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Single-Book Essay

Revolution oder Evolution? Zum paradoxen Verhältnis von Neoliberalismus und Rechtspopulismus


Abstract

Die Verbindung von xenophobem Nationalismus mit einer radikalen Freiheitsrhetorik ist eine der vermeintlich widersprüchlichsten Charakteristiken des erstarkten Rechtspopulismus der vergangenen Jahrzehnte. Forschende haben das Aufkommen dieser Neuen Rechten vermehrt als Ende der neoliberalen Ära des Freihandels und globalen Austausches oder als Rückkehr des Faschismus gedeutet und dabei auf Brüche in der liberalen Nachkriegsordnung verwiesen. Gleichzeitig inszenieren sich rechtspopulistische Akteur_innen als Avantgarde einer Revolution gegen den Status quo. Aber verkörpert der heutige Rechtspopulismus tatsächlich einen radikalen Bruch mit den geistes- und ideengeschichtlichen Strukturen der neoliberalen Ordnung? Quinn Slobodians „Hayek‘s Bastards“ mahnt an, Kontinuitäten genauer zu betrachten und zeigt anhand einer genealogischen Studie weitestgehend vernachlässigter Denker_innen, wie die heutige libertäre Rechte aus den Reihen der neoliberalen Mont Pelerin Society (MPS) entstanden ist. Slobodians Buch erzählt, wie sich die neoliberale Bewegung durch ein gewandeltes Feindbild und die Hinwendung zu einer rigiden Auffassung menschlicher Natur und Differenz in den 1990er Jahren von Hayek‘schen Prinzipien entfernte und einem libertären Rechtspopulismus zuwandte. Dabei bietet „Hayek‘s Bastards“ nicht nur eine Antwort auf die Frage, wie der gewichtigste Angriff auf die liberale Ordnung unter dem paradoxen Banner der Freiheit entstehen konnte; das Buch weist auch den Weg für eine neue Geistesgeschichte des rechten Libertarismus, die außerakademische Akteur_innen einbindet, popkulturelle Formate als Quellen erschließt und den mutmaßlichen Widerspruch eines neoliberalen Populismus auflöst

Revolution or Evolution? On the Paradoxical Relationship Between Neoliberalism and Far-Right Populism

The fusion of nationalism and a rhetoric of freedom may be the most paradoxical feature of far-right populism in the last decades. Researchers have described the rise of this reinvigorated right as the end of the neoliberal era of global free trade or the return of fascism, pointing to ruptures in the liberal order. Quinn Slobodian’s “Hayek‘s Bastards” claims to the contrary that continuities prevail and shows how the rise of the libertarian right began within the neoliberal Mont Pelerin Society. His book not only demonstrates how the concept of freedom could be weaponized against the liberal order itself but also paves the way for an innovative intellectual history of libertarianism long overdue.

Keywords: Neoliberalismus, Rechtspopulismus, Libertarismus, Geistesgeschichte, Rassismus, Populärkultur Neoliberalism, Far Right, Libertarianism, Populism, Intellectual History, Popular Culture

How to Cite:

Kölling, D., (2025) “Revolution oder Evolution? Zum paradoxen Verhältnis von Neoliberalismus und Rechtspopulismus”, Neue Politische Literatur 70(2-3). doi: https://doi.org/10.1007/s42520-025-00654-x

Rights:

© The Author(s) 2025 under CC BY International 4.0

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2025-07-30

Zu Beginn der zweiten Amtszeit Donald Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten scheint es schwieriger denn je, das weltweite Erstarken rechtspopulistischer Kräfte geschichtlich zu verorten, eine kohärente Ideologie der ‚neuen‘ Rechten zu identifizieren und langfristige Folgen für die transatlantische liberale Ordnung abzuschätzen. Auf der einen Seite deutet die Rückkehr von nationalistischer Rhetorik und protektionistischer Handelspolitik auf einen unvermittelten Bruch mit der seit den 1970er Jahren hegemonialen „neoliberalen Ordnung“ hin, die den freien Austausch von Gütern, Kapital und Arbeitskräften zur höchsten Maxime internationaler Politik erklärt hatte.1 Forschende der Geistes- und Sozialwissenschaften erklären die revitalisierte Rechte zumeist als kulturell motiviert oder vermuten gar eine Rückkehr des globalen Faschismus und konstatieren damit eine grundlegende Abkehr von der ökonomistischen Logik der letzten Jahrzehnte.2 Stimmen aus dem rechtspopulistischen Lager befeuern dieses Interpretationsmuster eines Epochenbruchs. So sprach zum Beispiel der argentinische Präsident Javier Milei auf der diesjährigen Conservative Political Action Conference (CPAC) davon, dass „das Schicksal der Welt einen neuen Pfad einschlägt, anders als der, auf den uns die Eliten und das politische Establishment unserer Länder geführt haben.“3 Rechte Kräfte von Milei und Donald Trump bis hin zu Giorgia Melonis postfaschistischer Fratelli d’Italia oder der Alternative für Deutschland (AfD) inszenieren sich als Avantgarde eines revolutionären Umbruchs, einer Rebellion gegen ‚Globalismus‘ und den vermeintlichen Verfall der ‚westlichen Zivilisation‘.

Zur gleichen Zeit allerdings eint die Neue Rechte die ostentative Zurschaustellung eines libertären Freiheitsbegriffes, der augenfällig im Widerspruch zu autoritär-nationalistischen Tendenzen steht und die tatsächliche Abkehr von neoliberalen Prinzipien in Frage stellt. In seiner CPAC-Rede beschwört Milei den Geist des neoliberalen Vordenkers Friedrich A. Hayek und deklariert, dass der Weg in die „Knechtschaft“ abgewendet sei, die „Ära des omnipräsenten Staates“ zu ihrem Ende komme und ein neues „Zeitalter der Freiheit“ beginne.4 Eine ähnliche Freiheitsrhetorik, die den politischen Gegner als totalitär verunglimpft, prägte auch den Wahlkampf der deutschen AfD im Jahr 2025. Spitzenkandidatin Alice Weidel bezeichnete die Partei in einem Gespräch mit dem libertären Milliardär Elon Musk sogar als „libertär konservativ“ und beklagte, sie würde zu Unrecht als rechtsextrem verteufelt.5 Wie lassen sich diese anscheinend völlig entgegengesetzten Positionen der Neuen Rechten vereinbaren? Und befinden wir uns am Beginn eines neuen Strukturbruchs, der das Entstehen einer neuen internationalen Ordnung aus der Asche des Neoliberalismus einläutet?6 Quinn Slobodians „Hayek’s Bastards: The Neoliberal Roots of the Populist Right“ liefert einen wichtigen Beitrag zur geistesgeschichtlichen Einordnung des heutigen Rechtspopulismus und mahnt an, den interpretativen Blick nicht nur auf offensichtliche Risse, sondern auch auf tieferliegende Kontinuitäten zu werfen. Seine Studie der libertären Rechten mit einem Schwerpunkt auf den USA vereint akribische ‚Ahnenforschung‘ mit innovativen methodologischen Ansätzen und dient als erster wichtiger Meilenstein zur Auflösung des Kernparadoxes der heutigen Situation: Wie konnte der vermutlich gewichtigste Angriff auf die liberale Ordnung unter dem Banner der Freiheit entstehen?

„Hayek’s Bastards“ erzählt die Geschichte eines radikalisierten Freiheitsbegriffes, entstanden am Ende des Kalten Krieges inmitten der neoliberalen Bewegung, angetrieben von einer Gruppe von Intellektuellen, die Slobodian „new fusionists“ tauft, welche die Logik des freien Marktes mit (pseudo-)wissenschaftlichen Argumenten über die menschliche Natur zu verbinden suchte. Um zu verstehen, inwiefern Slobodians Buch eine neue Richtung in der Geistesgeschichte des Neoliberalismus einschlägt, beginnt dieser Essay mit einer kurzen Einordnung von „Hayek’s Bastards“ in die weitere Literatur zum Thema sowie in das Werk des Autors als Ganzes. Darauffolgende Abschnitte umreißen die Weltanschauung der new fusionists und deren Einbettung von Rassendiskursen, kognitiver Psychologie und Hartgeldeschatologie in die Verteidigung des Marktes unter dem Banner einer vermeintlich rigiden menschlichen Natur. Abschließend bespreche ich die methodologische Innovation des Buches mit spezifischem Augenmerk auf die Zuwendung zu neuen Akteuren der Geistesgeschichte und der kontraintuitiven Herleitung eines neoliberalen Populismusbegriffs.

