Einleitung: Die „Banalität des Bösen“ und ‚gewöhnliche Menschen‘ in der NS-Diktatur
Seit der Erstaufführung am 19. Mai 2023 beim Filmfestival von Cannes hat der Spielfilm „The Zone of Interest“ des britischen Regisseurs Jonathan Glazer für Aufsehen gesorgt und zahlreiche internationale Preise gewonnen. Auf verstörende Weise inszeniert der Film das idyllische Familienleben des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß, seiner Frau Hedwig und ihrer fünf Kinder, die in einer luxuriösen Villa unmittelbar neben dem Vernichtungslager leben. Nur eine Gartenmauer trennt zwei Welten: die der rassistisch definierten, sozial privilegierten ‚Herrenrasse‘ und die zur Ausgrenzung, Ausbeutung und Vernichtung bestimmten ‚Untermenschen‘. Während die einen ein Recht auf privates Glück beanspruchen, sind die anderen der Diskriminierung ausgesetzt und dem Tod geweiht. Das gespenstische Glück der Täterfamilie Höß ist von Wohlstand geprägt: Ein sorgsam gepflegter Gemüse- und Blumengarten, fröhliche Familienfeste am Swimmingpool und ein makellos grüner Rasen bilden die Kulisse eines scheinbar normalen Alltags – während das Grauen des Holocaust im Hintergrund nahezu unsichtbar bleibt.
Ohne direkte Gewaltbilder, aber mit einer eindringlichen Geräuschkulisse entlarvt der Film die „Banalität des Bösen“. Hannah Arendt prägte diesen Begriff in ihrer Analyse des Prozesses gegen Adolf Eichmann, einen der Hauptorganisatoren des Holocaust, um aufzuzeigen, dass das größte Verbrechen der Moderne von „gewöhnlichen Menschen“ begangen wurde.1 Sie waren sich entweder der moralischen Konsequenzen ihres Handelns nicht bewusst oder nahmen sie billigend in Kauf. Oberflächlichkeit, Bequemlichkeit und Angst vor dem Verlust stabilisierender Alltagsstrukturen trugen entscheidend dazu bei, die zwölfjährige Stabilität der ‚Volksgemeinschaft‘ zu sichern. Anders formuliert: Die kleinbürgerlichen Wohlstandsträume gründeten auf Ausgrenzung, Ausnutzung, Raub und der Ermordung von Jüdinnen und Juden sowie slawischen Völkern.
Das Private im Nationalsozialismus als Forschungsgegenstand
Nicht nur die populäre Kultur hat das Private im Nationalsozialismus entdeckt, um das menschliche Handeln und die Motivationen in den totalitären Ordnungen des „Zeitalters der Extreme“ (Eric Hobsbawm) zu verstehen. Mit dem Aufstieg der Kultur- und Sozialgeschichte hat sich die Erforschung des Privaten zu einem etablierten Forschungsfeld entwickelt. Ihr Hauptanliegen ist es, eine quellenfundierte und theoretisch reflektierte Gesellschaftsgeschichte des NS-Staates zu entwerfen, die die Vielfalt konkurrierender Akteure, Institutionen, Diskurse und sozialer Praktiken in ihrer Komplexität berücksichtigt.2 Die Untersuchung der vielschichtigen Verflechtungen von „privat“ und „öffentlich“ während des Nationalsozialismus war Ziel der internationalen Forschungsgruppe des Instituts für Zeitgeschichte Berlin-München, der University of Nottingham und des Deutschen Historischen Instituts in Warschau, die von 2013 bis 2017 an diesem Thema arbeiteten. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist die junge, aber bereits sehr renommierte Reihe „Das Private im Nationalsozialismus“, die bis heute sechs Sammelbände und Monografien unter der Leitung von Andreas Wirsching und Johannes Hürter herausgegeben hat.3 Der Band über die Erfahrungen und Praktiken der Familientrennung im nationalsozialistischen Krieg (1939–1945) wird dabei im Fokus meines Essays stehen.4
In aktuellen Neuerscheinungen wird das Private in vielfältiger Weise analysiert: als Verheißung und Versprechen, als Traum und Trauma, als Projektionsfläche staatlicher Biopolitik und individueller Sehnsüchte, als Instrument sozialer Kontrolle und zugleich als Ort der Resilienz. In Kriegszeiten geriet es zum Schlachtfeld um Körper und Seelen der Bürger_innen, um die Disziplinierungsbestrebungen des Regimes mit den individuellen Erwartungshorizonten in Einklang zu bringen. Das Private diente vor allem der Herrschaftslegitimation, indem es Partizipation ermöglichte, Loyalität erzeugte und die Veralltäglichung der Gewalt begünstigte. In diesem Sinne war die ideologische Grundlage der ‚Volksgemeinschaft‘ nicht nur rhetorisch perfektioniert, sondern auch durch kollektive und individuelle Gewaltpraktiken abgesichert. In seinem einflussreichen Konzept des „Eigen-Sinns“ hat Alf Lüdtke verdeutlicht, dass die (Nicht‑)Bürger_innen im NS-Regime nicht bloß passive Objekte staatlicher Politik waren. Vielmehr stellten sie durch Aneignung, Anpassung und (Um‑)Deutung der offiziellen Botschaften einen Eigen-Sinn der Zugehörigkeit und (Nicht‑)Teilnahme am Unrechtssystem her. Dieses Forschungsprisma auf die lebensweltlichen Aushandlungsräume ‚einfacher‘ Menschen hat dazu beigetragen, die binären Kategorien der Totalitarismustheorie – zwischen Akzeptanz und Widerstand, Opfer und Täter, Öffentlichem und Privatem – kritisch zu hinterfragen.
