der eigentliche Grund für den dramatischen Wandel. Mehr noch: Vielleicht gehen auch der Geschichtswissenschaft allmählich die Leser aus, weil seit einiger Zeit Politik und öffentliche Meinung von der Wissenschaft in erster Linie Problemlösungen verlangen anstelle des hergebrachten Nachdenkens über Grundlagen.82 Die Studentenzahlen gehen jedenfalls im Fach Geschichte seit Jahren zurück83, während die Politikwissenschaft dank ihrer inzwischen erreichten Praxisorientierung vergleichbarer Schwierigkeiten enthoben zu sein scheint. Sollte dies stimmen, wäre der Weg der NPL ins Internet auch kein Ausweg. Aber der Historiker weiß: Aus der Vergangenheit kann man nicht auf die Zukunft schließen, schon gar nicht existieren über lange Zeiten lineare Entwicklungen. Deshalb ist der Weg der NPL in den digitalen ‚Untergrund‘ zwar nicht alternativlos, aber die richtige Entscheidung. Seien wir also optimistisch, was die Zukunft des „Rezensionsblättchens“ betrifft. Es hat schon etliche Häutungen überstanden, einige waren dramatischer.
Interessenkonflikt
C. Dipper gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Notes
- In eigener Sache: „… zwischen Vergangenheit und Gegenwart kritische Brücken schlagen“, in: Sozial.Geschichte Online 30 (2021), S. 13–23, hier S. 22, URL: <https://duepublico2.uni-due.de/receive/duepublico_mods_00074944> [Zugriff: 19.08.2025]. ⮭
- 2024 ging auch die „Moderne Stadtgeschichte“ (MSG) in den digitalen ‚Untergrund‘ und begründete das mit der Erwartung, „dass dieser Schritt zur Erhöhung der Sichtbarkeit beiträgt“, vgl. Haumann, Sebastian/Föllmer, Moritz/ Hein-Kircher, Heidi/Lorke, Christoph: Editorial, in: MSG 55 (2024), H. 2, S. 5 f., hier S. 5, URL: <https://www.moderne-stadtgeschichte.de/index.php/msg/article/view/71/42> [Zugriff: 19.08.2025]. Finanziell steht die Zeitschrift auf gesundem Fundament. ⮭
- Ich stütze mich für die Zeit bis 1970 ganz wesentlich auf die verdienstvolle MA-Thesis von Anja Pinkowsky: Die (Neue) Politische Literatur. Zeit- und Wissenschaftsgeschichte im Spiegel einer Zeitschrift, Darmstadt 2015. Freilich periodisiere ich anders, beurteile manches anders und berichtige Fehler stillschweigend. – Im Wesentlichen eine Zusammenfassung ist Engels, Jens Ivo/Pinkowsky, Anja: Die Frühgeschichte der ‚(Neuen) Politischen Literatur‘ 1952–1970, in: NPL 60 (2015), H. 3, S. 367–384. ⮭
- Perels, Joachim: Stationen im Leben eines Juristen. Helmut Ridder im Gespräch mit Joachim Perels, in: NPL 50 (2005), H. 3, S. 365–382. ⮭
- Zu Rössler und Schüßler vgl. Lukitsch, Kristof: „Braune Anfänge“: Die Darmstädter Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit, in: Dipper, Christof/Engels, Jens Ivo (Hrsg.): Karl Otmar von Aretin. Historiker und Zeitgenosse, Lang, Frankfurt a. M. 2015, S. 149–172. ⮭