Die neoliberale Gesellschaft und ihre Feinde

„Hayek’s Bastards“ beginnt mit einer Prämisse, die konträr zum populären Verständnis des Neoliberalismus steht: Das Ende des Kalten Krieges und der Fall der Sowjetunion waren demnach kein Moment des euphorischen Triumphes für führende Neoliberale, sondern ein Quell neuer Sorgen. Während Francis Fukuyama die 1990er Jahre zum „Ende der Geschichte“ erklärte, an dem der liberale Kapitalismus abschließend über rivalisierende Ideologien gesiegt hatte, lamentierten Mitglieder der Mont Pelerin Society (MPS) – dem von dem österreichischen Ökonom Friedrich A. Hayek im Jahr 1947 gegründeten wichtigsten intellektuellen Organ der neoliberalen Bewegung –, dass die liberale Ordnung unter dem Einfluss der Sozialdemokratie und der amerikanischen new left verwässert worden sei und vom Siegeszug des freiheitlichen Kapitalismus kaum die Rede sein könne.7 War der Kommunismus auch dem Untergang geweiht, so fürchtete die MPS nun die „Umweltbewegung, den Feminismus und die [amerikanische] Bürgerrechtsbewegung“ als Feinde der Freiheit (S. 26). Entstanden aus den ideologischen Turbulenzen der Zwischenkriegsjahre und gereift als antisozialistische Bewegung in den 1940er und 1950er Jahren, brachte der Neoliberalismus der 1990er Jahre die Konsolidierung eines neuen Feindbildes, welches die Fusion mit rechtspopulistischen Kräften vorantrieb und die scheinbar kontraintuitive Allianz von Libertarismus und Konservatismus auch über die Vereinigten Staaten hinaus ausbreitete.8

Slobodians Blick auf die Debatten der MPS am Ende des Kalten Krieges stellt von Anfang an eine Reihe weitverbreiteter Simplifizierungen des Neoliberalismusbegriffs in Frage: Zunächst unterstreicht seine Studie der radikal-libertären new fusionists, dass es sich beim Neoliberalismus nicht um eine homogene, unveränderliche Ideologie handelt, weshalb die Fachliteratur heutzutage oft von „Mutationen“ neoliberaler Ideen spricht, oder, wie der französische Philosoph Serge Audier, die parallele Existenz vieler „Neoliberalismen“ konstatiert.9 Des Weiteren widerlegt Slobodian die populäre Annahme, dass das marktwirtschaftliche Programm der neoliberalen Bewegung immer auch an eine Ausbreitung liberaler Demokratie gekoppelt sei. Ganz im Gegenteil dazu propagierten die new fusionists „eine Flucht vor der Demokratie“ (S. 163). Anstelle demokratischer Teilhabe suchten Libertäre Strategien für das, was der Wirtschaftswissenschaftler Albert O. Hirschman als „Exit“ bezeichnet hat: die Option des Rückzugs aus einem sozialen Gefüge.10 Der Angriff auf die Demokratie, welchen bereits die Philosophin Wendy Brown zum folgenschwersten Erbe der neoliberalen Ära erklärt hatte, scheint somit keine unbeabsichtigte Wirkung, sondern integraler Teil des neoliberalen Projekts zu sein.11

In der Fokussierung auf autoritäre Tendenzen unter den Verfechter_innen der Marktordnung setzt „Hayek’s Bastards“ konsequent die Thematiken der vorangegangenen Werke des Autors fort. Während das 2018 im Original und 2019 auf Deutsch erschienene Buch „Globalisten: Das Ende der Imperien und die Geburt des Neoliberalismus“ gezeigt hat, wie neoliberale Denker_innen internationale Finanzinstitutionen nutzen wollten, um die Märkte vom potenziell schädlichen Einfluss nationalstaatlicher Demokratie abzuschirmen, beschrieb „Kapitalismus ohne Demokratie. Wie Marktradikale die Welt in Mikronationen, Privatstädte und Steueroasen zerlegen wollen“ (2023) einen libertären Fetisch für Mikronationen und Sonderwirtschaftszonen, die den Zweck verfolgten, demokratische Prozesse zunehmend auszuhöhlen.12 „Hayek’s Bastards“ schließt direkt an diese Forschung an und argumentiert, dass die heutigen Feinde der liberalen Demokratie nicht unbedingt Feinde der neoliberalen Gesellschaft sein müssen, sondern im Gegenteil aus der Mitte der neoliberalen Schule als Antwort auf die Errungenschaften basisdemokratischer Bewegungen gewachsen sind.

Der Begriff new fusionists, unter dem Slobodian eine diverse Auswahl rechtspopulistischer Akteur_innen aus dem Umfeld der MPS gruppiert, ist angelehnt an die politische Philosophie des fusionism, welche in den 1950er und 1960er Jahren aus dem Kreis des amerikanischen „National Review“ und seinem Herausgeber William F. Buckley, Jr. entstand. Als Leitbild der new right in den USA brachten Anhänger_innen des fusionism libertäre Wirtschaftspolitik und religiösen Sozialkonservatismus in Einklang. Die australische Soziologin Melinda Cooper hat diese Fusion von Marktlogik und Konservatismus zuvor als zentrales Kalkül neoliberaler Sozialpolitik der 1980er Jahre beschrieben.13 „Hayek’s Bastards“ betrachtet diese Symbiose weiter und konstatiert eine Entwicklung weg von der religiösen Konnotation der new right und hin zu einem Naturbegriff, der sich auf eine betont ‚wissenschaftliche‘ Rhetorik stützt.

Slobodian argumentiert, dass Akteure wie der britische Entwicklungsökonom Peter Bauer, der amerikanische Politikwissenschaftler Charles Murray, der britisch-amerikanische Finanzjournalist Peter Brimelow oder auch der deutsche Unternehmensberater Markus Krall als Vorreiter eines new fusionism zu verstehen sind, welcher das neoliberale Wirtschaftsmodell auf Basis (pseudo-)wissenschaftlicher Aussagen zur menschlichen Natur verteidigt. In den Worten des Autors „nutzt der new fusionism die Sprache der Wissenschaften, um die immer tiefere Ausweitung von Wettbewerbsdynamiken im gesellschaftlichen Leben zu rechtfertigen“ (S. 10). Während viele Akteur_innen in „Hayek’s Bastards“ sich selbst als Anhänger_innen des „Paläolibertarismus“ identifizieren – ein Begriff, der in den USA die Verbindung von Wirtschaftslibertarismus und radikalem Kulturkonservatismus beschreibt –, betont Slobodians Definition die Wichtigkeit des Wissenschaftsbegriffs sowie der Verwurzelung in neoliberalen Organisationen wie der MPS.

Die Hinwendung der new fusionists zu wissenschaftlichen Diskursen erklärt Slobodian wiederum als Strategie im Kampf gegen das sozialdemokratische Feindbild der neoliberalen Bewegung der 1990er Jahre. Die Ideen der sozialen Massenbewegungen, welche das Erbe der Protestwellen der 1960er Jahre fortführten, basierten vor allem auf der Annahme, dass soziale Gerechtigkeit und Gleichheit durch die Anpassung von Umweltfaktoren und die Ausweitung von Bildung hergestellt werden könnten. Die Mitglieder der MPS befürchteten, dass diese Philosophie als Rechtfertigung für staatliche Eingriffe in den Markt genutzt würde, die dem Staatssozialismus in nichts nachstanden. Aus diesem Grund versuchten die new fusionists, dem sozialdemokratischen Glauben an die Vervollkommnungsfähigkeit des Menschen mit vermeintlich festen Naturbegriffen gegenüberzutreten. Wenn die Natur des Menschen von Genen bestimmt ist und unmittelbare Veränderungen der Umwelt an Bedeutung verlieren, so würde auch staatliche Steuerung als absurd bloßgestellt. Viel mehr noch, die Annahme von fundamental unterschiedlichen biologischen Veranlagungen würde die Wettbewerbsordnung des Marktes, die sich Neoliberale wünschten, in ihren Grundfesten bestätigen. Während der frühe Neoliberalismus darauf aufbaute, die wirtschaftliche Theorie der sozialistischen Berechnung als unmöglich zu widerlegen, stützte sich der new fusionism der 1990er Jahre auf eine Attacke gegen das sozialdemokratische Menschenbild.14

