Einleitung: Radio und Geschichte

Im Stimmland, da gibts auch einen Schwarzwald und auch Dörfer, auch Städte, auch Flüsse, auch Wolken, genau wie auf der Erde. Nur kann man sie auf der Erde nicht sehen, nur hören. Und so sieht man auch auf der Erde nicht, sondern hört nur alles, was sich im Stimmland begibt. Kaum aber seid Ihr eingetreten, so werdet Ihr drinnen Euch ebensogut zurechtfinden wie hier. 1

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Historiker_innen des 20. Jahrhunderts waren lange Zeit erstaunlich uninteressiert an einem der, wenn nicht dem wichtigsten Medium dieser Epoche: dem Radio. Besonders in globaler Perspektive wird seine Zentralität deutlich: Noch 2023 erhob eine Umfrage von 43.000 Internetnutzer_innen aus 22 Ländern, dass in allen Altersgruppen eine Mehrheit der Befragten in den letzten drei Monaten Radio gehört hatte.2 Auch wenn in Deutschland die Nutzungsdauer von Fernsehen und Radio in den letzten Jahren gesunken ist, bleibt das Radio mit 112 Minuten Nutzung am Tag hinter dem Fernsehen (117 Minuten) das an zweiter Stelle am häufigsten genutzte Medium; ebenso hat es den zweitweitesten Nutzer_innenkreis (78 Prozent), noch vor Mediatheken, Musikstreaming und Podcasts.3 So bleibt das dem Pionier der Rundfunkgeschichte Asa Briggs zugeschriebene – auf den Rundfunk insgesamt, also inklusive TV gemünzte – Zitat gültig: „To write the history of broadcasting in the 20th century is in a sense to write the history of everything else.“4

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Umso erstaunlicher scheint es, dass Historiker_innen das Medium immer noch oft ignorieren.5 Trotz des Aufstiegs der sound studies gilt weiterhin: „[M]ost historians remain deaf. We scrutinize written words, and sometimes images, but ignore sound.“6 Das liegt an einer generellen Bevorzugung schriftlicher Quellen in der Profession, aber auch an einer speziellen Archivsituation: Obwohl die meisten Radiostationen über Archive verfügen, sind diese zur Nutzung durch die im Radio selbst Arbeitenden gedacht, nicht für Historiker_innen. Aufgehoben wurden Aufnahmen, die später noch einmal im Sendebetrieb genutzt werden konnten. Insbesondere aus dem alltäglichen Programm, jenseits großer Ereignisse und Reden oder Auftritten berühmter Politiker_innen, Künstler_innen und so weiter, sind uns zumindest für die ersten circa 50 Jahre des Radios wenig Aufnahmen erhalten. Dazu sind Tonaufnahmen schwieriger aufzubewahren als Papier, und Rundfunkstationen waren oft primäre Ziele in den Kriegen, Putschen und sonstigen Konfliktsituationen des 20. Jahrhunderts. Viele Tonarchive sind lückenhaft. Wichtige Stationen haben Archive, die sich mehr für die Institution selbst interessieren als ihren Output, und die zudem ihre eigene globale Reichweite ignorieren, um nationale Geschichten zu bewahren: „The BBC Archive“, schreibt Daniel Morse über die an mehreren Orten verteilten Quellen der BBC, „doesn’t exist“.7 „[I]t is [.] very difficult to hear the sounds of radio from the first half of the twentieth century due to the poor survival rate of recorded radio material. Many contemporaries did not deem broadcast sounds worthy of recording or preservation“, schließt Simon Potter.8 Hier muss angefügt werden: Im größten Teil der Welt gilt das auch für die zweite Hälfte des Jahrhunderts, ebenso wie in Europa und den USA, wenn man nicht nur große privatwirtschaftliche, öffentlich-rechtliche oder staatlich kontrollierte Sender, sondern auch die Unzahl an alternativen, Freien, universitären, Community- und Piratenradios, oder die ebenso unzähligen klandestinen, externen und Guerilla-Sender mit einbeziehen will, die einen nicht unwesentlichen Anteil an der Konfliktgeschichte, der Sozial- und Kulturgeschichte der Welt im 20. wie 21. Jahrhundert hatten, aber jeweils oft nicht lange existierten und kaum Archive hinterließen.9

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Eine ernst zu nehmende Geschichte des Radios kann jedoch nicht geschrieben werden, ohne sie solchermaßen institutionell und geografisch zu dezentrieren. Die Geschichte des Radios ist eine globale – nicht nur, weil es sich gerade außerhalb Europas und der USA lange Zeit als wichtigste Quelle für Information und Unterhaltung hielt, sondern auch deswegen, weil es schon bei seiner Einführung als ein Medium imaginiert wurde, das planetar wirksam sein und Gesellschaften jenseits der nationalen (sei es eine liberal-kosmopolitische, eine revolutionär-proletarische oder eine Gemeinschaft der Nationen) ansprechen konnte.10 Besonders die relativ preiswert zu betreibenden Kurzwellensender, die mit ihren zwischen Ionosphäre und Boden hin und her reflektierenden Raumwellen bei günstigen Wetterbedingungen sehr große Reichweiten erlangen können, ermöglichten schon ab Mitte der 1920er Jahre weltweite Ausstrahlung.11 Allerdings blieb die Historiografie auch zum Radio in Europa und den USA lange auf die Nation beschränkt. Außerhalb Europas, und außerhalb der Geschichtswissenschaft, wurde die Relevanz des Mediums für eine globale Kultur- und Sozialgeschichte früher erkannt. Insbesondere die Anthropologie öffnete sich früh für die cultural studies und ihre popularen Soziologien des Rundfunks. Bereits in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts erweiterte das entstehende Teilfeld der Medienanthropologie nicht nur die Themen der Radiostudien, sondern auch ihre theoretischen und methodischen Instrumente. Es waren anthropologische Arbeiten aus nichteuropäischen Kontexten, die zunächst den zirkulären Ansatz der cultural studies (in dem ein Feedback-Loop Rezeption über deren gesellschaftliche Wirkungen an die Produktion rückbindet) radikalisierten, um ihn schließlich zu überwinden.12 In den letzten Jahren kommen auch aus der Literaturwissenschaft wichtige Arbeiten, die das dialektische Zusammenspiel zwischen der Herausbildung antikolonialer Nationalkulturen und imperialer Radiokultur aufzeigen. Dazu bildet Intermedialität einen wichtigen Ansatz, um Effekte des Radios über die reine Rezeptionssituation vor dem Gerät hinaus zu untersuchen.13 Gleichzeitig demonstrieren historische und politikwissenschaftliche Forschungen aus Asien, Afrika und Lateinamerika die multiplen Ebenen der Entwicklung alternativer Modernen im und durch das Radio ebenso wie die zentrale Rolle des Mediums in lokalen und globalen Konfliktkonstellationen im Kontext des Kalten Krieges.14

