Die durch einen spekulativ aufgeblähten Immobilienmarkt ausgelöste Krise 2007/08 hat globale und europäische Verwerfungen immensen Ausmaßes hervorgerufen.1 Der weitgehende Zusammenbruch der Wirtschaft und der sozialen Infrastruktur in einigen Ländern, die Verarmung weiter Teile der Bevölkerung in süd(ost‑)europäischen Staaten, der massive Anstieg der Arbeitslosigkeit und die damit einhergehende Perspektivlosigkeit der jüngeren Generation sind noch immer nicht gänzlich überwunden.2
Diese erste globale Wirtschaftskrise des neuen Jahrtausends erforderte nicht nur vielfältige (wirtschafts-)politische Reaktionen, sondern veränderte auch die gesellschaftliche Debatte. Nicht selten wurden Vergleiche zur Weltwirtschaftskrise 1929 gezogen – mit sehr divergierenden Einschätzungen.3 Außerdem wird die wachsende soziale Ungleichheit in vielen westlichen Industrieländern seitdem ebenso verstärkt diskutiert wie die Diskrepanz zum Globalen Süden und die weltweiten Auswirkungen der kapitalistischen Produktionsweise.4 Die Massivität der Krise rüttelte in mehrfacher Hinsicht an den Grundfesten des Systems. Besonders der seit dem Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten verbreitete Glaube an die Überlegenheit und die Alternativlosigkeit des Kapitalismus war erschüttert und wurde wissenschaftlich auf den Prüfstand gestellt.
Der Erfolg von Thomas Pikettys umfangreicher Studie „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ steht in engem Zusammenhang mit diesen (diskursiven) Verschiebungen.5 Das in zahlreiche Sprachen übersetzte Buch verkaufte sich mehr als eine Million Mal.
Piketty argumentiert, dass Ungleichheit kein zufälliges Beiwerk, sondern ein Wesensmerkmal kapitalistischer Gesellschaften sei. Der Zeitraum zwischen der Weltwirtschaftskrise von 1929 und dem Ende des Nachkriegsaufschwungs Mitte der 1970er Jahre markiere eine Ausnahme. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg habe eine staatsinterventionistische Wirtschafts- und Steuerpolitik den gesellschaftlichen Reichtum zum Nutzen der Bevölkerungsmehrheit umverteilt. Ein starker Anstieg der Löhne habe darüber hinaus erstmals die Mehrheit der Arbeitnehmer an der Konsumgesellschaft teilhaben lassen. Diese Entwicklung sei seitdem durch eine Politik der Privatisierung und Deregulierung sukzessive umgekehrt worden. Die gesellschaftliche Ungleichheit sei merklich angestiegen. Durch den wachsenden Einfluss vererbten Reichtums und großer Geldvermögen habe sich eine Form des „patrimonial capitalism“ entwickelt.6
Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften und Kolumnist der New York Times, Paul Krugman, bezeichnete Pikettys Studie als wichtigstes Buch des Jahres, wenn nicht sogar des Jahrzehnts.7 Der Autor habe einen unschätzbaren Beitrag zur öffentlichen Debatte geleistet. Diese Diskussion im akademischen Kontext blieb keineswegs auf die Wirtschaftswissenschaften begrenzt. Auch die Geschichtswissenschaft wandte sich wieder vermehrt diesen Themen zu.8 Angeregt durch die zeitgenössische Krise des kapitalistischen Systems mit ihren mannigfaltigen Auswirkungen rückt seine Entwicklung wieder in den Fokus der Historiografie.
Nachdem sich die historische Sozialwissenschaft und die Arbeiterbewegungsgeschichte seit den 1980er Jahren auf dem Rückzug befunden haben, erleben sie seit einigen Jahren eine Renaissance.9 Besonders die Genese der kapitalistischen Gesellschaftsformation, die Geschichte der Arbeit(-swelt), aber auch der Gewerkschaften erfreuen sich einer erneuten wissenschaftlichen Aufmerksamkeit.10 Einen Meilenstein markiert in dieser Hinsicht die von Lutz Raphael und Anselm Doering-Manteuffel angestoßene Debatte über das Ende des ‚Booms‘ und den Charakter der 1970er Jahre.11 Die Thesen der beiden Autoren haben viel Zustimmung wie Widerspruch hervorgerufen. Diese intellektuell anspruchsvolle Kontroverse würde eine eigenständige Behandlung verdienen und wird hier deshalb nur kursorisch gestreift.
Die beschriebene Tendenz in der Geschichtswissenschaft schlägt sich mittlerweile nicht mehr nur in vereinzelten Projekten, sondern auch institutionell nieder. Hierbei ist das Internationale Geisteswissenschaftliche Kolleg „re:work. Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive“ an der Humboldt-Universität zu nennen.12 Ebenfalls in Berlin wurde jüngst das Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit gegründet.13 An der Justus-Liebig-Universität Gießen forscht seit 2016 die Arbeitsgruppe „Geschichte und Theorie des globalen Kapitalismus“ unter der Leitung von Friedrich Lenger.14 Außerdem finanziert die Hans-Böckler-Stiftung seit 2017 das Graduiertenkolleg „Soziale Folgen des Wandels der Arbeitswelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, das am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, am Institut für soziale Bewegungen in Bochum und dem Institut für Zeitgeschichte in München angesiedelt ist.15 Nicht zuletzt aus diesen institutionellen Zusammenhängen sind in den letzten Jahren zahlreiche Studien zu den genannten Themenkomplexen erschienen. Einige sollen an dieser Stelle diskutiert werden.
Die vorgestellten Publikationen lassen sich in drei Bereiche einteilen, die auch den vorliegenden Aufsatz gliedern:
Die Geschichte des Kapitalismus
Die Geschichte der Arbeit(-swelt)
Die Geschichte der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften
Nach jedem Bereich wird ein kurzes Fazit gezogen, um am Ende die Tendenzen der Forschung zu synthetisieren.
Geschichte des Kapitalismus
Der Terminus Kapitalismus galt lange Zeit als eindeutig politisch konnotiert. Meist benutzten ihn marxistische Wissenschaftler. Mit dem Ende der Systemkonfrontation wurde der Begriff seines politischen Korsetts entkleidet und kann wieder primär als analytische Kategorie verwendet werden. Sein stark variierender Gebrauch zeigt sich in der gegenwärtigen geschichtswissenschaftlichen Auseinandersetzung.
Damit ist zugleich ein Problem in der Beschäftigung mit der Geschichte des Kapitalismus benannt. Ihr mangelt es an einer allgemein anerkannten Definition und an einem Konsens über die grundlegenden Strukturmerkmale des Kapitalismus. Diese Schwierigkeit resultiert auch daraus, dass abstrakt theoretische Bestimmungen, etwa aus marxistischer Perspektive über das Privateigentum an Produktionsmitteln, der vielfältigen Wirklichkeit nicht völlig gerecht werden (können). Auf der anderen Seiten bergen empirische Fallstudien die Tendenz in sich, allgemeinere Annahmen generell zu umschiffen. Die Debatte wird diese beiden Ebenen zukünftig sicherlich besser vermitteln. Hierfür dürfte der transdisziplinäre Austausch von herausragender Bedeutung sein.
Bei aller Unterschiedlichkeit der theoretischen Bezugspunkte und der empirischen Untersuchungsgegenstände unterminieren die hier besprochenen Publikationen gängige Annahmen über die Normalität im Kapitalismus. Mittels der geschichtlich-vergleichenden Sicht rückt vielmehr der Ausnahmecharakter des Nachkriegsaufschwungs in den westlichen Industriestaaten deutlich in den Fokus. Viele sich in jüngster Zeit ausbreitende Phänomene – Stichwort Prekarität – erscheinen somit eher als Rückkehr zum kapitalistischen Normalzustand. Einen konzisen Überblick über die Genese der modernen Wirtschaftsordnung liefert Christian Kleinschmidt in „Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit. Die Weltwirtschaft 1500–1850“.16
Die Langzeitperspektive ermöglicht es, die Herausbildung des modernen Industriekapitalismus in Europa nachzuvollziehen. Dieses Anliegen ist umso dringlicher, als Asien über Jahrhunderte wirtschaftlich weltweit führend war. Indien und China waren mit großem Abstand die bevölkerungsreichsten Staaten und ihre Wirtschaft war produktiver als die Europas. Darüber hinaus hatten vor allem muslimische Händler den Warenaustausch innerhalb Asiens befördert. Der europäische Kontinent hingegen spielte in globaler Hinsicht eine vernachlässigbare Rolle.
Im Zentrum des Buches steht die Frage, warum sich ab dem 16. Jahrhundert ein tiefgreifender Wandel hin zu einer absoluten Dominanz Europas vollzog. Die kontroverse Debatte um Kenneth Pomeranz’ These der „großen Divergenz“ bildet dabei die Hintergrundmusik.17
Der Autor möchte weniger zu einer Geschichte des globalen Kapitalismus beitragen, als vielmehr das „Zusammenwachsen unterschiedlicher Wirtschaftsräume zu einer Weltwirtschaft“ untersuchen (S. 8). Die seiner Ansicht nach zentralen Faktoren strukturieren den Aufbau: 1. „Bevölkerungsentwicklung“; 2. „Ideen und Weltanschauungen“; 3. „Der Austausch von Technik und Wissen“; 4. „Politik und Gewalt“ sowie 5. „Die Rolle von Institutionen“.
Zunächst hatten Portugal und Spanien die Rolle der Protagonisten bei der sich anbahnenden Veränderung inne. Der Gewürzhandel mit Asien und besonders der Gold- und Silberzustrom aus Amerika erwiesen sich als entscheidend. Die transatlantische Expansion und die gewaltvolle Aneignung von Arbeit und fremdem Boden stellten folglich die Prämissen für den Aufstieg der europäischen Handelsmächte dar. Zusammen mit einer beginnenden Protoindustrialisierung in einigen europäischen Regionen im 15. und 16. Jahrhundert bildete sich eine internationale Arbeitsteilung heraus, die vereinfacht als transatlantischer Dreieckshandel bezeichnet wird. Der Aufstieg der Niederlande, Frankreichs und besonders Englands ab dem 17. Jahrhundert konsolidierte die europäische Vorherrschaft für Jahrhunderte. Ein wichtiger Grund für die sich entwickelnde „Great Divergence“ sei, so Kleinschmidt, die zunehmende interkontinentale Integration der Märkte. Letztlich habe vor allem ein „geografischer Zufall“ (S. 46) – große Steinkohlevorkommen – den Durchbruch Großbritanniens als Weltmacht bedingt. Ihre Nutzung und die mit ihr verbundenen Entwicklungen hätten das Land in immenser Geschwindigkeit vorangebracht.
Die Industrialisierung beendete außerdem das Zeitalter der „malthusianischen Wirtschaft“ mit stagnierendem Pro-Kopf-Einkommen und einer weitgehend konstanten Bevölkerungszahl.
Der sich im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelnde soziale wie wirtschaftliche Liberalismus bildete den intellektuellen Unterbau des technischen Fortschritts. Dessen Genese sei aber nicht linear, sondern voller Umwege verlaufen. Die zunehmend institutionalisierte Wissensproduktion habe die Grundlage für naturwissenschaftliche Erfindungen geliefert. Dadurch habe sich die technische und militärische Überlegenheit Europas konsolidiert, „die auf dem Zusammenspiel von Gewalt und Geist beruhte“ (S. 90).
Kleinschmidt liefert einen knappen Überblick über die Auflösung des lange bestehenden polyzentrischen Äquilibriums und die Herausbildung der weltwirtschaftlichen Dominanz Europas seit dem 16. Jahrhundert. Diese „Proto-Globalisierung“ markiert die Voraussetzung für die Entstehung der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Kleinschmidt unterstreicht außerdem deren oftmals ausgeblendete jahrhundertelange Gewaltstruktur.
Einen stärker theoretischen Zugriff wählt Friedrich Lengers „Globalen Kapitalismus denken“.18 Im ersten Band der „Studien zu Geschichte und Theorie des Kapitalismus“ der gleichnamigen Gießener Arbeitsgruppe diskutiert er, wie der Kapitalismus unter globalgeschichtlicher Perspektive konzeptionalisiert werden könne. Es werde auch wieder über seine Überwindung und alternative Formen der Vergesellschaftung nachgedacht, wie Lenger im Forschungsbericht – dem ersten Teil des Buches – darlegt. Er kritisiert die 2014 erschienene, zweibändige „Cambridge History of Capitalism“.19 Sie biete eine Vielzahl nicht systematisch vermittelnder Einzelstudien, denen kein konsistenter Kapitalismusbegriff zugrunde liege. Damit erfasse das Handbuch die historische Entwicklungsdynamik nicht. In einem nächsten Schritt behandelt Lenger Immanuel Wallersteins Weltsystemtheorie, die neuere Debatte über den Zusammenhang von Sklaverei und Kapitalismus sowie die Theorien zu dessen unterschiedlichen Ausprägungen.20 Der Autor warnt davor, moralisierend an die Zeitdiagnosen der 1970er Jahre anzuknüpfen. Eine kritische Geschichtsschreibung müsse die historische Genese in all ihrer Ambivalenz reflektieren. Im zweiten Teil wirft Lenger einen neuen Blick auf Adam Smith. Die schottische Moralphilosophie bilde die Grundlage seines Denkens. Keineswegs habe Smith naiv an den Markt geglaubt und für eine stetige Expansion des Außenhandels plädiert. Stattdessen habe er dem Binnenmarkt eine höhere Relevanz beigemessen als gemeinhin angenommen.
Im dritten Teil zeichnet Lenger die noch wenig erforschte Zeitschrift „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ als Ausdruck einer im späten 19. Jahrhundert entstehenden deutschen Sozialwissenschaft nach.21 Als Nachfolgeprojekt des von Heinrich Braun begründeten „Archivs für soziale Gesetzgebung und Statistik“ wurde die Zeitschrift ab 1904 von Max Weber, Werner Sombart und Edgar Jaffé herausgegeben. Sie habe sich zu einem der einflussreichsten sozialwissenschaftlichen Periodika entwickelt. Ihr Anspruch bildete nicht weniger als die Erkenntnis der allgemeinen Kulturbedeutung der kapitalistischen Entwicklung.
