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Emerging Field Essay

Globales Wissen und Science Diplomacy im 20. Jahrhundert. Eine Bestandsaufnahme


Abstract

In recent years, science diplomacy has become a hot topic in international affairs, and is now also emerging as one of the most vibrant subfields within International History. This article examines newer historical research that addresses the history of science diplomacy or offers fruitful avenues for such a history. The review identifies three broader trends in current scholarship: a focus on universities and foundations as transnational actors of science diplomacy, a shift of interest towards the ways transnational flows of knowledge were organized and managed politically during the Cold War, and an increasing overlap of global environmental history with the histories of science and knowledge.

Keywords: Emerging Field Essay, Kunkel, Sönke, Science Diplomacy, Cold War Science, universities, transnational history of science, history of development, history of knowledge, environmental history

How to Cite:

Kunkel, S., (2019) “Globales Wissen und Science Diplomacy im 20. Jahrhundert. Eine Bestandsaufnahme”, Neue Politische Literatur 65(1). doi: https://doi.org/10.1007/s42520-019-00180-7

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© The Author(s) 2020 under CC BY International 4.0

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2019-11-22

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Ob künstliche Intelligenz, ‚Zukunftstechnologien‘ oder genome-editing – oft ist in der Sprache der Politik heute die Rede davon, dass wissenschaftliches Wissen die „Schlüsselressource für Produktivitätssteigerungen, wirtschaftliches Wachstum und damit gesellschaftlichen Wohlstand“1 sei, und daher einen immer wichtiger werdenden Gegenstand grenzüberschreitenden wissenschaftspolitischen Handelns bilden müsse. Viele Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika begreifen sich entsprechend als entstehende „Wissensmächte“2 und versuchen sich gezielt durch staatliche Förderprogramme an internationale Forschungsströmungen anzuschließen, internationale Organisationen finanzieren den Aufbau von Wissenschaftssystemen und Forschungsinfrastrukturen in Afrika und Asien, Regierungen in aller Welt treffen Rahmenvereinbarungen, um die wissenschaftliche Zusammenarbeit über alle Wissenschaftsfelder hinweg auszuweiten. Auch Förderorganisationen verstehen dies zunehmend als ihren Auftrag und sprechen von einem globalen „Wettlauf ums Wissen“3, in dem es darum gehe, Ideen, Talente und die entstehenden Wissensindustrien an das jeweils eigene Wissenschaftssystem zu binden. Wissenschaftsdiplomatie und Außenwissenschaftspolitik haben sich damit zu einem eigenständigen und wichtigen Teilbereich der internationalen Beziehungen entwickelt.4

Nicht übersehen werden darf allerdings, dass gegenwärtige Sprach- und Handlungsmuster internationaler Wissenschaftsdiplomatie keineswegs ein neues Phänomen darstellen, sondern ihrerseits auf Formen und Kontinuitäten grenzüberschreitender außen- und wissenschaftspolitischer Interaktion zurückgehen, die sich seit dem 19. Jahrhundert herausgebildet haben. Wie sich solche Formen entwickelt haben, rückt dabei seit wenigen Jahren verstärkt in den Blick der sozialwissenschaftlichen und historischen Forschung. Erste Arbeiten, etwa von John Krige, Jacob Hamblin oder Gabrielle Hecht haben speziell US-amerikanische Politiken internationaler Wissenschaftsförderung im Kontext des frühen Kalten Kriegs untersucht, andere Autorinnen und Autoren wie Simone Turchetti oder Jeroen van Dongen haben sich zuletzt um eine Perspektiverweiterung auch auf Europa und über den Kalten Krieg hinaus bemüht. Viele weitere Forschungsprojekte sind darüber hinaus in Arbeit und interessieren sich zunehmend für globale Zusammenhänge. Zudem hat sich 2016 unter dem Dach der International Union of History and Philosophy of Science and Technology auch eine eigene Commission on Science, Technology and Diplomacy gegründet, die derzeit eine Reihe an Tagungen und Publikationen vorbereitet. Die Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie stellt damit ein noch relativ neues, aber wachsendes Forschungsfeld dar, das in den kommenden Jahren eine Vielzahl an neuen Veröffentlichungen und Erkenntnissen erwarten lässt.

Ziel dieses Emerging Field Essay ist es, das gerade entstehende Forschungsfeld in einer systematischen und kritischen Zusammenschau zu ordnen. Damit soll einerseits in Ansätze, Themen und Problemstellungen aktueller Forschungen zur Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie eingeführt werden. Andererseits sollen Möglichkeiten, Potenziale und Herausforderungen einer Globalgeschichte von Wissenschaftsdiplomatie benannt werden. Die Geschichte der Wissenschaftsdiplomatie beschreibt dabei einen historischen Ansatz, der vielversprechende Schnittstellen zu anderen Forschungsfeldern eröffnet, wie etwa der Geschichte internationaler Beziehungen, der Wissens- und Wissenschaftsgeschichte, der Umweltgeschichte, der Geschichte von Entwicklungspolitik oder auch der Geschichte von internationalen Organisationen und INGOs.

Im Folgenden soll zunächst kurz in allgemeine Ansätze und Konzepte der sozialwissenschaftlichen und historischen Forschung zu Wissenschaftsdiplomatie eingeführt werden, bevor die Abschn. 2–4 anhand neuerer Forschungen drei unterschiedliche Themenfelder der Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie vorstellen. Zugrunde gelegt wird dabei ein vorläufig bewusst weites Verständnis von Wissenschaftsdiplomatie, das darunter Formen grenzüberschreitender politischer Interaktion in, für und durch Wissenschaft versteht.

I. Was heißt Wissenschaftsdiplomatie? Ansätze und Konzepte in Sozial- und Geschichtswissenschaften

Wissenschaftsdiplomatie ist ein noch verhältnismäßig neuer sozialwissenschaftlicher und historischer Forschungsgegenstand, und in der Wissenschaftspolitik selbst überhaupt erst seit etwa zehn Jahren als Leitbegriff etabliert. Wichtige Meilensteine waren dabei in Deutschland die 2008 verabschiedete Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung – prosaisches Leitthema: „Deutschlands Rolle in der globalen Wissensgesellschaft stärken“ – sowie die 2009 vom Auswärtigen Amt aufgelegte Initiative Außenwissenschaftspolitik.5 Analog dazu forderte auch in Japan das Council for Science and Technology Policy 2008 eine Verstärkung der Aktivitäten in der „Wissenschafts- und Technologiediplomatie,“ in den USA gründete die American Association for the Advancement of Science (AAAS) im selben Jahr ein eigenes Center for Science Diplomacy.6 Zwei Jahre später sprach ein von der Royal Society in Verbindung mit der AAAS herausgegebener Bericht dann bereits von den „New Frontiers in Science Diplomacy“7, die sich entlang der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – Klimawandel, Armutsbekämpfung, nukleare Abrüstung – aufspannen würden.

Solche Initiativen markieren generell einen internationalen Bedeutungsgewinn von Wissenschaft und Forschung, lassen sich aber auch als Beispiele für den Durchbruch des Globalisierungsparadigmas in der Wissenschaftspolitik begreifen.8 Zu Beginn dominierten dabei noch oft normative und alltagstheoretische Verständnisse von Wissenschaftsdiplomatie. Wissenschaftspolitische Praktikerinnen wie Nina Fedoroff – zwischen 2007 und 2010 Wissenschaftsberaterin im US-Außenministerium – definierten Wissenschaftsdiplomatie in diesem Sinne als „the use of scientific collaborations among nations to address the common problems facing 21st century humanity and to build constructive international partnerships.“9 Andere wie die Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan sprachen von einer „Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung“ und dem Versuch, „im kontinuierlichen internationalen Vergleich jeweils das beste Wissen, die optimalen Strukturen und die zielführenden Prozesse [zu] identifizieren und für den Wissenschaftsstandort Deutschland nutzbar [zu] machen“. Ziel sei es, die „Forschungszusammenarbeit mit den weltweit Besten zu stärken“, „Innovationspotenziale international [zu] erschließen“, die „Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern in Bildung, Forschung und Entwicklung nachhaltig [zu] stärken“ sowie „international Verantwortung [zu] übernehmen und globale Herausforderungen [zu] bewältigen“.10 Ähnlich positivistisch argumentierte der bereits erwähnte Bericht von Royal Society und AAAS, der sich dabei aber auch erstmals an einer Sortierung der Ebenen von Wissenschaftsdiplomatie versuchte. Unterscheiden ließ sich demnach zwischen Wissenschaftsdiplomatie als „science in diplomacy“ (Formen der wissenschaftlichen Politikberatung und -gestaltung), „diplomacy for science“ (Aufbau von Wissenschaftskooperationen durch Diplomatie) und „science for diplomacy“ (Wissenschaftskooperationen als eigene Dimension internationaler Beziehungen) – ein Sortierungsmodell, das bis heute einflussreich geblieben ist und immer wieder herangezogen wird.

Mittlerweile stehen solchen noch sehr praxeologisch dominierten Konzeptionen von Wissenschaftsdiplomatie aber auch eine Reihe von Studien gegenüber, die Wissenschaftsdiplomatie als wissenschaftlichen Forschungsgegenstand konzipieren. Im Sinne erster Feldvermessungen geht es dabei vorrangig noch um Typologienbildungen und Ordnungsmodelle. Viele Studien fragen entsprechend nach nationenspezifischen Zielsetzungen und arbeiten die Charakteristika nationaler Wissenschaftsdiplomatien heraus.11 Gemeinsam ist vielen Ansätzen, dass sie den Staat als zentralen Akteur von Wissenschaftsdiplomatie betrachten. „Science Diplomacy“, so fasst es Vaughan Turekian, ein Praktiker, „is the process by which states represent themselves and their interests in the international arena when it comes to areas of knowledge – their acquisition, utilization and communication – acquired by the scientific method.“ Ihr zentrales Ziel sei es entsprechend, „to use science to promote a state’s foreign policy goals or inter-state interests.“12 Auch Ulrich Schreiterer und Tim Flink stellen Staaten als Akteure in den Mittelpunkt, schlagen dabei aber eine bedenkenswerte Konzeptualisierung vor, indem sie zwischen drei strategischen Zielsetzungen von Wissenschaftsdiplomatie unterscheiden: Zugang, Einfluss und Werbung („access, influence, promotion“). Ersteres beschreibe den Versuch, Zugriffswege auf Wissen, Technologien und Talente in anderen Wissenschaftssystemen zu eröffnen, mittels derer sich dann Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des eigenen Wissenschaftssystems stärken lassen. Einfluss als strategische Zielsetzung von Wissenschaftsdiplomatie meine diese als Medium von soft power, das Attraktivität und Ansehen eines Landes in der Welt steigert und auf die Veränderung der Wahrnehmungen von Entscheidungsträgern, Eliten und Öffentlichkeiten hin angelegt ist. Dagegen beschreibe ‚promotion‘ den eher zupackenden Versuch, Erfolge und Vorzüge der nationalen Wissenschafts- und Forschungslandschaft aktiv im Ausland zu bewerben, so wie es etwa im Forschungsmarketing oder in internationalen Kampagnen wie „Werbung für den Forschungsstandort Deutschland“ zum Ausdruck kommt.13

