Zur Einführung: Was ist Genetic History?
Im Frühjahr 2018 veröffentlichte einer der führenden Wissenschaftler im hier zu beschreibenden emerging field, David Reich (Harvard), sein neues Buch „Who We Are and How We Got Here. Ancient DNA and the New Science of the Human Past“1. Aus diesem Anlass schrieb er in der „New York Times“ einen Artikel, in dem er forderte, auf wissenschaftlicher Basis offen über genetische Unterschiede zwischen „Rassen“ zu sprechen, anstatt dieses Thema zu tabuisieren und es damit den Vereinfachern und Rassisten zu überlassen.2 Dieser Vorstoß rief eine ungeheure Reaktion in der US-Öffentlichkeit und darüber hinaus hervor. Insbesondere in den USA wird seit Langem vehement über scientific racism debattiert.3 Reich sah sich sogar veranlasst, eine Woche später einen weiteren Text an gleicher Stelle zu veröffentlichen, in dem er auf seine Kritiker_innen einging.4
Reichs selbsterklärtes Anliegen ist, einen (aus seiner Sicht) aufgeklärten, unvoreingenommenen Diskurs auf dem aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand der Genetik zu führen. Über den Inhalt dieses Plädoyers waren die Kritiker unterschiedlicher Meinung.5 Das Feld, um das es hier geht, ist umstritten und wird kontrovers diskutiert. Reich umschreibt es im Untertitel seines Buches als „the New Science of the Human Past“. Von Wissenschaftshistoriker_innen wird es oft als Genetic History bezeichnet.6 Die meisten gebräuchlichen Wortschöpfungen heben darauf ab, dass bestimmte Körpersubstanzen auf neue Weise zu Geschichtsträgern und -zeugnissen werden.7 Alfons Labisch hat allerdings jüngst gewarnt, dass der Begriff Genetic History diesem Phänomen eigentlich nicht gerecht wird. Es handle sich vielmehr um molekulare Historiografie, die sämtliche Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt zum Gegenstand historischer Erkenntnis machen kann, soweit sie über das nötige genetische Quellenmaterial verfügt – dieser molekulare Zugriff umfasst also mehr, als der Begriff der klassischen Genetik abdeckt.8 Allerdings geben wir zu bedenken, dass eine molecular history unter Historiker_innen möglicherweise auf Unverständnis stoßen würde oder als Steigerung von Mikrohistorie empfunden werden könnte. Der Begriff der Genetic History verfängt ja deshalb so sehr, weil er anschlussfähig ist an die typischerweise in der Gegenwartsgesellschaft verbreiteten vagen Vorstellungen von „Genen“ und ihrer Bedeutung. Insgesamt scheint gerade die Begrifflichkeit Genetic History am besten geeignet, bei Nicht-Genetiker_innen das Bewusstsein für die Herausforderung des emerging field zu schärfen. Sie soll im Folgenden entsprechend Verwendung finden.
Wir haben es nicht mit einem neuen akademischen Fach zu tun, sondern mit in heterogenen, international strukturierten und in überfachlichen Netzwerken organisierten Spezialist_innen eines hoch kompetitiven jungen Feldes. Weltweit gibt es einige sehr speziell zugeschnittene Institute wie etwa das Centre for GeoGenetics in Kopenhagen, das Department of Genetics in Harvard und die Max-Planck-Institute für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und für Menschheitsgeschichte in Jena.9
Charakteristisch für dieses Feld ist, vereinfacht gesagt, dass DNA-Sequenzen und deren Entwicklung über die Zeit als Quellen für historische Fragestellungen genutzt werden. Wie populär dieses Vorgehen ist, zeigt sich daran, dass zeitgleich zu Reichs Buch und eigenen Zeitungsbeiträgen ein Wissenschaftlerporträt10 von ihm in der „New York Times“ erschien sowie in „Nature“ ein Bericht und ein Editorial zum Thema.11 Es kann kein Zweifel bestehen, dass die Genetic History breite Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit findet. Dies gilt sowohl für die wissenschaftliche als auch für die allgemeine Öffentlichkeit, was sich einerseits an zahlreichen vehementen Kontroversen, aber auch an einem gewissen Star-Kult um bekannte Protagonisten wie David Reich, Eske Willerslev oder mehr noch um Svante Pääbo bemerkbar macht.12
Es sind jedoch viele Wissenschaftler_innen aus einer ganzen Reihe von Fächern und Wissenschaftskulturen, die in alten und rezenten Molekülen nach Informationen über (evolutions-)historische, populationsgenetische, epidemiologische und weitere Prozesse suchen. Sie haben Verknüpfungsmöglichkeiten für sich erkannt und Methoden, Techniken und manche Fragestellungen über die Grenzen von Spezialbereichen, Fächern und Disziplinen hinweg für valide erklärt. Typisch ist, dass in diesem Miteinander die jeweiligen fachlichen Standards und Qualitätskriterien wissenschaftlicher Arbeit immer wieder – kontrovers – miteinander verhandelt werden müssen.
Neu ist, dass die Beteiligten sich anders als die traditionelle Paläoanthropologie und prähistorische Anthropologie nicht mehr mit ganzen Organismen befassen, etwa im fossilen Zustand, oder mit deren Zellen, sondern dass sie Moleküle zur Quelle machen. Die konkrete Erkenntnisebene ist gewissermaßen molekular.
Das analysierte Material kann menschlichen Ursprungs sein, jedoch lassen sich beispielsweise auch Phylogenien von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen heranziehen.13 Um den Wandel von Lebens- und Wirtschaftsweisen und menschliche Mobilität im Zuge der Neolithisierung zu untersuchen, lassen sich zum Beispiel Wege und Zeitpunkte der Domestikation mithilfe der Phylogenien von Tieren und Pflanzen untersuchen.14 Andere Schwerpunkte sind paläoepidemiologischer und -pathologischer Art, sie befassen sich mit der Evolution von Krankheitserregern.15Genetic History bezeichnet hier wiederum dasjenige Subfeld dieses Unterfangens, in dem populationsgenetische Fragestellungen zu bestimmten menschlichen Populationen, die politisch-kulturell definiert sind (nicht biologisch-phänotypisch), verfolgt werden.16 Die Grenzen zwischen allgemeiner genetischer Forschung und Genetic History im engeren Sinne können allerdings fließend sein.
Die beteiligten Naturwissenschaftler_innen bezeichnen ihre Studien aber wie erwähnt ohnehin nicht einheitlich als Genetic History, sondern etwa als Molekulare Archäologie, Paläogenetik, genetic archaeology17 oder molecular anthropology, wobei die Begrifflichkeiten oft unscharf und nicht exklusiv sind.18 Zudem ist die Analyse von DNA-Sequenzen nur eine von mehreren neuen Labormethoden, die eingesetzt werden können, um im weitesten Sinn historischen – auch evolutions- oder umwelthistorischen – Fragestellungen nachzugehen. Zu nennen sind etwa die Isotopengeochemie, die Spurenelement- und die Proteinanalyse.
Um eines aber handelt es sich bei den hier als Genetic History überschriebenen Zugängen sicherlich nicht: um eine unselbständige, punktuell einzusetzende Hilfswissenschaft beziehungsweise -methode für die historischen Disziplinen.19 Denn zum einen geht das Phänomen, zumindest bisher, nahezu ausschließlich von den Lebenswissenschaften aus, unter weitgehender Nichtbeteiligung von Archäologie und Geschichtswissenschaften. Genetiker_innen, Molekularbiolog_innen und andere haben also eine eigene Wissensproduktion zur Vergangenheit etabliert, an der Historiker_innen höchstens peripher beteiligt sind – etwa indem einige ihrer Schriften zum Thema konsultiert werden. Zum anderen aber ist die Genetic History viel direkter als andere naturwissenschaftliche Methoden, die als historische Hilfswissenschaften in Frage kommen, mit Aspekten von Identität verknüpft. Anders als etwa die ebenfalls häufig für die Vergangenheitsforschung eingesetzten naturwissenschaftlichen Verfahren der Radiokarbondatierung oder Isotopenanalyse geht die Genetic History mit dem Anspruch einher, unmittelbare Aussagen von großer Reichweite über menschliche Identitäten zu treffen, die immer auch bis in die Gegenwart reichen. Es geht um das big picture20, die großen Zusammenhänge wie etwa die Besiedlungsdynamik ganzer Kontinente. Hier dominieren Makro-Zugänge und big to small approaches – anders als etwa in traditionelleren Bereichen der Anthropologien und Archäologien. Doch lassen sich die Verfahren auch einsetzen, um den eher individuellen Fragestellungen nachzugehen, die für Archäolog_innen häufig von viel größerem Interesse sind: Etwa, wenn es darum geht, das genetische Geschlecht anzusprechen oder Verwandtschaftsbeziehungen in Gräberfeldern zu erhellen.21 Zudem existiert eine Vielzahl von eher forensisch gelagerten und in der Öffentlichkeit stark beachteten Studien, die die genetische Identität historisch dokumentierter Persönlichkeiten wie etwa des englischen Königs Richard III.22, der letzten Zarenfamilie oder des ungarischen Königs Bela III. nachzuweisen versuchen. Der letztgenannte Fall verdeutlicht die politische Problematik dieser für populistische Tendenzen sehr anfälligen „Herrschergenetik“.23
Die breitere Öffentlichkeit interessiert sich besonders für Fragen der Herkunft, etwa „Wie viele der heutigen Briten stammen von angelsächsischen Vorfahren ab?“. Das liegt daran, dass in einem Zeitalter der epistemischen „Genetisierung“ DNA als eine primäre Identitätsträgerin gilt. Symptomatisch dafür ist, dass das Erbmaterial das Blut als Metapher für eine abstammungsgegebene Identität abgelöst hat. Wo wir früher davon sprachen, etwas „im Blut“ zu haben, sagen wir heute, dass etwas „in unserer DNA“ steckt. So kritisch derartige Biologisierungen von Identität zu werten sind, so real ist diese gesellschaftliche Geltung der Gene als Identitätsträger. Sie verleiht der Genetic History eine soziale Bedeutung, die Historiker_innen nicht ignorieren dürfen.
Der Anfang des Buchtitels von Reich („Who we are“ – „Wer wir sind“) macht den direkten claim der Genetic History auf die Identität überdeutlich, und die Vehemenz der Kontroversen um das Buch erklärt sich genau daraus. Es ist folgerichtig, dass der zweite Teil von Reichs Buchtitel „and how we got here“ lautet. Diese englische Wendung lässt sich sowohl wörtlich mit „wie wir hierher kamen“ bzw. im übertragenen Sinne „wie wir dazu wurden [sc. wer wir sind]“ übersetzen. Dies verweist darauf, dass die Genetic History Identität vor allem durch Herkunft beziehungsweise Herkommen im Sinne von Migration hergestellt sieht.
Entsprechend liegen die Forschungsschwerpunkte der Genetic History derzeit auf Migration und Mobilität, oder breiter gesagt: auf Populationsdynamiken in der Vergangenheit. Diese sind aber in hohem Maße soziokulturelle Prozesse, die für die historisch arbeitenden Kulturwissenschaften wie insbesondere die Archäologien und für die Geschichtswissenschaft von großem Interesse sind.24 Nachdem diese der Migration in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeitweise eher geringere Bedeutung zugemessen hatten, gilt sie nun – nicht zuletzt im Lichte aktueller politischer Diskussionen – wieder als ein Schlüsselthema der historischen Disziplinen.25
Zu den Analyseverfahren
Wie funktioniert das? Um die genetische Diversität innerhalb einer Gruppe und die genetischen Beziehungen zwischen Gruppen sowie deren demografische Strukturen und die Populationsdynamiken der Vergangenheit zu ergründen, lassen sich heute sowohl rezente DNA-Sequenzen als auch Sequenzen sogenannter alter DNA untersuchen. Die Populationsgenetik und insbesondere die Evolutionsforschung erschlossen sich die molekulare Erkenntnisebene bereits in den 1960er Jahren: Der österreichisch-französische Biologe Emile Zuckerkandl und der physikalische Chemiker Linus Pauling entwickelten ein Konzept vom „Gen“, das die Vorstellung beinhaltete, dass die Evolutionsgeschichte in der DNA aufgezeichnet sei.26 Interessant waren die sogenannten neutralen Mutationen, die für die Selektion keine Rolle spielen. Von ihnen wurde angenommen, dass sie eine konstante Mutationsrate aufwiesen.27 Mithilfe des Konzepts der Molekularen Uhr (Molecular Clock) ließen sich dann Evolutionsereignisse, wie zum Beispiel die Aufspaltung von zwei Arten eines gemeinsamen Vorfahrens, datieren.28 Da bis in die 1980er Jahre die technischen Voraussetzungen fehlten, um Sequenzen aus rezenten DNA-Proben zu generieren, musste zunächst ein Umweg über die Proteine erfolgen, deren Synthese genetisch codiert ist. 1981 lagen Sequenzen des menschlichen mtDNA-Genoms sowie erste Daten über moderne Haplotypenverteilungen vor. Seither wuchsen die Sequenzdatenbanken. Man rechnete nun aus rezenten DNA-Daten, also Material, das von lebenden Organismen stammte, auf genetische Prozesse in der Vergangenheit zurück.29 Das Konzept der Mitochondrial Eve, das auf der Basis rezenter mtDNA-Daten einen Ursprung der Anatomisch Modernen Menschen Europas in Afrika nahelegte30, sowie erste Entwürfe einer populationsgenetischen Geschichte Europas stammen aus dieser Zeit.31 Vorangetrieben wurde die Forschung insbesondere von der Technologie der Polymerase-Kettenreaktion, die ab Ende 1980er Jahre die Amplifikation der DNA-Fragmente erleichterte.
Untersucht werden überwiegend Sequenzen aus den nicht-codierenden Abschnitten der DNA, das heißt Regionen, die nicht an der Proteinsynthese beteiligt sind.32 Auf codierende Abschnitte, die sogenannten Gene, wird bis heute eher selten zurückgegriffen, wenngleich es grundsätzlich möglich ist, zu untersuchen, ob ein bestimmtes Gen in der Vergangenheit vorlag und wie es zu einem bestimmten Zeitpunkt aussah. Da Phänotypen auf einem komplizierten Miteinander von Erbanlagen und Umwelteinflüssen beruhen und der Genotyp in den seltensten Fällen direkt und eindeutig ein bestimmtes phänotypisches Merkmal determiniert, sind Erkenntnisse über Phänotypen in der Vergangenheit zwar möglich, aber weniger gefragt.