Der Krieg kennt keine Ausnahmen. Während Eliten geopolitische Kalkulationen anstellen, ideologische und nicht zuletzt wirtschaftliche Visionen verfolgen, bedeutet er für die ‚kleinen Leute‘ Tod, Elend, Zerstörung und Verlust. Im Zweiten Weltkrieg und während des Holocaust waren Familientrennungen allgegenwärtig. Ein zentrales Verdienst der Herausgeber_innen des zu besprechenden Bandes liegt darin, die kriegsbedingte Auflösung privater Strukturen als individuelle und kollektive Erfahrung in den Mittelpunkt der Forschung zu rücken. Alle Beiträge eint das Ziel, das vielschichtige Wechselverhältnis zwischen Familie, Staat und Gesellschaft zu analysieren (S. 12). Im Fokus stehen die Dynamiken der nuklearen Familie – sowohl die Beziehungen zwischen Ehepartnern als auch zwischen Eltern und Kindern unter den Kriegs- und Besatzungsbedingungen. Zugleich wird aufgezeigt, wie der Krieg die Neukonstituierung des Privaten im Spannungsfeld zwischen individuellen Erwartungen und staatlichen Vorgaben formte. Der Band beleuchtet die Alltäglichkeit des Krieges in all ihren Dimensionen: als Erfahrung von Trauma, Flucht und Leid, aber auch als Raum für soziale Aufstiegsmöglichkeiten und die Integration in eine nach rassenpolitischen Prinzipien definierte ‚Volksgemeinschaft‘. Angesichts aktueller Migrationsbewegungen und militärischer Konflikte – etwa in der Ukraine oder im Gazastreifen – ist das Thema heute relevanter denn je.
Der fünfte Band der Reihe „Das Private im Nationalsozialismus“ knüpft an die Tradition der Alltagsgeschichte im Sinne von Alf Lüdtke, Detlev Peukert und Lutz Niethammer an.5 Herrschaft wird dabei als soziale Praxis verstanden, die individuelles Mitwirken am politischen Projekt lenkt und kollektives Handeln durch das Wechselspiel von Inklusion und Exklusion strukturiert.6 Zugleich stärkt der Band die internationale Profilierung der deutschen Zeitgeschichte, indem er die Erfahrungswelten von Frauen, Kindern und jüdischen Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die ‚gewöhnlichen‘ Menschen erhalten hier ein Gesicht und eine Stimme: Ihre Handlungsspielräume, Ressourcen, Emotionen und Überlebenspraktiken in Extremsituationen der Gewalt werden sichtbar gemacht. Der Blickwinkel liegt auf Erfahrungen des Leidens und Hoffens – auf dem Streben nach einem glücklichen Familienleben trotz widrigster Umstände. Gerade in Kriegszeiten geraten diese ‚normalen‘ Menschen oft aus dem Blick: Für moderne Staaten werden sie zum bloßen „Biomaterial“ für Kampfhandlungen und die Reproduktion künftiger Soldaten, während ihre alltäglichen Sorgen in heroischen Erzählungen von Widerstand und Nationsbildung verblassen. Der Band, inspiriert vom mikrohistorischen Ansatz, plädiert für eine Geschichtsschreibung mit Einfühlungsvermögen und Humanität. Dabei ordnet er staatliche und gesellschaftliche Strukturen den individuellen Erfahrungen unter und hebt den Wert jedes Einzellebens hervor.
Die Dichotomie von Öffentlichem und Privatem zählt zu den zentralen Fragestellungen in der Erforschung moderner Gesellschaften.7 Die neuere Historiografie neigt zunehmend zu der Auffassung, dass totalitäre Ordnungen kaum eine klare Trennung zwischen beiden Sphären kennen. Vielmehr wurde das Private vom Staat instrumentalisiert, um Indoktrination und Massenmobilisierung zu ermöglichen. In der Einleitung und den zwölf Beiträgen dieses Bandes wird das Private als Erfahrungs- und Handlungsraum verstanden, der tief vom Politischen durchdrungen war. Für die ‚arische‘ Mehrheitsgesellschaft ebenso wie für politisch und rassisch Verfolgte sowie die osteuropäische Bevölkerung der besetzten Gebiete war das Private kein autonomer Rückzugsort, sondern musste unter den Rahmenbedingungen der NS-Diktatur ausgehandelt und angepasst werden. Der NS-Staat verknüpfte biopolitische Utopien eines gesunden, glücklichen und ‚rassisch reinen‘ Familienlebens mit dem Versprechen von privatem Glück und alltäglicher Normalität. Dadurch wurde das Private zur Projektionsfläche ideologischer Ansprüche und persönlicher Sehnsüchte: Es diente einerseits als systemstabilisierende Ressource, andererseits als sinnstiftender Raum für die individuelle Selbstkonstitution.
Privilegierte und verfolgte Familien im NS
Die Beiträge des Bandes lassen sich in zwei zentrale Forschungslinien unterteilen. Die erste Gruppe widmet sich den rassisch privilegierten Familien der Mehrheitsgesellschaft, die den staatlichen Auftrag hatten, den Kern der ‚Volksgemeinschaft‘ zu bilden. Ihre Mitglieder wurden nach Kriterien wie ‚Rasse‘, ‚Erbgesundheit‘ und ideologische Loyalität bewertet. Die zweite Gruppe behandelt die Situation ‚rassisch minderwertiger‘ Familien, die gezielt Opfer von Ausgrenzung, Vertreibung und Verfolgung wurden. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies am Beispiel der ‚Germanisierungspolitik‘ in Polen, im Rahmen derer slawische Völker und jüdische Familien nicht nur wirtschaftlich ausgeplündert, sondern auch physisch ausgebeutet und systematisch zerrissen wurden. Deportation, Ghettoisierung und die Ermordung in Vernichtungslagern prägten vor allem das Schicksal jüdischer Männer, Frauen und Kinder. In den Beiträgen wird diese Gruppe in einer doppelten Opferrolle betrachtet: als Angehörige einer besetzten Gesellschaft und zugleich als rassisch Verfolgte. In diesem Kontext erscheinen die systematischen Familientrennungen als Kriegsverbrechen, da sie gezielt auf die Schwächung und Auslöschung nicht ‚rassisch reiner‘ Bevölkerungsgruppen abzielten.