Gerade letzteres interessiert auch die Kommunikationswissenschaftlerin Birte Fähnrich, die am Beispiel jener Kampagne des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Wissenschaftsdiplomatie als Medium der „strategische[n] Kommunikation staatlicher Akteure mit internationalen Öffentlichkeiten“ konzipiert.14 Wissenschaftsdiplomatie im Sinne eines Kommunikationsinstruments, so zeigt sie dabei, findet in einem Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik statt, das den Wissenschaften einerseits den Zugriff auf Ressourcen eröffnet – Stichwort: Geld und Reisen –, sie zugleich aber in Abhängigkeitsverhältnisse zu politischen Zielsetzungen bringt. Die Gründe dafür, dass sich die deutsche auswärtige Wissenschaftspolitik überhaupt des Instruments der Werbekampagnen bedient, sieht sie in der Ökonomisierung der Wissenschaftspolitik, die sich zunehmend an Vorstellungen eines internationalen Wettkampfs um Wissen ausrichte und den Stellenwert von Imagepolitik entsprechend höher bewerte. Auch die Orientierung an internationalen Trends spiele eine Rolle.

Einen anderen Ansatz verfolgt demgegenüber Charlotte Rungius, die zwischen Wissenschaftsdiplomatie als zeitgenössischem Diskurs und Praxis unterscheidet, mithin also auch die Rede über und von Wissenschaftsdiplomatie zu problematisieren versucht.15 Schafft man solcherlei reflexive Distanz, werden nicht nur Begleitumstände und Hintergrundkontexte gegenwärtiger Wissenschaftsdiplomatie sichtbar. Vielmehr erscheint der aktuelle Diskurs über Wissenschaftsdiplomatie dann auch als narrative Strategie, mittels derer politische Akteure Handlungsbedarfe und Dringlichkeiten konstruieren. Rungius spricht in diesem Zusammenhang von einer klassifizierenden „background story“, die den Anschein erwecke, dass sich globale Herausforderungen und Problemfelder nur noch durch grenzüberschreitende wissenschaftliche Zusammenarbeit bearbeiten ließen.16 Das sind originelle Überlegungen, die dazu anregen, den häufigen wissenschaftspolitischen Verweis auf die Unerlässlichkeit von Wissenschaftsdiplomatie in einer Welt von grand challenges auch einmal kritisch gegen den Strich zu lesen – als Begründungsfigur, der es nicht zuletzt auch um den Zugriff auf Ressourcen und damit um institutionelle und gesellschaftliche Macht geht. Leider wird diese kritische Perspektive von Charlotte Rungius dann aber nicht weitergedacht: In welchen Kontexten und warum wird die background story von Wissenschaftsdiplomatie in Anschlag gebracht und von wem? Welche Eigeninteressen und Ziele verfolgen institutionelle Akteure und Wissenschaftsbereiche damit? Welche Pfadabhängigkeiten und Sachzwänge ergeben sich daraus? Inwiefern verdeckt die Rede von Wissenschaftsdiplomatie möglicherweise globale Ungleichheiten? Und wie lässt sich ein analytischer Umgang mit Sprache und Argumentationsfiguren der Wissenschaftsdiplomatie finden, der jene nicht lediglich reproduziert? Es sind Perspektiven wie diese, die sich weiter produktiv machen ließen, aber eine dezidierte analytische Brechung mit den typischen Erzähl- und Legitimationsmustern der Wissenschaftsdiplomatie erfordern würden.

Den bisher umfangreichsten Versuch, die Dimensionen von Wissenschaftsdiplomatie anhand globaler Wissenschafts- und Technologiepolitiken zu erschließen, stellt ein zweibändiger Sammelband mit dem Titel „The Global Politics of Science and Technology“ dar, den Maximilian Mayer, Mariana Carpes und Ruth Knoblich herausgegeben haben.17 Sie wollen die globalen Dynamiken von Wissenschaft und Technologie als Forschungsgegenstand der Internationalen Beziehungen etablieren; in einem Feld der Politikwissenschaft also, das kurioserweise bisher wenig Systematisches darüber zu sagen hatte.18 Der Band behandelt Themen wie Biotechnologie, Cybersicherheit, Nanotechnologie oder amerikanisch-chinesische Beziehungen und illustriert damit die Bandbreite aktueller Arbeiten. Zugleich bemühen sich viele Beiträge darum, eigene konzeptionelle Ansätze zu entwickeln. Diese sind nicht immer anschlussfähig für Historikerinnen und Historiker, eröffnen zusammengenommen aber doch einige bedenkenswerte Perspektiven.

Originell ist etwa Christian Buegers Versuch, Formen und Funktionen von ‚Expertise‘ in den internationalen Beziehungen analytisch neu zu fassen. Ihm geht es nicht mehr um „epistemic communities“ (Peter Haas) und Prozesse der Verwissenschaftlichung von Politik, sondern um Expertise als transnationale Praxis. Expertise sei in diesem Sinne nicht als eine Form von Wissen zu untersuchen, sondern als eine Technik moderner Governance, die sich verschiedener Experten-Technologien bediene. Zu diesen gehörten etwa Statistiken, die in der OECD-Welt weit verbreiteten Praktiken des Vergleichens oder auch die Definition von Richtgrößen (wofür das Zwei-Grad Klimaziel ein gutes Beispiel ist). Unter Rückgriff auf die Akteur-Netzwerk-Theorie betont er dabei auch die Hybridität von Expertise, die im Sinne eines Beziehungsarrangements Technologien und Wissensformen mit sozialen und politischen Praktiken zueinander in Verbindung setze. Entsprechend ließen sich so auch internationale Probleme und Handlungsfelder als heterogenes Ensemble von technischen, wissenschaftlichen, politischen und administrativen Praktiken untersuchen.

Konzeptionelle Impulse für ein differenziertes Nachdenken über Wissenschaftsdiplomatie entstehen mittlerweile aber nicht mehr allein in den Sozialwissenschaften. Immer öfter findet man sie auch in der Geschichtswissenschaft selbst. Der Fall ist das etwa dort, wo sich historische Arbeiten für die Wechselwirkungen und Verschränkungen zwischen Außenpolitik, Wissenschaft, internationalen Beziehungen und transnationalen Institutionen interessieren – zum Beispiel in der Geschichte von Entwicklungshilfe. Historikerinnen und Historiker wie Daniel Speich-Chassé, Corinne Pernet oder Corinna Unger interpretieren Entwicklungspolitik dabei vor allem als „Wissenspolitik“19, deren Handlungskategorien ebenso durch wissenschaftliche Episteme definiert sind wie sie sich in der konkreten Praxis wissenschaftlicher Infrastrukturen und Technologien bedient (ein Beispiel ist die ‚grüne Revolution‘).20 Anregungen für eine Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie eröffnen solche Ansätze insofern, als sie einerseits die Transnationalisierung und globale Zirkulation von Wissenstechnologien erforschen, andererseits aber auch nach den lokalen Aneignungswegen von Wissen und der Rolle nicht-westlicher Wissenschaftsinstitutionen fragen. Sinnvoll ist es hier zu unterscheiden zwischen Wissenstransfers – die in der Geschichte von Entwicklungshilfe meistens im Zentrum stehen – und Prozessen des Wissensaufbaus durch den Ausbau von Wissenschaftsinstitutionen, Kooperationen und Forschung vor Ort. Letzteres ist bisher nur wenig untersucht worden.

Auch die Wissens- und Wissenschaftsgeschichte bietet eine Vielzahl an produktiven Deutungsangeboten für eine Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie, zumal sich neuere Arbeiten zunehmend für transnationale Wissensströme sowie die dahinter stehenden Infrastrukturen, Netzwerke, Institutionen und Technologien interessieren.21 Einer der Ansätze, die sich dabei fruchtbar machen ließen, ist das Konzept der techno-politics, das mit den Namen Timothy Mitchell und Gabrielle Hecht verbunden ist. Sie lenken den Blick auf die wechselseitige Bedingtheit von Wissen und Macht. Weder sei politisches Regieren und Handeln in der Neuzeit ohne die Entwicklung neuer Formen von Expertise denkbar, noch sei Wissen eine machtfreie Ressource. Vielmehr würden Technologien wie auch die damit verbundenen technischen Praktiken, Systeme und Wissensbestände als hybride Formen von Macht überhaupt erst jene Objekte, Kategorien, Infrastrukturen und Problemfelder herstellen, durch die und mit denen politische Akteure dann operieren können.22

Denkt man diesen Ansatz weiter, eröffnen sich vielversprechende Perspektiven für eine Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie. Zu fragen wäre dann nämlich auch nach Wissenschaftsdiplomatie als Technologie transnationalen Regierens, nach den Machtbeziehungen, die sich durch transnationale Wissensströme etablieren, nach den Implikationen und Konsequenzen, die sich ergeben, wenn Episteme, Technologien und Wissensbestände mit politischen Absichten über Grenzen hinweg transferiert werden. Dahinter stehen grundlegende Fragen nach Wissen als Medium und Objekt außenpolitischen Handelns, die von einer Geschichte der Wissenschaftsdiplomatie noch zu beantworten wären.

Ein wichtiger Bezugspunkt für die Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie ist schließlich auch die Kulturgeschichte von Diplomatie, unter deren Dach Historikerinnen und Historiker seit einigen Jahren vermehrt die symbolischen Repräsentationen von Wissen und Wissenschaftsinstitutionen in den Außenbeziehungen untersucht haben.23 Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem ein von Charlotte Lerg und Thomas Adam ediertes Forum im „Journal of Transatlantic Studies“. Beide sprechen dabei nicht von Wissenschaftsdiplomatie, sondern schlagen stattdessen das Konzept der „academic diplomacy“24 vor. Ziel dieses Ansatzes sei es, nach den vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Universitäten und staatlicher Kulturdiplomatie zu fragen. Dabei gehen sie von der Prämisse aus, dass Hochschulen institutionell stets an den Nationalstaat gekoppelt, zugleich aber auch Ankerpunkte transnationaler scientific communities seien. Sie sind gewissermaßen Hybridstrukturen, in denen sich die nationalen und transnationalen Dimensionen von Wissenschaft kreuzen. Universitäten können daher sowohl Akteure nationaler Kulturdiplomatie sein, andererseits als akademische Institutionen aber auch ihre eigenen Interessen und Zielsetzungen verfolgen. Dabei geht es um Reputation, internationalen Einfluss und den Zugang zu Ressourcen. Zu untersuchen seien dabei nicht allein die klassischen Formen staatlicher academic diplomacy wie etwa das Stiften und Finanzieren von Museen oder Forschungsinstituten im Ausland. Wichtig sei es vielmehr auch, zu untersuchen, wie sich Universitäten zu Kulissen und eigenen Orten von Diplomatie und Außenpolitik entwickelten und danach zu fragen, wie und warum sich Universitäten als solche Orte von Außenpolitik zu positionieren versuchten, etwa im Kontext von Staatsbesuchen. Dies lenke die Aufmerksamkeit nicht zuletzt auch auf die Heterogenität der Zielsetzungen und Akteure, die mit academic diplomacy verbunden sei und von Außenpolitikern wie Churchill oder Kennedy ebenso betrieben wurde wie von Universitätspräsidenten, Museumsdirektoren, Botschaftern oder Diplomaten.