Dort erschienen nicht nur zum ersten Mal nahezu alle religionssoziologischen Aufsätze Max Webers, sondern auch Vorabdrucke der Werke Werner Sombarts und Walter Troeltschs. Ferner zählten Karl Mannheim, Nikolai Kondratieff, Joseph Schumpeter, Hans Kelsen und Carl Schmitt zu den Autoren. Lenger zeichnet die Entwicklung der Zeitschrift anhand wichtiger Aufsätze und Debatten bis zu ihrer Einstellung 1934 nach. Für die heutige Problemkonstellation – das Verhältnis von Demokratie, Globalisierung und Kapitalismus – sei es erkenntnisreich, sich dieser Tradition zu vergewissern.
Lenger präsentiert eine anregende Abhandlung über die aktuelle Forschungsdiskussion zu Kapitalismus mit zwei Einzelstudien. Über die Schwerpunktsetzung lässt sich sicherlich streiten. So kritisiert Roman Köster in seiner Besprechung die ausführliche Behandlung von Wallersteins Weltsystemtheorie, wohingegen neuere Forschungen eher nebenbei abgehandelt würden.22 Dessen ungeachtet bietet der Beitrag über das „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ zahlreiche Einsichten. Die Bedeutung der Zeitschrift arbeitet der Verfasser überzeugend heraus und zeigt Anknüpfungspunkte für die heutige Diskussion auf.
Leider erschließt sich der Zusammenhang zwischen den einzelnen Teilen beim Lesen nicht unmittelbar. Ein systematisierendes Nachwort hätte dieser Unklarheit leicht Abhilfe schaffen und zugleich die Agenda der Schriftenreihe erläutern können. Nichtsdestotrotz dürfen die weiteren in ihrem Rahmen erscheinenden Studien mit großem Interesse erwartet werden.
Die Bedeutung der Sklaverei für die Genese des Kapitalismus beleuchtet der von Sven Beckert und Seth Rockman herausgegebene Sammelband „Slavery’s Capitalism. A New History of American Economic Development“.23 Lange Zeit wurden Kapitalismus und Sklaverei als Gegensätze betrachtet – gerade auch in einer marxistischen Lesart.24 Obwohl die Forschung bereits herausgearbeitet hat, dass die Vereinigten Staaten zwischen ihrer Gründung 1776 und dem Bürgerkrieg 1861–65 eine „slaveholder republic“ waren, wird die ökonomische Bedeutung der Sklaverei erst seit Kurzem erforscht. Die Herausgeber verstehen die Vereinigen Staaten von Amerika als „slavery’s capitalism“ (S. 1). Diese These veranschaulichen die versammelten Beiträge. Der erste Teil „Plantation Technologies“ fokussiert gewissermaßen das alltägliche Zentrum der Sklaverei. Edward Baptist zeigt, wie durch brutale Methoden die Produktion auf den Plantagen gesteigert wurde (S. 31–61). Diese disziplinierenden Technologien seien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert immer weiter verfeinert worden. Daran anschließend diskutiert Caitlin Rosenthal die Anwendung moderner Management-Methoden (S. 62–86). Die völlige Verfügbarkeit über die Sklaven ermöglichte es, Verfahren der Buchhaltung und des Rechnungswesens zu testen, die erst später in andere Bereiche Einzug erhielten.
Im abschließenden Beitrag illustriert Daniel Rood am Beispiel des Getreidehandels zwischen Virginia und Brasilien den transnationalen Ursprung des amerikanischen Getreideanbaus, der nicht wie oft angenommen im Mittleren Westen, sondern auf den Plantagen in den Südstaaten liege (S. 87–104).
Der nächste Abschnitt „Slavery and Finance“ behandelt die finanzielle Grundlage des Plantagensystems. Erörtert werden beispielsweise das oftmals auf lokalen Beziehungen basierende Kreditsystem und die integrale Rolle der Sklaverei im nordatlantischen Handel aus Baumwolle, Kapital und der verarbeitenden Textilindustrie. Die Beiträge des dritten Teils „Networks of Interest and the North“ legen dar, dass auch die sklavenfreien Nordstaaten auf vielfältige Weise in das unmenschliche System integriert waren.
Der letzte Abschnitt „National Institutions and Natural Boundaries“ arbeitet heraus, wie staatliche Institutionen die Sklaverei ideologisch legitimierten. Die Rechtfertigungen speisten sich aus juristischen Diskussionen über das Eigentumsrecht oder der Behauptung, die Sklaverei sei notwendig für den wirtschaftlichen Fortschritt.
Der Sammelband hebt die große Bedeutung der Sklaverei für die Genese der modernen Industriegesellschaft in den Vereinigen Staaten von Amerika hervor. Eine klare Grenzziehung zwischen den kapitalistischen Nordstaaten und den sklavenhaltenden Südstaaten bestand nicht. Vielmehr waren die wirtschaftlichen Systeme enger miteinander verbunden als gemeinhin angenommen. Die Beiträge legen die ausgeblendete Basis für die rasante ökonomische Entwicklung der Vereinigten Staaten offen: die Sklaverei. Die Erforschung dieses Zusammenhangs steht erst am Anfang, aber den Herausgebern ist zuzustimmen: „This book marks a beginning“ (S. 27).
Damit diese Diskussion nicht auf Nordamerika beschränkt bleibt, wäre es aus europäischer Perspektive begrüßenswert, wenn die transkontinentalen Verschränkungen zum Gegenstand der Forschung gemacht werden würden. Außerdem dürften komparative Studien zu unfreier Arbeit in Europa und dem System der Sklaverei neue Erkenntnisse versprechen. Auch wenn kein mit den amerikanischen Südstaaten vergleichbares Plantagensystem in Europa existierte, lassen sich doch auch auf dem Kontinent diverse Formen unfreier Arbeit finden. Diese Debatte sollte zugleich an die Erkenntnisse über das Fortleben modifizierter Sklaverei ähnlicher Bedingungen in den traditionellen Sklavengesellschaften anschließen.25
Einen völlig anderen Zusammenhang thematisiert der von Hartmut Berghoff und Adam Rome edierte Sammelband „Green Capitalism? Business and the Environment in the Twentieth Century“.26 Die Herausgeber verbinden eine umwelt- mit einer wirtschaftsgeschichtlichen Perspektive. Die drei Beiträge des ersten Teils „The Big Picture“ widmen sich den grundlegenden Fragen des Forschungsfeldes. Adam Rome appelliert an die Umwelthistoriker, sich intensiver mit den zahlreichen Anstrengungen von Unternehmen auseinanderzusetzen, das Wirtschaften ökologischer zu gestalten (S. 3–12). Von Kritikern würden diese Initiativen fälschlicherweise als „greenwashing“ (S. 12) abgetan. Umwelthistoriker sollten ihre bisherige Komfortzone verlassen und zur aktuellen Diskussion über die Zukunft des Kapitalismus produktiv beitragen.
Berghoff arbeitet heraus, dass Unternehmen auf sehr unterschiedliche Weise ökologisch produzieren (S. 13–32). „Grün“ sei nicht einfach „Grün“, sondern weise unzählige Schattierungen auf. Auch wenn die Wirtschaft sich aus Profitinteressen heraus der ökologischen Frage zuwende, sei ihre Rolle zentral, um Umweltprobleme in den Griff zu bekommen. Eine historische Perspektive helfe zu verstehen, was Unternehmen letztlich dazu antreibe. Deshalb fordert Berghoff eine „critical eco-cultural business history“ (S. 32).
In „Conservation before Environmentalism“ werfen die Aufsätze den Blick auf unternehmerische Anstrengungen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, um Luftverschmutzung, Ressourcenverschwendung in den amerikanischen Südstaaten und die Auswirkungen der Elektrifizierung auf die Umwelt zu regulieren.
Die folgenden Beiträge behandeln interessante Paradoxien. David Kinkela beschreibt die Erfindung des plastic six-pack-rings (S. 115–131). 1959 patentiert von Ougljesa Jules Poupitch, galt er seinerzeit als geniale Lösung für den Transport. Da er Verpackung einsparte, wirkte er zunächst umweltfreundlich. Heutzutage sind diese kaum verrottenden Plastikringe zu einem schwierig zu bewältigenden ökologischen Problem geworden.
Leif Fredrickson zeichnet die Entwicklung des Ford Ecostar nach, eines Anfang der 1990er Jahre getesteten Elektrofahrzeugs mit Natrium-Schwefel-Akkumulator („Sodium-Sulfur-Battery“) (S. 132–146). Letztlich setzte sich diese Innovation nicht durch. Das Beispiel belege dennoch, dass Unternehmen investieren, um einen technischen und informationellen Vorsprung zu konsolidieren. Die entfaltete Dynamik belege das „potential of green capitalism“ (S. 145).
Die Beiträge des abschließenden Teils „Going green“ diskutieren empirische Befunde aus unterschiedlichen Bereichen von schwedischen Bergbauunternehmen über Windenergie bis zu Energieeinsparungskampagnen. Außerdem diskutiert Roman Köster, wie private Firmen frühzeitig aus Profitmotiven heraus Lösungen für die ansteigenden Müllberge in (West‑)Deutschland entwickelten (S. 172–186). In Kombination mit gesetzlichen Regulierungen und Vorgaben entstand daraus die moderne Recyclinginfrastruktur. Der Staat habe einen neuen Markt geschaffen, auf dem private Firmen konkurrierten und letztlich zum Umweltschutz beitrugen.
Der Sammelband liefert viele Anstöße für die Debatte über Kapitalismus, Unternehmen und die ökologische Frage. Die Rolle von Firmen wird als komplexer beschrieben als in einseitigen unternehmens- und wirtschaftskritischen Deutungen. Schon seit dem späten 19. Jahrhundert hätten Unternehmen aus systemimmanenten Motiven oftmals eine führende Rolle bei Umweltschutzmaßnahmen eingenommen.
Sicherlich war und ist das unternehmerische Agieren vielschichtiger und ambivalenter, als es aus strikt ökologischer Perspektive auf den ersten Blick erscheinen mag. Somit betont der Sammelband einen äußerst wichtigen Aspekt, weist aber dennoch selbst eine gewisse Einseitigkeit auf. So wichtig die Rolle von Unternehmen beim Umweltschutz im Einzelnen gewesen sein mag, so verursachten doch private Firmen zugleich die größten Umweltkatastrophen, vertuschten ihr umweltschädliches Verhalten und sabotieren bis heute strengere Regulierungen. Beispielsweise ist das Verhalten der deutschen Autoindustrie in der Abgasaffäre an Chuzpe nur schwer zu überbieten.27 Diese beiden Seiten zu diskutieren, wäre ein lohnenswertes Unterfangen. Nichtsdestotrotz weist der Sammelband gerade vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung in den Vereinigten Staaten über einen „Green New Deal“ eine hohe Aktualität auf und verleiht den tagespolitischen Debatten eine historische Tiefenschärfe.28
Weil sich über das Wirtschaftssystem nicht diskutieren lässt, ohne die Rolle und den Charakter von (Lohn‑)Arbeit zu bestimmen, griff die Zeitschrift Geschichte und Gesellschaft das Thema „Arbeit und Kapitalismus“ auf.29 Der Schwerpunkt sucht die Relation zwischen national- und globalhistorischen Zugriffen in der Arbeitergeschichte auszuloten, wie es Jürgen Kocka und Jürgen Schmidt im Vorwort formulieren (S. 181–196). Die Überschneidungen, Reibungspunkte und Differenzen werden anhand von mehreren Themenblöcken ausgeleuchtet, genauer mit den Konzepten der Lohnarbeit und der Arbeiterklasse sowie mit den Perspektiven der Arbeiterbewegungsgeschichte in ihrer globalen Erweiterung.
Im ersten Beitrag diskutiert Thomas Welskopp den Stellenwert von freier Arbeit im Kapitalismus (S. 197–216). Der freien Arbeit sei sowohl in der Theorie von Karl Marx als auch von Max Weber eine zentrale Rolle zugekommen. Während für Marx aber der „doppelt freie Lohnarbeiter“ eine systemlogische Notwendigkeit einer kapitalistischen Gesellschaft darstelle, spreche Weber den verschiedentlich motivierten, individuellen Bestrebungen, seine Arbeitskraft einzusetzen, eine wichtige Bedeutung zu. Historisch habe sich das auf dem Verkauf freier Arbeit basierende Vertragsverhältnis erst langsam durchgesetzt. Dabei hätten sich nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Unternehmer in Nordamerika und Westeuropa diesem Prozess widersetzt. Somit bestanden (und bestehen), wie Welskopp ausführt, auch nach der globalen Durchsetzung des Kapitalismus zahlreiche Formen erzwungener Arbeit. In ihrem Aufsatz „Temporary Service?“ über Hausangestellte spannt Elise van Nederveen Meerkerk einen zeitlich wie geografisch weiten Bogen (S. 217–239). Bis ins frühe 20. Jahrhundert habe diese Tätigkeit für viele junge (meist weibliche) Menschen ländlicher Herkunft in Europa eine Übergangsphase dargestellt. Die Grenze zwischen strukturellem Zwang aus ökonomischer Notwendigkeit und direkter Gewalt sei oft fließend gewesen. Doch auch in den anderen Teilen der Welt von Asien über Afrika bis zu Nord- und Südamerika hätten versklavte Personen oft die Hausarbeit verrichtet.