Jeder Beitrag des Bandes ist lesenswert. Mütter und Kinder deutscher Abstammung, wie Wiebke Lisner zeigt, wurden als symbolische Träger des Neuanfangs und der Zukunft der ‚Volksgemeinschaft‘ repräsentiert. Der NS-Staat deutete „Privatheit“ als Privileg, das den ‚rassisch wertvollen‘ Familien vorbehalten war (S. 231). Gleichzeitig rekonstruiert Lisner die Erweiterung der ‚Volksgemeinschaft‘ durch die Umsiedlung der Deutschbalten, insbesondere von schwangeren Frauen, ins Deutsche Reich. Die Zugehörigkeit zum ‚Herrenvolk‘, wie die Autorin betont, wurde mit Symbolen wie Hakenkreuzfahnen, mit belegten Brötchen, Suppe und Kaffee – also mit Fürsorge für die ‚Eigenen‘ – in Verbindung gebracht. Im starken Gegensatz dazu stand die Indifferenz gegenüber den Nicht-Deutschen, da Menschen aus Polen, der Ukraine, Russland und anderen sowjetischen Ländern ins Deutsche Reich zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Das Nicht-Deutsch-Sein bedeutete, in der Wahrnehmung des NS-Staates mit Gleichgültigkeit behandelt zu werden, was die Ausgrenzung und Beraubung polnischer und jüdischer Familien zugunsten der privilegierten deutschen ‚Rasse‘ forcierte. Der Schutz und die Versorgung der ‚Volksgenossinnen‘ und ihres Nachwuchses geschah auf Kosten der ‚Anderen‘. Familientrennungen von Nicht-Deutschen dienten dem Zweck, die Germanisierung der neu besetzten Territorien voranzutreiben, während man im Hintergrund gleichzeitig die Schwächung und Vernichtung der polnischen Bevölkerung förderte.
Tatjana Tönsmeyer plädiert in ihrem wegweisenden Beitrag zur Sozialgeschichte der Besatzungsgesellschaften für eine differenzierte Betrachtung der „Rumpf- oder Haushaltsfamilien“ und ihrer geschlechterbedingten Disproportionen. Während die Männer an der Front kämpften, übernahmen Frauen – oft in Allianz mit Kindern, Jugendlichen und alten Menschen – die Verantwortung für den Alltag. Der Krieg zwang sie dazu, männliche Berufe auszuüben und die patriarchale Rolle als Hauptversorgerin der Familie zu übernehmen. Familientrennungen waren eine direkte Folge der Einberufung der Männer, der Evakuierung von Grenzgebieten sowie von Flucht und Umsiedlung. Besonders aussagekräftig für die zerstörerische nationalsozialistische Rassenpolitik sind die Beispiele von Trennungen in ‚Mischehen‘ zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen (S. 41). Durch ihre dichte Beschreibung des Kriegstraumas schreibt Tönsmeyer die Emotionsgeschichte der deutschen Besatzung in Osteuropa, indem sie tiefgreifende Gefühle wie Angst, Trauer, Verlust und Wut in den Mittelpunkt rückt.8 Ihre Perspektive lenkt den Blick auf die Handlungsoptionen und Motivationen der Betroffenen – ein Aspekt, der in der klassischen Politik- und Ereignisgeschichte häufig unberücksichtigt bleibt.
Während Tönsmeyer die Betroffenen der Rassenpolitik und der NS-Besatzung in den Mittelpunkt ihrer Analyse stellt, betrachtet Isabel Heinemann die Familie als zentrale Kategorie der nationalsozialistischen In- und Exklusionspolitik, die über die Zugehörigkeit zur ‚Volksgemeinschaft‘ entschied (S. 57). Familie, so die Autorin, fungierte als Ordnungskategorie, die einerseits Partizipation ermöglichte und andererseits soziale Sicherheit garantierte. Erstens diente das Versprechen privaten Glücks sowohl als mobilisierende als auch disziplinierende Erwartung zur Stabilisierung des NS-Staates. Auch in den östlich besetzten Gebieten wurde die Familie gezielt als Instrument der ‚Germanisierung‘ eingesetzt: Die Ansiedlung deutscher Familien ging mit der Umsiedlung und Ausbeutung ‚nicht-arischer‘ Bevölkerungsgruppen einher, um die territoriale Expansion voranzutreiben.9 Zweitens trug die Institution der Familie zur Stärkung der ‚Volksgemeinschaft‘ bei, während Familienzerstörung zur Eliminierung zwischenmenschlicher Beziehungen bei ‚minderwertiger Rassen‘ eingesetzt wurde. Dieses Spannungsverhältnis zeigte sich in der Praxis der Trennung von Kindern polnischer, ukrainischer und belarussischer Familien, die in speziellen Erziehungsanstalten oder deutschen Adoptionsfamilien systematisch zwangsgermanisiert wurden. Neben ideologischer Indoktrination und sprachlicher Anpassung wurden diese Kinder in rassisch geprüfte Familien adoptiert, wodurch kinderlose Ehepaare die Möglichkeit erhielten, ein ‚vollständiges‘ Familienleben zu führen. Auf diese Weise sollte die ‚Volksgemeinschaft‘ ihre Zukunft langfristig sichern und mit neuen Kräften gefüllt werden. Drittens war es nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg erneut die Familie, die die Vergangenheitsbewältigung und Erinnerung an die NS-Zeit verschönern sollte. In Memoiren und Erzählungen wurden Familiennarrative geschaffen, die die aktive Beteiligung an der NS-Politik umdeuteten und sich durch die interfamiliäre Bezeugung von Schuld distanzierten.10
