Einleitung
Was auf English als people’s history firmiert und auf Howard Zinns „Eine Geschichte des amerikanischen Volkes“ (orig. 1980, deutsche Übersetzung 2007) zurückgeht1, wird auf Polnisch als historia ludowa bezeichnet. Um es nicht mit dem NS-belasteten Begriff ‚Volksgeschichte‘ zu übersetzen, kann das Konzept der ludowa historia Polski in Anlehnung an Zinn als „die Geschichte des polnischen Volkes“ bezeichnet werden. „Ludowa Historia Polski“ lautet auch der Titel der umfangreichen Monografie von Adam Leszczyński2, der sein ambitioniertes Projekt wie folgt beschreibt: „Sagen wir also: Die Geschichte des polnischen Volkes sollte die Geschichte der unteren 90 Prozent der Bevölkerung sein – der Regierten, nicht der Regierenden; der Armen, nicht der Reichen, der meist Ungebildeten und immer der Unterdrückten“ (S. 569).
Leszczyńskis Buch erschien 2020 und markierte den bisherigen Höhepunkt des people’s turn in der jüngsten polnischen Historiografie. Im selben Jahr veröffentlichte Michał Rauszer die populärwissenschaftliche Version seiner Habilitationsschrift „Bękarty pańszczyzny“3, was wörtlich „Die Bastarde der Fronarbeit“ bedeutet und sich an den Filmtitel „Inglourious Basterds“ (2009) von Quentin Tarantino anlehnt. Im folgenden Jahr publizierte Kacper Pobłocki sein Buch „Chamstwo“4. Der Titel ist ein kaum übersetzbares Wort, das gleichzeitig eine gewisse Rückständigkeit, Mangel an Bildung und Kultur sowie Vulgarität bedeuten, aber auch die unteren Gesellschaftsschichten bezeichnen kann. Ebenfalls 2021 erschien Kamil Janickis „Pańszczyzna“ („Die Fronarbeit“)5. Zuletzt bereicherte Mateusz Wyżga den Trend mit seiner Monografie „Chłopstwo“ („Der Bauernstand“)6. Hinzu kommen unzählige Beiträge in der Presse, wissenschaftliche Publikationen in Fachzeitschriften, Onlineauftritte dieser und anderer Autorinnen und Autoren, die sich zur Geschichte der „unteren 90 Prozent der [polnischen] Bevölkerung“ äußern.
Das Konzept, das hinter der „Geschichte des Volkes“ steht, stellt darauf ab, die unterschiedlichen sozialen Schichten der Bevölkerung jenseits der Eliten zu erforschen. In dieser Hinsicht ähnelt die polnische Variante der people’s history den in Deutschland bestens bekannten Ansätzen der Sozial‑, Alltags-, und Erfahrungsgeschichte. Allerdings ist das polnische Modell der „Geschichte des Volkes“ mehr als nur eine wissenschaftliche Methode; es ist auch (oder sogar: vor allem) ein politisches Projekt. Einerseits geht es um die Sichtbarmachung des ‚Volkes‘, also – wie Leszczyński es definiert – der „Unterdrückten: Bauern, armen Stadtbewohner, Frauen, Juden und anderer Kategorien von Menschen, die für die Eliten als untergeordnet galten und die oft keine politischen Rechte hatten“ (S. 570).7 „Der Autor dieses Buches“ – schreibt Leszczyński über sich selbst – „steht immer auf der Seite der Schwachen und versucht, ihnen eine Stimme zu verleihen“ (S. 15). Andererseits geht es um die Neudefinition des ‚Volkes‘. Das vom Substantiv lud (das Volk) abstammende Adjektiv ludowy war fester Bestandteil der kommunistischen Sprache: Sogar der Staat hieß Polska RepublikaLudowa (Volksrepublik Polen). Nach der politischen Wende um 1989/1990 wurde die Volksorientierung der Geschichtswissenschaften größtenteils verworfen. Stattdessen gewann die ‚Nation‘ (naród) an Bedeutung, was auch in der Öffentlichkeit sichtbar wurde. Beispielsweise wurden unzählige staatliche Institutionen nun als „national“ bezeichnet: Das polnische Pendant zur Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde als Narodowe Centrum Nauki (Nationales Wissenschaftszentrum) gegründet, die zentrale Kulturinstitution bekam den Namen Narodowe Centrum Kultury (Nationales Kulturzentrum) und selbst ein wichtiges Forschungsinstitut für Physik erwies sich von „nationaler“ Bedeutung: Narodowe Centrum Badań Jądrowych (Nationales Zentrum für Atomforschung).
Der nationale Fokus war eine Entwicklung noch aus den Zeiten der liberalen PO-Regierung (Platforma Obywatelska, Bürgerplattform). Nach den von der PiS-Partei (Prawo i Sprawiedliwość, Recht und Gerechtigkeit) gewonnenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Jahr 2015 ging der Trend noch weiter: Nun wurde selbst die nationalistische Geschichte des Volkes (aber nicht eine Sozialgeschichte des Volkes) salonfähig. Vor diesem politischen Hintergrund sind die neuen Publikationen, die sowohl aus der geschichtswissenschaftlichen Grundlagenforschung der kommunistischen Historikerinnen und Historiker als auch aus den neuen Ansätzen linksorientierter Geschichtstheorien schöpfen, weit mehr als nur eine wissenschaftliche Erscheinung. Die Soziologin Marta Gospodarczyk und der Soziologe Łukasz Kożuchowski konstatieren zu Recht, die jüngsten Bücher von Leszczyński, Rauszer, Pobłocki oder Janicki seien ein paradoxes Resultat des politischen Rechtsrucks in Polen. Als Gegenbewegung hätten linksorientierte Vertreterinnen und Vertreter der Politik- und Geschichtswissenschaft das ‚Volk‘ als politisches Subjekt entdeckt und die „Geschichte des Volkes“ als Mittel des politischen Widerstandes konzipiert.8
Die neuen Studien zur Geschichte des polnischen Volkes lösten eine anhaltende Debatte aus. Nach den ersten Veröffentlichungen sprachen auf einmal polnische Historikerinnen und Historiker wieder über ‚das Volk‘. Es war, als ob sie Lech Wałęsas berühmte Rede im amerikanischen Kongress aus dem Umbruchsjahr 1989 kollektiv zitierten, die mit der Ansprache „We, the people“ anfing. Der Dolmetscher übersetzte damals in der Fernsehübertragung das Wort people als naród (Nation), denn lud (Volk) kam aus ideologischen Gründen nicht in Frage. In der polnischen Fassung seiner Rede durfte Wałęsa nicht den Eindruck erwecken, als spräche er in der Sprache der Kommunisten – und das, obwohl die Solidarność-Bewegung anfangs vor allem die Rechte und Freiheiten der Arbeiterklasse stärken sollte. Die erste Person Plural, wie sie Wałęsa in seiner Rede verwendete, ist dabei insofern relevant, als mit dem people’s turn zahlreiche Bekenntnisse zur eigenen Verwurzelung im Bauernstand oder wenigstens jenseits von elitären Gesellschaftsschichten einhergingen. Wyżga geht in seinem Buch zum Beispiel mehrmals auf seine bäuerliche Herkunft ein und Janicki widmete sein Buch „seinen Vorfahren aus dem Bauernstand“.
