Die Biografien von erfolgreichen und erfolglosen Revolutionären gehören gänzlich unterschiedlichen Genres an. Beschäftigt die Forschung sich im ersten Fall mit Staatenlenkern und Personen der Weltgeschichte, bei denen die subversive Tätigkeit lediglich den Vorlauf für die Praxis nach dem Sieg bildete, so stellt sie im zweiten Fall den eigentlichen Grund für die Auseinandersetzung mit der Biografie dar.1 Der Werdegang von Verlierern, ‚Abweichlern‘ und Renegaten genießt umso mehr das Interesse der Forschung, als das Emanzipationsversprechen der erfolgreichen Revolutionen fragwürdig erscheint. Die Verarbeitung des biografischen Bruches durch die abtrünnigen Anhänger der prosowjetischen kommunistischen Parteien wurde bereits während des Kalten Krieges zum Forschungsgegenstand.2 Heute ziehen die minoritären Strömungen der sozialistischen Bewegung verstärkt die Aufmerksamkeit auf sich. Während es zu der moskauorientierten Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) immer noch keine umfassende Monografie gibt3, wurden ihre wesentlich kleineren Konkurrenten im linken Spektrum, wie Maoisten und Linkssozialisten, oder das kurzfristige, aber skandalträchtige Projekt „Kommune I“, durch Studien, Sammelbände und Erinnerungsliteratur gewürdigt.4 Schließlich demonstriert die auf Netzwerkforschung ausgerichtete Biografie des SPD-Politikers, zeitweiligen niedersächsischen Kultusministers und Politikwissenschaftlers Peter von Oertzen, die Philippe Kufferath 2017 vorlegte, dass die Grenze zwischen den radikalen Linken und den Realpolitikern in der bundesrepublikanischen Geschichte manchmal gar nicht so einfach zu ziehen war.5 Die neuesten Veröffentlichungen, die hier besprochen werden, befassen sich mit den Lebensläufen der Revolutionäre, die ihre Ziele zwar nicht erreichten, aber dennoch, individuell oder kollektiv, eine bemerkbare Spur in der Geschichte hinterließen. Dabei lohnt es sich, den Blick nicht nur auf ein unerreichtes Endziel zu fokussieren, sondern den oppositionellen Gegenwelten mit ihren Hierarchien und Karriereverläufen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Nicht immer geht es in Biografien und Autobiografien um die Distanzierung von früheren Überzeugungen, jedoch immer um die Verarbeitung des Scheiterns. Das gilt sowohl für die Individualbiografien, als auch für die Schilderungen des kollektiven Werdegangs von ganzen Szenen oder Bewegungen. Im Folgenden wird die Literatur über die Linke im Westen, vor allem in der Bundesrepublik, als auch im postsowjetischen Russland behandelt. Trotz sehr unterschiedlicher Situationen und gesellschaftlicher Wirkung zeigen die linksradikalen Lebenswelten in Ost und West auch nach dem Ende des Kalten Krieges Parallelen, sowohl in Lebensläufen, als auch in Ideen.
Abweichler, Ketzer, Renegaten
Der von Knud Andresen, Mario Kessler und dem 2019 verstorbenen Axel Schildt herausgegebene Sammelband „Dissidente Kommunisten“ untersucht die Geschichte der von der Moskauer ‚Generallinie‘ abweichenden Strömungen, hauptsächlich entlang von Biografien namhafter Exponenten aus West- und Ostmitteleuropa.6 Die Protagonisten des Bandes waren doppelt erfolglose Revolutionäre – sie verfehlten nicht nur ihre Ziele, sondern unterlagen ebenfalls in innerparteilichen Konflikten. Dennoch übten etliche von ihnen als Autoren, Theoretiker und Aktivisten gesellschaftlichen Einfluss aus. Der zeitliche Schwerpunkt des Bandes liegt auf der Zeit nach Stalins Tod. Der öffentlichen Konzentration auf 1968 als das große Umbruchjahr skeptisch gegenüberstehend, folgen die Autoren stattdessen der These vom Jahr 1956 als eigentlich bedeutendes Datum für ein Umdenken in der linken Bewegung.7 Axel Schildt stellt in der Einleitung klar, dass „weder der 17. Juni 1953 in der DDR noch die Ereignisse in Ungarn und Polen 1956, die bereits eine Folge des XX. Parteitags der KPdSU waren“ am Anfang „der neuen kommunistischen Dissidenz“ standen. „Vielmehr“, so Schildt, war es „die Zerstörung des trotz mancher nagender Zweifel vorhandenen Glaubens, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen“ (S. 27). Thomas Kroll unterscheidet dabei in Anlehnung an Paul Tillich zwischen dem „sakramentalen“, also sich mit etwas bereits existierenden identifizierenden, Glauben und dem „utopischen“ Glauben an einen noch zu realisierenden Zukunftsentwurf.8
Durch die ausschließliche Konzentration des Sammelbands auf die Biografien namhafter Vertreter der kommunistischen Bewegung – höhere Funktionäre, Parteitheoretiker und Publizisten – lassen sich die Lebensläufe und ideologischen Entwicklungen zwar gut nachzeichnen, aber es entsteht das Bild der kommunistischen Bewegung als einem primär bildungsbürgerlichen Phänomen. Zudem werden nur diejenigen Abweichler in Betracht gezogen, denen der Bruch ihrer Parteien mit dem Stalinismus nicht weit genug ging. Einige solcher ‚Revisionisten‘ hatten sich später paradoxerweise positiv auf die Linie der chinesischen KP bezogen, die ja gerade die Entstalinisierung kritisierte. Daneben gab es auch in vielen westlichen KPs offen pro-stalinistische Abweichler, die ab den 1960er Jahren verstärkt China und Albanien für sich als Vorbilder entdeckten. In manchen Fällen haben die zukünftigen Eurokommunisten, deren Vorgeschichte in Finnland, Italien, Österreich und Spanien im Sammelband seziert wird, sich aktiv gegen diejenigen eingesetzt, die ihre späteren Ideen innerhalb der Parteien vorwegnahmen. Einer der exponiertesten Vertreter des eurokommunistischen Flügels der Partito Comunista Italiano (PCI), Giorgio Amendola, nannte noch 1956 die Kritiker des sowjetischen Einmarsches in Ungarn um Antonio Giolitti „Verräter“.9 Der spätere spanische Eurokommunist Santiago Carrillo war noch 1964 eifrig dabei die Abweichler aus den Parteireihen auszuschließen.10 Es hing oft weniger vom Inhalt, sondern vom Zeitpunkt der Aussage ab, ob man zum Abweichler deklariert wurde. Auch nachdem die Parteien ihre Linie im Sinne der ausgeschlossenen Abweichler änderten, fand keine Versöhnung oder Rückkehr statt.