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In dieser globalen Perspektive hat sich inzwischen eine kleine, aber reichhaltige und vielfältige Disziplin zwischen Radio und sound studies entwickelt, die angetreten ist, Briggs’ These zu untermauern: Um das 20. Jahrhundert zu verstehen, muss man das Radio verstehen. Dabei musste sich die Radiogeschichte in den 1990er Jahren – der frühen Phase ihrer Entstehung – zunächst einmal von dem Erbe der einer auf Institutionen und Verwaltung fokussierten Geschichtsschreibung zentraler Radiostationen befreien. Frühe Werke der Geschichte des Radios in Großbritannien15, Frankreich16 oder Deutschland17 konzentrierten sich auf politische, manchmal auch technische, Aspekte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seiner Organisation. Ähnliches gilt für andere Weltgegenden.18 Der Rundfunk war hier – im breiteren Kontext einer national ausgerichteten Zeitgeschichtsschreibung – Teil einer Politikgeschichte der Nation, als deren Sprachrohr er wie selbstverständlich angenommen wurde. Wenige Werke behandelten das Radio aus sozialhistorischer Perspektive.19

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Doch unter dem Eindruck der cultural studies und der Medienanthropologie wandelte sich auch die Geschichtsschreibung dem Radio als kulturellem und sozialen Faktor zu. Entsprechend kam dieser Ansatz zuerst in der englischsprachigen Welt auf. In den USA war es die Historikerin Michele Hilmes, die mit ihrem Buch „Radio Voices“20 aufzeigte, wie eine Geschichte des Radios zu einer kritischen Geschichte der Nation beitragen konnte. Das Radio, demonstrierte sie, konnte noch mehr als die von Benedict Anderson beschriebene print culture des 19. Jahrhunderts zu einer imagined community beitragen, da es die simultane Erfahrung, die Zeitungen nur vermittelt herstellten, ,live‘ und direkt produzieren konnte. Dies galt zumal in den Vereinigten Staaten, in denen Zeitungen ein primär lokales Medium geblieben waren.21 In Deutschland markiert das von Inge Marßolek und Adelheid von Saldern gemeinsam mit weiteren Autorinnen kollektiv verfasste Standardwerk über Radio im Nationalsozialismus und in der DDR22 die Etablierung einer kultur- und sozialhistorischen Auseinandersetzung mit dem Radio. Darin analysieren die Autorinnen in einem Dreischritt von Produktionssphäre über das Programm hin zur Aneignung des Programms durch die Hörer_innen das Radio als zirkuläres Medium, dem zuerst von Stuart Hall entworfenen Schema23 folgend. Die meisten dieser Arbeiten blieben aber weiterhin auf eine (wenn auch kritisch-konstruktivistische) nationale Perspektive beschränkt. Während im Zuge der Geschichte des Kalten Kriegs auch die Auslandspropagandasender verschiedener Parteien Aufmerksamkeit erhielten, etabliert sich erst in den letzten zehn Jahren ein transnationaler Ansatz.24 Zur selben Zeit nahm die Radiogeschichte immer stärker Ansätze aus den sound studies auf, die nicht nur den Ton des Radios selbst, sondern auch der Kontexte, in denen es gehört wurde, berücksichtigten.25

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In der Folge, so soll hier gezeigt werden, haben sich sowohl die Themen als auch die Ansätze der Radiogeschichte wesentlich ausdifferenziert. Dabei schälen sich insbesondere zwei Tendenzen heraus: ein Interesse für die gemeinschaftsstiftende Rolle des Radios jenseits der Nation, seien es lokale oder internationale Radios, ideologische, kulturelle, alternative oder literarische Gemeinschaften, oft zusammengehalten durch die Stimme (oder Stimmen) des Radios, und ein neuer Blick auf die (technischen und institutionellen) Infrastrukturen des Radios im globalen Kontext. Radios sind nicht einfach nur Medien, die zu Hörer_innen sprachen; sie sind vielmehr komplexe Institutionen, die von verschiedenen Akteuren zu politischen, diplomatischen, militärischen, kulturellen Zwecken eingesetzt wurden, und deren ,Output‘ nicht allein im Radioprogramm selbst liegt. Diese Erkenntnis, so werde ich zeigen, ist vor allem in der Forschung zum außereuropäischen und internationalen Radio entstanden. Die Radiogeschichte Europas und der USA täte gut daran, mehr zu rezipieren, was sich außerhalb ihres geografischen und disziplinären Fokus abspielt. Auch heute noch sind viele (methodisch und empirisch) originelle Arbeiten in diesen Feldern zu finden.