Der gesellschaftspolitische Rahmen der jüngsten Arbeiten zur Geschichte des polnischen Volkes signalisiert, dass wir es mit einer erinnerungskulturellen Wende zu tun haben. In der Volksrepublik Polen widmeten sich zwar zahlreiche Historikerinnen und Historiker der Geschichte der Bäuerinnen und Bauern sowie Arbeiterinnen und Arbeiter, doch werden ihre Erkenntnisse wegen der damals fehlenden Wissenschaftsfreiheit heute mit Misstrauen betrachtet. Dies betrifft beispielweise die mehrbändigen Geschichten des polnischen Bauernstandes von Kazimierz Tymieniecki9 oder Stefan Inglot10. Letzterer versuchte zudem kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die führende Rolle der Bauern in den Freiheitskämpfen nachzuweisen.11 Nach dem Ende der Volksrepublik Polen blieben die „unteren 90 Prozent der Bevölkerung“ in der Öffentlichkeit fast unsichtbar. Der Geschichtsdiskurs der letzten dreißig Jahre – egal ob in der Regierungszeit der konservativen PiS oder der liberalen PO-Partei – konzentrierte sich auf nationale Eliten und Freiheitskämpfe. Die Geschichte des polnischen Volkes wird also erst jetzt umfassend diskutiert, und zwar mit einem starken Bezug auf die Gegenwart.
Fünf Perspektiven auf ‚das Volk‘
Was die Bücher von Leszczyński, Pobłocki, Janicki, Rauszer und Wyżga verbindet, sind die darin behandelten Gesellschaftsschichten: Alle fünf Autoren schreiben epochenübergreifende Synthesen der Geschichte des polnischen Bauernstandes. Leszczyński, dessen Perspektive über den Bauernstand hinausgeht, widmet sich zudem den Jüdinnen und Juden sowie, ab dem 19. Jahrhundert, der Arbeiterklasse. Jeder der fünf Autoren verfolgt eigene Fragestellungen. Leszczyński schreibt eine Geschichte der Unterdrückung: Er konzentriert sich auf die gewaltsamen Herrschaftspraktiken der Eliten. Darauf bezieht sich der Untertitel seines Buches: „Historia wyzysku i oporu. Mitolgia panowania“ („Geschichte der Ausbeutung und des Widerstands. Mythologie der Herrschaft“). Viele Rezensentinnen und Rezensenten kritisierten den Schwerpunkt, den Leszczyński „auf die fundamentale Kritik der privilegierten Schichten […] legte, denn dadurch bleiben sie Zentrum der Aufmerksamkeit“.12 Bemängelt wurde auch sein wenig differenzierter Blick, der die emanzipatorischen Momente in der Geschichte des polnischen Volkes, wie beispielsweise den Bildungsweg des Bauernstandes oder die Frauenbewegung, gegenüber der Beschreibungen von Gewalt und Ausbeutung unterbelichtet lässt.13 Allerdings haben viele Kritikerinnen und Kritiker von Leszczyński sein Buch an ihren eigenen Erwartungen anstatt an seinem Forschungsansatz gemessen. Der Fokus auf die Mechanismen der Herrschaft war nämlich Leszczyńskis Ziel: „Dieses Buch handelt vor allem von inneren Machtverhältnissen in der polnischen Gesellschaft,“ – so der Autor – „von dem Verhältnis zwischen dem Bauern und dem Gutsbesitzer, zwischen dem Arbeiter und dem der Partei angehörigen Fabrikdirektor in der Volksrepublik, zwischen dem Angestellten und dem Firmeninhaber in den kurzen, aber wichtigen Momenten des polnischen Kapitalismus“ (S. 569 f.).
Demgemäß schlägt Leszczyński eine chronologische Neuordnung der polnischen Geschichte vor: Statt auf die üblichen innen- und außenpolitischen Zäsuren, wie beispielsweise auf die Chronologie der Teilungen Polens am Ende des 18. Jahrhunderts oder auf die Abfolge der nationalen Freiheitskämpfe im 19. Jahrhundert, baut der Autor die Struktur seines Buches auf Ereignisse aus der „Geschichte der unteren 90 Prozent der Bevölkerung“ auf. Er verschiebt den Fokus auf die sogenannten Thorner Sonderrechte aus dem Jahr 1520, als die Bauern zur Fronarbeit verpflichtet wurden, das Ende des antirussischen Aufstandes im Jahr 1863/1864, als die Fronarbeit im russischen Teilungsgebiet wiederum abgeschafft wurde, oder die kommunistische Bodenreform, die unmittelbar nach dem Einmarsch der Roten Armee in Polen 1944 eingeführt wurde.