Bei der Lektüre von Lebensgeschichten der ‚Abweichler‘ aus den Reihen der Intellektuellen wird deutlich, wie unterschiedlich sich die Konsequenzen des Bruches mit der KP für bekannte Persönlichkeiten des geistigen Lebens auf der einen und Parteiideologen und -funktionäre auf der anderen Seite darstellten. Wurden die ersten nach der freiwilligen oder unfreiwilligen Beendigung ihrer Parteimitgliedschaft umso interessanter für die Öffentlichkeit, verloren die zweiten oft ihre komplette Existenzgrundlage. So gingen dem spanischen Exilkommunisten Fernando Claudín (1915–1990) nicht nur seine Arbeitsstelle, sonder auch seine bis dato von der Partei gestellte Wohnung abhanden, als er 1960 zusammen mit dem Schriftsteller Jorge Semprún aus der KP ausgeschlossen wurde.11 Jean-Paul Sartre oder Henri Lefebvre hatten zwar keine Chance Cheftheoretiker der PCF (Parti communiste français) zu werden, konnten aber auch problemlos ohne die Partei gesellschaftlich wirken. Leider finden sich im gesamten Sammelband keine Reflexionen darüber.
Dabei bot nicht selten die Enttarnung der eigenen – und fremden – subversiven Tätigkeiten Chancen für Broterwerb. Das zeigt beispielhaft die von Mario Keßler untersuchte Biografie der ehemaligen KPD-Vorsitzenden und Stalin-Gegnerin Ruth Fischer.12 Seit 1944 arbeitete die inzwischen zur Antikommunistin gewordene Fischer als Informantin des FBI, später für weitere westliche Geheimdienste, denunzierte gar ihre Brüder Gerhart und Hanns. Als sie 1952 in einem ihrer Verbündeten im Kampf gegen die „Rote Gefahr“ den ehemaligen SS-Offizier Eberhardt Taubert erkannte, der auch ihren Sohn gefoltert hatte, beendete sie jedoch ihre geheimdienstliche Tätigkeit.13 Nach dem XX. Parteitag wurde die sich weiterhin als Sozialistin verstehende Fischer eine überzeugte ‚Chruschtschow–Versteherin‘, die im Westen unermüdlich die These von der Wandlungsfähigkeit der Sowjetunion vertrat. Diesem biografischen Wandel stellt Keßler die Biografie von Isaac Deutscher gegenüber, der vor allem als Trotzki-Biograf bekannt wurde. Deutscher, der 1931 aus der polnischen KP wegen Trotzkismus ausgeschlossen wurde, schloss sich keiner trotzkistischen Organisation an, sondern agierte als unorganisierter linker Publizist und Historiker. Paradoxerweise zeigte sich Deutscher, der in seiner Gegnerschaft zum Stalinismus den Schritt zum Antikommunismus nicht vollzog, gegenüber Chruschtschow wesentlich reservierter.
Von Deutscher übernimmt Keßler auch die für den Sammelband zentrale Einteilung in „Ketzer“ und „Renegaten“ der kommunistischen Bewegung. Ein Ketzer sei demnach jemand, der dem diktatorischen Parteiregime den Gehorsam aufkündige, aber im Namen der Ziele, um derentwillen er einst der Partei beitrat. Dagegen bleibe ein Renegat „nach seinem Bruch mit der einst von ihm angebeteten Partei tief in der bisherigen Denkweise verwurzelt. Er tausche lediglich die Vorzeichen“ (S. 135). Diesen, von Deutscher aus dem Kirchenvokabular entlehnten, Typen, stellt Keßler einen weiteren, nämlich den des „Grenzgängers“ zur Seite.
„Der Grenzgänger entfernte sich vom Kommunismus als Ideologie, Bewegung oder Glaubensgemeinschaft, doch wurde ihm der Kommunismus nie gleichgültig. Er könnte sogar die Partei bekämpfen, aber es blieb im Guten und Schlechten stets ‚seine‘ Partei. Er lebte mit und gegen den Kommunismus, ein Leben ohne ihn war aber nicht denkbar. Der Kommunismus blieb in gewisser Weise der archimedische Punkt seines Daseins“ (S. 151). Keßler zeigt zudem, dass die „Grenzgänger“, häufig als Beobachter, Chronisten, Historiker der Bewegung, der sie einst als Akteure angehörten, agieren. Dadurch bauen sie sich eine neue Existenz auf und entziehen sich einer eindeutigen Parteinahme.
Neben Aufsätzen über die Theoretiker wie Henri Lefebvre, Edward Palmer Thompson und Leo Kofler, bei denen das Denken in den Mittelpunkt rückt14, beinhaltet der Sammelband zum Beispiel einen Aufsatz zum ungewöhnlichen Leben von Heinz Brandt, dem der Autor Knud Andresen bescheinigt, sich in seinen zahlreichen Veröffentlichungen nicht um begriffliche Stringenz bemüht zu haben.15 Als Autor und Redner war er – ehemaliges Mitglied der „Versöhnler“-Fraktion der KPD, KZ-Überlebender, SED-Funktionär, „Republikflüchtling“, Opfer einer Entführung durch das Ministerium für Staatssicherheit, Redakteur des IG Metall-Organs und schließlich Gründungsmitglied der Grünen – bei der bundesdeutschen Linken dennoch gefragt. Nicht als Theoretiker, sondern als großväterliche Integrationsfigur, die einerseits sowohl unterm Nationalsozialismus, als auch unterm Realsozialismus gelitten hatte, jedoch seinen Optimismus bewahrt hatte und dadurch die jüngeren Mitstreiter inspirierte.
Etwas verloren steht im Sammelband der Aufsatz von Dirk Mathias Dalberg über die trotzkistisch beeinflusste „Bewegung revolutionären Jugend“ (Hnutí revoluční mládeže) in der Tschechoslowakei.16 Es ist der einzige Aufsatz, der erstens die Geschichte einer ganzen Organisation behandelt, und sich zweitens auf die Situation im Ostblock bezieht. Allerdings hatte die Organisation mit Sibylle Plogstedt auch eine bekannte westdeutsche „68erin“ in ihren Reihen. Die Geschichte von kommunistischer Dissidenz im Ostblock wartet jedoch noch auf ihre Einordnung in den transnationalen Forschungskontext.17
Das Rote Jahrzehnt der Bundesrepublik – Erinnerung und Forschung
Seitdem Gerd Koenen, der ehemalige Funktionär der größten westdeutschen „K-Gruppe“ des Kommunistischen Bunds Westdeutschlands (KBW), mit seiner Kombination aus persönlichen Erinnerungen und Studie den Begriff „Rotes Jahrzehnt“ prägte18, verschob sich der Forschungsfokus von der Chiffre „1968“ hin zu der darauffolgenden Blütezeit der linken Organisationen in der Bundesrepublik. Zu den Veröffentlichungen über maoistische und linkssozialistische Gruppen kamen Studien, die sich dem Gegenstand generationshistorisch näherten19 oder einzelne strukturschaffende Praxisfelder der Szene, wie Verlagstätigkeit20 oder Buchhandel21, untersuchten. Eine besondere Sparte bilden die Forschungen zu jenen Achtundsechzigern, die einen Frontenwechsel nach rechts vollzogen haben.22
Eine der am wenigsten erforschten – zudem bis heute aktiven – K‑Gruppen, der 1973 entstandene Arbeiterbund für die Wiederaufbau der KPD (AB), bekam mit den Lebenserinnerungen von Max Brym („Mao in der bayerischen Provinz“) eine erste Würdigung in der ‚Veteranenliteratur‘.23 Der Autor, ein 1957 in Bayern geborener Nachkomme von Shoa-Überlebenden, absolvierte einen fulminanten Werdegang im linken Spektrum. Erst Mitglied der prosowjetischen DKP, schloss er sich nach einem enttäuschenden DDR-Besuch dem strikt auf die Betriebsarbeit ausgerichteten AB an. Der Arbeiterbund versuchte zunächst die DKP von innen zu zersetzen. Danach gelangen der Organisation partielle Erfolge durch Abwerben von sozialdemokratischen Gewerkschaftsaktivisten und Herausgabe ihres Propagandaorgans, das vor allem wegen skandalöser Enthüllungen gern gelesen wurde. Seine weitere politische Odyssee führte Brym in zwei rivalisierende trotzkistische Strömungen und in die Linkspartei. Bekannt wurde er schließlich vor allem als Experte für Kosovo-Politik.
