Einführung
Die Digitalisierung als ursprünglich rein technischer Vorgang der Umwandlung analoger Größen und Daten in elektronisch gespeicherte und verarbeitbare Formate bedeutet heute die größte gesellschaftliche Umwälzung seit vielen Jahrzehnten. Gemeinsam mit Computer und Internet, mit denen eine von Restriktionen durch Zeit und Raum entkoppelte Vernetzung von Rechen- und Speicherkapazitäten möglich wurde, steht die Digitalisierung nicht nur für die rasante Fortentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), sondern für eine Revolution der gesamten menschlichen Lebens- und Arbeitswelt. Diese umfasst sowohl die kontinuierliche Zunahme von (arbeits- und kapitalsparenden) digitalen Produktionsprozessen als auch massive Änderungen im allgemeinen Sozial‑, Medien‑, Sprach- und Lernverhalten bis hin zur Schaffung künstlicher Intelligenzen beziehungsweise einer neuen, virtuellen Realität durch die digitalen Netzinfrastrukturen des Cyberspace. Untrennbar verwoben sind Digitalisierung und Internet zudem mit den sogenannten drei ,Vs‘ der Big-Data-Ära, das heißt der Geschwindigkeit (velocity), mit der Daten und Informationen generiert und ausgewertet werden, dem immensen, ständig wachsenden Umfang (volume), in dem solche Daten zu sammeln und zu speichern sind, sowie der Vielfalt (variety) an Datenquellen und -typen, die sich mithilfe von Algorithmen systematisch ordnen und zusammenfassen lassen.
Mit diesem sozialen Wandel gehen nach wie vor schwer abschätzbare Folgen in ökonomischer, rechtlicher und politischer Hinsicht einher, die nicht nur die Strukturen der Öffentlichkeit, sondern auch die Privatsphäre verändern. Gerade die politischen Dimensionen von Digitalisierung und Internet sind mehr als evident und geben Anlass zu unterschiedlichen Spekulationen. Das Spektrum reicht hier von optimistischen, bisweilen nahezu euphorischen Entwürfen, die von völlig neuen Beteiligungsoptionen, einer gravierenden Verbesserung der Bürger-Politiker-Kommunikation oder sogar der Realisierbarkeit direkter Demokratie in großen Territorialstaaten ausgehen,1 über betont nüchtern-neutral gehaltene Studien bis hin zu äußerst skeptischen Stimmen.2 Letztere warnen beharrlich vor einem Digital Divide, das heißt dem ungleichen Zugang zu Informationen infolge eines Generation, Social und/oder Knowledge Gap,3 beklagen die demokratiefeindliche Unterwerfung des Netzes unter kapitalistische Maximen4 oder identifizieren die schwer auszuschaltende Manipulierbarkeit elektronischer Abstimmungen als nachhaltiges Hindernis für eine „Digitalisierung“ der Demokratie.5 Fundamentalkritiker wie Evgeny Morozov betrachten sogar alle theoretischen Potenziale, mithilfe der globalen Vernetzung sowie durch Online-Aktivismus die politische Partizipation auszuweiten, als Chimäre. Stattdessen entstünden durch Internet und Digitalisierung für privatwirtschaftliche Unternehmen beziehungsweise auch die öffentliche Hand bislang ungeahnte Möglichkeiten, um Zensur, Überwachung, Propaganda und Manipulation von Informationen und Bürgern auf eine Weise zu perfektionieren, die jede Demokratie ihrer Substanz beraubt.6 Abgesehen davon wäre es nach Morozov a priori zum Scheitern verurteilt, die hochkomplexen sozialen und politischen Probleme, die in modernen Demokratien verhandelt werden, durch die Applikation von Soft- und Hardware lösen zu wollen. Solche ‚Naivität‘ bezeichnet Morozov als „technologischen Solutionismus“,7 dessen Glaube an einfache, technische Lösungen im digitalen Zeitalter ein vollkommen unrealistisches Ausmaß annimmt.
Tatsächlich verbietet es die alle Lebensbereiche durchdringende Digitalisierung, sie als ein isoliertes Phänomen zu erfassen, mit dem beispielsweise eine konkrete Reform auf dem Gebiet des Politischen anzuleiten wäre, ohne dass Einflüsse aus anderen Sektoren der Gesellschaft wirksam würden und die angestrengte Reform gegebenenfalls konterkarieren. Eine „digitale Demokratie“ daher schlicht mit Electronic Voting gleichzusetzen, um vor diesem Hintergrund zwischen den Chancen, die Bevölkerung in den politischen Willensbildungsprozess stärker einzubinden als zuvor, und Risiken – etwa durch Manipulation und Hacking – zu differenzieren,8 würde insofern bei Weitem zu kurz greifen. Eine unter Umständen positiv-konstruktive Kombination von Demokratie, Digitaltechnik, und Internet sowie nicht zuletzt neuen sozialen Medien müsste infolgedessen weniger als Reform des Bestehenden, sondern als Hervorbringung eines neuen ‚Typus‘ der Volksherrschaft angesehen werden.
In diesem schwierigen Kontext ist es überaus auffällig, dass gerade diejenigen Autoren, deren Namen in den aktuelleren Abschnitten der politischen Ideengeschichte untrennbar mit einer signifikanten Stärkung partizipatorischer, deliberativer und bürgernaher Elemente der Demokratie verbunden sind – Benjamin Barber9 und Jürgen Habermas10 – im Hinblick auf das Thema Internet und Digitalisierung eher im Lager der Skeptiker stehen. Barber, der bemerkenswerterweise noch dem Fernsehen eine zentrale Rolle zugestanden hatte, um die von ihm propagierte Strong Democracy als „Kommunikationsgenossenschaft der Bürger“ zu forcieren,11 befürchtete hier, dass eben die Stärken der neuen digitalen IKT für eine eklatante Schwächung der Demokratie sorgen könnten. Dabei hatte er nicht allein das Phänomen des Digital Divide oder das Unterlaufen nationaler Souveränität im Visier, sondern suggerierte, dass die herausstechenden Merkmale der Digitaltechnik – Tempo und Geschwindigkeit, Binarität und Vereinfachung, Rückzug und Selbstbezug des Einzelnen – in der auf Geduld und Abwägung sowie eine politisch aktive Bürgerschaft angewiesenen, komplexen Demokratie keine positive Resonanz erfahren.12 Dazu ergänzend wies Habermas darauf hin, dass die sich qua Internet und virtueller Raum immer mehr fragmentierende Öffentlichkeit wenigstens „vorerst“ die „funktionalen Äquivalente“ entbehrt, um eine massenmedial strukturierte politische Diskussion auffangen sowie die nunmehr dezentralisierten „Botschaften […] selegieren und in redigierter Form synthetisieren“ zu können.13 Anders ausgedrückt, bis dato fehlen den durch Internet und Digitalisierung evozierten politischen Diskursen gleichermaßen Qualität wie Quantität und Reichweite, um eine Form der Öffentlichkeit zu generieren, wie sie Habermas’ Modell der deliberativen Demokratie verlangt.
Jene bestenfalls ambivalente Aufnahme, die die politischen Potenziale der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien durch die ‚Granden‘ der partizipatorischen Demokratietheorie erfahren haben, spiegelt sich ebenso in den an dieser Stelle zu besprechenden Publikationen jüngeren Datums. Auch hier überwiegt die Skepsis insgesamt recht deutlich den Optimismus früherer Jahre, der im Internet beziehungsweise in der Digitaltechnik die Vehikel für eine buchstäblich ‚grenzenlose‘ Demokratie vermutete. Und selbst wenn solche Zurückhaltung teilweise darauf beruhen mag, dass sich Krisendiagnosen erfahrungsgemäß gut vermarkten, so ist der negative Trend doch kaum zu bestreiten. Streckenweise ist beinahe eine Art ‚Untergangsstimmung‘ zu verzeichnen, was die Chancen der Demokratie in der Zukunft angeht, zumal mittlerweile registriert wird, wie sehr die Logik des Netzes den (weiteren) Aufstieg des (Rechts‑)Populismus erleichtert. Nicht nur, dass Fake News, Filter Bubbles14 und Echokammern einiges dazu beitragen, dass sich radikale politische Meinungen entlang von selektiven Wahrnehmungsprozessen ausbreiten und verfestigen, lässt sich mithilfe von automatisierten Programmen (Bots) und menschliche Identitäten vortäuschenden Fake Accounts das Stimmungsbild in den sozialen Medien derart steuern und manipulieren, dass es einer Kultivierung (rechts-)populistischer Positionen zugutekommt.
Die nachfolgende Analyse wird nichtsdestotrotz versuchen, das übliche Pro/Contra-Schema bezüglich der Thematik Digitalisierung, Internet und Demokratie zu durchbrechen und es nur zu Beginn in einer Bestandsaufnahme als erkenntnisleitenden Fokus zuzulassen (Abschn. 2). Demgegenüber wird es die Grundperspektive des vorliegenden Rezensionsaufsatzes sein, die Notwendigkeit, dass sich die Demokratie der Zukunft entlang der digitalisierten Informations- und Kommunikationstechniken entwickelt (und umgekehrt), mehr oder weniger vorauszusetzen und die Frage der digitalen Demokratie nachgerade in einen größeren gesellschaftstheoretischen Rahmen zu stellen, der ihrer Komplexität entspricht (Abschn. 3). Auf dieser elaborierten Basis lässt sich sodann beurteilen, inwieweit sich einschlägige Studien und Stellungnahmen aktuell durch die erforderliche Innovativität auszeichnen oder aber in ihrem Reflexionsgrad über das Niveau früherer Publikationen kaum hinausreichen (Abschn. 4).
Der grundlegende Fokus der nachfolgenden Ausführungen ist folglich ein genuin demokratietheoretischer, der die heterogenen Perspektiven zum Thema Digitalisierung und Demokratie zu einer konsistenten Argumentationslinie bündelt. Nicht geleistet werden kann und soll hingegen eine darüber hinausgehende systematische Strukturierung der einschlägigen Literatur, etwa entlang von disziplinären Verortungen, methodischen Zugängen und Vergleichen, des Anspruchs einer vollständigen Abbildung des Forschungsstands oder des Aufzeigens weiterer Desiderate im Rahmen der politik-, sozial-, rechts- und kommunikationswissenschaftlichen Forschung.15 Für das gleichermaßen dynamische wie unübersichtliche Feld der Digitalisierung besitzt die hier applizierte demokratietheoretische Klammer gleichwohl einen signifikanten Orientierungsgehalt.
Erste Bestandsaufnahme – Von Chancen, Risiken und Notwendigkeiten
Dass das Problem der digitalen Demokratie bevorzugt in Form einer Gegenüberstellung von Chancen und Risiken diskutiert wird, hat sich bereits in zahlreichen Fällen gezeigt.16 Auch neuere Veröffentlichungen folgen im Prinzip meist einer solchen Ausrichtung, wenngleich die grundlegende Ambivalenz eine Schwerpunktsetzung nicht verbietet. Die zentrale These der Studie von Cass Sunstein, Professor an der Harvard Law School und einer der führenden Public Intellectuals in den USA, steht dabei schon im (Unter‑)Titel seines Buches: Eine „gespaltene Gesellschaft“ ist von der Digitalisierung sowie einer „Republik“ zu erwarten, in der die politische Kommunikation zunehmend über Hashtags in sozialen Netzwerken wie Twitter abläuft und in der die selektive und selbstreferenzielle Informationsaufnahme zur Polarisierung von Gruppenidentitäten führt.17 Um seine Diagnose zu unterfüttern, nimmt Sunstein Anleihen beim Begriff des „Daily Me“ (S. 1–6), mit dem der Gründer des MIT Media Lab, Nicholas Negroponte, einst die Individualisierung und Kommerzialisierung der Gesellschaft als sichtbarsten Output der digitalisierten Welt beschrieben hatte.18 Bei Sunstein steht jenes „tägliche Ich“ für eine selbstgenügsame individuelle Identität, die sich ganz nach eigenen Bedürfnissen und Interessen fernab von einem allgemein geteilten öffentlichen Raum (public forum) konstituiert. Eben hierauf sei der Informationsfluss im Netz via Facebook, Google oder Twitter geeicht: um jeden Einzelnen mit Werbung, Daten und Hinweisen zu versehen, die ihn zu immer neuen Konsumentscheidungen bewegen und ihn ansonsten in seinem vorgefertigten Weltbild belassen. Die Souveränität des Konsumenten (S. 52–58) löst dadurch sukzessive die Souveränität des Volkes beziehungsweise das Engagement für das Gemeinwohl (public good) ab. Politisch droht jene Entwicklung in ein Fiasko zu münden, weil die isolierte Konstitution des Selbst („self-insulation“, S. 252) der persönlichen Begegnung der Bürger, ihrem Austausch von Argumenten sowie dem konstruktiven Umgang mit Dissens widerstrebt. Anstatt in schwierigen Fragen Kompromissfähigkeit auszubilden, schüren die Echokammern des Internet das ungebremste Vertrauen in die eigene Meinung, welches durch die nun grenzenlos mögliche exklusive Diskussion mit Gleichgesinnten weiter verfestigt wird. Eine derartige Kommunikationsrealität provoziert nach Sunstein notgedrungen die soziale Fragmentierung, Polarisierung und Radikalisierung von Gruppen bis hin zur Salonfähigkeit von Extremismus und Gewaltbereitschaft (S. 68–73). Der politische Gegner wird dann nicht länger als legitimer Kontrahent, sondern als zu bekämpfender Feind betrachtet. Derartige Negativeffekte sind durch Schweigespiralen (S. 73), populistische Demagogen wie Donald Trump (S. 82–83) sowie aus dem Ruder laufende „Cyberkaskaden“ (S. 98 ff.), in denen allerhand zweifelhafte Reputationen das Meinungsbild prägen, weiter zu verstärken. Flankiert wird die Polarisierung von der (gefühlt) ständig wachsenden terroristischen Bedrohung, die sich ebenfalls bevorzugt im Netz organisiert (S. 234 ff.) und die aufgrund der Uneinigkeit, wie die Gefahr zu bannen sei, das politische Klima zusätzlich vergiftet.