Das Radio als soziopolitische Infrastruktur

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Während die kultur- und medienhistorischen Ansätze sich zu Recht von allzu sehr administrativ fokussierten Institutionengeschichten absetzten, vernachlässigten sie die Institutionen selbst allerdings auch. In den letzten Jahren ist eine Rückkehr zu verzeichnen, die aber im Sinne einer modernen Institutionengeschichte26 kultur-, ideen- und sozialhistorische Ansätze integriert und Infrastrukturen sowie Akteure in den Vordergrund rückt. So hat David Hendy mit seinem Buch „The BBC. A People’s History“27 einen Gegenentwurf zu Briggs’ Geschichte der BBC ,von oben‘ vorgelegt, der sie in die Sozial- und Kulturgeschichte Großbritanniens einbettet und ihre Mitarbeiter_innen ins Zentrum dieser „one of the most extraordinary creative communities of the past century“ (S. 6) stellt. Einen ähnlichen Fokus darauf, eine Institution sozusagen aus ihrer Mitte heraus – der Ebene der Redakteur_innen, Journalist_innen, Moderator_innen, technischem Personal – zu beschreiben, nimmt der südafrikanische Medienwissenschaftler Blessed Ngwenya28 vor: Um die Frage zu beantworten, wie unabhängig ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk wie die South African Broadcasting Corporation (SABC) tatsächlich ist, könne nicht von legalen, politischen oder ökonomischen Formalia ausgegangen werden. Stattdessen müsse, so argumentiert er, zunächst geklärt werden, was die darin Arbeitenden unter ,Unabhängigkeit‘ verstehen, um dann diesen Maßstab an die Praxis der Station anzulegen. Ngwenya bedient sich dazu auch Ansätzen aus der dekolonialen Theorie, die in Kritiken an Theoretikern wie Jürgen Habermas und Ralf Dahrendorf die Öffentlichkeiten im postkolonialen Afrika in eine Kontinuität mit Ideen zu Staatsbürgerschaft, Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit in kolonialen Kontexten stellen. Dabei hinterfragt Ngwenya auch die spezifisch südafrikanischen Modelle nationaler Einheit und Öffentlichkeit, wie sie seit 1994 diskutiert und im Umbau der Gesellschaft nach der Apartheid implementiert werden.

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Ngwenyas Ansatz, die formal gegebene Unabhängigkeit einer Rundfunkstation mit Quellen ,von unten‘ aus dem Arbeitsalltag der Akteure zu hinterfragen, verkompliziert die post-Apartheid-Geschichte des Senders, aber auch generell die in früheren Institutionengeschichten oft als Grundlage gesetzten Parameter. Angesichts aktueller Diskussionen um die Rolle des Öffentlichen Rundfunks in Deutschland oder dem Vereinigten Königreich ist er nicht nur für eine dekoloniale Analyse von Medien des Globalen Südens, sondern auch in den ehemaligen Metropolen fruchtbar. Was ,Unabhängigkeit‘ heißt, stellt sich je nach historischem Kontext und Perspektive ganz unterschiedlich dar. Ngwenya zeigt auf, dass die jeweils praktische Umsetzung der Unabhängigkeit der SABC und ihrer Rolle für die Gestaltung einer südafrikanischen Öffentlichkeit in den politökonomischen Kontext der Jahre nach der Apartheid gestellt werden muss. Mehrere makroökonomische Strategien wechselten sich hier ab und beeinflussten auch immer die Gesetzgebung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk, seine Finanzen und die politische Einflussnahme über den Rundfunkrat. Vor allem aber verschiebt seine Perspektive ,von unten‘ das Verständnis von ,Unabhängigkeit‘ von einem legalistischen (in den oberen Etagen der SABC geteilten) Begriff hin zu einem praxeologischen, der auf die Möglichkeiten der verschiedenen Mitarbeiter_innengruppen abstellt, im Alltag unbehelligt von Kontrolle und Zensur (sei es durch privatwirtschaftliche oder politische Akteure) journalistisch zu arbeiten.