2018 hat sich mit dem Literaturwissenschaftler Willi Jasper ein führender Funktionär der Kommunistischen Partei Deutschlands/Aufbauorganisation (KPD/AO) mit seinem Buch „Der gläserne Sarg“ an der Debatte beteiligt.24 Schon im Vorwort grenzt sich Jasper sowohl vom Zeitgenossen Koenen, als auch vom freien Autoren Gunnar Hinck ab. In Jaspers Buch wird der Anspruch deutlich, weder in renegatische Reue, noch in anekdotische Nostalgie abzugleiten. Über die eigene Politisierung und den Weg zum Maoismus bleiben die Angaben, im Vergleich zu Koenen, relativ spärlich. „Mein Vater wollte über seine Nazi-Vergangenheit und Kriegserlebnisse nicht sprechen und verzichtete seinerseits darauf, mich wegen meines kommunistischen Engagements zur Rede zu stellen“ (S. 135). Dafür zeichnet Jasper ein detailliertes Bild vom Germanistischen Seminar der Freien Universität Berlin, wo sich die zukünftige Führungsriege des ambitionierten Parteigründungsprojektes getroffen hat.25 Der Streit zwischen reformorientierten Dozenten und radikalisierten Studenten, deren drastische Momente Jasper in Erinnerung ruft, entfremdete die Berliner Achtundsechziger ebenso wie ihre Frankfurter Altersgenossen von denjenigen, die im Nachhinein vor allem als ihre „Vordenker“ und „Lehrer“ tituliert werden. Der Holocaust-Überlebende Peter Szondi zeigte sich von der studentischen Besetzung des AVL-Instituts nicht weniger entsetzt als Theodor W. Adorno über die ähnliche Aktion am Frankfurter IfS. Die Lehrer wussten den Aktionismus ihrer Schüler ganz und gar nicht zu schätzen, was bei den Letzteren für Frustration sorgte. Jasper verhehlt nicht, dass der Konflikt mit den Studenten zu Szondis Selbstmord im Oktober 1971 beigetragen hat.
In der Vorbereitungsphase der Parteigründung 1969/70 hatten Jasper und seine Genossen scharfe Angriffe von dem SDS-Veteranen Bernd Rabehl zu überstehen, wurden jedoch von den nicht gerade für promaoistische Positionen bekannten Johannes Agnoli und Peter Schneider in Schutz genommen (S. 112 f.). Als Studenten eines, wie ihnen schien, praxisfernen und elitären Faches, suchten die Berliner Germanisten besonderes sehnsüchtig die Nähe zum als revolutionären Subjekt identifizierten Proletariat. Die zu Parteikader gewordenen Studenten schienen die Ursprünge ihrer Revolte zunehmend geleugnet zu haben, was in den Umzug der Parteizentrale in das ‚industrieproletarische‘ Ruhrgebiet gipfelte. Dieser hatte weitreichende Konsequenzen: „Der von der Partei verordnete Aufbruch aus Berlin hatte auch den Abbruch persönlicher Beziehungen und wichtiger Diskussionen mit Nichtparteimitgliedern zur Folge“ (S. 114).
Im Kontrast zur persönlichen Vereinsamung stand das Gefühl, als Organisation Teil einer globalen Bewegung zu sein. Maoismus war in der Tat ein transnationales, nicht nur europäisches und – was häufig vergessen wird – auch ein generationen-übergreifendes Phänomen. Während des „Roten Mai“ 1968 verfolgte Jasper die Ereignisse in Paris und sympathisierte nicht mit der, durch das solidarische Engagement von Sartre berühmt gewordenen, studentischen Gauche prolétarienne (GP), sondern mit der Parti communiste marxiste-léniniste de France (PCMLF) um den Alt-Stalinisten Jacques Jurquet (1922–2020), Herausgeber der einzigen maoistischen Tageszeitung außerhalb der Volksrepublik (S. 98 f.).
Über die parteiinternen Konflikte erfährt man aus Jaspers Buch nicht viel26, dafür über einige Akteure und biografische Details, die vergessen oder unbekannt waren; etwa über den Sinologen Helmut Martin, der als Mao-Übersetzer viel zur Rezeption des „Großen Vorsitzenden“ beitrug, jedoch unter dem Eindruck von Enthüllungen über die Repressionen Selbstmord beging (S. 166ff.). Oder die Geschichte, wie die zukünftige Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer eine Affäre mit einem der wenigen „echten Proletariern“ in der Parteiführung dafür nutzt ihre akademischen Texte im Parteiverlag herauszugeben (S. 32). Das Wirken in einer Kaderorganisation bedeutete keineswegs das Ende von Karriereüberlegungen.
Auffällig ist, dass Jasper, der sich immerhin hauptberuflich mit der deutsch-jüdischen Kulturgeschichte beschäftigt, das kontroverse Thema der Haltung der westdeutschen Linken zum Nahostkonflikt kaum streift und auch die Entwicklung seiner eigenen Positionen nicht offenlegt. Stärker im Fokus steht die Entwicklung seiner Haltung zur Volksrepublik China. Während für Gerd Koenen China ein abstraktes Sehnsuchtsland blieb, bereiste Jasper, der einer von der Kommunistischen Partei Chinas privilegierten deutschen K‑Gruppe angehörte, das Land im Rahmen einer Parteidelegation 1977. Bei diesem Anlass begegnete er nicht nur diversen chinesischen Führungspersönlichkeiten, sondern auch Pol Pot. Die KPD/AO entstand aus Begeisterung für die Kulturrevolution, ihre Führungskader sahen China zu dem Zeitpunkt, wo die Marktreformen bereits im Gange waren. Dies führte noch nicht zu einer Desillusionierung, führte aber zu Zweifeln am chinesischen Modell. Auch nach der Distanzierung vom Maoismus zeigt sich Jasper von der Geschichte Chinas fasziniert und bei all seiner Kritik an Mao, verfällt er nicht in die Rhetorik der Hitler-Parallelen, die durch einen bloßen Vergleich der Totenzahlen der beiden Regime die Totalitarismusthese unterstützen wollen (S. 187). Jaspers hat sich zwar von den Ansichten seiner Jugend entfernt, aber im Unterschied zu vielen „1968-Veteranen“ scheint er keinen Bedarf zu verspüren, sie nachträglich zu bekämpfen. Die damaligen Einstellungen erscheinen ihm im Kontext der Zeit plausibel: „Der für heutige Ohren kaum erträgliche Schematismus radikaler Phrasen schien in den Sechziger- und Siebzigerjahren mit lebendigen Beispielen belegbar“ (S. 137). Die Bilanz seines Wirkens an der Spitze einer gescheiterten Partei fällt nüchtern aus: „Das war eine Distanzierung der Intellektuellen von sich selbst, die nicht ohne Widersprüche bleiben konnte“ (S. 235).