Als Therapiemaßnahmen, die einer solchen Spaltung der digitalen Gesellschaft vorbeugen sollen, schlägt Sunstein sowohl mehr Kontrolle und Regulation (S. 176 ff.) als auch Transparenz und Ausgewogenheit vor. Einer zu einseitigen Berichterstattung von Nachrichtenanbietern wie cnn.com oder foxnews.com will er etwa durch Übertragungspflichten („must-carry-rules“) begegnen (S. 226–229), während das Aufbrechen von Filter Bubbles nach der Platzierung und Verlinkung von Gegenmeinungen („opposing viewpoints“) beziehungsweise „Zufallsklicks“ („serendipity buttons“) verlange (S. 231–233) – gerade in sozialen Medien wie Facebook. Auch müsse man sich von einem zu absoluten Verständnis von Meinungsfreiheit verabschieden (S. 200 ff.) und stattdessen durch deliberative domains (S. 215 ff.) sowie die Subventionierung öffentlich zugänglicher Websites (S. 225 f.) einerseits gemeinwohlorientierte Projekte und andererseits den (selbst-)kritischen Austausch von Argumenten gezielt fördern.
Sunsteins Buch wiederholt zum einen bewusst die klassische Individualismuskritik, wie sie seit den Tagen von Alexis de Tocqueville zum intellektuellen Standardrepertoire in westlichen Demokratien gehört (S. 163 f.). Explizit zitiert er dazu Robert D. Putnams an Tocqueville anknüpfende Studie „Bowling alone“ (S. 273, FN 2), doch hätte er sich auch auf Autoren wie Robert N. Bellah19 oder Richard Sennett20 berufen können, die ebenso in der Tradition Tocquevilles stehen. Das Verdienst von Sunsteins öffentlich wirksamem Plädoyer liegt andererseits darin, die Segregations- und Isolationstendenzen in der digitalen Ära nicht länger als Form der politischen Apathie, sondern ihrerseits als hochpolitische Vorgänge rekonstruiert zu haben. Sein Appell, sich heute an das Ideal der Öffentlichkeit bei Alexander Hamilton/den Federalists (S. 49, 54) beziehungsweise bei Habermas (S. 46 f.) zu erinnern, übersteigt daher den moralinsauren Duktus, der ähnlichen Stellungnahmen in der Vergangenheit oft anhaftete. Stattdessen bringt er – wenngleich als theoretisches Szenario und weniger als empirisch gesättigten Befund – eine Problematik auf den Punkt, die sich aktuell in vielen politischen Diskursen niederschlägt und von der mittelfristig eine demokratiezersetzende Kraft ausgehen könnte.
Zur Krisendiagnose Sunsteins, die nicht zuletzt die erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Republikanern und Demokraten, Konservativen und Liberalen im politischen Amerika der Trump-Ära reflektiert, passt auch das neue Buch von Matthew Hindman, Associate Professor für Medien und Öffentlichkeit an der George Washington University. Dieser spricht von der „Falle“, die das Internet für die Demokratie ausgehoben hat.21 Als Gegner der demokratischen Idee wird vor allem die digitale Ökonomie mit ihrem Hang zur Monopol- und Kartellbildung entlarvt. Anstatt die (demokratische) Gleichheit fördern die Marktkräfte der Digitalisierung die Konzentration von Kapital und Ressourcen sowie den horrenden Profit einer schmalen Elite, während die überwiegende Mehrheit leer ausgeht und/oder abgehängt wird. Dabei analysiert Hindman akribisch die enormen Wettbewerbsvorteile von Großunternehmen/großen Websites: Schnelligkeit, attraktives Design, Aktualität, gesteuerte Navigation, Personalisierung des Angebots, Markenetablierung, Platzierung in Suchmaschinen, Stabilität des Web-Traffic, Werbebudget – in all diesen (und zahlreichen weiteren) Aspekten seien die Big Player wie Google, Amazon oder Facebook ihren Konkurrenten turmhoch überlegen. Und da die Präferenzen der Internet-User eben auf Zeitersparnis und Qualitätsanspruch liegen, werde der Abstand zwischen „Groß“ und „Klein“ immer eklatanter. Die „Natur“ des Internet (S. 162) sei es mithin, nicht nur die Gleichheit, sondern auch die Freiheit zu untergraben, indem eine freie Distribution von Informationen gegen die Profitgier der Unternehmen gerichtet wäre. Mithilfe von Internet Governance, Netzneutralität und Kartellrecht (S. 170 ff.) sei die demokratiefeindliche „Natur“ des Internet zwar bis zu einem gewissen Grad zu kompensieren, Illusionen über das Erreichbare sollte man sich jedoch besser nicht hingeben.
Wie Sunstein (S. 153–155) richtet Hindman seine Argumentation gegen jene optimistischen Assoziationen von Internet und Demokratie, die besonders Yochai Benkler22 (S. 12, 170) repräsentiert: Gegen ein derartiges „imagined internet“ (S. 163) will Hindman seine „realistische“ Analyse lancieren. Dass sich die meisten Hoffnungen, in den neuen sozialen Medien und Netzwerken könnten sich Meinungsvielfalt und Gleichberechtigung ausbreiten, zerschlagen werden, macht er vorrangig am Niedergang analoger Printmedien und dem (aussichtslosen) Überlebenskampf des Lokaljournalismus fest. Letztere hätten den digitalen Konzentrationsprozessen kaum etwas entgegenzusetzen und büßten kontinuierlich an Umsatz und Leserschaft ein. Die sich etablierende Blogosphäre könne im Gegenzug den Verlust an Diversität nicht auffangen.
Sieht man davon ab, dass Hindman seiner schon vor knapp zehn Jahren artikulierten Position, die Idee einer digitalen Demokratie bleibe gezwungenermaßen ein Mythos,23 wenig Neues hinzufügt und nur versucht, seine These mit Blick auf die Entwicklung im Sektor der Massenkommunikation zu unterfüttern, ist seiner detaillierten Analyse der Überlegenheit großer Medien- und Internetunternehmen gewiss manches abzugewinnen. Woran es fehlt, ist allerdings eine elaborierte Auseinandersetzung mit der Komplexität der Demokratie selbst, deren (antagonistisches) Verhältnis zu den digitalen Monopolisierungsprozessen eher postuliert denn schlüssig entfaltet wird. Jedenfalls widerspricht die von Hindman monierte Kartellbildung der Idee des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs weit eindeutiger als der modernen Demokratie, deren eigenständige Zentralisierungstendenzen nicht umsonst ein viel diskutiertes Thema der klassischen Politischen Theorie (Tocqueville, Max Weber) darstellen. Folgerichtig hinterlässt die Lektüre von Hindmans Buch beim Leser den Verdacht, dass hier einmal mehr relativ vorschnell die eigene Position als ‚demokratisch‘ deklariert sowie als Synonym für Legitimität und Gerechtigkeit behandelt wird, ohne die dafür notwendigen Verhältnisbestimmungen (in diesem Fall zwischen Demokratie und Kapitalismus) vorzunehmen.
Ein ähnliches, wenngleich anders gelagertes Manko weist ein von T.M. Vinod Kumar herausgegebener Band zum Thema E‑Democracy auf Städteebene auf.24 Die dort versammelten, hauptsächlich auf Indien fokussierten Studien verschaffen zwar einen Eindruck davon, wie umfassend heute bereits über Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetze verbundene private Notebooks, Tablets und Smartphones zur gemeinsamen Bewältigung von öffentlichen Organisations‑, Planungs‑, Versorgungs- und Verwaltungsaufgaben eingesetzt werden; außerdem zeigen sie, dass die Frage der digitalen Demokratie keineswegs auf den Westen beschränkt bleibt, sondern dass auf dem Feld von Smart Governance gerade auch Städte in Afrika (Nairobi, Lagos), der arabischen Welt (Dubai), Asien (Delhi, Feroke, Hongkong) oder Russland (Ivanovo, Machatschkala) mit innovativen, technisch ausgereiften Maßnahmen (etwa Blockchains zur Organisation von Lieferketten, S. 509 ff.) auffallen. Jene Auswahl zeigt jedoch zugleich ein Fundamentalproblem: So wird in dem Band von Vinod Kumar die technisch vermittelte Kommunikation, die eine Beteiligung von Unternehmen, Akademikern und Bürgern an regionalen und städtischen Governance-Strukturen ermöglicht, relativ unkritisch mit Demokratie gleichgesetzt, und das, obwohl das einführende Kapitel (S. 1–50) beansprucht, den „State of the Art“ der wissenschaftlichen Debatte über E‑Democracy zu verarbeiten. Der vage bleibende Bezug auf einen Demokratiebegriff als Regierungsweise (government), die von der höchsten Gewalt des Volkes ausgehend zu einem direkten oder indirekten Repräsentativsystem führt, bleibt dort aber ebenso hinter den Erwartungen zurück wie die Definition von E‑Democracy als „simply the use of technology tools to facilitate democratic activities“ (S. 20). Auf dieser Basis wirkt es möglich, technisch vermittelte, munizipal organisierte bürgerliche Beteiligungsformen als „beginnende“ Praxis von E‑Democracy auszugeben (S. 550), ohne dass dazu ein rechtsstaatlicher beziehungsweise landesweit verwirklichter demokratischer Rahmen (der in China, Russland oder den Vereinigten Arabischen Emiraten allenfalls schwach ausgeprägt ist) vonnöten wäre. Die nötige Offenheit der Demokratie für eine Nutzung und Anpassung moderner Digitaltechnik würde unter solchen Vorzeichen Gefahr laufen, mittel- und langfristig einen substanziellen Ausverkauf des Demokratiebegriffs zu provozieren.
Im Vergleich dazu warten Corien Prins et al. mit einem (noch) breiter gefächerten, aber dennoch ausgewogenerem Überblick über den Stand der wissenschaftlichen Reflexion sowie der praktischen Verwirklichung von digitaler Demokratie weltweit auf.25 Der vorgeschaltete Theorieteil verschafft einerseits kritischen Stimmen Gehör, die auseinandersetzen, warum es eine überbordende Erwartung an die Informationsgesellschaft wäre, jenes allumfassende Gleichheitsversprechen in Staat und Gesellschaft einzulösen, an dem – mit Norberto Bobbio26 – zuvor schon die nicht digitalisierte Demokratie gescheitert ist (Udo Pagallo), oder warum die Sicherheit von Electronic Voting (Rivka Weill), die fortschreitende Entpolitisierung (Emre Bayamlıoğlu) sowie die Gewährleistung von Privacy und Transparenz (Colette Cuijpers) gravierende und aller Voraussicht nach konstante Probleme der digitalen Informationssphäre darstellen, die von den verantwortlichen Akteuren höchste Aufmerksamkeit verlangen. Andererseits wird die Idee der digitalen Demokratie eher visionär auf globalem beziehungsweise transnationalem Level konturiert, wenn sie als „multilevel constitutionalism“ beschrieben (Ingolf Pernice) oder mit dem Ansatz einer „multistakeholder governance“ assoziiert wird (Nicolo Zingales/Roxana Radu). Die hieran anknüpfenden Case Studies nehmen neben Ländern wie China und Indien auch Entwicklungen in Brasilien, Kanada, den USA, der Europäischen Union, Island, Belgien und den Niederlanden ins Visier, was die digitalisierte Partizipation und Konsultation der Bürger im Hinblick auf den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess beziehungsweise die Unterstützung einer ‚virtuellen‘ gemeinsamen politischen Identität und Öffentlichkeit angeht. Im Tenor (und ohne bestehende Risiken wir Cyber Stalking, Cyber-Mobbing oder Hate Speech zu verkennen) verraten sich die Beiträge durchaus als zuversichtlich, dass der Einsatz von digitalen Tools in Ländern wie China demokratiefördernde Effekte ausprägen wird (Bo Zhao), wohingegen er in den etablierten westlichen Demokratien zu deren Vitalität und Erneuerung beitragen könnte.