II. Historische Akteure von Wissenschaftsdiplomatie: Universitäten und transnationale Stiftungen im Zeitalter der Wissensgesellschaften (1850er–1950er)

Die Arbeiten von Adam, Lerg und anderen sind auch deshalb bemerkenswert, weil sie nicht allein auf die historischen Dimensionen von Wissenschaftsdiplomatie verweisen. Die Marschroute hinter solchen Ansätzen ist auch konzeptionell: Es geht darum, historische agency neu zu fassen. Nicht nur Staaten seien in den Mittelpunkt zu stellen, so Adam und Lerg, sondern auch nicht-staatliche Institutionen. Beide weisen in diesem Zusammenhang auf die Handlungsmacht einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hin, die academic diplomacy in unterschiedlichen politischen Rollen mitgestalten würden: als Repräsentanten ihrer Universität, ihres Faches, einer bestimmten Wissenschaftskultur, eines Landes oder einer Regierung, aber auch durch prestigeträchtige internationale Konferenzen oder Forschungskooperationen. Lerg und Adam tragen auf diese Weise zu einem differenzierten Verständnis von Wissenschaftsdiplomatie bei, das der in vielen sozialwissenschaftlichen Ansätzen zu beobachtenden Engführung auf staatliche Wissenschaftsdiplomatie einen anregenden Kontrapunkt entgegensetzt. Überhaupt betont die Universitätsgeschichte ja schon seit langem die zentrale Rolle von Universitäten in den internationalen Beziehungen, und müsste mit ihren Befunden in sozialwissenschaftlichen Studien sehr viel systematischer und stärker berücksichtigt werden.25

Der von Heike Bungert und Charlotte Lerg herausgegebene Themenschwerpunkt zur transnationalen Universitätsgeschichte bemüht sich in ganz ähnlicher Weise um eine historische Neuperspektivierung solcher agency.26 Beiden Herausgeberinnen geht es um einen neuen „Blick auf die verschiedenartigen Netzwerke, Verflechtungen und Transfers von institutionalisierter Wissenschaft“ (S. 38), der die translokalen und globalen Bezüge von Universitäten im 19. und 20. Jahrhundert berücksichtigt: diese seien im Zuge der „voranschreitenden Institutionalisierung und Professionalisierung der Wissenschaft“ zu „Knotenpunkten avanciert, an denen regionale, nationale und globale Netzwerke ineinandergriffen“ (S. 38). Explizit wenden sich Bungert und Lerg dabei gegen „das in der Forschung dominante, monodirektionale Instrumentalisierungsnarrativ“ einer außenpolitischen Vereinnahmung von Universitäten. Stattdessen gelte es, nach den Handlungsräumen und „Motivationen der Universitäten selbst zu fragen“ (S. 43), die politische Ziele oft für ihre eigenen Interessen zu nutzen wussten. Agency müsse in der Wissenschaftsgeschichte entsprechend unterschiedlich konzipiert werden und läge nicht allein bei Staaten und Regierungen, sondern auch bei Institutionen, Organisationen, Netzwerken und Individuen.

Entlang der Themenachsen Netzwerke, agency und Transfer erschließen die Beiträge verschiedene Dimensionen der transnationalen Universität im 19. und 20. Jahrhundert. Viele Beiträge bewegen sich dabei auf den durchaus vertrauten Bahnen der Universitätsgeschichte, gehen aber über den üblichen deutsch-amerikanischen Kontext hinaus und bieten so einen neuen internationalen Zugriff. Themen sind etwa die politischen Identitäten und Netzwerke von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im britischen Empire, die Internationalisierung französischer Universitäten während des ersten Weltkriegs, deutsche Ideentransfers in der Lehrerbildung oder die Erfahrungen und Erwartungen US-amerikanischer Musik- und Medizinstudentinnen und -studenten im Leipzig und Halle des 19. Jahrhunderts. Nicht immer geht es dabei um Wissenschaftsdiplomatie, doch eröffnen die Beiträge oft Ansatzpunkte, die sich im Rahmen einer Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie gewinnbringend weiterverfolgen ließen. So behandelt Emily Levines Beitrag unter anderem etwa die internationalen Aktivitäten einflussreicher Wissenschaftsadministratoren wie des preußischen Kulturministers Friedrich Althoff und die deutsch-amerikanische Universitätsdiplomatie sächsischer und amerikanischer Universitäten. Christine von Oertzen beleuchtet am Beispiel der International Federation of University Women (IFUW) und des 1926 gegründeten Deutschen Akademikerinnenbundes (DAB) die Rolle weiblicher Netzwerke in den internationalen Beziehungen. Sie zeigt, dass die seit dem 19. Jahrhundert entstandenen, aber am Ersten Weltkrieg zerbrochenen Ideale des wissenschaftlichen Internationalismus entgegen gängiger Deutungen durchaus auch im Deutschland der 1920er Jahre reaktiviert wurden und von IFUW und DAB mittels internationaler Vernetzung, Förderung des internationalen Austauschs von Akademikerinnen und der Einrichtung eigener Clubhäuser wie des Berliner Helene-Lange-Heims mit Leben gefüllt wurden. Dabei wurde der DAB immer wieder auch finanziell durch das Auswärtige Amt gefördert und begann so in den späten 1920er Jahren auch kulturdiplomatische Funktionen zu übernehmen.

Einen anderen Ansatz verfolgt Christoph Ellßel in seinem Beitrag zum Colombo-Plan.27 Er interessiert sich für die politische Funktion der australischen Universitäten im Rahmen der Integrationsstrategien der britischen und amerikanischen Empires und fokussiert sich dazu auf die Stipendien- und Förderprogramme des Colombo-Plans. Diese sollten der Idee nach jungen Eliten aus Süd- und Südostasien einen Studienaufenthalt an der Universität eines Mitgliedlandes des Colombo-Planes ermöglichen, verpflichteten sie aber auch dazu, anschließend wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren. Ellßel betont dabei die Doppelfunktion dieses Programms: So sei es nicht allein darum gegangen, Wissen zu vermitteln und Studierende für Staatsdienst oder Führungsaufgaben in der Wirtschaft auszubilden. Vielmehr habe das Programm vor allem darauf abgezielt, die Region gegen die Verheißungen des Kommunismus zu immunisieren und in eine liberal-kapitalistische Weltordnung zu integrieren. Der Fokus lag daher vor allem auf change agents und Multiplikatoren, die vornehmlich in den Städten der Entsendeländer rekrutiert, auf ihre politische Zuverlässigkeit hin abgeklopft und dann von Verbindungsbeamten des australischen Außenministeriums engmaschig betreut wurden. Wissenschaftsdiplomatie, so arbeitet Ellßel heraus, machte sich hier also die biografische Sozialisationskraft der Universität zunutze und zielte auf Wertetransfers und Elitenformation ab. Zwar stellten mangelnde infrastrukturelle Kapazitäten und der traditionelle akademische Eigensinn der Institution Universität die außenpolitischen Strategen der beteiligten Regierungen immer wieder vor Probleme. Gleichwohl war das Stipendienprogramm langfristig ein Erfolg, gerade weil es die biografische Bedeutung und transnationale Vernetzungsleistung der Universität nutzte. Ellßels Beitrag zeigt dabei, wie fruchtbar eine Erweiterung des Blickfeldes für die Universitätsgeschichte sein kann und steht insofern für einen Neuansatz, der sich vor allem für postkoloniale und außereuropäische Zusammenhänge interessiert. Solche Ansätze dürften in der Geschichte von Universitäten und Wissenschaftsdiplomatie in Zukunft noch wichtiger werden.

Neu an den hier besprochenen Arbeiten ist aber auch noch ein ganz anderer Aspekt: Zunehmend stellen sie der Universitätsgeschichte auch die Geschichte der Mittlerorganisationen grenzüberschreitender wissenschaftlicher Interaktionen zur Seite. Bei John Krige und Helke Rausch sind dies insbesondere die US-amerikanischen Stiftungen. Ihr Thema ist dabei vorwiegend der Zeitraum zwischen den 1920er und den 1970er Jahren, ihre Hypothese, dass ein Macht-Wissen-Nexus die Förderaktivitäten und Politiken US-amerikanischer Stiftungen geprägt habe: „US philanthropic initiatives and multiple research activities sponsored around the world (in Western Europe in particular) must be understood as embedding knowledge in all its forms in international political, social and cultural power alignments“ (S. 9).28 Man wolle damit die unterschiedlichen Formen der transnationalen Produktion und Zirkulation von Wissen mit den größeren Fluchtlinien der internationalen Geschichte des 20. Jahrhunderts in Verbindung bringen.

Kriges und Rauschs Band macht deutlich, dass sich amerikanische Stiftungen wie das Carnegie Endowment, die Rockefeller-Stiftung und die Ford Foundation seit den 1920er Jahren (respektive den 1950er Jahren) zu eigenständigen und wichtigen Akteuren in der internationalen Wissenschaftsdiplomatie entwickelten. Grundlegend neu ist diese Erkenntnis nicht, wird hier aber mit empirisch gesättigten Fallstudien erstmals systematisch hinterlegt. Sichtbar wird so etwa der beträchtliche Einfluss der Rockefeller-Stiftung bei der Grundlegung der Biomedizin als neuem Forschungsfeld im Frankreich der ‚Zwischenkriegszeit‘ oder die enge politische Zusammenarbeit zwischen Ford Foundation und niederländischen Wissenschaftsinstitutionen. Viele Autoren betonen aber auch die Grenzen transnationaler Wissenschaftsförderung. So war die Rockefeller-Stiftung in der auf die Produktion kolonialen Planungswissens ausgerichteten europäischen Anthropologie der 1920er nur ein Förderer und Impulsgeber unter vielen, und auch die Versuche des Carnegie Endowments, im Europa der gleichen Zeit Ideale des wissenschaftlichen Internationalismus zu revitalisieren stießen auf Widerstand. Die im Titel angesprochene coproduction of world order bezeichnet so gesehen nicht den linearen Transfer amerikanischer Wissenschaftsvorstellungen, sondern war geprägt von vielfältigen Zielkonkurrenzen und Aushandlungsprozessen zwischen europäischer Wissenschaft und amerikanischen Stiftungen, die erst noch lernen mussten, sich in heterogenen institutionellen und wissenschaftskulturellen Landschaften zu bewegen.