Um die Widersprüche des studentischen Anti-Intellektualismus geht es auch in der Monografie von Sebastian Kasper, die den Konkurrenten der Maoisten im Kampf um den revolutionären Nachlass von 1968, den sogenannten „Spontis“, gewidmet ist.27 Die diffusen Strukturen der Anhänger der revolutionären Spontanität der Massen (daher die Bezeichnung, die sich laut Kasper erst 1973/74 durchsetzte) lassen sich noch schwerer rekonstruieren, als die der stramm organisierten leninistischen Kaderparteien. Kasper konzentriert sich daher auf die drei Hochburgen der Bewegung: Hamburg, Frankfurt am Main und München. In diesen Städten wirkten drei bundesweit wirkungsmächtige Organisationen dieses Spektrums: „Proletarische Front“ (Hamburg, 1970/1971–1974), „Revolutionärer Kampf“ (Frankfurt, 1971–1976), sowie die Gruppe „Arbeitersache“ (München, 1971–1975). Die Studie basiert auf der Auswertung des archivalischen Nachlasses der Gruppen, sowie auf einer Analyse der Presse der Bewegung, vor allem der Blätter „Wir wollen alles“ (Hamburg, 1973–1975), „Pflasterstrand“ (Frankfurt, 1976–1990), „Blatt“ (München, 1973–1984), sowie der Theorieorgane „Autonomie. Materialien gegen die Fabrikgesellschaft“ (Frankfurt/Hamburg, 1975–1978) und „Autonomie. Neue Folgen“ (Hamburg, 1979–1985). Die „Spontis“ reklamierten für sich das antiautoritäre Erbe der 1968er-Revolte, an der ihre führenden Köpfe aktiv teilnahmen, zu bewahren. Allerdings schloss das noch 1971 den positiven Bezug auf die chinesische „Kulturrevolution“ nicht aus (S. 14–17). Aus dem Kosmos der Frankfurter Schule bildete vor allem Herbert Marcuse den positiven Bezugspunkt; während im Frankfurter SDS noch intensiv Theodor W. Adorno und Max Horkheimer diskutiert wurden, schienen beide bei den „Spontis“ völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Die Abgrenzung zu K‑Gruppen spielte eine geradezu identitätsstiftende Rolle. Dagegen fungierten Rosa Luxemburgs Reformismus- und Bolschewismuskritik, sowie der italienischer Operaismus als wichtigste Inspirationsquellen. „Erst im letzten Drittel der 1970er Jahre gewann anarchistisches Gedankengut vermehrt an Bedeutung. Die nachträgliche Bewertung der Spontis als Anarchisten trifft also nur für einen kurzen Zeitraum und auch nur für Teile der Bewegung zu“ (S. 31).
Obwohl sich „Spontis“ einer festen Definition zu entziehen versuchten, arbeitet Kasper fünf Punkte, die zentral für die „Scene“ waren, heraus: Antireformismus, Ablehnung aller Modelle des Realsozialismus, Antiparlamentarismus und Feindschaft zum Staat, Entfremdungskritik und schließlich das Organisationsprinzip.
Wie auch die meisten Mitglieder der K‑Gruppen kamen die „Spontis“ aus dem studentischen Milieu. Sie entwickelten zwar eine Aversion gegen akademische Formen und betonten den eigenen Pluralismus, bewegten sich aber weiterhin im Kontext der Theorien der „Neue Linken“.
„Insgesamt kann also von einer Theoriefeindlichkeit oder gar Antiintellektualität bei den Spontis in der ersten Hälfte der 1970er Jahre nicht gesprochen werden, wie oft behauptet wird. Dies änderte sich in der Phase der alternativen Neuorientierung erst langsam, jedoch grundliegend“ (S. 133).
Kaspers Studie gewinnt sehr dadurch, dass der Untersuchungsgegenstand eng gefasst wird. Der Autor weist explizit darauf hin, dass die „Spontis“ sich von der, als „Körnerfresser“ verspotteten, Alternativbewegung28 lange Zeit abgrenzten. Das Verschmelzen mit den „Alternativen“, erst im Rahmen der Bürgerinitiativen und später beim grünen Parteiprojekt, war bereits Krisen- und Auflösungserscheinung der Szene. Dem ging ein intensives, aber oft frustrierendes Engagement in Betrieben – im „Häuserkampf“ – sowie, vor allem in den Kleinstädten, in der Jugendzentrumbewegung voran. Wie Kasper anhand von Zitaten demonstriert, zeigten sich die „Spontis“ schon in der ersten Hälfte der 1970er Jahre vom Befreiungsnationalismus in der Dritten Welt desillusioniert, was jedoch nicht verhinderte, dass einige Fraktionen gegen Ende des „Roten Jahrzehnts“ emanzipatorisches Potenzial im europäischen Regionalseparatismus und der iranischen Revolution sahen (S. 106 ff., 184 ff., 225). Bis Sommer 1976 zerfielen die operaistisch geprägten Gruppen in Hamburg, Frankfurt und München, die „bisher das organisatorische Rückgrat der Sponti-Bewegung bildeten“ (S. 127). Um diese Zeit brach auch die Straßenmilitanz der „Spontis“ „abrupt ab“ (S. 90). Die Bewegung begann sich auszudifferenzieren. Die schon während der Betriebsarbeitsphase entstandenen Frauengruppen begannen sich zu verselbständigen. Während Frankfurter und Münchener „Spontis“ sich zunehmend in grün-alternativen Strukturen auflösten, besannen sich die zahlenmäßig schwächeren und mehr an der Theoriearbeit orientierten Hamburger auf die operaistischen Ursprünge. Ihr Beitrag zur Theoriebildung wirkte erst in 2000er Jahren, nachdem „Empire“ von Antonio Negri und Michael Hardt eine neue Welle des Interesses am Operaismus ausgelöst hatte.29
Kaspers Buch widmet sich einer politischen Strömung, die letztendlich ein Ein-Generationenprojekt blieb. In der kollektiven Biografie der „Scene“ wird den Biografien der Akteure wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Auf Interviews mit den zahlreichen lebenden ‚Veteranen‘ wurde konsequent verzichtet, ebenso wie auf Reflexionen über die weiteren Werdegänge. Dabei ermöglichen Kaspers Ausführungen weitreichende Schlüsse zur „kollektiven Biographie“ der „Spontis“. So schreibt er: „Gerade die in der Sponti-Bewegung noch immer tonangebende Generation der ‚68er‘, hatten zum Beginn der Strategiedebatte um das Jahr 1974 ihr Studium abgeschlossen oder abgebrochen und kamen in ein Alter, in dem sich das Problem der eigenen ‚Reproduktion‘ nicht mehr so leicht vor sich herschieben ließ“ (S. 157). Wenn unter den Achtundsechzigern die Generation verstanden wird, die in jenem Jahr bereits studierte, so lässt sich unschwer feststellen, dass die meisten Spontis wesentlich jünger waren. Während die Führungsriege des SDS noch während des Zweiten Weltkrieges geboren wurde, betrat mit den „Spontis“ schon die nächste Generation der Studenten die politische Bühne. Bei seiner, ansonsten sehr präzisen Analyse der theoretischen Einflüsse geht Kasper leider mit keinem Wort auf den französischen Situationismus ein, aus dessen Umfeld immerhin der Titel des Frankfurter „Sponti“-Organs „Pflasterstrand“ entlehnt wurde.