Eine stark juristisch imprägnierte Aufarbeitung des Themas digitale Demokratie legte im Jahr 2016 ein Autorenkollektiv um den Kieler Rechtsprofessor Utz Schliesky vor.27 Dort werden auf Basis des repräsentativen Demokratieprinzips, wie es das deutsche Grundgesetz vorsieht (und per ‚Ewigkeitsklausel‘ in Art. 79 III auch garantiert), verfassungsrechtliche Analysen zu den Veränderungen von Wahlen, Mandaten sowie des Parlaments im digitalen Zeitalter vorgenommen. Diesbezüglich kommen die Rechtsexperten zu dem Schluss, dass die technische Ausgestaltung von Online-Abstimmungen/E‑Voting im Prinzip mit den Vorgaben des Grundgesetzes beziehungsweise auch der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts vereinbar sei (S. 54 ff.), zumal mit der Briefwahl ein einschlägiges Vorbild existiert. Auch, dass sich die Kommunikation (und Kontrolle) zwischen Abgeordneten und Bürgern/Wählern gegebenenfalls auf digitale Formen beschränkt, sei vom Prinzip des freien Mandats gedeckt (S. 96, 134), selbst wenn sich der soziale Druck auf die immer „gläserner“ werdenden Abgeordneten massiv erhöhe. Hingegen wäre ein genereller Verzicht auf die physische Anwesenheit von Abgeordneten (und Beobachtern) bei Parlamentsdebatten durch Nutzung digitaler Medien als Verstoß gegen den Öffentlichkeitsgrundsatz aus Artikel 42 Absatz 1 Satz 1 Grundgesetz zu bewerten (S. 116) und müssten die Nutzer mobiler Endgeräte im Bundestag darauf achten, nicht dessen Würde und Sittlichkeit zu stören (S. 130). Desgleichen sei die Praxis einer Liquid Democracy, in der Programme wie LiquidFeedback und Adhocracy die Option offerieren, themenbezogene Stimmen jederzeit an Experten (oder auch Parteien) zu delegieren (S. 74), innerparteilich zwar denkbar, im Ganzen jedoch als Gefahrenherd für das freie Mandat sowie als potenzieller Widerspruch zum Prinzip der Repräsentativität politisch-demokratischer Entscheidungen zu interpretieren (S. 134). Vor allem eine Form der Willensbildung nach dem Konzept der „Schwarmintelligenz“ aber würde der verfassungsrechtlichen Realität in Deutschland entgegenstehen, da hier nach Artikel 20 Absatz 1 Satz 2 „Vertreter und Vertretene gerade nicht identisch“ seien (S. 132). Weitgehend offen bleibt bei Schliesky et al. allerdings die Frage, ob und inwieweit die Agenda für eine digitale Demokratie relevante Grundgesetz- und Verfassungsänderungen rechtfertigen würde.
Zwei neuere, ambitioniert angelegte Studien zum Thema Digital Citizenship und Online-Campaigning von Ariadne Vromen28 und Daniel Kreiss29 spiegeln ebenfalls die rasante Entwicklung des Verhältnisses zwischen Demokratie und Digitaltechnik wider. Vromen legt ihr Augenmerk auf das Thema Cyberactivism und politisches Engagement. Anhand einer mehr als zehnjährigen Beobachtung der australischen Grassroot- und Umweltbewegung GetUP vermag sie zu zeigen, wie sehr der Einsatz sozialer Medien und digitaler Kommunikationsmittel die allgemeinen Strategien von NGOs und Bürgerorganisationen verändert hat, um das politische Interesse der Bevölkerung am politischen Prozess zu wecken und ihre Partizipation zu intensivieren. Die neue Technik korrespondiert nach Vromen mit einem neuen Typus des technikaffinen Bürgeraktivisten sowie einer sich dramatisch verändernden Medienwelt, die sich beide in der digitalen Welt herauskristallisieren. Während Vromen ihre Ergebnisse mit den Entwicklungen in ähnlichen Organisationen wie MoveOn und AVAAZ in den USA oder 38 Degrees in Großbritannien vergleicht (und auch in Einklang bringt), betrachtet Kreiss – schwerpunktmäßig zwischen 2004 bis 2012 – die auffallend unterschiedliche Verwendung der neuen IKT, welche die beiden großen Parteien in den USA, die Republikaner und Demokraten, bei den in diesem Zeitraum anfallenden Präsidentschaftskampagnen unternommen haben. Die zu konstatierende Divergenz, was die Beauftragung von IT-Firmen, die Einstellung von IT-Spezialisten et cetera anbelangt, wird von Kreiss primär parteien- und organisationssoziologisch erklärt, wodurch die digitale Technik allerdings keineswegs ‚neutralisiert‘ wird. Stattdessen folge die kostspielige Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechniken, des Internet und der sozialen Medien, die die Demokraten während des Untersuchungszeitraums im Gegensatz zu den Republikanern an den Tag legten, der Affinität, die sie schon früher im Hinblick auf eine innovative Politik- und Kommunikationsgestaltung bewiesen hatten. Vor diesem Hintergrund gelingt es Kreiss, die markanten Kontraste, die die Wahlkämpfe zwischen den Präsidentschaftskandidaten George W. Bush und John Kerry, Barack Obama und John McCain beziehungsweise Barack Obama und Mitt Romney auszeichneten, auf das historisch gewachsene Verhältnis zur Medien- und Kommunikationstechnik der sie aufstellenden Parteien zurückzuführen. Mithin seien in der demokratischen und republikanischen Partei gegensätzliche ‚Prototypen‘ des Politischen am Werk, die sich zuvorderst an den jeweiligen Technik-Auffassungen ablesen lassen.
An allen bisher in Abschn. 2 besprochenen Studien springt als gemeinsames Merkmal ins Auge, dass sie sich trotz ihres expliziten Fokus auf digitale Informationsprozesse dennoch in erster Linie den klassischen demokratischen Kommunikationskanälen zwischen Regierung und Bürger, Parteien und Wählern, politischen Bewegungen und sozialen Bevölkerungsgruppen widmen. Jene Kanäle sind seit Langem aus der Politischen Soziologie beziehungsweise der Medien- und Kommunikationswissenschaft bekannt und werden modellhaft bei Jan van Dijk zu fünf Säulen der digitalen Demokratie verdichtet: Agenda Setting, Policy Preparation, Decision Making, Policy Execution und Policy Evaluation.30 Digitaltechnik, World Wide Web und soziale Medien werden in diesem Zusammenhang, wie eingangs erwähnt, bevorzugt danach befragt, ob sie im Rahmen jener (vorgegebenen) Kanäle als Fortschritt und Chance oder aber als Problem und Risikofaktor anzusehen sind. In dieser Hinsicht getätigte Schlussfolgerungen und Stellungnahmen basieren mithin primär auf einer Abwägung der Potenziale, die aus Online-Konsultationen der Bürger, E‑Petitionen, E‑Campaigning, der Ausweitung von Referenden durch E‑Voting,31 dem Angebot von E‑Government Services (mit partizipatorischem User-Design), der Einrichtung von Online-Beschwerde- und Protestforen (E‑Complaints) oder auch aus evaluativen Bürgerbefragungen/Quality Panels resultieren und die insgesamt auf einen Zuwachs an Partizipation hinauslaufen.32 Solche Potenziale sind den skizzierten Nachteilen der Digitalisierung gegenüberzustellen, was ein eher zwiespältiges Ergebnis vorprogrammiert. Denn über ein offenbar unbefriedigendes ‚teils-teils‘ oder ‚sowohl-als-auch‘ kommt eine solche Perspektive schwerlich hinaus. Dies bestätigt sich anhand einiger konkreter Fallstudien. So konnten etwa Sean Richey und J. Benjamin Taylor durchaus überzeugend transparent machen, welchen positiven Einfluss Google Search beziehungsweise weitere Internet Tools von Google auf den Ausbau direkter Demokratie in den USA besitzen und wie der internetbasierte Zuwachs an politischem Wissen sich im politischen Verhalten der Bürger niederschlägt.33 Keineswegs unplausibel sind jedoch ebenso die diametralen Argumente von Jonathan Taplin, Großkonzerne wie Google, Facebook oder Amazon würden die demokratischen Prinzipien der Gleichheit und Pluralität unterminieren.34
Ob das Internet beziehungsweise die Digitalisierung die Demokratie nun stärkt oder schwächt, ist freilich auch deswegen so schwierig zu beantworten, weil eine mögliche Genese neuer Kommunikationsformen (und eine entsprechende Umschichtung der alten) sowie die momentan zu beobachtende Hybridisierung des Politik- und Mediensystems erst in Anfängen zu rekapitulieren und aufgrund des vorhandenen Grades an Spekulation noch kaum wissenschaftlich seriös zu reflektieren sind. Gleichwohl existieren schon heute alternative Sichtweisen auf die Thematik, die zumindest bestimmte Rückschlüsse auf wechselseitige Einflussnahmen zwischen Demokratie und Digitalisierung zulassen. Zum einen betrifft dies eine Komparatistik zwischen Demokratien und nicht-demokratischen Systemen. In dieser Hinsicht stellt Sebastian Stiers ländervergleichende, makroquantitative Gegenüberstellung von „Regimetypen“ einen aufschlussreichen Ansatz dar, um das Spezifische der Netzpolitik und Online-Kommunikation in Demokratien im Gegensatz zu Autokratien herauszuarbeiten. Dabei sei die Demokratie zwar grundsätzlich im Vorteil, was die Schnelligkeit der Adaption neuer digitaler Kommunikationsinstrumente und ihre Nutzung für administrative Effizienz und ökonomisches Wachstum angeht, über Catch-up-Effekte holen Autokratien in diesen Bereichen jedoch kontinuierlich auf. Hingegen falle die digital unterstützte Herausbildung zivilgesellschaftlicher Opposition in Autokratien (trotz der nachgewiesenen Bedeutung sozialer Medien etwa während des Arabischen Frühlings 2011) insgesamt deutlich schwächer aus als gemeinhin vermutet, auch weil diktatorische Regime oft sehr erfolgreich via Zensur und Internetfilter den Zugriff auf Informationen im Netz zu kappen vermögen.35 Implizit zeigt sich daran, dass Internet und Digitalisierung nicht logisch mit einem bestimmten Regimetyp verbunden sind, sondern je nach politischem Kontext unterschiedliche Resultate evozieren.
Die andere und wohl noch wichtigere alternative Perspektive zur Klärung des Beziehungsgeflechts zwischen Digitalisierung und Demokratie liegt darin, nicht länger durch eine Abwägung von Pro und Contra performativ zu suggerieren, wir hätten heute noch die ‚Wahl‘, eine Reform der klassischen repräsentativen Demokratie zur digitalen Volksherrschaft anzustrengen oder nicht. Stattdessen ist (neuerlich) die unausweichliche Notwendigkeit zu betonen, die Demokratie entlang der von den IKT geschaffenen, omnipräsenten digitalen Realität weiterzuentwickeln.36 Der interdisziplinär zwischen Politik- und Kommunikationswissenschaft sowie Journalismus-Studien angesiedelte Band von Julia Schwanholz et al. 2018 liefert diesbezüglich einen gelungenen Überblick, welche Kardinalprobleme die Demokratie beziehungsweise die Demokraten gegenwärtig und künftig zu bewältigen haben. Der zentrale Fokus liegt hier auf den Gebieten der (rechtsstaatlichen) Regulation von Internet und Cyberspace,37 dem zielgerichteten politischen Einsatz sozialer Medien und dem onlinegestützten Bürgerengagement.38 Zahlreiche bereits angeklungene (Datenschutz und Internetzensur, digitale Medien im Parlament, Online-Kampagnen, Twitter, Civic Engagement, digitale Öffentlichkeit), aber auch neue Themen (Urheberrecht, künstliche Intelligenz) kommen dabei zur Sprache. Noch deutlicher auf die Notwendigkeit digitaler Demokratie ausgerichtet ist die Monografie von Stephen Coleman.39 Anstatt lange bei der titelgebenden Frage des Buches zu verweilen „Can the Internet Strengthen Democracy?“, lenkt Coleman die Diskussion auf den Grundaspekt, welche Demokratie mithilfe der Digitalisierung geschaffen werden kann und muss. Dazu gelte es, das Verhältnis zwischen Regierung und Bürgern beziehungsweise Regierenden und Regierten zu überdenken sowie die sich verändernden Implementierungen von Macht zu berücksichtigen. Denn ganz so wie schon frühere Innovationen auf dem medialen Sektor (vom Alphabet über den Buchdruck und Zeitungen bis hin zu Radio und Fernsehen) die soziale Realität und damit die Kontextbedingungen des sich konstituierenden „Demos“ revolutioniert haben (S. iv), werden sich auch die Prozesse der Digitalisierung und der Demokratie unvermeidlich (und wechselseitig) umformen. Als Medium der Globalisierung stehe das Internet dabei für den Verlust nationaler Souveränität, die Vertrauenskrise der Parteien, denen die Repräsentation der im Volk virulenten Interessen nicht mehr wirklich zugetraut wird, die verschwimmenden Grenzen zwischen Privatem und Politischen sowie ein nur mehr schwer regulierbares Mediensystem, das an journalistischen Qualitätsstandards einbüßt und zunehmend Fake News produziert (S. 55 ff.). Die dadurch provozierte Bedrohung der herkömmlichen repräsentativen Demokratie bezeichnet Coleman als „Democratic Limbo“ (S. 55). Metaphorisch wird damit ausgedrückt, dass die Herausforderung, die Substanz der klassischen Demokratie zu bewahren, größer und größer sowie schließlich unmöglich werden wird. Um die ambivalenten Potenziale der Digitalisierung konstruktiv zu nutzen, ist folglich ein Perspektivwechsel, eine ‚andere‘ Form von Demokratie nötig. Bildlich gesprochen heißt dies, sich nicht länger unter der kontinuierlich niedriger werdenden Limbostange hindurchbewegen zu wollen, sondern schlicht über das Hindernis zu springen. Die Bürger sind hier stets miteinzubeziehen. Das Kardinalproblem, das es nach Coleman auf diesem Weg zu lösen gilt, ist, dass die neuen horizontal ausgerichteten Formen der Vernetzung bislang keinen effektiven Einfluss innerhalb der vertikalen Strukturen der repräsentativen Demokratie ausgebildet haben. Mithin müsse es das Grundziel sein, public inputs mit institutional outputs zu verknüpfen. Sechs kommunikative Vorgänge bilden dazu die Referenzpunkte: die Zirkulation von Wissen und Erfahrung (1), der Erhalt vertrauenswürdiger Informationen (2), die Ausbildung einer Diskussionskultur mitsamt dem lernenden Umgang mit Dissens (3), kollektive Handlungsfähigkeit (4), Vertrauen in die Verantwortlichkeit der Regierung, die von der möglichen Einflussnahme des Volkes, das heißt den besagten public inputs lebt (5), sowie last, not least die Überprüfbarkeit des Regierungshandelns durch die Gewährleistung von Transparenz und funktionierenden Kontrollmechanismen (6) (S. 61 ff.). Alle diese Punkte seien für jede Art der demokratischen Realität sicherzustellen, ergo auch und gerade im digitalen Zeitalter durch einschlägige Regularien, Initiativen und (technische) Hilfsmittel zu gewährleisten. Regierung und Bürger ziehen in ihren Aktivitäten diesbezüglich an einem Strang.