Nationalsozialistische Biopolitik
Christian Packheiser untersucht in seinem nuancierten Beitrag den sogenannten Heimaturlaub, der eine temporäre Wiedervereinigung von Ehepartnern, Eltern und Kindern nach kriegsbedingten Trennungen ermöglichte. Laut Packheiser erfüllte der Fronturlaub eine dreifache Funktion: Er sollte der Entfremdung innerhalb der Familien entgegenwirken, die Normalisierung des Krieges fördern und den Zusammenhalt zwischen Front und Heimat aufrechterhalten. Darüber hinaus folgte er einem biopolitischen Programm, das darauf abzielte, die Geburtenrate trotz des Krieges stabil zu halten und die ‚Volksgemeinschaft‘ als ‚Reproduktionsgemeinschaft‘ zu sichern. Zur Stärkung des Kampfgeistes der Soldaten wurden sogenannte Ferntrauungen eingeführt und es wurde sogar über medizinische Beratung zur gezielten Kinderzeugung diskutiert. Teil dieser Überlegungen war auch die Gewährung von Urlaub, der mit dem Menstruationszyklus der Ehefrauen abgestimmt wurde. Auf diese Weise wurde den 18 Millionen Soldaten und ihren Angehörigen die ideologische Botschaft vermittelt, dass sie durch die Sicherung des ‚Blutes‘ zur symbolischen Unsterblichkeit der ‚Volksgemeinschaft‘ beitrügen. Doch der propagierte Mythos militärischer und heldenhafter Männlichkeit stand im scharfen Kontrast zur Realität: Traumatisierung und Versehrtheit prägten das Leben der Heimkehrer weitaus stärker als das Ideal des pflichtbewussten, zeugungsfähigen Kriegers.
Katerina Piro und Annemone Christians schildern in ihren Beiträgen jeweils die biopolitische Steuerung von Ehe und Intimität im NS-Staat. Piro rekonstruiert anhand einer Feldpostkorrespondenz, wie ein Ehepaar trotz Trennung ihre Familienplanung verhandelte und diese durch Briefe sowie Fronturlaube vorantrieb. Die NS-Biopolitik prägte das Eheleben tiefgreifend: Unfruchtbarkeit galt als Makel, da sie dem Ideal eines leistungsfähigen, gesunden Menschen widersprach. Piros vorbildliche Mikroanalyse zeigt, wie ideologische Staatseingriffe die Steuerung von Liebesbeziehungen beeinflussten. Christians analysiert die 1938 reformierte Scheidungspraxis, die ‚rassenhygienische‘ Argumente, Kinderlosigkeit und Erbkrankheiten als legitime Trennungsgründe etablierte. Besonders ‚Volksgenossen‘ nutzten diese ideologisch geprägten Narrative, um Scheidungen zu erwirken, was zur massenhaften Auflösung von ‚Mischehen‘ zwischen Juden und Deutschen führte (S. 150). Diese Rechtspraxis stand im Einklang mit den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 und nahm ‚rassenhygienische‘ Argumente sowie Faktoren wie Kinderlosigkeit, Erbkrankheiten, Alkoholgenuss oder den schlechten Zustand des Haushalts als eigennützige Motive für eine Trennung auf. Gleichzeitig fungierte der Krieg als Scheidungskatalysator, indem er Entfremdung, Traumatisierung und neue romantische Beziehungen begünstigte.
Lu Seeger analysiert anschließend den Aufstieg des Lebensberaters und Schriftstellers Walther von Hollander, der mit seinen Bestsellern über Ehe- und Familienleben große Bekanntheit erlangte. Seine Ratgeber sprachen emotionale Bedürfnisse jenseits der ideologischen Vorgaben des ‚Dritten Reiches‘ an und boten Wehrmachtssoldaten sowie ihren Partnerinnen Orientierung bei Eheproblemen und Entfremdung. Besonders prägend war von Hollanders Plädoyer für eine „partnerschaftliche Ehe auf der Basis der Gleichwertigkeit der Geschlechter“ (S. 180) sowie sein Beitrag zur Depolitisierung des Privaten, indem er Raum für Alltagskonflikte und persönliche Krisen schuf. Anhand des Briefwechsels zwischen Hilfesuchenden und dem Berater zeigt Seeger, dass sich die NS-Gesellschaft eher mit Fragen der Treue und Beziehungskrisen als mit Schuld und Mitverantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen auseinandersetzte. Nach 1945 verstärkte sich dieser Trend: Kriegsbetroffene stilisierten sich zunehmend als Opfer, während die realen Leidtragenden marginalisiert wurden. Gleichzeitig trug von Hollander zur Liberalisierung der Geschlechterordnung bei, indem er Frauen erweiterte Handlungsspielräume zuschrieb. In der Nachkriegszeit wurde die Lebensberatung weiter institutionalisiert – einerseits als Motor weiblicher Emanzipation und wirtschaftlicher Unabhängigkeit infolge des Männermangels, andererseits als Mittel zur Reetablierung traditioneller Geschlechterrollen im Rahmen des bürgerlich geprägten Familienideals.