Wissenschaftsdiplomatie, so zeigen beide Bände, war zwischen den 1870er und 1950er Jahren nicht allein eine staatliche, sondern vor allem auch eine transnationale Angelegenheit. Dabei prägten transnationale Akteure – zu denen neben Universitäten und Stiftungen auch Wissenschaftsorganisationen zu zählen sind – vor allem die deutschen Außenbeziehungen auf je unterschiedliche Weise. Vor dem Ersten Weltkrieg waren Universitäten oft Knotenpunkte internationaler Netzwerkbildung, spielten aber auch eine zentrale Rolle im internationalen Wettbewerb der ‚Wissensmächte‘ Amerikas und Europas. Nicht von ungefähr träumte ein Administrator wie Friedrich Althoff zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem ‚deutschen Oxford‘ in Berlin, das die Leistungskraft und Bedeutung deutscher Wissenschaft weithin unterstreichen würde.29 Nach 1918 änderte sich die Funktion transnationaler Akteure, die nun mehr und mehr darin bestand, überhaupt wieder Interaktionsräume mit anderen Gesellschaften zu eröffnen. Wichtig waren dabei die neu gegründete Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft sowie der 1925 gegründete Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). In den 1950er Jahren knüpften Deutsche Forschungsgemeinschaft und DAAD an diese Traditionen an, wobei mit der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und der deutsch-amerikanischen Fulbright-Kommission noch zwei weitere Mittlerorganisationen hinzukamen.30 Wie in den 1920er und 1930er Jahren zielte Wissenschaftsdiplomatie hier auf den Wiederaufbau von zivilgesellschaftlichen Beziehungen, hatte aber auch den Zweck, internationales „Systemvertrauen in die junge Demokratie der Bundesrepublik“31 aufzubauen. Im Gegensatz zu den bei Krige und Rausch untersuchten amerikanischen Stiftungen sind die internationalen Handlungshorizonte und Zielsetzungen deutscher Wissenschaftsorganisationen bisher jedoch noch wenig untersucht worden.32 Auch dies wäre daher noch eine wichtige Aufgabe zukünftiger Forschungen zur Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie.

III. Cold War Science: Wissenschaftsdiplomatie im Kalten Krieg

Sondiert man neuere Arbeiten zur transnationalen Wissenschaftsgeschichte, so fällt auf, dass viele dieser Arbeiten mittlerweile auch eine zentrale Rolle in der Geschichtsschreibung zum Kalten Krieg spielen. Umfassend erforscht ist inzwischen die Transformation der US-amerikanischen Universitäten und Wissenschaftsdisziplinen sowie ihr enges Verhältnis zum entstehenden US-Sicherheitsstaat der 1950er und 1960er Jahre.33 Wissenschaft in der entstehenden Cold War university, so der Tenor vieler Studien, richtete sich an den Erfordernissen und Interessen des nationalen Sicherheitsstaates aus, war geprägt von engen Verflechtungen zwischen Forschung und Militär, wurde daher aber auch in einem nie zuvor dagewesenen Maße gefördert und finanziert. Cold War Science strukturierte und rahmte als „context of motivation“34 Praktiken und Prozesse der Wissensproduktion, bahnte Big Science und neuen Wissenschaftsinstitutionen den Weg35, wirkte bis in die Forschungsagenden, Episteme, und Wissenschaftskulturen ganzer Disziplinen hinein.36 Zugleich trieben Kalter Krieg und Cold War Science aber auch die Internationalisierung von Wissenschaft voran. Stipendienprogramme und Wissenschaftleraustausch dienten der Systemintegration, neue Forschungsinstitutionen wie das CERN in Genf konzipierten Großforschung als internationale Kooperationsaufgabe, Wissenschaftsereignisse wie die Pugwash-Konferenzen oder das International Geophysical Year 1957/58 eröffneten Kommunikationsräume auch über die Blockgrenzen hinweg. Eine wichtige Zielsetzung gerade für die USA war es dabei auch, die Rahmenbedingungen für „transnationale Wissensströme“37 zu organisieren, um Bündnissysteme und Allianzen zu stärken.

In der Wissenschaftsgeschichte rücken diese internationalen Entwicklungen seit einigen Jahren mehr in den Fokus und ergänzen so die üblichen „drei Säulen der traditionellen Wissenschaftsgeschichte zum Kalten Krieg“38: Big Science, Ideologie und wissenschaftlich-militärischer Komplex. Wichtige Impulse kamen hier insbesondere von John Krige, der als einer der Pioniere der Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie gelten kann. Krige interessiert sich schon lange für die Rolle von Wissenschaft und Forschung in den amerikanischen Außenbeziehungen der 1940er bis 1960er Jahre und hat schon 2006 zwei wichtige Bände zur Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie vorgelegt: ein zusammen mit Kai-Henrik Barth herausgegebenes Sonderheft über „Global Power Knowledge“39, das verschiedene Beiträge zur Geschichte der US-amerikanischen Wissenschaftsdiplomatie in den 1950er und 1960er Jahren versammelt, sowie eine Monografie über „American Hegemony and the Postwar Reconstruction of Science in Europe“.40 Krige argumentiert, dass die amerikanische Wissenschaftspolitik gegenüber Westeuropa im Kontext des amerikanischen empire-buildings und der Systemintegration unter den Bedingungen des Kalten Krieges interpretiert werden müsse. Ziel der amerikanischen Nachkriegsregierungen sei es gewesen, die wissenschaftlich-technologische Vormachtstellung der USA zu nutzen, um westeuropäische Forschungsagenden im Sinne amerikanischer Sicherheitsinteressen zu beeinflussen und so auch die politische Hegemonie der USA abzusichern. In zahlreichen weiteren kleineren Studien hat Krige diesen Befund seither immer weiter ausdifferenziert und vor allem die Sicherheitsdilemmata der US-Regierungen betont: Ihnen sei es einerseits im Sinne eines burden-sharings darum gegangen, die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit Westeuropas zu stärken; andererseits habe die Proliferation nuklearer Technologien und strategischen technologischen Wissens dabei nicht im amerikanischen Interesse gelegen und sei daher sehr restriktiven Regulierungen unterworfen gewesen.41

Kriges Arbeiten stehen für eine Art der Wissenschaftsgeschichte, die sich im Rahmen einer weitergefassten Internationalen Geschichte verortet. Sie sind zu vielzitierten Standardwerken geworden. Erwartungsvoll schlägt man vor diesem Hintergrund daher auch den von John Krige zusammen mit Naomi Oreskes herausgegebenen Band über „Science and Technology in the Global Cold War“ auf, zumal auch Naomi Oreskes zu den führenden Denkerinnen der Wissenschaftsgeschichte gehört.42 Leider stellt sich jedoch schnell heraus, dass der Titel vor allem metaphorisch zu verstehen ist und es sich hier keineswegs um eine Globalgeschichte des Kalten Krieges handelt, wie sie etwa Odd Arne Westad für die Diplomatiegeschichte mit seinem „Global Cold War“ vorgelegt hat.43 Vielmehr gehe es darum, so erklärt die Einleitung, genauer zu verstehen, wie der soziale und politische Kontext des Kalten Krieges die Epistemologien wissenschaftlicher Forschung konturiert und beeinflusst habe. Dazu haben Krige und Oreskes Beiträge zusammengeführt, die im Gegensatz zu den bisherigen, eher institutionellen Arbeiten über Cold War Science die Forschungs- und Wissensgeschichte einzelner Cold War Disciplines untersuchen. So erfährt man viel über den Siegeszug der Radioisotope in den Lebenswissenschaften oder über die Ozeanografie und Klimaforschung am Scripps Institute, aber auch über die Geschichte der Nuklearphysik und Großforschung in der Sowjetunion. Allerdings kommt der methodische Zugriff des Bandes mit seinem Fokus auf die Geschichte einzelner Wissenschaftsdisziplinen und der Patronageverhältnissen des militärisch-wissenschaftlichen Komplexes doch insgesamt vergleichsweise konventionell daher. Viele Beiträge eint dabei die Einsicht, dass es von den spezifischen Zielsetzungen der jeweiligen Nationalstaaten USA, Sowjetunion und China abhing, welche Art von Wissen finanziert, nachgefragt und gefördert wurde.

Anregungen für die Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie bietet der Band dort, wo er die üblichen Erzählhorizonte der Wissenschaftsgeschichte verlässt. Das ist insbesondere in den zwei Beiträgen von John Krige und Sigrid Schmalzer der Fall, von denen Kriges Beitrag dort weitermacht, wo „American Hegemony“ aufgehört hatte, nämlich bei den amerikanisch-französischen Beziehungen in der Raumfahrtforschung und Raketentechnik in den 1960er Jahren. Wie auch schon in „American Hegemony“ argumentiert Krige, dass Art und Umfang transatlantischer Wissenstransfers in der Raketentechnik von den außenpolitischen Interessen der beteiligten Akteure abhingen und vor allem von den USA streng reguliert wurden. Es habe ein Nebeneinander von „knowledge sharing“ und „knowledge denial“ gegeben, hinter dem das amerikanische Interesse an der Integration der europäischen Wissenschaft in die transatlantische Allianz bei gleichzeitiger Bewahrung der amerikanischen Wissenshegemonie gestanden habe. Einen anderen Schwerpunkt setzen die Beiträge von Sigrid Schmalzer und Zuoyue Wang, die sich mit den internationalen wissenschaftlichen Verflechtungen Chinas beschäftigen. Sigrid Schmalzer beschreibt dabei unter anderem wie sich aus dem praxeologischen und auf Autarkie ausgerichteten Wissenschaftsverständnis der Mao-Zeit eigene chinesische Epistemologien entwickelten (etwa in der Insektenkunde und biologischen Schädlingsbekämpfung), die in den 1970er Jahren zu regelrechten internationalen Exportschlagern wurden und auch in der Kulturdiplomatie des chinesischen Staates eine wesentliche Bedeutung hatten. Breiter angelegt ist der Beitrag von Zuoyue Wang, der die transnationalen Trägerschichten und Verflechtungen chinesischer Wissenschaft über das 20. Jahrhundert hinweg untersucht. Sichtbar wird dabei unter anderem, dass der Kalte Krieg keineswegs zu einer Abschottung Chinas führte, sondern eher eine „transnationale Hybridisierung von Wissenschaft und Technologie in China“44 bewirkte (S. 362), in der eine sowjetisch geprägte Wissensinfrastruktur auf in den USA und Europa ausgebildete Ingenieure stieß.