Die Idee der Demokratie (und der Digitalisierung) als offene Prozesse bringt es nach Coleman mit sich, dass eine ‚Volksherrschaft‘ „in tune with the digital era“ (S. 61) Kommunikationsformen „in terms of hitherto unrealized democratic norms“ umfassen wird (S. 88). Ob dies am Ende noch zur Performanz irgendeiner Form von repräsentativer Demokratie passt, bleibt abzuwarten.
Schwanholz et al., Coleman und andere stellen demnach nicht mehr die Frage, ob Internet und soziale Medien für die Demokratie Fluch oder Segen sind. Hingegen legen sie den Lesern ihrer Bücher nahe, dass im weiteren Verlauf des 21. Jahrhunderts die Demokratie mitsamt ihren Praktiken und Institutionen nur fortbestehen kann, wenn es ihr gelingt, die neuen digitalen Kommunikationstechniken in ihre Praxis zu integrieren. Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Internet, Digitalisierung und Demokratie verlässt damit den eingrenzbaren Bereich spezifischer Beziehungslinien zwischen Politik und Technik und enthüllt die ihr zugrundeliegende gesamtgesellschaftliche, ja globale Dimension.
Der gesellschaftstheoretische Kontext
Das Ergebnis der Bestandsaufnahme aus Abschn. 2 fordert auf, die bezweckte Rekapitulation der theoretischen und politischen Verarbeitungen des Themas Digitalisierung und Demokratie innerhalb eines größeren (sozial-)theoretischen Rahmens zu verorten. Nicht zufällig ist in dieser Hinsicht sehr augenscheinlich, dass das Spektrum an neueren, hochambitioniert angelegten Studien zur Entwicklung der modernen Gesellschaft beziehungsweise des modernen Wissens direkt oder indirekt um die Frage der Digitalisierung (und ihrer politischen und sozialen Auswirkungen) kreist, einfach, weil an dieser Frage gesellschaftstheoretisch nicht länger vorbeizukommen ist. Besonders auffällig ist dieser Aspekt bei Publikationen, die explizit beanspruchen, die Digitalität als neue Kultur- und ‚Wirklichkeitsform‘ zu erfassen.40 Aber selbst dort, wo der Begriff ‚Digitalisierung‘ als Synonym für eine (totale) „Singularisierung“,41 „Beschleunigung“42 und/oder „Quantifizierung des Sozialen“43 Verwendung findet (und hiervon teilweise ersetzt wird), ist die gesellschaftliche Omnipräsenz des Digitalen nicht zu übersehen. Ausgiebig und kontrovers diskutiert werden derzeit vor allem die Theorien der Soziologen Hartmut Rosa und Andreas Reckwitz. Rosa ließ diesbezüglich seiner Aufsehen erregenden Diagnose der technologisch permanent „beschleunigten“, mittlerweile vollkommen aus dem Ruder laufenden kapitalistischen und digitalisierten Gesellschaft44 eine Theorie der „Resonanz“ als Antwort folgen. „Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung“ (S. 13), so beginnt er seinen Vorschlag, wie das unheimliche Tempo der digitalen Gegenwart, in welcher die neuen technischen Möglichkeiten den sozialen Druck ständiger Erreichbar- und Überwachbarkeit und damit die individuelle und kollektive Entfremdung maximal erhöhen, wenigstens subjektiv zu drosseln und auf verschiedenen ‚Anerkennungsebenen‘ zu kompensieren sei. Die Politik steht hier als im Vergleich zu Familie und Freundschaften ausgedehnteste „horizontale“ Resonanzachse neben beziehungsweise kontrastierend zu den „diagonalen“ (beispielsweise Dinge, Arbeit, Schule, Sport) beziehungsweise „vertikalen“ Achsen (beispielsweise Religion, Natur, Kunst und Geschichte) der Gesamtgesellschaft.
Rosas Politikauffassung korrespondiert mit seiner Resonanztheorie nun dahingehend, dass er in der Demokratie „vier Stimmen“ unterscheidet, die jeweils unterschiedliche Merkmale, Typen oder auch Stadien der Volksherrschaft markieren (S. 366 ff.): Im liberal-individualistischem Verständnis ist hiervon die zu aggregierende „Wählerstimme“ angesprochen (1), während die deliberative Lesart die „Stimme der Vernunft“ betont, die rationale Entscheidungen generieren soll. Aber erst durch die dritte, kommunitaristisch angehauchte, an das Konzept der „Musical Democracy“45 angelehnte, klingende, fühl- und „hörbare“ Stimme des partizipierenden wie protestierenden Volkes kommt nach Rosa die „Resonanzqualität“ der Demokratie voll zur Geltung (S. 367). In der total beschleunigten, digitalisierten und kommerzialisierten Gegenwart, in der im Grunde keine Muße für politisches Engagement mehr bleibt, aber ist gerade jene Resonanz der Demokratie zur „Pathologie“ degeneriert (S. 371). Die Stimme der Demokratie wird entfremdet, indem das Politische zur Fassade und das (im Sinne von Hannah Arendt) „Resonanzhandeln“ der Bürger zur Farce verkommt. Politik stellt infolgedessen bestenfalls noch einen Gegenstand der Satire dar.
Vor diesem Hintergrund vermag es nicht zu überraschen, wenn für Rosa eine Digitalisierung der Demokratie darauf hinauslaufen müsste, den Bock zum Gärtner zu machen. Er bespricht die Idee der Digital Democracy zwar nicht direkt, lässt aber unterwegs keinen Zweifel an seiner Einstellung offen. So wird das von Internet und Digitalisierung zumindest verstärkte Phänomen der „Echokammer“ (S. 371 f.) von Rosa als bloße „Imagination“ von Demokratie gedeutet. Man könnte auch sagen: Im informationellen Kokon des Resonanzechos findet allenfalls ein (postdemokratischer) Abklatsch der Volksherrschaft statt. Smartphones, Internet-Surfing, Blogs und Tweets aber kranken daran, keine „nachhaltige“ politische Resonanz erzielen zu können, weswegen sie als Agenten eines öffentlichen Diskurses rasch verpuffen (S. 159). Die Messbar- und somit totale Erfassbarkeit des menschlichen Lebens und Körpers durch Bio‑, Pharma‑, Psycho- und Computertechnologien wird von Rosa schließlich als Teil des Optimierungswahns und damit der Entfremdungsmaschinerie gedeutet. Internet-Großunternehmen sorgen dabei qua „Reichweitenvergrößerung“ für eine umfassende Kontrolle physischer und psychischer Prozesse. „In der Kombination von digitalen und pharmazeutischen Technologien werden Körperprozesse“ steuerbar. „Google, Amazon und Facebook“ übernehmen dann „die Arbeit, uns über unsere Präferenzen, Neigungen und Vorlieben zu informieren, indem sie uns mitteilen, was uns interessiert und was wir haben wollen“ (S. 715). Kaum zu übersehen, dass Rosa als Anhänger der Kritischen Theorie in der digitalen Welt eine Art Kulturindustrie 4.0 vermutet und zum Symptom einer fundamentalen „Resonanzkrise“ stilisiert (S. 707 ff.).
Davon abgesehen, dass Rosa die gesellschaftstheoretische Erklärungskraft des Resonanzbegriffs mit Sicherheit überstrapaziert und zwischen Diagnose und Therapievorschlag womöglich sogar ein Kategorienfehler vorliegt, ist das Problem seiner bewusst stringent gehaltenen Position, dass sie aufgrund der durchweg negativen Schilderung der ‚Beschleunigung‘ die Ambivalenz der Digitalisierung nicht in den Blick bekommt. Entsprechend ist von ihm nicht ausreichend zu würdigen, dass infolge der digitalen Technik die „Hörbarkeit“ der Stimmen aus dem Volk gewiss nicht gesunken ist und sich stattdessen gerade in den kritisierten neoliberalen Gesellschaften des Westens über das Netz eine signifikante (wenngleich zugegebenermaßen noch nicht nachhaltige) Protestkultur herauszuschälen beginnt.46
Eine recht ähnliche Einseitigkeit – allerdings in umgekehrter Manier – ist bei Andreas Reckwitz zu konstatieren. Bei Reckwitz ist es bekanntlich die Singularität, die zum Alleinstellungsmerkmal, zur differentia specifica der spätmodernen Gesellschaft avanciert. Hier sieht er eine systematische, gesellschaftlich erwartete, valorisierte Produktion von Einzigartigkeiten und Außergewöhnlichkeiten am Werk, die der Ausbildung partikularer Identitäten Vorschub leistet und die soziale Logik des Allgemeinen, Universellen und der Standardisierung als einstiges Signum der Moderne ablöst. Die postindustrielle, digitalisierte Ökonomie und Arbeitswelt seien ebenso wie die gesamte Lebensführung auf Singularität, Individualität und (gruppenspezifische) Besonderheit gepolt. (Scheinbare) ‚Authentizität‘ wird dabei vor allem über mediale Formate gewonnen (S. 137), wohingegen die Singularitätsmärkte auf strukturell riskanten und entgrenzten „Winner-take-all-Wettbewerben“ basieren (S. 155 ff.). Neben dem postindustriellen Kapitalismus bedeutet die Digitalisierung für Reckwitz den zweiten Schrittmacher der Singularisierung. Seit den 1980er Jahren transformiere sich die technologische Struktur der Gesellschaft entsprechend hin zu Digitalisierung, Computerisierung und Vernetzung (S. 222 f.).
Auch Reckwitz erkennt in den digitalen Technologien eine Art „Kulturmaschine“, die sich durch eine extreme Überproduktion von Kulturformaten (Texte, Bilder, Töne, Computerspiele) auszeichnet. Jene Formate konkurrieren auf ein und derselben Ebene um Sichtbarkeit und lassen die Rollen von Produzenten und Konsumenten verschwimmen. Die Maschinerie springt umso mehr an, als die Logik des Internet durch Gleichzeitigkeit, Neuartigkeit und permanente Aktualisierung geprägt sei und eine Kultur der Rekombination aus bestehenden Inhalten ständig neue Medieninhalte (Stichwort: Mashup) hervorbringe (S. 238–242). Das singuläre, digitale Subjekt formiert sich im Rahmen jener neuen Kultur einerseits unbewusst in Form von Data Tracking und Personalisierung, andererseits aber auch intendiert durch die performative Profilbildung und Aufmerksamkeitsökonomie im Netz (S. 244–248).
Mit der Singularisierung des Sozialen ist nach Reckwitz zugleich ein ‚analoger‘ Wandel des Politischen verbunden (S. 371 ff.). Eine „Politik des Besonderen“ richtet ihr Augenmerk nunmehr vor allem auf kulturelle Diversität und liberale Offenheit, welche in einen stetigen, globalen Wettbewerb mündet. Jene Politik des „differenziellen Liberalismus“ zeichnet sich im Gegenzug durch einen massiven Abbau des Sozialstaates aus, welcher zuvor als sichtbarste Verkörperung der „Politik des Allgemeinen“ gelten konnte.