Analysiert wird DNA in qualitativer Hinsicht, das heißt, sie wird auf ihren Informationsgehalt hin befragt. Dies basiert auf der Grundannahme, dass in der Struktur von DNA-Molekülen Informationen über deren eigene Geschichte codiert sind. Nicht die DNA oder das Genom an sich sind die eigentliche Quelle, sondern spezifische Basenabfolgen an bestimmten Orten der DNA (loci). Vergleicht man diese sogenannten Allelen beziehungsweise Allelenprofile einzelner Individuen, lassen sich Aussagen über deren genetisches Verhältnis treffen. Untersucht man die Veränderung und Verbreitung bestimmter Allelfrequenzen bei einer größeren Anzahl von Individuen über die Zeit, lassen sich evolutionshistorische und -genetische Fragestellungen in der longue durée bearbeiten. Es kommt aber darauf an, ob je nukleare oder mitochondriale beziehungsweise Y‑chromosomale DNA, das heißt je uniparentale Markersysteme untersucht werden, oder genomweit sequenziert wird. Nukleare DNA (nDNA) aus dem Zellkern ist hochspezifisch und geeignet, Individuen genetisch zu identifizieren, ihr chromosomales Geschlecht zu bestimmen und genetische Verwandtschaftsgrade zwischen Individuen und Gruppen zu untersuchen. Mitochondriale DNA (mtDNA) stammt aus den Mitochondrien und wird in der mütterlichen Linie vererbt und über Generationen hinweg mit geringen Veränderungen weitergegeben. mtDNA eignet sich beispielsweise, um Spezies voneinander zu unterscheiden oder um zu untersuchen, ob einzelne Individuen in mütterlicher Linie genetisch verwandt waren. Damit lassen sich lange genetische Prozesse innerhalb und zwischen Gruppen verfolgen. Sollen biparentale Abstammungsbeziehungen und komplexere horizontale Fragestellungen untersucht werden, ist auch nDNA heranzuziehen.33 Seit den 2000er Jahren können – immer kostengünstiger und schneller – mithilfe der sogenannten Next Generation Sequencing-Verfahren ganze Genome sequenziert werden.34
Der Zugang zur genetischen Vergangenheit mithilfe von rezenten Sequenzen ist jedoch nicht unproblematisch. Der britische Genetiker Mark A. Jobling benutzt den Begriff des Palimpsestes, um zu verdeutlichen, dass sich in rezenten DNA-Daten diverse genetische Ereignisse der Vergangenheit auf komplizierte Weise überlagern.35 Viele genetische Merkmale gingen über die Zeit verloren, zum Beispiel durch statistische Ereignisse wie founder effect und bottleneck36, aber auch, sofern es sich um codierende Abschnitte der DNA handelt, durch Selektion. Das macht Untersuchungen zur Entwicklung genetischer Variationen und zu phylogenetischen Beziehungen innerhalb von und zwischen genetischen Einheiten kompliziert.37
Zudem fehlt die diachrone Perspektive. Deshalb wurde seit der Mitte der 1980er Jahre ein Zugang zu alten DNA-Sequenzen gesucht. Medizinische Molekulargenetik und Forensik lieferten hier wichtige Impulse. Alte Moleküle ließen sich unter günstigen Bedingungen aus DNA-Proben extrahieren, die aus archäologischen und anthropologischen Grabungen und Sammlungen, Museen und Depots stammte. aDNA oder ancient DNA kann sich nach heutigem Wissensstand unter optimalen Bedingungen bis zu 700.000 Jahre in den fossilen Überresten von Organismen erhalten.38 Wer mit alter DNA arbeitet, hat den erheblichen Vorteil, den Parameter Zeit besser in die Untersuchung integrieren und eine diachrone Perspektive in die populationsgenetischen Modelle einbauen zu können. Die größere Nähe alter DNA zum Untersuchungszeitraum erhöht die Plausibilität der generierten genetischen Szenarien. Die ersten spektakulären Experimente mit alter DNA stießen auf großes Interesse in den Wissenschaften und Breitenmedien.39 Entsprechend groß, ja überzogen, waren die epistemologischen und fachpolitischen Erwartungen und die erhofften Reputationsgewinne.40 Zahlreiche Labore versuchten die neu zur Verfügung stehenden Techniken so zu adaptieren, dass sie sich für Problemstellungen heranziehen ließen, die bereits seit Längerem vorlagen und in der Evolutionsforschung, Anthropologie und Archäologie oft längst eine eigene Fachgeschichte hatten. Die neue Quelle aDNA würde einige große „alte“ Fragen der Menschheitsgeschichte endgültig entscheiden – insbesondere solche, die Populationsdynamiken betrafen. Darunter waren etwa die Entstehung der Anatomisch Modernen Menschen und ihre Verbreitung auf der Welt, die Besiedelungsvorgänge in den Amerikas und Ozeanien, die Neolithisierung sowie Phylogenien diverser ausgestorbener Arten wie nicht zuletzt der Neanderthaler. Mit großem Vertrauen in die neue Quelle und die technischen Möglichkeiten wurde eindeutiges, haltbares Wissen in Aussicht gestellt. Alte DNA schien die Macht zu Wahrheit zu besitzen.41 Offenbar ließe sich Geschichte nun (doch) als Laborwissenschaft betreiben und Prozesse der Vergangenheit im Labor erforschen. Erzeugt und sinnlich wahrnehmbar gemacht wurde die Quelle DNA auf technischem Weg im Labor und am Rechner, bevor sie hinsichtlich einer Fragestellung interpretiert werden konnte. Es handelte sich also stets um einen kollektiven und kooperativen Herstellungsprozess mit vielerlei Arbeitsschritten zwischen Ausgrabung, Sammlung, Labor und Rechnerarbeitsplatz.
Doch war dabei noch weder theoretisch durchdacht oder empirisch hinreichend bekannt, wo in methodischer und erkenntnistheoretischer Hinsicht die Grenzen der alten DNA und der Analyseverfahren liegen könnten.
Der euphorischen Anfangsphase folgten herbe Rückschläge, weil die Technik unerwartete Kinderkrankheiten aufwies und weil sich DNA als hoch anfälliges und anspruchsvolles Material herausstellte.42 Alte DNA zeigte sich in methodischer und technischer Hinsicht als besonders schwieriges Quellenmaterial. Ihre Erhaltungschancen sind insgesamt gering, sie weist typische Schadensmuster auf und ist höchst anfällig für Kontaminationen mit exogener DNA. Die Sorge vor Kontaminationen lag lange wie ein Pharaonenfluch über den aDNA-Studien.43 Die Arbeitsgruppen erlebten Enttäuschungen und desillusionierte Teams wandten sich anderen Quellen und Verfahren zu. Das Interesse der Medien und Fach-communities ließ nach. Einige Labors begannen jedoch in den späten 1990er und 2000er Jahren systematisch und nun deutlich selbstkritischer die Grenzen der Technik und ihrer Implementationen auszuloten.
Verunreinigungen mit exogener DNA und die Schwierigkeit, DNA-Sequenzen zu authentifizieren, wurden als Kernprobleme ausgemacht.44 Allmählich führte die interne Suche nach Fehlern und Fehlerquellen zu einem profunden Wissen über die Grenzen der Technologie.45 Einzelne Forschungsgegenstände wurden zeitweise zugunsten sicherer Ausweichforschungen aufgegeben und diverse Kontroll- und Sicherheitsprotokolle und Kriterienkataloge wurden erstellt. Die aus der Molekulargenetik um 2005 übernommenen neuen Techniken des Next Generation Sequencing haben das Kontaminationsproblem handhabbar gemacht, aber nicht aufgehoben. Die Authentizitätsprüfung erfordert weiterhin erheblichen technischen und kognitiven Aufwand. Jetzt besteht die Herausforderung zum Beispiel darin, aus der enormen Masse der nun generierten Sequenzdaten herausstechende, auffällige Sequenzen richtig zu interpretieren.
Die NGS-Verfahren erlaubten es, nun in kurzer Zeit und kostengünstig ganze Genome zu sequenzieren, statt wie in den 1990er Jahren vor allem mitochondriale DNA mit ihren begrenzten Aussagepotenzialen mithilfe traditioneller Verfahren zu untersuchen. Das erst ermöglicht sinnvoll die erwähnten top-down-Zugänge. Hinzu kam, dass mit einem innovativen Verfahren die zerfallene aDNA in großem Stil gleichsam aus den Proben „herausgeködert“ werden konnte.46 Zudem wurde entdeckt, dass sich das Erbgut im Kern des Felsenbeinknochens, der das _innenohr umgibt, besonders gut bewahrt.47 Auf dieser Basis schlossen die mit aDNA arbeitenden Arbeitsgruppen zur modernen Populationsgenetik auf. Diese anhaltende Entwicklung wird allgemein als das „Erwachsenwerden“, ja die „Neuerfindung“ oder gar die „Revolution“ der aDNA-Forschung gefeiert.48
Das massenmediale Interesse ist Jahren zuletzt wieder sehr gestiegen, die Fördergelder fließen reichlich und viele Arbeitsgruppen publizieren mit hoher Sichtbarkeit und großen Reputationsgew_innen. Dabei entstehen aber laufend neue Herausforderungen und diverse grundsätzliche Probleme der aDNA-Forschung bleiben von den technischen Innovationen ohnehin unberührt: Einerseits müssen die mithilfe der high throughput sequencing-Verfahren generierten, riesigen Sequenzdatenmengen handhabbar gemacht werden. Big data verlangt Bioinformatik, Mathematik und Statistik immer mehr ab und der Bedarf an Forscher_innen steigt, die big-data-Sequenzen nicht nur rechnerisch, sondern auch theoretisch im Griff haben. Demgegenüber bleibt andererseits alte DNA eine begrenzte epistemische Ressource: Funde stellen nur einen winzigen Bruchteil der möglichen Vergangenheitsspuren dar49, und wiederum nur ein Bruchteil von ihnen liegt in einem Zustand vor, der eine DNA-Analyse zulässt. Häufig fehlen auch die nötigen archäologischen Kontextinformationen, insbesondere gesicherte Datierungen. Konservatorische Gründe können zudem gänzlich gegen eine invasive Beprobung sprechen. Folglich ist häufig nicht das in den Laborwissenschaften präferierte hypothesengeleitete Forschungsdesign, sondern nur ein materialgeleiteter Zugang möglich: Untersuchen lässt sich nur, was geborgen wurde.50 Jetzt, da die Sequenzierungskosten kein erheblicher limitierender Faktor mehr sind, bleiben die Samples also dennoch oft klein. Immer wieder entzündet sich deshalb im überfachlichen Diskurs die Debatte, wie repräsentativ einzelne Ergebnisse sind und ob manche populationsgenetische Forschungsfragen überhaupt gestellt werden sollten, wenn das Sample klein ist.51 Ob und unter welchen Bedingungen auch mit kleinen Samples belastbare Aussagen getroffen werden können, kann nicht generell, sondern nur im konkreten Fall verhandelt werden.52 Jeweils setzt die Fund- beziehungsweise Datensituation, de facto also die Quelle, enge Grenzen. Rezente DNA-Daten mögen in großer Menge vorliegen und es mag sich auch bei der alten DNA um vollständig sequenzierte Genome handeln, doch ist es für viele Zeitstufen und archäologische Kulturen eben nicht möglich, eine große Anzahl von Individuen zu beproben. Hinzu kommt, dass sich in der Evolutionsforschung und Paläogenetik manche Fragestellungen grundsätzlich nicht experimentell, sondern nur theoretisch angehen lassen und vergangene evolutionäre Prozesse nicht einfach unter Laborbedingungen hergestellt oder wiederholt werden können.
Hier zeigt sich, dass es neben prinzipiell lösbaren Methodenproblemen zahlreiche nicht-lösbare Probleme gibt und die Quelle DNA grundsätzliche Aussagegrenzen aufweist. Die früheren Rückschläge haben die community gerade dank ihres ausgeprägten Konkurrenzgedankens zu ihrer eigenen scharfen Kritikerin werden lassen.53 Sie reagiert misstrauischer auf Sensationsmeldungen und große Würfe. Die anfänglich versprochene technische Beherrschbarkeit der molekularen Welt der Vergangenheit wurde weitgehend relativiert. Kontingenzerfahrungen mussten hingenommen werden. Auch die wachsende Gruppe der Kooperationspartner_innen aus den Geistes- und Kulturwissenschaften erwartet einen neuen Grad an Reflektiertheit und die Bereitschaft, sich auch in ihre Forschungsstände einzuarbeiten. Deutlich erkennbar wurde dies 2016 beispielsweise im Zuge der Darmstädter Podiumsdiskussion über „Geschichte als Naturwissenschaft“, deren Positionen, um externe Kommentare erweitert, inzwischen veröffentlicht vorliegen.54 Doch während es an der feldinternen gegenseitigen Kontrolle jedenfalls bis vor kurzem kaum Zweifel gab55 – in dem Sinne, dass man zu wissen meint, wo methodisch sauber gearbeitet und welche Qualitätskriterien eingehalten wurden – werden Probleme und Aussagegrenzen noch eher selten ausdrücklich über die Grenze der Laborwissenschaften hinaus publik gemacht. Das erschwert es den Kooperationspartner_innen aus den Archäologien und Geschichtswissenschaften, einzuschätzen, wie belastbar die oft sehr hochrangig publizierten Aussagen und Szenarien tatsächlich sind. Der berechtigte Anspruch, die in A-Journals wie „Nature“ und anderen mit großem Widerhall publizierten naturwissenschaftlichen Ergebnisse von eigener Warte aus nachvollziehen zu können, ist in den historisch arbeitenden Kulturwissenschaften und jüngst auch in der Geschichtswissenschaft deutlich spürbar. Dort sind aber schon diese Publikationsorte und deren Regime Neuland.
Besonders kritisch werden die dort publizierten historischen Interpretationen genetischer Daten von einem wachsenden Publikum aus nicht-naturwissenschaftlichen Fächern in Augenschein genommen.56 Gefragt wird beispielsweise, inwieweit es überhaupt zulässig ist, biologische Daten soziokulturell zu interpretieren. Im Folgenden soll dies an ausgewählten Beispieldebatten näher beleuchtet werden.
Aktuelle Debatten
Jüngst erschienen zahlreiche Artikel in sehr hochrangigen Journals, die sich aus verschiedenen Richtungen mit der Frage auseinandersetzten, wie die genetische Diversität moderner Europäer_innen zustande kam.57 Mehrere archäologisch bekannte Prozesse sind hier miteinander in Bezug zu setzen: die Einwanderung der Anatomisch Modernen Menschen (45.000–40.000 BP) sowie ihr Verhältnis zu den ansässigen Neandertaler- und Denisovapopulationen58, die demografischen Prozesse während des letzten eiszeitlichen Maximums (27.000–16.000 BP) sowie Bevölkerungsbewegungen im Zuge der Neolithisierung. Aus archäologischer Perspektive ist mit der Neolithisierung, also dem Übergangsprozess von der nomadisch-aneignenden Lebensweise der Wildbeuter und Sammler zur sesshafteren Lebensweise der Viehhalter und Feldbauern in der Jungsteinzeit, ein zentrales Themengebiet der prähistorischen Archäologie berührt. Brachte eine einwandernde substanzielle Bevölkerungsgruppe die produzierende, sesshaftere Lebensweise mit und verdrängte die ansässige Bevölkerung oder wanderten nicht Menschen, sondern das prozedurale Wissen für Sesshaftigkeit, Feldbau und Viehhaltung?59 Anhand der Sachgutquellen ließ sich der kulturelle Wandel feststellen und differenziert beschreiben, doch ist damit nicht zu entscheiden, ob dieser mit einem Bevölkerungsaustausch einherging. Angeregt durch Impulse aus der Populationsgenetik ist unser Bild von diesem Prozess ungeachtet aller Deutungskonflikte, dies wird man wohl konstatieren dürfen, viel komplexer geworden. Die von anfänglichen Euphoriker_innen aus der Genetik geschürte Erwartung, mit genetischen Quellen eine einfache Antwort auf die Frage zu erhalten, hat sich nicht erfüllt. Mit Komplexität kommt die prähistorische Archäologie, die schon lange nicht mehr nach den einfachen, linearen Deutungen sucht, sehr gut zurecht. Mit ihrer eher neuen Erkenntnis, dass populationsgenetisch doch alles viel komplexer gewesen sein dürfte als bisher angenommen, rennen Genetiker_innen also Türen ein, die schon lange offen stehen.