Slobodians einleitende Beschreibung dieses neuen Feindbildes zeigt, dass neoliberale und rechtspopulistische Akteur_innen am Ende des Kalten Krieges eine gemeinsame Plattform finden konnten. Die Fixierung der MPS auf die Nachwirkungen der 68er-Bewegungen stellt darüber hinaus Interpretationen in Frage, welche die neoliberale Ära als eine konsumgesellschaftliche Weiterentwicklung des hedonistischen Individualismus der 1960er Jahre erklären und post-strukturalistische Intellektuelle wie den französischen Philosophen Michel Foucault als linksgerichtete Ahnen neoliberaler Ideen sehen.15 Viele vereinfachte populäre Darstellungen von Multikulturalität, Diversität und globalem Austausch als zentrale Werte eines ‚linken‘ Neoliberalismus stützen sich auf diese Lesart, oft ohne klare Kontinuitäten zu den Werken neoliberaler Denker_innen aufweisen zu können. Zur gleichen Zeit ist diese weitverbreitete Auslegung einer der Gründe, warum wir den erstarkenden Rechtspopulismus als radikalen Bruch mit der neoliberalen Ordnung auffassen. Slobodian hingegen demonstriert, dass zwischen Neoliberalen von gestern und Rechtspopulist_innen von heute klare institutionelle Kontinuitäten bestehen. Er warnt, dass es ein „Trugschluss“ sei, Neoliberalismus oder Libertarismus schlicht und einfach als Individualismus zu begreifen. Im Gegenteil, gerade „weil diese Ideologien Individualismus priorisieren, beschäftigen sie sich unmittelbar mit der Untersuchung und der Anregung von Konditionen, unter welchen der Individualismus existieren und geschützt werden kann“ (S. 62). Auf ihrer Suche nach einem gesellschaftlichen Rahmen, der diese Konditionen wiederherstellen könnte, wandten sich die new fusionists einer vermeintlich unveränderlichen Natur zu, die Argumente für staatliche Gerechtigkeitsbemühen als sinnlos entlarven würde.

Zurück zur Natur

Auch wenn „Hayek’s Bastards“ vordergründig Kontinuitäten zwischen der Neuen Rechten und dem Neoliberalismus betont, so argumentiert Slobodian, dass diese Symbiose wiederum auf einem Bruch inmitten des sogenannten neoliberal thought collective beruht.16 Im zweiten Kapitel des Buches beschreibt der kanadische Historiker detailliert, wie die Antwort auf den Glauben an die Vervollkommnungsfähigkeit des Menschen der 68er-Bewegungen die MPS und ihren Dunstkreis in zwei Fraktionen spaltete. Beide waren fest davon überzeugt, dass die fundamentale Differenz zwischen Individuen im Widerspruch zu einer Politik der sozialen Gerechtigkeit stand. Worin sie sich unterschieden, war die Interpretation für die Ursprünge individueller Differenz. Während MPS-Gründer Friedrich A. Hayek und seine Anhänger_innen kulturanthropologische Argumente (welche Slobodian im ersten Kapitel genauer beleuchtet) einbrachten und die menschliche Natur als formbar durch Evolution und soziales Lernen betrachteten, vertrat eine Gruppe um den radikalen amerikanischen Ökonomen Murray N. Rothbard einen biologischen Determinismus, der Differenz als Resultat inhärenter Veranlagungen auffasste. Diese Spaltung der neoliberalen Bewegung hatte Slobodian bereits in einem früheren Aufsatz als Geburtsstunde der amerikanischen alt-right identifiziert; sie markiert auch den Ausgangspunkt für seine Geschichte des rechtspopulistischen new fusionism.17

Ausgehend von der Rothbard’schen Position widmet sich Slobodian in den folgenden drei Kapiteln ausführlichen Fallstudien, welche die Verwendung von Natur- und Wissenschaftsbegriffen im new fusionism illustrieren. Er spricht hier im Englischen von „three hards: hardwired human nature, hard borders, and hard money“ (S. 23). Mit anderen Worten: Die libertären Akteur_innen seines Buches sahen die menschliche Natur als genetisch vorbestimmt, Grenzen als natürliche Abbilder dieser inhärenten Differenz und Hartwährung als einzig wahres Mittel für ökonomische Prozesse, da es einen ‚natürlichen‘ Wert hatte und die Deckelung von Staatsausgaben begünstigte.

Die detaillierte Untersuchung der three hards beginnt im dritten Kapitel mit einer begriffsgeschichtlichen Reflektion zu dem, was Slobodian die „ethno-economy“ der Neuen Rechten nennt, der Unterstützung antimigrantischer und rassistischer Politik im Namen des Marktes. Das Kapitel basiert wiederum auf einem vorab veröffentlichten Aufsatz zu dem rechtsextremen Finanzjournalisten Peter Brimelow, welcher in seinen Texten eine „ethnisch-selektive Migrationspolitik auf Basis einer doktrinären Verbindung von ökonomistischer Logik und kulturellem Essenzialismus verteidigte“ (S. 69).18 Brimelows Fall mache deutlich, so Slobodian, dass kapitalistische Strukturen in der Forschungsliteratur zur Neuen Rechten oft zu Unrecht als zweitrangig hinter kulturellen Werten angesehen werden. Im Gegensatz dazu „hilft [Brimelows] Werk zu verstehen, wie die extreme Rechte die Nation gleichermaßen als ethnisches (racial) wie auch als ökonomisches Asset ansieht“ (ebd.).

Slobodian nennt Brimelow einen „fehlgeleiteten (rogue)“ (S. 69) Neoliberalen, stellt aber klar, dass sich Brimelows zentrale Argumentation, nach der ethnische Homogenität eine Rahmenbedingung für die effiziente Funktion des Marktes sei, auf den Begriff des „Metamarktes“ stützt, welcher auf den wohl prominentesten amerikanischen Neoliberalen Milton Friedman zurückgeht. Brimelow selbst beschreibt diesen Begriff in seinem Buch „Alien Nation: Common Sense About America’s Immigration Disaster“ (1995) wie folgt:

„Der freie Markt existiert notwendigerweise innerhalb eines gesellschaftlichen Rahmens. Er kann nur funktionieren, wenn die Institutionen, die diesen Rahmen bilden, angemessen sind. Zum Beispiel ist es mittlerweile weithin anerkannt, dass ein definiertes System von privaten Eigentumsrechten eine essenzielle Voraussetzung ist. Ökonomen haben einen Begriff für diese Voraussetzungen: der ‚Metamarkt‘. Ein gewisses Maß an ethnischer und kultureller Kohärenz könnte eine dieser Voraussetzungen sein. Daher könnte Migration eine Metamarkt-Frage sein.“ (zit. auf S. 83 [Hervorhebung im Original])

Ausgehend von Brimelows Texten sowie Verbindungen zu anderen Akteur_innen wie dem britischen Entwicklungsökonom Peter Bauer oder dem früheren Präsidenten der MPS, Arthur Shenfield, demonstriert Slobodian, wie sich aus den Reihen der neoliberalen Bewegung in den 1980er und 1990er Jahren eine Migrationsdebatte entwickelte, welche eine frühere Position des neoliberalen Vordenkers Gottfried Haberler wieder aufgriff: Perfekter Freihandel mache freie Migration überflüssig. Brimelows Vorstellung sei eine „alternative Globalisierung der libertären Rechten: Bewegungsfreiheit für Güter und Kapital, aber nicht für Menschen“ (S. 86). Sein offener Rassismus machte Brimelow zu einer der Führungspersonen der amerikanischen alt-right. „Hayek’s Bastards“ verdeutlicht, dass diese rassistische Position nicht entgegen neoliberalen Werten, sondern im Rückgriff auf neoliberales Vokabular formuliert wurde.