Auch bei Reckwitz fehlen indes wie schon angedeutet weitgehend die Zwischentöne. Gegenbewegungen zur kulturell ausdifferenzierten, hyperliberalen Gesellschaft der Gegenwart, die sich ebenfalls ‚digital‘ formieren, werden, wenn auch nicht ausgeblendet, doch nicht überzeugend in die Argumentationslinie integriert. Auf Basis von Reckwitz’ Prämissen wären die aktuellen, von Rechtspopulisten angestrengten Re-Homogenisierungsversuche, ihr Kampf gegen Diversität und Multikulturalität lediglich als Strohfeuer zu bewerten. Vor allem aber scheint fraglich, ob die skizzierte Gesellschaft der Singularitäten und der Singularitätsperformanzen tatsächlich der Gesamtgesellschaft den Spiegel vorhält oder ob Reckwitz die virtuellen Identitäten, die sich auf „Facebook und Co“ manifestieren,47 zu vorschnell verabsolutiert. Insofern ist das, was Rosa vernachlässigt, im Zweifel das Gleiche, was Reckwitz überschätzt. Was am Ende auch daran liegen könnte, dass sich letzterer einer normativ-kritischen Einschätzung des von ihm beschriebenen Gesellschaftsbildes sorgsam enthält.
Eine vermittelnde Position nimmt Felix Stalder ein. In der von ihm entworfenen „Kultur der Digitalität“48 bedeutet letztere die Ordnung, die die dynamischen Kulturprozesse angenommen haben. Es findet folgerichtig keine Determination der Kultur durch die Technik statt, vielmehr trafen die „neuen Technologien auf bereits laufende gesellschaftliche Transformationsprozesse“ (S. 21). Auch Stalder stellt entsprechend keine Schuldfrage und sieht Internet und Digitalisierung nicht als Segen oder Fluch, sondern schlicht als ‚Realität‘, der man sich stellen muss. Im Ergebnis bewirke die Digitalität eine unaufhörlich wachsende, aller Voraussicht nach unumkehrbare Bedeutung komplexer Technologie für den Alltag. Die Formen der Digitalität bestehen dabei in Referenzialität, das heißt der Nutzung des bestehenden, zunehmend digital archivierten kulturellen Materials zur Produktion des Selbst, Gemeinschaftlichkeit (im Sinne eines qua digitale Medien konstituierten kollektiv getragenen Referenzrahmens, in dem die Ich-Produktion erfolgt) und schließlich Algorithmizität, aus welcher primär automatisierende Entscheidungsverfahren und Informationsgewinne resultieren (S. 13). Die Ambivalenz der davon evozierten ökonomischen Veränderungen (zum Beispiel Sharing Economy und Bereitstellung frei zugänglicher Software vs. Monopolbildungen) werden von Stalder gemeinsam mit zwei divergenten politischen Richtungen diskutiert (S. 203 ff.). So provoziere die Digitalität synchron zwei politische Tendenzen: einerseits zum Postdemokratischen, worunter Stalder eine fassadenhafte Demokratie unter der Dominanz von Google, Amazon et cetera versteht; und andererseits zur Ausbildung von Commons, das heißt gemeinschaftlich produzierten und verwalteten Ressourcen nach Vorbild von Wikipedia, Open Data und so weiter. Jene zweite Tendenz könne durchaus zur Erneuerung von Demokratie und Partizipation beitragen, weshalb die Kultur der Digitalität politisch betrachtet keine alternativlose Bewegung meine, sondern zwischen postdemokratischem Kapitalismus und demokratischem Kommunismus als Option der Zukunft changiere (S. 279). Gegebenenfalls könnte sie jedoch auch beides gemeinsam hervorrufen.
Stefan Mau schildert demgegenüber in „Das metrische Wir“ (2017)49 – ähnlich wie passagenweise Rosa –, wie die digitale Technik eine totale Quantifizierung in allen menschlichen Lebensbereichen und dadurch einen permanenten Sozialvergleich beziehungsweise eine „Statuszuweisung“ anheimstellt. Dies betrifft sowohl ökonomische Daten (beispielsweise Wachstums- und Profitraten, den Human Development Index, die Beurteilung der Bonität von Staaten und Firmen durch Rating-Agenturen, statistische Verfahren/Fintech-Programme zur Einstufung der Kreditwürdigkeit von Privatpersonen et cetera) als auch akademische Aspekte (beispielsweise das Ranking der Universität, an der eine bestimmte Person ihren Studienabschluss gemacht hat; Impact Factors von Forschern et cetera). Vor allem aber werden über Big Data nunmehr verstärkt Bereiche erfasst und statistisch ausgewertet, die auf den ersten Blick rein private Daten und Leistungen beinhalten. Einprägsame Beispiele hierfür sind etwa Gesundheitsindizes wie der Health Score der Schweizer Firma dacadoo (der auf Basis von Körperwerten, Ernährung, Schlaf und Bewegung erhoben wird), der (geheime) Elo-Score, mit dem auf der Dating-Plattform Tinder die Attraktivität eines Users einzustufen ist, oder sportliche Aktivitäten, die via Pulsuhr, Fitnessarmbänder, Distanzmesser et cetera einzusehen sind. Da Menschen und Bürger heute gewillt seien, ständig neue Daten über sich selbst zu erheben und zu liefern, steigern sich die Möglichkeiten der sozialen Kontrolle bis ins bis dato Unermessliche. Totale Transparenz und fluide Überwachung lassen sich dabei nicht nur zur Stärkung „sozialer erwünschter“ Verhaltensweisen (etwa zur kostensparenden gesundheitlichen Vorsorge) nutzen. Weil Zahlen Objektivität und Vergleichbarkeit suggerieren, besteht das „metrische Wir“ nach Mau aus einer Masse von Individuen, die in einem permanenten Wettstreit stehen. Jene Konkurrenz sei freilich nicht fair, sondern unterliege einer Art der Bewertung, bei der für den Einzelnen intransparente algorithmische Prozeduren und Arkanpraktiken das Kommando übernehmen. Die symbolische Ordnung über Zahlen und Ziffern lässt hier die „Benennungsmacht“ im Sinne Pierre Bourdieus an algorithmische Autoritäten übergehen, wodurch sich sozioökonomische Ungleichheiten reproduzieren und zementieren. Politisch aber mündet das „metrische Wir“ in jenes Szenario eines (digitalen) Panoptikum, das von Jeremy Bentham einst beschworen und von Michel Foucault zum Gipfel der Überwachungsgesellschaft erkoren wurde. Über das nicht vergessende Internet wird die Surveillance umso effizienter und durchschlagender, da über die (lückenlose) Dokumentation der Vergangenheit zugleich Kontrolle über Gegenwart und Zukunft zu gewinnen ist.
(Demokratische) Gleichheit ist unter diesen ‚metrischen‘ Bedingungen nicht (mehr) zu erzielen. Und folgt man Mau in seinen Ausführungen, dann droht sich sogar ein digitales Social Credit System, wie es China eingeführt hat, von einer abschreckenden Kontrastfolie zur zukunftsweisenden Innovation zu wandeln. Andererseits haben wir bereits darauf verwiesen, dass die ‚reale‘ Gleichheit seit jeher zu den unerfüllten (und unerfüllbaren) Versprechungen der Demokratie zählt.50 Wenn aber die Gleichheit ihrerseits auf einer sozialen Konstruktion oder gar Imagination51 beruht, die der natürlichen ‚Ungleichheit‘ und ‚Einzigartigkeit‘ jedes Individuums widerspricht, und auch der (demokratische!) Konformitätsdruck bei näherem Hinsehen ein altbekanntes Phänomen bedeutet,52 stellt sich einmal mehr die Frage, inwieweit die Digitalisierung tatsächlich als Ursache für die von Mau und anderen kritisierten sozialen Entwicklungen herhalten kann oder aber letztere nur widerspiegelt. Unter dem Strich könnte die Digitalisierung sonach – zumindest bislang und im Hinblick auf die Demokratie – weit weniger ‚Neuerungen‘ gebracht haben als gedacht, selbst wenn manche althergebrachten Phänomene dadurch in eine neue Dimension vorrücken mögen.
Wie genau man hier differenzieren muss, zeigt insbesondere Michael Butters Auseinandersetzung mit dem Phänomen der „Verschwörungstheorien“, die derzeit häufig als konsequente Begleiterscheinung des digitalen Zeitalters tituliert werden.53 Gleichwohl erkennt Butter im Internetzeitalter nicht unbedingt eine höhere Konjunktur von Verschwörungstheorien. Schon immer hätten letztere auf einem falschen Verständnis von menschlicher Handlungsfähigkeit beruht, so als bestimmten einzelne Persönlichkeiten oder Gruppen mithilfe ihrer intentionalen Handlungen den Verlauf der Geschichte. Darin käme traditionell die menschliche Sehnsucht nach Orientierung, Zurechenbarkeit und Kontrollierbarkeit des (zeit-)historischen Geschehens zum Ausdruck, desto mehr, je unübersichtlicher die soziale Gegenwart wahrgenommen wird.
Mit dem Internet habe sich zwar nun vieles verändert, allerdings nicht dahingehend, dass Verschwörungstheorien häufiger auftreten würden als früher. Sie werden infolge der Digitalisierung nur leichter zugänglich, zirkulieren schneller, steigern ihre Reichweite, sind sichtbarer (statt in bestimmten Subkulturen versteckt und gefangen zu bleiben). Auch ihre Form hat sich gewandelt, sodass oftmals weniger von „Theorien“ als vielmehr von kurzzeitigen, weniger elaborierten und eher unterkomplexen „Verschwörungsgerüchten“ (S. 199 ff.) die Rede sein sollte. Sichtbarkeit, Verfügbarkeit und Zugänglichkeit steigern nach Butter jedoch auch die scheinbare „Glaubwürdigkeit“ solcher Gerüchte, frei nach dem Motto: steter Tropfen höhlt den Stein. Der Grund für ein derartiges Florieren von Verschwörungsgedanken im Internet hängt dabei natürlich auch für Butter mit der Bildung von (relegitimierbaren) Echokammern und Filterblasen, Teil- und Gegenöffentlichkeiten (S. 180 f.) zusammen. „Durch das Internet kommen also Gedanken an die Öffentlichkeit, die früher kein oder kaum ein Publikum gefunden hätten“, schreibt Butter (S. 188) und wiederholt parallel die schon rekapitulierte Einsicht, dass die Digitalisierung die Vernetzung mit (radikalen) Gleichgesinnten fördert.54 Wie vorsichtig man nichtsdestoweniger mit der Annahme von Kausalitäten sein muss, demonstrieren einige länderspezifische Unterschiede. So sei die für das Grassieren von Verschwörungstheorien zuträgliche Fragmentierung der Gesellschaft in den USA durch das Internet nur verstärkt worden. In Deutschland könne es hingegen de facto als ursächlich für eine sich fragmentierende Öffentlichkeit gelten (S. 181). Vor allem aber bereitete das Internet den Boden für eine umfassende Kommerzialisierung von Verschwörungstheorien. Mit ihnen lässt sich mittlerweile viel Geld verdienen oder – wie der Fall Donald Trump zeige – auch einmal eine Präsidentschaftswahl gewinnen (S. 210 ff.).55
Im Ganzen hat das Internet damit den Legitimitäts- und Popularitätsverlust, dem Verschwörungstheorien in der (szientistisch geprägten) zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgesetzt waren, aufgefangen und/oder bis zu einem gewissen Grad kaschiert. Die eigentliche ‚Wirkungsweise‘ der Digitalisierung, konkrete gesellschaftliche Entwicklungen eher zu verstärken denn selbstständig zu evozieren, bestätigt sich darin einleuchtend. In der Gesamtschau der in Abschn. 3 besprochenen Gesellschafts- und Gegenwartsanalysen aber tritt noch ein anderer zentraler Aspekt endgültig zum Vorschein: Die Ambivalenzen, die der Digitalisierung seit Langem zugeschrieben werden, reduzieren sich nur vordergründig auf eine Gegenüberstellung von Chancen und Risiken: Ambiguität und ambivalente Niederschläge sind vielmehr das, was die spezifische Charakteristik der Digitalisierung überhaupt ausmacht. Deswegen entwickeln und kultivieren sich die gegensätzlichen sozialen und politischen (Folge‑)Erscheinungen der digitalen Ära zumeist parallel und bilden Vorzüge und Nachteile, postdemokratische und demokratieerneuernde Potenziale gleichzeitig aus. Das (Zwischen‑)Ergebnis der Bestandsaufnahme in Abschn. 2, welches ein solches „Sowohl-als-auch“ bereits unterstrichen hatte, ist demnach genauer betrachtet weit weniger unbefriedigend als zunächst vermutet.
Neue theoretische Konzeptionen und praktische Innovationen zur digitalen Demokratie?