Sie konfrontierten die Prähistorische Archäologie zwar in der Tat mit einem sehr alten Szenario60, indem sie die Neolithisierung mit einer signifikanten Bevölkerungsbewegung erklärten. Jedoch hatten Archäolog_innen eine zumindest begrenzte Mobilität von Personen als Erklärungsansatz ohnehin nie völlig ausgeschlossen, und so entwickelten sich infolge der paläogenetischen Veröffentlichungen lebhafte überfachliche Diskussionen, in denen neue archäologische, linguistische, genetische und isotopengeochemische Beurteilungen zueinander in Bezug gesetzt wurden. Der Prähistoriker Jens Lüning überschrieb treffend einen Tagungsbeitrag mit „Einiges passt, anderes nicht: Archäologischer Wissensstand und Ergebnisse der DNA-Anthropologie zum Frühneolithikum“.61 Ein aktueller Interpretationsansatz für die Neolithisierung besagt nun, dass es sich um einen mosaikartigen, langwierigen und variantenreichen Wandlungsvorgang gehandelt habe, der im Nahen Osten begann, dann aber regional höchst unterschiedlich verlief und nur wenige universelle Trends aufwies.62 Nicht nur die Szenarien zur Erklärung der Vergangenheit sind also unter anderem aufgrund der neu verfügbaren Quelle DNA komplexer geworden, sondern auch die Fragen, die aus unterschiedlicher Fächerperspektive heraus an den Gegenstand gestellt werden können. So wird in Zukunft noch intensiver darüber diskutiert werden müssen, wie der Einfluss einer dritten genetischen Komponente zu beurteilen ist, die Paläogenetiker als Einwanderung einer signifikanten Gruppe – als Yamnaya/Jamnaja bezeichnet – aus der Steppe der Schwarzmeerregion im späten Neolithikum interpretierten.63 Bisher hatten die Migrationshypothesen zwei Populationen angenommen: die jungsteinzeitlichen nomadischen Sammler_innen und Viehbeuter_innen und die sesshaften Viehhalter_innen, Feldbäuer_innen und Feldbauern, die, so das grobe Szenario, aus Anatolien und die Balkanregion in Mitteleuropa einwanderten, und sich in unterschiedlicher Intensität mit der ansässigen Bevölkerung vermischten.64 Schon der Grad dieser Bevölkerungsbewegung war aus archäologischer Sicht umstritten.65 Archäologische Hinweise auf die nun aufgrund von genetischen Daten angenommene Einwanderung einer weiteren Gruppe aus Osteuropa gibt es gar nicht. Die Identifikation einer genetisch fassbaren Gruppe mit einer archäologischen Kultur, hier der Schnurkeramik, ist strittig. Darüber muss ebenso überfachlich verhandelt werden wie über die noch weiterreichende These, dass mit dieser Gruppe die indoeuropäischen Sprachen nach Europa gekommen seien.66 Es ist damit zu rechnen, dass sich angesichts des schnellen Innovationstempos der aDNA-Forschung aktuelle genetische Szenarien als überholt herausstellen werden. Das legt der wissenschaftshistorische Blick auf die Entwicklung bis zur heutigen Genetic History nahe.67 Doch gilt es gleichermaßen für die Wissensbestände aller Fächer. Wissenschaftliches Wissen wird permanent restrukturiert und laufend entsteht neues Nicht-Wissen.
Historiker_innen dürften sich besonders für die – bis vor kurzem leider zu einem Großteil auf rezenter DNA beruhenden – populationsgenetischen Szenarien zur Völkerwanderungszeit und zum frühen Mittelalter interessieren. In der für die Mediävistik wie für die Archäologie wichtigen Angelsachsenfrage68 präsentierten zuletzt zwei aDNA-basierte Studien ein Szenario, das in der Archäologie als eher überholt gilt69: den weitgehenden Austausch der männlichen einheimischen Bevölkerung in England und Teilen von Wales durch eine Einwanderung vom Kontinent im Zuge einer massiven Immigration während des 5. bis 7. Jahrhunderts.70 Auf der Basis immer feinerer regionaler, formenkundlicher Differenzierungen betrachteten Archäolog_innen den feststellbaren Kulturwandel in England und Wales zuletzt eher als vielschichtigen, regional differenzierten Prozess ohne radikale Brüche oder massive Bevölkerungsverschiebungen.71 Wie auch in der Neolithisierungsforschung wird bezweifelt, dass Kulturwandel, das heißt eine Veränderung der Verbreitung eines Artefakttyps, zwingend mit einer substanziellen Bevölkerungsbewegung einhergehen muss.72 Zudem betritt, wer kulturelle und/oder genetische Prozesse ethnisch interpretiert, ein innerarchäologisches „Minenfeld“.73 Vielen Skeptiker_innen geht es aber nicht darum, sondern allgemeiner um die Frage, ob und inwieweit genetische, kultur-, sozial- und geschichtswissenschaftliche Konzepte überhaupt miteinander in Verbindung gebracht werden können. Genetische Gruppenbegriffe zum Beispiel haben eine andere diachrone Bedeutung als soziale oder kulturelle Gruppenbegriffe wie Kultur, Technokomplex oder gar Volk.74 Solche wissenschaftlichen Konzepte sind fachgebunden und haben lange eigene (Diskurs‑)Geschichten, derer sich bewusst sein sollte, wer über die Fächer hinweg zu gemeinsamen Geschichtserzählungen kommen will. Solche Konzepte sollten sorgfältig miteinander diskutiert werden, um sie in Bezug setzen zu können. Da dabei auch Deutungskonkurrenzen, Machthierarchien und die antizipierte Wirkung auf die mediale Öffentlichkeit eine Rolle spielen, kann dies ein konfliktreicher Prozess sein.
Dennoch passen die paläogenetischen Befunde in der Angelsachsenfrage, lässt man die übergeordnete Erzählung von der großen Invasion beiseite, durchaus in das archäologische Bild. Kulturelle Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen und eine hohe individuelle Fernmobilität in Spätantike und Frühmittelalter sind keine überraschenden Befunde. Die Einwanderungsdynamiken und das Verhältnis etwaiger Neuankömmlinge mit der autochthonen Bevölkerung bleiben trotzdem in vielerlei Hinsicht unklar.75
Wiederum zeigt das Angelsachsenbeispiel methodische Konfliktanlässe auf: Die genetischen Samples sind klein und datieren zudem teils in die Römische Kaiserzeit, zum Teil in das 10. Jahrhundert. Die Sequenzdaten sind jedoch sehr umfangreich. So lassen sich aus einem beprobten Individuum anhand der genomweiten Analyse genetische Informationen über eine große Zahl von Vorfahren in zeitlicher Tiefe generieren. Doch ist zu beachten, dass jeder Einzelfund nur von begrenzter Aussagekraft sein kann, denn er ist nur ein winziger Ausschnitt aller denkbaren Quellen und zudem zufällig. Ein weiterer grundsätzlicher Einwand lässt sich hier verdeutlichen: der Beprobung der ausgewählten Funde ging eine soziokulturelle Deutung, die Ansprache als „indigen“ oder als „Angelsachsen“ voraus, und es handelt sich jeweils nur um einzelne Individuen aus den Friedhöfen.
Dieses Problem wollte ein anderes interdisziplinär aufgestelltes Team vermeiden76, das unlängst die Analyse von Genomen aus völkerwanderungszeitlichen Friedhöfen in Ungarn und Italien publizierte. Es ging um die Frage, ob sich mit Genomdaten, Isotopengeochemie und archäologischen Befunden ein Bezug zu den spätantiken Schriftquellen herstellen ließ, die von der Wanderung des Volkes der Langobarden nach Pannonien und im 6. Jahrhundert n. Chr. weiter nach Italien erzählen. Die Langobarden stehen im Zentrum einer unter Historikern und Archäologen geführten Debatte um Migration und Ethnizität im Frühmittelalter.77 Friedhöfe des 6. und frühen 7. Jahrhunderts in Pannonien und Italien weisen recht ähnliche Beigaben und Bestattungsmodi auf. Beprobt wurden in dieser Studie alle Individuen der Friedhöfe Szólád in Westungarn und Collegno in Norditalien. In 63 Fällen waren genomweite Analysen möglich, die Auskunft geben sollte über genetische Herkunft und Verwandtschaft der Toten. Zudem wurden isotopengeochemische Analysen durchgeführt, die darüber Auskunft geben können, ob diese ortsfremd geboren und aufgewachsen waren oder vor Ort.78 Wichtig war es den Autor_innen, dass es nicht darum ging, eine „langobardische ethnische Identität“ zu bestimmen, die eine subjektive Sache sei. Das Ergebnis: Man sehe auf beiden Friedhöfen je zwei unterschiedlichen Gruppen Bestatteter, deren genetische Signaturen einmal mehr nach Nord‑/Mitteleuropa, einmal mehr nach Südeuropa wiesen. In Szólád bestattete Erwachsene, die die nördlich-mitteleuropäische genetische Herkunft teilten, waren laut Isotopengeochemie ortsfremd geboren, was dafür sprechen kann, dass sie mobil waren. Eine Kombination von Isotopen- und DNA-Daten spricht bei einigen erwachsenen Frauen dafür, dass diese sich der mobilen Gruppe „unterwegs“ anschlossen. Die Belegungsmuster auf beiden Friedhöfen waren überdies offenbar an biologischen Verwandtschaftsbeziehungen orientiert. Nicht beurteilen lässt sich hingegen, ob die genetische Verwandtschaft und die materielle Kultur in diesen Friedhöfen etwas mit den spezifischen Völkern zu tun haben, die in den spätantiken Quellen genannt werden. Es könnte sich, so das Autorenteam, ja auch um viel ältere Gruppen handeln. Jedoch, so weiter die Verfasser, widersprechen die Daten auch nicht den Schriftquellen, schließlich finden sich in Ungarn und Italien Individuen mit einer nördlich-mitteleuropäischen genetischen Signatur, die eher bronzezeitlichen Signaturen weiter im Norden ähnelte und in Ungarn und Italien zuvor nicht angetroffen wurde. Die Studie hütet sich jedenfalls vor dem Schnellschluss, es sei nun der konkrete Nachweis der langobardischen Migration nach Italien gelungen. Wäre die Untersuchung hingegen allein von Genetiker_innen durchgeführt worden, wie bisher in der Genetic History üblich, wäre womöglich genau dies behauptet worden. Denn tatsächlich ist in diesem Forschungsfeld eine gewisse fatale Tendenz festzustellen, sich historische Kontroversen vorzunehmen und mithilfe der Quelle DNA rasch entscheiden zu wollen.79 Dabei tendiert man dazu, die vermeintlich harte Faktizität der erhobenen Daten gegen die ebenso vermeintliche Beliebigkeit geschichtswissenschaftlicher Evidenz in Stellung zu bringen. Die Vorsicht, mit der dagegen die Langobardenstudie vorgeht, zeichnet diese wirklich interdisziplinäre, unter maßgeblicher geschichtswissenschaftlicher Beteiligung erfolgte Untersuchung aus.80
Wie können sich Historiker_innen informieren?
Historiker_innen haben zu recht viele Fragen an die Genetic History. Wie betreibt man Geschichtsforschung auf der Quellenbasis von DNA-Sequenzen? Welche Aussagechancen und -grenzen hat dieses Material? Welche epistemologischen und ethischen Probleme können auftreten? Ist es überhaupt methodisch zulässig, genetische Daten soziokulturell zu interpretieren? Wie gewiss und wie haltbar ist das Wissen, das hier produziert wird? Als Einstieg in die Debatte ist das 2018 begonnene „Forum: Genetic History“ der „NTM“ unbedingt zu empfehlen.81 Wer mitdiskutieren möchte, muss sich einen mindestens rudimentären Informationsstand verschaffen und sich ein wenig in Methoden und Theorien der je anderen Beteiligten einarbeiten. Ein solides Basiswissen wurde Archäolog_innen empfohlen, um es nicht den biologischen Fächern allein überlassen zu müssen, das Forschungsfeld zu formen.82 Umgekehrt kann von den Naturwissenschaftler_innen erwartet werden, dass sie sich zumindest in die aktuelle kulturwissenschaftliche Begriffslandschaft einlesen. Nicht verlangt ist eine gleichwertige Qualifikation in geistes- und naturwissenschaftlichen Arbeitsgebieten, zumal Schließungstendenzen aller Fächer dies ohnehin verhindern würden.
Um sich in die „Sache“ selbst tiefer einzuarbeiten, können Historiker_innen eine Reihe von reviews heranziehen, die so verfasst sind, dass sie auch einem fachfremdem Publikum mit Abstrichen zugänglich sind.83 Sie führen in interne Entwicklungen und Debatten ein, sind aber auch exzellente Quellen über die Selbstwahrnehmung des Feldes und seiner Geschichtsnarrative. Typisch sind nämlich Ursprungserzählungen, mit denen sich das noch junge Forschungsfeld gewissermaßen seiner selbst vergewissert, indem eine Art Ahnenreihe erfolgreicher – und nicht so erfolgreicher – Forscher und Studien erstellt wird. Dabei gehen immer mehr Autor_innen dezidiert auf die methodischen Rückschläge, die gescheiterten Projekte und die überzogenen Versprechungen ein und fangen an, ältere Erfolgsnarrative zu brechen.84
Bereits 2001 legte der britische Archäometriker Martin K. Jones unter dem sprechenden Titel „The Molecule Hunt. Archaeology and the Search for Ancient DNA“ einen unterhaltsamen Rückblick auf die ersten fünfzehn Jahre aDNA-Forschung vor.85 Der am Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie wirkende Schwede Svante Pääbo, der oft als Begründer der Paläogenetik schlechthin bezeichnet wird, brachte 2014 „Neanderthal man. In Search of Lost Genomes“86 heraus, ein mit Anekdoten versehenes Buch, das die Entwicklung des Feldes aus seiner persönlichen Sicht schildert. 2016 legte der englische Wissenschaftsjournalist und studierte Genetiker Adam Rutherford, ein populärwissenschaftliches Panorama der interessantesten Entdeckungen der jüngeren Forschung vor, das eher unterhaltsam als tiefgehend oder gar problematisierend ist, sich aber dennoch gut zum Einlesen und für den ersten Überblick eignet. 2018 erschien eine deutsche Übersetzung.87 Und auch der Deutsche Johannes Krause, Direktor der Abteilung für Archäogenetik am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und neben Pääbo, Reich und Willerslev einer der wichtigsten Protagonisten der Genetic History, hat „Eine Geschichte über uns und unsere Vorfahren“ für 2019 angekündigt, die erzählen soll, „wie wir zu den Europäern wurden, die wir sind“.88
Natürlich steht es jedem offen, die eher an Biologie und Anthropologie gerichteten Handbücher und Einführungen heranzuziehen, doch setzten diese mindestens ein entsprechendes Grundwissen voraus. Für die aDNA-Forschung sind hier das ältere Werk der Anthropologin Susanne Hummel „Ancient DNA Typing. Methods, Strategies and Applications“89 sowie neuer von Beth Shapiro und Michael Hofreiter „Ancient DNA. Methods and Protocols“90 zu nennen. Hilfreich ist auch der Band „Human Evolutionary Genetics“.91 An den beiden Auflagen des Werks lässt sich zudem die methodische Entwicklung des Feldes zwischen 2004 und 2013 gut ablesen. In methodischer Hinsicht breiter, aber speziell auf die archäologischen Anwendungen zugeschnitten ist „Biomolecular Archaeology. An Introduction“ von Terence A. und Keri A. Brown.92 Jüngst erschien eine sehr gute Einführung des Genetikers und Biochemikers Mark Stoneking, die stärker als die anderen genannten Titel die Populationsgenetik berücksichtigt.93 Dieses Buch ist ein empfehlenswertes Kompendium, um sich mit den komplexen statistischen Verfahren wie etwa der Principal Component Analysis vertraut zu machen, mit denen Genetiker_innen arbeiten. Diese zu kennen, hilft die Aussagemöglichkeiten und die Grenzen der populationsgenetischen Entwürfe einschätzen zu können. Wer einen breiteren Überblick über Zugänge und Verfahren in der Anthropologie sucht, ist mit den Beiträgen in „21st Century Anthropology. A Reference Handbook“ gut beraten.94 Vergleichbare deutschsprachige Handbücher und lab manuals liegen nicht vor. Jedoch enthält die „Prähistorische Anthropologie“ von Gisela Grupe und George McGlynn auch Kapitel zur Laboranalytik, vor allem der DNA-Analyse und der Isotopenchemie, sowie Einführendes zur Populationsgenetik.95 Ähnliches gilt für die größeren englischsprachigen Einführungen in die Anthropologie.96
Die amerikanischen Anthropolog_innen Elisabeth Matisoo-Smith und K. Ann Horsburgh brachten speziell für Archäolog_innen 2012 eine Einführung in die aDNA-Forschung heraus97, die für Historiker_innen gut zugänglich ist, weil die naturwissenschaftlichen Inhalte sehr anschaulich erklärt werden. Dieses Buch enthält immer wieder auch Aufrufe zum Misstrauen, zum Nachfragen und Anleitungen zum Lesen naturwissenschaftlicher Artikel. So raten die Autor_innen beispielsweise, stets die Angaben zu Methoden und Labortechnik und die dokumentierten technischen Schritte der Authentizitätsprüfung genau zu lesen und sich darüber zu informieren, welche Authentifizierungsprotokolle in einer Studie befolgt wurden. Welche Markersysteme hat das Team gewählt? Wie groß war das Sample? Welche statistischen Verfahren wurden eingesetzt? Und wo liegen deren Grenzen?98 So adressieren Matisoo-Smith und Horsburgh das Problem, dass ohne Qualifikation beispielsweise in der Genetik und insbesondere der Populationsgenetik, und ohne raschen Zugang zu Gewährsleuten, schwer zu beurteilen ist, wie belastbar ein genetischer Befund und mithin dessen historische Interpretation sind.