- In der zusammen mit Hellmuth Rössler herausgegebenen 1. Auflage des Biographischen Wörterbuchs zur Deutschen Geschichte von 1953 endete der von Franz verfasste Eintrag zu Hitler mit dem Satz: „Nach Hindenburgs Tode vereinte H. als ‚Führer und Reichskanzler des dt. Volkes‘ das Amt des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers und verwandelte damit die Weimarer Republik in eine Diktatur“, München 1953, S. 359 f., hier S. 360. Das noch oft aufgelegte Nachschlagewerk wurde von der PL nicht besprochen. ⮭
- § 3, 4. ⮭
- Das Content Management System, das Jens Ivo Engels aus Mitteln seiner Professur hat entwickeln lassen, stärkt die Unabhängigkeit der Zeitschrift noch weiter. ⮭
- § 3, 6. Dem kam 1959 Helmut Röhr durch den nahegelegten Austritt zuvor (Protokoll der Vorstandssitzung vom Dezember 1958, in: HHSTA Wiesbaden, Abt. 1178, Nr. 250: NL Stein, Nr. 138). Er war wegen Unterschlagung von Geldern der Universität Marburg verurteilt worden. ⮭
- Ein vergleichsweise junges Beispiel dafür ist der Brief Aretins an den immer schnell beleidigten Bonner Kollegen Konrad Repgen, der sich bei der NPL-Redaktion über einen Aufsatz Ridders beschwert hatte: „Solange ich in Darmstadt war, habe ich mir zur Aufgabe gemacht, dass Rezensionen nur dann im Einvernehmen mit dem Autor korrigiert werden, wenn eine persönliche Beleidigung vorkommt. […] Man wird sonst sehr schnell eine Zensur einrichten.“, Aretin an Repgen, 10.11.1992; zit. n. Engels, Jens Ivo/Pinkowsky, Anja: Aretin als Herausgeber der NPL, in: Dipper/Engels, Aretin (wie Anm. 5), S. 59–78, hier S. 78, Anm. 61. Aretin war 1988 emeritiert worden. ⮭
- Pinkowsky: (Neue) Politische Literatur (wie Anm. 3), S. 69, Anm. 790, unter Berufung auf einen Brief Krummachers an Ridder vom 23.03.1955. ⮭
- In einer redaktionellen Notiz in Heft 1 (1973) heißt es, sein Ausscheiden realisiere einen „schon vor Jahren von ihm nicht zuletzt im Hinblick auf seine Beanspruchung als Herausgeber der ‚Hist. Zeitschrift‘ geäußerten Wunsch“. Schieder habe nur noch auf Bitten der Herausgeber den Verlagswechsel Anfang 1972 vom Ring-Verlag (Stuttgart und Düsseldorf, aber eigentlich Villingen – derselbe Verlag, der Brachers Habilitationsschrift gedruckt hatte), der seit 1956 die Zeitschrift druckte, zu Steiner abgewartet. ⮭
- Bracher, Karl Dietrich: Die Auflösung der Weimarer Republik. Eine Studie zum Problem des Machtverfalls in der Demokratie, Ring-Verlag, Stuttgart u. a. 1955. ⮭
- Vgl. HZ 183 (1957), S. 378–382, sowie HZ 187 (1959), S. 407 f. Es ist nicht auszuschließen, dass Conzes Mentor Hans Rothfels dabei hinter den Kulissen agiert hat. Conze hatte schon 1953 Brüning vehement verteidigt: Dokumentation. Zum Sturz Brünings, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1 (1953), H. 3, S. 261–288, und dann nochmals 1967: Die Regierung Brüning, in: Hermens, Ferdinand Aloys/Schieder, Theodor (Hrsg.): Staat, Wirtschaft und Politik in der Weimarer Republik. Festschrift für Heinrich Brüning, Duncker u. Humblot, Berlin 1967, S. 233–248. Doch desavouierten Brünings 1970 erschienene Memoiren Conzes Verteidigungsstrategie dann endgültig. Vgl. Bracher, Karl Dietrich: Brünings unpolitische Politik und die Auflösung der Weimarer Republik, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 19 (1971), H. 2, S. 113–123. ⮭