Das folgende vierte Kapitel schließt direkt an den ökonomistisch formulierten Rassismus Brimelows an und beleuchtet einen neurechten Fetischismus für die Quantifizierung kognitiver Werte vor allem in Form des Intelligenzquotienten (IQ) als (pseudo-)wissenschaftliche Rechtfertigung ethnischer Differenzen im Humanpotenzial der ethno-economy. Auch dieses Kapitel basiert auf einem früheren Aufsatz Slobodians, in dem er den Psychologen Richard J. Herrnstein und den Politikwissenschaftler Charles Murray als Vorreiter einer retablierten Rassenlehre im Gewand der kognitiven Psychologie ausmacht und ihr bekanntestes Werk „The Bell Curve: Intelligence and Class Structure in American Life“ (1994) im Förderkontext neoliberaler Institutionen verortet.19 Herrnsteins und Murrays kontroverses Buch präsentierte den IQ als verlässlichsten Maßstab für den finanziellen Erfolg oder Misserfolg von Individuen, eine These, die heutzutage weitgehend wiederlegt ist. Die Lektüre legte darüber hinaus die Schlussfolgerung nahe, dass Differenzen in IQ-Punktzahlen zwischen Angehörigen verschiedener Ethnien zu großen Teilen genetisch bedingt seien. Slobodian argumentiert, dass das Buch die Interessen von Rechtsextremen und Neoliberalen vereinte und „IQ-Rassismus“ als „praktische Wissenschaft“ (S. 107) verankerte, die im Kampf gegen das sozialdemokratische Menschenbild angewandt werden konnte.

Charles Murray, der im Jahr 2000 Mitglied der MPS wurde, betonte ausdrücklich, dass er die Wissenschaft als Mittel auffasse, die Öffentlichkeit über die fundamentale Ungleichheit menschlicher Potenziale aufzuklären und damit Umverteilungspläne der Linken endgültig zu entkräften. „Hayek’s Bastards“ zeigt, dass hinter dieser unausgesprochenen Prämisse von „The Bell Curve“ eine lange Entwicklung der Autoren hin zum Thema Intelligenz stand. So kritisierte Murrays vorangegangenes Buch „Losing Ground: American Social Policy, 1950–1980“ die ökonomische und politische Effizienz des Sozialstaates und griff damit eher klassische neoliberale Themen auf. Herrnsteins Entwicklung ist in diesem Sinne interessanter, da sie die Neuausrichtung der new fusionists zur naturalistischen Argumentation fast sinnbildlich unterstreicht. Herrnstein begann seine Karriere als Doktorand des Verhaltensforschers B. F. Skinner und war als Anhänger der behavioristischen Schule zunächst an der Studie von Umweltfaktoren interessiert. Für Slobodian hat Herrnsteins Verlagerung von der Verhaltens- zur Intelligenzforschung enorme Signifikanz: „Individuen, die vorher durch einen externen Mangel an Ressourcen begrenzt waren, waren jetzt durch einen internen a priori Mangel begrenzt“ (S. 117). Intelligenz als messbarer Wert konnte sich somit als quasi-wissenschaftliches Argument der Neuen Rechten gegen den Sozialstaat und für eine Ausweitung des neoliberalen Imperativs zur Eigenverantwortung entwickeln.20

Die für deutschsprachige Leser_innen vermutlich interessanteste Ergänzung des Kapitels gegenüber Slobodians früherem Aufsatz ist ein Vergleich von Herrnsteins und Murrays „The Bell Curve“ mit dem umstrittenen deutschen Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ (2010) des früheren SPD-Politikers Thilo Sarrazin. Slobodian beschreibt Sarrazins Nähe zu neoliberalen Institutionen und verdeutlicht den ähnlich (pseudo-)wissenschaftlichen Ansatz von Sarrazins Buch, welches versucht, die Thematiken Migration und Multikulturalität als schlichte Frage von wertfreien Statistiken darzustellen. Ähnlich wie Herrnstein und Murray versteckt Sarrazin seine rassistische und zugleich marktorientierte Position unter dem Deckmantel des vermeintlich unangreifbaren wissenschaftlichen Arguments. Ähnlich wie im Fall von „The Bell Curve“ half „Deutschland schafft sich ab“ eine humankapitalorientierte Version der Rassenlehre in rechten Kreisen wieder salonfähig zu machen. Sarrazins Dekadenznarrativ einer zerfallenden Gesellschaft spannt einen Bogen zum letzten Kapitel von „Hayek’s Bastards“, in dem Slobodian die rechte Idealisierung harter Währungen als Rettung vor dem drohenden Kollaps der Gesellschaft untersucht.

Das fünfte Kapitel unter dem Titel „Goldbugs“ thematisiert die Verbindung der libertären Rechten zum Handel von Gold und beschreibt eine „kapitalistische Eschatologie“ (S. 128), die zugleich als Mahnung wie auch als Profitmodell für die new fusionists funktioniere. Auch wenn das Konzept einer harten Währung mit ‚natürlichem Wert‘ zunächst leicht verschieden vom Naturbegriff der vorangegangen Kapitel – der Annahme einer unveränderlichen menschlichen Natur – scheint, so bringt Slobodian in diesem letzten Teil doch alle thematischen Stränge des Buches zusammen. Er schlägt vor, dass die Investmentliteratur der 1970er Jahre und allen voran das Buch „How to Profit from the Coming Devaluation“ (1970) des Finanzberaters Harry Browne als alternativer Anfangspunkt der Geschichte des Neoliberalismus gesehen werden könnte. Brownes Buch markiert den Beginn einer Erzählung vom immanenten Untergang des Systems (in welche Slobodian auch die jüngste deutschsprachige Literatur der sogenannten Crash Propheten einordnet), ausgelöst durch die Entfesselung der Staatsausgaben von der Limitierung des Goldstandards. Als individuelle Reaktion auf diesen Untergang propagierte Browne die Anlage in Gold als Wertspeicher in Krisenzeiten. Um das Verbot des individuellen Goldbesitzes in den USA zu umgehen, riet Browne zum Kauf von Goldmünzen, einem lukrativen Geschäftsmodell, dem viele Libertäre folgten. Populäre Bücher wie Brownes Ratgeber hätten laut Slobodian einen spürbaren Einfluss auf den Wandel allgemeiner gesellschaftlicher Werte und Normen und würden viel zu oft von der Forschungsliteratur übersehen. Die Geschichte des Neoliberalismus von Brownes Untergangsszenario zu beginnen, kann also helfen, die Verbreitung von Wirtschaftsideologien jenseits akademischer Debatten im öffentlichen Leben besser zu verstehen. Slobodians innovativer Ansatz, quasi-populärkulturelle Werke vom Standpunkt der Geistesgeschichte zu betrachten, wird an dieser Stelle besonders deutlich.

Darüber hinaus beschreibt Slobodian eindrücklich, wie libertäre Investmentratgeber der 1970er und 1980er Jahre sowie Investmentnewsletter der darauffolgenden Jahrzehnte die Frage nach lohnenden Anlagen in eine Reflektion des individuellen Lebensstils umdeuteten, welche die politische Haltung spiegelte und die fatalistische Aussicht auf den Zusammensturz des Währungssystems als grundlegende Prämisse voranstellte. Da „Hayek’s Bastards“ an keinem Punkt davor zurückscheut, eindeutige Parallelen zwischen vergangenen und heutigen Debatten aufzuzeigen, hätte ich mir in diesem Kontext einen deutlicheren Querverweis auf die jüngsten Schriften der Kryptowährungsszene gewünscht, welche genau diesen „Lifestyle“-Aspekt der Investmentratgeber fortführt. Bitcoin-Maximalisten wie der Strategy-Gründer Michael J. Saylor passen zudem nahezu perfekt in das Muster des Untergangspropheten, welches Slobodian umreißt. Mit Ausnahme einiger weniger Referenzen behandelt das Kapitel allerdings ausschließlich Goldnarrative. Nichtsdestotrotz kann die von Slobodian hier beschriebene Verknüpfung von individueller Philosophie und Investmentstrategie als ein hervorragender Anknüpfungspunkt für eine Geistesgeschichte dessen, was Philip Mirowski als „Alltagsneoliberalismus“ bezeichnet hat, dienen, und damit zu einem besseren Verständnis davon beitragen, wie finanzielles Denken sich auf alle Bereiche des Lebens ausgeweitet hat.21

Im weiteren Verlauf des Kapitels unterstreicht Slobodian, dass sich die Endzeitnarrative der libertären goldbugs oft nahtlos in die rassistischen Modelle der ethno-economy einfügten. Ein langer Abschnitt widmet sich zum Beispiel dem Goldnewsletter des amerikanischen Kongressabgeordneten Ron Paul, in welchem Geschichte als Kampf zwischen Hartwährungs- und Fiat-Befürworter_innen inszeniert wird. Paul und sein Umfeld fürchteten die Macht der Zentralbanken und mahnten, dass „Umstrukturierungen im Globalen Süden“ (S. 139) ihren Weg zurück in die USA finden würden. Im Kontext der Unruhen von Los Angeles im Jahr 1992 warnte Pauls Newsletter zudem wiederholt vor einem „Rassenkrieg“ (S. 140), der zu einem Zusammenbruch der amerikanischen Gesellschaft führen würde. Gold sei die einzige sichere Anlage in einem solchen Szenario.