Zu den neusten Erscheinungen aus der Kategorie der „Veteranenliteratur“ über die „Spontis“ gehören die Erinnerungen des Kunsthistorikers Lothar Binger, der im von Kasper nicht näher untersuchten West-Berlin zu den Aktivisten der ersten Stunde gehörte.30 Der 1941 geborene Binger gehörte zu der älteren Kohorte der Bewegung. In den 1970er Jahren hatte er sein Studium bereits beendet und war zudem zweifacher Vater. Sich selber verordnet die bei sozialdemokratischen Pflegeeltern aufgewachsene Kriegswaise in die „zweite Reihe“ der Bewegung (S. 11). Binger, der während der Höchstphase der Revolte Nachbar des anarchistischen Verlegers Bernd Kramer und Kommilitone von Historiker Heinz Dieter Kittsteiner war (S. 39), wurde nie Führungsfigur einer größeren Strömung, Er wirkte an vielen neuralgischen Punkten der Berliner Szene, wie in WGs, den Redaktionen diverser Blätter, wie zum Beispiel „Info BUG“, in Stadteil‑, Haus-, und Theaterprojekten. Sein handwerkliches Können im Bereich von Druck und Gestaltung machte ihn zu einer wichtigen Figur in linken Netzwerken. So spielte Binger nicht nur eine wichtige Rolle bei der Herstellung der Raubdrucke, sondern brachte auch den Gründern des Merve-Verlags das Drucken auf einer Offset-Rotaprint-Maschine bei (S. 219). Binger arbeitete eng mit der Band „Ton Steine Scherben“ zusammen, initiierte Hausbesetzungen, nahm an bundesweiten Vernetzungsversuchen teil, und blieb dennoch eine lediglich in der Szene bekannte Figur. Seine eigene Organisation, die 1972 gegründete „Gruppe Undogmatischer Marxisten“ (GUM) ging zwei Jahre später in das Zeitschriftenprojekt „Info BUG“ über. Die Versuche, die Basisgruppen für verschiedene Arbeitsfelder zu einer Organisation zu bündeln, scheiterten immer wieder. Allerdings ermöglichte dabei erworbenes Know-how viele Quereinsteigerkarrieren. Bingers Definition vom „Sponti“-Standpunkt fällt weitgehend mit Kaspers zusammen:
„Undogmatisch – welch ein Wort. Der Begriff hat sich bis heute als Charakterisierung bestimmter linker Positionen erhalten in Abgrenzung zu dogmatischen marxistisch-leninistischen Auffassungen. Undogmatisch meinte aber nicht anarchistisch, wie das heute vielfach missverstanden wird. Denn der Anarchismus war für uns keine Option, weil ihm die klare ökonomische Analyse fehlte, wie sie für Marx grundlegend gewesen war, wenngleich Spontaneismus und eingreifende Aktionen ohne Ableitung aus einer ökonomischen Analyse zu den libertären Elementen zählten, die wir ebenfalls für wichtig hielten“ (S. 367).
Die zahlreichen Probleme, die bei der versuchten Umsetzung der Ziele auftauchten, nicht leugnend, hält Binger seinen damaligen Idealen weitgehend die Treue. Das hindert ihn nicht daran, manchmal sehr offen über Szenemythen zu reden. Bemerkenswert ist, dass die ehemaligen Maoisten mit der Zeit immer strenger mit der eigenen Vergangenheit ins Gericht gehen, während bei den „Spontis“ die Polemiken der Aussteiger am Ende des „Roten Jahrzehnts“ wesentlich schärfer ausfielen, als die heutigen Erinnerungen.31
Postsowjetische Sehnsüchte nach 1968?
Die Biografien der Protagonisten der während der Perestroika in Russland entstandenen linksradikalen Szene im selben Aufsatz wie die des westdeutschen „Roten Jahrzehnts“ zu besprechen erscheint nur auf den ersten Blick verwunderlich. Der Mythos der globalen Jugendrevolte um 1968 wirkte im postsowjetischen Raum noch lange anziehend, wie man unter anderem an den, deutlich aus dem Repertoire der damaligen Rebellion entlehnten, Aktionen von „Pussy Riot“ sehen konnte. Inzwischen haben einige Aktivisten der ersten Stunde ihre Erinnerungen verfasst. Exemplarisch dafür steht der russisch-georgische Journalist Dmitrij Schwanija (geboren 1967), der auf eine sehr wechselhafte politische Karriere zurückblickt: Fußball-Hooligan, Anarchist, Trotzkist, schließlich Funktionär der Nationalbolschewistischen Partei (NBP) des Schrifstellers Eduard Limonow (1943–2020), aus der er jedoch austrat um sich wieder explizit linker Politik zuzuwenden.32
Auch der Dichter und Musiker Boris Usow (Belokurow) (1970–2019), Gründer des Musik-Projektes „Solomennyje enoty“ („Waschbären aus Stroh“, in Anlehnung an Sam Peckinpahs Film „Straw Dogs“, 1992–2007) war ein Meister der Selbstinszenierung. In seiner Moskauer Wohnung trafen sich Links- und Rechtsradikale, Feministinnen, Punks, Christen, Neo-Heiden und Künstler. Das Konglomerat von Musikern und Bands wurde inoffiziell nach jenem Stadtteil von Moskau benannt, in dem der soziophobe Netzwerker Usow wohnte: „Konkowo-Formation“. Das Buch des Journalisten Felix Sandalow zeigt, welchen enormen Einfluss diese Gruppe auf die russische Untergrundkultur ausübte.33 Das Werk besteht größtenteils aus Interviews und sollte daher als Quelle mit Vorsicht genutzt werden. Obwohl Usow selbst von sowjetischer science-fiction, der Situationistischen Internationalen und Jean-Luc Godard geprägt war und sich, zumindest bis zu seiner Hinwendung zum Christentum, als Verteidiger der Sowjetunion verstand, schrieb er auch für die nationalistische Querfront-Zeitung „Sawtra“. Etliche seiner Mitstreiter gingen zu Limonows nationalbolschewistischer Partei NBP. Sandalows Buch hinterlässt diesbezüglich mehr Fragen, als es zu beantworten vermag.
