Runde Jahrestage bedeutender Ereignisse geben oft den Anstoß zu Tagungen, um Bilanz zu ziehen und neue Forschungen zu präsentieren. Darauf folgt nach einiger Zeit üblicherweise ein Sammelband. Entsprechend werden die Publikationen zu den in diesen Monaten stattfindenden Tagungen anlässlich des 80. Jahrestags des Endes des spanischen Bürgerkriegs am 1. April 1939 und des Beginns des republikanischen Exils noch auf sich warten lassen. Die zahlreichen Initiativen zeigen an, als von wie einschneidender Bedeutung und weltweiter Auswirkung dieser Konflikt noch heute angesehen wird. Und das nicht nur, weil er über die Erinnerungspolitik noch immer seinen Schatten auf das Land wirft.
So gilt aber auch, dass jetzt die Bücher erscheinen, die auf Tagungen im Jahre 2016 anlässlich des 80. Jahrestags seines Ausbruchs zurückgehen, wie etwa der hier vorzustellende Sammelband von einer Konferenz an der Universität Tel Aviv. An dieser Universität lehrt einer der beiden Herausgeber, Ranaan Rein, der sich insbesondere mit den internationalen Verwicklungen des spanischen Bürgerkriegs beschäftigt hat. Der zweite Herausgeber, Joan Maria Thomàs, ist an der Universität Tarragona tätig und hat zahlreiche Untersuchungen zur Falange, der Staatspartei des Franco-Regimes, sowie zu den amerikanisch-spanischen Beziehungen in der Franco-Diktatur vorgelegt.
Dem Anlass der Tagung entsprechend, ist er auf das Jahr 1936, „als alles begann“, fokussiert. Es geht um den Ausgangspunkt hin zu einem Konflikt, dessen ursprünglich endogener Charakter in seinem Verlauf sehr schnell durch seinen internationalen Kontext geprägt wurde. Dabei wird der Blick gerade auf die Aspekte gerichtet, die oftmals geringere Aufmerksamkeit erweckt haben.
Überwiegend behandeln die Beiträge die Wechselverhältnisse zwischen Spanien und dem Handeln auswärtiger Akteure, zumeist, aber eben nicht ausschließlich Staaten. Gleich im ersten Beitrag – nach einer kurzen Einleitung der Herausgeber zur Vorstellung aller Beiträge und zum Umreißen der gemeinsamen Klammer – zeigt Michael Seidman (Wilmington), wie es in der Abwehr des Putsches im Juli 1936 zunächst zu einem Ausbruch des revolutionären Antifaschismus kam, der bald allerdings insbesondere unter sowjetischem Einfluss von heftigen inneren Auseinandersetzungen gekennzeichnet war. Auf der anderen Seite wurden im Westen Gegner der Revolution mobilisiert, die Franco trotz seiner Unterstützung durch Hitler der Republik vorzogen.
Ein Thema des Antifaschismus war am Vorabend des Putsches die Vorbereitung der Antifaschistischen Gegenolympiade zu Berlin in Barcelona, die durch den Bürgerkriegsausbruch nicht mehr stattfand, aus deren bereits in der Stadt weilenden Sportlern sich aber die ersten internationalen Kämpfer rekrutierten, wie Rein (Tel Aviv) mit einem Schwerpunkt zu den jüdischen Teilnehmern aus Palästina nachzeichnet (siehe auch seinen Artikel über jüdische Freiwillige aus Palästina in der FAZ vom 07.08.2017). Wiederum in die andere Richtung geht ein Beitrag (Silvina Schammah Gesser, Jerusalem/Alexandra Cheveleva Dergacheva, Madrid) über den spanischen Dichter Rafael Alberti und sein Verhältnis zur Sowjetunion, gerade angesichts des Spannungsbogens zwischen der einzigen breiteren Unterstützung, die die Republik von dort erhielt, und dem sich insbesondere 1936/37 ausbreitenden stalinistischen Terror in der UdSSR. Antifaschistisches Engagement, diesmal am Beispiel eines Aktivisten der italienischen Organisation Giustizia e Libertà in Spanien, Renzo Gua, ist das Thema des Beitrags von Manuella Consonni (Jerusalem).
Nicht überraschend ist, dass die Mehrheit der Beiträge sich allerdings mit der „klassischen“ zwischenstaatlichen Ebene befasst. Es geht um das Verhältnis der spanischen Faschisten zu Nazi-Deutschland (Xosé M. Núñez Seixas, Santiago de Compostela), was nicht losgelöst gesehen werden kann vom Aufbau des franquistischen Staats nach dem Putsch (Joan Maria Thomàs, Barcelona), um die wichtige Hilfestellung durch das salazaristische Portugal (Pedro Aires Oliveira, Lissabon), um die – bald etwas nachlassende – volle Identifizierung des faschistischen Italiens mit den Putschisten und schließlich um die um entscheidende Wochen verzögert einsetzende Hilfeleistung durch die Sowjetunion (Daniel Kowalsky, Belfast).
Entscheidend dafür, dass Hitler und Mussolini freie Hand hatten, war unzweifelhaft die Nicht-Interventionspolitik der Westmächte, die David A. Messenger (Mobile) anhand der französischen Regierungspolitik und Emilio Sáenz-Francés Baldomero (Madrid) anhand der mit viel Wunschdenken verbundenen positiven Einstellung Winston Churchills zur franquistischen Seite beleuchtet. Weniger bekannt, weil wohl auch nicht als so zentral erachtet, sind das Verhalten des mitten im Eroberungskrieg in China steckenden Japans (Haruo Tohmatsu, Yokosuka) und die Hilfestellung durch die argentinische Diplomatie für die in die Botschaft in Madrid geflüchteten Anhänger der Putschisten (Leonardo Senkman, Buenos Aires). Schließlich beleuchtet ein Beitrag die Rolle der Frauen in der Anfangsphase des Bürgerkriegs auf beiden Seiten. Trotz aller grundsätzlicher Unterschiede in den Zielsetzungen entfesselten die Monate, in denen noch keine fertigen Strukturen alles dominierten, dennoch in ähnlicher Weise auf beiden Seiten Mobilisierungspotenziale, die bei erster Konsolidierung umgehend wieder schnell eingebunden wurden (Inbal Ofer, Ra’anana).
Alles in allem liegt damit ein Band vor, der interessante, oftmals weniger beachtete Aspekte beleuchtet und, wie von den Herausgebern zu Recht betont, dazu beiträgt, weniger auf die sich durchsetzenden großen Linien in ihrer Eindeutigkeit zu schauen, sondern die Entwicklung doch als eine komplexe Angelegenheit zu begreifen, deren Ablauf durchaus nicht als rein folgerichtig analysiert werden muss.