Deutlich wird hier eine Akzentverschiebung: Interessierten in der Wissenschaftsgeschichte früher vor allem die institutionellen und politischen Rahmenbedingungen, unter denen wissenschaftliches Wissen produziert wurde, so geht es nun vermehrt um die Kontexte und Wege, auf denen solches Wissen transnational zirkulierte. Dieser Eindruck bestätigt sich auch beim Blick in den von Jeroen van Dongen herausgegebenen Band über „Cold War Science and the Transatlantic Circulation of Knowledge“45. Zwei Fragen stehen im Vordergrund: Wie bestimmten militärische Interessen an Forschung und die sicherheitspolitische Kultur der Geheimhaltung die transatlantischen Zirkulationsdynamiken? Und wie agierten europäische Akteure in diesem Zusammenhang? Die Antworten fallen nicht durchweg neu aus – Ronald Doels, John Kriges und auch Kristin Harpers Beiträge über US-Wissenschaft und Außenpolitik hat man so ähnlich auch schon an anderer Stelle gelesen –, aber informativ sind die Beiträge allemal, insbesondere dort, wo es um den Einfluss des Kalten Krieges auf die niederländischen Forschungslandschaften geht. So illustriert Abel Streefland am Beispiel des niederländischen Physikers Jakob Kistemaker überzeugend eine der Grundthesen des Bandes: dass Cold War Science, international gewendet, kein freies System transatlantischen Wissensaustauschs darstellte, sondern vielfältigen Regulationen, strategischen Vorenthaltungen von Wissensvorsprüngen, Geheimhaltungsansprüchen und politischen Aushandlungsprozessen unterlag. So musste Kistemaker sein erfolgreiches, auf einen Forschungsaufenthalt in den USA zurückgehendes Forschungsprogramm zu Ultrazentrifugen auf Drängen der US-amerikanischen Regierung als Geheimsache einstufen, wobei nicht allein Sicherheitsbedenken eine Rolle spielten, sondern auch das US-Interesse, die technologische Hegemonie in der Urananreicherung abzusichern. Überzeugen kann auch Giles Scott-Smiths Aufsatz über eines der wichtigsten Werkzeuge amerikanischer Wissenschaftsdiplomatie während des Kalten Krieges: das Fulbright-Programm. Das Fulbright-Programm, argumentiert er am Beispiel der Niederlande, mochte von seinen Erfindern als kulturelles Austauschprogramm zum Aufbau zwischengesellschaftlicher Verständigung beworben worden sein, im Kern jedoch ging es – siehe Colombo-Plan – um die Sozialisation zukünftiger internationaler Eliten mit amerikanischen Werten und Normen. Vor allem in den frühen Jahren war auch der Transfer amerikanischer Epistemologien und Wissenschaftsmethoden ein wichtiges Programmziel und wurde mittels Reisen und Forschungsaufenthalten amerikanischer Wissenschaftler an niederländischen Universitäten gefördert. Aber auch die niederländischen Außenpolitiker und Wissenschaftsadministratoren selber verfolgten ihre eigenen Interessen mit dem Programm, und begriffen es als einen direkten Zugangsweg zu den führenden amerikanischen Forschungseinrichtungen, vor allem in der Nuklearphysik und den Ingenieur- und Naturwissenschaften. Letztlich wurde das Fulbright-Programm so zur Stütze einer amerikanischen Wissenschaftshegemonie und führte zur Ausrichtung vieler niederländischer Wissenschaftsbereiche an amerikanischen Forschungstrends.

Dass sich die Geschichtsschreibung zum Kalten Krieg heute immer stärker für solche transnationalen Dimensionen von Wissenschaft, Wissenszirkulation und Außenpolitik interessiert, erkennt man auch daran, dass nicht mehr allein US-Wissenschaft und State Department, sondern vermehrt auch andere Akteure untersucht werden. Dazu gehören (west-)europäische Wissenschaftler und Institutionen, aber – siehe Schmalzer und Wang – auch chinesische Regierungen. In dem von Gabrielle Hecht herausgegebenen Band über „Entangled Geographies“ sind es postkoloniale Akteure und internationale Organisationen, die im Zentrum stehen.46 Dabei versucht der Band erstmals systematisch drei Forschungsströmungen zusammenzubringen: die Geschichte von Entwicklungspolitik, Diplomatiegeschichte und die Science and Technology Studies. Interessant ist hier das bereits oben beschriebene Konzept der techno-politics. Leider geht das Experiment insofern schief, als es kaum um transnationale Wissenschaft, sondern vornehmlich um Themen wie Uran- und Waffenhandel in Afrika, Ressourcenkontrolle (seltene Erden in Travancore), Planungsregime in Ungarn, klassische Modernisierungsprojekte in Brasilien, Indonesien und Saudi-Arabien und sogar um die Sanitätsartikel von Ärzte ohne Grenzen geht. Einzig der Beitrag von Sonja Schmid beleuchtet am Beispiel des sowjetischen Wissens- und Technologietransfers in der Kernenergie Aspekte von Wissenschaftsdiplomatie. Donna Mehos und Suzanne Moon beschreiben die universalen Wissenslogiken des UN Expanded Program for Technical Assistance, eröffnen damit aber nicht wirklich eine neue Perspektive für die Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie.

An diesem Manko leidet ein von Alison Kraft, Holger Nehring und Carola Sachse herausgegebenes Zeitschriftenforum im „Journal of Cold War Studies“ nicht.47 Es behandelt die Geschichte der seit 1957 jeweils jährlich und an wechselnden Orten stattfindenden „Pugwash Conferences for Science and World Affairs“, die ein wichtiges Kommunikationsforum für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs wurden. Was sie einte, war das Unbehagen am atomaren Rüstungswettlauf und das Anliegen, zu einer Friedensordnung beizutragen. Es läge daher nahe, betonen die Herausgeberinnen, die Pugwash-Bewegung als Ausdruck eines neuen, Systemdifferenzen überbrückenden wissenschaftlichen Internationalismus zu interpretieren, doch sah die Praxis anders aus: Viele der Teilnehmer wurden gezielt von Regierungen ausgesucht, auf ihre politische Verlässlichkeit hin abgeklopft und dann als nationale Repräsentanten geschickt, die entsprechende nationale Interessen im Auge zu halten hatten, etwa im Fall der beteiligten chinesischen oder osteuropäischen Teilnehmer. In der Bundesrepublik hatte insbesondere die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) eine ambivalente Haltung gegenüber ‚Pugwash‘ und verlor in den 1970er Jahren zunehmend das Interesse, als der neue Präsident Reimar Lüst als „Außenminister der deutschen Wissenschaft“48 eine eigenständige wissenschaftsdiplomatische Rolle für die MPG anstrebte. Gerade indem es nach solchen Zusammenhängen zwischen der transnationalen Rolle und den dahinterstehenden nationalen Handlungskontexten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf beiden Seiten des Systemkonflikts fragt, regt das Forum zu zahlreichen weiteren Forschungen an – etwa zur allgemeinen Rolle der MPG, in den Außenbeziehungen der Bundesrepublik, oder, analog dazu, zur Bedeutung der Akademien und Wissenschaftsinstitutionen in den Außenbeziehungen von DDR und Sowjetunion.49

IV. „Globales Umweltwissen“50 seit 1945

Einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt der Wissenschaftsgeschichte nach 1945 bilden mittlerweile auch umwelthistorische Fragestellungen. Viele der heute geläufigen Umweltherausforderungen wie Klimawandel, Meeresverschmutzung oder globales Waldsterben wurden im Zeitalter des Kalten Krieges erkannt und entwickelten sich mitunter direkt aus der militärischen Auftragsforschung zu dem, was heute unter dem Begriff der grand challenges firmiert. Naomi Oreskes hat auf diesen Zusammenhang hingewiesen: „Changing the Mission“ heißt ihre Geschichte der Ozeanographen am Scripps Institute in La Jolla, Kalifornien, die in den 1980er/1990er Jahren angesichts veränderter Rahmenbedingungen ihre Forschungsagenda verhältnismäßig geschmeidig von Militärforschung auf Klimaforschung umstellten.51 Großen Aufwand erforderte das nicht: Umwelt- und Klimaforschung war während des Kalten Krieges immer schon eng mit militärischer Forschung verwoben, wurde umfassend vom Militär finanziert und gefördert, verdankte nicht zuletzt seine globalen Infrastrukturen der militärischen Erkenntnis, dass die Kontrolle von Räumen und Regionen eine ausreichende Kenntnis ihrer jeweiligen Umwelten voraussetzte. Umweltwissen und Umweltforschung waren in diesem Sinne nicht allein Nebenprodukte des globalen Systemkonflikts. Beide waren auch wesentliche Voraussetzung für die Durchsetzung und Aufrechterhaltung der mit dem Kalten Krieg verbundenen geostrategischen Raumsysteme.52

Ein konkreter Ort, an dem die Verschränkungen zwischen Militär, Umweltforschung und Außenpolitik virulent wurde, war seit dem Zweiten Weltkrieg Grönland, Gegenstand eines von Ronald Doel, Kristine Harper und Matthias Heymann herausgegebenen Sammelbandes.53 Politisch Dänemark zugeordnet, diente Grönland dem US-Militär als wichtiger Stützpunkt und hatte gerade wegen seiner relativen Nähe zur Sowjetunion und Europa eine herausragende geostrategische Bedeutung für die USA. Seit 1951 bauten die USA entsprechend in Thule einen Militärstützpunkt auf und investierten parallel beträchtliche Ressourcen in die Erforschung der arktischen Umwelt, deren Kontrolle Voraussetzung für die Operationalität der amerikanischen Militärstrategie und der mit ihr verbundenen Waffensysteme war. Diese Strategie umfasste nicht allein allerlei krude militärstrategische Ideen, zu denen unter anderem der zeitweilige, später wieder aufgegebene Bau einer Stadt unter dem Eis gehörte („Camp Century“), sondern führte im Ergebnis in so unterschiedlichen geophysikalischen Disziplinen wie der Glaziologie oder der Ionosphärenforschung zu verstärkten internationalen Forschungsprogrammen, deren Breite und Genese von den Autorinnen und Autoren sorgfältig herausgearbeitet wird. Deutlich wird hier, wie sehr internationale Forschung in Grönland politischen Regulierungen unterworfen war, politisch ausgehandelt werden musste, aber von der dänischen Regierung im Zuge einer eigenen détente-Politik auch bewusst vorangetrieben wurde, um mittels internationaler Kooperationen mit sowjetischen Forschern politische Entspannung voranzutreiben.54 Dabei erweist sich der Zugang über einen konkreten Ort (Grönland) und ein kleineres Land (Dänemark) als fruchtbar für die Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie, auch wenn nur der Beitrag von Henrik Knudsen dieses Konzept explizit aufgreift.