Im Kolonialismus überlagerten sich so Aspekte rassisch wie geschlechtlich grundierter Diskriminierung mit Nachwirkungen bis in die Gegenwart. Noch immer, so führt die Autorin aus, beeinflusse diese Vergangenheit die heutigen Migrationsströme. So arbeiten nicht zufälligerweise Frauen aus ehemaligen Kolonien als Hausangestellte in den Ländern früherer Kolonialmächte. Seit den 1990er Jahren habe die Anzahl der Hausangestellten wieder deutlich zugenommen.30 Erstmals würden sich diese Arbeiterinnen aber nicht mehr nur lokal oder national, sondern supranational organisieren. Sie forderten die Anerkennung als Lohnarbeiterinnen – mit allen einhergehenden Rechten.
Die von van Nederveen Meerkerk geschilderten Tendenzen sind ein gutes Beispiel für das Aufkommen einer neuen globalen Arbeitsteilung, die sowohl aus der Kolonialvergangenheit als auch aus einer sich in der Nachkriegszeit entwickelnden größeren Partizipation weißer Frauen auf dem Arbeitsmarkt resultiert.
Die Bedeutung informeller Arbeit und die Parallelität unterschiedlicher Tätigkeiten bei Lohnabhängigen diskutiert Heinz-Gerhard Haupt in seinem Beitrag „Besitz und Selbstständigkeit als Teil von Arbeiterstrategien im 19. und 20. Jahrhundert“ (S. 240–263). Die arbeitende Bevölkerung sei niemals homogen, sondern intern stark differenziert gewesen.
Diese Beobachtung treffe sowohl auf eine nationalstaatliche als auch besonders auf eine globale Betrachtungsweise zu. Die Proletarisierung der arbeitenden Bevölkerung sei niemals abgeschlossen gewesen. Gerade neuere geschlechtergeschichtliche Forschungen würden zeigen, dass den Frauen auch in der Arbeiterfamilie eine zentrale Funktion jenseits der Reproduktionssphäre zukam. Selten oblag es allein dem „männlichen Ernährer“, für das Auskommen zu sorgen. Vielmehr seien mehrere parallele Tätigkeiten weit verbreitet gewesen und hätten schon das Leben der Mehrheit der arbeitenden Menschen im Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft bestimmt. Aus schierer Notwendigkeit hätten viele Lohnabhängige ein kleines Stück Land bewirtschaftet, in Heimarbeit kleinere Waren zum Verkauf hergestellt oder Kleinhandel betrieben. Diese individuellen Strategien ließen ökonomisch schwierige Phasen wie Arbeitslosigkeit oder einen Streik überstehen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts seien diese Beschäftigungsformen in den meisten europäischen Staaten zurückgegangen, allerdings ohne ganz zu verschwinden.
Mit dem Abbau des Wohlfahrtsstaats, so Haupt, nähmen diese Tätigkeiten wieder zu. Deshalb plädiert er dafür, sie in der Forschung stärker zu berücksichtigen. Damit träte ebenfalls die Lebenslaufperspektive wieder in den Fokus. Mit dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), einer seit 1984 durchgeführten jährlichen Befragung von zufällig ausgewählten 14.000 Privathaushalten, läge ein umfangreicher Datensatz vor, den die historische Forschung erst zu erschließen begonnen habe. Generell ist Haupts Plädoyer zuzustimmen, dass die Geschichtswissenschaft bei allen methodischen Herausforderungen intensiver mit derartigen Datensätzen arbeiten sollte. Jedoch hat Lutz Raphael diesen Weg bereits seit einiger Zeit beschritten und die Erkenntniskraft einer Bezugnahme auf das SOEP für die historische Forschung herausgearbeitet.31
Nicole Mayer-Ahuja greift die Debatte über prekäre und informelle Arbeitsformen in „Die Globalität unsicherer Arbeit als konzeptionelle Provokation“ auf (S. 264–296). Derartige Arbeitsformen seien nicht mehr nur auf den Globalen Süden begrenzt, sondern hätten sich in den Industrieländern in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet. Dennoch laufe die Debatte zu informeller Arbeit im Globalen Süden und prekären Arbeitsbedingungen im Norden noch weitgehend unabhängig voneinander. Mayer-Ahuja plädiert deshalb für eine „Transnationalisierung der Arbeitsforschung“ (S. 265). Diese Perspektiverweiterung ermögliche es, die Ähnlichkeiten und Differenzen präziser herauszuschälen. Um zu einem tieferen Verständnis der Gegenwart zu gelangen, sollten die veränderten Arbeitsbedingungen in den Industriestaaten seit den 1970er Jahren in den Blick genommen sowie die unternehmerischen Strategien und die Folgen technischer Rationalisierung untersucht werden. Hierzu müsste eine historische mit einer transnationalen Sichtweise kombiniert werden.
In einem Kommentar resümiert Andreas Eckert die Relevanz eines globalgeschichtlichen Zugriffs (S. 297–307). Damit könnten neue Fragestellungen angegangen und bisherige Selbstverständlichkeiten hinterfragt werden. Die ersten Schritte in dieser Hinsicht seien getan: „Die intellektuelle Ent-Provinzialisierung findet statt“ (S. 307).
Das lesenswerte Themenheft beleuchtet eine mögliche zukünftige Richtung der Untersuchungen zur Geschichte der Arbeit und des Kapitalismus, um diese aus ihren bisherigen methodischen und geografischen Beschränkungen herauszuführen. Der Band schlägt ferner die Brücke von der Frühphase des Kapitalismus in die Gegenwart.
Ein Sammelband aus dem Bereich der (Arbeits‑)Soziologie schließt den ersten Teil des Rezensionsaufsatzes über Publikationen zur Geschichte und Entwicklung des Kapitalismus ab.
Seine Lektüre verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Debatten aus den Nachbardisziplinen zu rezipieren. Die von Klaus Dörre, Nicole Mayer-Ahuja, Dieter Sauer und Volker Wittke edierte Publikation „Capitalism and Labor. Towards Critical Perspectives“ versammelt zahlreiche Beiträge, unter anderem von Christoph Deutschmann, Kerstin Jürgens, Hartmut Rosa und Hans-Jürgen Urban.32 Die insgesamt 22 Beiträge plus Einleitung und Fazit gliedern sich in vier Bereiche, die aus unterschiedlicher Perspektive das Verhältnis von Arbeit(-ssoziologie) und Kapitalismuskritik diskutieren. Damit ist auch schon der entscheidende Unterschied zu den historischen Publikationen benannt: Die Herausgeber intendieren explizit, die notwendige Kritik des herrschenden Wirtschaftssystems empirisch zu unterfüttern und theoretisch weiterzuentwickeln. Angesichts der Auswirkungen der Krise seit 2007 und des globalen Aufstiegs rechtspopulistischer Kräfte seien die Möglichkeiten solidarischen Handelns zu eruieren. Theoretisch solle der Boden bereitet werden für politische Bewegungen „with an anti-capitalist agenda, striving for a democratization of economy and society“ (S. 12). Die Aufsätze umfassen deshalb Reflexionen zu Theorien des Kapitalismus, zur Rolle der Finanzmärkte ebenso wie eine feministische Kritik und Überlegungen zum Begriff der Entfremdung.
In ihrem Fazit plädieren die Herausgeber dafür, die drei Möglichkeiten einer soziologischen Kritik am Kapitalismus zusammenzuführen: die von den alltäglichen Lebens- und Arbeitserfahrungen ausgehende immanente Kritik, die auf der Meso-Ebene des Betriebs oder der Branche verortete pragmatische Kritik und die (noch) weitgehend marginalisierte, auf eine grundlegende gesellschaftliche Umwälzung abzielende radikale Kritik. Auf diese Weise könne eine dringend erforderliche Diskussion über eine „Neue Wirtschaftsdemokratie“ (S. 421) angestoßen werden.
Selbst wenn man die politischen Prämissen der Herausgeber nicht teilt, stimuliert die Lektüre zum kritischen Nachdenken über den ökonomischen Status quo und die gesellschaftliche Rolle der Wissenschaft.
Zwischenfazit
Die Zusammenarbeit über die Disziplingrenzen hinweg zeichnet sich in den vorgestellten Publikationen bereits ab. Der allgemeine Trend in der Historiografie zur globalen Betrachtungsweise und Überwindung des Nationalstaats lässt sich ebenfalls ablesen.
Dieses Vorhaben ist bei der Untersuchung des Kapitalismus als weltumspannendes, nahezu alle Länder durchdringendes und strukturell expansives Wirtschaftssystem wichtiger denn je. Dadurch können Verflechtungen zwischen Staaten und Kontinenten herausgearbeitet und unter einem neuen Blickwinkel betrachtet werden. Die historische Genese des Kapitalismus ist keineswegs gänzlich erforscht. Dass die von Marx so bezeichnete ursprüngliche Akkumulation auf brutaler Gewalt basierte, ist hinlänglich bekannt. Allerdings legen die empirischen Untersuchungen nahe, dass dieser Prozess äußerst zwiespältig ablief. Das Gesamtbild der Entstehungsgeschichte des Kapitalismus differenziert sich erkennbar aus.
Auffällig bleibt, dass die vorgestellten Publikationen mehrheitlich Sammelbände sind. Es bleibt zu hoffen, dass in absehbarer Zeit vermehrt monografische Studien in den erwähnten institutionalisierten Zusammenhängen entstehen. Außerdem sollten die historischen Erkenntnisse zur Geschichte des Kapitalismus und die instruktiven neueren Studien zur Arbeitswelt und der betrieblichen Ebene zueinander in Verbindung gesetzt werden, um die Auswirkungen der kapitalistischen Produktionsweise im Betriebsalltag besser fassen zu können.33 Die theoretische Auseinandersetzung mit der Spezifik und dem geschichtlichen Entstehungsprozess des Kapitalismus sollte durch eine mikrohistorische (Alltags‑)Perspektive komplementiert werden, ohne die dabei auftretenden methodischen wie quellenmäßigen Schwierigkeiten von vornherein als unüberwindliche Hürde anzusehen. Gelänge es, dieses Vorhaben umzusetzen, dürften daraus neue Einsichten in die Geschichte und Gegenwart des Kapitalismus resultieren.
Ohne eine Untersuchung der Arbeit(-swelt) und der arbeitenden Menschen muss jede Geschichte des Kapitalismus als Wirtschaftssystem allerdings unvollständig bleiben.
Geschichte der Arbeit
Die Bedeutung von Arbeit als existenzieller Tätigkeit jeder Form menschlichen Zusammenlebens unterstreicht die erste in diesem Abschnitt vorzustellende Publikation. Der Soziologe und Ethnologe Gerd Spittler untersucht in „Die Anhropologie der Arbeit. Ein ethnographischer Vergleich“ ihre vielfältigen Formen innerhalb unterschiedlicher Länder und Kulturen.34 Er beabsichtigt, die Dichotomien zwischen industrieller und vorindustrieller sowie zwischen kapitalistischer und vorkapitalistischer Arbeit aufzulösen. Mittels eines differenzierenden Vergleichs unterschiedlicher Arbeitsweisen und -bedingungen ließen sich Erkenntnisse über Arbeit in unserer heutigen Gesellschaft gewinnen. Im ersten Abschnitt zur allgemeinen Anthropologie der Arbeit werden neben Theorien der Arbeit, verschiedenen Arbeitswelten und Zeitvorstellungen auch die Arbeit in der Hauswirtschaft und Machtverhältnisse im Arbeitszusammenhang behandelt.
Grundlegend versteht Spittler Arbeit nicht als instrumentelles Handeln, sondern als Interaktion. Diese Beobachtung gelte nicht nur für traditionale, sondern ebenso für moderne Industriegesellschaften: „Die Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstände treten dem Arbeiter als eigenständig, eigenwillig oder eigensinnig gegenüber“ (S. 5). Folglich wendeten die Arbeiter die Gegenstände nicht einfach gemäß ihrem Willen an, sondern die Art ihres Gebrauchs werde von den Objekten selbst vorgegeben. Diese Performanz der Arbeit hänge darüber hinaus nicht nur vom Handeln ab, sondern sei in räumliche und zeitliche Strukturen eingebettet.
Ferner spiele sich in den meisten Gesellschaften die Arbeit nicht überwiegend in Fabriken oder abgegrenzten Betrieben, sondern im eigenen Haus und im Familienzusammenhang ab.
Diese theoretischen Aspekte untersucht der Autor im zweiten Teil anhand ethnografischer Beobachtungen von Jägern und Sammlerinnen in Botswana und Namibia, von Gärtnerinnen der Achuar im amazonischen Regenwald, der Rodung bei den Bemba im heutigen Sambia, Bauern in Gobis in Niger und im ungarischen Atany, von Kamelhirten und Ziegenhirtinnen bei den Kel Ewey Tuareg, aber auch von frühkapitalistischer Heimarbeit im Zürcher Oberland und von modernen Dienstleistungsarbeiten.
Diese beeindruckende Menge an Beispielen systematisch an die theoretischen Grundlagen zurückzubinden, ist die große Stärke des Buches. Die ausgewählten Fälle gehen auf jahrzehntelange Forschungen zurück. Überzeugend zeigt Spittler die „institutionelle Vielfalt“ (S. 283) von Arbeit auf. Die ethnologische Methode der teilnehmenden Beobachtung ermöglicht es, sich auf fremde Arbeitswelten und -verständnisse ohne vorgefertigte Schemata im Kopf einzulassen. Die Untersuchung anderer Gesellschaften und Kulturen verändert wiederum den Blick auf das eigene gesellschaftliche Umfeld.
Der Thematik nähert sich Jürgen Schmidt in „Arbeiter in der Moderne. Arbeitsbedingungen. Lebenswelten, Organisationen“ über die Sozialfigur des Arbeiters vom vorindustriellen 19. Jahrhundert bis heute.35 Trotz aller terminologischen Ambivalenzen erachtet er den Begriff für sinnvoll, um jene Bevölkerungsgruppen zu beschreiben, „die körperliche, abhängige (Lohn‑)Arbeit zum Zweck der Lebenssicherung verrichten und gemeinsame soziokulturelle Merkmale teilen“ (S. 14). Das Buch behandelt Lebenswelt und Milieus, Arbeitsverhältnisse und -beziehungen, die Kultur der Arbeit(er) sowie die verschiedenen Organisationsformen der Arbeiterbewegung.