Zehren lässt sich auch von den Erfahrungen der archäologischen Fächer, die zum Beispiel bereits mehrfach Projekte zu Einzelfallfragen hinsichtlich Geschlecht, Verwandtschaftsbeziehungen oder Krankheitserregern initiiert haben und darin die Einsatzoptionen und Grenzen der neuen Verfahren ausloten konnten.99 Sie setzen sich seit Längerem mit eben jenen epistemologischen, politischen und fachpolitischen Fragen auseinander, die nun die Geschichtswissenschaft beschäftigen. Die Sorge, dass historisch-kulturwissenschaftliche Quellen und Erkenntniswege diskreditiert und die traditionell historisch arbeitenden Fächer aus ihren Kompetenzbereichen verdrängt werden könnten, ist demnach nicht neu.100 Doch wird in der deutschsprachigen Vor- und Frühgeschichte die Konfrontation mit Genetik, Isotopengeochemie und anderen jüngeren laborwissenschaftlichen Zugängen zur Vergangenheit immer häufiger als produktive Irritation wahrgenommen, die zum Nachdenken über ältere eigene Konzepte anregt. Mit ihrer „Streitschrift“ „Archäologie als Naturwissenschaft“ haben 2013 die Kulturwissenschaftlerin und Archäologin Stefanie Samida und der Prähistoriker Manfred K. H. Eggert diese Diskussionen vorangetrieben.101 Auch in mehreren kritischen Aufsätzen angloamerikanischer und skandinavischer Forscher_innen lässt sich die intensive Reflexion über das Miteinander der Fächer und das Wesen der Archäologien verfolgen: Wie viel Naturwissenschaftliches „vertragen“ die Archäologien?102 Handelt es sich insbesondere bei der Ur- und Frühgeschichte (noch) um eine historische Kulturwissenschaft oder schon längst um eine naturwissenschaftliche Archäologie im Sinne von Archaeological Science?103
Nicht zu vergessen sind medizinhistorische Studien, denn in der Medizingeschichte werden molekularbiologische Verfahren seit Längerem als relevant für die Geschichtswissenschaft betrachtet. Der überfachliche Dialog in der Pestforschung beispielsweise ist bereits in mehrere Sammelbände eingegangen. Darin zeigen Geistes- und Naturwissenschaftler_innen auf, welche Beiträge sie jeweils mit ihren Methoden leisten können und wie sich die jeweiligen historischen, archäologischen, kultur- und sprachwissenschaftlichen, parasitologischen und genetischen Erkenntnisse zueinander in Bezug setzen lassen. Höchst unterschiedliche Konzeptionen von „Pest“ kommen darin zum Ausdruck. Diese Bände dokumentieren beispielsweise sehr gut, wie sich genetische Aussagemöglichkeiten änderten, wie Schlussfolgerungen zum Pesterreger revidiert wurden und wie das wiederum in den historischen Wissenschaften aufgenommen wurde.104 Unter dem Untertitel „Rethinking the Black Death“ gab die Mediävistin Monica H. Green 2014 ein Themenheft der Zeitschrift „The Medieval Globe“ heraus, in dem es ihr darum ging, das alte Thema gemeinsam mit anderen Forscher_innen aus der Geschichtswissenschaft, Archäologie, Mikrobiologie, Anthropologie und den Area Studies für afrikanische und europäische Regionen neu zu durchdenken und zu überlegen, wie vor allem die neuen laborwissenschaftlichen Daten zum Auftreten von y. pestis in der Vergangenheit integriert werden können. Diskutiert wird darin auch, ob und wie neue Ansätze über die Evolution des Erregers das historische Verständnis für die Pandemie des späten Mittelalters verändern können. In einem Beitrag, den Green für die American Historical Association schrieb, fiel ihr Urteil zunächst überaus positiv aus: Geschichte werde heute mehr durch die Erkenntnisfortschritte der Naturwissenschaften definiert als durch die traditionelle Geschichtswissenschaft: „… history has come to be defined by breakthroughs made by scientists, rather than historians as traditionally defined“.105 Aber sie habe die Erfahrung machen müssen, dass es keineswegs leicht sei, einen „new player on to the field of historical research“ anzunehmen. Sie ermutigte dazu, die „new sister discipline“ mit offenen Armen zu empfangen.
Um sich in wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe einzulesen, die das gegenwärtige Mit- und teilweise Gegeneinander der Fächer besser verstehen lassen, sind einerseits Titel heranzuziehen, die aus den betreffenden Fächern selbst stammen und als deskriptiv-bilanzierende Fachschichten konzipiert sind. Diese befassen sich überwiegend mit der Fachgenese, der Methodenentwicklung und den Denktraditionen.106 Speziell die Archäologiegeschichte setzt in den letzten Jahren hingegen eher auf kritische wissenschaftsgeschichtliche Betrachtungen über die Historizität und soziokulturelle Gebundenheit von archäologischem Wissen.107 Andererseits hat auch die Wissenschaftsgeschichte einiges zu bieten: Dies gilt insbesondere für bereits länger vorliegenden Wissenschaftsgeschichten der Molekularbiologie und der Genomforschung.108 Zur Geschichte der frühen Anthropologie existiert bereits in zweiter, leicht aktualisierter Auflage eine Monografie von Uwe Hoßfeld, die allerdings die Gegenwart nicht mehr abdeckt und zudem stellenweise sehr kompilatorisch gehalten ist. Zu New Genetics und Genetic History liegen bereits einige Arbeiten vor.109 Während sich Jenny Reardon und Yulia Egorova aus der Perspektive der Science and Technology Studies dem ancestry testing beziehungsweise dem Human Genome Diversity Project widmeten, hat Marianne Sommer bereits mehrere größere Arbeiten zur Geschichte der biologischen Anthropologie und Evolutionsforschung vorgelegt. Zuletzt erschien „History Within. The Science, Culture, and Politics of Bones, Organisms, and Molecules“.110 Myriam Spoerri111 zeigt am Beispiel der Blutgruppenforschung, wie soziale und biologische Ordnung koproduziert werden.112 Veronika Lipphardt befasst sich mit Studien jüdischer Forscher zur Genetik der Juden aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, die als emanzipatorischer Schritt zur Festigung jüdischer Identität verstanden wurde. Beide zeigen Beispiele für die Instabilität biologischer Erkenntnisse im Sinne von Michael Gordin: Die technische Entwicklung lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass die meisten als Beweis oder eindeutige Sachlage beschriebenen Erkenntnisse in einigen Jahren wieder überholt sein können.113
Warum sollten und wie können sich Historiker_innen der Genetic History nähern?
Die inner- und außerwissenschaftliche Hochkonjunktur, die die genetische Geschichte im Moment erlebt, lässt sich schwerlich ignorieren. Die Geschichtswissenschaft kommt schon deshalb nicht umhin, sich den neuen Geschichtserzählungen zuzuwenden, weil es die breite Öffentlichkeit tut. So kritisch man dies aus wissenschaftlicher Sicht beurteilen mag, das Interesse der Öffentlichkeit an derartiger Geschichtsschreibung ist groß, denn sie sprechen große Fragen an, etwa „Was ist der Mensch und woher kommt er?“. Dabei bedienen sie die gegenwärtige Vorstellung vom Gen als Identitätsträger. Vor dieser Öffentlichkeit, ihren Orientierungsbedürfnissen und Unterhaltungswünschen sollte sich die Geschichtswissenschaft nicht zurückziehen. Besteht außerdem so ein hohes mediales Interesse an Geschichte und Geschichtsforschung, ist das für die Geschichtswissenschaft ja grundsätzlich durchaus von Nutzen.114
Mit Recht reagieren Historiker_innen irritiert über allzu selbstbewusst vorgetragene und bei näherer Betrachtung mitunter naiv erscheinende populationsgenetische Großentwürfe, die big pictures. Diese Sorge, von den Wahrheitsversprechen der Genetic History überrollt zu werden, spiegelt ein Editorial in „Nature“ aus dem Jahr 2016 wider:
„[…] a new breed of scientists is trying to muscle in on the work of the present. These researchers want to use modern genetic techniques to answer historical questions, and as they do so, they are firmly treading on the toes of their colleagues in the humanities. These geneticists promise answers: using analysis of DNA to discover what „really“ happened during the Bronze Age and the Viking sagas and replace „biased“ histories with cold, hard data.“115
Zugute zu halten ist aber bei aller Empörung, dass auch Naturwissenschaftler_innen viele Meldungen mit Vorsicht aufnehmen, selbst wieder zurücknehmen oder an prominenter Stelle zu widerlegen versuchen – wenn sie die intern gesteckten Grenzen von Wissenschaftlichkeit überschreiten. Das gilt besonders für das das kommerzielle ancestry testing116 und die Unterhaltungsgenetik.117 Der britische Genetiker Mark A. Jobling wandte sich 2012 gegen die „recreational genomics“.118 Svante Pääbo schimpfte in Interviews über die „Astrologie der Genetik“.119 Mark G. Thomas berichtete, dass ihm von der „genetic ancestry industry“ mit juristischen Schritten gedroht worden sei, als er öffentlich gegen ihre Praktiken protestiert habe.120 Das offensichtliche Interesse der Öffentlichkeit an der Unterhaltungsgenetik verlangt aber danach, dass Wissenschaftler_innen aller betroffenen Bereiche, auch Historiker_innen, sich dazu mit guten Argumenten öffentlich positionieren und eventuell dazu beitragen, dass zumindest viel validere und zugleich differenziertere Unterhaltungs- und Identifizierungsangebote gemacht werden können.
Aus wissenschaftspolitischen Gründen sollte die Geschichtswissenschaft es ebenfalls nicht übergehen, wenn andere Fächer für sich beanspruchen, mit anderen als den in der Geschichtswissenschaft üblichen Quellen und Verfahren Geschichtsforschung zu betreiben. Viel effektiver und politisch klüger ist es, das andere, mit biologischen Verfahren generierte Wissen über Geschichte zur Kenntnis nehmen und sich mit denjenigen in Verbindung zu setzen, die es produzieren. Die Bereitschaft dazu existiert bereits auf beiden Seiten. Das haben überfachliche Diskussions- und Fortbildungsveranstaltungen der letzten Jahre, gemeinsam bestrittene Publikations- und Diskussionsforen ja gezeigt. Zum Austausch von Argumenten und Sichtweisen haben sich in den letzten Jahren Forscher_innen vieler beteiligter Wissenschaftsbereiche zusammengefunden.121 Die American Historical Association schuf 2014 ein solches Forum, auf dem auch Wissensdefizite und Bedenken angesprochen werden sollten, in Form eines roundtable unter dem Titel „History Meets Biology“.122 In der Zeitschrift „medieval worlds“ erschienen 2016 die Beiträge zu der von Jörg Feuchter und Stefanie Samida an der HU Berlin organisierten Tagung „Genetic History: A Challenge to Historical and Archaeological Studies“.123 Die Zeitschrift NTM beispielsweise publizierte nicht nur die Positionen der Podiumsdiskussion der TU Darmstadt „Geschichte als Naturwissenschaft“, sondern eröffnete auch ein Forum, um diese weiter zu erörtern und in längere Debatten um die Rolle naturwissenschaftlicher Methoden in der Geschichtswissenschaft einzubetten.124 Das Max Planck-Harvard-Forschungszentrum für die archäologisch-naturwissenschaftliche Erforschung des antiken Mittelmeerraums (MHAAM) wurde 2017 ins Leben gerufen, um Biologie, Archäologien und Geschichtswissenschaften zusammenzubringen und deren diverse Ansätze in konkreten Studien zu verknüpfen.125
Der Zeitpunkt ist gut, sich mit der Genetic History auseinanderzusetzen, denn die Informations- und Kontaktbedingungen sind nicht schlecht.
Die Erfahrung der Archäologien legt nahe, dass es für die Geisteswissenschaften sowohl eine Ressource bedeuten als auch eine neue Konkurrenz mit sich bringen kann, wenn naturwissenschaftliche Fächer Geschichtsforschung betreiben.126 Das mag man mitunter als Übergriff erleben, schließlich war den Geisteswissenschaften einst im Ausschlussverfahren das Verstehen des Sinns der Phänomene in der kulturellen und sozialen Welt und darauf aufbauend die soziokulturelle Sinnstiftung überlassen worden. Verstehen schien möglich, weil die soziokulturelle Welt anders als die Welt der Natur von Menschen selbst geschaffen zu sein schien und deshalb von diesen interpretiert werden konnte.127 Historiker_innen konnten fortan für sich beanspruchen, als geschichtliche Wesen in der Lage zu sein, Geschichte zu verstehen und retrospektiv Sinnzusammenhänge des Menschengemachten zu erkennen. Indes hatten die Naturwissenschaften die Erkenntnis der natürlichen Welt und ihrer Gesetzmäßigkeiten für sich reklamiert. Man mag die Erklären/Verstehen-Dichotomie und Percy Ernst Snows „Two Cultures“128 für überholt halten, jedoch werden solche Dichotomien noch immer abgerufen und strukturieren so weiter die Produktionsbedingungen von Wissen. Wie passt die Genetic History hier hinein? Welche Phänomene werden hier erklärt, welche Sinnzusammenhänge werden hier verstanden und wer ist dafür kompetent? Angesichts der ganz üblichen und in der Wissenschaftsgeschichte immer wieder auftretenden Neuverhandlungen über akademische Zuständigkeiten und epistemischen Neusortierungen sollten Historiker_innen hier sehr selbstbewusst Position beziehen. In Rückzugsgefechte muss die Geschichtswissenschaft gewiss nicht verfallen.
Der Mediävist Lester K. Little, der viel Erfahrung in der überfachlichen Pestforschung mitbringt, rät, die Öffnung zu den Life Sciences nicht als Abwertung der traditionellen historiografischen Quellen und Verfahren zu betrachten, sondern vielmehr darin eine Aufwertung derselben zu sehen: „[…] epidemiological analysis of past epidemics based upon written accounts and records, rather than being replaced by laboratory identification […] and experimentation, is more important than ever precisely because it can now be done in tandem with biomedical science.“129 Die archäologischen und geschichtswissenschaftlichen Quellen und Wissensbestände würden ja nicht obsolet, im Gegenteil, sie erhielten jetzt eine überfachliche Relevanz: Die Hypothesen der naturwissenschaftlichen Experimente bauten immer auf Daten auf, die mit den Methoden und von Angehörigen anderer Fächer generiert würden. Das könne die Datierung einer Probe sein, die Zuordnung eines Fundes zu einer bestimmten archäologischen Kultur oder Schriftquellen.