Anders angelegt ist der von Simone Turchetti und Peder Roberts herausgegebene Band über „The Surveillance Imperative“.55 Hier geht es weniger um einen konkreten Ort als vielmehr um ein konkretes Wissenschaftsfeld, die Geschichte der Geo- und Umweltwissenschaften. Gleichwohl teilt der Band mit „Exploring Greenland“ das vorrangige Interesse an den Verbindungen zwischen Militär, Umweltforschung und Außenpolitik. Auch der Grundgedanke ist ein ähnlicher: Vor allem militärische und sicherheitsstrategische Interessen hätten zu einer massiven Aufwertung der Geo- und Umweltwissenschaften geführt, die nicht allein ein besseres Verstehen von Umwelten möglich gemacht hätten, sondern auch Teil eines Imperativs der Überwachung der Potenziale und Aktivitäten des Feindes gewesen seien. Viele Beiträge bemühen sich darum, solche Logiken der Überwachung herauszuarbeiten, etwa am Beispiel von Seismologie und Atomteststopp-Vertrag oder der Überwachung der Ozeane. Zu oft geht es dabei jedoch entweder nur um Diplomatie- oder um klassische Disziplinengeschichte, zu selten wird das Ineinander von Wissenschaft und Außenpolitik systematisch untersucht.

Letzteres kann man von Simone Turchettis jüngster Studie zur Geschichte der NATO nicht behaupten.56 Das Buch, das überhaupt eine der ersten Monografien zur Wissenschaftsgeschichte der NATO ist, wolle einladen zu einem Nachdenken über Wissenschaftsdiplomatie, schreibt Turchetti, indem es jene als Teil der „actualities of Cold War geopolitics“ (S. 6) konzipiere. Das 1958 aufgelegte Wissenschaftsprogramm habe nicht nur wesentlich zum Aufstieg der Umweltforschung in der westlichen Allianz beigetragen, es habe in der Krise der Organisation seit Mitte der 1960er Jahre im Sinne einer „parallel diplomacy“ (S. 6) auch die Funktion gehabt, Differenzen und Konflikte in der Allianz zu überbrücken und zur Bündnisintegration beizutragen. Ähnlich wie in „The Surveillance Imperative“ akzentuiert Turchetti den engen Zusammenhang von Überwachung und wissenschaftlicher Forschung in Ozeanografie und Meteorologie. Viel Aufmerksamkeit erhalten zudem Vorgeschichte und Gründung des NATO Committee on the Challenges of Modern Society, dem Turchetti eine Schlüsselrolle zuspricht: Dieses habe zu einer Neuorganisation der Forschungsagenden innerhalb der Bündnisgemeinschaft geführt und dafür gesorgt, dass Forschungsprogramme in den 1970er und 1980er Jahren auch allgemeinere Umweltfragen adressierten.57 Auch wenn es sich hier um eine klassische Institutionengeschichte handelt, die zumal vor allem das NATO Science Committee behandelt, arbeitet das Buch doch gut heraus, wie Wissenschaft im Kontext der transatlantischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu einem Medium der Institutionenbildung avancierte.

Auffällig ist dennoch, dass viele der Studien, die Wissenschafts‑, Umwelt- und Internationale Geschichte zusammenbringen, dieses bisher vornehmlich im Modus einer erweiterten Geschichte westlicher Sicherheits- und Verteidigungspolitik machen. Dieses Dispositiv löst sich erst langsam auf. In Sverker Sörlins Forschungen sind es dabei Fragen globaler Umwelt-Governance, die anstelle des Ost-West-Konflikts treten. Sörlins am KTH Royal Institute of Technology in Stockholm angesiedeltes Forschungsprojekt über „The Rise of Global Environmental Governance“ geht dabei von der Annahme aus, dass sich seit 1945 eine neue Mensch-Erde/Umwelt-Beziehung herausgebildet habe, die von den Wissensbeständen der Erdsystemforschung geprägt werde. Globale Umwelt-Governance sei keineswegs nur eine Sache von Diplomaten oder internationalen Institutionen. Forschungsstationen, Satelliten, neue Technologien der Sammlung von Umweltdaten oder auch die Ideen der Erdsystemforschung würden vielmehr ein eigenes, von Sörkin als „the real“ bezeichnetes, System der Erd-Governance etablieren, dessen Dynamiken es nachzugehen gelte. Zu welchen Forschungsergebnissen dieser Ansatz führt, bleibt abzuwarten. Gleichwohl wirft er die Frage auf, wie sich Umweltforschung im internationalen Maßstab überhaupt zu internationaler Umweltpolitik verhält, und benennt damit eine Perspektive, die im Rahmen einer Geschichtsschreibung zur Wissenschaftsdiplomatie noch weiter zu bearbeiten wäre.58

Einen Schritt weiter als Sörlin ist in dieser Hinsicht Perrin Selcers Buch über die UNESCO und FAO.59 Zwei Meilensteine sind es, die Selcers Studie einrahmen: die UN Scientific Conference on the Conservation and Utilization of Resources 1949 sowie die UN Conference on the Human Environment 1972, welche Selcer im Gegensatz zum vorherrschenden Konsens nicht als Anfangspunkt einer globalen Umweltschutzbewegung interpretiert, sondern als Endpunkt von Entwicklungen, die sich seit 1945 verfestigt hätten. Selcer betont insbesondere die große Wissenschaftsgläubigkeit der postwar internationalists. Diese hätten gerade in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit das Potenzial für die Realisierung einer idealistischen ‚Einen Welt‘ gesehen. Anliegen von UNESCO und FAO sei es daher gewesen, durch wissenschaftliche Vorhaben neue transnationale Gemeinschaften zu stiften. Dazu gehörten internationale Forschungsprogramme über Wüstenbildung, zur Herstellung einer Bodenkarte der Welt, für ein globales Umweltmonitoring sowie die breit angelegte Erforschung der Biosphäre. Selcers Buch schildert diese Vorhaben souverän, wenn auch manchmal etwas diffus, in einer Weise, die sich von einer reinen institutionellen Geschichte insofern absetzt, als sie auch nach den wissenschaftlichen Logiken und den in den Forschungsprogrammen von UNESCO und FAO zum Einsatz kommenden epistemischen Techniken wie Statistik, Kartierung, Kategorisierung, Modellierung und Standardisierung fragt. So konstatiert Selcer denn auch, dass der Erfolg der Forschungsprogramme letztlich in den integrativen Wirkungen globaler wissenschaftlicher Gemeinschaftsbildung und epistemischer Vereinheitlichung gelegen hätte. Damit schufen sie auch das Gerüst für die Akzeptanz wissenschaftlichen Umweltwissens in den Nord-Süd-Beziehungen.

Dass die Wissenschafts- und Technikgeschichte allmählich die Geschichte von Entwicklungspolitik als ein Forschungsfeld für sich entdeckt, zeigt auch eine Themenausgabe, die 2014 in der Zeitschrift „Geschichte und Gesellschaft“ unter dem Titel „Lebensraum Meer. Globales Umweltwissen und Ressourcenfragen in den 1960er und 1970er Jahren“ erschienen ist. Von Wissenschaftsdiplomatie sprechen die Autorinnen und Autoren dabei nicht, gleichwohl geht es in den meisten Beiträgen genau darum. So zeigt Franziska Torma am Beispiel eines gemeinsamen deutsch-thailändischen Entwicklungsprojekts zur ‚Modernisierung‘ der thailändischen Fischerei, wie eng Entwicklungshilfe und der Aufbau von Wissenschaftskooperationen aufeinander bezogen waren. Voraussetzung für ‚Modernisierung‘ im Sinne der bestmöglichen Ausbeutung mariner Ressourcen war der Wissensaufbau über die Gegebenheiten und Fischbestände im Golf von Thailand. Entwicklungshilfe bedeutete daher nicht allein den Transfer von Fischerei-Technologien, sondern umfasste auch ein gemeinsames meereswissenschaftliches Forschungsprogramm unter Federführung der Bundesforschungsanstalt für Fischerei und des thailändischen Department for Fisheries, einen über Stipendien finanzierten Wissenschaftleraustausch, den Aufbau eines Forschungslabors in Bangkok sowie die Kooperation mit dem Forschungsinstitut Senckenberg. Torma zeigt, wie Forschungskooperation, Wissensaufbau und ökonomische Ausbeutung eng ineinandergriffen. Dabei hatten Wissenschaftsdiplomatie und Entwicklungshilfe im Kontext des globalen Wettbewerbs mit der DDR auch eine überragende symbol- und kulturpolitische Bedeutung.

Wie sehr Forschung und Wissen auch den handfesten geopolitischen Interessen der BRD dienten, macht Christian Kehrt am Beispiel der Krillforschung ersichtlich. Diese sei vor allem deshalb in den 1970er Jahren massiv von der BRD gefördert worden, weil sie den Einstieg in das Antarktisvertragsregime eröffnen sollte. Ziel der BRD sei es gewesen, sich den Zugriff auf neue Ressourcenräume zu sichern, nachdem die UN-Seerechtskonvention weltweit Fangzonen für die BRD geschlossen hatte. Kehrt spricht denn auch von einer „strategisch motivierte[n] Platzhalterfunktion“60 der Krillforschung, die den Zweck gehabt habe, internationale wissenschaftliche Kooperationen, gute diplomatische Beziehungen zu den Vertragsstaaten und damit auch den Zugang zur streng regulierten Antarktis aufzubauen. Ähnlich wie Franziska Torma verbindet der Aufsatz von Christian Kehrt scheinbar mühelos Wissens- mit Technikgeschichte, Ressourcen- mit Umweltgeschichte, Außen- mit Wissenschaftspolitik und liefert so ein Vorbild dafür, wie sich eine Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie in BRD (und DDR) auf der Höhe neuer Fragestellungen und Ansätze konzipieren und schreiben ließe.