Ungeachtet des Bedeutungsverlusts körperlicher Arbeit im Zuge des Strukturwandels und der damit einhergehenden veränderten sozialkulturellen Stellung des Arbeiters bestimme die Lohnarbeit noch immer das Alltagsleben der Bevölkerungsmehrheit in den westlichen Ländern. Lediglich ihre Formen hätten sich ausdifferenziert und prekarisiert. Außerdem seien die Abgrenzungen gegenüber anderen Tätigkeiten schwierig, besonders wenn der Blick auf außereuropäische Weltteile gerichtet werde. Den Schwerpunkt legt Schmidt aber auf die Verhältnisse in Deutschland ab dem 19. Jahrhundert. Auf knapp 300 Seiten die großen Entwicklungslinien nachzuzeichnen, erzwingt eine gewisse Oberflächlichkeit. Eine systematische Engführung am Ende der einzelnen Kapitel hätte allerdings ihren Zusammenhang verdeutlicht und die Übergänge flüssiger gemacht. Die weitgehend deskriptive Darstellung wäre somit durch einen analytischeren Tiefgang ergänzt worden.
Schon vor einem Jahrzehnt hat Marcel van der Linden mit „Workers of the World. Essays towards a Global Labor History“ einen Meilenstein der Arbeitsgeschichte verfasst. 2017 erschien das Buch in deutscher Übersetzung.36 Der Anspruch des früheren Forschungsdirektors des Amsterdamer Instituts für Internationale Sozialgeschichte ist hoch: eine Globalgeschichte der Arbeit, wie der Untertitel der deutschen Übersetzung lautet.
Ein Großteil des Buches basiert auf bereits publizierten Aufsätzen. Die Beiträge sind in vier Bereiche neugeordnet: „Konzepte der Arbeit“, „Mutualistische Varianten“, „Formen des Widerstands“ und „Erkenntnisse aus benachbarten Disziplinen“.
Van der Linden vermerkt im Vorwort, dass der historische Zugriff „hinsichtlich der Plackerei, des Elends, aber auch der Leistungen von Arbeitenden und Arbeiterbewegungen“ (S. 15) zu Beginn des neuen Jahrtausends eine interessante Wendung genommen habe. Die Untersuchungsgegenstände seien nicht mehr primär die Arbeitsbedingungen des männlichen Proletariers in der Schwerindustrie oder im Bergbau in Europa und Nordamerika. Andere Weltgegenden seien in den Fokus gerückt. Die Arbeiterklasse sei heute nicht mehr (und es realiter auch noch nie gewesen) mehrheitlich weiß und männlich, sondern weiblich mit dunklerer Haut. Der Autor untersucht informelle Tätigkeiten, Subsistenzwirtschaft, Hausarbeit und Arbeitsmigration. Die Grenzen zwischen freier Lohnarbeit und Zwangsarbeit seien fließend. Deshalb spricht van der Linden trotz seines affirmativen Bezugs auf die Marx’sche Theorie nicht mehr von Proletariat, vielmehr bezeichnet er diese globale Klasse als „subalterne ArbeiterInnen“ (S. 51).
Die mannigfaltigen Arbeitsbedingungen brachten im Laufe der Zeit verschiedene Formen der Solidarität hervor, die der Autor in „Mutualistische Varianten“ beschreibt. So stellen Versicherungen, Konsum- und Produktionsgenossenschaften jeweils Ausprägungen des Mutualismus dar. Doch die gegenseitige Unterstützung war keinesfalls die einzige Gegenwehr gegen die ausbeuterischen Verhältnisse. Der offene Widerstand in Gestalt von Streiks, von Konsumentenprotest, vor allem aber durch Zusammenschlüsse in Gewerkschaften werden im nächsten Teil diskutiert. Auch hier bezieht van der Linden verschiedene Länder und unterschiedliche Epochen mit ein. Abschließend diskutiert der Verfasser soziologische Theorieangebote und die Weltsystemtheorie Immanuel Wallersteins.
Das Buch bietet eine faszinierende Fülle historischer Beispiele aus dem Brasilien des 16. Jahrhunderts bis in die kontinentaleuropäische Gegenwart. Gekonnt verbindet van der Linden verschiedene Themenkomplexe und springt zwischen Räumen und Zeiten. Den selbst gesetzten Anspruch formuliert er folgendermaßen: „Ich denke, ich habe mein Ziel erreicht, wenn es mir gelungen ist, glaubhaft zu zeigen, dass eine andere Historiografie der arbeitenden Armen dieser Welt möglich und erstrebenswert ist“ (S. 417).
Eine ähnliche Perspektive eröffnet „Global Histories of Work“, der von Andreas Eckert edierte Auftaktband der Reihe „Work in Global and Historical Perspective“.37 In der Einleitung weist der Herausgeber auf das wiedererwachte Interesse an der Geschichte der Arbeit hin. Zahlreiche Konferenzen, Forschungsprojekte und Publikationen exemplifizieren diesen Trend.
Augenscheinlich seien die zahlreichen Untersuchungen zu den mannigfaltigen Formen der Prekarität. Weil informelle Arbeit nicht nur in einer bestimmten Weltregion vorkäme, erfordere ihre Analyse eine globale Sichtweise. Ferner umfasse der erweiterte Arbeitsbegriff nicht mehr ausschließlich die geregelte Lohnarbeit. Der Band versammelt bereits veröffentlichte Aufsätze, die die Neuausrichtung der Global Labour History mit eingeleitet haben. Er teilt sich in vier Sektionen mit jeweils drei Beiträgen.
Der Auftakt „The Promise and Challenge of Global Labour History“ von Marcel van der Linden liefert einen Gesamtüberblick über das Forschungsgebiet, definiert den Gegenstand sowie den zeitlichen und geografischen Rahmen (S. 3–22). Die folgenden Aufsätze zur (Zwangs‑)Arbeit von Gefangenen und der Rolle der südafrikanischen Labour History im kontinentalen Zusammenhang und in globaler Hinsicht applizieren van der Lindens Konzeption.
Die nächste Sektion „Varieties of Work“ behandelt unter anderem indische Seefahrer ab 1870 bis in die 1940er Jahre, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Arbeit in kapitalistischen Gesellschaften und (kriegerischen) Tätigkeiten im Militär. Der anschließende Abschnitt „Dynamics of Labour Relations“ zeigt am Beispiel Brasiliens, des kolonialen Indiens und des zaristischen Russlands die Fluidität der Arbeitsbeziehungen. Sie wurden jeweils im nationalen Kontext ausgehandelt, hingen von den Machtverhältnissen ab und mussten immer wieder neu austariert werden. Die letzte Sektion „The End of Wage Labour“ greift die in den 1980er Jahren in vielen Industriestaaten aufkommende Debatte über das Ende der Lohnarbeit aus.38 Unter kapitalistischen Verhältnissen, so Michael Denning, sei jeder gezwungen, seine Arbeitskraft zu verkaufen (S. 273–290). Dieses Verhalten basiere nicht auf freier Entscheidung, sondern auf strukturellem Zwang. Doch statt derartige Zustände zu kritisieren, wie Kathy Weeks ausführt, werde Lohnarbeit beispielsweise in der amerikanischen Gesellschaft höher bewertet als alle anderen Tätigkeiten (S. 291–326). Bedauerlicherweise spielten die alltäglichen Erfahrungen und politischen Rahmenbedingungen von Lohnarbeit in der Wissenschaft nur eine nachgeordnete Rolle.
Im abschließenden Beitrag diskutiert Rina Agarwala die Strategien der Arbeiterinnen im informellen Sektor, um ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern (S. 327–376). Die Bedeutung des institutionellen Arrangements, ergo des Staates, sei dabei nicht zu überschätzen.
Der Sammelband steckt den Rahmen der gegenwärtigen Debatte zur Global Labour History ab. Zwei zentrale Aspekte hebt er für eine disziplinäre Neuausrichtung hervor: die Bedeutung sowohl des Globalen Südens, allen voran Indiens, als auch eines umfassenderen Konzepts von Arbeit. Der weiße männliche Arbeiter mit geregelter Tätigkeit in einer Fabrik stellte global betrachtet schon immer die Ausnahme dar. Die empirischen Beispiele unterstreichen die Notwendigkeit, eine auf den nordatlantischen Raum fixierte Perspektive zu überwinden.
Einen begriffsgeschichtlichen Ansatz verfolgen Jörn Leonhard und Willibald Steinmetz in dem Sammelband „Semantiken von Arbeit: Diachrone und vergleichende Perspektiven“.39 Sie interessieren sich für die „Bedeutungen und den Bedeutungswandel der Vokabularien, die zusammen das Sinnfeld dessen konstituieren, was wir heute Arbeit nennen“ (S. 10).
Die 15 Aufsätze von namhaften Autoren sind in zwei Bereiche aufgeteilt. Der erste Abschnitt „Arbeitsbegriff und Arbeitswelten“ nähert sich dem Komplex sozialgeschichtlich, ethnografisch und historisch-semantisch. Der zweite Teil „Definitionskämpfe um Arbeit und Nicht-Arbeit in der industriellen und postindustriellen Welt“ thematisiert die sich historisch wandelnde, oftmals unklare Grenzziehung zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit.
Zeitlich reichen die Beiträge bis ins 15. Jahrhundert, schlagen jedoch auch die Verbindung zur Gegenwart. Der räumliche Horizont übersteigt den nationalen oder gar kontinentalen Rahmen. Europäische Länder werden ebenso behandelt wie asiatische, der osmanisch-arabische Raum ebenso wie afrikanische und südamerikanische Kolonialgesellschaften.
Der Sammelband zeigt die Produktivität eines semantisch-historischen Zugriffs. Die sich stark wandelnden Vorstellungen und Konzepte waren nicht nur abhängig von politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnissen, sondern unterlagen einem (Deutungs‑)Kampf verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, wie beispielsweise Thomas Welskopp anhand der Arbeitsvorstellungen in der Sozialdemokratie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts demonstriert (S. 249–268). Die begriffsgeschichtlichen Einzelstudien verdeutlichen, wie schwer sich verallgemeinernde Erzählungen über Arbeit aufrechterhalten lassen.
Dass trotz einer vermehrten globalhistorischen Perspektive der Nationalstaat nicht obsolet ist, zeigt Toni Pierenkemper mit „Beschäftigung und Arbeitsmarkt. Entstehung und Entwicklung der modernen Erwerbsgesellschaft in Deutschland (1800–2000)“.40 Er untersucht Arbeitsbedingungen und -verhältnisse in Deutschland über zwei Jahrhunderte. Nach einem einführenden Teil zu Begriffen und Konzepten von Arbeit gliedert sich das Buch in drei große Bereiche. Sie folgen den gesellschaftspolitischen Zäsuren in der deutschen Geschichte. Das erste Kapitel umfasst die Epoche von 1800 bis 1914, das nächste den Zeitraum von 1914 bis 1945 und das letzte die Phase nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum neuen Jahrtausend.
Abschließend diskutiert Pierenkemper die Implikationen der grundlegenden Arbeitsmarkttheorien und positioniert sich anlässlich der aktuellen Debatten über die Zukunft der Arbeit.41 Die drei Kapitel behandeln jeweils Umfang und Strukturwandel der Beschäftigung, Entwicklungen im Arbeitsmarkt, Determinanten der Entwicklung und Veränderungen der Rahmenbedingungen.
Pierenkemper beschreibt die Transformation der Agrar- zur Industriegesellschaft und die ihr vorausgehenden grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Reformen im 19. Jahrhundert.
Die zweite Phase war geprägt von zahlreichen Krisen, Katastrophen und den beiden Weltkriegen. Zwar legten einige Reformen wie der Achtstundentag und die Einführung einer Arbeitslosenversicherung die Grundlage für eine längerfristige Entwicklung, aber generell müsse die Zeit „als eine verlorene Epoche für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse der deutschen Erwerbstätigen angesehen werden“ (S. 184).
Erst danach bildete sich nach einer erstaunlich raschen Überwindung der wirtschaftlichen Zerstörungen nicht nur eine stabile Demokratie, sondern auch eine Wohlstandsgesellschaft heraus. Angesichts der Vollbeschäftigung entwickelte sich das Normalarbeitsverhältnis schließlich zur gesellschaftlichen Norm. Jedoch, so betont der Autor, stellte der Zeitraum der Vollbeschäftigung zwischen den 1950er und den 1970er Jahren einen Sonderfall dar.
In den abschließenden Reflexionen wendet sich Pierenkemper dagegen, die Auswirkungen der Digitalisierung zu dramatisieren. Eine historische Sichtweise bewahre vor übereilten Schlussfolgerungen und ermögliche es, die teils divergierenden Prozesse gegeneinander abzuwägen: „Trotz aller Probleme besteht also kein Anlass zum Pessimismus“ (S. 284).
Zwischenfazit
Die Publikationen betonen durchweg die vielfältigen Formen von Arbeit und erweitern damit den Arbeitsbegriff. Die neuen Forschungen zur Geschichte der Arbeit plädieren ebenfalls dafür, den eurozentristischen Blickwinkel mittels einer globalen Perspektive zu überwinden. Gerade in nichtwestlichen Ländern sichert eine breite Palette unterschiedlicher Tätigkeiten jenseits klassischer Lohnarbeitsverhältnisse die Existenz. Doch auch in den industrialisierten Staaten Westeuropas und Nordamerikas besitzt die Reproduktions- oder Care-Arbeit, die sich der zeitlichen und räumlichen Logik der Lohnarbeit entzieht, eine zentrale Funktion.42 Die Publikationen legen dar, dass die Grenzen zwischen den verschiedenen Tätigkeitsformen nicht klar zu ziehen sind. Dieser Befund gilt nicht nur für die Differenz zwischen Lohnarbeit und Nicht-Lohnarbeit, sondern auch für den Unterschied zwischen freier und unfreier Arbeit.