Ego-Dokumente als Quellen
Ego-Dokumente sind Schlüsselquellen für die Alltagsgeschichte. In diesem Band bieten Tagebücher, private Korrespondenzen, Feldpostbriefe und Eingaben einzigartige Einblicke in die Konstruktion des Privaten an der Schnittstelle individueller Erwartungen und gesellschaftlicher Normen.11 Besonders Feldpostbriefe dienten nicht nur der Informationszirkulation, sondern auch dem Aushandeln der „Grenzen des Sagbaren“. In der privaten schriftlichen Kommunikation konnten Themen wie Kriegsniederlage, Müdigkeit und Enttäuschung offener angesprochen werden – oft vertraulicher zwischen Geschwistern als im hierarchisch geprägten Austausch mit Eltern oder Partner_innen. Während Männer gegenüber Familienangehörigen und Kameraden häufig das Ideal des heroischen Soldaten aufrechterhielten, ermöglichten Briefe zwischen Geschwistern eine offenere emotionale Solidarität – ein Aspekt, den Kathrin Kiefer und Markus Raasch fundiert herausarbeiten. Solche Dokumente sind zugleich Reservoirs emotionaler Sprache und zentrale Quellen für eine Emotionsgeschichte des Krieges. Sie spiegeln Liebe, Sehnsucht und den unermüdlichen Versuch wider, familiäre Verbundenheit trotz Trennung, Flucht, Umsiedlung oder Verfolgung zu bewahren. Gleichzeitig dienten Briefe als Medium der Traumadokumentation – eine frühe Form von Vergangenheitsbewältigung und intergenerationeller Erinnerung. Besonders jüdische Familien, wie Olga Radchenko und Carlos Alberto Haas in ihren Beiträgen zeigen, konstruierten durch Briefkorrespondenz eine emotionale Sphäre der Intimität und gegenseitiger Unterstützung. In Zeiten von Flucht, Gewalt und Hunger wurden Briefe zu Orten der Resilienz, doch noch entscheidender waren Lebensmittelpakete von Verwandten als überlebenswichtige Ressource. Die Geschichte der Post im Zweiten Weltkrieg als Medium der grenzüberschreitenden Zirkulation von Informationen, Wissen, Raubgütern und Emotionen bleibt ein vielversprechendes Forschungsfeld.
Die aktive Erschließung von Ego-Dokumenten in den letzten Jahrzehnten hat den subjectivity turn vorangetrieben. Sie eröffnete einen alltagshistorischen Zugang zur Konstituierung des Selbst und ermöglichte die Analyse von Selbstermächtigung, Selbstverbesserung und Selbstpolitisierung des Subjektes im Spannungsfeld zwischen individueller Erfahrung und ideologischer Anforderung.12 Die Anpassung an offizielle Sprache und Verhaltensmuster erschuf Handlungsoptionen für self-energizing und self-fashioning nach dem propagandistischen Vorbild des ‚Neuen Menschen‘.13 Gleichzeitig wird deutlich, wie moderne Staaten durch Propaganda, Überwachung und Gewalt in private Lebenswelten eindrangen und diese für politische Zwecke instrumentalisierten. Das Private wurde damit zur zentralen Arena der Verbreitung offizieller Geschlechterrollen, Körperpraktiken und Wahrnehmungsmuster – insbesondere zwecks Legitimation von Gewalt und Krieg. Diese enge Verflechtung verdeutlicht, dass in modernen Diktaturen das Private und das Öffentliche nicht als Gegensätze existierten, sondern ineinander übergingen. Sie prägten wechselseitig Identitätsbildung und sicherten gesellschaftliche Integration durch Inklusion und Ausgrenzung.
Diese Perspektive auf Subjektivierungsräume und -praktiken in modernen Diktaturen wurde maßgeblich durch Pionierarbeiten zur Anatomie des Selbst im Stalinismus geprägt.14 In Bezug auf die NS-Geschichte haben Forschungen von Moritz Föllmer, Mary Fulbrook und Christina Morina neuerdings gezeigt, wie in persönlichen Dokumenten die Statusgrenzen zwischen Täter, Opfer und „Bystandern“ verhandelt wurden.15 Besonders aufschlussreich ist ihr Blick auf individuelle Sinnstiftung und Rechtfertigungsnarrative zur (Nicht‑)Teilnahme, Indifferenz und Empathie – sowohl vor als auch nach den Zäsuren von 1933 und 1945. Die Praktik der Verschriftlichung persönlicher Erfahrungen diente dabei nicht nur der individuellen Reflexion, sondern ermöglichte es den Menschen auch, sich ideologischen Deutungsmustern anzupassen und sich in die ‚historische Wahrheit‘ der jeweiligen politischen Ordnung einzufügen.
Neuere Forschungen zur Geschichte des Privaten rücken verstärkt die analytische Kategorie der ‚Volksgemeinschaft‘ in den Fokus.16 Dies erscheint plausibel, da sie nicht nur die Prozesse der Vergesellschaftung und Subjektivierung prägte, sondern auch maßgeblich zur Dynamik nationalsozialistischer Gewalt beitrug. Sie diente als ideologischer Zündstoff, der soziale Hierarchien festigte und Zugehörigkeit durch Abgrenzung definierte.17 In diesem Sinne verstand Michael Wildt die ‚Volksgemeinschaft‘ als eine Partizipations- und Zugehörigkeitsdiktatur, die auf der Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung von als ‚gemeinschaftsfremd‘ erklärten Gruppen basierte – darunter Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und Erbkranke.18 Das ideologisch begründete Versprechen von Normalität und Privatheit für die NS-Mehrheitsgesellschaft war untrennbar mit der Entrechtung und Eliminierung der Nichtzugehörigen verknüpft.