Pobłocki und Janicki schlagen Erklärungsmuster vor, die sich stark ähneln und wählen einen engeren Fokus als Leszszyński. Sie erzählen nicht von den „unteren 90 Prozent der Bevölkerung“, sondern vom Bauernstand, hauptsächlich in der Frühen Neuzeit. Pobłockis Ansatz stammt aus der Anthropologie. Entlang von vier analytischen Kategorien – Gesichtslosigkeit, Patriarchat, Staatslosigkeit und magischer Realismus – erzählt er das von Gewalt bestimmte Schicksal der Bäuerinnen und Bauern. Erstens geht es ihm um die Abwesenheit des Bauernstandes in der polnischen Geschichtsschreibung, zweitens beschreibt er die Machtstrukturen zwischen den Gutsbesitzern und den Fronarbeitern, drittens stellt er seine Analyse in den Kontext des schwachen polnischen Staates in der Neuzeit und viertens skizziert er die Geschichten der Alltagsfolklore. Sein Buch ist eher ein Essay über die dunklen Abgründe der polnischen Geschichte als eine geschichtswissenschaftliche Monografie. Stilistisch überzeugt es nicht ganz, denn Pobłockis Absätze bestehen oft aus einzelnen, kurzen und emotionalen Sätzen wie beispielsweise: „Diejenigen, die [ihre Bauern] nicht schlugen, lebten an der Grenze des Wahnsinns, als ob sie den Kontakt zur Realität verlören“ (S. 71) oder „Ein guter Herr schlägt nicht selbst, denn er hat Diener dafür“ (S. 109).
Im Nachwort vergleicht Pobłocki seine Arbeit mit Didier Eribons Bestseller „Rückkehr nach Reims“14 (orig. 2009, deutsche Übersetzung 2016), der die Unmöglichkeit, sich von den eigenen sozialen Wurzeln zu lösen, thematisiert. Das Buch von Eribon ist 2019 in Polen erschienen. Auch wenn es kein so großes Medienecho wie in Frankreich hervorrief, so wurde es vor allem unter Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern intensiv diskutiert.15 Das ist auch der intellektuelle Hintergrund von Pobłocki, der (wie Michał Rauszer übrigens auch) kein studierter Historiker, sondern Anthropologe ist. Aus Pobłockis Verweisen auf Eribon kann somit der Schluss gezogen werden, die historische Kollektiverfahrung von Gewalt und Rückständigkeit erkläre unter anderem die heutigen politischen Entscheidungen der Polinnen und Polen. Der Autor stellt die These auf, dass sich – ähnlich wie bei Eribon das Individuum – die polnische Gesellschaft kollektiv anstrenge, ihre ‚rückständigen‘ Wurzeln zu verdrängen, was allerdings nicht gelingen könne, da die „ökonomische Realität, in der wir leben, neo-feudal bleibt“ (S. 310).
Während Pobłocki mit zahlreichen theoretischen Begriffen jongliert (nicht immer verständlich, weswegen er mehrmals öffentliche Exegesen seines eigenen Werks liefern musste)16, präsentiert Janicki eine populärere Version derselben Geschichte. Auch in seinem Buch „Pańszczyzna“ geht es um die Geschichte der Fronarbeit in der Neuzeit; auch er strukturiert sein Narrativ entlang von einzelnen Themen (etwa Ausbeutung, Gewalt, Kontrolle oder Armut) und folgt damit keiner strikten Chronologie historischer Ereignisse. Dass sein Buch mehr einer journalistischen public history als den Fachdiskursen der Geschichtswissenschaft angehört, signalisiert der Untertitel: „Prawdziwa historia polskiego niewolnictwa“ („Die wahre Geschichte der polnischen Sklaverei“). Die populärwissenschaftlichen Ambitionen von Janicki lassen sich auch an der Erklärung ablesen, er würde „die Geldsummen, die aus den Quellen stammen, zwecks Bequemlichkeit der Leserschaft in polnische Zlotys umrechnen“ (S. 301). In seiner bildhaften (und mit Illustrationen angereicherten) Schilderung werden Leserinnen und Leser allerdings vergeblich nach einer Erläuterung des Sklaverei-Begriffs suchen. Das Versprechen aus dem Buchtitel wird nicht eingelöst: Weder ist sein Narrativ ‚wahrer‘ als das der restlichen hier besprochenen Bücher, noch liefert es eine neue Sicht auf die Geschichte der Sklaverei. Zwar liegt der Vergleich der Fronarbeit mit der Sklaverei auf der Hand, denn im Polen der Neuzeit verfügten die Bauern über ganz wenige (teilweise gar keine) Freiheiten. Bemerkungen darüber machen auch Leszczyński und Pobłocki. Janicki verschweigt allerdings die inhärenten rassistischen Konnotationen des Sklaverei-Begriffs, die seine These abschwächen würden. Im Hintergrund schwebt im Prinzip der Gedanke, Polen sei gar nicht so ‚rückständig‘ gewesen, da es – ähnlich wie die ‚fortgeschrittenen‘ Kolonialmächte – ebenfalls ein Problem mit der Sklaverei gehabt habe, was es zu einem ‚ganz normalen Land‘ mache.17 Dass es sich im Falle Polens um die Ausbeutung der lokalen Bevölkerungsgruppen handelte und nicht um die Verschleppung von Menschen aus anderen Regionen, spielt in der Argumentation Janickis keine Rolle.
Die Arbeiten von Leszczyński, Pobłocki und Janicki verbindet die synthetische Arbeitsweise: Alle drei Autoren verwenden Ergebnisse der Grundlagenforschung anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie zitieren fast ausschließlich veröffentlichte Quellen, beziehen sich kaum auf Archivalien. Dies ist insofern gerechtfertigt, als sie vor allem neue Interpretationen bekannter Fakten präsentieren wollen. Lediglich Wyżga in „Chłopstwo“ arbeitet mit Archivquellen, darunter Kirchenchroniken und Gerichtsakten. Rauszer in „Bękarty pańszczyzny“ vervollständigt hingegen das vom ihm gezeichnete Bild des Bauernstandes mit Märchen, Sagen oder Volksliedern. Wyżga und Rauszer – jeder auf seine Art und Weise – widersprechen somit der Behauptung von Leszczyński, die historischen Quellen seien prinzipiell „von den Eliten verfasst und präsentieren die Ereignisse aus ihrer Perspektive“ (S. 15), weswegen es schwer sei, die Geschichte des Volkes zu schreiben.