Mehr zu Klärung trägt das Buch von Matthias Meindl bei – „eine sozio- und politologisch informierte literaturwissenschaftliche Studie“, die sich mit der „Politisierung von Literatur und Kunst“ beschäftigt.34 Zwar finden Usow und die „Konkowo-Formation“ im über sechshundert Seiten starken Buch keine Erwähnung, doch ansonsten liest es sich wie eine Enzyklopädie des russischen Untergrunds von 1991 bis heute. Detailliert zeigt Meindl auf, wie die NBP zu einem Labor für Independent-Künstler verschiedener politischer Richtung wurde. Limonows Konzept des Radikalismus, der kein „links“ und „rechts“ kannte und Politik von Ästhetik nicht trennte, verhalf zwar nicht zu nennenswertem politischen Erfolg, jedoch zu gewaltigem ästhetischen Einfluss. Limonows Präsentation des eigenen Lebens als Kunstprojekt hatte für etliche andere politisierte Kunstschaffende eine Vorbildfunktion. Meindl entgeht nicht, dass einige Schüler, wie zum Beispiel der Schriftsteller Sachar Prilepin (geboren 1975) viel näher an das vitalistischen Ideal Limonows herankamen, als der Meister selbst. Limonow performte Soldatentum, Prilepin kämpfte als Freiwilliger in Tschetschenienkrieg. In der NBP fanden sich aber auch Figuren, wie Alexei Zwetkow (geboren 1975), der mit diffus-neulinkem Weltbild die Parteizeitung „Limonka“ zum Kultmedium und journalistischer Kaderschmiede machte und zeitgleich – nach dem Austritt aus der Partei – zum Islam konvertierte.
Die Ästhetisierung der Politik ging auf Kosten der Inhalte, doch Meindel bleibt nicht bei der Feststellung der, für westliche Beobachter nicht immer nachvollziehbaren, rechts-links Allianzen. Seine Frage lautet: „Macht es eigentlich Sinn, einer politischen Kunstaktion ihre Ziellosigkeit vorzuwerfen?“ (S. 12). Nachdem die Netzwerke von Musikern, Literaten und Vertretern der performativen und bildenden Kunst minutiös nachgezeichnet werden, stellt Meindl drei Entwicklungslinien fest. Die eine setzt die Tradition der Delegitimierung des Moskauer Aktionismus, aber auch des Situationismus, fort. Die zweite setzt auf die „Amalgamierung von Kultur und Politik“, wie es Limonows Partei vormachte (S. 574). Als dritte Entwicklungslinie sieht Meindl die „alternative Institutionalisierung“; als Beispiele dafür fungieren das Kollektiv „Chto delat“ („Was tun?“) und der mit dem Trotzkismus sympathisierende Autor, Musiker und Verleger Kirill Medwedew (geboren 1975).35
Dass die künstlerischen Erfolge der Radikalen keineswegs auch politische Erfolge bedeuten, wird nach der Lektüre von Meindls Buch klar. Deutlich macht der Autor auch, wie Kunst in dieser spezifischen Situation zum Ersatz für die verunmöglichte Politik wird. Der Autor zeigt sich in seinem Urteil vorsichtig:
„Auch die subkulturelle Erfahrung sollte in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden. Subkulturen können […] vorwiegend Ausdruck mythenbefangenen Bewusstseins, verantwortungsloser Unterhaltung und radikalen Distinktionsverhaltens gegenüber der Gesamtgesellschaft sein. Subkulturen können aber auch authentische symbolische Ökonomien ausbilden, in denen die wertvollsten menschlichen Eigenschaften gefördert werden“ (S. 577).
Nach der Lektüre von Sandalows und Meindls Büchern wird klar, in welchem Missverhältnis der große kulturelle Einfluss linksradikaler Ideen zu ihrer realpolitischen Bedeutungslosigkeit im postsowjetischen Russland steht. Einen Einblick in erfolgreiche und gescheiterte Karrieren, die ihren Ausgang in der Szene nahmen, gibt der Sammelband „Lifestyle“, der 2003 erschien und 2014 wiederaufgelegt wurde.36 Wie auch im Westen war die radikale Umgebung für die einen ein Sprungbrett zur großen Karriere, für die anderen ein unsicheres Auffangnetz in zahlreichen Lebenskrisen.
Behandelt Meindl vor allem bekannte Köpfe aus Kunst und Politik – genauer genommen: der politisierten Kunst – so vermittelt das Buch von Wasili Kusmin (geboren 1985) über seine bewegte Zeit bei der 1999 entstandenen stalinistischen Organisation „Avantgarde der Roten Jugend“ (AKM, die Abkürzung spielt auf eine Version des Kalaschnikow-Sturmgewehrs an) die Perspektive der Aktivisten an der Basis.37 Kusmin, genau wie Usows „Formation“ stark von der Musik der „Sibirischen Punkszene“ um Jegor Letow (1964–2008) geprägt, zeigte Interesse an Trotzki, Anarchismus und der Neue Linken. Doch die von dem bis heute aktiven Oppositionellen Sergei Udalzow (geboren 1977) angeführte AKM lockte mit öffentlichkeitswirksamen, direkten Aktionen, wie Besetzungen von Amtsgebäuden. Die theoretischen und programmatischen Fragen standen bei der AKM nie im Vordergrund, vielmehr sah man sich im Wettbewerb mit Limonow und der NBP um street credibility. Die Zusammenarbeit mit den „erwachsenen“ Stalinisten von verschiedenen KPdSU-Nachfolgeprojekten, wie zum Beispiel „Werktätiges Russland“ um Wiktor Anpilow (1945–2018) oder „Union der Kommunistischen Parteien“ um das ehemalige Mitglied des Politbüros der KPdSU, Oleg Schenin (1937–2009), war pragmatisch. Kusmin selbst ließ sich, trotz eigener Betroffenheit, nicht vom Antisemitismus mancher Mitstreiter abschrecken. Ihm war die Möglichkeit zur konfrontativen Auseinandersetzung mit der Staatsmacht wichtiger. Die AKM war keine dogmatische Parteijugend. Die ersten zwei Amtszeiten Putins erscheinen in Kusmins Erinnerungen geradezu idealisiert, als goldenes Zeitalter der Straßenproteste. Das aktionistische Konzept der AKM stieß an seine Grenzen, als die staatlichen Gegenmaßnahmen massiv verschärft wurden. Kusmin streift seinen weiteren politischen Werdegang nur knapp. In der an der Betriebsarbeit orientierten trotzkistischen Revolutionären Arbeiterpartei (RRP) fühlte er sich nicht wohl.
Kusmins Bilanz seiner politischen Tätigkeit fällt ganz im Geiste des Aktionismus aus: „Nach erfolgreich durchgeführten Direkten Aktionen sich auf, sagen wir, marxistische Zirkel oder andere innerorganisatorische Arbeit zu konzentrieren ist ein vollkommenes Fiasko für jede Organisation, ein Anzeichen der Feigheit und völliges Missverstehen des Wirkens der politischen Technologien“ (S. 183).