Kinder im Nationalsozialismus
Kinder blieben oft unsichtbare historische Akteure.19 Im vorliegenden Sammelband jedoch werden sie zu zentralen Protagonisten, die von den Familientrennungen in erster Linie betroffen waren. Der Krieg machte Kinder zu den Hauptleidtragenden. Besonders die Kinder osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen wurden unerwünscht, wie Marcel Brüntrup in seinem Beitrag verdeutlicht. Die sozialen Hierarchien wurden durch das rassisch definierte Privileg des Kinderhabens geprägt. Bis Ende 1942 wurden osteuropäische Zwangsarbeiterinnen im Falle einer Schwangerschaft in ihre Heimat abgeschoben; bei der Geburt wurden die Kinder von ihren Müttern getrennt. Das Recht auf Mutterschaft und mütterliche Gefühle war der ‚Herrenrasse‘ vorbehalten. Während Schwangerschaftsabbrüche bei deutschen Frauen streng bestraft wurden, wurde bei ‚Ostarbeiterinnen‘ gezielt Kinderlosigkeit gefördert. Das Elternsein und die Erziehung von Kindern wurden den ‚Untermenschen‘ entzogen: Neugeborene wurden in sogenannten Ausländerkinder-Pflegestätten untergebracht, die durch primitive Bedingungen, Mangelernährung, schlechte Hygiene und unzureichende medizinische Versorgung zu hohen Sterberaten führten. Während der NS-Staat ‚eigene‘ Familiengründungen ideologisch und finanziell förderte, betrieb er gleichzeitig eine systematische Politik der Familientrennung und der Zerstörung des Privaten in Bezug auf nicht-deutsche Gruppen.
Auch im Aufsatz von Yuliya von Saal geht es um die erzwungenen Familientrennungen jüdischer Familien, die oft als bewusste Rettungsstrategie durchgeführt wurden, insbesondere das Verstecken von Kindern in Heimen, bei Nachbarn oder bei Fremden außerhalb der Ghettos. Diese Kinder erhielten häufig falsche, nicht-jüdische Identitäten, um ihr Überleben zu sichern. Trotz der schwierigen Lebensbedingungen beschreibt die Autorin Kinderheime als „Überlebensräume“ (S. 352), die Schutz vor Verfolgung boten. Durch Evakuierung, Flucht oder Deportation wurden Familientrennungen für Millionen sowjetischer Familien zur alltäglichen Erfahrung. Gleichzeitig galten osteuropäische Kinder für die Nationalsozialisten als wertvolle, billige Arbeitskraft und wurden zur Zwangsarbeit oder zur ‚Germanisierung‘ ins Deutsche Reich verschleppt. Viele von ihnen blieben jedoch zurück, weil ihre Eltern an Hunger, Krankheiten oder Gewalt starben. Die Autorin zeigt, wie diese Kinder eigene Überlebensstrategien entwickelten, Kontakte zur Versorgung aufbauten und durch Erwachsenengesten wie Rauchen oder das Tragen großer Kleidung ihre Eigenständigkeit betonten. Die traditionelle Kernfamilie wurde zugunsten flexibler Ersatzgemeinschaften aufgebrochen, in denen Blutsverwandtschaft an Bedeutung verlor. Adoption wurde im Gegensatz dazu in sozialistischen Medien als Akt kollektiver Fürsorge und patriotischer Solidarität inszeniert.
Wohlstand der Einen durch Ausbeutung der Anderen
Mehrere Beiträge thematisieren, wie der Wohlstand der ‚Volksgemeinschaft‘ auf der Ausbeutung und dem Raub von osteuropäischen und jüdischen Bevölkerungsgruppen basierte. Wirtschaftlicher Profit war eine wesentliche Motivation für Wehrpflichtige und ihre Angehörigen, die Kriegspläne Hitlers zu akzeptieren. Fremdarbeiter_innen aus dem Osten wurden geduldet, weil sie als billige Arbeitskraft große Einsparungen ermöglichten und zur Aufrechterhaltung des Normalbetriebs beitrugen. Katerina Piro weist darauf hin, wie ‚Volksgenossen‘ und ihre Partnerinnen im Krieg nach persönlicher Bereicherung strebten, oft ohne zu hinterfragen, wer früher im Besitz der materiellen Objekte war. Ein Soldat fürchtete sich nicht, in den Krieg einzutreten, weil er von der „fetten“ Kriegsbesoldung für Verheiratete profitieren wollte. Aus diesem ‚rationalen‘ Grund heirateten Paare schneller als ursprünglich geplant. Auch die offizielle Familienpolitik, die seit 1939 den deutschen Müttern mit vier oder mehr Kindern das Mutterkreuz verlieh, versprach zahlreiche Familienbeihilfen und Ehestandsdarlehen. Die Verknüpfung von Krieg, Familie und Kindern bot ein lukratives Geschäft (Piro, S. 131). Zur Förderung des gesellschaftlichen Konsenses subventionierte das ‚Dritte Reich‘ die Versorgung der Soldatenfamilien fast doppelt so hoch wie die USA oder Großbritannien (Kiefer/Raasch, S. 205). Demnach war die Teilnahme am ideologisch geprägten Projekt der ‚Volksgemeinschaft‘ eng mit ökonomischen Vorteilen verknüpft und die Transformation der Mehrheitsgesellschaft hin zur Gewaltgemeinschaft wurde materiell subtil stimuliert.
Das Private in autoritären Ordnungen: Ein Ausblick
Der Band offenbart den menschlichen Drang, trotz Situationen extremer Gewalt, radikaler Ideologien und unmittelbarer Todesgefahr den Alltag zu normalisieren und mit allen verfügbaren Mitteln ein Gefühl der Normalität aufrechtzuerhalten. Sowohl Täter_innen als auch Opfer sehnten sich nach der Familie als einem Raum der Resilienz, Nähe und Vertrautheit. Die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen und Praktiken von kriegsbedingten Familientrennungen nimmt den intimsten Blickwinkel auf das Private im Nationalsozialismus und macht den Band zu einer unverzichtbaren Lektüre für das Verständnis des Zweiten Weltkriegs, der Zwangsarbeit und des Holocaust.