Auf Basis der nunmehr freigelegten, gleichermaßen vielfältigen wie unabwendbaren Ambivalenzen, die erst ein vertieftes Verständnis der sozialen und politischen Prozesse ermöglichen, die von der Digitalisierung angestoßen (oder unterstützt) werden, lassen sich abschließend eine Reihe weiterer neuerer Publikationen im relevanten Themenfeld pointiert beurteilen. Erkenntnisleitend soll im Folgenden sein, ob in den angesprochenen Monografien und Editionen entweder ein theoretisch-konzeptioneller Mehrwert angelegt ist, der für eine adäquate wissenschaftliche Verarbeitung der Thematik zielführend zu sein verspricht, oder aber ob mit Blick auf die politische Realisierung digitaler Demokratie innovative Vorschläge unterbreitet werden. Was die einschlägige Theoriebildung betrifft, so sind in der Vergangenheit vor allem John Keane mit seinem Konzept der outputfixierten „Monitory Democracy“,56 Lance Bennetts und Alexandra Segerbergs „Logic of Connective Action“,57 Zizi Papacharissi mit ihrem jenseits klassischer Grenzen zum Öffentlichen angesiedelten Privacy-Konzept58 sowie Richard Thaler und Cass Sunstein durch ihre Studie zum Nudging59 damit aufgefallen, die Ambivalenz des Digitalen in ihren konzeptionellen Überlegungen akkurat abzubilden. Einen wichtigen neuen Begriff zur geeigneten Erfassung digitaler Demokratiebestrebungen erläutern zudem Timothy Coombs et al.60 Der von ihnen edierte Band operiert mit dem Terminus „Digital Naturals“ und bricht damit mit der ehedem üblichen Unterscheidung von „Digital Natives“ (als den in der digitalen Welt Aufgewachsenen) und „Digital Immigrants“ (welche die digitalen Medien erst im Erwachsenenalter kennengelernt haben). Da es in den westlichen Demokratien mittlerweile sehr viele Menschen gibt, die Smartphones, soziale Medien und Apps unabhängig vom Datum ihrer Geburt ganz selbstverständlich in ihrem privaten und beruflichen Alltag nutzen, ist der Begriff „Digital Naturals“ de facto geeignet, um den typischen Personenkreis zu adressieren, der mit einer ‚digitalen Demokratie‘ gegebenenfalls anzusprechen ist. Allenfalls ließen sich jene Naturals (und wiederum völlig losgelöst von der Altersstruktur) nochmals in Residents und Visitors auffächern, je nachdem, ob jemand permanent online ist oder aber die digitale Kommunikation eher sporadisch zur Informationssuche beziehungsweise zum konkreten Austausch mit anderen in Anspruch nimmt. Als Antipode zu den „Digital Naturals“ kommt hingegen am ehesten der Begriff der „Digital Ignorants“ in Frage. Die Aufsatzsammlung von Coombs et al. ist ansonsten weniger um „strategische Kommunikation“ zentriert, als es der Titel vermuten lässt, sondern eruiert einmal mehr, wie sich soziale Medien zur Unterstützung ziviler Partizipation und bürgerlichen Engagements nutzen lassen. Empirisches Untersuchungsfeld ist hier in erster Linie Schweden.
Darüber hinaus reflektieren mehrere Autoren vor dem Hintergrund des aktuellen Aufstiegs des Rechtspopulismus in Europa, ob und wie die grundsätzliche Medienlogik des Populismus61 durch Internet und Digitalisierung nochmals signifikant angeheizt wird.62 Eher ungeklärt bleibt indes, ob Populismus und Demokratie in diesem Zusammenhang als Alternativen aufzufassen sind, auf welche das (ambivalente) digitale Zeitalter zusteuert,63 oder ob es stattdessen eine ‚populistische Demokratie‘ ist, die als Produkt der Digitalisierung wahrscheinlicher wird. Aufgrund der offenkundigen emotionalen Verführbarkeit des Volkes in der Demokratie,64 die durch die digitalen Kommunikationstechniken lediglich (wieder) transparenter wird als zuvor, halten manche derzeit gar eine neue Expertokratie für nötig.65 Da diese unter den aktuellen Vorzeichen jedoch ihrerseits einer digitalisierten Technokratie gleichkäme, bleibt offen, welches ‚Problem‘ damit am Ende eigentlich zu lösen wäre.
Von den im vorliegenden Rezensionsaufsatz zu besprechenden Monografien widmen sich ausführlicher Matthias Zehnder,66 Wolfgang Schweiger67 und Björn Milbradt68 mit einem je eigenen Zugang dem Populismusproblem der digitalen Ära. Der Schweizer Medienwissenschaftler Zehnder sieht in dieser Hinsicht eine vergleichsweise ‚indirekte‘ Wirkung als auschlaggebend an. Weil das Internet die traditionelle Medienwelt in ein „Schlaraffenland“ verwandelt habe, in dem sehr viele Informationen und Unterhaltungsangebote frei zugänglich sind, konkurrieren die professionellen Medien immer härter um die Aufmerksamkeit des Publikums (S. 14 ff.). Dies stürzt sie in eine regelrechte „Aufmerksamkeitsfalle“ (S. 7 ff.) und lässt sie ständig nach Sensationen und Skandalen heischen. Dies gehe auf Kosten von sachlicher Berichterstattung und ausgewogener Analyse. Deswegen „lauert“ in der Aufmerksamkeitsfalle der Populist darauf, sich in einer immer mehr zum Spektakel verkommenden, an Vereinfachungen und radikale Zuspitzungen gewöhnten und für Extreme jeder Art desensibilisierten Umgebung als einziger Vertreter des „wahren Volkswillens“ zu inszenieren (S. 104 ff.). Jene populismusaffine „Boulevardisierung“ von Medien und Politik (S. 115) sei nur zu bannen, wenn Medien und Publikum bewusst aus der Aufmerksamkeitsfalle aussteigen.
Eine Krise des professionellen Journalismus macht ebenso der Kommunikationswissenschaftler Schweiger aus. Der Aufstieg der sozialen Medien geht aus seiner Sicht zu Lasten der politischen Informiertheit und Diskursfähigkeit der Bevölkerung, die angesichts der kontinuierlich zunehmenden Informationsflut69 zwischen Pseudonachrichten und echtem Nachrichtenwert kaum noch differenzieren könne. Da aber jede Demokratie auf eine informierte Bürgerschaft und einen hiervon angeleiteten Meinungsaustausch angewiesen sei, ist sie am Ende die eigentliche Leidtragende. Mit dem Bedeutungsverlust des Qualitätsjournalismus als Meinungsbildner korrespondiert zugleich die Konjunktur von Fake News, Hate Speech und dergleichen, die einmal mehr im Verbund mit Filterblasen, Echokammern und Schweigespiralen für eine extreme Polarisierung der Gesellschaft sorgen. Alles in allem wirken die digitalen Medien dadurch direkt verantwortlich für den Aufstieg des (Rechts‑)Populismus. In einer zielgerichteten Medien- und Bildungspolitik, die frühzeitig die medialen Kompetenzen stärken, das Internet regulieren und eine bessere Informiertheit der Bürger garantieren soll, sieht Schweiger folglich den Schlüssel, um dem diagnostizierten Dilemma zu entrinnen.
Warum sich autoritäre, demokratiefeindliche Haltungen in „postfaktischen“ Zeiten besonders gut ausprägen, ist das Thema der überarbeiteten Dissertation von Milbradt. Die Verbindung von Postfaktizität und Autorität/Autoritarismus stehe – so die Grundthese des Buches – für einen Zerfall der menschlichen Selbst- und Weltbezüge. „Das, was in gegenwärtigen Diskursen als postfaktisch bezeichnet wird, ist exakt diese teils völlig freischwebende und nicht mehr an Wirklichkeit und Wahrheit orientierte Haltung zur Welt“. Autoritarismus wird hierbei als „stereotype“ Haltung (und damit Form des Weltverlusts) interpretiert, der von einer „Ablösung“ gegenüber den Gegenständen der Erkenntnis profitiere (S. 16). Durch die Digitalisierung evozierte Stereotypen in der Sprache greifen somit realen autoritären Einstellungen und Haltungen vor. Der Autoritarismus präsentiert sich darum als „Syndrom“, das Vorurteile schürt und sich in Formen wie Antisemitismus und Rassismus, die auf stereotype Feindbilder angewiesen sind, entlädt. Der Gewinner jener Verknüpfung von Autorität und Postfaktizität ist abermals der Populismus, der als Zerstörer von Wahrheit letztere durch bloße „Meinung“ ersetzt (S. 207) und zusätzlich eine emotional positiv besetzte Ingroup, die Zugehörigkeit verbürgt, von zu bekämpfenden „Fremden“ und „Feinden“ abhebt (S. 212). Ein „Angst-Raum“ ist hierfür selbstverständlich hilfreich, weil er das Urteilsvermögen weiter trübt (S. 215 ff.). An dieser in Grundzügen durchaus nachvollziehbaren These Milbradts ist jedoch zu monieren, dass sie einen epistemologischen Nexus zwischen Wahrheit und Erkenntnis auf der einen und demokratischer Politik auf der anderen Seite etwas zu sorglos postuliert. Eine Auseinandersetzung mit Hannah Arendt und ihrem Insistieren, dass Wahrheit und Politik generell voneinander zu lösen seien, hätte dem Argument daher sehr gutgetan.
Die zudem noch zu rezensierenden, populärwissenschaftlich gehaltenen Vorschläge, die auf eine aktuelle Verwirklichung digitaler Demokratie abzielen, besitzen schließlich überwiegend Appellcharakter, anstatt tatsächlich innovative Ideen zur Lösung des komplexen Problems zu liefern. Thomas Wagners plakative Forderung, das Netz „in die Hand“ der Bürger zu geben, um es dadurch vor der Monopolherrschaft der Internetkonzerne zu retten, setzt etwa völlig auf eine öffentliche Regulierung digitaler Dienste.70 Zur Demokratisierung von sozialen Medien und Suchmaschinen sollen beispielsweise Werbeverbote ausgesprochen, eine Mediengebühr eingeführt sowie eine öffentlich-rechtliche Version von YouTube eingerichtet werden. In solchen Bahnen könnte das Netz zum Motor für eine mittlerweile ermüdete Demokratie sowie zu einem Kommunikationsmedium avancieren, das Menschen aller Länder, Rassen und Religionsgemeinschaften zusammenführt. Aleksandra Sowa kündigt derweil zwar an, „Wege aus der digitalen Unmündigkeit“ und zur informationellen Selbstbestimmung aufzuzeigen, entfaltet dabei aber gerade keine wirklich neuen Ideen, sondern fasst im Grunde nur den wissenschaftlichen Forschungsstand zu Themen wie Big Data, Filter Bubbles, Electronic Voting, künstliche Intelligenz, Automatisierung, neue Wahlkampfstrategien durch Social Profiling oder Microtargeting in verständlicher Manier zusammen.71 Kurzweilig sind dabei vor allem die Passagen, die die neue digitalisierte Welt mit klassischen Science-Fiction-Romanen (etwa von Stanislaw Lem oder Isaac Asimov) konfrontieren. Stephan Russ-Mohls stilistisch ansprechender und wissenschaftlich kompetenter Abgesang auf die Digitalisierung in der Nachfolge von Karl Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“72 weist wiederum große inhaltliche Parallelen zur „desinformierten“ Gesellschaft bei Wolfgang Schweiger auf,73 wobei sich der Journalistik-Professor Russ-Mohl bisweilen einer heute fast ‚romantisch‘ anmutenden Vorstellung der Medien und des Journalismus als „vierter Gewalt“, dem Journalisten als Gatekeeper et cetera zu befleißigen scheint. Im Gegenzug erscheint bei ihm die digitale Welt etwas zu einseitig als „Gefahr“ für die Demokratie, auch wenn die getätigten Vorschläge für eine Verbesserung der akuten Situation, die zwischen ökonomischen Anreizen, Selbstregulierung und politischer Regulierung sowie Medienerziehung changieren, immerhin deutlich detaillierter und ausgereifter wirken als in anderen Publikationen. Eine Leistung des Buches ist es gewiss auch, zentrale Aspekte aus hier bereits rezensierten Büchern (beispielsweise Beschleunigung, Aufmerksamkeitsökonomie, Fake News et cetera) in eine kohärente Gesamtkomposition gebracht zu haben.74
Daniel Grafs und Maximilian Sterns „Agenda für eine digitale Demokratie“75 unterhält schließlich eher mit launigen, teilweise überspitzten „Zukunftsszenarien“ (beispielsweise der „Fondue Score“ zur Belohnung und Bestrafung von Bürgern, S. 40 ff.; das „Quartierbook“ zur Organisation virtueller Nachbarschaft, S. 110 ff.; das radikaldemokratische „Ciao-Parlament“, das Abstimmungen über Smartphone und Fingerabdrücke organisiert und das „klassische Parlament“ überflüssig macht, S. 132 ff.; oder auch „Long live the Middleman“, wohinter sich die Gründung einer vollkommen digitalisierten Jungpartei verbirgt, S. 151 ff.), als dass ihr Ansatz einer Digital Citizenship wirklich den Stand der Forschung verarbeiten würde.