Wyżga und Rauszer zeigen, dass es darauf ankommt, welche Quellen man nutzt: Betrachtet man folkloristische Narrative, Bilder und Melodien als Forschungsmaterial, das den ‚offiziellen‘ Quellen gleichberechtigt ist, so wird es möglich, die Geschichte des Volkes aus seiner Perspektive zu erzählen. Im letzten Kapitel seines Buches präsentiert Wyżga eine Art ‚Bedienungsanleitung‘ für andere Autorinnen und Autoren, die Lokalgeschichten schreiben möchten. Er rät dazu, außer Archivrecherchen und der Lektüre von Fachliteratur auch die Landschaft zu betrachten und mit den Menschen zu sprechen: „Wenn ich fahrradfahre, habe ich immer ein Notizbuch oder ein Notebook dabei. Manchmal inspiriert mich die Landschaft oder die Menschen, die vorbeilaufen. Ich spreche die Einwohner der Dörfer, die ich beschrieben habe, gerne an. Ich frage sie nach lokalen Aktivisten, nach interessanten Orten, über die ich gelesen habe. Sie kennen sie von innen; sie gehören dazu“ (S. 462).
Durch das Heranziehen unterschiedlicher Quellen präsentieren Wyżga und Rauszer eine differenziertere Geschichte des polnischen Volkes als es bei Leszczyński, Pobłocki und Janicki der Fall ist. Vor allem sind die Bilder von Wyżga und Rauszer nicht so düster. In ihren Schilderungen sind die Bäuerinnen und Bauern keine Sklaven und erfüllen andere Rollen als nur die der Fronarbeiterinnen und -arbeiter. Wyżga hebt die Verbundenheit des Bauernstandes mit der Natur hervor und argumentiert, dass die Zeitregime der Bäuerinnen und Bauern andere seien als die der Eliten und der professionellen Historikerinnen und Historiker. Die Zeitmessung des Bauernstandes orientiere sich nicht an der Politik oder Freiheitskämpfen, sondern am Rhythmus der Landwirtschaft und der Jahreszeiten. Dies soll erklären, wieso der Bauernstand in den ‚offiziellen‘ Quellen fast unsichtbar bleibt. Obwohl „der Bauernstand keine Geschichte schrieb“, zitiert Wyżga den Klassiker der polnischen Ethnografie Józef Burszta, „hat der Bauernstand Geschichte gemacht“ (S. 469). Demnach sind die Bäuerinnen und Bauern aus seinem Buch keine Objekte, sondern Subjekte der Geschichte und verfügen über eine kollektive Wirkungsmacht – vor allem dann, wenn es um die Naturbeherrschung und die Gestaltung der eigenen Kultur geht. Wyżga zeichnet zudem den Bauerstand als eine äußerst differenzierte Gesellschaftsschicht mit eigenen Hierarchien und Strukturen. In seiner Diskussion der Arbeit von Leszczyński merkt er an: „Es kam doch durchaus vor, dass die Einwohner eines Dorfes oder einer Kleinstadt miteinander kooperierten, um der Unvorhersehbarkeit der Konjunktur, der Natur, zum Beispiel der Flut oder des Sturms, der Epidemien oder gar der Armee, die den Proviant requirierte, entgegenzuwirken“.18 Er widerspricht somit dem Bild von den stets unterdrückten Gewaltopfern und hebt die oft friedliche Koexistenz der einzelnen Gesellschaftsschichten hervor.
Wirkungsmächtig ist auch der Bauernstand, den Rauszer in seinem Buch schildert. Während die Bäuerinnen und Bauern aus Wyżgas Schilderung vor allem die Natur beherrschen (eine elementare Herrschaftsform!), konzentriert sich Rauszer auf den Bauernstand als politischen Akteur. Seine Monografie erzählt die Geschichte des bäuerlichen Widerstands. Neben bekannten historischen Ereignissen wie den Bauernaufständen Mitte des 17. Jahrhunderts in Podhale (die Gebirgsregion rund um die Tatra im heutigen Südpolen), der Bauernrebellion in Galizien 1846 sowie den Protesten am Rande des sogenannten Januaraufstandes 1863/1864, die schließlich mit der Abschaffung der Fronarbeit endeten, behandelt Rauszer ausführlich die Handlungsräume der Bäuerinnen und Bauern im Alltag. Dazu gehören auch kleinere Protestformen wie Sabotage, Diebstahl, Manipulation oder Flucht. Zudem hatten viele Gutsbesitzer Respekt vor der Naturnähe der Bäuerinnen und Bauer, vor ihrem Wissen über heilende Pflanzen und Naturereignisse: „Der Adel fürchtete die geheimnisvollen und unkontrollierbaren Kräfte im Besitz der Bauern, allen voran: der Bäuerinnen“, konstatiert Rauszer (S. 104). Folglich interpretiert er die Gewalt, die der Adel gegenüber den Fronarbeiterinnen und Fronarbeitern ausübte, als ein Zeichen der Schwäche.
Fünf Bücher, die zwischen 2020 und 2022 veröffentlicht wurden, präsentieren also auf den ersten Blick dieselbe Geschichte, und zwar die des Bauernstandes in Polen von der Frühen Neuzeit bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts beziehungsweise (bei Leszczyński und Wyżga) bis zur Gegenwart. Trotz des ähnlichen Themas und zahlreicher vergleichbarer Quellen handelt es sich aber nicht nur um unterschiedliche, sondern mitunter sogar widersprüchliche Publikationen. „Sich an die Seite der Unterdrückten zu stellen, bedeutet für Leszczyński“, so fasste es ein Rezensent zusammen, „die Dominanz der Eliten zu kritisieren; […] für Rauszer hingegen bedeutet es, über die Geschichte der Emanzipation [der Unterdrückten] zu schreiben“.19 Ähnlich hingegen schildern die Autoren ihre Motivationen, sich der Thematik anzunehmen. Alle fünf betonen die bisherige Unsichtbarkeit der Geschichte des Volkes in der polnischen Öffentlichkeit sowie den Fokus des Bildungskanons auf nationale Eliten, obwohl die Mehrheit der heutigen Polinnen und Polen aus dem ‚Volk‘ stamme. Es geht folglich um die (Re‑)Konstruktion einer Klassengeschichte, mit der sich der Großteil der polnischen Gesellschaft identifizieren könne. Es geht aber auch um die Überwindung „der Scham, woher man stammt, wer die Eltern waren, in welcher Sprache die Familie kommunizierte, welche Bräuche sie hatte“20. „Wieso wollen wir die ‚Provinz‘ vergessen? Woher kommt die Verdrängung?“, fragt Wyżga im Schlusskapitel rhetorisch und fügt polemisch hinzu:
Ich hoffe, dass sich dank der Lektüre dieses Buches jemand überzeugen lässt, dass wir keine Urenkel von Sklaven sind. Weder fühlen wir uns so, noch bestätigen dies historische Quellen. Menschen lebten im Einklang miteinander und mit der Natur und folgten dabei den für ihre Epochen typischen Regeln. Ich war und bin ein polnischer Bauer, notfalls ein Post-Bauer. (S. 468 f.)