Als Schnittstelle multipler biografischer Lebenswege einerseits und vereinheitlichender Staatspolitik andererseits bleibt die Geschichte des Privaten in modernen Diktaturen ein heuristisches Forschungsfeld für weitere Explorationen.20 Zur Entwicklung einer globalen Geschichte autoritärer Herrschaft bedarf es weiterer vergleichenden und verflechtungshistorischen Studien, die nicht nur die klassischen totalitären Ordnungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Blick nehmen, sondern ebenso die Diktaturerfahrungen im ‚Ostblock‘, in Francisco Francos Spanien und in Portugal unter António de Oliveira Salazar berücksichtigen.21
Besprochene Literatur
Lisner, Wiebke u. a. (Hrsg.): Familientrennungen im nationalsozialistischen Krieg. Erfahrungen und Praktiken in Deutschland und im besetzten Europa 1939–1945 (Das Private im Nationalsozialismus, Bd. 5), 379 S., Wallstein, Göttingen 2022.
Funding
Open Access funding enabled and organized by Projekt DEAL.
Notes
- Arendt, Hannah: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, Piper, München 1964. Siehe auch: Browning, Christopher R.: Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen, Rowohlt, Hamburg 1993; Welzer, Harald: Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a. M. 2007; Krauss, Marita (Hrsg.): Sie waren dabei. Mitläuferinnen, Nutznießerinnen, Täterinnen im Nationalsozialismus, Wallstein, Göttingen 2008. ⮭
- Bajohr, Frank/Wildt, Michael (Hrsg.): Volksgemeinschaft. Neue Forschungen zur Gesellschaft des Nationalsozialismus, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a. M. 2009; Kundrus, Birthe: Kriegerfrauen. Familienpolitik und Geschlechterverhältnisse im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Christians, Hamburg 1995; Steinbacher, Sybille (Hrsg.): Volksgenossinnen. Frauen in der NS-Volksgemeinschaft, Wallstein, Göttingen 2007; Kramer, Nicole: Volksgenossinnen an der Heimatfront. Mobilisierung, Verhalten, Erinnerung, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011; Kundrus, Birthe/Steinbacher, Sybille (Hrsg.): Kontinuitäten und Diskontinuitäten. Der Nationalsozialismus in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, Wallstein, Göttingen 2013; Schmiechen-Ackermann, Detlef (Hrsg.): ‚Volksgemeinschaft‘. Mythos, wirkungsmächtige soziale Verheißung oder soziale Realität im ‚Dritten Reich‘?, Schöningh, Paderborn 2012; Reeken, Dietmar von/Thießen, Malte (Hrsg.): ‚Volksgemeinschaft‘ als soziale Praxis. Neue Forschungen zur NS-Gesellschaft vor Ort, Schöningh, Paderborn 2013; Zalc, Claire/Bruttmann, Tal (Hrsg.): Microhistories of the Holocaust, Berghahn, Oxford/New York 2016; Harvey, Elizabeth u. a. (Hrsg.): Private Life and Privacy in Nazi Germany, Cambridge UP, Cambridge 2019; Meyer, Christian: (K)eine Grenze. Das Private und das Politische im Nationalsozialismus 1933–1940, De Gruyter Oldenbourg, Berlin u. a. 2020. ⮭
- Übersicht auf der Website: https://www.wallstein-verlag.de/reihen/das-private-im-nationalsozialismus.html [Zugriff: 28.04.2025]. ⮭
- Lisner, Wiebke u. a. (Hrsg.): Familientrennungen im nationalsozialistischen Krieg. Erfahrungen und Praktiken in Deutschland und im besetzten Europa 1939–1945, Wallstein, Göttingen 2022. ⮭
- Lüdtke, Alf: Eigen-Sinn. Fabrikalltag, Arbeitererfahrungen und Politik vom Kaiserreich bis in den Faschismus, Ergebnisse, Hamburg 1993; ders. (Hrsg.): Everyday Life in Mass Dictatorship. Collusion and Evasion, Palgrave Macmillan, London 2015; Peukert, Detlev: Volksgenossen und Gemeinschaftsfremde. Anpassung, Ausmerze und Aufbegehren unter dem Nationalsozialismus, Bund, Köln 1982; Hachtmann, Rüdiger/Reichardt, Sven (Hrsg.): Detlev Peukert und die NS-Forschung, Wallstein, Göttingen 2015; Niethammer, Lutz (Hrsg.): Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930 bis 1960, 3 Bde., Dietz Nachf., Bonn 1983–1985; ders.: Die volkseigene Erfahrung. Eine Archäologie des Lebens in der Industrieprovinz der DDR, Rowohlt, Berlin 1991. ⮭
- Lüdtke, Alf (Hrsg.): Herrschaft als soziale Praxis. Historische und sozial-anthropologische Studien, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1991. ⮭
- Vgl. Weintraub, Jeff/Kumar, Krishan (Hrsg.): Public and Private in Thought and Practice. Perspectives on a Grand Dichotomy, Chicago UP, Chicago, IL 1997. ⮭
- Vgl. auch Tönsmeyer, Tatjana: Unter deutscher Besatzung. Europa 1939–1945, Beck, München 2024. ⮭
- Vgl. Heinemann, Isabel: Rasse, Siedlung, deutsches Blut. Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas, Wallstein, Göttingen 2003. ⮭