- Besson, Waldemar: Württemberg und die deutsche Staatskrise 1928–1933. Eine Studie zur Auflösung der Weimarer Republik, DVA, Stuttgart 1959. ⮭
- Pinkowsky: (Neue) Politische Literatur (wie Anm. 3), S. 74. ⮭
- Stein, Erwin: Georg Strickrodt, 5. März 1902–28. Februar 1989, in: Mitteilungen der Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e. V., 26 (1990), S. 859–863, hier S. 861. ⮭
- Der Ring-Verlag teilte Ende 1958 den Herausgebern mit, die Auflage betrage „über 600“ Exemplare und werde in 21 Ländern gelesen. Letzteres ist vielleicht nicht ganz so bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass damals Deutsch noch eine Wissenschaftssprache war. Unter den namentlich aufgeführten ausländischen Abonnenten sind etliche geflohene Juden wie Hans Kohn in New York und Walter Laqueur in Jerusalem (BArch Koblenz, NL Theodor Schieder, N 1188–443). ⮭
- Strickrodt und Ridder, 27.10.1955; zit. n. Pinkowsky: (Neue) Politische Literatur (wie Anm. 3), S. 50, Anm. 574. ⮭
- Sattler, Rolf-Joachim: Parteien, Wahlen und Regierungsbildung. Untersuchungen am Beispiel Niedersachsens, in: NPL 1 (1956), Sp. 2–11. Zu dem 1915 geborenen Celler Hochschuldozenten Sattler, der seine Karriere nur dank politischer Protektion durch die CDU bis ins Saarland fortsetzte, zuletzt: Unger, Thorsten: Warum kündigte Dr. Sattler? Eine Hochschuldozenten-„Karriere“ im Niedersachsen der Nachkriegszeit, in: Heuvel, Christine van den/Steinführer, Henning/Steinwascher, Gerd: Perspektiven der Landesgeschichte. Festschrift für Thoma Vogther, Wallstein, Göttingen 2020, S. 549–571. ⮭
- So der berühmte Buchtitel von Wolfgang Fritz Haug: Der hilflose Antifaschismus, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1967. ⮭
- NZZ Nr. 316, 17.11.1958, Fernausgabe. ⮭
- Ridder, Helmut/Stein, Erwin/Strickrodt, Georg: Verfassungsgeschichte im Blick auf zukünftige Aufgaben, in: NPL 3 (1958), Sp. 731–736, hier Sp. 735 f., sowie Richard Dietrich, in: ebd., Sp. 736–739. ⮭
- Die erste Besprechung eines Buches von Carl Schmitt findet sich in Band 2 des HPB (1954), S. 217 f. Der bekanntlich auf beiden Schultern tragende Conze rezensierte hier wie dort. ⮭
- Der früheste Nachweis: Brügel, Johann Wolfgang: Das deutsch-tschechische Verhältnis, in: PL 3 (1954), Sp. 479–488. Brügel war ein nach London geflohener sudetendeutscher Jurist sozialdemokratischer Prägung, der nach 1946, dem Datum seiner zweiten Flucht, dort als freischaffender Historiker und Journalist lebte. ⮭
- Das Folgende nach Pinkowsky: (Neue) Politische Literatur (wie Anm. 3), S. 107 ff., und die Nachlässe Schieder und Stein im Bundes- bzw. Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. ⮭
- Langrod, Georges: Zur Frage der deutsch-polnischen Beziehungen, in: NPL 3 (1958), Sp. 279–304. ⮭