Vom Gedächtnis der Nation zum Gedächtnis der Klasse
Die fünf Bücher sind die prominentesten Beispiele eines weitaus größeren Trends. Sie erschienen alle in großen Verlagshäusern, verzichten größtenteils auf wissenschaftlichen Jargon, werden repräsentativ in Schaufenstern von Buchläden ausgestellt und in den Medien intensiv diskutiert – sicherlich nicht ohne Unterstützung der Marketingabteilungen der Verlage. Die Autoren selbst betonen den innovativen Charakter ihrer Konzepte. Allerdings hat beispielsweise Leszczyński Unrecht, wenn er schreibt: „Die Geschichte des Bauernstandes sowie der restlichen unteren sozialen Schichten schrumpft zu einem oder zwei Unterkapiteln in Schulbüchern und Überblicksarbeiten zur polnischen Geschichte“ (S. 542). Zahlreiche polnische Historikerinnen und Historiker, darunter Piotr Guzowski, Małgorzata Kołacz-Chmiel, Jaśmina Korczak-Siedlecka, Janusz Łoskowski oder Tomasz Wiślicz forschen seit Jahren zu diesem Thema, wenngleich sie keine Synthesen, sondern kleinere Fallstudien schreiben.21 Der polnische people’s turn hatte sich also seit einiger Zeit angekündigt. Das Verfassen synthetischer Monografien wäre ohne die Erkenntnisse dieser Grundlagenforschung kaum möglich gewesen. Einige Historikerinnen und Historiker bemängelten daher, dass Leszczyński, Pobłocki und Janicki die zuvor mühsam durchgeführten Forschungsarbeiten nicht ausreichend würdigten.22
In den polnischen Debatten über den people’s turn geht es heute weniger um neue Konzepte der Historiografie, sondern vor allem um aktuelle Identitäten. „Wir sollten verstehen, dass wir von Bauern abstammen“, verkündet Rauszer.23 Ähnliche Thesen formulierten zuvor Jan Sowa in seinem Buch „Fantomowe ciało króla“ („Der Phantom-Körper des Königs“, 2011) und Andrzej Leder in „Polen im Wachtraum“ (orig. 2014, deutsche Übersetzung 2019).24 Der Kulturwissenschaftler Sowa sowie der Philosoph und Psychotherapeut Leder interpretieren die polnische Geschichte mithilfe von Jaques Lacans Psychoanalyse und komplexen Kulturtheorien (Sowa arbeitet mit Begriffen des postcolonial turn und Leder mit Charles Taylors Politikphilosophie). Sowa konstatiert, dass die Geschichte des polnischen Staates eine Geschichte schwacher Institutionen sei. Leder fügt hinzu, die polnische Gesellschaftsgeschichte sei eine Geschichte der verdrängten Unterdrückung der unteren sozialen Schichten. Der Aufstieg dieser Schichten sei erst durch die gezielte Ermordung des polnischen Bürgertums während des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts, durch die massenhafte Migration in der Nachkriegszeit sowie durch die kommunistische Gesellschaftsordnung möglich gewesen.
Als Kulturwissenschaftler und Philosoph sind Sowa und Leder von vielen Historikerinnen und Historikern nicht ganz ernst genommen worden, zumal sich die Autoren mitunter ziemlich abwegig über die polnische Geschichtsschreibung äußerten. Als Antwort auf die Kritik zahlreicher Historikerinnen und Historiker, die Sowa vorwarfen, selektiv mit historischen Fakten umzugehen, um seine Thesen zu stützen, antwortete er provokativ: „Für die Forschung und Lehre im Bereich der Geschichte werden in Polen jährlich hunderte Millionen Zlotys ausgegeben. Und wofür? Für nichts! […] Historiker verwechseln Wissen mit Informationen und glauben, es reiche eine enumerative Transduktion der Fakten, um zu wissen, was geschah“.25
Derartige Äußerungen des Autors des ersten – zumindest chronologisch betrachtet – Buches zur Geschichte der polnischen ‚Rückständigkeit‘ führten zu einer Verhärtung der Fronten. Zahlreiche Historikerinnen und Historiker lehnten die postkolonialen Erklärungsmuster ab, wohl mehr aus persönlichen als aus inhaltlichen Gründen. Dennoch hatten es die Anthropologen Pobłocki und Rauszer dank der früheren Arbeiten von Sowa und Leder gewissermaßen einfacher. Erstens schockierten ihre Thesen über die plebejische Herkunft der polnischen Gesellschaft nicht mehr; zweitens hatten sich wenigstens Teile der Zunft der polnischen Historikerinnen und Historiker inzwischen interdisziplinären Ansätzen geöffnet.
Nun könnte man fragen, wieso die Tatsache, dass die Mehrheit der polnischen Gesellschaft dem Bauernstand und der Arbeiterklasse entstamme, überraschend sein sollte. Schließlich stammt jede Gesellschaft mehrheitlich aus den „unteren 90 Prozent der Bevölkerung“. Allerdings weisen die Bekenntnisse der polnischen Intellektuellen zu ihrer plebejischen Herkunft auf einen bedeutenden historischen Umstand hin: Die Kriegsverluste der letzten 200 Jahre trafen die gebildeten Eliten besonders hart. Dies betrifft die Freiheitskämpfe im 19. Jahrhundert, die Massenerschießungen der polnischen inteligencja durch die Rote Armee (ca. 20.000 Todesopfer), den Warschauer Aufstand 1944 (ca. 200.000 Todesopfer) und schließlich den Holocaust, in dem zahlreiche jüdische Intellektuelle aus Polen ermordet wurden. Folglich haben heute überdurchschnittlich viele Polinnen und Polen, darunter auch zahlreiche Intellektuelle, eine Herkunft aus dem Bauernstand oder der Arbeiterklasse – eine Tatsache, die man lange öffentlich nicht diskutierte.