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Dieser praxeologische Fokus auf die Akteure, die Institutionen schaffen und prägen, muss sich nicht auf die ,klassischen‘ Rundfunkmitarbeiter_innen beschränken. So stellt der Medienhistoriker Josh Shepperd29 vielfältige Akteursgruppen in den Mittelpunkt seiner Geschichte des public radio in den USA. Diese reichen von der Rundfunkpraxis in universitären Bildungsradios über Beamte in der Administration der „New Deal“-Ära hin zu soziologischen Forschungsprojekten, die Grundlagen quantitativer und qualitativer Sozialforschung, aber eben auch von Sendern wie NPR und PBS legten. Er ergänzt damit das seit Hilmes etablierte Narrativ, wonach die USA durch Fragmentierung der Medienlandschaft, ein frühes ,Scheitern‘ erster Ansätze eines stärker bildungsorientierten Rundfunks im öffentlich-rechtlichen Modell und die Fokussierung auf privatwirtschaftlich betriebene Rundfunkmedien einen Gegenentwurf zur britischen BBC bildeten. Die Geschichte der Etablierung des National Public Radio (NPR) und des TVSenders Public Broadcasting Service (PBS) stellt Shepperd dagegen als erfolgreiche Durchsetzung einer heterogenen „strategischen Allianz“ von Bürokrat_innen, Aktivist_innen und Akademiker_innen dar. Als Reaktion auf das erwähnte ,Scheitern‘ entwickelten sie zwischen 1930 und 1960 originelle Konzepte für ein Radio mit Bildungsauftrag und bauten eine Infrastruktur auf, die ohne Werbeeinkommen florieren und ein alternatives Verständnis der Rolle von Massenmedien entwickeln konnte. Dieses Netzwerk, „the largest media reform movement of the New Deal“ (S. 3)30, half dabei, eine landesweite Infrastruktur von Bildungssendern – meist an Universitäten angeschlossen – zu schaffen und zu betreiben, die in vieler Hinsicht die Grundlage für das amerikanische public radio-Modell wurde. Nicht nur waren frühe Experimente in der Fernlehre via Radio dabei wichtig, sondern die geschickte Einbindung in den „New Deal“ ermöglichte auch die Durchsetzung eines Ethos, der in einer auf kommerzielle Betreiber fokussierten Medienlandschaft ein öffentlich-rechtliches Konglomerat etablieren konnte. Dazu kam deren Konsolidierung in Kombination mit ernsthafter soziologischer Forschung, die in Form des Princeton Radio Research Projects (PRRP), an dem neben anderen auch Paul Lazarsfeld und Theodor Adorno beteiligt waren, neue Maßstäbe quantitativer Sozialforschung setzte.

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Gerade mediale Akteure an den Rändern der ,offiziellen‘, privatwirtschaftlichen oder staatlichen beziehungsweise öffentlich-rechtlichen Institutionen sind es, deren Beitrag zu medialer Kultur, Medienfreiheit und -unabhängigkeit stärker betont wird. Während im Kontext von Ländern des Globalen Südens insbesondere die sogenannten community radios – unkommerzielle, von NGOs und zivilgesellschaftlichen Gruppen betriebene, sich oft an eine bestimmte lokale und/oder Sprach-Gemeinschaft richtende Lokalradios mit begrenzter Reichweite – schon seit längerer Zeit Medienwissenschaftler_innen und Historiker_innen beschäftigen31, sind Ansätze einer ausführlichen Geschichte der (medien)politisch radikaleren, stärker mit der Neuen Linken verbundenen Freien Radios in europäischen Ländern noch rar.32 Die amerikanische Kommunikationswissenschaftlerin und Technologiehistorikerin Christina DunbarHester33 zeichnet die Geschichte der USamerikanischen Version dieses Medienaktivismus nach und beschäftigt sich mit den „Low Power FM“ (LPFM) Sendern, ihrem Kampf um Lizenzen, aber vor allem mit der Rolle der Medienaktivist_innen in der technischen Selbstermächtigung. Sie fokussiert auf Medienaktivist_innen, die durch die USA reisten, um lokale Communitys beim Aufbau eigener LPFM-Stationen zu unterstützen. Wie auch im deutschen und französischen Fall ordnet sich diese grassroot-Bewegung für lokales Senden ,von unten‘ – trotz ihrer Entstehung im Kontext radikaler Bewegungen der Neuen Linken – in seit Bestehen des Mediums existierende Diskussionen um das demokratische Potenzial des Radios und die dafür notwendige technische, politische und institutionelle Struktur ein.34 Ein wichtiger Aspekt dieser Bewegungen war immer die Ausweitung von technischer Expertise und media literacy. Dieser Prozess, so Dunbar-Hester, lief nicht ohne Konflikte ab, da die durch die Expertise gespiegelten Machtbeziehungen (von Klasse, race, Geschlecht) in einer Bewegung, die von sich beanspruchte, emanzipatorisch zu sein, immer wieder neu verhandelt werden mussten. Zudem – auch dies verbindet frühe Bewegungen zur Aneignung des Radios mit diesen späteren und aktuellen – wurde das gemeinsame Arbeiten und Basteln („tinkering“) selbst zu einer Aktivität, die Gemeinschaft stiften konnte. Die Aktivist_innen bedienten sich dazu aus dem Fundus amerikanischer, nicht nur linker, Do-it-yourself-Traditionen. So veranstalteten sie sogenannte „barn raisings“, die auf einen älteren Pioniergeist zurückverweisen, um lokal innerhalb weniger Tage selbstgebaute LPFM-Sender einzurichten und den Aktivist_innen vor Ort gleichzeitig beizubringen, diese zu betreiben.

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Ähnliche gemeinschaftsstiftende Effekte des Radios – sobald man es als in soziale Kontexte eingebettet historisiert, die auf Produktions- wie auf Rezeptionsseite vielfältige Formen annehmen, Institutionen formen und Programme beeinflussen – zeigen Studien zu community radios, Lokalsendern, klandestinen und internationalen Sendern jenseits der USA und Europa auf.35 Auch staatliche Radios, selbst in rigide kontrollierten und zensierten Institutionen, können so produktiv als flexible, sozial eingebettete Medien analysiert werden. Dies arbeitet beispielsweise der chinesische Medienwissenschaftler Wei Lei in seiner Pionierstudie zur Geschichte des Radios in China36 heraus. Während dem Radio vor der Mao-Ära klassische Aufgaben wie die Unterstützung der Nationsbildung zugeschrieben wurden, dies aber durch Fragmentierung des privaten Rundfunks, Konzentration des Besitzes von Geräten auf städtische Eliten im Osten und die Bürgerkriege sowie japanische Kolonisierung der Mandschurei behindert war, konnte die Kommunistische Partei unter Mao das System zentralisieren, kommunales Hören über Lautsprecher als landesweiten Standard setzen und so die Kommunikation der Partei an die Massen in den Vordergrund stellen. Im China nach Mao hat die Öffnung der Medien für den privaten Sektor zum einen Fragmentierung und Adaption ermöglicht. Zugleich konnte aber auch immer die „complicity between the Chinese state and the market“ (S. 86) aufrechterhalten werden, so etwa in den Radionachrichten, die weiterhin die Legitimität der Kommunistischen Partei Chinas nicht infrage stellen dürfen. Die zunehmende Rolle einer technology of intimacy, die das Radio im China nach Mao einnimmt, ist auf widersprüchliche Arten und Weisen verbunden mit der Einbettung marginalisierter Bevölkerungsgruppen ebenso wie zunehmend feinkörniger sozialer Kontrolle durch den Staat, und damit auch nicht abgetrennt von neueren, digitalen und sozialen Medien wie WeChat, argumentiert Wei. Auch die Hörer_innen, die gerade in Grenzregionen nie daran gehindert werden konnten, verbotene ausländische Sender einzuschalten, sind Akteure in dieser neuen Institutionengeschichte.