Im Ergebnis ist daher zu sagen, dass die Krisendiagnostik im Hinblick auf das Verhältnis von Digitalisierung und Demokratie derzeit noch deutlich besser funktioniert, als dass sich auf dem Feld der Therapievorschläge bereits tragfähige und innovative Lösungen abzeichnen würden. Über die zu überwindende Perspektive der Gegenüberstellung von Chancen und Gefahren kommen die meisten praktisch und lösungsorientiert gehaltenen Publikationen zudem ohnehin nicht hinaus. Eine Ausnahme hiervon stellt mit Abstrichen das Buch von Jeffrey Wimmer et al. dar,76 das für ein neues, digitales Verständnis von Partizipation sowie zur Revitalisierung der Demokratie unter anderem auf die Nutzung von Losverfahren setzt.77 Und zu guter Letzt ist noch das außergewöhnliche Buch des Mathematikers Erich Visotschnig zu nennen,78 das ein „neues Wahlsystem“ propagiert, um die Demokratie gewissermaßen vor sich selbst zu „retten“. Statt auf das klassische Mehrheitsprinzip, das gerade in digitalen Zeiten zu getrennten Lagern und schlimmstenfalls zur gesellschaftlichen Spaltung führt, will Visotschnig auf etwas bauen, das er als „systemisches Konsensieren“ bezeichnet. Dabei werden simple Ja-Nein-Entscheidungen vermieden und bei einem konkreten Problem mehrere alternative Optionen zur Disposition gestellt. Mit der Einführung von abgestuften Widerstandsstimmen ist nach Visotschnig zudem zu erreichen, dass subjektiv (und insbesondere intersubjektiv) ‚unannehmbare‘ Vorschläge eine lediglich sehr geringe Wahrscheinlichkeit erhalten, ausgewählt zu werden. Der Vorschlag mit dem geringsten Gruppenwiderstand komme zugleich einem ‚Konsens‘ am nächsten und führe somit zur geringsten Unzufriedenheit unter den Teilnehmern.
Mithilfe digitaler Technik wäre ein derartiges „systemisches Konsensieren“, das implizit auf klassische Probleme der Demokratietheorie wie das Condorcet-Paradox, das Unmöglichkeitstheorem von Kenneth Arrow oder auch das Wollheim-Paradox antwortet, theoretisch im großen Stil gesellschaftsweit zu organisieren (S. 166 ff.). Und auch wenn der Fokus auf das Negative/die gegebenenfalls geringste Unzufriedenheit nicht unbedingt mit der größten Zufriedenheit gleichzusetzen ist und mehrere ausgewählte Beispiele zum Teil arg konstruiert wirken (S. 11 ff., S. 25 ff.), wäre es dennoch sehr spannend zu beobachten, ob und wie sich das systemische Konsensieren in der politischen Praxis bewährt.
Fazit
Die demokratietheoretische Herausforderung der Digitalisierung besteht heute nicht zuletzt darin, dass infolge der politischen Begleiterscheinungen von Internet, sozialen Medien oder Big Data bislang vertraute binäre Orientierungsmuster verloren gehen. So wie die Idee der Liquid Democracy79 die traditionelle Unterscheidung zwischen direkter und repräsentativer Volksherrschaft aufweicht, verwischen in der digitalen Ära ebenso die Grenzen zwischen funktionalen und normativen, agonalen und deliberativen Auffassungen der Volksherrschaft,80 zwischen horizontaler und vertikaler Subsidiarität, technokratischen ‚Systemzwängen‘ und entfesselter Bürgeraktivität sowie insbesondere zwischen dem privatem und dem öffentlichen Bereich. Da überrascht es fast, dass ein kürzlich erschienener Band über Demokratie und Digitalisierung, der einschlägige Beiträge der Hannah-Arendt-Tage 2017 in Hannover dokumentiert, auf eben diese Autorin, die schon sehr früh die Überlappung von Privatem und Öffentlichem als Alleinstellungsmerkmal der Moderne und die Kommunikation als wichtigstes Element des Politischen unterstrichen hat, nur sehr kosmetischen Bezug nimmt.81 Weiterführend ist hingegen die dort von Jeanette Hoffmann, Professorin für Internetpolitik an der FU Berlin, skizzierte Sichtweise, Digitalisierung und demokratischen Wandel als „Spiegelbilder“ anzusehen, die über sich gegenseitig Aufschluss geben und im Verbund ein offenes Projekt der Transformation vorantreiben (S. 14–21). Auch, dass durch die digitale Evolution (oder Revolution?) ein neues „Lebensgefühl“ entsteht, wie es der Software Engineer Kurt Schneider auf den Punkt bringt (S. 59 ff.), ist sehr bedenkenswert, zumal davon impliziert wird, dass die Digitalisierung gerade nicht auf unsichtbare und unkontrollierbare Algorithmen zu reduzieren ist, sondern das menschliche Verhalten entscheidend bleibt, in welche Richtung(en) die Transformation sich am Ende bewegt. Umso weniger ist zum jetzigen Zeitpunkt hierüber eine ernsthafte politisch-praktische Prognose zu wagen. Immerhin aber ist zu sagen, dass für das Beispiel der Digitalisierung nahezu protypisch das gilt, was die interdisziplinär ausgerichteten Science and Technology Studies82 für wissenschaftlich-technische Entwicklungen ganz allgemein feststellen: Technik als Phänomen ist stets eingebettet in gesellschaftliche Kontexte und deswegen nicht einfach ‚neutral‘ und unvoreingenommen erklärbar. Wissenschafts- und Technikforschung implizieren daher immer auch ein politisches Projekt, was es heute nicht nur unabdingbar macht, feministische oder postkoloniale Schlaglichter auf den Technikgegenstand zu werfen, sondern letzteren auch demokratietheoretisch weiter zu erhellen. Aus der generellen Einbettung der Technik in Politik und Gesellschaft erläutert sich im Übrigen auch, warum das so komplexe Thema der Digitalisierung nicht als unabhängige Variable zu isolieren ist (um sie anschließend in Ursache-Wirkung-Schemata zu überführen), sondern buchstäblich mit allen gesellschaftlichen und politischen Vorgängen der Gegenwart „vernetzt“ ist. Insofern bildet die Digitalisierung heute zuallererst das Brennglas, das an die Demokratie (mitsamt der sie beschreibenden Theorien) anzulegen ist, wohingegen die Demokratie umgekehrt eine funktionale wie normative Zielvorstellung anbietet, wie das World Wide Web und die digitale Kommunikation der Zukunft zu gestalten sind.83
Die davon berührten Herausforderungen sind umso gravierender, als die Nähe, die der Digitalisierung zum populistisch ausgerufenen ‚postfaktischen‘ Zeitalter zu attestieren ist, wissenschaftshistorisch von deutlichen Relativierungen flankiert wird, was Begriffe wie ‚Wahrheit‘ oder ‚Objektivität‘ betrifft. Mit Loraine Daston und Peter Galison84 ist hier davon auszugehen, dass Objektivität, die sich in Form von „Beobachtergemeinschaften“ manifestiert, „die dieselben Dinge in derselben Weise sehen“ (wollen), eine sozial erwartete Haltung mit Verfallsdatum anzeigt, deren Zenit überdies längst überschritten ist. Ob das seitdem an die Stelle der Objektivität getretene wissenschaftlich „geschulte Urteil“ (S. 327 ff.) in der digitalen Ära zur kollektiven Orientierung und Verständigung über das, was ist, weiterhin ausreichen wird, bleibt abzuwarten. Sozial konstruiert (und sanktioniert) ist bislang immerhin noch die ‚Erwartungshaltung‘, Demokratie und digitale Gesellschaft ‚sollten‘ miteinander in Einklang zu bringen sein. Dass diese ‚Erwartung‘ die Demokratie verändern wird, steht außer Zweifel. Fraglich ist jedoch, ob hinter jenen Veränderungen am Ende die Konturen der herkömmlichen Demokratie noch zu erkennen sein werden oder nicht.
Auswahlbibliografie
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Zehnder, Matthias W.: Die Aufmerksamkeitsfalle. Wie die Medien zu Populismus führen, 125 S., Zytglogge, Basel 2017.
Notes
- Siehe zum Beispiel Rheingold, Howard: Virtuelle Gemeinschaft. Soziale Beziehungen im Zeitalter des Computers, Addison-Wesley, Bonn 1994; Shapiro, Andrew: The Control Revolution. How the Internet Is Putting Individuals in Charge and Changing the World We Know, Public Affairs, New York 2000; Benkler, Yochai: The Wealth of Networks. How Social Production Transforms Markets and Freedom, Yale UP, New Haven, CT/London 2007. ⮭
- Für diese klassische Trias siehe bereits Buchstein, Hubertus: Bittere Bytes. Cyberbürger und Demokratietheorie, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 4 (1996), S. 583–607 und Wilhelm, Anthony G.: Democracy in the Digital Age. Challenges to Political Life in Cyberspace, Routledge, London/New York 2000. Einen umfassenden und strukturierten Überblick über die einschlägige deutsche und internationale Debatte findet sich v. a. bei Kneuer, Marianne (Hrsg.): Das Internet. Bereicherung oder Stressfaktor für die Demokratie?, Nomos, Baden-Baden 2013. ⮭
- Vgl. Norris, Pippa: Digital Divide. Civic Engagement, Information Poverty, and the Internet Worldwide, Cambridge UP, Cambridge, MA 2001; Wei, Lu/Hindman, Douglas Blanks: Does the Digital Divide Matter More? Comparing the Effects of New Media and Old Media Use on the Education-Based Knowledge Gap, in: Mass Communication & Society 14 (2011), H. 2, S. 216–235; Langer, Christian: Digitale Spaltung. Eine kritische Analyse, AV, Saarbrücken 2012; Zillien, Nicole/Haufs-Brusberg, Maren: Wissenskluft und Digital Divide, Nomos, Baden-Baden 2014. ⮭
- Vgl. McChesney, Robert W.: Digital Disconnect. How Capitalism is Turning the Internet Against Democracy, New Press, New York 2013; McChesney, Robert W./Nichols, John: People Get Ready. The Fight Against a Jobless Economy and a Citizenless Democracy, Nation Books, New York 2016. ⮭
- Vgl. Alfarez, R. Michael/Hall, Thad E.: Electronic Elections. The Perils and Promises of Digital Democracy, Princeton UP, NJ/Oxford 2010. ⮭
- Vgl. Morozov, Evgeny: The Net Delusion. How Not to Liberate the World, Allen Lane, London 2011. ⮭
- Morozov, Evgeny: To Save Everything, Click Here. The Folly of Technological Solutionism, Public Affairs, New York 2013. ⮭
- Siehe Alfarez/Hall: Electronic Elections (wie Anm. 5). ⮭
- Vgl. Barber, Benjamin: Starke Demokratie. Über die Teilhabe am Politischen, Rotbuch, Hamburg 1994. ⮭
- Vgl. Habermas, Jürgen: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaates, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1998. ⮭
- Barber: Starke Demokratie (wie Anm. 9), S. 247 ff. ⮭
- Vgl. Barber, Benjamin: Die ambivalenten Auswirkungen digitaler Technologie auf die Demokratie in einer sich globalisierenden Welt, in: Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Gut zu wissen. Links zur Wissensgesellschaft, Westfälisches Dampfboot, Münster 2002, S. 1–14, hier S. 5 ff. ⮭
- Habermas, Jürgen: Hat die Demokratie noch eine epistemische Dimension? Empirische Forschung und normative Theorie, in ders.: Ach Europa. Kleine Politische Schriften XI, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2008, S. 138–191, hier S. 162. ⮭
- Ausführlich Pariser, Eli: Filter Bubble. Wie wir im Internet entmündigt werden, Hanser, München 2012. ⮭
- Eine solche Perspektive wird v. a. eingelöst bei Kneuer, Marianne: Digitale Medien in der Vergleichenden Politikwissenschaft, in: Lauth, Hans-Joachim/Kneuer, Marianne/Pickel, Gert (Hrsg.): Handbuch Vergleichende Politikwissenschaft, Springer VS, Wiesbaden 2016, S. 615–631. Für die Demokratietheorie deutlich überschreitende politiktheoretische Reflexionen der Digitalisierung siehe zum Beispiel Chadwick, Andrew/Howard, Philip N. (Hrsg.): Handbook of Internet Politics, Routledge, London/New York 2009 sowie Jacob, Daniel/Thiel, Thorsten (Hrsg.): Politische Theorie und Digitalisierung, Nomos, Baden-Baden 2017. ⮭
- Siehe Anm. 2 sowie Hilbert, Martin: Digitalisierung demokratischer Prozesse. Gefahren und Chancen der Informations- und Kommunikationstechnologie in der demokratischen Willensbildung der Informationsgesellschaft, Duncker & Humblot, Berlin 2007. ⮭
- Sunstein, Cass R.: #Republic. Divided Democracy in the Age of Social Media, Princeton UP, Princeton, NJ/Oxford 2017. ⮭
- Vgl. Negroponte, Nicholas: Being Digital, Vintage Books, New York 1995. ⮭
- Bellah, Robert N. et al.: Habits of the Heart. Individualism and Commitment in American Life, California UP, Berkeley, CA u. a. 2007. ⮭