Die letzten Abschnitte des Kapitels schließlich legen dar, wie der Untergangsmythos der amerikanischen libertären Rechten über die USA hinaus einen Nährboden im Umfeld der deutschen AfD gefunden hat. Gold wurde nicht nur schnell zu einem lukrativen Kampagnenfinanzierungsmittel für die AfD, die Partei und ihr nahestehende Personen griffen auch dysgenische Diskurse einer kollabierenden Gesellschaft auf und adaptierten sie für den Kontext der deutschen Migrationsdebatte und der von Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey als libertär-autoritär beschriebenen sogenannten Querdenker-Bewegung.22 Die Erzählung vom Gold als Absicherung gegen den immanenten Kollaps erscheint somit als weiteres verbindendes Narrativ in der Geschichte der transnationalen Neuen Rechten und ihrer neoliberalen Wurzeln, die „Hayek’s Bastards“ eindrucksvoll präsentiert.

Die ‚Bastardisierung‘ des Neoliberalismus

Die drei Naturdiskurse im Zentrum von „Hayek’s Bastards“ leisten zweifellos einen äußerst wichtigen Beitrag zum Verständnis des heutigen Rechtspopulismus und seiner Verbindung zum neoliberalen Projekt. Wenn Akteur_innen aus dem Umfeld der MPS von strikten Grenzen als Rahmenbedingung für einen effizienten Markt sprechen, den Intelligenzquotienten als einen „biologisierten Kredit-Score“ (S. 126) verstehen, welcher die Gesellschaft in oftmals ethnisch gelesene „Neurokasten“ (S. 23) teilt, und Hartwährung als Kryptonit des Sozialstaates auffassen, dann sind die Kontinuitäten zwischen Neoliberalismus und Neuer Rechten schwer von der Hand zu weisen. Wie der Titel des Buches allerdings unmittelbar vor Augen führt, handelt es sich bei den betrachteten Diskursen um ‚Bastardisierungen‘ neoliberaler Ideen und nicht unbedingt um direkte Weiterentwicklungen des Werkes Friedrich A. Hayeks. Auch wenn die Akteur_innen im Mittelpunkt von „Hayek’s Bastards“ in unmittelbarer Nähe zu neoliberalen Institutionen standen, beschreibt Slobodian ihre Rezeption ursprünglicher neoliberaler Ideen als Missinterpretationen, Neuauslegungen von Hayeks und Ludwig von Mises’ Schriften, die eher als zweckdienlich denn als akribisch zu verstehen sind. Der Fokus auf die ‚Bastarde‘ in Hayek’s Fußstapfen ist dabei zugleich die größte Stärke des Buches als auch eine Schwäche, die allerdings zu tiefergehender Forschung einlädt.

Die bunt durcheinander gewürfelte Riege an Charakteren, welche die Seiten von „Hayek’s Bastards“ bevölkert, ist mit Abstand die bedeutendste methodologische Innovation des Buches. Für zu lange Zeit fielen Studien des Neoliberalismus in den Geistes- und Sozialwissenschaften grundsätzlich in zwei Kategorien: Autor_innen konzentrierten sich zum einen auf die Beschreibung der neoliberalen intellektuellen Elite und Institutionen wie der MPS sowie Führungsfiguren der Bewegung wie Hayek, Mises oder Friedman.23 Auf der anderen Seite entwickelte sich eine reiche Literatur vermeintlich neoliberaler Kulturprodukte und Praktiken, die vom jogging über mindfulness bis hin zu choose your own adventure-Kinderbüchern weite Bereiche der ‚westlichen‘ Kultur seit den 1970er Jahren abdeckte.24 Beide Ansätze hatten distinkte Vor- und Nachteile. Während der Fokus auf neoliberale Eliten grundlegend zum Verständnis der institutionellen Verbindungen zwischen neoliberalen Denkfabriken, Unternehmertum, Wissenschaft und Politik beigetragen hat, läuft diese Interpretation immer Gefahr, die Hayek’sche trickle-down-Epistemologie, welche eine pyramidenhafte Weitergabe von Ideen durch Eliten zu unteren Gesellschaftsschichten theorisiert, zu replizieren. Studien zur neoliberalen Kultur konnten zwar den Einfluss neoliberaler Ideen auf alltägliche Lebenswelten sichtbar machen und diverse individuelle Erfahrungen in den Vordergrund stellen, machten aber oft Abstriche bei der geistesgeschichtlichen Herleitung des Neoliberalismusbegriffes und ersetzten die Lektüre von Primärquellen neoliberaler Vordenker_innen durch semantische Verknüpfungen.25 „Hayek’s Bastards“ schafft es, diese beiden Ansätze zu verbinden und Ausflüge in die Populärkultur – von zahlreichen Zitaten aus libertärer Science-Fiction bis hin zu Formaten wie dem Investmentratgeber und Newsletter – mit eindeutigen Verbindungen zur neoliberalen Elite zu untermauern. Bereits „Kapitalismus ohne Demokratie“ hatte diesen Trend zur libertären Subkultur begonnen, doch „Hayek’s Bastards“ stellt die teils abstrusen Vertreter_innen der Szene in den Mittelpunkt des Arguments. Slobodians Buch ist sicherlich immer noch mehr klassische Geistesgeschichte als Kulturkritik oder history from below; dennoch zeigt es, dass ein neuer Ansatz, der Akteur_innen und Quellen abseits etablierter akademischer Kontexte in den Vordergrund rückt, eine neue Sicht auf Kontinuitäten und Wandel in der Geschichte des Neoliberalismus ermöglicht.

Eine Einbindung außerakademischer Akteur_innen, wie Slobodian sie anregt, ist von besonderer Bedeutung für das Studium der libertären Rechten, einer Ideologie, die sich seit jeher als Gegenkultur begreift und deren Wurzeln nicht nur in der Wirtschaftstheorie Ludwig von Mises’, sondern auch im amerikanischen Literaturbetrieb der 1920er und 1930er Jahre liegen.26 Auch wenn frühe libertäre Literat_innen wie Ayn Rand, Rose Wilder Lane und Isabel Paterson langsam in der Geistesgeschichte der amerikanischen Rechten ankommen, fehlt eine umfassende kritische Studie des Libertarismus bislang.27 Angesichts der immer prominenteren Rolle, die libertäre Argumente im heutigen Rechtspopulismus spielen, ist eine grundlegende Forschungsarbeit zur Geschichte des Libertarismus lange überfällig. In „Hayek’s Bastards“ erklärt Slobodian richtigerweise, dass die Betrachtung „profaner Orte wie dem Newsletter, dem Ratgeber, und letztendlich der Website, dem Feed und dem Chatroom“ essenziell seien, um „die Hochzeit von Libertarismus und Rechtsextremismus zu verstehen“ (S. 132). Seine Geschichte der intellektuellen Jünger_innen des Neoliberalismus, welche die „Radikalisierung vorantreiben, neue Gläubige rekrutieren, und, in nicht wenigen Fällen, den gesellschaftlichen Konsensus verschieben“ (S. 132), ist zugleich Ansatz einer Geschichte dieses rechten Libertarismus. Dennoch ist die Verwandtschaft dieser beiden Ideologien ein Aspekt des Buches, der Fragen offenlässt.

Lobenswert ist, dass Slobodian die Begriffe Neoliberalismus und Libertarismus im Gegensatz zu manch simplifizierter Darstellung des Themas nicht synonym gebraucht. Wenn auch nicht immer explizit, so macht „Hayek’s Bastards“ doch klar, dass es sich beim rechten Libertarismus um eine Art radikalisierte Form des Neoliberalismus handelt, die vor allem in den Vereinigten Staaten entstanden ist. Dies deckt sich auch mit Slobodians Beschreibung in dessen vorangegangen Buch „Kapitalismus ohne Demokratie,“ in welchem er libertäre Akteur_innen als „Marktradikale“ bezeichnete. Das zweite Kapitel von „Hayek’s Bastards“ legt darüber hinaus nahe, dass die Teilung zwischen Libertären und Neoliberalen auf einen Konflikt zwischen Hayek und von Mises zur Rolle des Staates zurückgeht, welcher unter der Führung Rothbards in den 1960er und 1970er Jahren als Naturfrage umgedeutet wurde und eskalierte. Während dies eine schlüssige Erklärung für den wachsenden institutionellen Einfluss der libertären Strömung im neoliberalen Netzwerk darstellt, könnte eine detailliertere Reflektion über langfristige Kontinuitäten und Brüche zwischen beiden Ideologien bis an ihren Ursprung helfen, das enorme Radikalisierungspotenzial des Libertarismus besser zu verstehen.