- Welzer, Harald/Moller, Sabine/Tschuggnall, Karoline: „Opa war kein Nazi“. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a. M. 32002. Der Befund einer Umfrage zur Erinnerungskultur in Deutschland aus dem Jahr 2020, durchgeführt von Forscher_innen der Universität Bielefeld, zeigt eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und historischer Realität: 76,8 % der Befragten glaubten, aus Familien ohne Täter_innen zu stammen – eine auffallend verzerrte Zahl, die sich nur geringfügig von den 82,4 % aus der Studie von 2018 unterscheidet. Zudem gab ein Drittel der Befragten an, dass ihre Vorfahren Verfolgten geholfen hätten, während ebenso viele glaubten, selbst von Opfern des NS-Regimes abzustammen. Eine aktuelle Umfrage der Jewish Claims Conference zeigt erhebliche Wissenslücken über den Holocaust in Deutschland, besonders bei jungen Erwachsenen. Fast 40 % der 18- bis 29-Jährigen wussten nicht, dass sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermordet wurden, und 15 % schätzten die Zahl der Opfer auf weniger als zwei Millionen. Zwei Prozent der Befragten glaubten sogar, der Holocaust sei ein ‚Mythos‘ und habe nie stattgefunden. Siehe https://www.stiftung-evz.de/assets/4_Service/Infothek/Publikationen/EVZ_Studie_MEMO_2020_dt_Endfassung.pdf; https://www.claimscon.org/country-survey/ [Zugriff jew.: 28.04.2025]. ⮭
- Vgl. Steinbacher, Sybille/Bajohr, Frank (Hrsg.): „… Zeugnis ablegen bis zum letzten“. Tagebücher und persönliche Zeugnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust, Wallstein, Göttingen 2015. ⮭
- Föllmer, Moritz: Individuality and Modernity in Berlin. Self and Society from Weimar to the Wall, Cambridge UP, Cambridge 2013; Umbach, Maiken: Selfhood, Place, and Ideology in German Photo Albums. 1933–1945, in: Central European History 48 (2015), H. 3, S. 335–365. ⮭
- Fritzsche, Peter/Hellbeck, Jochen: The New Man in Stalinist Russia and Nazi Germany, in: Geyer, Michael/Fitzpatrick, Sheila (Hrsg.): Beyond Totalitarianism. Stalinism and Nazism Compared, Cambridge UP, Cambridge 2008, S. 302–342. ⮭
- Vgl. u. a. Halfin, Igal: Terror in My Soul. Communist Autobiographies on Trial, Harvard UP, Cambridge, MA/London 2003; Hellbeck, Jochen: Revolution on My Mind. Writing a Diary under Stalin, Harvard UP, Cambridge, MA/London 2009. ⮭
- Fulbrook, Mary: Subjectivity and History. Approaches to Twentieth-Century German Society, The German Historical Institute London, London 2017; Morina, Christina/Thijs, Krijn (Hrsg.): Probing the Limits of Categorization. The Bystander in Holocaust History, Berghahn, Oxford/New York 2018; Fulbrook, Mary: Bystander Society. Conformity and Complicity in Nazi Germany and the Holocaust, Oxford UP, Oxford 2023; dies. u. a. (Hrsg.): Compromised Identities? Perpetration and Complicity under Nazism and Beyond, Bloomsbury Academic, London 2023. ⮭
- Vgl. Schmiechen-Ackermann, ‚Volksgemeinschaft‘ (wie Anm. 2); Steber, Martina/Gotto, Bernhard (Hrsg.): Visions of Community in Nazi Germany. Social Engineering and Private Lives, Oxford UP, Oxford 2014. ⮭
- Vgl. Keller, Sven: Volksgemeinschaft am Ende. Gesellschaft und Gewalt 1944/45, Oldenbourg, München 2013. ⮭
- Wildt, Michael: Volksgemeinschaft als Selbstermächtigung. Gewalt gegen Juden in der deutschen Provinz 1919 bis 1939, Hamburger Edition, Hamburg 2007. ⮭
- Vgl. Winkler, Martina: Kindheitsgeschichte. Eine Einführung, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017. ⮭
- Die enge Verflechtung von Privatem und Politischem bildet einen zentralen Schwerpunkt der internationalen Forschung zu totalitären und autoritären Regimen. S. Figes, Orlando: The Whisperers. Private Life in Stalin’s Russia, Penguin, London 2007; Kharkhordin, Oleg: The Collective and the Individual in Russia. A Study of Practices, California UP, Berkeley, CA u. a. 1999; Duggan, Christopher: Fascist Voices. An Intimate History of Mussolini’s Italy, Vintage Books, London 2013; Arthurs, Joshua/Ebner, Michael/Ferris, Kate (Hrsg.): The Politics of Everyday Life in Fascist Italy. Outside the State?, Palgrave Macmillan, London 2017; Grazia, Victoria: The Perfect Fascist. A Story of Love, Power, and Morality in Mussolini’s Italy, Harvard UP, Cambridge, MA/London 2020; Siegelbaum, Lewis H. (Hrsg.): Borders of Socialism. Private Spheres of Soviet Russia, Palgrave Macmillan, London 2006; Betts, Paul: Within Walls. Private Life in the German Democratic Republic, Oxford UP, Oxford 2010; Chatterjee, Choi u. a. (Hrsg.): Everyday Life in Russia. Past and Present, Indiana UP, Bloomington 2015 u. a. ⮭
- Vgl. Cazorla Sánchez, Antonio: Fear and Progress: Ordinary Lives in Franco’s Spain, 1939–1975, Wiley-Blackwell, Chichester 2009; Kornetis, Kostis: Children of the Dictatorship. Student Resistance, Cultural Politics and the ‚Long 1960s‘ in Greece, Berghahn, Oxford/New York 2013; Albanese, Giulia: Dittature mediterranee. Sovversioni fasciste e colpi di Stato in Italia, Spagna e Portogallo, Editori Laterza, Roma 2016; Ferris, Kate/Hernández Burgos, Claudio (Hrsg.): Special Issue: ‚Everyday Life‘ and the History of Dictatorship in Southern Europe, in: European History Quarterly 52 (2022), H. 2; Hoeres Peter/Lassen, Lasse B./Kohler, Holger (Hrsg.): Das schwere Erbe des 20. Jahrhunderts. Die transnationale Aufarbeitung der iberischen und lateinamerikanischen Diktaturen, LIT, Berlin u. a. 2025. ⮭
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