Die historisch-komparative Perspektive lässt ebenso deutlich werden, dass aktuelle Phänomene wie die Ausbreitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse nur dann außergewöhnlich erscheinen, wenn die Arbeitsbedingungen aus der Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs der Nachkriegszeit als Maßstab angelegt werden. Längerfristig betrachtet stellen jedoch gerade sie die Ausnahme im Kapitalismus dar.
Als erkenntnisreich für die Geschichte der Arbeit erweisen sich verschiedene methodische Zugriffe wie die Begriffsgeschichte, aber auch das ethnologische Herangehen. Zukünftig sollten die mit dem Konzept von Arbeit zusammenhängenden gesellschaftlichen Bereiche und Normen noch stärker in die Analyse der konkreten Arbeitswelt mit einbezogen werden.43
Geschichte der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften
Konstitutiv zur Geschichte des Kapitalismus und der Arbeit gehört die Geschichte der Arbeiterbewegung in ihren vielfältigen Ausprägungen. Deshalb ist auch das Interesse der geschichtswissenschaftlichen Forschung an der Geschichte der Arbeiterbewegung, der Gewerkschaften und anderer sozialer Bewegungen angestiegen.44
Vielfältige Anregungen bietet Willy Buschak mit dem Dokumentenband „Arbeiterbewegung und Europa im frühen 20. Jahrhundert“.45 Der Autor legte bereits 2013 eine Monografie über das beherzte Engagement der Gewerkschaften, der sozialistischen Parteien und pazifistischen Organisationen für die europäische Einigung zu Beginn des letzten Jahrhunderts vor.46
Die jüngste Publikation breitet gewissermaßen die Quellengrundlage des ersten Buches aus. In der gut 30-seitigen Einleitung betont Buschak, dass die europäische Arbeiterbewegung ihre Hoffnung auf eine bessere Welt und eine gerechtere Gesellschaft nur auf einem geeinten Kontinent realisieren zu können glaubte. Aktivisten aus allen west-, mittel- und osteuropäischen Ländern unterbreiteten deshalb konkrete Vorschläge, wie Europa wirtschaftlich und politisch zu einigen sei. Verschiedene Gründe hätten die Sozialisten motiviert, dieses Ziel anzustreben. Neben dem Wunsch, Kriege zu vermeiden, sowie der Erwartung aufsteigenden Wohlstands in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum, benennt der Autor noch einen weiteren Aspekt: „Der bestimmende und alles überlagernde Grundton der Debatte war aber: ganz Europa ist eine kulturelle Gemeinschaft“ (S. 20 f.). Bisweilen sei darin ein Überlegenheitsdünkel gegenüber anderen Weltgegenden zum Ausdruck gekommen, vor dem auch Sozialisten nicht gefeit waren.
Generell hätten die Organisationen der Arbeiterbewegung umfassende Vorstellungen entworfen, von der Infrastruktur über eine gemeinsame Währung bis hin zu einer abgestimmten Handelspolitik und einheitlichen Gesetzen. Die Vereinigten Staaten von Europa konzipierten sie in der Regel als parlamentarische Demokratie.
Buschaks Dokumentenband zeigt die Bedeutung der Debatte über die Einigung Europas in der Arbeiterbewegung. Die vielfältigen Stimmen machen deutlich, dass keineswegs ausschließlich die gesellschaftliche Elite die europäische Einigung verfolgte.
Der Band umfasst insgesamt 180 Texte aus den Jahren 1901 bis 1949, wobei der Fokus auf den 1920er und frühen 1930er Jahren liegt. Die Texte stammen von Autoren aus europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten von Amerika, von unterschiedlichen Parteien, Gewerkschaften und Friedensorganisationen. Neben Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln sind Auszüge aus Broschüren, Büchern und Reden abgedruckt. Die Dokumente unterteilt der Herausgeber in neun thematische Einheiten, von der Situation in Europa nach dem Ersten Weltkrieg, über das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten von Amerika, Fragen der wirtschaftlichen Einigung bis zur politischen Struktur des neu zu schaffenden Bundes. Dem Buch liegt außerdem eine CD mit umfangreicher Bibliografie bei. Wünschenswert wäre, wenn der Dokumentenband die Forschungen zu Arbeiterbewegung und Europa stimulieren würde.
Ebenfalls mit der frühen Geschichte der Arbeiterbewegung befasst sich Marco Swiniartzki. Mit „Der Deutsche Metallarbeiter-Verband 1891–1933. Eine Gewerkschaft im Spannungsfeld zwischen Arbeitern, Betrieb und Politik“ hat der Autor keine reine Organisationsgeschichte verfasst, sondern auf eine interessante Weise die Entwicklung der größten Gewerkschaft ihrer Zeit mit der Geschichte des Betriebs als Ort sozialer Spannungen und der Geschichte der Arbeit und der Arbeiter verbunden.47 Als Vergleichsebene dient der Maschinenbau in Chemnitz und die Hüttenarbeit im Ruhrgebiet. Während das Ruhrgebiet relativ gut erforscht ist, weist Swiniartzki darauf hin, dass die Wirtschafts- und Sozialgeschichte Sachsens trotz seiner fundamentalen Bedeutung für die Industrialisierung erstaunlicherweise große Lücken aufweise.
Das Buch durchzieht die Spannung zwischen der Eigenlogik der Organisation und dem Handeln ihrer Mitglieder. Unter Bezugnahme auf das Konzept von Alf Lüdtke betont der Autor einleitend: „Für die Fragestellung dieser Arbeit besitzt der Eigen-Sinn von Arbeitern, Gewerkschaftsmitgliedern und auch Gewerkschaftssekretären deshalb eine entscheidende Bedeutung, weil die Akte solchen Verhaltens die individuelle Grenze zwischen selbstbestimmtem Raum und ‚objektiver‘ Zumutung markieren“ (S. 25).
In konsequent vergleichender Perspektive zwischen Chemnitz und dem Ruhrgebiet ist das Buch in fünf große Abschnitte unterteilt. Nach der handwerklichen Phase bis 1900 behandelt der Autor die Bedeutung der Migration, anschließend die Betriebsphase bis 1914, die Phase der Orientierung bis 1924 und schließt mit der Rationalisierungsphase die Untersuchung ab. Die Konstellation diverser Akteure mit unterschiedlichen, teils kontradiktorischen Interessen in einem Zeitraum von vier Dekaden am Beispiel zweier Industriebranchen in unterschiedlichen Regionen detailliert untersucht zu haben, stellt eine große Leistung dar.
Da die übergroße Mehrzahl der Forschungsarbeiten zur Gewerkschaftsgeschichte in den letzten Jahren die Zeit seit den 1970ern behandelt, sticht Swiniartzkis Studie heraus. Er demonstriert, dass es lohnenswert ist, eine neue gewerkschaftsgeschichtliche Perspektive auf die Zeit der Hochindustrialisierung bis zum Nationalsozialismus zu werfen. Verbindet man dabei die Geschichte des Deutschen Metallarbeiter-Verbands (DMV) mit der betrieblichen Ebene, wird deutlich, dass die Verbandsentwicklung nicht nur von oben bestimmt wurde, sondern informellen Abläufen folgte.
Die Jugendpolitik der DMV-Nachfolgeorganisation untersucht Knud Andresen in „Gebremste Radikalisierung: Die IG Metall und ihre Jugend 1968 bis in die 1980er Jahre“.48 Im ersten Abschnitt liefert der Autor einen Überblick über die gewerkschaftliche Jugendpolitik bis in die späten 1960er Jahre. Im zweiten Kapitel beschreibt er die allgemeine Politisierung der Jugend im Zuge der außerparlamentarischen Opposition und die Entstehung neuer Jugendkulturen. Die in diesem Prozess politisierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen stießen in den festgefahrenen Organisationsstrukturen auf nicht geringe Hindernisse. Für diesen Umstand wählt der Autor die titelgebende Formulierung „Gebremste Radikalisierung“. Im dritten Abschnitt behandelt Andresen die Phase ‚nach dem Boom‘ mit steigender (Jugend‑)Arbeitslosigkeit und um sich greifender politischer Resignation. Das letzte Kapitel dreht sich um die Herausforderungen in den frühen 1980er Jahren.
Generell interpretiert Andresen die 1970er Jahre als Dekade voller Ambivalenzen. Während sich die Gewerkschaften mit der Wahl Willy Brandts zum Bundeskanzler 1969 und den von der sozial-liberalen Regierung angestoßenen Reformen auf dem Höhepunkt ihres Einflusses befanden, bereitete die Ölpreiskrise dieser Entwicklung ein Ende. Neben diesen sozio-ökonomischen Aspekten mussten sich die Gewerkschaften mit einer politisierten Jugend auseinandersetzen. Bis in die späten 1960er Jahre betrachtete die IG Metall die Jugendpolitik lediglich als Vorbereitung der Lehrlinge auf die Arbeitssituation in den Fabriken, während andere Gewerkschaften bereits allgemeinere politische Probleme integriert hatten. Eine wichtige Rolle in dieser Hinsicht, so Andresen, spiele die Lehrlingsbewegung, deren Bedeutung als Teil der außerparlamentarischen Opposition oftmals nicht ausreichend Berücksichtigung finde.
Die nach 1968 gegründeten K‑Gruppen betrachteten die Gewerkschaften und ganz besonders die IG Metall als Agitationsfeld. Im Gegensatz zu den revolutionären Postulaten dieser Gruppierungen kämpften die IG Metall Jugend und die Lehrlingsbewegung für pragmatische Ziele. Sie wollten die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Lohnabhängigen verbessern, strebten nach Anerkennung auf betrieblicher Ebene und forderten, an Entscheidungen beteiligt zu werden. Die Lehrlinge gerieten mit älteren Kollegen und Gewerkschaftsfunktionären auch wegen kultureller Fragen oder schlicht wegen ihrer Kleidung und ihres Haarschnitts aneinander. Trotz der zeitweisen Entfremdung zwischen dem Funktionärsapparat und der Gewerkschaftsjugend ordneten sich deren Forderungen letztlich in die Politik der IG Metall ein. Der betriebliche Alltag blieb für die Gewerkschaftsjugend bedeutsamer als revolutionäre Ambitionen. Nach der Ölpreiskrise 1973 avancierte der Kampf gegen die gestiegene Arbeitslosigkeit zum wichtigsten Anliegen der Gewerkschaft. Die beschriebenen Konfliktfelder perpetuierten sich bis in die frühen 1980er Jahre, als die Auseinandersetzung mit der Friedensbewegung die Gewerkschaften beschäftigte. Prinzipiell teilte die IG Metall die politischen Ziele, befürchtete aber einen kommunistischen Einfluss.
Die Studie bietet einen Einblick in die ambivalente Politik der größten Industriegewerkschaft der Bundesrepublik in den 1970er Jahren. Zwar verortet Andresen seine Arbeit im Rahmen der ‚Nach dem Boom‘-Debatte, verweigert sich allerdings einem Niedergangsnarrativ der Gewerkschaften. Vielmehr betont er ihren fortwirkenden Einfluss. Andresen offeriert nicht nur eine differenzierte Perspektive auf die 1970er Jahre, sondern arbeitet die Bedeutung der Gewerkschaften für die gesamte Geschichte der Bundesrepublik heraus. Ohne Gewerkschaften lässt sich keine Geschichte der Arbeit, keine Geschichte der industriellen Beziehungen und damit der modernen Gesellschaft schreiben. Auf diese Weise, so wäre zu hoffen, könnte auch die Gewerkschaftsgeschichte aus ihrer disziplinären Nischenposition herausfinden.
Ein politisch aufgeladenes Thema greift der von Detlev Brunner, Michaela Kuhnhenne und Hartmut Simon herausgegebene Sammelband „Gewerkschaften im deutschen Einheitsprozess. Möglichkeiten und Grenzen in Zeiten der Transformation“ auf.49 Er versammelt Aufsätze von Wissenschaftlern und gewerkschaftlichen Zeitzeugen. Diese Perspektivenvielfalt ist einerseits eine große Stärke der Publikation, die sich nicht nur an ein wissenschaftliches Publikum wendet. Andererseits lässt dieses explorative Vorgehen die Beiträge weitgehend unverbunden nebeneinander stehen. Diese Feststellung ändert aber nichts am Verdienst des Bandes für eine Gesellschaftsgeschichte des wiedervereinigten Deutschlands, nämlich die Bedeutung „der deutschen Gewerkschaften und ihres Handelns stärker in das Blickfeld der Forschung zu rücken“ (S. 9).
Alle Beiträge zeigen, dass die westdeutschen Gewerkschaften von der rasanten Entwicklung überrascht wurden. Sie waren gezwungen, ohne große Vorbereitung auf die Veränderungen zu reagieren. Dabei improvisierten sie mal mehr und mal weniger erfolgreich.
Der Aufsatz von Stefan Müller behandelt die Deutschlandpolitik des westdeutschen Dachverbands Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und seines ostdeutschen Pendants, des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB) (S. 17–44). Der DGB hatte seit den frühen 1970er Jahren die Entspannungspolitik der sozial-liberalen Regierung unterstützt und eine Kooperation mit dem FDGB auf Augenhöhe angestrebt. Mitgerissen von den Ereignissen sprach sich der DGB schließlich Ende 1989 deutlich dafür aus, die Teilung Deutschlands zu überwinden. Eine Wiedervereinigung hielt der Dachverband zu diesem Zeitpunkt für realistisch.
Wolfgang Uellenberg-van Dawen, der 1989/90 das Referat gewerkschaftliche Bildung im DGB-Bundesvorstand leitete, konstatiert den gescheiterten Versuch, „eine demokratische Gewerkschaftsorganisation von unten und Kooperation von oben aufzubauen“ (S. 45–68, Zitat: S. 66). Renate Hürtgen, im Jahre 1989 Mitbegründerin der „Initiative für unabhängige Gewerkschaften“ (IUG) in der DDR und seit Jahrzehnten wissenschaftlich forschend tätig, hebt die Rolle der betrieblichen Aktivitäten in Ostdeutschland während der Umbruchphase hervor. Allerdings schwand ihr Einfluss, sobald die etablierten Strukturen aus der Bundesrepublik importiert wurden.