Sach- und Schriftquellen müssen dem harten Evidenzanspruch der naturwissenschaftlichen Quellen gegenüber nicht unterliegen. Über den Wert und Rang einer Quelle entscheidet die Fragestellung. Diese kann ganz unterschiedlich ausfallen, je nachdem, ob Wissenschaftler_innen aus der Genetik, prähistorischen Archäologie und Anthropologie, der Paläoepidemiologie oder Populationsgenetik sie formulieren. Deshalb können molekulare Quellen nicht per se mehr oder gewissere Informationen liefern als beispielsweise das Sachgut oder Schriftquellen. Es handelt sich schlichtweg um andere Informationen. Die Herausforderung im überfachlichen Miteinander besteht darin, sich über die jeweiligen Erkenntnisinteressen und Problemstellungen zu verständigen, die mit unterschiedlichen Quellen und Methoden generierten Daten miteinander zu besprechen und Informationen zueinander in Verbindung zu setzen. Historiker_innen mit ihrer lang erarbeiteten Expertise für Quellenkritik und Heuristik können dabei sehr selbstbewusst auftreten.
Es gilt, eine Art kritische Freundschaft aufzubauen. Aus der Perspektive der Science and Technology Studies hat Nikolas Rose argumentiert, dass eine „new double relationship with biology“ vonnöten sei, wiewohl und gerade weil die Geistes- und Sozialwissenschaften in der Vergangenheit gute epistemologische und (fach-)politische Gründe gehabt hätten, den Life Sciences reserviert zu begegnen.130 Die nun erlebte Irritation über die Zugriffe der Biologie auf Geschichte kann als Aufrütteln im positiven Sinn verstanden werden, denn jetzt gilt es umso mehr, das je Eigene kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren. Reflexivität kann wachsen durch die Anrufung von außen.
In einer „critical friendship“ sieht die Historikerin Julia Adeney Thomas eine grundsätzlich bejahende Einstellung zu den Erkenntnisangeboten der Naturwissenschaften bei gleichzeitig kritischen, auch misstrauischen, Anfragen an deren Grenzen.131 So könne ein komplementäres Verhältnis entstehen, wenn die Geschichtswissenschaft selbstbewusst ihre Erkenntnis- und Deutungsmöglichkeiten demonstriere, statt in „science envy“132 zu verfallen oder in unhinterfragter Begeisterung alles anzunehmen, was die Naturwissenschaften anbieten.
Damit die Geschichtswissenschaft ihre neue Rolle adäquat ausfüllen kann, müsse sich, so aber das deutlich von Enthusiasmus geprägte Plädoyer des amerikanischen Historikers Michael McCormick, einiges ändern. Wer sich mit den „Molecular Middle Ages“ befassen wolle, müsse lernen, ebenso in Teamstrukturen zu arbeiten wie Naturwissenschaftler_innen.133 Ob eine unbedingte Mimikry disziplinärer Methoden bzw. ein nahtloses Sich-Einfügen darin tatsächlich wünschenswert ist, sei dahingestellt. (Große) Teams haben bekanntlich auch Nachteile. Jedenfalls sind ein waches Auge und Kommunikationsfähigkeit gefragt und es müssen Irritationen, Brüche und Unverstandenes offen angesprochen werden können. Aus solchen Debatten und den mitunter entfachten Konflikten können Reflexivitätsgewinne auf allen Seiten hervorgehen. Sie können zu nützlichen Selbstbefragungen und der Prüfung der je eigenen Qualitätskriterien und Fachverständnisse führen.
Naturwissenschaftliches Wissen weist ebensolche Halbwertszeiten und Uneindeutigkeiten auf wie jedes andere wissenschaftliche Wissen auch. Selbstverständlich werden gerade in den Laborwissenschaften die Methoden und Verfahren wie auch die Qualitätskriterien, denen Forschung jeweils unterliegt, immer wieder neu diskutiert, verhandelt und validiert. Mitunter werden Paradigmen im Kuhn’schen Sinn, die die Standards für legitime Forschung in der jeweiligen Wissenschaft bestimmen, überprüft, modifiziert oder sogar ersetzt, weil sie die reglementierungskonforme Lösung des gewählten Problems nicht vollständig ermöglichen, oder Anomalien nicht mehr kompensiert werden können.134 Hier kommt es zu Begegnungen mit Inkommensurabilität. Was einmal zentral war, kann als veraltet oder unwissenschaftlich verstanden werden und verschwinden, die Sicht auf den untersuchten Gegenstand kann sich radikal ändern.135 Die Entwicklung der aDNA-Forschung in den letzten drei Jahrzehnten zeigt ja gerade, dass alte DNA eben keine truth machine ist. Statt einfacher Antworten entstehen eher komplexere Fragen an die Vergangenheit. Nötig ist eine offener als bisher geführte Kommunikation über die methodischen Fallstricke der naturwissenschaftlichen Verfahren und vor allem über deren Grenzen. Unhaltbare Eindeutigkeits- und Gewissheitsversprechen der Naturwissenschaften können zu Enttäuschungserfahrungen136 führen. Schädlich wäre es aber auch, sich auf geisteswissenschaftlicher Seite von euphorischen Meldungen naiv anstecken zu lassen und „gewisses“, haltbares Wissen zu erwarten. Auch wird die eigene geisteswissenschaftliche Forschung nicht automatisch dadurch aufgewertet, dass sie Wissen mit dem Etikett „naturwissenschaftlich“ oder „genetisch“ integriert.
Sicher schadet es nicht, sich der Geschichte des eigenen Faches bewusst zu werden: Einerseits ist der aktuelle Apparat der Geschichtswissenschaft selbst das Produkt fortwährender Aushandlungsprozesse zwischen Wissenschaftler_innen. Hypothesen, Methoden und Konzepte sind nicht in Stein gemeißelt, sondern müssen sich unter sich verändernden Kontexten bewähren – oder sie werden ausrangiert. Andererseits sind Debatten und Konflikte zwischen den Fächern nicht nur typisch für die Wissenschaftsgeschichte, sondern gelten uns heute auch als konstitutiv für Erkenntnisfortschritt. Es hilft in der aktuellen Debatte, sich jene gemeinsamen Erfahrungen von Misstrauen und gegenseitigen Enttäuschungen, Machtdifferenzen und Deutungsstreitigkeiten vor Augen zu führen, die die beteiligten Wissenschaftsbereiche bereits hinter sich haben.137
In der aktuellen Situation ist aber nicht nur der Blick in die Wissenschaftsgeschichte dienlich, sondern es erscheint auch erstrebenswert, kultur- und sozialwissenschaftliche Begleitforschungen für größere, vor allem populationsgenetische Projekte aufzustellen. Dies würde auch die Interdisziplinaritätsforschung weiterbringen. Neben Erkenntnissen über und für die interdisziplinäre Arbeit wären, auch wenn nur „rein“ genetische Untersuchungen beobachtet würden, Informationen darüber zu gewinnen, ob und wie es dabei zu den Effekten kommt, die Kritiker_innen befürchten: ahistorische und essenzialistische Deutungen, Reproduktion veralteter Forschungsstände, Behauptung von Geschichtsmechaniken et cetera. Auch Rezeptionsstudien wären interessant, sofern sie methodisch machbar sind, um der in den Science and Technology Studies aufgeworfenen Frage138 nachzugehen, ob oder wie Genetic History in personale und kollektive Identitäten eingebaut wird.
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Notes
- Reich, David: Who We Are and How We Got Here. Ancient DNA and the New Science of the Human Past, Oxord UP, Oxford u. a. 2018. Vgl. dazu die Rezension: Diamond, Jared: A Brand-New Version of Our Origin Story, in: The New York Times, 20.04.2018. ⮭
- Reich, David: How Genetics Is Changing Our Understanding of „Race“ in: New York Times, 23.03.2018. ⮭
- Vgl. dazu den sehr instruktiven long essay von Marks, Jonathan: Is Science Racist, Polity Press, Cambridge 2017; u. a. warfen zahlreiche Wissenschaftler_innen in einer von Jonathan Kahn, Alondra Nelson und Joseph L. Graves Jr. initiierten gemeinsamen Erklärung Reich vor, selbst zu simplifizieren und unangemessen mit dem Thema umzugehen: „How Not To Talk About Race And Genetics“, 30.03.2018 [https://www.buzzfeednews.com/article/bfopinion/race-genetics-david-reich, Zugriff: 04.02.2019]. ⮭
- Reich, David: How to Talk About „Race“ and Genetics, in: New York Times, 30.03.2018. ⮭
- Vgl. oben und, stellvertretend für zahlreiche weitere vernichtende individuelle Kritiken, Marks, Jonathan: There’s an arrogant anti-intellectual hereditarian at Harvard who isn’t Steven Pinker! Who would have thunk it [http://anthropomics2.blogspot.com/2018/03/, Zugriff: 09.11.2018]. Vgl. auch Holmes, Ian: What Happens When Geneticists Talks Sloppily About Race, in: The Atlantic, 25.03.2018. Eher positive bzw. Reichs Naivität bei guten Absichten würdigende Reaktionen erschienen in deutschsprachigen Zeitungen: Meyer, Alex: Genetik im Zentrum einer neuen „Rassen“-Debatte, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2018; Schär, Markus: Der Genetiker David Reich löst in den USA einen Intellektuellen-Streit über Erbgut und Rassen aus, in: Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2018. Zu einer neuen medialen Diskussion über David Reich kam es im Januar 2019 aufgrund anderer Vorwürfe: Lewis-Kraus, Gideon: Is Ancient DNA Research Revealing New Truths – or Falling Into Old Traps, in: New York Times, 17.01.2019. Konkret wirft diese Reportage „Nature“ vor, bei der Publikation einer bzw. zweier Studie(n) von David Reich gegen die üblichen Publikationsstandards massiv verstoßen zu haben. Auch hier hat Reich Erwiderungen veröffentlicht bzw. Korrekturen verlangt, die jedoch in der New York Times nur zum Teil aufgenommen wurden [vgl.: https://reich.hms.harvard.edu/letter-response-jan-17-article-new-york-times und https://reich.hms.harvard.edu/five-corrections-new-york-times, jeweils Zugriff: 08.02.2019]. Vgl. dazu auch Feuchter, Jörg: Ozeanische Stichprobe, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2019. ⮭
- Samida, Stefanie/Feuchter, Jörg: Why Archaeologists, Historians and Geneticists Should Work Together – and How, in: Medieval Worlds 21 (2016), S. 5–21, hier S. 6 f. ⮭
- Sozialität und Geschichtlichkeit würden in den biohistories nicht kulturell, sondern biologisch begründet, so Sommer, Marianne: Gen und phylogenetisches Gedächtnis. Individuelle und kollektive genetische Geschichten im Netzwerk von Naturwissenschaft, Identitätspolitik und Markt, in: Lehmann, Johannes Friedrich (Hrsg.): Die biologische Vorgeschichte des Menschen. Zu einem Schnittpunkt von Erzählordnung und Wissensformation, Rombach, Freiburg u. a. 2012, S. 377–391, hier S. 378. ⮭
- Vgl. Labisch, Alfons: Molecular Historiography. Neue Gegenstände und neue Methoden einer neuen Geschichtsschreibung, in: NTM 26 (2018), H. 3, S. 351–366, hier S. 352 f. Zudem wäre die Möglichkeit eines Missverständnisses von genetischer Geschichte im Sinne von Entwicklungsgeschichte ausgeräumt. ⮭
- Vgl. Übersicht über die hochspezialisierten, führenden Laboratorien in Gibbons, Ann: Ancient DNA Divide, in: Science 352, 6292 (2016), S. 1384–1387. Dazu Feuchter, Jörg: Die DNA der Geschichte, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2014. Jüngst wurde den oben genannten vier Instituten sogar vorgeworfen, de facto ein „Oligopol“ für die Hightech-aDNA-Analyse innezuhaben: Lewis-Kraus: DNA (wie Anm. 5). ⮭
- Vgl. auch das Wissenschaftlerporträt von Zimmer, Carl: David Reich Unearths Human History Etched in Bone, in: New York Times, 20.03.2018. ⮭
- Callaway, Ewan: The Battle For Common Ground, in: Nature 555, 29.03.2018, S. 573–576 (ausführlich auch zu Reich); Editorial „Use and Abuse of Ancient DNA“ in derselben Ausgabe, S. 559. ⮭
- Als Pääbo, Direktor des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und Gründervater des Feldes, im September 2018 den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2018 erhielt, meldeten dies alle größeren deutschen Tageszeitungen und Sender. Vgl. z. B. ARD, Tagesschau 07.09.2018, 14:00 Uhr. Eske Willerslev, Direktor des GeoGenetics Centre in Kopenhagen, ist über eine auf seinen Namen lautende Webseite als Redner zu buchen, auf der er als „world famous DNA scientist“ bzw. „world famous scientist and adventurer“ beworben wird, sowie als Träger des Namens „well-known wolf“, der ihm von amerikanischen Ureinwohnern gegeben wurde [https://eskewillerslev.com, Zugriff: 21.12.2018]. Vgl. auch sein Porträt: Zimmermann, Carl: Eske Willerslev Is Rewriting History With DNA, in: New York Times, 16.05.2016. ⮭
- Die Phylogenese ist die stammesgeschichtliche Entwicklung der Lebewesen und ihrer Verwandtschaftsbeziehungen auf allen Ebenen der biologischen Systematik. Der Begriff wird auch für die evolutionäre Entwicklung bestimmter Merkmale verwendet. ⮭
- Vgl. z. B. Tresset, Anne u. a.: Early Diffusion of Domestic Bovids in Europe. An Indicator for Human Contacts, Exchange and Migrations?, in: D’Errico, Francesco/Hombert, Jean Marie (Hrsg.): Becoming Eloquent. Advances in the Emergence of Language, Human Cognition, and Modern Cultures, John Benjamins Publishing Company, Amsterdam/Philadelphia, PA 2009, S. 69–90; Bollongino, Ruth/Thomas, Mark G.: The Palaeopopulationgenetics of Humans, Cattle and Dairying in Neolithic Europe, in: Pinhasi, Ron/Stock, Jay T. (Hrsg.): Human Bioarchaeology of the Transition to Agriculture, Wiley-Blackwell, Hoboken 2011, S. 370–384. ⮭