Nicht aus dem Auge verloren werden sollten dabei allerdings die Dimensionen von Diplomatie und Außenpolitik selbst. Wissenschaftliches Wissen prägte seit 1945 zunehmend außenpolitische Entscheidungen und setzte immer wieder die Aushandlung neuer internationaler Umweltabkommen in Gang. Gleichwohl haben bisher nur wenige Studien untersucht, wie und unter welchen Umständen Diplomaten und Außenpolitiker konkret auf wissenschaftliches Wissen zurückgriffen und jenes auf Außenpolitik bezogen. Umgekehrt ist auch die Rolle von Wissenschaftlern in internationalen Verhandlungen bisher unzureichend erforscht, obgleich viele der in den letzten 50 Jahren ausgehandelten Abkommen maßgeblich auf die Anstöße der Wissenschaft zurückgingen und Wissenschaftler via Institutionen wie dem Internationalen Klimarat (1988) oft direkt an Verhandlungen beteiligt waren. Gerade historische Studien zu den seit den 1980er Jahren ausgehandelten globalen Umweltabkommen zum Schutz der Ozonschicht, des Klimas, der Biodiversität und der tropischen Regenwälder dürften hier ergiebiges Anschauungsmaterial über die diplomatischen Gestaltungschancen und -grenzen von Wissenschaftlern bieten, sind bisher aber kaum unternommen worden.61 Auch hier liegt daher noch ein zentrales Desiderat einer internationalen Geschichte der Wissenschaftsdiplomatie.

V. Fazit

So zeigt der Blick in die Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie also Verschiedenes: Wissenschaftsdiplomatie konnte viele Zielsetzungen haben und unterschiedliche Formen annehmen, war mal ein Mittel, um Staaten Zugang zu Ressourcen zu erschließen, konnte umgekehrt aber auch dem Versuch dienen, Wissens- und Technologiemonopole aufrechtzuerhalten. Oft spielten auch Universitäten, Stiftungen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als transnationale Akteure von Wissenschaftsdiplomatie eine zentrale Rolle, schufen neue Kommunikationsräume und bauten im Sinne einer eigenen zivilgesellschaftlichen Diplomatie internationale Netzwerke auf. Historische Studien öffnen den Blick auf diese Vielschichtigkeit außenwissenschaftspolitischer Interaktionen und tragen so zu einem differenzierteren Verständnis von Wissenschaftsdiplomatie bei. Die neuere historische Forschung greift dabei ebenso Anregungen aus der Wissens-, der Wissenschafts‑, Technik- und Umweltgeschichte auf wie aus der Kulturgeschichte von Diplomatie oder der Geschichte von Entwicklungspolitik. Damit öffnet sie insbesondere für die Internationale Geschichte ein vielversprechendes Forschungsfeld, auf dem sich unterschiedliche Forschungsstränge neu miteinander verbinden lassen. Gegenwärtige sozialwissenschaftliche Konzepte können die Befunde und Ansätze historischer Forschung dabei ergänzen, fordern insgesamt aber zu einer kritischen Bewertung heraus, da sie ihren Neuheitsanspruch in der Regel über- und historische Kontinuitätslinien und Muster von Wissenschaftsdiplomatie insgesamt unterschätzen. Insofern wäre die sozialwissenschaftliche Forschung nicht nur dazu aufgerufen, viel systematischer als bisher der hier entfalteten Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie Rechnung zu tragen. Sie ließe sich vielmehr ihrerseits als eine Form von historisch strukturierter Gegenwartsforschung begreifen, die aktuell auftretende Erscheinungen längerfristig wirkender historischer Prozesse markiert.

Drei übergeordnete Perspektiven scheinen dabei für zukünftige Forschungen besonders vielversprechend zu sein: Erstens könnte die Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie gerade für die internationale Zeitgeschichte der BRD und der DDR produktiv gemacht werden. Stichworte wären hier etwa die deutsch-deutsche Systemkonkurrenz in Wissenschaftsdiplomatie und Entwicklungshilfe, Erschließung neuer internationaler Wissensfelder, etwa in der Stammzellenforschung62, die Geschichte von Zukunftstechnologien wie Solarforschung und Mikro-Elektronik, der Wissenschaftleraustausch mit Sowjetunion, DDR63 oder ‚dritter Welt‘ oder auch die Geschichte von europäischer Wissenschaft und Integration.

Zweitens zeigen Arbeiten wie die von Franziska Torma, wie fruchtbar es sein kann, Wissenschaftsdiplomatie als einen eigenen Teilbereich von Entwicklungspolitik zu untersuchen. Studien zur Geschichte von Entwicklungspolitik haben bisher vor allem nach Wissenstransfers gefragt, aber kaum nach Mechanismen wissenschaftlicher Kooperation und des Wissensaufbaus vor Ort. Damit sind auch Fragen von globalen Wissensasymmetrien in den Nord-Süd-Beziehungen sowie die Rolle von Wissenschaft und Forschung in diesen Beziehungen überhaupt berührt.

Drittens sind auch die Zusammenhänge von Umweltwissen und Wissenschaftsdiplomatie trotz der besprochenen ersten Forschungen noch ein weithin unerschlossenes Feld. Ob Klimawandel, Ressourcenmanagement, Artensterben oder Biodiversität – viele dieser heute relevanten Themen sind globale Themen, die schon seit den 1970er Jahren Gegenstand vielfältiger außenwissenschaftspolitischer Initiativen sind. Geschichte von Wissenschaftsdiplomatie als ein neues Teilfeld der Internationalen Geschichte kann so auch zur Historisierung heute einschlägiger Diskurse über globale Umweltprobleme beitragen.

Auswahlbibliografie

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  • Van Dongen, Jeroen (Hrsg.): Cold War Science and the Transatlantic Circulation of Knowledge, 293 S., Brill, Leiden 2016.

Acknowledgements

Danksagung

Mein Dank an dieser Stelle an die anonymen Gutachterinnen und Gutachter für wertvolle Hinweise und Anregungen.