Impulse für eine Reflexion über die Klassenzusammenstellung der polnischen Gesellschaft und somit auch für eine Neuinterpretation der polnischen Geschichte kamen auch aus der Belletristik. Die Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk verleiht in ihren Romanen den Schwachen und outsidern eine Stimme: In „Ur und andere Zeiten“ (orig. 1996, deutsche Übersetzung 2000) sind es die im Einklang mit der Natur und Magie lebenden Bäuerinnen und Bauern, im „Gesang der Fledermäuse“ (orig. 2009, deutsche Übersetzung 2011) sind es die vom Menschen gejagten Tiere und in den „Jakobsbüchern“ (orig. 2014, deutsche Übersetzung 2019) die Jüdinnen und Juden im Polen der Frühen Neuzeit.26 Der people’s turn in der polnischen Literatur beschränkt sich keinesfalls auf die Werke der international gefeierten Schriftstellerin, sondern ist auch in Texten anderer Autoren sichtbar. 2020 erhielt Radek Rak den wichtigsten polnischen Literaturpreis „Nike“ für seinen Roman „Baśń o wężowym sercu albo wtóre słowo o Jakóbie Szeli“ („Die Saga vom Schlangenherz oder das zweite Wort über Jakub Szela“, 2019), in dem er die Bauernrebellion in Galizien 1846 im Stil des magischen Realismus schildert.27 Auch der seit dreißig Jahren über die mitteleuropäische, das heißt polnische, ukrainische und rumänische Provinz schreibende Andrzej Stasiuk veröffentlichte 2021 seinen ersten historischen Roman: „Die Grenzfahrt“ (deutsche Übersetzung 2023).28 Darin beschreibt er den deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 aus der Perspektive seines Heimatdorfes am Ufer des Bug, entlang dessen damals die deutsch-sowjetische Grenze verlief. Die Protagonistinnen und Protagonisten der „Grenzfahrt“ sind lokale Bäuerinnen und Bauern, jüdische Flüchtlinge und im Krieg völlig verrohte polnische Partisanen. Es ist keine Heldengeschichte, sondern die Schilderung eines entscheidenden Kriegsmomentes aus der Perspektive der unteren sozialen Schichten.
Die Verflechtungen des wissenschaftlichen und künstlerischen Diskurses lassen sich schließlich auch an der Rezeption der hier besprochenen Forschungsliteratur ablesen. Die Debatten über die „Geschichte des polnischen Volkes“ führten beispielsweise zur Wiederentdeckung der Musikband R.U.T.A., die bereits 2011 mit Songs über die Parallelen zwischen der brutalen Unterdrückung des polnischen Bauernstandes im 19. Jahrhundert und der Kondition der heutigen polnischen Gesellschaft für Aufsehen sorgte.29 Motive aus Leszczyńskis Buch wurden sogar in die gleichnamige Theaterinszenierung am Teatr Nowy in Lodz eingearbeitet. All das deutet darauf hin, dass es sich um ein historiografisches Konzept handelt, das eine erinnerungskulturelle Wende markiert und auf diese Weise die kollektive Identität neu verhandelt – nicht die Zugehörigkeit zur Nation, sondern zur Klasse gewinnt nun an Bedeutung. Die Warschauer Soziologin und Erinnerungsforscherin Joanna Wawrzyniak fasste diesen Wandel mit einem treffenden Zitat aus einem ihrer Zeitzeugeninterviews zusammen: „Hard times but our own“.30 Das soziale Gedächtnis an das Elend aus der Vergangenheit – egal ob in jüngster oder entfernter Geschichte – bietet die Grundlage für ein neues Zugehörigkeitsgefühl. Vor dem Hintergrund der multikulturellen und multinationalen Geschichte Polens, wo bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Polen, Juden, Ukrainer, Belarusen, Deutsche und andere Nationen nebeneinander lebten, scheint das Klassengedächtnis ein attraktives Angebot der gemeinsamen Identitätsstiftung zu sein.
Fazit: Warum jetzt?
Angesichts der Tatsache, dass die (west-)deutsche Sozialgeschichte, die britische Geschichte der Arbeiterklasse, die französische Alltagsgeschichte oder die amerikanische „Geschichte des Volkes“ lange Traditionen haben und in Polen sicherlich mehrfach rezipiert wurden, stellt sich die Frage: Warum schossen die Publikationen von Leszczyński, Janicki, Pobłocki, Rauszer und Wyżga gerade jetzt wie Pilze aus dem Boden? Die eingangs erwähnte Studie von Gospodarczyk und Kożchowski liefert eine mögliche Antwort.31 Die Wahlsiege der PiS-Partei seit dem Jahr 2015 veranlassen Soziologinnen und Soziologen, Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler, Anthropologinnen und Anthropologen und schließlich auch Historikerinnen und Historiker zu Forschungen, die zum besseren Verständnis der PiS-Wählerinnen und Wähler führen sollen. Und diese rekrutieren sich mehrheitlich aus den „unteren 90 Prozent der Bevölkerung“.
Eine andere Erklärung könnte man in Bezug auf die Erinnerungskultur formulieren. Das polnische kulturelle Gedächtnis, wie es in Schulbüchern, staatlichen Museen, Straßennamen, Denkmälern, Banknoten, Briefmarken und so weiter sichtbar ist, konzentriert sich auf die nationale Geschichte. Darin dominieren katholische und polnischsprachige (meistens männliche) Polen aus dem Adel und dem Bürgertum. Das ist ein Identitätsangebot, mit dem die Mehrheit der polnischen Gesellschaft wenig anfangen kann. Es ignoriert nicht nur ihre soziale Herkunft, sondern auch die multikulturelle Vergangenheit des Landes. Geschichten des Bauernstandes und der Arbeiterklasse hingegen sprechen aufgrund ihrer Kompatibilität mit Millionen Familiengeschichten weit mehr Menschen an. Die nationale Zugehörigkeit spielt hier eine vergleichsweise kleine Rolle, weswegen auch Menschen anderer Herkunft in dieses Geschichtsbild integriert werden können. Angesichts der massenhaften Einwanderung von zunächst Belarusinnen und Belarusen nach den Protesten 2020 und anschließend Ukrainerinnen und (wenigen) Ukrainern seit dem russischen Angriff am 24. Februar 2022 wäre es an der Zeit, auch populäre Geschichtsbücher darüber zu schreiben, dass sich der Bauernstand und die Arbeiterklasse in Polen aus Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Nationalitäten zusammensetzten. In einem Interview für die Zeitschrift „Kontakt“ gab Rauszer an, dass er über ein solches Buch bereits nachdenke.32
Besprochene Literatur
Janicki, Kamil: Pańszczyzna. Prawdziwa historia polskiego niewolnictwa [Die Fronarbeit. Die wahre Geschichte der polnischen Sklaverei], 384 S., Wydawnictwo Poznańskie, Posen 2021.