- Vgl. z. B. Feldman, Michal u. a.: A High-Coverage Yersinia pestis Genome from a Sixth-Century Justinianic Plague Victim, in: Molecular Biology and Evolution 33 (2016), S. 2911–2923; Müller, Romy/Roberts, Charlotte A./Brown, Terence A.: Genotyping of Ancient Mycobacterium tuberculosis Strains Reveals Historic Genetic Diversity, in: Proceedings of the Royal Society, Biological Sciences 281 (2014), 20133236. Vgl. auch die Überblicksdarstellung Spyrou, Maria A. u. a.: Ancient Pathogen Genomics as an Emerging Tool for Infectious Disease Research, in: Nature Reviews Genetics (2019), https://doi.org/10.1038/s41576-019-0119-1. ⮭
- Vgl. Abu El-Haj, Nadia: The Genealogical Science. The Search for Jewish Origins and the Politics of Epistemology, Chicago UP, Chicago, IL 2012, S. 3: Sie definiert Genetic History als „that subfield of anthropological genetics that focuses on „recent“ and population-distinct genealogies“ (ebd., S. 12). Darauf aufbauend, aber spezifizierend hat Feuchter: Mittelalterliche Migrationen (wie Anm. 18), S. 349, vorgeschlagen, Genetic History als auf „politisch-kulturell definierte Menschengruppen [ge]richtet“ zu beschreiben, im Unterschied zur „Beschäftigung mit der menschlichen Gattung als Ganze bzw. mit ihren Arten, oder mit anderweitig biologisch-phänotypisch definierten Menschengruppen“. ⮭
- Zum Begriff z. B. Thuesen, Ingolf/Engberg, Jan: Recovery and Analysis of Human Genetic Material From Mummified Tissue and Bone, in: Journal of Archaeological Science, 17, (1990), S. 679–689, hier S. 688; Renfrew, Colin: Genetics and Language in Contemporary Archaeology, in: Cunliffe, Barry W./Davies, Wendy/Renfrew, Colin (Hrsg.): Archaeology. The Widening Debate, Oxford UP, Oxford u. a. 2002, S. 43–76, hier S. 43. ⮭
- Vgl. die Sammlung von Belegen in Feuchter, Jörg: Mittelalterliche Migrationen als Gegenstand der „Genetic History“, in: Wiedemann, Felix/Hofmann, Kerstin P./Gehrke, Hans-Joachim (Hrsg.): Vom Wandern der Völker. Migrationserzählungen in den Altertumswissenschaften, Excellence Cluster Topoi, Berlin 2017, S. 347–370, hier S. 348. ⮭
- Anders hingegen: Meier, Mischa/Patzold, Steffen: Big Picture? Anmerkungen zu DNA-Analysen und historischen Fragestellungen, in: NTM 26 (2018), H. 3, S. 325–330, hier S. 329. ⮭
- Haak, Wolfgang/Schiffels, Stephan: Möglichkeiten und Grenzen molekulargenetischer Untersuchungen in den Geschichtswissenschaften, in: NTM 26 (2018), H. 3, S. 310–324, hier S. 310. ⮭
- Vgl. z. B. Wahl, Joachim/Cipollini u. a.: Neue Erkenntnisse zur frühmittelalterlichen Separatgrablege von Niederstotzingen, Kreis Heidenheim, in: Fundberichte aus Baden-Württemberg 34 (2014), S. 341–390; Gärtner, Tobias u. a.: Frühmittelalterliche Frauen in Waffen? Divergenzen zwischen der archäologischen und anthropologischen Geschlechtsansprache, in: Bayerische Vorgeschichtsblätter 79 (2014), S. 219–240. ⮭
- Buckley, Richard u. a.: „The King in the Car Park“: New Light on the Death and Burial of Richard III in the Grey Friars Church, Leicester, in 1485, in: Antiquity 87/336 (2013), S. 519–538; King, Turi E. u. a.: Identification of the Remains of King Richard III, in: Nature Communications 5/5631 (2014) [https://doi.org/10.1038/ncomms6631]. Vgl. dazu auch: Samida/Feuchter: Archaeologists (wie Anm. 6), S. 6. ⮭
- Olasz, Judit u. a.: DNA Profiling of Hungarian King Béla III and other Skeletal Remains Originating from the Royal Basilica of Székesfehérvár, in: Archaeological and Anthropological Sciences 10 (2018), S. 1–13. ⮭
- Burger, Joachim/Kaiser, Elke/Schier, Wolfram (Hrsg.): Population Dynamics in Prehistory and Early History. New Approaches Using Stable Isotopes and Genetics, De Gruyter, Boston 2012; Pinhasi, Ron/Stock, Jay T. (Hrsg.): Human Bioarchaeology of the Transition to Agriculture, Wiley-Blackwell, Hoboken 2011; DeSalle, Rob/Tattersall, Ian: Human Origins. What Bones and Genomes Tell Us about Ourselves, Texas A&M UP, College Station, TX 2008. ⮭
- Vgl. Belege dazu bei Feuchter: Migrationen (wie Anm. 18), S. 353 ff. ⮭
- Vgl. einführend Sommer, Marianne: Molecules as Documents of Evolutionary History. Wie Gene Träger der Geschichte des Menschen und der Menschen wurden, in: Figurationen 9 (2008), S. 109–128, hier S. 115; über Zuckerkandl, Emile/Pauling, Linus: Molecules as Documents of Evolutionary History, in: Journal of Theoretical Biology 8 (1965), S. 357–366. Da ihnen DNA-Moleküle technisch noch nicht zugänglich waren, wichen Zuckerkandl und Pauling auf Proteine aus. Zuckerkandl und Pauling hatten beobachtet, dass sich die Aminosäuren des Hämoglobins immer mehr voneinander unterschieden, je weiter sich zwei Arten phylogenetisch voneinander entfernt hatten. Sie gingen deshalb davon aus, dass Gene, die ein bestimmtes Protein codieren, auf die neu entstehenden Spezies übergehen und dass sie sich dort jeweils unterschiedlich weiterentwickeln (Mutation). ⮭
- Diese Annahme basierte auf der sogenannten Neutralen Theorie, die der japanische Genetiker Motoo Kimura publiziert hatte. Vgl. Kimura, Motoo: Evolutionary Rate at the Molecular Level, in: Nature 217 (1968), S. 624 ff. ⮭
- Vgl. kurz einführend Shapiro, Beth/Gilbert, M. Thomas P./Barnes, Ian: Using DNA to Investigate the Human Past, in: Schutkowski, Holger (Hrsg.): Between Biology and Culture. Symposium, Entitled Biological Anthropology at the Interface of Science and Humanities, Cambridge UP, Cambridge 2008, S. 207–242, hier S. 217. ⮭
- Einführend erklärt z. B. in Vgl. Matisoo-Smith, Elizabeth A./Horsburgh, K. Ann: DNA for Archaeologists, Left Coast Press, Walnut Creek 2012, S. 13. ⮭
- Dieser Begriff hat den bis zum Ende des 20. Jahrhunderts zur Bezeichnung der heutigen Menschen und ihrer direkten Vorfahren üblichen des homo sapiens sapiens abgelöst, da die Klassifikation innerhalb der Art homo sapiens gerade durch die mit aDNA möglichen Entdeckungen ins Fließen geraten ist. ⮭
- Vgl. Cann, Rebecca L./Stoneking, Mark/Wilson, Allan C.: Mitochondrial DNA and Human Evolution, in: Nature 325 (1987), S. 31–36, hier S. 35; Luigi Luca Cavalli-Sforza/Albert J. Ammerman: The Neolithic Transition and the Genetics of Populations in Europe, Princeton UP, Princeton 1984. ⮭
- Die nicht-codierenden Sequenzen machen etwa 95 Prozent des menschlichen nuklearen Genoms aus. Proteine sind die Bausteine des Organismus. Sie bestehen aus Ketten von Aminosäuren. Die DNA-Sequenz in den Genen, das heißt den codierenden Bestandteilen der DNA, gibt die Abfolge der Aminosäuren im Protein vor, die wiederum die Funktion des Proteins bestimmt. ⮭
- Dabei macht man sich zunutze, dass jedes Individuum auf den homologen Chromosomen von Mutter und Vater je ein Allel, das heißt eine der möglichen Varianten einer Sequenz an einem bestimmten Ort der DNA (locus), besitzt. Untersucht man mehrere und bestimmte Kombination von loci, lassen sich Abstammungen in beiden Linien bestimmen. ⮭
- Seit 2006 liegen verschiedene neue Verfahren zur DNA-Sequenzierung vor, mit deren Hilfe in sehr kurzer Zeit inzwischen sogar ganze Genome sequenziert werden können. Dis wird auch als 2nd und 3rd generation sequencing bezeichnet. Vgl. Metzker, Michael L.: Sequencing Technologies. The Next Generation, in: Nature Reviews Genetics 11 (2010), S. 31–46. ⮭
- Vgl. Jobling, Mark A.: The Impact of Recent Events on Human Genetic Diversity, in: Philosophical Transactions of the Royal Society of London, B Biological Sciences 367, 1590 (2012), S. 793–799, hier S. 793. ⮭
- Der Begriff founder effect/Gründereffekt bezieht sich auf eine Teilpopulation, die aus unterschiedlichen Gründen, wie z. B. räumliche Trennung der ganzen Teilpopulation oder einzelner Individuen wie im Fall einer Migration, entstanden sein kann, und in der nur ein kleiner Teil des ursprünglichen Genpools vertreten ist. Im Extremfall kann es sich um ein einziges schwangeres Individuum handeln. Bottleneck/Flaschenhalseffekt bezeichnet eine Situation, in der eine Population bis auf wenige Individuen reduziert wird, dann aber wieder signifikant wächst. Vgl. Walter, Sven: Gendrift, in: Sarasin, Philipp/Sommer, Marianne (Hrsg.): Evolution. Ein interdisziplinäres Handbuch, Metzler, Stuttgart 2010, S. 23 f., hier S. 24. ⮭
- Vgl. Shapiro/Gilbert/Barnes: DNA (wie Anm. 28), S. 210 f. ⮭
- Vgl. Orlando, Ludovic u. a.: Recalibrating Equus Evolution Using the Genome Sequence of an Early Middle Pleistocene Horse, in: Nature 499 (2013), S. 74–78. ⮭
- Als Beispiel Higuchi, Russell u. a.: DNA Sequences from the Quagga, an Extinct Member of the Horse Family: in: Nature 312 (1984), S. 282–284; Pääbo, Svante: Molecular Cloning of Ancient Egyptian Mummy DNA, in: Nature 314, (1985), S. 644–945. ⮭
- Als Beispiele Pääbo, Svante/Wilson, Allan C.: Miocene DNA Sequences—a Dream Come True, in: Current Biology 1, (1991), S. 45 f., hier S. 45; Waldron, Tony: DNA in Bones, in: International Journal of Osteoarchaeology 1 (1991), S. 155 f., hier S. 155; Richards, Martin B./Sykes, Brian C./Hedges, Robert E.M.: Authenticating DNA Extracted From Ancient Skeletal Remains, in: Journal of Archaeological Science 22 (1995), S. 291–299, hier S. 291 f.; Jones, Martin K.: The Molecule Hunt. Archaeology and the Search for Ancient DNA, Arcade, London/New York 2001, S. 9. ⮭
- Zum Beispiel Golenberg, Edward M. u. a.: Chloroplast DNA Sequence from a Miocene Magnolia Species, in: Nature 344 (1990), S. 656–658; Cano, Raúl J. u. a.: Bacillus DNA in Fossil Bees. An Ancient Symbiosis?, in: Applied and Environmental Microbiology 60 (1994), S. 2164–2167, hier S. 2164. ⮭
- Vgl. z. B. Handt, Oliva u. a.: Ancient DNA: Methodological Challenges, in: Experientia 50 (1994), S. 524–529. ⮭
- Svante Pääbos spektakuläre erste Analysen von antiken ägyptischen Mumien, die das Feld der Paläogenetik quasi eröffneten, erwiesen sich als kontaminiert. So z. B. im Fall von Pääbo: Mummy (wie Anm. 39), S. 644–945. ⮭
- Vgl. Gilbert, M. u. a.: Assessing Ancient DNA Studies, in: Trends in Ecology & Evolution 20 (2005), S. 541–544, hier S. 541 f.; Mulligan, Connie J.: Anthropological Applications of Ancient DNA. Problems and Prospects, in: American Antiquity 71 (2006), S. 365–380, hier S. 368; Hagelberg, Erika: Analysis of DNA from Bone. Benefits versus Losses, in: Fossheim, Hallvard/Norwegian National Research Ethics Committee (Hrsg.): More than Just Bones. Ethics and Research on Human Remains [o.O. u.V.] (2012), S. 95–112, hier S. 106. ⮭
- Vgl. z. B. Cooper, Alan/Poinar, Hendrik N.: Ancient DNA. Do It Right or Not at All, in: Science, 289 (2000), S. 1139 f.; Gilbert, M. u. a.: Insights into the Processes Behind the Contamination of Degraded Human Teeth and Bone Samples with Exogenous Sources of DNA, in: International Journal of Osteoarchaeology 16 (2006), S. 156–164; Kolman, Connie J./Tuross, Noreen: Ancient DNA Analysis of Human Populations, in: American Journal of Physical Anthropology 111 (2000), S. 5–23; Kirsanow, Karola/Burger, Joachim: Ancient Human DNA, in: Annals of Anatomy 194 (2012), S. 121–132. ⮭
- Vgl. Callaway, Ewen: Plague Genome. The Black Death Decoded, in: Nature 478, 7370 (2011), S. 444 ff. ⮭
- Vgl. Pinhasi, Ron u. a.: Optimal Ancient DNA Yields From the Inner Ear Part of the Human Petrous Bone, in: PLoS ONE 10, e0129102 (2015). ⮭
- Vgl. Slatkin, Montgomery/Racimo, Fernando: Ancient DNA and Human History, in: Proceedings of the National Academy of Sciences USA 113, 23 (2016), S. 6380–6387; Gibbons, Ann: Revolution in Human Evolution, in: Science Magazine 349, 6246 (2015), S. 362–366. ⮭
- Vgl. Hofmann, Daniela: What Have Genetics Ever Done for Us? The Implications of aDNA Data for Interpreting Identity in Early Neolithic Central Europe, in: European Journal of Archaeology 18 (2015), H. 3, S. 454–476, hier S. 458 f.; Deguilloux, M. F. u. a.: European Neolithization and Ancient DNA. An Assessment, in: Evolutionary Anthropology 21 (2012), H. 1, S. 24–37. ⮭
- Vgl. Horsburgh, K. Ann: Molecular Anthropology: the Judicial Use of Genetic Data in Archaeology, in: Journal of Archaeological Science 56 (2015), S. 141–145, hier S. 144. ⮭
- Vgl. Barbujani, Guido/Dupanloup, Isabelle: DNA Variation in Europe. Estimating the Demographic Impact of Neolithic Dispersals, in: Renfrew, Colin/Bellwood, Peter S. (Hrsg.): Examining the Farming/Language Dispersal Hypothesis, McDonald Institute for Archaeological Research, Cambridge 2002, S. 421–433, hier S. 429; Lalueza-Fox, Charles: Bone Collections are DNA Data Banks, in: Grupe, Gisela/Peters, Joris (Hrsg.): Decyphering Ancient Bones. The Research Potential of Bioarchaeological Collections, Springer, Rahden 2003, S. 165–170, hier S. 170; Uthmeier, Thorsten: Unveröffentlichtes Vortragstranskript. Individuen, Gruppen und Identität. Zur Identifikation sozialer Einheiten im Paläolithikum, Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Erlangen, 10.05.2013; Hofmann: Genetics (wie Anm. 49), S. 458; Horsburgh: Anthropology (wie Anm. 50), S. 144. ⮭
- Vgl. zur Debatte um solch einen Fall Haak/Schiffels, Möglichkeiten, S. 320 ff., Meier/Patzold: Picture (wie Anm. 19), S. 327 sowie Feuchter, Jörg: Für einen kritischen Dialog zwischen Geschichtswissenschaft und Genetic History, in: NTM 26 (2018), H. 3, S. 334–340. Vgl. auch die in der Reportage Lewis-Kraus: DNA (wie Anm. 5), artikulierte Kritik in einem anderen Fall. ⮭