- Brügel, Johann Wolfgang: Versailles–München–Potsdam. Die deutsch-tschechischen Beziehungen im Wandel der jüngsten Zeit, in: NPL 4 (1959), Sp. 1–22. Besprechung von: Bundesministerium für Vertriebene (Hrsg.): Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei, 2 Bde. (Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa, Bd. 4), o. O. 1957. ⮭
- Stein an Krummacher, 24.04.1958. Diese Formulierung tauchte wörtlich in der Langrods Text vorangestellten redaktionellen Bemerkung auf. ⮭
- Der sich in Frankreich Georges nennende Jerzy Stefan Langrod (1903–1990) war 1931 in Krakau Professor für Verwaltungsrecht geworden, kam nach dem Krieg an der Sorbonne unter, lehrte dann von 1952 bis 1959 an der Universität Saarbrücken – hier verfasste er wohl auch den NPL-Aufsatz –, anschließend in London und von 1962 bis 1975 an der berühmten 6e Section der École Pratique des Hautes Études in Paris. ⮭
- Sp. 304, Anm. 51 (Anm. der Redaktion). ⮭
- Krummacher an Ridder, 06.02.1959. ⮭
- Burleigh, Michael: Germany Turns Eastwards. A Study of Ostforschung in the Third Reich, Cambridge UP, Cambridge u. a. 1990, S. 85. Bis zum Zweiten Weltkrieg verdankte Lück sein Fortkommen vor allem Albert Brackmann. ⮭
- Joachim Frh. v. Braun an Conze, 23.06.1958, der den Brief an Stein weiterleitete (im NL Stein). Braun war Geschäftsführendes Vorstandsmitglied. ⮭
- Weerth, Heddy: Plädoyers für Preußen, in: PL 3 (1954), Sp. 38–43. ⮭
- Von Vietsch, Eberhard: Das preußische Problem, in: NPL 4 (1959), Sp. 253–258. ⮭
- Krummacher an die Herausgeber, 10.06.1959. ⮭
- Viefhaus, Erwin: Die Minderheitenfrage und die Entstehung der Minderheitenschutzverträge auf der Pariser Friedenskonferenz 1919. Eine Studie zur Geschichte des Nationalitätenproblems im 19. und 20. Jahrhundert, Holzner, Würzburg 1960; ders.: Sudetenfrage und Sudetenkrise, in: NPL 6 (1961), Sp. 595–610. ⮭
- Jäckel, Hartmut: Die Heimatvertriebenen und das Völkerrecht, in: NPL 5 (1960), Sp. 685–794, hier Sp. 695 f. ⮭
- Besson an Krummacher, 24.11.1960. ⮭
- Amtsgericht Göttingen, Brief vom 29.11.1962 an Jäckel. ⮭
- Besonders die Rechtsgrundlage der Kostenauferlegung für die Angeklagten, eine „Notverordnung aus der Brüning-Zeit!!“, erregte den Ärger Krummachers; vgl. Brief vom 12.06.1963 an Stein. ⮭
- Als Beispiel: Rothe, Wolfgang: Leviathan in unserer Zeit, in: NPL 1 (1956), Sp. 103–109 zu Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft, EVA, Frankfurt a. M. 1955. ⮭
- Etwa Strickrodt, Georg: Atomzeitalter – ein Öffentlichkeitsproblem, in: NPL 3 (1958), Sp. 941–962. ⮭
- Ridder, Helmut: Streitbare Demokratie?, in: NPL 2 (1957), Sp. 351–368. Ferner Lange, Max Gustav: Das Dokumentarwerk über den KPD-Prozeß. Probleme des Marxismus-Leninismus, in: NPL 3 (1958), Sp. 713–732. ⮭
- Knapp 10 % aller Beiträge in der PL und knapp 14 % in der NPL galten nach Berechnung von Pinkowsky: (Neue) Politische Literatur (wie Anm. 3), S. 80, diesem Thema. ⮭
- Näheres dazu ebd., S. 86 ff. ⮭
- Ebd., S. 88. ⮭