Nach einem informativen Überblick über den Forschungsstand von Detlev Brunner (S. 95–108) beleuchtet Markus Böick das Verhältnis der Gewerkschaften zur Treuhandanstalt (S. 109–130). Dieses „wechselhafte Beziehungsverhältnis“ (S. 122) begreift er als Sonde für die Widersprüche der Treuhand. Die westdeutschen Gewerkschaften wollten sich offensiv als Vertreter ostdeutscher Arbeitnehmerinteressen etablieren – gerade auch als Alternative zur Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS). In dem turbulenten Veränderungsprozess folgten sie letztlich doch den bekannten Pfaden der bundesrepublikanischen Sozialpartnerschaft.
Daran anschließend beschreibt Roland Issen, seinerzeit der Vorsitzende der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), die Erfahrungen als eines von vier gewerkschaftlichen Mitgliedern im Verwaltungsrat der Treuhandanstalt (S. 131–150). Die Soziologin Ingrid Artus wiederum beschäftigt sich mit der Übertragung des westdeutschen Tarifsystems auf die neuen Länder (S. 151–168). Aufgrund spezifischer Traditionen in Ostdeutschland lief dieser Prozess nicht reibungslos ab. Beispielsweise unterminierten zahlreiche betriebliche Vereinbarungen das Flächentarifvertragssystem. Den Band schließt ein Beitrag des früheren IG-Metall-Funktionärs Lothar Wentzel ab (S. 169–180). Als Verantwortlicher für Wismar war er an den heftigen Auseinandersetzungen um die Werftschließungen beteiligt.
Die Rückkehr der Biografik in der Geschichtswissenschaft seit einigen Jahren schlägt sich auch in der Gewerkschaftsgeschichte nieder. So erschienen in den letzten Jahren verschiedene Studien zu bedeutenden Gewerkschaftern, von denen zwei vorgestellt werden.
Mit „Gewerkschaftsmacht und ihre Grenzen. Die ÖTV und ihr Vorsitzender Heinz Kluncker 1964–1982“ legt Karl Christian Führer weit mehr vor als eine Biografie.50 Er verbindet die Organisationsgeschichte der ihrerzeit zweitgrößten DGB-Gewerkschaft im Kontext der politischen Zeitumstände mit der Lebensgeschichte und der Rolle ihres Vorsitzenden. Kluncker verkörperte in der gesellschaftlichen Vorstellung den Prototyp des mächtigen Gewerkschafters. Er wird vor allem mit dem Streik im öffentlichen Dienst im Februar 1974 assoziiert. Die zweistellige Einkommenserhöhung wiesen viele Politiker als unverhältnismäßig und ökonomisch unsinnig zurück. Das Agieren der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) habe gar zum Rücktritt Willy Brandts kurz darauf beigetragen. Dieser Arbeitskampf machte Kluncker zum Symbol der Gewerkschaftsmacht.
Das umfangreiche Buch gliedert sich in mehrere große Teile. Im ersten Kapitel beschreibt Führer zunächst die Besonderheit(en) der ÖTV. Sie vereinigte in ihrem Organisationsbereich sehr unterschiedliche Gruppen Lohnabhängiger. Diese Struktur brachte nicht nur interne Schwierigkeiten mit sich, sondern auch einen permanenten Konflikt mit der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) und dem Deutschen Beamtenbund (DBB).
Führer zeichnet dann den eher atypischen Weg Klunckers nach. Er wurde 1925 in eine sozialdemokratische Familie in Wuppertal geboren. Seine zeitweilige Begeisterung für den Nationalsozialismus bereute er in der Rückschau zutiefst. Als desertierter Frontsoldat geriet Kluncker in britische, schließlich in amerikanische Gefangenschaft. Er verbrachte eine gewisse Zeit in den Vereinigten Staaten. Nach verschiedenen Tätigkeiten und einem Studium an der „Akademie der Gemeinwirtschaft“ in Hamburg folgte 1952 die Anstellung in der Hauptverwaltung der ÖTV in Stuttgart. 1964 gelangte er an die Organisationsspitze.
Im zweiten Kapitel behandelt Führer die Zeit bis zum Regierungsantritt der sozial-liberalen Koalition 1969. Der Schwerpunkt liegt auf den verbandsinternen Konflikten, den Reformbemühungen und tarifpolitischen Auseinandersetzungen. Der Autor hebt die Bedeutung der Tarifpolitik als gewerkschaftliches Kerngeschäft hervor. In der historischen Forschung werde sie nichtsdestotrotz zu selten thematisiert.
Das folgende Kapitel diskutiert die ÖTV in den 1970er Jahren auf dem Höhepunkt ihres Einflusses. Thematisiert werden die Kontakte in die DDR und andere realsozialistische Staaten, der Streit um den sogenannten Radikalenerlass und die wachsende generationelle Differenz. Aufgrund der Inflation drängte die Bundesregierung auf niedrige Tarifabschlüsse, während die ÖTV auf die uneingeschränkte Tarifautonomie bestand. Damit schwelte der Grundkonflikt, der im Frühjahr 1974 in den Streik mündete. Führer erläutert sowohl die Ursachen des Arbeitskampfes, die organisatorische Vorbereitung, den konkreten Ablauf als auch die wirtschaftspolitischen Implikationen. Die ÖTV setzte schließlich eine elfprozentige Erhöhung bei einer Mindestzahlung von 170 D‑Mark durch. Viele Mitglieder hatten sich jedoch mehr erhofft. So wurde das Verhandlungsergebnis nur knapp angenommen. Führende Sozialdemokraten hingegen werteten es als Tragödie für den Staat.
Die zweite Hälfte der 1970er Jahre prägten innerorganisatorische Umstrukturierungen. Der sich abzeichnende Aufstieg der Dienstleistungsbranche schlug sich in der sozialen Struktur nieder. Das Jahr 1975, wie Führer argumentiert, markierte eine Zäsur für den öffentlichen Dienst. Die Rationalisierungs- und frühen Privatisierungsdebatten erhielten einen neuen Schub.
Die letzten Jahre Klunckers als Vorsitzender bis 1982 sind gekennzeichnet von verschärften Kontroversen und zugespitzten Tarifkonflikten. Trotz seines angeschlagenen Gesundheitszustands gönnte er sich kaum Erholung. Als seine Nachfolgerin schlug er, für viele überraschend, Monika Wulf-Mathies vor und ebnete damit der ersten Frau den Weg an die Gewerkschaftsspitze.
In der Abhandlung „Bürger und Gewerkschafter. Ludwig Rosenberg. 1903 bis 1977“ zeichnet Frank Ahland das Leben Rosenbergs nach, wobei die Jahre als DGB-Vorsitzender von 1962 bis 1969 im Mittelpunkt stehen.51 Das Buch folgt den lebensgeschichtlichen Zäsuren und ist in sieben Kapitel unterteilt. Der Autor verbindet so den individuellen Lebensweg mit der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung.
Rosenberg wurde 1903 in Berlin geboren. Er entstammte einer assimilierten Familie des jüdischen Bürgertums. Nach dem Tod des Vaters 1924 übernahm er das Tuchgeschäft. Trotz der damaligen kulturellen Liberalität in der deutschen Hauptstadt wurde Rosenberg häufig antisemitisch angefeindet. Er wurde Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, um die Weimarer Republik zu verteidigen. Außerdem schloss er sich der SPD an. Seine Gewerkschaftskarriere begann 1928 beim Gewerkschaftsbund der Angestellten. Rosenberg stieg bis zum stellvertretenden Bezirksgeschäftsführer auf, wurde aber Anfang 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft entlassen. Wenig später floh er nach England ins Exil. In London unterstützte er die alliierten Kriegsanstrengungen. So war Rosenberg unter anderem Sprecher der BBC-Sendung „Arbeiterstunde“. Außerdem betätigte er sich bis Ende 1945 als Berater der amerikanischen Regierung für Gewerkschaftsfragen und stand mit dem Geheimdienst Office of Strategic Services in Kontakt. 1946 übernahm er das gewerkschaftliche Zonensekretariat in Bielefeld und leitete bald den wirtschaftspolitischen Hauptausschuss des Gewerkschaftsrates. Im 1949 neugegründeten Dachverband erhielt Rosenberg die Leitung der für das Ausland zuständigen Hauptabteilung. Er befürwortete die Einbindung der Bundesrepublik in die westliche Gemeinschaft und erhoffte sich dadurch eine grundlegende Demokratisierung. Den Gewerkschaften sprach er hierbei eine wichtige Rolle zu. Nachdem das DGB-Gründungsprogramm von 1949 und das Aktionsprogramm von 1955 noch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel postuliert hatten, erkannte das Düsseldorfer Grundsatzprogramm 1963 die Soziale Marktwirtschaft an. Bei dieser Auseinandersetzung waren der IG-Metall-Vorsitzende Otto Brenner und Ludwig Rosenberg die Gegenspieler. Ahland formuliert diese Konstellation wie folgt: „War Otto Brenner die treibende Kraft hinter dem Aktionsprogramm, so war Rosenberg der Initiator des neuen Programmes, das 1963 schließlich verabschiedet werden konnte“ (S. 201). Das neue Grundsatzprogramm gilt gemeinhin als gewerkschaftliches Pendant zum Godesberger Programm der Sozialdemokratie. Kurz vor der Verabschiedung war Rosenberg zum DGB-Vorsitzenden gewählt worden.
Der DGB hatte folglich als erste Massenorganisation in der Bundesrepublik einen Juden an die Spitze gewählt. Diese Entscheidung kommentierte die New York Times wie folgt: „West Germans Elect Jew To Head Trade Unions“ (S. 239). Antisemiten diffamierten den Dachverband als „jüdischen Laden“. Seine Herkunft spielte für Rosenberg selbst keine wichtige Rolle. Er war nie Mitglied der jüdischen Gemeinde, setzte sich aber für die christlich-jüdische Aussöhnung und das Gedenken an die nationalsozialistischen Verbrechen ein. Frühzeitig organisierte der DGB Austauschprogramme mit der israelischen Gewerkschaft Histadrut und sprach sich Anfang der 1960er Jahre für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel aus.
Auf dem Gewerkschaftstag 1969 löste Heinz Oskar Vetter dann Ludwig Rosenberg als Vorsitzenden ab. Bis zu seinem Tod am 23. Oktober 1977 engagierte sich Rosenberg politisch – besonders für die europäische Einigung.
Die Biografie entfaltet ein Panorama des bewegten Lebens von Rosenberg. Insofern stellt sie einen profunden Beitrag zur bundesrepublikanischen Gewerkschaftsgeschichte dar und ist doch zugleich mehr. Die Außenseiterrolle Rosenbergs in der deutschen Arbeiterbewegung als ein Jude aus bürgerlichen Verhältnissen und Remigrant eröffnet eine Erkenntnisperspektive auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts weit über die Gewerkschaftsbewegung hinaus. Generell bieten das Verhältnis der Arbeiterbewegung zum Judentum und die Rolle von Juden innerhalb der Arbeiterbewegung noch viele Forschungsgegenstände.52
Einen historischen Überblick über das Verhältnis der Gewerkschaften zum Staat und ihre gesellschaftliche Selbstverortung liefert der von Michael Ruck herausgegebene Sammelband „Gegner – Instrument – Partner. Gewerkschaftliche Staatsverständnisse vom Industrialismus bis zum Informationszeitalter“.53
In den ersten drei Teilen setzen sich Autoren wie Klaus Schönhoven, Detlev Brunner und Wolfgang Schroeder mit der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den Anfängen bis zur Gegenwart auseinander. Rekapituliert wird die Entstehung der ersten berufsständisch orientierten Gruppen von Arbeitern nach der Revolution von 1848, die Gründung erster gewerkschaftlicher Zusammenschlüsse und die Herausbildung der bis zum Nationalsozialismus vorherrschenden Richtungsgewerkschaften.
In der Anfangsphase standen zumindest die sozialistischen Gewerkschaften dem Staat des deutschen Kaiserreichs ablehnend gegenüber. Sie strebten eine grundlegende Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse an. Diese Haltung änderte sich in der Weimarer Republik. Nach der Zäsur des Nationalsozialismus entwickelte sich die bis heute existente Struktur der Gewerkschaftsbewegung. Bei allen Veränderungen seit 1945 erfolgte der eigentliche Einschnitt im Verhältnis der Gewerkschaften zum Staat in den frühen 1990er Jahren, wie Schroeder ausführt: „Die vielfältigen Transformationen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik seit der Zeitenwende 1989/90 haben das Verhältnis zwischen Staat und Gewerkschaften substanziell verändert“ (S. 161–180, Zitat: S. 178). Der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt, die Entstehung eines Niedriglohnsektors und die Erosion des Flächentarifvertragssystems schwächten die gesellschaftliche Rolle der Gewerkschaften. Vor allem die Einführung der Hartz-Reformen durch die rot-grüne Bundesregierung erschütterte das traditionell enge Verhältnis der Gewerkschaften zur Sozialdemokratie. Diese Erschütterung wirkt bis heute fort. Ohne sie lässt sich auch die Gründung der Partei „Die Linke“ als gesamtdeutsche Organisation nicht verstehen.
In einem interessanten letzten Teil wird der Horizont über Deutschland hinaus geweitet und die Situation der Gewerkschaften in Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika diskutiert. Zu Recht weist der Herausgeber darauf hin, dass international komparative Studien „nach wie vor ein Desiderat der Gewerkschaftshistoriografie“ (S. 16) seien. Deren Schwierigkeit resultiere aus der äußerst unterschiedlichen Entstehung und Struktur der jeweiligen nationalen Gewerkschaften. Die drei Beiträge von Wolfgang Uellenberg-van Dawen (S. 183–214), André Keil (S. 215–244) und Julia Angster (S. 161–180) arbeiten das jeweilige nationale Staatsverständnis heraus, das sich grundlegend von der etatistischen Haltung deutscher Gewerkschaften unterscheidet.