- Dazu Jobling, Mark A.: Trouble at the Races, in: Investigative Genetics 5 (2014), S. 14; Jobling, Mark A./Rasteiro, Rita/Wetton, Jon H.: In the Blood. The Myth and Reality of Genetic Markers of Identity, Ethnic Racial Studies 39 (2016), S. 142–161; Thomas, Mark G.: To Claim Someone Has „Viking Ancestors“ Is No Better than Astrology. Exaggerated Claims from Genetic Ancestry Testing Companies Undermine Serious Research into Human Genetic History, in: The Guardian, 25.02.2013. ⮭
- Forum: Genetic History, in: NTM 26 (2018), H. 3, S. 301–350. ⮭
- Jedoch wurden jüngst in einer journalistischen Veröffentlichung erhebliche Zweifel am Funktionieren der Kontrolle von Standards geäußert: Lewis-Kraus: DNA (wie Anm. 5). Es herrsche im Felde selbst „an atmosphere of intense suspicion, anxiety and paranoia, among archeologists and geneticists alike.“ Der Autor beruft sich auf zahlreiche Gespräche mit allerdings meist anonym bleibenden Beteiligten. ⮭
- Vgl. dazu ebenfalls die Reportage von Lewis-Kraus: DNA (wie Anm. 5), mit zahlreichen, allerdings oft nicht namentlich benannten kritischen Äußerungen von Nicht-Genetikern. ⮭
- Vgl. z. B. einführend Pinhasi, Ron u. a.: The Genetic History of Europeans, in: Trends in Genetics 28 (2012), S. 496–505; sowie Allentoft, Morten E. u. a.: Population Genomics of Bronze Age Eurasia, in: Nature 522 (2015), S. 167–172; Haak, Wolfgang u. a.: Massive Migration from the Steppe Was a Source for Indo-European Languages in Europe, in: Nature 522 (2015), S. 207–211; Mathieson, Iain/Lazaridis, Iosif/Rohland, Nadin/Mallick, Swapan u. a.: Genome-wide Patterns of Selection in 230 Ancient Eurasians, in: Nature 528 (2015), S. 499–503. ⮭
- Vgl. Reich, David u. a.: Genetic History of an Archaic Hominin Group from Denisova Cave in Siberia, in: Nature 468 (2010), S. 1053–1060; Meyer, Matthias u. a.: A High-Coverage Genome Sequence from an Archaic Denisovan Individual, in: Science 338 (2012), S. 222–226. 2010 wurde erstmals eine archaische Menschenart nicht zuerst morphologisch, sondern molekular angesprochen. Die Denisova-Menschen teilten wohl mit den Neandertalern einen gemeinsamen Vorfahren, trennten sich aber genetisch von ihnen. Offenbar kam es mehrfach zu Vermischungen diverser archaischer Menschen und Anatomisch Moderner Menschen. ⮭
- Hier konkurrierten das Demic Diffusion Model und das Cultural Diffusion Model, vgl. Price, T. Douglas: The Introduction of Farming in Northern Europe, in: ders. (Hrsg.): Europe’s First Farmers, Cambride UP, Cambridge 2000, S. 260–300; ders. u. a.: Prehistoric Human Migration in the Linearbandkeramik of Central Europe, in: Antiquity 75 (2001), S. 593–603; Zvelebil, Marek: Who Were We 6000 Years Ago? In Search of Prehistoric Identities, in: Renfrew, Colin/Bellwood, Peter S. (Hrsg.): Examining the Farming/Language Dispersal Hypothesis, McDonald Institute for Archaeological Research, Cambridge 2002, S. 41–60. ⮭
- Vgl. z. B. Hofmann: Genetics (wie Anm. 49), S. 457. ⮭
- Lüning, Jens: Einiges passt, anderes nicht. Archäologischer Wissensstand und Ergebnisse der DNA-Anthropologie zum Frühneolithikum, in: Archäologische Informationen 37 (2014), S. 43–51. ⮭
- Vgl. dazu aus den Fächern z. B. Barbujani, Guido/Chikhi, Lounès: Population Genetics. DNA from the European Neolithic, in: Heredity 97 (2006), S. 84 f.; Barbujani, Guido/Dupanloup, Isabelle: DNA Variation in Europe. Estimating the Demographic Impact of Neolithic Dispersals, in: Renfrew, Colin/Bellwood, Peter S. (Hrsg.): Examining the Farming/Language Dispersal Hypothesis, McDonald Institute for Archaeological Research, Cambridge 2002, S. 421–433; Thomas, Julian: Gene-flows and Social Processes. The Potential of Genetics and Archaeology, in: Documenta Prehistorica 33 (2006), S. 51–59; Bramanti, Barbara u. a.: Genetic Discontinuity Between Local Hunter-gatherers and Central Europe’s First Farmers, in: Science 326 (2009), S. 137–140; Skoglund, Pontus u. a.: Origins and Genetic Legacy of Neolithic Farmers and Hunter-gatherers in Europe, in: Science 336 (2012), S. 466–469; Burger, Joachim/Thomas, Mark G.: The Palaeopopulationgenetics of Humans, Cattle and Dairying in Neolithic Europe, in: Pinhasi, Ron/Stock, Jay T. (Hrsg.): Human Bioarchaeology of the Transition to Agriculture, Wiley. Blackwell, Hoboken 2011, S. 370–384. ⮭
- Vgl. Haak u. a.: Migration (wie Anm. 57), S. 210; Mathieson u. a.: Genome-wide Patterns, S. 499–503; aus archäologischer Sicht dazu vorsichtig Burmeister, Stefan: Archaeological Research on Migration as a Multidisciplinary Challenge, in: Medieval Worlds 4 (2016), S. 42–64, hier S. 55 f. ⮭
- Vgl. Allentoft u. a.: Population (wie Anm. 57), S. 167–172; Haak u. a.: Migration (wie Anm. 57), S. 207–211. ⮭
- Die archäologische Forschung tendierte zuletzt eher zum Modell der kulturellen Diffusion und ging davon aus, dass Ideen und Konzepte und maximal eine kleine kulturelle Elite mobil waren. Vgl. Burmeister, Stefan: Archaeology and Migration. Approaches to an Archaeological Proof of Migration, in: Current Anthropology 41 (2000), S. 539–567, hier S. 539. ⮭
- Diese These (bereits im Titel) bei Haak u. a.: Migration (wie Anm. 57), S. 207–211. Vgl. als kritische Stellungnahme: Feuchter: Dialog (wie Anm. 52), S. 336 f. Vgl. auch die Angabe bei Lewis-Kraus: DNA (wie Anm. 5), dass die Aufstellung dieser These beinahe zum Rückzug mehrerer archäologischer Ko-Autoren von der Publikation geführt habe. ⮭
- Vgl. Sommer: Molecules (wie Anm. 26), S. 109–128; Bösl, Elsbeth: Doing Ancient DNA. Zur Wissenschaftsgeschichte der aDNA-Forschung, Transcript, Bielefeld 2017. ⮭
- Vgl. Feuchter: Migrationen (wie Anm. 18), S. 357 ff.; sowie Feuchter: Dialog (wie Anm. 52), S. 337 ff.. ⮭
- Dieses Modell, am Anfang des 20. Jahrhunderts auch als Germanisierungsthese betrieben, ließ sich zum Teil mit Schriftquellen stützen, wird aber seit den 1960er Jahren zunehmend differenziert. Für einen Überblick über den archäologischen Forschungsstand und die Kontroverse vor den aDNA-Studien vgl. Burmeister, Stefan: Archaeological (wie Anm. 63), S. 48–53. Vgl. auch m. w. N. Geary, Patrick J./Veeramah, Krishna: Mapping European Population Movement through Genomic Research, in: Medieval Worlds 4 (2016), S. 65–78, hier S. 67 f. ⮭
- Vgl. Schiffels, Stephan u. a.: Iron Age and Anglo-Saxon Genomes from East England Reveal British Migration History, in: Nature Communications 7 (2016), 10408 EP; Martiniano, Rui u. a.: Genomic Signals of Migration and Continuity in Britain Before the Anglo–Saxons, in: Nature communications 7 (2016), 10326 EP. ⮭
- Vgl. dazu knapp Burmeister: Archaeology (wie Anm. 63), S. 548–552. ⮭
- Vgl. ebd. S. 539 f. ⮭
- Müller-Scheeßel, Nils/Burmeister, Stefan: Einführung. Die Identifizierung sozialer Gruppen. Die Erkenntnismöglichkeiten der prähistorischen Archäologie auf dem Prüfstand, in: Burmeister, Stefan/Müller-Scheeßel, Nils (Hrsg.): Soziale Gruppen – kulturelle Grenzen. Die Interpretation sozialer Identitäten in der prähistorischen Archäologie, Waxmann, Münster 2006, S. 9–38, hier S. 14. In der Debatte auf unterschiedlichen Seiten Bierbrauer, Volker: Zur ethnischen Interpretation in der frühgeschichtlichen Archäologie, in: Pohl, Walter (Hrsg.): Die Suche nach den Ursprüngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, S. 45–84, hier S. 47, 49; Brather, Sebastian: Ethnische Interpretationen in der frühgeschichtlichen Archäologie. Geschichte, Grundlagen und Alternativen, De Gruyter, Berlin 2004; Burmeister, Stefan: Migration und Ethnizität. Zur Konzeptionalisierung von Mobilität und Identität, in: Eggert, Manfred K. H./Veit, Ulrich (Hrsg.): Theorie in der Archäologie. Zur jüngeren Diskussion in Deutschland, Waxmann, Münster 2013, S. 229–268, hier S. 237–240; Gramsch, Alexander: Archäologie und post-nationale Identitätssuche, in: Archäologisches Nachrichtenblatt 10 (2005), S. 185–193, hier S. 189 f.; Siegmund, Frank: Kulturen, Technokomplexe, Völker und Identitätsgruppen. Eine Skizze der archäologischen Diskussion, in: Archäologische Informationen 37 (2014), S. 53–65, hier S. 55 ff. ⮭
- Vgl. u. a. Eggert, Manfred K. H.: Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden, 4. überarb. Aufl., UTB, Tübingen 2012, S. 35 ff. ⮭
- Vgl. Samida/Feuchter: Archaeologists (wie Anm. 6), S. 14. ⮭
- Zur Ankündigung des Projektes und den Erwartungen Geary, Patrick J.: Using Genetic Data to Revolutionalize Understanding of Migration History, 2013 [https://www.ias.edu/ideas/2013/geary-history-genetics, Zugriff: 01.11.2018]; Geary/Veeramah: Mapping (wie Anm. 69), S. 65–78. Auf Seiten der Mediävistik gehörten der Gruppe u. a. Patrick J. Geary und Walter Pohl an. ⮭
- Vgl. Bierbrauer, Volker: Archäologie der Langobarden in Italien. Ethnische Interpretation und Stand der Forschung, in: Pohl, Walter/Erhart, Peter (Hrsg.): Die Langobarden. Herrschaft und Identität, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, S. 21–66. ⮭
- Vgl. Amorim, Carlos Eduardo G./Vai, Stefania/Posth, Cosimo; Modi, Alessandra/Koncz, István/Hakenbeck, Susanne u. a.: Understanding 6th-century Barbarian Social Organization and Migration through Paleogenomics, in: Nature Communications 9 (2018), S. 3547. ⮭
- Vgl. Beispiele bei Feuchter: DNA (wie Anm. 9) und Feuchter: Migrationen (wie Anm. 18). ⮭
- Vgl. als ausführliche Besprechung: Feuchter, Jörg: Aber diese Fremden da sind nicht von hier, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2018. ⮭
- Forum: Genetic History (wie Anm. 54). ⮭
- Samida/Feuchter: Archeologists (wie Anm. 6), S. 8. ⮭
- Hagelberg, Erika/Hofreiter, Michael/Keyser, Christine: Ancient DNA. The First Three Decades, in: Philosophical Transactions of the Royal Society, Series B Biological Sciences 370 (2015), 20130371 [https://doi.org/10.1098/rstb.2013.0371]; Hofreiter, Michael: Spurensuche in alter DNA. Molekulare Paläontologie, in: Biologie in unserer Zeit 39 (2009), S. 176–184; Shapiro, Beth/Gilbert, M. Thomas P. /Barnes, Ian: Using DNA to Investigate the Human Past, in: Schutkowski, Holger (Hrsg.): Between Biology and Culture. Symposium Entitled Biological Anthropology at the Interface of Science and Humanities, Cambridge UP, Cambridge 2008, S. 207–242; Knudson, Kelly J./Stojanowski, Christopher M.: New Directions in Bioarchaeology: Recent Contributions to the Study of Human Social Identities, in: Journal of Anthropological Research 16 (2008), S. 397–432; Kirsanow, Karola/Burger, Joachim: Ancient Human DNA, in: Annals of Anatomy 194 (2012), S. 121–132; Zvelebil, Marek/Weber, Andrzej W.: Human Bioarchaeology: Group Identity and Individual Life Histories. Introduction, in: Journal of Anthropological Archaeology (Preprint) (2012), S. 1–5; Hummel, Susanne: Ancient DNA, in: Henke, Winfried/Tattersall, Ian (Hrsg.): Handbook of Paleoanthropology, Springer, Berlin ²2015, S. 763–790. ⮭
- Als Beispiel Hagelberg/Hofreiter/Keyser: Introduction (wie Anm. 83). ⮭
- Jones: Hunt (wie Anm. 40). ⮭
- Pääbo, Svante: Neanderthal Man. In Search of Lost Genomes, Basic Books, New York 2014. ⮭
- Rutherford, Adam: A Brief History of Everyone Who Ever Lived. The Human Story Retold Through Our Genes, Experiment, London 2016, deutsche Ausgabe: Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat. Was unsere Gene über uns verraten, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2018. ⮭
- Krause, Johannes/Trappe, Thomas: Die Reise unserer Gene. Eine Geschichte über uns und unsere Vorfahren, Ullstein, Berlin 2019. ⮭
- Hummel, Susanne: Ancient DNA Typing. Methods, Strategies and Applications, Springer, Berlin 2003. ⮭
- Shapiro, Beth/Hofreiter, Michael (Hrsg.): Ancient DNA. Methods and Protocols, Humana Press, New York 2012. ⮭
- Jobling, Mark A./Hollox, Edward/Hurles, Matthew/Kivisild, Toomas/Tyler-Smith, Chris: Human Evolutionary Genetics. Origins, Peoples & Disease, Garland Science, New York/Milton Park 2004 (2. Aufl. 2013). ⮭
- Brown, Terence A./Brown, Keri A.: Biomolecular Archaeology. An Introduction, Wiley-Blackwell, Chichester 2011. ⮭
- Stoneking, Mark: An Introduction to Molecular Anthropology, Wiley-Blackwell, Hoboken 2017. ⮭
- Birx, H. James (Hrsg.): 21st Century Anthropology. A Reference Handbook, Sage, Los Angeles u. a. 2010. ⮭
- Grupe, Gisela/McGlynn, George C.: Prähistorische Anthropologie, Springer, Berlin 2015. ⮭
- Vgl. z. B. Henke, Winfried/Tattersall, Ian (Hrsg.): Handbook of Paleoanthropology, Springer, Berlin 22015. ⮭
- Matisoo-Smith/Horsburgh: DNA (wie Anm. 29). ⮭
- Ebd., S. 51–54, 65. ⮭
- Als Beispiele Wahl u. a.: Erkenntnisse (wie Anm. 26), S. 341–390; Gärtner u. a.: Frauen (wie Anm. 21), S. 219–240; Samida/Feuchter: Archaeologists (wie Anm. 6); einordnend Pohl, Walter: Editor’s Introduction. The Genetic Challenge to Medieval History and Archeology, in: Medieval Worlds 21 (2016), S. 2 ff. ⮭