Da aber der AKM irgendwann nicht mehr in der Lage war, die eigenen Aktionen immer wieder zur übertreffen, kam es zur Stagnation im Wachstum und zum Zerfall der Organisation gegen Ende der 2000er Jahre. Udalzow wurde zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt. Bereits davor änderte er seine Ansichten und zeigte sich offen für Bündnisse mit der liberalen Opposition. Wie auch in Westdeutschland scheint in Russland die radikale Vergangenheit keine allzu schwere Hypothek für die politischen Karrieren im neuen Kontext darzustellen, wenn die Akteure Willen zu Mäßigung zeigen.
Die Linke im postsowjetischen Russland zehrte noch Jahrzehnte später von dem Mythos der 1968–Revolte. Wenig reflektiert wurden dabei die Gründe des Scheiterns der damaligen Organisationen, auf die gerade die Erinnerungen der Veteranen des „Roten Jahrzehnts“ Licht werfen. Die postsowjetischen Linken haben sich intensiv die Theorien und Praktiken der „Neuen Linken“ angeeignet, und den Blick dafür, dass viele Ideen der nächsten Generationen der westlichen Linken, mit denen sie sich heute auseinandersetzen, aus Reflexion der Misserfolge entstanden.
Besprochene Literatur
Andresen, Knud/Keßler, Mario/Schildt, Axel (Hrsg.): Dissidente Kommunisten. Das Sowjetische Modell und seine Kritiker, 264 S., Metropolis, Berlin 2018.
Binger, Lothar: 68 – selbstorganisiert und antiautoritär. Die Jahre 1967–1978, 464 S., Selbstverlag, Kleinmachnow 2018.
Brym, Max: Mao in der bayerischen Provinz, 238 S., SWB Media Entertainment, Waiblingen 2019.
Jasper, Willi: Der gläserne Sarg. Erinnerungen an 1968 und die deutsche „Kulturrevolution“, 255 S., Matthes & Seitz, Berlin 2018.
Kasper, Sebastian: Spontis. Eine Geschichte antiautoritärer Linker im roten Jahrzehnt, 253 S., edition assemblage. Münster 2019.
Meindl, Matthias: Reiner Aktivismus? Politisierung von Literatur und Kunst im postsowjetischen Russland (Das östliche Europa: Kunst- und Kulturgeschichte; Bd. 6), 656 S., Böhlau, Köln 2018.
Kuz’min, Vasilij: Komsomol imeni Letova. Chronika soprotivlenija pod flaom AKM, 294 S., Common place, Moskau 2018.
Sandalov, Felix: Formejšn. Istorija odnoj tusovki, 568 S., Common place, Moskau 2016.
Žvanija, Dmitrij: Put’ chunvéjbina. Chroniki poslednej russkoj revoljuzii, 639 S., Amfora, Sankt Petersburg 2006.
Notes
- Biografien, wie die von Ernesto „Che“ Guevara, der als bereits siegreicher Revolutionär bei einem erfolglosen Versuch, eine weitere Revolution zu initiieren, umkam, dürften eher seltene Ausnahmen bilden. ⮭
- Vgl: Roloff, Ernst-August: Exkommunisten. Abtrünnige des Weltkommunismus. Ihr Leben und ihr Bruch mit der Partei in Selbstdarstellungen, Hase & Koehler, Mainz 1969; Kuhn, Hermann: Bruch mit dem Kommunismus. Über autobiographische Schriften von Ex-Kommunisten im geteilten Deutschland. Westfälisches Dampfboot, Münster 1990; Rohrwasser, Michael: Der Stalinismus und die Renegaten: die Literatur der Exkommunisten, Metzler, Stuttgart 1991. ⮭
- Dafür einige Aussteigerbiografien, vgl.: Reckert, Wilfried: Kommunismus-Erfahrung. Zwanzig Jahre als DKP-Funktionär. Analytische Reflexionen, LIT Verlag, Münster 2006; Schnibben, Cordt/Hannover, Irmela: I can’t get no: Ein paar 68er treffen sich wieder und rechnen ab, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2007; Schütt, Peter: Von Basbeck am Moor über Moskau nach Mekka – Stationen einer Lebensreise, MUT-Verlag, Asendorf 2009. ⮭
- Steffen, Michael: Geschichten vom Trüffelschwein. Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971 bis 1991, Assoziation A, Berlin 2002; Kühn, Andreas: Stalins Enkel, Maos Söhne. Die Lebenswelt der K‑Gruppen in der Bundesrepublik der 70er Jahre, Campus, Frankfurt a. M. u. a. 2005; Gehrig, Sebastian/Mittler, Barbara/Wemheuer, Felix (Hrsg.): Kulturrevolution als Vorbild? Maoismen im deutschsprachigen Raum, Peter Lang Verlag, Frankfurt a. M. 2008; Kritidis, Gregor: Linkssozialistische Opposition in der Ära Adenauer. Ein Beitrag zur Frühgeschichte der Bundesrepublik, Offizin Verlag, Hannover 2008; Jünke, Christoph (Hrsg.): Linkssozialismus in Deutschland. Jenseits von Sozialdemokratie und Kommunismus?, VSA, Hamburg 2010; Benicke, Jens: Von Adorno zu Mao: über die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung, ça ira Verlag, Freiburg im Breisgau 2010; Kazakov, Evgenij [Kasakow, Ewgeniy]: Maoistskie i chodžistskie organizacii v FRG [Maoistische und hodschistische Organisationen in der BRD], in: Neprkosnovennyj zapas 2010(69), Heft 1, S. 160–170; Enzensberger, Ulrich: Die Jahre der Kommune I. Berlin 1967–1969, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004; Reimann, Aribert: Dieter Kunzelmann. Avantgardist, Protestler, Radikaler (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 188), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009; Dietze, Sascha: Die Ideologie der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) (Chemnitzer Beiträge zur Politik und Geschichte, Bd. 6), Lit, Berlin u. a. 2010; Stengl, Anton: Zur Geschichte der K‑Gruppen. Marxisten-Leninisten in der BRD der Siebziger Jahre, Zambon, Frankfurt a. M. 2011. ⮭
- Kufferath, Philipp: Peter von Oertzen 1924–2008. Eine politische und intellektuelle Biografie (Veröffentlichungen des Zeitgeschichtlichen Arbeitskreises Niedersachsen, Bd. 33), Wallstein, Göttingen 2017. ⮭
- Andresen, Knud/Keßler, Mario/Schildt, Axel (Hrsg.): Dissidente Kommunisten. Das Sowjetische Modell und seine Kritiker, Metropol Verlag, Berlin 2018. ⮭
- Vgl.: Kenny, Michael: The First New Left. British Intellectuals after Stalin, Lawrence & Wishart, London 1995; Christofferson, Michael Scott: French Intellectuals Against the Left: The Antitotalitarian Moment of the 1970s (Berghahn Monographs in French Studies, Bd. 2), Berghahn, New York/NY 2004; Canfora, Luciano: Zeitenwende 1956. Entstalinisierung, Suez-Krise, Ungarn-Aufstand (Neue Kleine Bibliothek, Bd. 176), Papyrossa Verlag, Köln 2012. ⮭