Leder, Andrzej: Polen im Wachtraum. Die Revolution 1939–1956 und ihre Folgen (Klio in Polen, Bd. 20), übers. v. Sandra Ewers, 256 S., fibre, Osnabrück 2019.
Leszczyński, Adam: Ludowa Historia Polski. Historia wyzysku i oporu. Mitologia panowania [Die Geschichte des polnischen Volkes. Geschichte der Ausbeutung und des Widerstands. Mythologie der Herrschaft], 672 S., Wydawnictwo W.A.B., Warschau 2020.
Pobłocki, Kacper: Chamstwo [Rückständigkeit und Vulgarität], 384 S., Wydawnictwo Czarne, Wołowiec 2021.
Rauszer, Michał: Bękarty pańszczyzny. Historia buntów chłopskich [Die Bastarde der Fron. Geschichte der Widerstandskämpfe der Bauern], 280 S., Wydawnictwo RM, Warschau 2020.
Sowa, Jan: Fantomowe ciało króla. Peryferyjne zmagania z nowoczesną formą [Der Phantom-Körper des Königs. Die periphären Kämpfe mit der modernen Form], 584 S., Universitas, Krakau 2011.
Wyżga, Mateusz: Chłopstwo. Historia bez krawata [Der Bauernstand. Eine Geschichte ohne Krawatte], 496 S., Znak, Krakau 2022.
Funding
Open Access funding enabled and organized by Projekt DEAL.
Notes
- Zinn, Howard: Eine Geschichte des amerikanischen Volkes, übers. v. Sonja Bonin, Nikol, Hamburg 2013 (engl. 1980). ⮭
- Leszczyński, Adam: Ludowa Historia Polski. Historia wyzysku i oporu. Mitologia panowania [Die Geschichte des polnischen Volkes. Geschichte der Ausbeutung und des Widerstands. Mythologie der Herrschaft], Wydawnictwo W.A.B., Warschau 2020. ⮭
- Rauszer, Michał: Bękarty pańszczyzny. Historia buntów chłopskich [Die Bastarde der Fron. Geschichte der Widerstandskämpfe der Bauern], Wydawnictwo RM, Warschau 2020. ⮭
- Pobłocki, Kacper: Chamstwo [Rückständigkeit und Vulgarität], Wydawnictwo Czarne, Wołowiec 2021. ⮭
- Janicki, Kamil: Pańszczyzna. Prawdziwa historia polskiego niewolnictwa [Die Fronarbeit. Die wahre Geschichte der polnischen Sklaverei], Wydawnictwo Poznańskie, Posen 2021. ⮭
- Wyżga, Mateusz: Chłopstwo. Historia bez krawata [Der Bauernstand. Eine Geschichte ohne Krawatte], Znak, Krakau 2022. ⮭
- Bei dieser und allen weiteren Übersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche handelt es sich um Übersetzungen durch die Verfasserin. ⮭
- Gospodarczyk, Marta/Kożuchowski, Łukasz: Nowa ludowa historia. Charakterystyka i społeczno-ludowe korzenie współczesnych narracji o historii chłopów polskich [Die neue Geschichte des Volkes. Charakteristik und soziale Ursprünge aktueller Narrative über die Geschichte des polnischen Bauerstandes], in: Studia Socjologiczne 241 (2021), H. 2, S. 177–198. ⮭
- Tymieniecki, Kazimierz: Historia chłopów polskich [Die Geschichte der polnischen Bauern], Bd. 1–3, Państwowe Wydawnictwo Naukowe, Warschau 1965–1969. ⮭
- Inglot, Stefan (Hrsg.): Historia chłopów polskich [Die Geschichte der polnischen Bauern], Bd. 1–3, Ludowa Spółdzielnia Wydawnicza, Warschau 1970–1980. ⮭
- Ders.: Udział chłopów w obronie Polski. Zarys historyczny [Die Teilnahme der polnischen Bauern an der Verteidiung Polens. Eine historische Skizze], Prasa Chłopska, Lodz 1946. ⮭
- Rawski, Tomasz: Ludowa historia Polski. Między krytyką elit a upodmiotowieniem ludu [Die Geschichte des polnischen Volkes. Zwischen der Kritik der Eliten und der Wirkungsmacht des Volkes], in: Stan Rzeczy 21 (2021), H. 2, S. 323–330. ⮭
- Dunin, Kinga: Po co nam ludowa historia Polski? [Wozu die Geschichte des polnischen Volkes?], in: Krytyka Polityczna, 19. Dezember 2020, URL: <https://krytykapolityczna.pl/kultura/czytaj-dalej/kinga-dunin-czyta/adam-leszczynski-ludowa-historia-polski-recenzja/> [Zugriff: 28.12.2022]. ⮭
- Eribon, Didier: Rückkehr nach Reims, übers. v. Tobias Haberkorn, Suhrkamp, Berlin 2016 (frz. 2009). ⮭
- Vgl. Nowicka-Franczak, Magdalena: Intelektualisty gra w klasy. Recenzja książki „Powrót do Reims“ Didiera Eribona [Der Intellektuelle spielt Himmel und Hölle. Eine Rezension von Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“], in: Kultura Liberalna 538 (2019), H. 18, URL: <https://kulturaliberalna.pl/2019/04/30/magdalena-nowicka-franczak-recenzja-eribon-powrot-do-reims/> [Zugriff: 02.02.2023]. ⮭