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Diese neuen, stark sozial- und kulturhistorisch informierten institutionen- und technikgeschichtlichen Ansätze zeigen, dass wir bei Radios nicht über kohärente, abgeschlossene mediale Institutionen sprechen, sondern selbst in autoritären, kontrollierten Staaten über in die Gesellschaft hinein durchlässige, mit ihr an vielfältigen Schnittstellen interagierende und dynamische Medienkonglomerate. Die radikalste Variante davon ist Carolyn Birdsalls tour de force durch das Phänomen der „Radiophilie“37; der Liebe zum Radio. Birdsall zeigt, wie Hörer_innen, Bastler_innen und Liebhaber_innen aktiv an der Entwicklung von Radiogeräten, Programmen und Genres mitwirkten, an den gesellschaftlichen Diskursen um das Radio sowie an der Konservierung von Radiokultur bis hin zu privaten Aufnahmen einzelner Sendungen teilnahmen. Das Radio wurde schnell Teil intermedialer Diskurse, nahm ebenso auf wie es rezipiert wurde, und wuchs zu einem Bestandteil und Verstärker einer Assemblage der Moderne.

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Die alte Kritik von Bertolt Brecht, dass das Radio ein Medium einseitiger Kommunikation, ein „Distributionsapparat“ sei, wird dadurch stark relativiert. Zumal diese These selbst historisiert werden muss: Brecht formulierte sie in einer Rede 1932, im Jahr der großen Reform des Weimarer Rundfunks, die diesen zentralisierte und hierarchisierte und damit bereits ein Jahr vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten autoritär umbaute. Sie war auch aus der Enttäuschung des Scheiterns der Arbeiter-Radio-Bewegung – der Brecht verbunden war – geboren, den Weimarer Rundfunk progressiv zu beeinflussen.38 Seine Forderung, das Radio zu einem „Kommunikationsapparat“ umzugestalten, wurde oft allzu technisch interpretiert; betrachtet man die Rede allerdings im historischen Kontext und mit Bezug auf Brechts eigene Experimente im Radio, die „Lehrstücke“, erschließt sie sich als soziale Forderung.39

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Gleichzeitig mit Brecht arbeitete auch Walter Benjamin im Radio selbst sowie an der Frage, wie das neue Medium emanzipatorisch genutzt werden könne. In seinen geradezu experimentellen Kindersendungen beschreibt er immer wieder die Konstellation Sprecher – Gerät – Hörende als eine durch die Stimme verbundener „Gäste“ (der Sprecher zu Gast bei den hörenden Kindern, die Kinder zu Gast im „Stimmland“) wechselseitige Beziehung. Diese Ansätze spiegeln sich in seinen Fragmenten einer Radiotheorie , die das starre, konservativ-pädagogische „Kulturinstrument“ Radio (so Hans Bredow, der erste Reichs-Rundfunk-Kommissar) aufbrechen und seine progressiven, wenn nicht sogar revolutionären Möglichkeiten ausschöpfen wollte.40 Benjamin zeigte sich optimistischer als Brecht, und arbeitete mit den ihm technisch und institutionell gegebenen Möglichkeiten daran, die Unterscheidung zwischen Distributions- und Kommunikationsapparat zu verwischen. Eines seiner entscheidenden Instrumente dafür war die Stimme.