Wichtig erscheint mir in diesem Kontext insbesondere die Frage nach den amerikanischen Ursprüngen dieses dezidiert rechtspopulistischen Libertarismus. Speist sich die libertäre Hinwendung zur menschlichen Natur eventuell auch aus dem Rückgriff auf eine Locke’sche Auffassung von Naturrechten, welche tief in der amerikanischen Ikonografie verankert ist? Konnte sich der Libertarismus als radikale Form des Konservatismus in den USA entwickeln, weil die Rückkehr zum vermeintlich liberalen Geist der Amerikanischen Revolution in diesem lokalen Kontext als ein essenziell konservatives Projekt gelesen werden konnte? Auch wenn Slobodian den Patriotismus der libertären Rechten als „peripatetisch“ (S. 144) bezeichnet und Exitstrategien unterstreicht, könnte der spezifische nationale Entstehungskontext ein wichtiger Faktor für die Radikalisierung des Libertarismus sein. Die ‚Bastardisierungsthese‘ des Buches erinnerte mich darüber hinaus an eine Interpretation des libertären Journalisten Brian Doherty, nach der US-Libertäre der 1940er und 1950er Jahre die wirtschaftlichen Theoreme der österreichische Schule – und allen voran die Werke Hayeks und von Mises’ – als eine „wissenschaftliche Logik“ adoptierten, mit dem Zweck, frühere ethische Standpunkte des Libertarismus wissenschaftlich zu untermauern.28 Gehört die Aneignung wissenschaftlicher Diskurse daher nicht fest zur längeren Geschichte des amerikanischen Libertarismus und sollte man auch frühere Vertreter_innen der Bewegung als „Hayeks Bastarde“ verstehen? Diese Fragen könnten zukünftige Forschung zur Geistesgeschichte des rechten Libertarismus anleiten.

Auf der Seite der ‚etablierten‘ Neoliberalen wiederum konzentriert sich das Buch zuweilen zu sehr auf den Einfluss von Hayek und von Mises und lässt andere neoliberale Vordenker_innen außer Acht. Insbesondere mit Blick auf den Wissenschaftsdiskurs der new fusionists hat mich die Abwesenheit der Wissenschaftsphilosophen Karl Popper und Michael Polanyi – beide Mitglieder der MPS – überrascht. Popper hatte bereits in seiner frühen Abhandlung „Logik der Forschung: Zur Erkenntnistheorie der modernen Naturwissenschaft“ (1935) den Empirismus eines „naturalistischen“ Forschungsansatzes als „unkritisch“ und potenziell dogmatisch kritisiert.29 Poppers Haltung könnte daher verdeutlichen, wie sehr zum Beispiel Herrnsteins und Murrays statistische Arbeit auch methodisch vom Indeterminismus der neoliberalen Epistemologie abweicht, und die ‚Bastardisierungsthese‘ noch weiter unterstreichen. Des Weiteren hätte ich mir eine detailliertere Herleitung des Humankapitalbegriffes gewünscht, der eindeutig im Zentrum von Quantifizierungstrategien wie dem IQ steht. Auch wenn Slobodian wiederholt die Wichtigkeit des Humankapitals erwähnt, sind Referenzen zum Ökonom Gary Becker, der 1992 für seine Forschung zum Humankapital den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis erhielt, rar. Da Beckers Würdigung mitten in die Wirkphase der new fusionists fällt, scheint es mir wichtig, seinen Einfluss auf die libertäre Strömung der MPS genauer zu beleuchten. Interessant wäre auch zu fragen, inwiefern Beckers soziologische Studien der anti-empirischen Auffassung Poppers (und Hayeks) gegenüberstanden und ob die Aneignung wissenschaftlicher Diskurse durch die new fusionists nicht parallel zu einem grundsätzlichen Wandel des Wissenschaftsverständnisses in der neoliberalen Bewegung stattfand.

Diese Kritikpunkte schmälern in keiner Weise den Beitrag von „Hayek’s Bastards“ zur Geistesgeschichte des Neoliberalismus. Die Betrachtung bislang vernachlässigter Akteur_innen wie Murray Rothbard, Peter Brimelow, Harry Browne und Ron Paul ist eine methodologische Innovation, welche die Einbindung nicht-traditioneller akademischer Laufbahnen in die Geistesgeschichte anregt. Durch das akribische Verfolgen intellektueller Genealogien hinter den Naturbegriffen der Neuen Rechten schafft es Slobodian, erfolgreich seine These von der Radikalisierung neoliberaler Ideen zu demonstrieren und eine eindeutige Kontinuität zwischen dem Rechtspopulismus von heute und der neoliberalen Ordnung vergangener Jahrzehnte aufzuzeigen. Zusammen mit „Kapitalismus ohne Demokratie“ gibt das Buch einen Anstoß zu einer Geistesgeschichte der libertären Rechten, welche vermeintliche Epigon_innen des Neoliberalismus als historische Akteure ernst nimmt, auch wenn sie bisweilen wie „Charaktere spekulativer Romane, die aus den Buchseiten auf die Weltbühne wandern“ (S. 167) scheinen. Slobodians Buch trägt damit wesentlich dazu bei, die Paradoxe der heutigen Rechten zu entwirren und zu verstehen, wie der Diskurs der wirtschaftlichen Freiheit zur Attacke auf die Werte der liberalen Nachkriegsgesellschaft umgedeutet werden konnte. Während die politische Relevanz von Slobodians Studie von Beginn an eindeutig ist, bleibt einer der größten Erfolge des Buches für die Geistesgeschichte des Neoliberalismus jedoch eher im Hintergrund: die Herleitung eines genuin neoliberalen Populismusbegriffes.

Die wiedergefundenen Massen

„Hayek’s Bastards“ ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des Neoliberalismus, weil das Buch das sich wandelnde Feindbild der MPS in den 1990er Jahren kritisch betrachtet und das vermeintlich wissenschaftliche Vokabular der libertären Rechten beleuchtet und damit eindeutige Kontinuitäten zwischen der neoliberalen Ordnung und dem heutigen Rechtsruck aufzeigt; es ist ebenso relevant, da Slobodian unter der Oberfläche gekonnt die Wiederentdeckung der Masse als politischen Faktor erzählt und somit die Geschichte eines Populismus, der eigentlich mit den Grundfesten neoliberaler Ideologie im Widerspruch steht.

Obwohl Forschende immer wieder auf die populistischen Dimensionen selbst früher neoliberaler Theorie verwiesen haben – allen voran Sören Brandes Einschätzung, dass die Popularisierung neoliberaler Ideen auf der Konstruktion eines „Marktpopulismus“ beruhe, welcher den Markt als Verfechter des ‚kleinen Mannes‘ idolisiert – so ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass insbesondere die Schriften Hayeks und Poppers die populären Massen als gefährlich einstuften und politische Erziehung als Top-down-Prozess verstanden.30 Die Gründer_innen der neoliberalen Schule sahen die Macht der Masse als Urquell des Totalitarismus, eine Weiterentwicklung der massenskeptischen Haltung, die Liberale wie Alexis de Tocqueville bereits im 19. Jahrhundert vertreten hatten. Der von Hayek vielzitierte Historiker Jacob L. Talmon warnte in seinen Werken sogar vor der Gefahr einer „Totalitären Demokratie“ als mutmaßlichem Erbe der Französischen Revolution.31 Ein expliziter Populismus, der sich als Stimme des Volkes inszeniert, die Massen als Hauptrezipienten jeglicher Politik begreift und auf die direkte Ansprache oder Kultivierung von Graswurzelbewegungen abzielt, scheint der neoliberalen Plattform daher zunächst diametral entgegengesetzt.