- Vgl. Janiak, Patryk: Chamstwo. Wywiad z Kacprem Pobłockim [Chamstwo. Ein Interview mit Kacper Pobłocki], in: Historia.org.pl, 30. Juni 2021, URL: <https://historia.org.pl/2021/06/30/chamstwo-wywiad-z-kacprem-poblockim/> [Zugriff: 28.12.2022]; Pobłocki, Kacper: Do Przyjaciół historyków i historyczek [An die Freunde Historiker und Historikerinnen], in: Krytyka Polityczna, 5. Juli 2021, URL: <https://krytykapolityczna.pl/kultura/historia/historia-chamstwo-poblocki/> [Zugriff: 28.12.2022]. ⮭
- Die polnische Übersetzung des Buches „Poland in the Modern World. Beyond Martyrdom“ von Brian Porter-Szűcs (Wiley and Blackwell, 2014) erschien unter dem Titel „Całkiem zwyczajny kraj. Historia Polski bez martyrologii“ [Ein ganz normales Land. Die Geschichte Polens ohne Märtyrertum], übers. v. Anna Dzierzgowska/Jan Dzierzgowski, Filtry, Warschau 2021. Vgl. Gulińska-Jurgiel, Paulina: Poland as a perfectly ordinary country. Interview with Brian Porter-Szűcs, in: Pol-Int, 5. Mai 2022, URL: <https://www.pol-int.org/pl/blog-polonoznawczy/poland-as-a-perfectly-ordinary-country> [Zugriff: 28.12.2022]. ⮭
- Wyżga, Mateusz: W stronę nowej syntezy historii społecznej? Uwagi nad Ludową historią Polski Adama Leszczyńskiego [Zur neuen Synthese von Sozialgeschichte? Bemerkungen über Adam Leszczyńskis Ludowa historia Polski], in: Kwartalnik Historyczny 129 (2022), H. 1, S. 195–229, hier: S. 209. ⮭
- Rawski: Ludowa (wie Anm. 12), S. 323 f. ⮭
- Ebd. ⮭
- Einen Überblick über diese Forschung präsentiert Wyżga in seiner Besprechung von Leszczyńskis Buch: W stronę (wie Anm. 18). ⮭
- Vgl. Dunin: Po co (wie Anm. 13); Sosnowska, Anna: Pobłocki uczłowiecza bohaterów ludowej historii Polski. Tylko po co atakuje profesjonalnych historyków [Pobłocki verleiht den Helden der Geschichte des polnischen Volkes menschliche Gesichter. Aber wieso greift er professionelle Historiker an?], in: Krytyka Polityczna, 21. Juni 2021, URL: <https://krytykapolityczna.pl/kultura/czytaj-dalej/sosnowska-poblocki-uczlowiecza-bohaterow-atakuje-historykow/> [Zugriff: 29.12.2022]; Okniński, Piotr: Zemsta chama? Wokół „Ludowej historii Polski“ Adama Leszczyńskiego [Die Rache des cham (vulgärer und rückständiger Mensch). Zur „Geschichte des polnischen Volkes“ von Adam Leszczyński], in: Kontakt, 6. Mai 2021, URL: <https://magazynkontakt.pl/zemsta-chama-wokol-ludowej-historii-polski-adama-leszczynskiego/> [Zugriff: 29.12.2022]. ⮭
- Kula, Andrzej: Powinniśmy zrozumieć, że pochodzimy od chłopów (wywiad z Michałem Rauszerem) [Wir sollten verstehen, dass wir von Bauern stammen (ein Interview mit Michał Rauszer)], in: Kontakt, 23. November 2020, URL: <https://magazynkontakt.pl/rauszer-powinnismy-zrozumiec-ze-pochodzimy-od-chlopow/> [Zugriff: 29.12.2022]. ⮭
- Sowa, Jan: Fantomowe ciało króla. Peryferyjne zmagania z nowoczesną formą [Der Phantom-Körper des Königs. Die peripheren Kämpfe mit der modernen Form], Universitas, Krakau 2011; Leder, Andrzej: Polen im Wachtraum. Die Revolution 1939–1956 und ihre Folgen (Klio in Polen, Bd. 20), übers. v. Sandra Ewers, fibre, Osnabrück 2019. ⮭
- Sowa, Jan: Kiedy dwa minusy nie powinny dawać plusa [Wenn zwei Minuszeichen kein Pluszeichen ergeben sollten], in: Praktyka teoretyczna, 21. April 2015, URL: <https://www.praktykateoretyczna.pl/artykuly/jan-sowa-kiedy-dwa-minusy-nie-powinny-dawac-plusa/> [Zugriff: 02.02.2023]. ⮭
- Tokarczuk, Olga: Ur und andere Zeiten. Roman, übers. v. Esther Kinsky. Berlin-Verlag, Berlin 2000 (poln. 1996); dies.: Der Gesang der Fledermäuse. Roman, übers. v. Doreen Daume, Schöffling, Frankfurt a. M. 2011 (poln. 2009); dies.: Die Jakobsbücher, übers. v. Lisa Palmes/Lothar Quinkenstein, Kampa, Zürich 2019 (poln. 2014). ⮭
- Rak, Radek: Baśń o wężowym sercu albo wtóre słowo o Jakóbie Szeli [Die Saga vom Schlangenherz oder das zweite Wort über Jakub Szela], Powergraph, Warschau 2019. ⮭
- Stasiuk, Andrzej: Die Grenzfahrt. Roman, übers. v. Renate Schmidgall, Suhrkamp, Berlin 2023 (poln. 2021). ⮭
- Vgl. den illustrativen Musikclip „Z batogami na Panów“ [„Mit Peitschen gegen die Herren“], URL: <https://www.youtube.com/watch?v=SGyAnXfd4Yg> [Zugriff: 29.12.2022]. Für den Hinweis auf den Clip danke ich Professorin Dobrochna Kałwa. ⮭
- Wawrzyniak, Joanna: „Hard Times but Our Own“. Post-Socialist Nostalgia and the Transformation of Industrial Life in Poland, in: Zeithistorische Forschungen | Studies in Contemporary History 18 (2021), H. 1, S. 73–92. ⮭
- Gospodarczyk/Kożuchowski: Nowa (wie Anm. 8). ⮭
- Kula: Powinniśmy (wie Anm. 23). ⮭