Die Stimme des Radios

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Benjamins Radiotheorie und -arbeiten sind in der Philosophie stiefmütterlich behandelt worden, nicht zuletzt deswegen, weil er selbst sie als reine „Lohnarbeit“ herunterspielte. Nach einer Pionierarbeit von Sabine Schiller-Lerg41 ist es heute vor allem die Arbeit des französischen Philosophen Philippe Baudouin42, vor Kurzem in einer überarbeiteten Auflage neu erschienen, die die Zentralität der Arbeiten für und über das Radio für Benjamins Werk, insbesondere im Kontext des berühmten „Kunstwerk“-Aufsatzes, erschließt. Unverständlicherweise wurde sie bisher nicht übersetzt. Baudouin entwickelt anhand von Benjamins Radioarbeiten den Begriff des „radiofonischen Objekts“, die einem Kunstwerk vergleichbare Größe im Medium Radio. Dieses „radiofonische Objekt“ besteht aus vier materiellen Aspekten und ist auf keinen dieser vier reduzierbar: einer Idee beziehungsweise einem Konzept im Kopf der Produzierenden, dem Skript, dem Magnetband, auf dem die Sendung aufgenommen wurde, und schließlich dem Ton, wie ihn Hörer_innen aus dem Gerät kommend wahrnehmen. Nur zwei davon sind historisch dokumentiert; oft sind es sogar nur die Skripte (wir verfügen beispielsweise über keine Tonaufnahme von Walter Benjamins Stimme selbst). Diese vier bilden nach Baudouin eine „gemischte Ontologie“. Im Lichte neuerer Literatur soll hier die Stimme, die auch Benjamins Arbeiten durchzieht, als Ausdruck dieser „gemischten Ontologie“ hervorgehoben werden. Nicht nur Philosoph_innen und Intellektuelle, die das Radio in seinen Anfängen diskutierten, sondern auch Produzent_innen, Moderator_innen und Hörer_innen dachten intensiv über die Stimme als zentralen Anker des Radios nach. Gerade eine sozial- und kulturhistorisch informierte Analyse des Radios, so mein Argument, muss diesen Klangcharakter, diese „Stimme“ ins Zentrum setzen. Die „Stimme“ als Ausdruck des Radios ist dabei im Sinne Benjamins und Baudouins als Gesamtheit dieser „gemischten Ontologie“ zu verstehen, als sinnhafte Verbindung von Stimmen der Sprecher_innen, Klang, Inhalt des Gesagten, gespielter Musik und weiteren Programmentscheidungen sowie der Entstehung neuer Sinnzusammenhänge in der Interaktion von (Laut-)sprecher und Hörer_in. Zudem ermöglicht dieser Zugang es, die Intermedialität radiofoner Formen zu berücksichtigen. Dies wird besonders in der Literatur zum Radio in außereuropäischen Kontexten ersichtlich.

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Rudolf Arnheim, den man mit Fug und Recht als den ersten umfassenden Theoretiker des Radios bezeichnen kann, stellte früh fest, dass das neue Medium eine ganz neue Herangehensweise erforderte, die nicht aus existierenden Medien (Print, aber vor allem auch Theater) übernommen werden konnte. Regisseure und Autoren, die oft aus den Printmedien stammten, wollten dies nicht zugeben. Ihre „asketische“ Herangehensweise führe zu Langeweile, das Radio benötigte eine „Lust am Klang“, so Arnheim. Die Stimme des Radiosprechers sei zentraler Ausdruck des Mediums, allein aus einem einfachen Grund: „Läßt (sic) es der Sprecher an Ausdruck und Klangfarbigkeit fehlen, so rächt sich der Hörer auf die einfachste Weise – er stellt ab.“43 Bereits Arnheim erkannte also die „Stimme“ im Sinne eines charakteristischen Klangs/Sounds, mit der das Radio bestimmte Gemeinschaften und Identitäten adressierte, als sein Distinktionsmerkmal. In den Anfangsjahren des Radios suchte es noch seine „Stimme“ und führte Debatten um Programmformate, Stil, angemessene Repräsentation existierender Formen wie Theater, Oper und Musik, sowie (wie Arnheim zeigt) angemessene Vokalisierung, Dialog und Stile. Sie fanden im Kontext teils heftiger Diskussionen zur Standardisierung nationaler Sprachen und Dialekte statt, die sich noch lange hinzogen (wie zum Beispiel Debatten in der BBC um die Dominanz des Oxford English und die angemessene Repräsentation regionaler Dia- und Soziolekte44). Diese Debatten sollten sich auf der internationalen Ebene noch verlängern: Sollen im BBC World Service Kreolsprachen wie Nigerian Pidgin gesprochen werden? Welche Sprachen sollten in den vielsprachigen, aber mit ungenügender Infrastruktur ausgestatteten unabhängigen Ländern in Afrika und Asien im Radio präsent sein?45 Welche Identitäten wurden damit befördert, ethnische, nationale46, oder transnationale?47

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Doch die Stimme(n) des Radios wurde(n) im Laufe der Zeit bedeutungsvoller, und ihre Wirkung reichte weit über die reine Praxis hinaus. In neueren Arbeiten zum Radio werden die Stimmen im Äther zum gemeinschaftsstiftenden Faktor, zum Ausdruck politischer Projekte oder zum Mobilisierungsinstrument, zum Symbol kultureller Charaktere, zum Konfliktfaktor. Die südafrikanische Historikerin Liz Gunner48 zeigt die Stimme Zulu-sprachiger Radiosprecher, Schriftsteller und Intellektueller im Radio als Ausdruck genuin afrikanischer Modernen. In ihrer Geschichte des Zulu-sprachigen Radios untersucht sie die Entwicklung dieses Radios, der Communitys, die es ansprach und der spezifisch afrikanischen Modernitäten, die es entwickelte. Dabei bezieht sie sich auf einen Begriff des britischen Literaturwissenschaftlers und frühen Vertreters der cultural studies Raymond Williams. Sein Entwurf der structures of feeling erlaubt es, die spezifischen, dynamischen und fließenden Verflechtungen zwischen Individuen und Gesellschaften zu erfassen, nicht durch vermeintlich klar umrissene, feststehende Ideologien, sondern indem „meanings and values as they are actively lived and felt“49 ins Zentrum der Analyse gestellt werden. Diese structures of feeling erfasst Gunner über ein Konzept der Stimme, das es ihr erlaubt, den Verbindungen nachzuspüren, die sich im Zulu-sprachigen Radio zwischen lokalen und globalen Gemeinschaften, in der Unterdrückung des Radio Bantu der Apartheid ebenso wie den Exilgemeinschaften südafrikanischer Literaten und Intellektueller herausbildeten. Beginnend mit dem Pionier des Zulu-sprachigen Rundfunks K.E. Masinga entwickelten Rundfunksprecher, produzenten und Literaten eine Zulu radio voice, die schließlich auch Eingang in den BBC World Service fand und von dort ins Südafrika der Apartheid trug. Sie etablierten spezifisch afrikanische Formen der Modernität, die auch in stark zensierten Kontexten, die direktes politisches Sprechen verunmöglichten, einen kulturellen Wandel, eine „long revolution“50 anstießen, die schließlich einen genuin kulturellen Beitrag zum Sturz der Apartheid leisten sollte.