„Hayek’s Bastards“ hingegen verdeutlicht, dass die Akteur_innen der MPS auch diese zunächst fundamental erscheinende Idee zunehmend in Frage stellten. Wie auch in der Abkehr von Hayeks Prinzip der kulturellen Evolution zugunsten eines rigiden Naturbegriffs identifiziert Slobodian den Ökonomen Rothbard als federführende Kraft in der Entwicklung eines populistischen Gedankens aus der Mitte der neoliberalen Bewegung. „Rothbards Strategie“, so Slobodian, „stellte den Hayekschen Neoliberalismus auf den Kopf“ (S. 57). Anstatt nach Hayeks Ansatz gesellschaftliche Eliten zu belehren, um so eine liberale Rahmenstruktur zu nähren, welche die Exzesse der Masse in Schach hielt, propagierte Rothbard „die Massen zu nutzen, um die Eliten zu entmachten“ (S. 58). Was Rothbard selbst als „outreach to the Rednecks“ (zit. auf S. 59) bezeichnete, bezweckte also die Verteidigung neoliberaler Prinzipien als konstruierter Wille des Volkes gegen eine verschwörerische Elite, die jetzt als Feind der Freiheit auftrat. Slobodian verknüpft Rothbards Populismus direkt mit dem neuen Feindbild der new fusionists: Während Hayek gesellschaftliche Eliten als letzte Bastion gegen die sozialistischen Massen verstand, warnte Rothbard, dass insbesondere intellektuelle Kreise Brutstätten der sozialdemokratischen Ideologien waren, die ihm zufolge das Erbe des Sozialismus angetreten hatten. Die Massen gegen Vertreter_innen des Staates, des Bildungswesens und der Kultur aufzuwiegeln wurde somit essenzieller Bestandteil von Rothbards paläolibertärer Kampagne.

Im Vergleich zur Spaltung der MPS infolge von Rothbards Naturbegriff räumt „Hayek’s Bastards“ der Populismusdebatte wenig Platz ein. Lediglich ein Abschnitt des zweiten Kapitels beschäftigt sich explizit mit dem Populismusbegriff anhand von Primärquellen der new fusionists. Kein Wunder also, dass der Begriff im Untertitel der US-Ausgabe (erschienen bei Zone Books) – „Race, Gold, IQ, and the Capitalism of the Far Right“ – fehlt. Dennoch bildet der Populismusdiskurs eine Art Gerüst für das Argument des Buches: Der Wandel der MPS hin zu einem libertären Rechtspopulismus unterstreicht ein weiteres Mal die Notwendigkeit, populäre Akteur_innen in die Geistesgeschichte des Neoliberalismus einzubinden, betont, dass die Charaktere des Buches zwar als ideologische Nachfahren Friedrich A. Hayeks zu betrachten sind, sie sein Werk allerdings eigensinnig neu- oder missinterpretierten, und dass die heutige Rechte von Trump bis Milei keineswegs eine simple Gegenreaktion zur schwächelnden neoliberalen Ordnung darstellt. Da die Neubewertung der politischen Massen einen so deutlichen Wandel in der neoliberalen Idee widerspiegelt, hätte ich mir zuweilen eine ausführlichere Untersuchung des Populismusbegriffs der new fusionists gewünscht. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt, dass der methodologische Ansatz und die akribische Quellenforschung von „Hayek’s Bastards“ wertvolle Anschlusspunkte für die weitere Historisierung eines populist turn der neoliberalen Bewegung bieten und somit weitere historische Forschung zur Genese des heutigen Rechtspopulismus anleiten können.

Freiheit als Waffe

Das Klassentreffen rechtspopulistischer Kräfte im Rahmen der amerikanischen CPAC im Februar 2025 zeigt, wie global sich der Einfluss des new fusionism seit den 1990er Jahren ausgebreitet hat. Auf der Konferenz reihten sich Trump-Anhänger_innen neben Abgeordneten der AfD und zahlreicher anderer europäischen Parteien ein. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni schaltete sich für ein Grußwort aus der Ferne zu. Der amerikanische Medienunternehmer und ehemalige Trump-Chefstratege Steve Bannon beendete seine Rede mit einem mutmaßlichen Hitlergruß und erntete tosenden Applaus. Konservative alter Schule hingegen erhielten Buhrufe. Journalisten beschrieben die Stimmung als „enthemmt“ und emblematisch für den ideologischen Wandel der internationalen Rechten.32 Als mediales Highlight der Veranstaltung übergab Javier Milei Elon Musk eine glänzende Kettensäge, seit dem Wahlkampf Mileis bevorzugtes Symbol für die Zerschlagung der staatlichen Bürokratie. Nimmt man den Ikonoklasmus der Neuen Rechten für bare Münze, so wirkt die CPAC wie eine euphorische Feier anlässlich der Revolution gegen die herrschende Ordnung.

Quinn Slobodians „Hayek’s Bastards“ stellt klar, dass die vermeintliche Rebellion gegen Kapitalismus, ‚Globalismus‘ und die sogenannten Eliten mehr raffinierte Illusion als historische Wirklichkeit ist. Durch die Einbindung oft unbeachteter Akteur_innen in die Geistesgeschichte des Neoliberalismus zeichnet das Buch ein genealogisches Portrait der heutigen Rechten und betont, dass Kontinuitäten zwischen der neoliberalen intellektuellen Bewegung und dem Rechtspopulismus der vergangenen Jahrzehnte gegenüber Brüchen überwiegen. Als gelungenem Abschluss seiner Trilogie über das schwierige Verhältnis neoliberaler Denker_innen zur Demokratie erinnert Slobodian seine Leser_innen daran, dass ein radikalisierter Freiheitsbegriff zum Werkzeug von Unterdrückung und Ausgrenzung werden kann, insbesondere dann, wenn er an eine Auffassung menschlicher Natur gekoppelt erscheint, die rigide hierarchisiert und über das Freiheitspotenzial des Individuums urteilt. Seine Studie des ideologischen Wandels innerhalb der neoliberalen Bewegung ist die Vorgeschichte einer Gegenwart, in der die libertäre Rechte weltweit nach der Macht greift. Ob dies das Ende der neoliberalen Ordnung oder nur eine weitere ideologische Mutation einläutet, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Der Einfluss Hayeks und seiner ‚Bastarde‘ bleibt ungebrochen.

Besprochene Literatur

  • Slobodian, Quinn: Hayek’s Bastards. The Neoliberal Roots of the Populist Right, 288 S., Allen Lane, London 2025.

Funding

Open access funding provided by European University Institute - Fiesole within the CRUI-CARE Agreement.