- Sattler, Rolf-Joachim: Der europäische Faschismus, in: NPL 9 (1964), Sp. 77–92 zu Nolte, Ernst: Der Faschismus in seiner Epoche. Die Action française – der italienische Faschismus – der Nationalsozialismus, Piper, München 1963. ⮭
- Sie waren eher üppig, wenn man bedenkt, dass Einzelrezensionen mit 30 bis 60 DM, Sammelbesprechungen mit 150 bis 200 DM honoriert wurden. Zum Vergleich: 1964 verdiente ein unverheirateter Assistent (A 13) – er musste promoviert sein, um eingestellt werden zu können – in der niedrigsten Stufe monatlich 932 DM brutto, vgl. Tabelle nach dem Dritten Gesetz über die Erhöhung von Dienst- und Versorgungsbezügen vom 21. Februar 1963, URL: <https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/beamte/bund/a/1964?id=beamte-bund-1964&matrix=1> [Zugriff: 24.07.2025]. ⮭
- Strickrodt war von 1950 bis 1954 Finanzvorstand der Darmstädter Firma Merck und wechselte im Anschluss daran zunächst als Honorar- und ab 1965 als ordentlicher Professor für Finanz- und Steuerrecht an die TH Darmstadt; er wurde 1971 emeritiert. ⮭
- Als Beispiel sei lediglich mit Blick auf obige Auseinandersetzung genannt: Kogon, Eugen: Diskussion um „Heimatrecht“, in: Frankfurter Hefte 15 (1960), S. 533–544. Kogon war zusammen mit Walter Dirks von 1946 bis 1984 Herausgeber der „Frankfurter Hefte“. ⮭
- Einzelheiten bei Pinkowsky: (Neue) Politische Literatur (wie Anm. 3), S. 54 f. ⮭
- Freiherr von Aretin, Karl Otmar: Eugen Kogon 1903–1987, in: NPL 33 (1988), H. 1, S. 5 f. Pinkowsky merkt zu Recht an, dass nur der Blick in Kogons Nachlass im Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung seine Rolle beim Übergang der NPL nach Darmstadt erhellen könnte. Viefhaus wurde übrigens erst 1972 auf der Grundlage des neuen Hessischen Hochschulgesetzes als promovierter Inhaber einer Dauerstelle zum Professor ernannt. ⮭
- Diese Berufung war im Wesentlichen Kogons Werk. Einzelheiten dazu in Dipper, Christof: Der Zeithistoriker Aretin oder: Wer war Aretin bei seiner Berufung 1964?, in: Dipper/Engels, Aretin (wie Anm. 5), S. 9–29, hier S. 28 f. ⮭
- Engels/Pinkowsky, Aretin (wie Anm. 10), S. 73. ⮭
- Ebd., S. 60. ⮭
- Ebd., S. 61. Das Folgende ganz überwiegend nach diesem Aufsatz. ⮭
- Außerdem zahlte die EVA Viefhaus 450 DM und Krummacher und Milatz je 300 DM pro Monat, verlangte aber umgekehrt einen Druckkostenzuschuss von 6.700 DM pro Heft, was ein hohes Risiko für den Trägerverein bedeutete, vgl. ebd., S. 72. Böhmes Großzügigkeit kam da gerade recht. ⮭
- Zit. ebd., S. 65. ⮭
- So erzählte er dem Verfasser später. ⮭
- Engels/Pinkowsky, Aretin (wie Anm. 10), S. 68. ⮭
- Aretin an Ridder, 29.08.1978; zit. ebd., S. 69. ⮭
- Und nicht 1979, wie bei Engels/Pinkowsky, Aretin (wie Anm. 10), S. 70, zu lesen. Volker Köhler danke ich für die Hilfe bei der Klarstellung. ⮭
- Gerechtigkeit ließ ihm Ridder in seinem Nachruf in der NPL geschehen: Ridder, Helmut: Georg Strickrodt, in: NPL 34 (1989), H. 3, S. 373 f. ⮭
- Die Titel im Einzelnen unter URL <https://d-nb.info/01364288X> [Zugriff: 25.07.2025]. ⮭