- Kroll, Thomas: Intellektuelle Kritik und politischer Glaube im westeuropäischen Kommunismus, in: Andresen: Kommunisten (wie Anm. 6), S. 34–62, hier S. 48. ⮭
- Dörr, Nikolas: Antonio Giolitti – Kommunismuskritik zwischen Togliatti und Craxi, in: Andresen: Kommunisten (wie Anm. 6), S. 63–76, hier: S. 71. ⮭
- Tosstroff, Reiner: Jorge Semprún, Fernando Claudín und die Opposition in der spanischen KP zu Beginn der 1960er Jahre. Ein vorzeitiger Eurokommunismus?, in: Andresen: Kommunisten (wie Anm. 6), S. 180–208, hier: S. 203. ⮭
- Tosstroff: Semprún (wie Anm. 10), S. 206. ⮭
- Keßler, Mario: Ketzer, Renegaten oder Grenzgänger des Kommunismus?. Ruth Fischer und Isaac Deutscher, in: Andresen: Kommunisten (wie Anm. 6), S. 135–152. Zum Wirken der Renegaten als „Enttarner“ siehe: Arendt, Hannah: Gestern waren sie noch Kommunisten, in: Aufbau, 31. Juli 1953, Nr. 31, S. 19. ⮭
- Keßler: Ketzer (wie Anm. 12), S. 145. ⮭
- Götze, Susanne: Henri Lefebvre – Erneuerer der Sozialismus-Konzeption und Vordenker der Neuen Linken in Frankreich, in: Andresen: Kommunisten (wie Anm. 6), S. 77–152; Jünke, Christoph: Die Geburt des Sozialistischen Humanismus aus dem Geiste des Antistalinismus: E. P. Thompson und Leo Kofler, in: Andresen: Kommunisten (wie Anm. 6), S. 153–169. ⮭
- Andresen, Knud: „Utopie als Brennstoff der Lokomotive“. Heinz Brandt zwischen alter und Neuer Linke, in: Andresen: Kommunisten (wie Anm. 6), S. 170–189. ⮭
- Dalberg, Dirk Mathias: Die tschechische „Bewegung der revolutionären Jugend“. Ihre Kritik, ihr Programm und ihre ideologischen Verbindungen mit der westlichen Studentenbewegung, in: Andresen: Kommunisten (wie Anm. 6), S. 228–262. ⮭
- Vgl.: Kasakow, Ewgeniy: Dissens und Untergrund. Das Wiederaufkommen der linken oppositionellen Gruppen in der späten Brežnev-Zeit, in: Belge, Boris/Deuerlein, Martin (Hrsg.): Goldenes Zeitalter der Stagnation?. Perspektiven auf die sowjetische Ordnung der Brežnev-Ära (Bedrohte Ordnungen, Bd. 2), Mohr Siebeck, Tübingen 2014, S. 75–95; Ders.: Thesen zum „Globalen 1968“ in der Sowjetunion, in: Detlef Siegfried/David Templin (Hrsg.): Lebensreform um 1900 und Alternativmilieu um 1980. Kontinuitäten und Brüche in Milieus der gesellschaftlichen Selbstreflexion im frühen und späten 20. Jahrhundert (Jugendbewegung und Jugendkulturen: Jahrbuch, Band 15), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 335–340. ⮭
- Koenen, Gerd: Das Rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967–1977, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001. ⮭
- Kätzel, Ute: Die 68erinnen. Porträt einer rebellischen Frauengeneration, Rowohlt, Berlin 2002; Busche, Jürgen: Die 68er. Die Biographie einer Generation, Berlin-Verlag, Berlin 2003; Hinck, Gunnar: Wir waren wie Maschinen. Die bundesdeutsche Linke der siebziger Jahre, Rotbuch Verlag, Berlin 2012; Wetterau, Karin: 68. Täterkinder und Rebellen. Familienroman einer Revolte, Aisthesis Verlag, Bielefeld 2016; Bude, Heinz: Adorno für Ruinenkinder. Eine Geschichte von 1968, Hanser, München 2018; Koch, Claus: 1968. Drei Generationen – eine Geschichte, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2018. ⮭
- Felsch, Philip: Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960–1990, Fischer, Frankfurt a. M. 2015. ⮭
- Sonnenberg, Uwe: Von Marx zum Maulwurf. Linker Buchhandel in Westdeutschland in den 1970er Jahren, Wallstein, Göttingen 2016. ⮭
- Seitenbecher, Manuel: Mahler, Maschke & Co. Rechtes Denken in der 68er-Bewegung?, Ferdinand Schöningh, Paderborn 2013. ⮭
- Brym, Max: Mao in der bayerischen Provinz, SWB Media Entertainment, Waiblingen 2019. ⮭
- Jasper, Willi: Der gläserne Sarg. Erinnerungen an 1968 und die deutsche „Kulturrevolution“, Matthes & Seitz, Berlin 2018. ⮭
- Vgl. dazu die Milieu-Schilderungen in Rutschky, Michael: Erfahrungshunger. Ein Essay über die siebziger Jahre, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1980. ⮭
- Dabei zählte die KPD/AO viele Führungsköpfe des SDS, aber auch zukünftige namhafte Intellektuelle zu ihren Mitgliedern. Vgl. dazu zum Beispiel Lethen, Helmut: Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug. Erinnerungen, Rowohlt, Berlin 2020. ⮭
- Kasper, Sebastian: Spontis. Eine Geschichte antiautoritärer Linker im roten Jahrzehnt, edition assemblage, Münster 2019. ⮭
- Zur Alternativbewegung siehe: Reichardt, Sven: Authentizität und Gemeinschaft. Linksalternatives Leben in den siebziger und frühen achtziger Jahren, Suhrkamp, Berlin 2014. ⮭
- Vgl: Negri, Antonio/Hardt, Michael: Empire, Harvard UP, Cambridge/MA 2001; Birkner, Martin/Foltin, Robert: (Post‑)Operaismus. Von der Arbeiterautonomie zur Multitude, Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2006. ⮭
- Binger, Lothar: 68. selbstorganisiert und antiautoritär. Die Jahre 1967–1978, Selbstverlag, Kleinmachnow 2018. ⮭
- Als Beispiel der Kritik an der politischen Romantik der Szene siehe: Horx, Matthias/Sellner, Albert/Stephan, Cora (Hrsg.): Infrarot. Wider die Utopie des totalen Lebens, Rotbuch, West-Berlin 1983. ⮭
- Žvanija, Dmitrij: Put’ chunvéjbina. Chroniki poslednej russkoj revoljuzii, Amfora, St. Peterburg 2006. ⮭
- Sandalov, Felix: Formejšn. Istorija odnoj tusovki, Common place, Moskau 2016. ⮭
- Meindl, Matthias: Reiner Aktivismus?. Politisierung von Literatur und Kunst im postsowjetischen Russland (Das östliche Europa: Kunst- und Kulturgeschichte, Bd. 6), Böhlau, Köln 2017, S. 35. ⮭
- Von Letzterem liegt inzwischen auf Deutsch vor: Medwedew, Kirill: Antifaschismus für alle. Essays, Gedichte, Manifeste, Matthes & Seitz, Berlin 2020. ⮭
- Obraz žizni: Lifestyle, Common place, Moskau 2014. ⮭
- Kuz’min, Vasilij: Komsomol imeni Letova. Chronika soprotivlenija pod flaom AKM, Common place, Moskau 2018. ⮭