Die stark zersplitterte Gewerkschaftsbewegung in Frankreich stand traditionell in großer Distanz zum Staat und zu den Parteien. Stattdessen hegte sie lange Zeit einen systemtransformierenden Anspruch zur Überwindung der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse. In Großbritannien hingegen verfolgten die Gewerkschaften von Beginn an einen reformistischen Kurs. Sie forderten, die Lohnabhängigen in das bestehende System einzubinden. Während die Arbeiterbewegung in den Dekaden nach dem Zweiten Weltkrieg starken Einfluss auf den Ausbau des Sozialstaats ausübte, änderte sich diese Situation mit der militant antigewerkschaftlichen Politik von Margaret Thatcher. Auch die sozio-ökonomische Politik von New Labour unter Tony Blair unterminierte die Gewerkschaften weiter. In den Vereinigten Staaten gehörten die Gewerkschaften traditionell zu den Verfechtern der bestehenden Verhältnisse. Gemäß einer stark verwurzelten historischen Tradition verteidigten sie den pluralistischen Liberalismus.
Der Sammelband liefert einen Überblick über die deutsche Gewerkschaftsbewegung und ihr Verhältnis zum Staat. Besonders die Aufsätze zu den anderen Ländern unterstreichen die Wichtigkeit einer transnational vergleichenden Gewerkschaftsforschung.
Zwischenfazit
Die neueren Studien zu Gewerkschaften zeigen, dass ihre Geschichte nicht mehr primär als Organisationsgeschichte geschrieben wird. Sie stellt zwar noch einen notwendigen Rahmen dar, steht aber nicht mehr im Mittelpunkt. Stattdessen ist die Organisationsgeschichte in ein weitergehendes Erkenntnisinteresse und aktuelle Forschungsdebatten eingebettet. Damit verliert sie ihren bisweilen selbstbezüglichen Charakter.
Die jüngeren biografischen Abhandlungen kontextualisieren den jeweiligen Lebensweg ausreichend in die zeithistorischen Umstände, messen aber zugleich den Funktionären die erforderliche individuelle Relevanz bei. Trotz aller vorhandenen Biografien zu bedeutenden Gewerkschaftern in der Bundesrepublik lassen immer noch einige Studien auf sich warten, etwa zu dem früheren IG-Chemie-Vorsitzenden Hermann Rappe, dem ehemaligen IG-Metall-Vorsitzenden Franz Steinkühler und dem früheren DGB-Vorsitzenden Dieter Schulte.
Ebenso harrt eine europäische beziehungsweise transnationale Gewerkschaftsgeschichte noch weitgehend ihrer Verwirklichung. Aufgrund der spezifisch nationalen Strukturen der Gewerkschaften ist dieses Vorhaben wahrlich kein leichtes Unterfangen. Dennoch darf die Gewerkschaftsgeschichtsschreibung das Postulat einer globalen Sichtweise nicht übergehen, schon aufgrund des internationalistischen Anspruchs der Arbeiterbewegung. Erste wichtige Schritte in diese Richtung sind getan. Eine derartige Erweiterung der Arbeiterbewegungsgeschichte sollte aber nicht auf das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts beschränkt bleiben, sondern ebenso deren Frühphase mit einbeziehen. Angesichts aktueller gesellschaftspolitischer Entwicklungen und der Erfolge rechtspopulistischer und -extremer Parteien erscheint das Verhältnis der Arbeiterbewegung zu Europa nicht nur von wissenschaftlichem Interesse.
Bei allen globalen, transnationalen und europäischen Perspektiven sollte die Forschung zugleich die Bedeutung der Gewerkschaften für die Geschichte der Bundesrepublik stärker herausstellen.54 Die Gewerkschaften waren nicht nur ihrem Selbstverständnis nach wichtige demokratiepolitische Akteure.55 Darüber werden in nächster Zeit sicherlich weitere Studien zur Rolle der Gewerkschaften im Prozess der Wiedervereinigung und in den 1990er Jahren erscheinen.56
Fazit
Die Forschungsfelder zur Geschichte des Kapitalismus, der Arbeit(-erbewegung) und der Gewerkschaften haben ihr länger andauerndes Nischendasein innerhalb der Geschichtswissenschaft definitiv hinter sich gelassen. Sie sind wahrnehmbar auf die akademische Agenda zurückgekehrt. Die vorgestellten Publikationen spiegeln die Vielfalt der inhaltlichen Fokussierungen und methodischen Ansätze. Trotz aller Differenzen lassen sich einige gemeinsame Trends herausdestillieren.
Viele Autoren fordern eine globalgeschichtliche Perspektive ein. Eine eurozentristische oder gar nationalstaatliche Sichtweise sei zu überwinden, eine Forderung, die aus nahezu allen Subdisziplinen der Geschichtswissenschaft zu hören ist. Eine solche Horizonterweiterung wäre sehr zu begrüßen, allerdings bleibt es bisher meist noch bei dem Postulat. Seine Umsetzung erweist sich methodisch und darstellerisch als schwierig. Eine globalgeschichtliche Perspektive müsste mehr umfassen, als erkenntnisreiche Aufsätze zu Ländern des Globalen Südens in einen Sammelband aufzunehmen. Damit ist der Nationalstaat als Bezugsrahmen nicht aufgehoben, sondern die Referenz lediglich geografisch verlagert und diversifiziert. Nichtsdestotrotz ist diese Entwicklung ein äußerst wichtiger Schritt in die angepeilte Richtung. Vor allem die Schriften Marcel van der Lindens legen dar, wie eine globale Geschichte der Arbeit(-erbewegung) angegangen werden könnte. Auf die präsentierten Publikationen aufbauend dürfte die Debatte darüber, wie eine derartige Geschichte zu schreiben ist, in den kommenden Jahren noch intensiver geführt werden. Nicht zuletzt zu diesem Zweck hat sich 2017 die German Labour History Association in Bochum gegründet.57
Ein zweiter Trend besteht darin, mittels vielfältiger methodischer Zugriffe und neuer Fragen an alte Gegenstände bestehende Dichotomien zu sprengen. So haben beispielsweise die Forschungen zur Genese des Kapitalismus und zur Geschichte der Arbeit deutlicher als bisher die (teils widersprüchliche) Komplexität der jeweiligen Untersuchungsgegenstände hervorgehoben und bisherige Gewissheiten erschüttert: Beispielsweise erweisen sich die Trennlinien zwischen kapitalistisch und vorkapitalistisch oder zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit angesichts der empirischen Untersuchungen als fluide. In dieser Hinsicht gestaltet sich die Kooperation mit verwandten Disziplinen als äußerst fruchtbar. Die Zusammenarbeit der Geschichtswissenschaft mit der Soziologie, der Ethnologie oder der Politikwissenschaft sollte weiter forciert werden, um die mannigfaltigen Aspekte einer Geschichte der Arbeit umfassend in den Blick zu bekommen. Die Untersuchungsgegenstände dieses Rezensionsaufsatzes eignen sich für eine transdisziplinäre Kooperation in besonderer Weise. Arbeit als existenzielle Kategorie menschlichen Zusammenlebens und der Kapitalismus als nahezu weltumspannendes, alle Bereiche einer Gesellschaft strukturierendes System erheischen notwendigerweise variierende methodische Zugriffe, die von einer Fachdisziplin alleine nicht zu bewerkstelligen sind.
Zu guter Letzt weisen alle Themenkomplexe eine herausgehobene Bedeutung sowohl für das Verständnis der allgemeinen historischen Entwicklung der Neuzeit als auch für den Zustand der Gegenwart auf. Die Relevanz der Geschichte des Kapitalismus für die heutige Zeit ist ebenso selbstevident wie die Bedeutung der Geschichte der Arbeit für jedes menschliche Zusammenleben. Doch auch die vorgestellten Publikationen zur Gewerkschaftsgeschichte folgen nicht mehr den eingetretenen Pfaden. Sie stellen keine klassischen Organisationsgeschichten mit Selbstzweckcharakter mehr dar. Überzeugend reflektieren sie die gesellschaftspolitische Rolle der Gewerkschaften und machen deutlich, dass eine Geschichte der Bundesrepublik ohne sie unvollständig bleiben muss.
Die marginalisierte Position von Forschungen zur Geschichte des Kapitalismus, der Arbeit und der Gewerkschaften innerhalb des Faches ist vorüber, ihr Zenit aber sicher noch lange nicht erreicht. Die neuen Erkenntnisse und empirischen Einsichten der kommenden Jahre dürfen mit Spannung erwartet werden.
Auswahlbibliografie
Ahland, Frank: Bürger und Gewerkschafter Ludwig Rosenberg. 1903 bis 1977. Eine Biografie, 514 S., Klartext, Essen 2016.
Andresen, Knud: Gebremste Radikalisierung. Die IG Metall und ihre Jugend 1968 bis in die 1980er Jahre, 640 S., Wallstein, Göttingen 2016.
Beckert, Sven/Rockman, Seth (Hrsg.): Slavery’s Capitalism. A New History of American Economic Development, 416 S., Pennsylvania UP, Philadelphia, PA 2016.
Berghoff, Hartmut/Rome, Adam (Hrsg.): Green Capitalism, Business and the Environment in the Twentieth Century, 312 S., Pennsylvania UP, Philadelphia, PA 2017.
Brunner, Detlev/Kuhnhenne, Michaela/Hartmut, Simon (Hrsg.): Gewerkschaften im deutschen Einheitsprozess. Möglichkeiten und Grenzen in Zeiten der Transformation, 184 S., transcript, Bielefeld 2017.
Buschak, Willy: Arbeiterbewegung und Europa im frühen 20. Jahrhundert, 754 S., Klartext, Essen 2018.
Eckert, Andreas (Hrsg.): Work in Global and Historical Perspective, Bd. 1: Global Histories of Work, 368 S., De Gruyter, Berlin u. a. 2016.
Führer, Karl Christian: Gewerkschaftsmacht und ihre Grenzen. Die ÖTV und ihr Vorsitzender Heinz Kluncker 1964–1982, 649 S., transcript, Bielefeld 2017.
Kleinschmidt, Christian: Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit. Geschichte der Weltwirtschaft 1500–1850, 128 S., Beck, München 2017.
Lenger, Friedrich: Globalen Kapitalismus denken. Historiographie-, theorie- und wissenschaftsgeschichtliche Studien, 215 S., Mohr Siebeck, Tübingen 2018.
Pierenkemper, Toni: Beschäftigung und Arbeitsmarkt. Entstehung und Entwicklung der modernen Erwerbsgesellschaft in Deutschland (1800–2000), 325 S., Steiner, Stuttgart 2017.
Spittler, Gerd: Anthropologie der Arbeit. Ein ethnographischer Vergleich, 316 S., Springer VS, Wiesbaden 2016.
Swiniartzki, Marco: Der Deutsche Metallarbeiter-Verband 1891–1933. Eine Gewerkschaft im Spannungsfeld zwischen Arbeitern, Betrieb und Politik, 470 S., Böhlau, Köln u. a. 2017.
Van der Linden, Marcel: Workers of the World. Eine Globalgeschichte der Arbeit, aus dem Englischen von Bettina Hoyer/Tim Jack, Campus, 503 S., Frankfurt a. M./New York 2017.