- Vgl. etwa A. Mark Pollard: Isotopes and Impact. A Cautionary Tale, in: Antiquity 85 (2011), S. 631–638, hier S. 637; Horsburgh, K. Ann: Molecular Anthropology: the Judicial Use of Genetic Data in Archaeology, in: Journal of Archaeological Science 56 (2015), S. 141–145, hier S. 141. Seit 2014 liegen die Beiträge zur Tagung der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte „Archäologie und Paläogenetik“ vor, die dem gegenseitigen Kennenlernen und der Verständigung über Begrifflichkeiten und die Validität naturwissenschaftlicher Kompetenzen für (kultur-)historische Fragestellungen diente. Vgl. Archäologische Informationen 37 (2014). Vgl. auch Summer, Michael: Tagungsbericht. Archäologie, Geschichte und Biowissenschaften. Interdisziplinäre Perspektiven, 19.–21.11.2015 Freiburg, Institut für Archäologische Wissenschaften, Abt. Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie und Archäologie des Mittelalters Freiburg/Institut d’histoire romaine Université de Strasbourg/ArcHiMédE Unité Mixte de recherche 7044 Université des Strasbourg, in: H‑Soz-Kult, 01.02.2016 [http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6363, Zugriff: 01.11.2018]. ⮭
- Samida, Stefanie/Eggert, Manfred K. H.: Archäologie als Naturwissenschaft? Eine Streitschrift, Vergangenheitsverlag, Berlin 2013. ⮭
- Killick, David: The Awkward Adolescence of Archaeological Science, in: Journal of Archaeological Science 56 (2015), S. 242–247; Lidén, Kerstin/Eriksson, Gunilla: Archaeology vs. Archaeological Science. Do We Have a Case, in: Current Swedish Archaology 21 (2013), S. 11–20; Larsson, Åsa M.: Science and Prehistory. Are We Mature Enough to Handle it?, Current Swedish Archaology 21 (2013), S. 27–33; Horsburgh, Molecular, S. 141–145; Thomas, Julian: Gene-flows and Social Processes. The Potential of Genetics and Archaeology, in: Documenta Prehistorica 33 (2006), S. 51–59. ⮭
- Vgl. Samida, Stefanie/Eggert, Manfred K. H.: Über Interdisziplinarität. Betrachtungen zur Kooperation von Natur- und Kulturwissenschaften in der Archäologie, in: Hephaistos 29 (2012), S. 9–24, hier S. 15–19; Gramsch, Alexander: Jenseits der Zwei Kulturen. Transfer und Transformation von Daten und Fragen zwischen Disziplinen. Kommentar zu Thomas Knopf und Petra Tillessen/Doris Gutsmiedl-Schümann, in: Meier, Thomas/Tillessen, Petra (Hrsg.): Über die Grenzen und zwischen den Disziplinen. Fächerübergreifende Zusammenarbeit im Forschungsfeld historischer Mensch-Umwelt-Beziehungen [o.V.], Budapest 2011, S. 209–217, hier S. 214; anders Kristiansen, Kristian: Towards a New Paradigm? The Third Science Revolution and its Possible Consequences in Archaeology, in: Current Swedish Archaeology 22 (2014), S. 11–34, hier S. 20 ff., S. 27. ⮭
- Little, Lester K. (Hrsg.): Plague and the End of Antiquity. The Pandemic of 541–750, Cambridge UP, Cambridge u. a. 2007; Linda Clark/Carole Rawcliffe (Hrsg.): Society in an Age of Plague, Boydell Press, Woodbridge u. a. 2013. ⮭
- Green, Monica H.: Genetics as a Historicist Discipline. A New Player in Disease History, Dezember 2014, in: AHR Perspectives on History [https://www.historians.org/publications-and-directories/perspectives-on-history/december-2014/genetics-as-a-historicist-discipline, Zugriff: 01.11.2018]. ⮭
- Vgl. z. B. Buikstra, Jane/Roberts, Charlotte A. (Hrsg.): The Global History of Paleopathology. Pioneers and Prospects, Oxford UP, Oxford u. a. 2012; Uwe Hoßfeld: Geschichte der biologischen Anthropologie in Deutschland. Von den Anfängen bis in die Nachkriegszeit, Steiner, Stuttgart 2016; Tattersall, Ian: Paleoanthropology. The Last Half-Century, in: Evolutionary Anthropology 9 (2000), S. 2–16; Deslisle, Richard G.: Debating Humankind’s Place in Nature 1860–2000. The Nature of Paleoanthropology, Routledge, Upper Saddle River 2007; Goodrum, Matthew R.: The History of Human Origins Research and its Place in the History of Science. Research Problems and Historiography, in: History of Science 47 (2009), S. 337–357; Corbey, Raymond/Roebroeks, Wil (Hrsg.): Studying Human Origins. Disciplinary History and Epistemology, Amsterdam UP, Amsterdam 2001. ⮭
- Vgl. z. B. Schlanger, Nathan: Ancestral Archives. Explorations in the History of Archaeology, in: Antiquity 76 (2002), S. 127–131; Schlanger, Nathan/Nordbladh, Jarl (Hrsg.): Archives, Ancestors, Practices. Archaeology in the Light of its History, Berghahn, Oxford 2008; Vigener, Marie: Tagungsbericht Wissenschaftsgeschichte der Archäologie. Ansätze, Methoden, Erkenntnispotenziale, 25./26.03.2009, Greifswald, in: H‑Soz-Kult, 22.06.2009 [http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2655, Zugriff: 04.11.2018]; Veit, Ulrich: Wissenschaftsgeschichte, Theoriedebatte und Politik. Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie in Europa am Beginn des dritten Jahrtausends, in: Biehl, Peter F./Gramsch, Alexander/Marciniak, Arkadiusz (Hrsg.): Archäologien Europas. Geschichte, Methoden und Theorien, Waxmann, Münster 2002, S. 405–419; Reichenbach, Karin/Rohrer, Wiebke: Wissenschaftsgeschichte der Archäologie. Ansätze, Methoden, Erkenntnispotenziale. Sektion der Theorie-AG bei der Jahrestagung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung e. V. in Greifswald, 25.–26.03.2009, in: Archäologisches Nachrichtenblatt 15 (2010), S. 330–333. ⮭
- Vgl. García-Sancho, Miguel: Biology, Computing, and the History of Molecular Sequencing. From Proteins to DNA, 1945–2000, Palgrave Macmillan, Basingstoke/New York 2012; Tamborini, Marco: Die Wurzeln der ideographischen Paläontologie. Karl Alfred von Zittels Praxis und sein Begriff des Fossils, in: NTM 23 (2015), S. 117–142; Tamborini, Marco: Paleontology and Darwinian Theory of Evolution. The Dangerous Role of Statistics at the End of the 19th Century, in: Journal of the History of Biology 48 (2015), S. 575–612; Morange, Michel: A History of Molecular Biology, Harvard UP, Cambridge, MA/London 1998. ⮭
- Zum ancestry testing vgl. Egorova, Yulia: DNA Evidence? The Impact of Genetic Research on Historical Debates, in: BioSocieties 5 (2010), S. 348–365; Parfitt, Tudor/Egorova, Yulia: Genetics, Mass Media, and Identity. A Case Study of the Genetic Research on the Lemba and the Bene Israel, Routledge, Abingdon u. a. 2006; Sommer: Molecules, S. 109–128; Sommer, Marianne: DNA and Cultures of Remembrance. Anthropological Genetics, Biohistories and Biosocialities, in: BioSocieties 5 (2010), S. 366–390; zum human genome diversity Project Reardon, Jenny: Race and Biology. Beyond the Perpetual Return of Crisis, in: NTM 16 (2008), S. 373–377; Reardon, Jenny: The Human Genome Diversity Project. What Went Wrong, in: Harding, Sandra G. (Hrsg.): The Postcolonial Science and Technology Studies Reader, Duke UP, Durham, NC/London u. a. 2011, S. 321–342. ⮭
- Sommer, Marianne: History Within. The Science, Culture, and Politics of Bones, Organisms, and Molecules, Chicago UP, Chicago, IL 2016. Zuvor Sommer, Marianne: Evolutionäre Anthropologie zu Einführung, Junius, Hamburg 2015. ⮭
- Spörri, Myriam: Reines und gemischtes Blut. Zur Kulturgeschichte der Blutgruppenforschung, 1900–1933, Transcript, Bielefeld 2013. ⮭
- Lipphardt, Veronika: Biologie der Juden. Jüdische Wissenschaftler über „Rasse“ und Vererbung 1900–1935, Vandenhoeck & Rupprecht, Göttingen, 2008. ⮭
- Gordin, Michael D.: Comment. Evidence and the Instability of Biology, in: American Historical Review 119 (2014), S. 1621–1629. ⮭
- Vgl. Samida/Feuchter: Archaeologists (wie Anm. 6), S. 5–21. ⮭
- [o.V.]: Source Material. Geneticists and Historians Need to Work Together on Using DNA to Explore the Past, in: Nature 533 (2016), S. 437–438. Eher besorgt auch: Keupp, Jan: Blogeintrag: Kein Wunder nirgendwo – die genetische Herausforderung der Geschichte, 01.12.2014 [https://mittelalter.hypotheses.org/4734, Zugriff: 01.11.2018]. ⮭
- Gemeint sind Unternehmen wie 23andme, deCODEme, ancestry.com, iGENIA und insbesondere die Firma Oxford Ancestors des britischen Humangenetikers Brian Sykes. ⮭
- Besonders deutlicher, auch öffentlich geäußerter Protest wurde dem britischen Humangenetiker Brian C. Sykes zuteil, der ein Ancestry-Testing-Unternehmen, Oxford Ancestors, betreibt und 2002 ein kommerziell höchst erfolgreiches Buch „The Seven Daughters of Eve“ (W.W. Norton, London 2001) herausbrachte. Darin präsentierte er im Romanstil sentimentale Lebensgeschichten von sieben angeblichen Clanmüttern, die die Vorfahrinnen der heutigen Europäer darstellen sollten. Die Hypothese von sieben maßgeblichen europäischen Haplotypen, das heißt mitochondrialen Vererbungslinien, die er als unbestechliches und wahres Vergangenheitswissen deklarierte, ist wissenschaftlich längst überholt. Zur Kritik Hagelberg, Erika: Book Review: The Seven Daughters of Eve, in: Heredity 89 (2002), S. 77; Bandelt, Hans-Jürgen/Yao, Yong-Gang/Richards, Martin B./Salas, Antonio: The Brave New Era of Human Genetic Testing, in: BioEssays 30 (2008), S. 1246–1251, hier S. 1246–1247; Svante Pääbo in Herden, Birgit: Ahnensuche im Schmelztiegel, in: Sueddeutsche.de, 19.05.2010 [http://www.sueddeutsche.de/wissen/erbgut-ahnensuche-im-schmelztiegel-1.913522, Zugriff: 30.10.2018]; Nelson, Alondra: Elizabeth Warren and the Folly of Genetic Ancestry Testing, in: New York Times, 17.10.2018 [https://www.nytimes.com/2018/10/17/opinion/elizabeth-warren-and-the-folly-of-genetic-ancestry-tests.html, Zugriff: 21.12.2018]. ⮭
- Jobling: The Impact (wie Anm. 35), S. 797. ⮭
- Svante Pääbo in Herden: Ahnensuche (wie Anm. 117). ⮭
- Thomas: To Claim (wie Anm. 53). ⮭
- Vgl. TU Darmstadt: Podiumsdiskussion: Geschichte als Naturwissenschaft? Podiumsdiskussion zu Perspektiven biologischer Forschung in der Geschichtswissenschaft, Darmstadt 26.01.2016; publiziert z. Tl. in: Forum: Genetic History (wie Anm. 54), S. 301–350. Eine andere Veranstaltung angekündigt in: Universität zu Köln: a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, Konferenzprogramm: Urkunde – DNA – Fingerabdruck: Wer kann wie Geschichte erforschen?, in: H‑Soz-Kult, 17.06.2016 [http://hsozukult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=31062, Zugriff: 10.11.2018]. ⮭
- AHR Roundtable: History Meets Biology, American Historical Journal 119 (2014), H. 5, S. 1492, 1494. ⮭
- ZZF/Humboldt Universität zu Berlin (Hrsg.): Programm: Genetic History. A Challenge to Historical and Archaeological Studies, Potsdam, 01.–02.10.2015 [http://www.genetic-history.com/wissenschaft/programm.htm, Zugriff: 01.11.2018]; The Genetic Challenge to Medieval History and Archaeology—Volume 4. Medieval Worlds: 2016 [http://www.medievalworlds.net/8084-5inhalt?frames=yes]. In ihrer Einleitung bringen Samida und Feuchter ihr Anliegen und ihre Erfahrungen mit der Genetic History zum Ausdruck. Vgl. Samida/Feuchter: Archaeologists (wie Anm. 6), S. 5–21. ⮭
- Vgl. NTM-Redaktion: Forum: Genetic History, in: NTM 26 (2018), H. 3, S. 301 f. ⮭
- Beteiligt sind als Direktoren Johannes Krause vom MPI für Menschheitsgeschichte Jena, Michael McCormick vom Department of History in Harvard und Chair der „Initiative for the Science of the Human Past“, Philipp W. Stockhammer von der LMU München, Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie, sowie David Reich von der Harvard Medical School [https://www.archaeoscience.org/, Zugriff: 01.11.2018]. ⮭
- Vgl. Feuchter: DNA (wie Anm. 9); McCormick, Michael: Molecular Middle Ages. Early Medieval Economic History in the Twenty-First Century, in: Davis, Jennifer R./McCormick, Michael (Hrsg.): The Long Morning of Medieval Europe. New Directions in Early Medieval Studies. Conference: New Directions 2. The Early Middle Ages Today, Routledge, Aldershot 2008, S. 83–97, hier S. 86–89, 95 ff. ⮭
- Droysen, Johann Gustav: Grundriß der Historik, Veit, Leipzig 1868. ⮭
- Snow, Charles P.: The Two Cultures and the Scientific Revolution, Cambridge UP, Cambridge 1959. ⮭
- Little, Lester K.: Review Article: Plague Historians in Lab Coats, in: Past&Present (2011), H. 213, S. 267–290, hier S. 286. ⮭
- Rose, Nikolas: The Human Sciences in a Biological Age, in: Theory Culture Society 30 (2013), S. 3–34, hier S. 24. ⮭
- Thomas, Julia Adeney: History and Biology in the Anthropocene. Problems of Scale, Problems of Value, in: American Historical Review 119 (2014), S. 1587–1607, hier S. 1603. ⮭
- Thomas: History (wie Anm. 131), S. 1603. Ähnlich bei Gordin, Michael: Comment: Evidence and the Instability of Biology, in: American Historical Review 119 (2014), S. 1621–1629, hier S. 1621. ⮭
- McCormick, Michael: Molecular Middle Ages. Early Medieval Economic History in the Twenty First Century, in: Davis, Jennifer R./McCormick, Michael (Hrsg.): The Long Morning of Medieval Europe. New Directions in Early Medieval Studies, Routledge, Aldershot u. a. 2008, S. 83–97. ⮭
- Dazu sehr gut: Gordin: Comment (wie Anm. 132), S. 1621–1629. ⮭
- Vgl. Kuhn, Thomas S.: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1987, S. 116, 123. ⮭
- So bei Meier/Patzold: Picture (wie Anm. 19), S. 326 f. ⮭
- Vgl. dazu z. B. Geulen, Christian: Wahlverwandte. Rassendiskurs und Nationalismus im späten 19. Jahrhundert, Hamburg 2004; Geulen, Christian: Geschichtswissenschaft, in: Sarasin, Philipp/Sommer, Marianne (Hrsg.): Evolution. Ein interdisziplinäres Handbuch, Metzler, Stuttgart 2010, S. 234–242; AHR Roundtable, S. 1492, 1494. ⮭
- Reardon, Jenny: Race to the Finish. Identity and Governance in an Age of Genomics, Princeton UP, Princeton 2005; Spencer, Quayshawn: Philosophy of Race Meets Population Genetics, in: Studies in History and Philosophy of Biological and Biomedical Sciences 52 (2015), S. 46–55. ⮭