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Radio sprach nicht einfach selbst mit einer (oder mehreren) Stimme(n) von oben herab zu einer passiven Hörergemeinde, vielmehr bündelte es die Vielstimmigkeit der es umgebenden und mit ihm interagierenden Gemeinschaften aus Hörerinnen und Hörern. Neuere Arbeiten zu den Empire Services der BBC, vor allem denen, die wie das berühmte „Caribbean Voices“-Programm oder der „Eastern Service“ von wichtigen Autor_innen der jeweiligen Regionen produziert wurden, zeigen, dass Kommunikation über das Radio weit komplexer denn als ein in einem Brecht’schen „Distributionsapparat“ einseitiges „Sender“-„Empfänger“-Modell konzipiert werden kann. Moderatorinnen, Sprecher, Produzentinnen agierten vielmehr als Katalysatoren für trans-, inter- und nationale Diskurse, je nach Reichweite und Ausrichtung der jeweiligen Sender. Das Konzept der Stimme erlaubt es auch, den transmedialen Charakter des Radios in der Geschichte ins Zentrum der Analyse zu rücken. Isabel Huacuja Alonso beschreibt diesen Charakter als Auflösung einer problematischen Trennung zwischen oraler und auraler Medialität in den Medienwissenschaften: Radio „was not only listened to but talked about [Hervorh. im Orig.]“51, und seine Effekte gingen so weit über die direkte Hörerschaft hinaus. Damit rückt zudem, wie auch Daniel Morse zeigt52, die enge Verflechtung von Radio und Printmedien in den Blick. Nicht nur unterhielten viele Radiostationen eigene Printmagazine (ein berühmtes Beispiel ist das BBC-Magazin „The Listener“53), in denen Programmschemata, einzelne Skripte, aber auch begleitendes Material zu einzelnen Sendungen und Hörerbriefe abgedruckt waren. Das Radio, zeigt Carolyn Birdsall54, war eingebunden in eine multimediale Feier der Moderne, von Film über Magazine, Fotobücher, Ausstellungen und Architektur. Radio und andere Medien kommentierten einander, stellten sich gegenseitig dar und bildeten eine Assemblage aus Ästhetik, Infrastruktur, Technik, Design und Medien. Birdsall beschreibt die Zirkulation eines Wissens über Radio, die seine Rezipient_innen ebenso einbezog wie Herstellerfirmen und Produzent_innen. Doch auch die Infrastruktur des Radios selbst mit seiner Architektur, seinen technischen Artefakten (von prominent installierten Sendemasten bis zum Design der Geräte) und seinen Sendungen über Infrastruktur gehört in diesen Komplex einer Moderne, die nicht nur diskursiv, sondern materiell war, wie es Brian Larkin für Nigeria formulierte: „Bridges, roads, health initiatives, and radio sets were combined into concrete, material expressions of the developmentalist work of the colonial regime and ist continual aim of progress“.55

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Zwischen Zeitungen, Magazinen, Literatur und Radio entwickelten sich übergreifende Diskurse, und Formate und Stile beeinflussten sich gegenseitig. James Joyce’ großer Roman der Moderne, „Finnegans Wake“ (1939), entwickelte seine Sprachexperimente nicht nur aus dem Sound des Radios, sondern Joyce las aus ihm auch in der BBC – allerdings eben nicht im im Königreich ausgestrahlten Hauptprogramm, sondern auf dem „Eastern Service“, der Hörer_innen auf dem indischen Subkontinent britische Hochkultur vermitteln sollte und ironischerweise so einerseits ein Vorläufer des Hochkulturprogramms BBC Three war, andererseits zur Entwicklung einer reichen, modernen Literatur in Pakistan und Indien beitrug.56 Die Stimme des Radios, die von seinen Gründer_innen als eine konzipiert worden war, die das Empire auch kulturell über die Welt ertönen und herrschen ließ57, wurde schnell zu einer Vielzahl an Stimmen, die diese Moderne jeweils lokal ganz neu umsetzten, in der Ambivalenz zwischen kolonialer Hegemonie und postkolonialer Hybridität.58 Indische, afrikanische, karibische – oft antikoloniale – Produzent_innen, Moderator_innen, Autor_innen und so weiter fanden schnell ihre eigene Stimme im Radio. Die Dialektik des Mediums bestand darin, dass eine kulturelle Hegemonie nicht erreicht werden konnte, ohne die Bedingungen ihrer eigenen Subversion in den „long revolutions“ der Dekolonisierung zu schaffen, unter anderem indem sie die Entstehung authentisch lokaler Modernen, auch und gerade durch neue literarische und musikalische Formen, ermöglichten.