Notes
- Zur Entstehung, zum Verlauf und den politischen Reaktionen auf die Krise vgl. etwa das autobiografische Buch des damaligen amerikanischen Notenbankchefs Bernanke, Ben: The Courage to Act. A Memoir of a Crisis and Its Aftermath, Norton, New York 2015; außerdem die Darstellung des ab 2009 amtierenden amerikanischen Finanzministers Geithner, Timothy: Stress Test. Reflections on Financial Crises, Broadway, New York 2014. ⮭
- Vgl. hierzu Obermeier, Tim/Kühl, Jürgen: Armutsfolgen der Banken- und Finanzkrise, in: Dossier Arbeitsmarktpolitik, Bundeszentrale für politische Bildung, URL: <http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/55396/armutsfolgen-der-krise?p=all.> [Zugriff: 16.04.2019]. ⮭
- Schäfer, Ulrich: 1929 und 2008, in: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010, URL: < https://www.sueddeutsche.de/geld/finanzkrise-1929-und-2008-1.706025> [Zugriff: 21.07.2019]; Gillies, Peter: Der Vergleich mit 1929 passt einfach nicht, in: Welt, 18. März 2008, URL: <https://www.welt.de/finanzen/article1814906/Der-Vergleich-mit-1929-passt-einfach-nicht.html> [Zugriff: 21.07.2019]; Ritschl, Albrecht: Die teure Fehldiagnose 1929, in: Frankfurter Allgemeine, 23. Oktober 2009, URL: <https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik-die-teure-fehldiagnose-1929-1589675.html> [Zugriff: 21.07.2019]. ⮭
- Vgl. exemplarisch OECD Employment Outlook 2017, OECD Publishing, Paris 2017, URL: <https://doi.org/10.1787/empl_outlook-2017-en> [Zugriff: 21.04.2019]; eine deutsche Zusammenfassung findet sich hier, URL: <http://www.oecd.org/berlin/publikationen/Editorial-and-executive-summary-DE.pdf> [Zugriff: 21.04.2019]; Lessenich, Stephan: Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis, Hanser Berlin, Berlin 52016. ⮭
- Piketty, Thomas: Das Kapital im 21. Jahrhundert, Beck, München 2014. ⮭
- Milanovic, Branko: The Return of “Patrimonial Capitalism”. A Review of Thomas Piketty’s Capital in the Twenty-First Century, in: Journal of Economic Literature 52 (2014), H. 2, S. 519–534, hier S. 519, URL: <https://doi.org/10.1257/jel.52.2.519> [Zugriff: 19.04.2019]. ⮭
- Krugman, Paul: Why We’re in a New Gilded Age, in: The New York Review of Books 61 (2014), H. 8, URL: <http://www.nybooks.com/articles/2014/05/08/thomas-piketty-new-gilded-age/> [Zugriff: 19.04.2019]. ⮭
- Vgl. etwa Fulcher, James: Capitalism. A Very Short Introduction, Oxford UP, Oxford u. a. 2004; Kocka, Jürgen: Geschichte des Kapitalismus, Beck, München 2013. ⮭
- Vgl. Lenger, Friedrich/Süß, Dietmar: Soziale Ungleichheit in der Geschichte moderner Industriegesellschaften, in: Archiv für Sozialgeschichte 54 (2014), S. 2–24; Mergel, Thomas: Gleichheit und Ungleichheit als zeithistorisches und soziologisches Problem, in: Zeithistorische Forschungen 10 (2013), H. 2, URL: <http://www.zeithistorische-forschungen.de/2-2013/id=4598> [Zugriff: 05.01.2019]. ⮭
- Darauf haben auch bereits Kim Priemel und Jörg Neuheiser in ihren Überblicksdarstellungen hingewiesen, vgl. hierzu Priemel, Kim: Heaps of Work. The Ways of Labour History, in: H‑Soz-Kult, 23. Januar 2014, URL: <https://www.hsozkult.de/literaturereview/id/forschungsberichte-1223> [Zugriff: 21.04.2019]; Neuheiser, Jörg: Arbeit zwischen Entgrenzung und Konsum. Die Geschichte der Arbeit im 20. Jahrhundert als Gegenstand aktueller zeithistorischer und sozialwissenschaftlicher Studien, in: Neue Politische Literatur 58 (2013), H. 3, S. 421–448. ⮭
- Doering-Manteuffel, Anselm/Raphael, Lutz: Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008; Raphael, Lutz: Jenseits von Kohle und Stahl. Eine Gesellschaftsgeschichte Westeuropas nach dem Boom, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2019. ⮭
- Vgl. Homepage des Kollegs „re:work. Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive“, URL: <https://rework.hu-berlin.de/de/aktuelles.html> [Zugriff: 19.04.2019]. ⮭
- Vgl. Homepage des Instituts für die Geschichte und Zukunft der Arbeit, URL: <http://igza.org/institut/> [Zugriff: 19.04.2019]. ⮭
- Vgl. Verweis zur Arbeitsgruppe „Geschichte und Theorie des globalen Kapitalismus“, URL: <https://www.uni-giessen.de/fbz/fb04/institute/geschichte/neuere_geschichte/personen/lenger-friedrich/AG_Geschichte> [Zugriff: 19.04.2019]. ⮭
- Vgl. Homepage des Graduiertenkollegs „Soziale Folgen des Wandels der Arbeitswelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, URL: <https://wandel-der-arbeit.de/> [Zugriff: 19.04.2019]. Der Verfasser dieses Beitrags koordiniert das Kolleg. ⮭
- Kleinschmidt, Christian: Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit. Geschichte der Weltwirtschaft 1500–1850, Beck, München 2017. ⮭
- Pomeranz, Kenneth: The Great Divergence. China, Europe, and the Making of the Modern World Economy, Princeton UP, Princeton, NJ/Oxford 2000. ⮭
- Lenger, Friedrich: Globalen Kapitalismus denken. Historiographie-, theorie- und wissenschaftsgeschichtliche Studien, Mohr Siebeck, Tübingen 2018. ⮭
- Neal, Larry/Williamson, Jeffrey G. (Hrsg.): The Cambridge History of Capitalism. Bd. 1: The Rise of Capitalism. From Ancient Origins to 1848, Cambridge UP, Cambridge 2014; Dies.: The Cambridge History of Capitalism. Bd. 2: The Spread of Capitalism. From 1848 to the Present, Cambridge UP, Cambridge 2014. ⮭
- Vgl. Hall, Peter/Soskice, David: Varieties of Capitalism. The Institutional Foundations of Comparative Advantage, Oxford UP, Oxford u. a. 2001. ⮭
- Sombart, Werner u. a. (Hrsg.): Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Mohr Siebeck, Tübingen 1904–1934. ⮭
- Vgl. Köster, Roman: Rezension zu: Lenger, Friedrich: Globalen Kapitalismus denken. Historiographie-, theorie- und wissenschaftsgeschichtliche Studien, in: H‑Soz-Kult, 19. Oktober 2018, URL: <https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-29000> [Zugriff: 21.04.2019]. ⮭
- Vgl. Beckert, Sven/Rockman, Seth (Hrsg.): Slavery’s Capitalism. A New History of American Economic Development, Pennsylvania UP, Philadelphia, PA 2016. Außerdem dazu Beckert, Sven: King Cotton. Eine Globalgeschichte des Kapitalismus, übersetzt von Annabell Zettel und Martin Richter, Beck, München 2014. ⮭
- Vgl. etwa Meuschel, Sigrid: Kapitalismus oder Sklaverei. Die langwierige Durchsetzung der bürgerlichen Gesellschaft in den USA, EVA, Frankfurt a. M. 1991. ⮭
- Van der Linden, Marcel/Rodríguez Garía, Magaly (Hrsg.): On Coerced Labor. Work and Compulsion after Chattel Slavery, Brill, Leiden/Boston, MA 2016. ⮭
- Berghoff, Hartmut/Rome, Adam (Hrsg.): Green Capitalism, Business and the Environment in the Twentieth Century, Pennsylvania UP, Philadelphia, PA 2017. ⮭
- Fromm, Thomas: Die deutsche Autoindustrie muss sich von der Vergangenheit lösen, in: Süddeutsche Zeitung, 20. Oktober 2018, URL: <https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dieselskandal-die-deutsche-autoindustrie-muss-sich-von-der-vergangenheit-loesen-1.4177059> [Zugriff: 20.04.2019]. ⮭
- Vgl. Hahn, Dorothea: US-Linke präsentieren „Green New Deal“, in: taz, 8. Februar 2019, URL: <http://www.taz.de/!5571582/> [Zugriff: 20.04.2019]. ⮭
- Kocka, Jürgen/Schmidt, Jürgen (Hrsg.): Arbeit und Kapitalismus, in: Geschichte und Gesellschaft. Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft 43 (2017), H. 2, S. 182–307. ⮭
- Vgl. hierzu etwa Boris, Eileen: Caring for America. Home Health Workers in the Shadow of the Welfare State (co-authored with Jennifer Klein), Oxford UP, Oxford u. a. 2012; Boris, Eileen/Prugl, Elisabeth (Hrsg.): Homeworkers in Global Perspective, Routledge, London/New York 1996; Hoerder, Dirk/van Nederveen Meerkerk, Elise/Neunsinger, Silke (Hrsg.): Towards a Global History of Domestic and Caregiving Workers, Brill, Leiden/Boston, MA 2015. ⮭
- Zuletzt Raphael: Kohle (wie Anm. 11). ⮭
- Dörre, Klaus u. a. (Hrsg.): Capitalism and Labor. Towards Critical Perspectives, Campus, Frankfurt a. M./New York 2018. ⮭
- Als neuere Studien zur betrieblichen Ebene vgl. Owetschkin, Dimitrij: Vom Verteilen zum Gestalten. Geschichte der betrieblichen Mitbestimmung in der westdeutschen Automobilindustrie nach 1945, transcript, Bielefeld 2016; Kleinöder, Nina: Unternehmen und Sicherheit. Strukturen, Akteure und Verflechtungsprozesse im betrieblichen Arbeitsschutz der westdeutschen Eisen- und Stahlindustrie nach 1945 (= VSWG-Beiheft 234), Steiner, Stuttgart 2015. ⮭
- Spittler, Gerd: Anthropologie der Arbeit. Ein ethnographischer Vergleich, Springer VS, Wiesbaden 2016. ⮭
- Schmidt, Jürgen: Arbeiter in der Moderne. Arbeitsbedingungen, Lebenswelten, Organisationen, Campus, Frankfurt a. M./New York 2015. ⮭
- Van der Linden, Marcel: Workers of the World. Eine Globalgeschichte der Arbeit, aus dem Englischen von Bettina Hoyer/Tim Jack, Campus, Frankfurt a. M./New York 2017. ⮭
- Eckert, Andreas (Hrsg.): Work in Global and Historical Perspective. Bd. 1: Global Histories of Work, De Gruyter, Berlin u. a. 2016. ⮭
- Vgl. etwa Rifkin, Jeremy: Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft. Neue Konzepte für das 21. Jahrhundert, Campus, Frankfurt a. M./New York 2004; Gorz, André: Wege ins Paradies. Thesen zur Krise, Automation und Zukunft der Arbeit, Rotbuch, Berlin 1983. ⮭
- Leonhard, Jörn/Steinmetz, Willibald (Hrsg.): Semantiken von Arbeit. Diachrone und vergleichende Perspektive, Böhlau, Köln u. a. 2016. ⮭
- Pierenkemper, Toni: Beschäftigung und Arbeitsmarkt. Entstehung und Entwicklung der modernen Erwerbsgesellschaft in Deutschland (1800–2000), Steiner, Stuttgart 2017. ⮭
- Zur aktuellen Debatte aus gewerkschaftlicher Perspektive vgl. Hoffmann, Reiner/Bogedan, Claudia (Hrsg.): Arbeit der Zukunft. Möglichkeiten nutzen – Grenzen setzen, Campus, Frankfurt a. M./New York 2015; Jürgens, Kerstin/Hoffmann, Reiner/Schildmann, Christina: Arbeit transformieren. Denkanstöße der Kommission „Arbeit der Zukunft“, transcript, Bielefeld 2017. ⮭
- Vgl. hier etwa Aulenbacher, Brigitte/Riegraf, Birgit/Theobald, Hildegard (Hrsg.): Sorge. Arbeit, Verhältnisse, Regime (Soziale Welt, Sonderband 20), Nomos, Baden-Baden 2014; Winker, Gabriele: Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft, transcript, Bielefeld 2015. ⮭
- Vgl. hierzu etwa Dietz, Bernhard/Neuheiser, Jörg (Hrsg.): Wertewandel in Wirtschaft und Arbeitswelt. Arbeit, Leistung und Führung in den 1970er und 1980er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland, De Gruyter Oldenbourg, Berlin u. a. 2017. ⮭
- Berger, Stefan/Nehring, Holger (Hrsg.): The History of Social Movements in Global Perspective. A Survey, Palgrave Macmillan, London 2017. ⮭
- Buschak, Willy: Arbeiterbewegung und Europa im frühen 20. Jahrhundert, Klartext, Essen 2018. ⮭
- Ders.: Die Vereinigten Staaten von Europa sind unser Ziel. Arbeiterbewegung und Europa im frühen 20. Jahrhundert, Klartext, Essen 2013. ⮭
- Swiniartzki, Marco: Der Deutsche Metallarbeiter-Verband 1891–1933. Eine Gewerkschaft im Spannungsfeld zwischen Arbeitern, Betrieb und Politik, Böhlau, Köln u. a. 2017. ⮭
- Andresen, Knud: Gebremste Radikalisierung. Die IG Metall und ihre Jugend 1968 bis in die 1980er Jahre, Wallstein, Göttingen 2016. ⮭
- Brunner, Detlev/Kuhnhenne, Michaela/Hartmut, Simon (Hrsg.): Gewerkschaften im deutschen Einheitsprozess. Möglichkeiten und Grenzen in Zeiten der Transformation, transcript, Bielefeld 2017. ⮭
- Führer, Karl Christian: Gewerkschaftsmacht und ihre Grenzen. Die ÖTV und ihr Vorsitzender Heinz Kluncker 1964–1982, transcript, Bielefeld 2017. ⮭
- Ahland, Frank: Bürger und Gewerkschafter Ludwig Rosenberg. 1903 bis 1977. Eine Biografie, Klartext, Essen 2016. ⮭
- Vgl. hierzu Börner, Markus/Jungfer, Anja/Stürmann, Jakob (Hrsg.): Judentum und Arbeiterbewegung. Das Ringen um Emanzipation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Europäisch-jüdische Studien, Beiträge 30), De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2018. Vgl. auch die von der Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit dem Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam organisierte Konferenz „Deutsche Gewerkschaften und Israel“ im April 2018 in Berlin, Programm der Tagung „Deutsche Gewerkschaften und Israel“: URL: <https://www.boeckler.de/pdf/v_2018_04_16_17_programm.pdf> [Zugriff: 21.06.2019]. ⮭
- Ruck, Michael (Hrsg.): Gegner – Instrument – Partner. Gewerkschaftliche Staatsverständnisse vom Industrialismus bis zum Informationszeitalter, Nomos, Baden-Baden 2017. ⮭
- Dass es in dieser Hinsicht Nachholbedarf gibt, zeigt Lauschke, Karl: Sind Gewerkschaften eine historische Randerscheinung? Weiße Flecken in großen Geschichtswerken, in: Gegenblende, 20. März 2015, URL: <https://gegenblende.dgb.de/artikel/++co++3a8f4196-c8b4-11e4-87ae-52540066f352> [Zugriff: 21.04.2019]. ⮭
- Vgl. hierzu auch die 2018 vom DGB eingerichtete Kommission „Erinnerungskulturen sozialer Demokratie“, URL: <http://www.isb.rub.de/forschung/drittmittel/erinnerungskulturen_der_sozialen_Demokratie.html.de> [Zugriff: 21.04.2019]. ⮭
- Im Institut für Zeitgeschichte (IfZ), Berlin, forscht beispielsweise Christian Rau im Rahmen des Projekts zur Geschichte der Treuhandanstalt über die Rolle der Gewerkschaften, vgl. Mitarbeiterseite von Christian Rau am IfZ, URL: <https://www.ifz-muenchen.de/das-institut/mitarbeiterinnen/ea/mitarbeiter/christian-rau/> [Zugriff: 21.04.2019]. ⮭
- Vgl. „About“-Seite der German Labour History Association, URL: <https://germanlabourhistory.wordpress.com/about/> [Zugriff: 21.04.2019]. ⮭