- Vgl. Sennett, Richard: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens: Die Tyrannei der Intimität, S. Fischer, Frankfurt a.M. 2004. ⮭
- Hindman, Matthew: The Internet Trap. How the Digital Economy Builds Monopolies and Undermines Democracy, Princeton UP, Princeton, NJ/Oxford 2018. ⮭
- Benkler: Wealth of Networks (wie Anm. 1). ⮭
- Hindman, Matthew: The Myth of Digital Democracy, Princeton UP, Princeton, NJ/Oxford 2009. ⮭
- Vinod Kumar, T.M. (Hrsg.): E‑Democracy for Smart Cities, Springer Nature, Singapur 2017. ⮭
- Prins, Corien et al. (Hrsg.): Digital Democracy in a Globalized World, Elgar, Aldershot-Brookfield 2017. ⮭
- Vgl. Bobbio, Norberto: Die Zukunft der Demokratie, Rotbuch, Berlin 1988, S. 11–26. ⮭
- Schliesky, Utz et al.: Demokratie im digitalen Zeitalter. Das Grundgesetz im digitalen Zeitalter, Nomos, Baden-Baden 2016. ⮭
- Vromen, Ariadne: Digital Citizenship and Political Engagement. The Challenge from Online Campaigning and Advocacy Organisations, Palgrave Macmillan, Basingstoke/New York 2017. ⮭
- Kreiss, Daniel: Prototype Politics. Technology-Intensive Campaigning and the Data of Democracy, Oxford UP, Oxford u. a. 2016. ⮭
- Dijk, Jan van: Digital Democracy. Vision and Reality, in: Snellen, I./Theans, M./van de Donk, W. (Hrsg.): Public Administration in the Information Age. Revisited, IOS, Amsterdam 2013, S. 49–62. ⮭
- Für eine Dokumentation der weltweit voranschreitenden Zunahme an Volksreferenden und Bürgerpetitionen durch die neuen IKT siehe Vayenas, Costa: Democracy in the Digital Age. How We’ll Vote and What We’ll Vote About, Arena Books, Bury St. Edmunds 2017. ⮭
- Dazu auch Luppicini, Rocci/Baarda, Rachel (Hrsg.): Digital Media Integration for Participatory Democracy, IGI Global, Hershey, PA 2017. ⮭
- Richey, Sean/Taylor, J. Benjamin: Google and Democracy. Politics and the Power of the Internet, Routledge, London/New York 2018. ⮭
- Taplin, Jonathan T.: Move Fast and Break Things. How Facebook, Google, and Amazon Cornered Culture and Undermined Democracy, Little, Brown & Company, New York 2017. Ähnlich argumentiert wie gesehen Hindman: The Internet Trap (wie Anm. 21). ⮭
- Stier, Sebastian: Internet und Regimetyp. Netzpolitik und politische Online-Kommunikation in Autokratien und Demokratien, Springer VS, Wiesbaden 2017. ⮭
- Für eine solche Lesart siehe zum Beispiel Chester, Jeff: Digital Destiny. New Media and the Future of Democracy, New Press, New York u. a. 2007 sowie Lutz, Barend/du Toit, Pierre: Defining Democracy in a Digital Age. Political Support on Social Media, Palgrave Macmillan, Basingstoke/New York 2014. ⮭
- Zu diesem zentralen Schwerpunkt der aktuellen Debatte über Demokratie und Internet siehe zudem Glen, Carol M.: Controlling Cyberspace. The Politics of Internet Governance and Regulation, ABC Clio, Santa Barbara, CA 2017. ⮭
- Schwanholz, Julia/Graham, Todd/Stoll, Peter-Tobias (Hrsg.): Managing Democracy in the Digital Age. Internet Regulation, Social Media Use, and Online Civic Engagement, Springer, Cham 2018. ⮭
- Coleman, Stephen: Can the Internet Strengthen Democracy?, Polity Press, Cambridge 2017. ⮭
- Stalder, Felix: Kultur der Digitalität, Suhrkamp, Berlin 2016; Kucklick, Christoph: Die granulare Gesellschaft. Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst, Ullstein, Berlin 2016. ⮭
- Reckwitz, Andreas: Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne, Suhrkamp, Berlin 2017. ⮭
- Rosa, Hartmut: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung, Suhrkamp, Berlin 72017. ⮭
- Mau, Stefan: Das metrische Wir. Über die Quantifizierung des Sozialen, Suhrkamp, Berlin 2017. ⮭
- Vgl. Rosa, Hartmut: Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2005. ⮭
- Vgl. Love, Nancy Sue: Musical Democracy, SUNY Press, Albany, NY 2006. ⮭
- Vgl. zum Beispiel Roberts, John M.: New Media & Public Activism. Neoliberalism, the State and Radical Protest in the Public Sphere, Policy Press, Bristol 2014; Kneuer, Marianne/Richter, Saskia: Soziale Medien in Protestbewegungen. Neue Wege für Diskurs, Organisation und Empörung? Campus, Frankfurt a.M./New York 2015. ⮭
- Meyen, Michael: Singularisierung vs. Medialisierung, in: Medienrealität. Ein Blog des Forschungs- und Lehrbereichs von Michael Meyen (LMU München), URL: https://medienblog.hypotheses.org/1384 [Zugriff: 26.02.2019]. ⮭
- Wie Anm. 40. ⮭
- Wie Anm. 43. ⮭
- Siehe Bobbio: Zukunft der Demokratie (wie Anm. 26). ⮭
- Dazu Castoriadis, Cornelius: Autonomie oder Barbarei. Ausgewählte Schriften, Bd. 1: Wesen und Wert der Gleichheit, Edition AV, Lich 2006, S. 113–133., bes. S. 124 f. ⮭
- Siehe dazu neuerlich Tocqueville, Alexis de: Über die Demokratie in Amerika, dtv, München 1976, S. 492 ff., 719 ff. ⮭
- Butter, Michael: „Nichts ist, wie es scheint“. Über Verschwörungstheorien, Suhrkamp, Berlin 2018. ⮭
- Siehe Sunstein: #Republic (wie Anm. 17), S. 68 ff. ⮭
- Zur Bedeutung der digitalen sozialen Medien für den Wahlsieg von Trump siehe zudem Schill, Dan/Hendricks, John Allen (Hrsg.): The Presidency and Social Media. Discourse, Disruption, and Digital Democracy in the 2016 Presidential Election, Routledge, London/New York 2017. ⮭
- Keane, John: Democracy and Media Decadence, Cambridge UP, Cambridge 2013. ⮭
- Bennett, Lance/Segerberg, Alexandra: The Logic of Connective Action. Digital Media and the Personalization of Contentious Politics, Cambridge UP, Cambridge 2014. Als Hauptmerkmale des ‚vernetzten‘ Handelns, das es vor allem von Mancur Olsons „The Logic of Collective Action“ abzuheben gilt, sind dabei die Spontaneität und Emotionalität der Motive anzuführen, die im Internet ideologisch meist nur lose verbundene Personen bei niedrigen Transaktionskosten zusammenführen. ‚Connective Actions‘ auf digitalen Kanälen haben deshalb meist wenig Mühe, eine große Zahl an Unterstützern anzusprechen, Botschaften zu verbreiten und Klicks zu generieren. Die Herausforderung liegt hingegen darin, wie sich solche nicht-institutionalisierten politischen Netzaktivitäten verstetigen lassen. Am alten Begriff des kollektiven Handelns wird im Zusammenhang der politischen Bedeutung sozialer Medien hingegen festgehalten bei Margetts, Helen et al.: Political Turbulence. How Social Media Shape Collective Action, Princeton UP, Princeton, NJ/Oxford 2016. ⮭
- Papacharissi, Zizi A.: A Private Sphere. Democracy in a Digital Age, Polity, Cambridge, MA 2010. ⮭
- Thaler, Richard/Sunstein, Cass: Nudge. Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness, Yale UP, New Haven, CT/London 2008. Mit Nudging beziffern die Autoren ein (manipulatives) digitales Steuerungssystem, das die neuen Informations- und Kommunikationstechniken verhaltensökonomisch appliziert. Durch „Anstupser“ (=Nudges) lassen sich nach Thaler/Sunstein etwa die aus Big Data statistisch zu gewinnenden Einsichten über Risikowahrscheinlichkeiten und Voreinstellungen nutzen, um zum Beispiel im Kontext der Alters- und Gesundheitsvorsorge, der ökologischen Nachhaltigkeit et cetera langfristig ‚kluge‘ Verhaltensänderungen anzuleiten. ⮭
- Coombs, W. Timothy et al. (Hrsg.): Strategic Communication, Social Media and Democracy. The Challenge of the Digital Naturals, Routledge, London/New York 2018 (Reprint). ⮭
- Vgl. Moffitt, Benjamin: The Global Rise of Populism. Performance, Political Style, and Representation, Stanford UP, Stanford, CA 2016. ⮭
- Vgl. Baiocchi, Gianpaolo/Ganuza, Ernesto: Popular Democracy: The Paradox of Participation, Stanford UP, Stanford, CA 2017; Mounk, Yascha: Der Zerfall der Demokratie. Wie der Populismus den Rechtsstaat bedroht, Droemer Knaur, München 2018; Pörksen, Bernhard: Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung, Hanser, München 2018; Moore, Martin: Democracy Hacked. Political Turmoil and Information Warfare in the Digital Age, Oneworld, London 2018. ⮭
- In diesem Sinne argumentiert Coleman: Democracy (wie Anm. 39), S. 87 ff. ⮭
- Vgl. Caplan, Bryan: The Myth of Rational Voter. Why Democracies Choose Bad Policies. Princeton UP, Princeton, NJ/Oxford 2008. ⮭
- Brennan, Jason: Against Democracy, Princeton UP, Princeton, NJ/Oxford 2016. ⮭
- Zehnder, Matthias W.: Die Aufmerksamkeitsfalle. Wie die Medien zu Populismus führen, Zytglogge, Basel 2017. ⮭
- Schweiger, Wolfgang: Der (des)informierte Bürger im Netz. Wie soziale Medien die Meinungsbildung verändern, Springer VS, Wiesbaden 2017. ⮭
- Milbradt, Björn: Über autoritäre Haltungen in ‚postfaktischen‘ Zeiten, Budrich, Opladen u. a. 2018. ⮭
- Auch die Diagnose des Information Overkill ist im Übrigen viel älter als die heute als Digitalisierung titulierte Entwicklung. Siehe dazu v. a. Toffler, Alvin: Future Shock, Random House, New York 1970. ⮭
- Wagner, Thomas: Das Netz in unsere Hand! Vom digitalen Kapitalismus zur Datendemokratie, Papyrossa, Köln 2017. ⮭
- Sowa, Aleksandra: Digital Politics. So verändert das Netz die Demokratie. 10 Wege aus der digitalen Unmündigkeit, Dietz Nachf., Bonn 2017. ⮭
- Russ-Mohl, Stefan: Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde. Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet, Halem, Köln 2017. ⮭
- Siehe Anm. 67. ⮭
- Auf dem englischsprachigen Markt ist mit Russ-Mohls Werk vergleichbar: Bartlett, Jamie: The People Vs Tech. How the Internet is Killing Democracy (and How We Save it), Penguin, New York 2018. ⮭
- Graf, Daniel/Stern, Maximilian: Agenda für eine digitale Demokratie. Chancen, Gefahren, Szenarien, NZZ, Zürich 2018. ⮭
- Wimmer, Jeffrey et al. (Hrsg.): (Mis)Understanding Political Participation. Digital Practices, New Forms of Participation and the Renewal of Democracy, Routledge, London/New York 2018. Für eine ähnliche Grundperspektive siehe außerdem Smith, Trevor Garrison: Politicizing Digital Space. Theory, the Internet, and Renewing Democracy, Westminster UP, London 2017. ⮭
- Hierzu bereits Manin, Bernard: Kritik der repräsentativen Demokratie, Matthes & Seitz, Berlin 2007 sowie Van Reybrouck, David: Gegen Wahlen. Warum Abstimmen nicht demokratisch ist, Wallstein, Göttingen 2016. ⮭
- Visotschnig, Erich: Nicht über unsere Köpfe. Wie ein neues Wahlsystem die Demokratie retten kann, oekom, München 2018. ⮭
- Siehe dazu etwa Buck, Sebastian: Liquid Democracy – eine Realisierung deliberativer Hoffnungen? Zum Selbstverständnis der Piratenpartei, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 43 (2012), H. 3, S. 626–635; Blum, Christian/Zuber, Christina Isabel: Liquid Democracy. Potentials, Problems, and Perspectives, in: The Journal of Political Philosophy 24 (2016), H. 2, S. 162–182; Adler, Anja: Liquid Democracy in Deutschland. Zur Zukunft digitaler politischer Entscheidungsfindung nach dem Niedergang der Piratenpartei, transcript, Bielefeld 2018. ⮭
- Vgl. Roberts: New Media & Public Activism (wie Anm. 46); Smith: Politicizing Digital Space (wie Anm. 76), Kap. 5. ⮭
- Martinsen, Franziska (Hrsg.): Wissen – Macht – Meinung. Demokratie und Digitalisierung. Die 20. Hannah-Arendt-Tage 2017, Velbrück, Weilerswist 2018. ⮭
- Siehe hierfür den Reader von Bauer, Susanne/Heinemann, Torsten/Lemke, Thomas (Hrsg.): Science and Technology Studies. Klassische Positionen und aktuelle Perspektiven, Suhrkamp, Berlin 2017. ⮭
- Zur demokratietheoretischen Debatte über die Kontextgebundenheit und ambivalente Nutzung von (digitalen) Kommunikationstechniken siehe bereits die Gedankenlinie, die von Robert Dahl (Democracy and its Critics, Yale UP, New Haven, CT 1989, S. 338 ff.) zu Kneuer, Marianne/Salzborn, Samuel (Hrsg.). Web 2.0 – Demokratie 3.0. Digitale Medien und ihre Wirkung auf demokratische Prozesse, Springer VS, Wiesbaden 2016 führt. ⮭
- Daston, Lorraine/Galison, Peter: Objektivität (Wissenschaftliche Sonderausgabe), Suhrkamp, Berlin 2017. ⮭