Notes

  1. Gerstle, Gary: The Rise and Fall of the Neoliberal Order. America and the World in the Free Market Era, Oxford UP, Oxford u. a. 2022.
  2. Siehe zum Beispiel Jardina, Ashley: White Identity Politics, Cambridge UP, Cambridge 2019; Snyder, Timothy: On Tyranny. Twenty Lessons from the Twentieth Century, Crown, New York 2017; ders.: The Road to Unfreedom. Russia, Europe, America, Tim Duggan Books, New York 2018; Rosenfeld, Gavriel D./Ward, Janet (Hrsg.): Fascism in America. Past and Present, Cambridge UP, Cambridge 2023. Für kritische Perspektiven auf die Faschismusdebatte in den USA siehe Steinmetz-Jenkins, Daniel (Hrsg.): Did It Happen Here? Perspectives on Fascism and America, W. W. Norton, New York 2020.
  3. Right Side Broadcasting Network: FULL SPEECH: President of Argentina Javier Milei Delivers Remarks at CPAC 2025–2/22/25, in: Youtube, 22. Februar 2025, URL: <https://www.youtube.com/watch?v=PmM6YrrpxnA> [Zugriff: 07.07.2025]. Bei dieser Übersetzung aus dem Spanischen und allen weiteren Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche handelt es sich um Übersetzungen des Verfassers.
  4. Ebd.
  5. The Economic Times: Elon Musk—Alice Weidel Full Conversation: Tesla CEO speaks to German Far-Right Party AfD Chief, in: Youtube, 09. Januar 2025, URL: <https://www.youtube.com/watch?v=cpjKbWKZn00> [Zugriff: 07.07.2025].
  6. Vgl. Doering-Manteuffel, Anselm/Raphael, Lutz: Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008.
  7. Fukuyama, Francis: The End of History and the Last Man, Free Press, New York u. a. 1992; für Studien zur Rolle der MPS siehe Walpen, Bernhard: Die offenen Feinde und ihre Gesellschaft. Eine hegemonietheoretische Studie zur Mont Pèlerin Society (Schriften zur Geschichte und Kritik der Politischen Ökonomie, Bd. 1) VSA, Hamburg 2004; Mirowski, Philip/Plehwe, Dieter (Hrsg.): The Road from Mont Pèlerin. The Making of the Neoliberal Thought Collective, Harvard UP, Cambridge, MA 2009.
  8. Auch Autoren aus der libertären Schule unterstützen die Einschätzung, dass das Ende des Kalten Krieges eine Sinnkrise für die Befürworter_innen eines radikalen Liberalismus bedeutete, vgl. Zwolinski, Matt/Tomasi, John: The Individualists. Radicals, Reactionaries, and the Struggle for the Soul of Libertarianism, Princeton UP, Princeton, NJ/Oxford 2023.
  9. Callison, William/Manfredi, Zachary (Hrsg.): Mutant Neoliberalism. Market Rule and Political Rupture, Fordham UP, New York 2019; Audier, Serge: Néo-libéralisme(s). Une archéologie intellectuelle, Grasset, Paris 2012.
  10. Hirschman, Albert O.: Exit, Voice, and Loyalty. Responses to Decline in Firms, Organizations, and States, Harvard UP, Cambridge, MA 1970.
  11. Vgl. Brown, Wendy: Undoing the Demos. Neoliberalism’s Stealth Revolution, Zone Books, New York 2015; dies.: In the Ruins of Neoliberalism. The Rise of Antidemocratic Politics in the West, Columbia UP, New York 2019.
  12. Slobodian, Quinn: Globalists. The End of Empire and the Birth of Neoliberalism, Harvard UP, Cambridge, MA 2018; ders.: Crack-up Capitalism. Market Radicals and the Dream of a World Without Democracy, Allen Lane, London 2023.
  13. Cooper, Melinda: Family Values. Between Neoliberalism and the New Social Conservatism, Zone Books, New York 2017; dies.: The Alt-Right: Neoliberalism, Libertarianism and the Fascist Temptation, in: Theory, Culture & Society 38 (2021), H. 6, S. 29–50.
  14. Zur Geschichte der Debatte um die Wirtschaftsrechnung des Sozialismus als Ausgangspunkt des neoliberalen Projekts siehe Auerbach, Paul/Sotiropoulos, Dimitris P.: Revisiting the Socialist Calculation Debate. The Role of Markets and Finance in Hayek’s Response to Lange’s Challenge, in: Bellofiore, Riccardo/Karwowski, Ewa/Toporowski, Jan (Hrsg.): Economic Crisis and Political Economy. Volume 2 of Essays in Honour of Tadeusz Kowalik, Palgrave Macmillan, London 2014, S. 212–230; Innset, Ola: Reinventing Liberalism. The Politics, Philosophy and Economics of Early Neoliberalism (1920–1947), Springer International, Cham 2020.
  15. Vgl. Hancock, David: The Countercultural Logic of Neoliberalism, Routledge, London 2019; Audier, Serge: La pensée anti-68. Essai sur une restauration intellectuelle, Découverte, Paris 2009; Zamora, Daniel/Behrent, Michael C. (Hrsg.): Foucault and Neoliberalism, Polity, Cambridge u. a. 2015; Dean, Mitchell/Zamora, Daniel: The Last Man Takes LSD. Foucault and the End of Revolution, Verso, London 2021.
  16. Vgl. Mirowski/Plehwe, Road (wie Anm. 7).
  17. Slobodian, Quinn: Anti-’68ers and the Racist-Libertarian Alliance. How a Schism Among Austrian School Neoliberals Helped Spawn the Alt Right, in: Cultural Politics 15 (2019), H. 3, S. 372–386.
  18. Slobodian, Quinn: The Ethno-economy. Peter Brimelow and the Capitalism of the Far Right, in: Journal of American Studies 58 (2024), H. 2, S. 169–192.
  19. Slobodian, Quinn: The Unequal Mind. How Charles Murray and Neoliberal Think Tanks Revived IQ, in: Capitalism. A Journal of History and Economics 4 (2023), H. 1, S. 73–108.
  20. Zum neoliberalen Gedanken der Eigenverantwortung und Selbstvermarktung siehe Bröckling, Ulrich: Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2007.
  21. Mirowski, Philip: Never Let a Serious Crisis Go to Waste. How Neoliberalism Survived the Financial Meltdown, Verso, London 2013; Für diese ontologische Interpretation des Neoliberalismus siehe auch Brown, Undoing the Demos (wie Anm. 11).
  22. Amlinger, Carolin/Nachtwey, Oliver: Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus, Suhrkamp, Berlin 2022.
  23. Siehe hierzu vor allem die zuvor zitierte Arbeit zum sogenannten neoliberal thought collective, insbesondere von Plehwe, Walpen und Mirowski (wie Anm. 7).
  24. Vgl. Dietrich, Tobias: Laufen nach dem Boom. Eine dreifache Konsumgeschichte?, in: Doering-Manteuffel, Anselm/Raphael, Lutz/Schlemmer, Thomas (Hrsg.): Vorgeschichte der Gegenwart. Dimensionen des Strukturbruchs nach dem Boom, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, S. 351–370; Purser, Ronald E.: McMindfulness. How Mindfulness Became the New Capitalist Spirituality, Neue Überarbeitete Ausgabe, Repeater, London 2019; Cook, Eli: Rearing Children of the Market in the ‘You’ Decade. Choose Your Own Adventure Books and the Ascent of Free Choice in 1980s America, in: Journal of American Studies 55 (2021), H. 2, S. 418–445.
  25. Die Literaturwissenschaftlerin Leigh Claire La Berge hat dieses Thema in einem gemeinsamen Aufsatz mit Quinn Slobodian thematisiert, vgl. La Berge, Leigh Claire/Slobodian, Quinn: Reading for Neoliberalism, Reading like Neoliberals, in: American Literary History 29 (2017), H. 3, S. 602–14.
  26. Die Notwendigkeit literarische Akteure auch außerhalb traditioneller akademischer Karrierewege in die Geistesgeschichte des Libertarismus einzubinden habe ich an anderer Stelle beschrieben, vgl. Kölling, Dennis: Historicizing Libertarianism, or How to Write Intellectual History Without Intellectuals, in: Journal of the History of Ideas Blog, 04. März 2024, URL: <https://www.jhiblog.org/2024/03/04/historicizing-libertarianism-or-how-to-write-intellectual-history-without-intellectuals/> [Zugriff: 07.07.2025]; ders.: Popularizing the Neoliberal Utopia. American Libertarian Fiction and the Quest to Design a Liberal Vision of the Future, 1930s to 1960s, Dissertation, Florenz, Europäisches Hochschulinstitut, 2025.
  27. Vgl. Burns, Jennifer: Goddess of the Market. Ayn Rand and the American Right, Oxford UP, Oxford 2009; dies.: The Three ‘Furies’ of Libertarianism. Rose Wilder Lane, Isabel Paterson, and Ayn Rand, in: The Journal of American History 102 (2015), H. 3, S. 746–774; für binnenperspektivische Ansätze zur Geschichte des Libertarismus siehe Doherty, Brian: Radicals for Capitalism. A Freewheeling History of the Modern American Libertarian Movement, PublicAffairs, New York 2007; Zwolinski/Tomasi, Individualists (wie Anm. 8).
  28. Doherty, Radicals (wie Anm. 27), S. 67.
  29. Popper, Karl: The Logic of Scientific Discovery, Überarbeitete Englische Ausgabe, Routledge, London 2002, S. 31.
  30. Brandes, Sören: The Market’s People. Milton Friedman and the Making of Neoliberal Populism, in: Callison/Manfredi, Mutant Neoliberalism (wie Anm. 9), S. 61–88.
  31. Talmon, Jacob L., The Origins of Totalitarian Democracy, Secker & Warburg, London 1952.
  32. Zwischen Hitlergruß-Geste und Kettensäge: Rechte bei CPAC unter sich. Jonathan Hadem im Gespräch mit Annika Brockschmidt, SWR Aktuell, 21. Februar 2025, URL: <https://www.swr.de/swraktuell/radio/hitlergruss-kettensaege-rechte-cpac-trump-musk-milei-conservative-afd-100.html> [Zugriff: 07.07.2025].

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