Notes

  1. Schütte, Georg: Außenwissenschaftspolitik – Wissenschaftsaußenpolitik. Eine Querschnittsperspektive internationaler Politikgestaltung in modernen Wissensgesellschaften, in: Stiftung Wissenschaft und Politik/Alexander von Humboldt Stiftung (Hrsg.): Außenwissenschaftspolitik-Wissenschaftspolitik. Arbeits- und Diskussionspapier 7/2007, http://www.humboldt-foundation.de/pls/web/docs/F921/aussenwissenschaftspolitik.pdf [Zugriff: 14.01.2019], S. 28–39, hier S. 28.
  2. Vgl. etwa Bösl, Regina u. a.: Der Aufstieg der BIC-Staaten als Wissensmächte, in: Zeitschrift für Politik 59 (2012), H. 1, S. 3–23.
  3. So der Titel eines 2008 von der Alexander von Humboldt-Stiftung herausgegebenen Bandes: Schütte, Georg (Hrsg.): Wettlauf ums Wissen. Außenwissenschaftspolitik im Zeitalter der Wissensrevolution, Berlin UP, Berlin 2008.
  4. Im Folgenden werden beide Begriffe jeweils synonym verwendet.
  5. Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung: Deutschlands Rolle in der globalen Wissensgesellschaft stärken. Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung, o. O. 2008.
  6. Vgl. zu Japan: Sunami, Atsushi/Hamachi, Tomoko/Kitaba, Shigeru: The Rise of Science and Technology Diplomacy in Japan, in: Science & Diplomacy, März 2013, http://www.sciencediplomacy.org/article/2013/rise-science-and-technology-diplomacy-in-japan [Zugriff: 29.11.2018].
  7. Royal Society/American Association for the Advancement of Science: New Frontiers in Science Diplomacy. Navigating the Changing Balance of Power, RS Policy Document 01/10, Januar 2010.
  8. Vgl. Eckel, Jan: „Alles hängt mit allem zusammen.“ Zur Historisierung des Globalisierungsdiskurses der 1990er und 2000er Jahre, in: Historische Zeitschrift 307 (2018), H. 1, S. 42–78.
  9. Fedoroff, Nina: Science Diplomacy in the 21st Century, in: Cell 136 (2009), H. 1, S. 9 ff., hier S. 9.
  10. Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutschlands Rolle in der globalen Wissensgesellschaft stärken, hier S. 3–6.
  11. Vgl. beispielsweise Berg, Lutz-Peter: Science Diplomacy Networks, in: Politorbis 49 (2009), H. 2, S. 9 ff.; Flink, Tim/Schreiterer, Ulrich: Science Diplomacy at the Intersection of S&T Policies and Foreign Affairs. Toward a Typology of National Approaches, in: Science and Public Policy 37 (2010), H. 9, S. 665–677.
  12. Turekian, Vaughan: The Emergence of Science Diplomacy, in: Davis, Lloyd/Patman, Robert (Hrsg.): Science Diplomacy. New Day or False Dawn, World Scientific Publishing, Singapur, 2015, S. 3–24, hier S. 4, 6.
  13. Flink/Schreiterer: Science Diplomacy (wie Anm. 11).
  14. Fähnrich, Birte: Science Diplomacy. Strategische Kommunikation in der Auswärtigen Wissenschaftspolitik, Springer VS, Wiesbaden 2013, hier S. 18.
  15. Rungius, Charlotte: Using Science for/in Diplomacy, for Addressing Global Challenges. State-of-the-Art Report, Juni 2018, https://www.s4d4c.eu/wp-content/uploads/2018/08/S4D4C_State-of-the-Art_Report_DZHW.pdf [Zugriff: 29.11.2018].
  16. Ebd. S. 4.
  17. Mayer, Maximilian/Carpes, Mariana/Knoblich, Ruth (Hrsg.): The Global Politics of Science and Technology. An Introduction, 2 Bände, Springer VS, Wiesbaden 2014.
  18. Vgl. etwa das Handbuch Internationale Beziehungen, in dem kein einziger Beitrag explizit diesem Thema gewidmet ist: Sauer, Frank/Masala, Carlo (Hrsg.): Handbuch Internationale Beziehungen, Springer VS, Wiesbaden 2017.
  19. Unger, Corinna: Entwicklungspfade in Indien. Eine internationale Geschichte, 1947–1980, Wallstein, Göttingen 2015, hier S. 14.
  20. Speich-Chassé, Daniel: Die Erfindung des Bruttosozialprodukts. Globale Ungleichheit in der Wissensgeschichte der Ökonomie, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013; Pernet, Corinne: Between Entanglements and Dependencies. Food, Nutrition, and National Development at the Central American Institute of Nutrition (INCAP), in: Frey, Marc/Kunkel, Sönke/Unger, Corinna (Hrsg.): International Organizations and Development, 1945–1990, Palgrave Macmillan, Basingstoke/New York, 2014. Vgl. zur grünen Revolution: Cullather, Nick: The Hungry World. America’s Cold War Battle Against Poverty in Asia, Harvard UP, Cambridge, MA 2010.
  21. Renn, Jürgen (Hrsg.): The Globalization of Knowledge in History, Edition Open Access, 2012; Turchetti, Simone/Herran, Néstor/Boudia, Soraya: Have we ever been ‚Transnational‘? Towards a History of Science Across and Beyond Borders, in: The British Journal for the History of Science 45 (2012), H. 3, S. 319–336. Ein klassisches Thema sind hier auch imperiale Wissenschaftsnetzwerke. Vgl. Brahm, Felix: Imperialismus und Kolonialismus, in: Reinhardt, Carsten/Müller-Wille, Staffan/Sommer, Marianne (Hrsg.): Handbuch Wissenschaftsgeschichte, Metzler, Stuttgart 2017, S. 287–293.
  22. Hecht, Gabrielle: Introduction, in: dies. (Hrsg.): Entangled Geographies. Empire and Technopolitics in the Global Cold War, MIT, Cambridge, MA 2011, S. 1–12, hier S. 3; Mitchell, Timothy: Rule of Experts. Egypt, Techno-Politics, Modernity, California UP, Berkeley, CA u. a. 2002.
  23. Vgl. beispielsweise Somsen, Gert: Science, Fascism, and Foreign Policy. The Exhibition „Scienza Universale“ at the 1942 Rome World’s Fair, in: Isis 108 (2018), H. 4, S. 769–791; Kunkel, Sönke: Amerikanischer Wissenstransfer im Nigeria der frühen 1960er Jahre, in: Greiner, Bernd/Müller, Tim B./Weber, Claudia (Hrsg.): Macht und Geist im Kalten Krieg, Hamburger Edition, Hamburg 2011, S. 341–358.
  24. Adam, Thomas/Lerg, Charlotte: Diplomacy on Campus. The Political Dimensions of Academic Exchange in the North Atlantic, in: Journal of Transatlantic Studies 13 (2015), H. 4, S. 299–310, hier S. 302 ff.
  25. Vgl. etwa die Beiträge in: Geitz, Henry/Heideking, Jürgen/Herbst, Jürgen (Hrsg.): German Influences on Education in the United States to 1917, Cambridge UP, Cambridge 1995.
  26. Bungert, Heike/Lerg, Charlotte (Hrsg.), Themenschwerpunkt Transnationale Universitätsgeschichte, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 18 (2015), S. 35–47.
  27. Vgl. auch: Ellßel, Christoph: Das Bildungsimperium. Zur Geschichte des amerikanisch-australischen Stipendienprograms im Colombo-Plan, 1949–1960, transcript, Bielefeld 2017.
  28. Krige, John/Rausch, Helke (Hrsg.): American Foundations and the Coproduction of World Order in the Twentieth Century, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012.
  29. Grundlage des Plans war die Ansiedlung neuer Wissenschaftsinstitutionen auf den ehemaligen landwirtschaftlichen Ländereien der Domäne Dahlem.
  30. Auch die AvH hatte dabei bereits in den 1920er Jahren Vorläufer.
  31. Schütte, Georg: Außenwissenschaftspolitik. Wissenschaft im globalen Wandel gestalten, in: Simon, Dagmar/Knie, Andreas/Hornborstel, Stefan (Hrsg): Handbuch Wissenschaftspolitik, Springer VS, Wiesbaden, 2010, S. 151–161, hier S. 154.
  32. Nur vereinzelt nehmen etwa die im Rahmen des nach 2003 an der Universität Freiburg durchgeführten Forschungsprojekts zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft erschienenen Studien auch internationale Vernetzungen der DFG in den Blick. Vgl. für eine Zusammenschau der Ansätze und Projekte Orth, Karin/Oberkrome, Willi (Hrsg.): Die Deutsche Forschungsgemeinschaft 1920–1970. Forschungsförderung im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik, Steiner, Stuttgart 2010; zur Geschichte des DAAD liegt bisher keine wissenschaftliche Studie vor, zur Geschichte der AvH Jansen, Christian: Exzellenz weltweit. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung zwischen Wissenschaftsförderung und auswärtige Kulturpolitik (1953–2003), DuMont, Köln 2004; zur Geschichte der Akademien vgl. Feichtinger, Johannes/Uhl, Heidemarie: Die Akademien der Wissenschaften in Zentraleuropa im Kalten Krieg. Transformationsprozesse im Spannungsfeld von Abgrenzung und Annäherung, Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2018.
  33. Einen Überblick zu den ersten Pionierarbeiten gibt Unger, Corinna: Cold War Science. Wissenschaft, Politik und Ideologie im Kalten Krieg, in: Neue Politische Literatur 51 (2006), H. 1, S. 49–68; vgl. zu gegenwärtigen Themen den sehr knappen Überblick von Forstner, Christian: Kalter Krieg, in: Sommer/Müller-Wille/Reinhardt, Handbuch (wie Anm. 21), S. 312–323.
  34. Oreskes, Naomi: A Context of Motivation. US Navy Oceanographic Research and the Discovery of Sea-Floor Hydrothermal Vents, in: Social Studies of Science 33 (2003), H. 5, S. 697–742.
  35. In den USA beispielsweise der National Science Foundation, den National Institutes of Health, der Atomic Energy Commission.
  36. Vgl. zuletzt, auch mit internationalen Bezügen, Erickson, Paul/Klein, Judy/Daston, Lorraine/Lemow, Rebecca/ Sturm, Thomas/Gordin, Michael: How Reason Almost Lost its Mind: The Strange Career of Cold War Rationality, Chicago UP, Chicago 2013.
  37. Forstner, Kalter Krieg (wie Anm. 33), S. 318.
  38. Ebd.
  39. Krige, John/Barth, Kai-Henrik (Hrsg.): Global Power Knowledge. Science and Technology in International Affairs, in: OSIRIS 21 (2006), H. 1.
  40. Krige, John: American Hegemony and the Postwar Reconstruction of Science in Europe, MIT, Cambridge, MA 2006.
  41. Vgl. etwa Krige, John: Technological Collaboration and Nuclear Proliferation. A Transnational Approach, in: Mayer/Carpes/Knoblich (Hrsg.): Global Politics (wie Anm. 18), Bd. 1, S. 22 –244.
  42. Oreskes, Naomi/Krige, John (Hrsg.): Science and Technology in the Global Cold War, MIT, Cambridge, MA 2014.
  43. Westad, Odd Arne: The Global Cold War. Third World Interventions and the Making of our Times, Cambridge UP, Cambridge 2005.
  44. Wang, Zuoyue: The Cold War and the Reshaping of Transnational Science in China, in: Oreskes/Krige (Hrsg.): Science (wie Anm. 42), S. 343–370, hier S. 362.
  45. Van Dongen, Jeroen (Hrsg.): Cold War Science and the Transatlantic Circulation of Knowledge, Brill, Leiden 2016.
  46. Hecht, Gabrielle (Hrsg.): Entangled Geographies. Empire and Technopolitics in the Global Cold War, MIT, Cambridge, MA 2011.
  47. Kraft, Alison/Nehring, Holger/Sachse, Carola (Hrsg.): Special Issue. The Pugwash Conferences and the Global Cold War. Scientists, Transnational Networks, and the Complexity of Nuclear Histories, in: Journal of Cold War Studies 20 (2018), H. 1. Vgl. dort vor allem die Einleitung: dies.: Introduction, in: ebd., S. 4–30.
  48. Sachse, Carola: The Max Planck Society and Pugwash during the Cold War. An uneasy Relationship, in: Journal of Cold War Studies 20 (2018), H. 1, S. 170–209, hier S. 208.
  49. Vgl. zu nuclear diplomacies auch die derzeit von Maria Rentetzi und anderen organisierte internationale Konferenzreihe: https://nucleardiplomacies.weebly.com/ [Zugriff: 30.11.2018].
  50. Kehrt, Christian/Torma, Franziska: Lebensraum Meer. Globales Umweltwissen und Ressourcenfragen in den 1960er und 1970er Jahren, in: Geschichte und Gesellschaft 40 (2014), H. 3, S. 313–322.
  51. Oreskes, Naomi: Changing the Mission. From the Cold War to Climate Change, in: Oreskes/Krige (Hrsg.): Science and Technology in the Global Cold War, S. 141–188.
  52. Dieser Zusammenhang ist für die Ozeanografie musterhaft herausgearbeitet worden von Hamblin, Jacob: Oceanographers and the Cold War. Disciples of Marine Science, Washington UP, Seattle, WA. 2005.
  53. Doel, Ronald E./Harper, Kristine C./Heymann, Matthias (Hrsg.): Exploring Greenland. Cold War Science and Technology on Ice, Palgrave Macmillan, Basingstoke/New York, 2016.
  54. Vgl. dazu besonders den Beitrag von Henrik Knudsen.
  55. Turchetti, Simone/Roberts, Peder (Hrsg.): The Surveillance Imperative. Geosciences during the Cold War and Beyond, Palgrave Macmillan, Basingstoke/New York 2014.
  56. Turchetti, Simone: Greening the Alliance. The Diplomacy of NATO’s Science and Environmental Initiatives, Chicago UP, Chicago, IL 2018.
  57. Vgl. zum CCMS auch Schulz-Walden, Thorsten: Anfänge globaler Umweltpolitik. Umweltsicherheit in der internationalen Politik (1969–1975), Oldenbourg, München 2013.
  58. Vgl. die Projektbeschreibung Sörlins unter: https://www.kth.se/polopoly_fs/1.828028.1551189832!/ERC%20Sorlin%20GLOBEGOV%20short%20version%20of%20project%20for%20web%20page.pdf [Zugriff: 30.11.2018].
  59. Selcer, Perrin: The Postwar Origins of the Global Environment. How the United Nations built Spaceship Earth, Columbia UP, New York 2018.
  60. Kehrt, Christian: „Dem Krill auf der Spur“. Antarktisches Wissensregime und globale Ressourcenkonflikte in den 1970er Jahren, in: Geschichte und Gesellschaft 40 (2014), H. 3, S. 403–436, hier S. 404.
  61. Immerhin liegen aber erste eher biografische Arbeiten vor von Benedick, Richard: Ozone Diplomacy. New Directions in Safeguarding the Planet, Harvard UP, Cambridge 2010 und von Bolin, Bert: A History of the Science and Politics of Climate Change. The Role of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Cambridge UP, Cambridge 2008.
  62. Vgl. am US-amerikanischen Beispiel Jansen, Axel: Stem Cell Debates in an Age of Fracture, in: Jansen, Axel/Franzmann, Andreas/Münte, Peter: Legitimizing Science. National and Global Publics, 1800–2010, Campus, Frankfurt a. M., S. 221–244.
  63. Vgl. für eine erste Studie Niederhut, Jens: Wissenschaftsaustausch im Kalten Krieg. Die ostdeutschen Naturwissenschaftler und der Westen, Böhlau, Köln u. a. 2007.