- Nolte an Viefhaus, 16.02.1968; zit. n. Pinkowsky: (Neue) Politische Literatur (wie Anm. 3), S. 82. ⮭
- Noltes Buch „Die faschistischen Bewegungen“ sei ein „Meisterstück moderner Geschichtsschreibung“; vgl. Besson, Waldemar: Die Interpretation des Faschismus, in: NPL 13 (1968), H. 3, S. 306–313, hier S. 308. ⮭
- Viefhaus an Kühnl, 21.08.1969; zit. n. Pinkowsky: (Neue) Politische Literatur (wie Anm. 3), S. 82, Anm. 921. ⮭
- Kühnl, Reinhard: Der deutsche Faschismus, in: NPL 15 (1970), H. 1, S. 13–43. Ein zweiter Aufsatz, der wie üblich bei ihm stark von Wiederholungen geprägt ist, erschien ein gutes Jahrzehnt später: ders.: Der deutsche Faschismus in der neueren Forschung. Beiträge zur Kausalfrage und zum Herrschaftssystem, in: NPL 28 (1983), H. 1, S. 57–84. ⮭
- W. Schieder an Viefhaus, 16.05.1968 (HStAD, Abt. O61 Nr. 33, Mappe 1 [N-Sch 1966–69], nicht paginiert). Pinkowsky verwechselt in Anm. 924 Wolfgang Schieder mit seinem Vater Theodor. ⮭
- Schieder, Wolfgang: Faschismus und kein Ende?, in: NPL 15 (1970), H. 2, S. 166–187. ⮭
- Olszewski, Henryk: Licht- und Schattenseiten einer Kontroverse. Bemerkungen zum sogenannten Historikerstreit, in: NPL 34 (1989), H. 2, S. 278–290, hier S. 289. ⮭
- Ich stütze mich hierbei ganz auf Pinkowsky: (Neue) Politische Literatur (wie Anm. 3), S. 85 ff. und ihre statistische Auswertung in Abschn. 7.4. ⮭
- Ebd. ⮭
- Pinkowsky kommt zu einem anderen Urteil; vgl. ebd. S. 87. ⮭
- Hinzu kommt, dass Martina Heßler, von 1996 bis 1999 als wissenschaftliche Hilfskraft mit Abschluss in der Redaktion tätig, zuerst eine Professur an der Hochschule der Bundeswehr in Hamburg innehatte und seit 2019 in Darmstadt lehrt. ⮭
- Dipper, Christof: Geschichtspolitik im europäischen Vergleich. Eine Bilanz, in: NPL 57 (2012), H. 1, S. 33–48. ⮭
- Protokoll der Herausgebersitzung der NPL vom 02.02.2014, S. 2 (im Besitz des Verf.). ⮭
- Forum: Buchrezensionen in den Geschichtswissenschaften, in: H‑Soz-Kult, 01.07.2021, URL: <https://www.hsozkult.de/debate/id/fddebate-132435> [Zugriff: 28.07.2025]. ⮭
- Blaschke, Olaf: Endzeit der Rezensionen, wie wir sie kennen? Tendenzen im Faktencheck, in: H‑Soz-Kult, 01.07.2021, URL: <https://www.hsozkult.de/debate/id/fddebate-132429> [Zugriff: 10.07.2025]. ⮭
- Dazu statt vieler Belege Nordmann, Alfred/Radder, Hans/Schiemann, Gregor (Hrsg.): Strukturwandel der Wissenschaft. Positionen zum Epochenbruch, Velbrück, Weilerswist 2014. ⮭
- Die Zahlen der CHE-Erhebung 1998/99–2023/24 für „Mittlere und Neuere Geschichte“ sind so dramatisch, dass sie wohl nur auf geänderte Bezeichnungen von Studiengängen zurückzuführen sind, die Verluste in „Geschichte“ seit dem Höchststand 2016/17 betragen jedoch plausible ca. 12 %. Die Politikwissenschaft ist weitgehend stabil, vgl. Centrum für Hochschulentwicklung (CHE): Studierende in Deutschland, URL: <https://hochschuldaten.che.de/deutschland/studierende/> [Zugriff: 28.07.2025]. ⮭
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