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Die enge Verbindung zwischen Radio, Stimme und Moderne geht zudem tiefer in das 19. Jahrhundert zurück. Der Slavist Jurij Murašov59 macht in Anlehnung an die wichtige Arbeit von Wolfgang Hagen60 diese Vorgeschichte in der Erfahrung der Elektrizität aus, die erstens die distinkten, räumlich angeordneten „Sprachkörper“ des Buches um die Synthese und Zeitlichkeit der gesprochenen Sprache erweiterte, zweitens die Einheit von Theorie und Praxis, Wesen und Erscheinung herstellte. Die „sekundäre Oralität“ des Radios (und anderer elektronischer Medien wie des Telefons) erfüllte diese „utopischen Visionen“ a posteriori: „Wie in der Sphäre der primären Mündlichkeit oder des Mythos gibt es hier keine Zeichen und keine Semiotik“ (S. 3). Für die russischen Modernisten wurde das Radio nicht nur zum Ausdruck der Formel von der „Sowjetmacht plus Elektrifizierung“, sondern fungierte als „Schalltrichter der Revolution“ (S. 9). Murašov bezeichnet die „Dominanz des Ohres“ als „Akusmatik“ und sieht in ihr eine Eigenheit der sowjetischen radiofonen Medienkultur, aber wie Huacuja Alonso, Gunner und andere aufzeigen, ermöglichte das Medium gerade über seine Verbindung von Oralem und Auralem weit über die sozialistische Welt hinaus neue, moderne Gesellschaftsentwürfe. Wie Morse zeigt auch Murašov die Wirkung des Radios in andere Medien, unter anderem über die literarischen Avantgarden. Die Konzeptualisierung des Radios als „Schalltrichter der Revolution“ erinnert zudem an die einflussreiche Arbeit von Brian Larkin61, der das Radio im kolonialen Afrika als Teil und Medium einer Infrastruktur des colonial sublime analysiert. Radio war immer – als Apparat, mit seinen Sendemasten, seiner Technik und selbst der Architektur seiner Studios62 – Teil jener (post-)kolonialen Moderne, die es in seinem Programm gleichzeitig vermittelte und propagierte.63

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Es ist kein Zufall, dass internationale Radios sich gerne Namen wie „Voice of America“, „Voice of Africa“ et cetera gaben; darunter auch die kleineren Sender, die in den vielen Konflikten zwischen Dekolonisierung und Kaltem Krieg in Asien, Afrika und Lateinamerika operierten. Frantz Fanon beschrieb die Sender in Algerien (sowohl die des kolonialen Frankreich als auch der FLN) als „Stimmen“, die nicht nur akustische, politische, kulturelle, sondern auch tief psychologische Effekte besaßen, die sich in den „Wahnvorstellungen“ psychiatrischer Patienten äußerten.64 Forschungen über die Hörerschaft der Guerilla-Sender im Südlichen Afrika, die ähnlich der „Voix d’Algérie“ über externe Dienste befreundeter, bereits unabhängiger afrikanischer Staaten sendeten, berichten ebenfalls stark emotionale Effekte, die sich bereits beim Hören der Station-ID einstellten.65 Der Inhalt der Sendungen war zweitrangig; allein die „Stimme“ der nationalistischen Radios konnte junge Namibier, Südafrikaner, Simbabwer mobilisieren. Rezeption blieb aber dennoch komplizierter. Fanons scharfe Einteilung, Algerier hätten „vor 1954“ (als die „Voix d’Algérie“ der FLN auf Sendung ging) die Stimmen des Radios als „aggressiv“ und „feindlich“ wahrgenommen, danach als „Beschützer, Verbündete“, ist weder in die eine noch die andere Richtung haltbar. Arthur Asseraf66 betont, dass sich Algerier bereits lange vorher aus einer „bricolage of various forms of news“ bedient hätten, und widerspricht Fanons Temporalität der Revolution. Entgegen dessen Sehnsucht, nach der Revolution sei in einer Art brechtianischen Volte die „disparity between the people and what is intended to speak for them“ in der „identification of the voice of the Revolution with the fundamental truth of the nation“67 aufgehoben, zeigt Asseraf im Einklang mit der weiteren Literatur68 die Kontinuitäten in der Mediennutzung der Algerier, die sich nach der Unabhängigkeit des Landes in ebenso kritischer Manier fortsetzten.

[8]

Algerische Psychiatriepatienten waren allerdings nicht die Einzigen, die die Stimmen im Äther als „aggressiv“ und „feindlich“ wahrnahmen. Mit der Verbreitung internationaler Sender wurden auch Staaten zunehmend „nervös“.69 Insbesondere in repressiven politischen Kontexten waren „silences“70 ebenso wichtig wie „sounds“. Medien der Siedlergesellschaften im Südlichen Afrika produzierten diese „Stille“ über die alltägliche Gewalt, der die Mehrheit der afrikanischen Bevölkerung dort ausgesetzt war, in einem Programm, das ganz auf die Repräsentation weißer Modernen ausgerichtet war. Gestört wurde diese „Stille“ durch die „Guerrilla Radios“71, die von außen in die Äther der Kolonien eindrangen. Diese Stimmen von außen, argumentiert Marissa Moorman auf der Basis eines reichhaltigen Archivs des portugiesischen Geheimdienstes, machten koloniale Herrschaftsapparate „nervös“ – sie produzierten hektische Aktivität, um Rezeption und Mobilisierungspotenzial einzuschätzen und einzuschränken. Namibische Hörerinnen und Hörer mussten unter den vielen Störgeräuschen ebenso im Geheimen nach dem Sender der antikolonialen nationalen Befreiungsbewegung suchen, wie es algerische Hörer zwanzig Jahre zuvor, wie von Fanon beschrieben, getan hatten. Der scharfe Pfeifton, den südafrikanische Störsender über manche dieser Stationen legten, machte das Hören schwierig und konnte Spitzel außerhalb der Wohnung alarmieren.72 Ähnliches kann man für den Empfang von Radio Free Europe und die sowjetischen Störsender sagen, die unter großem Aufwand gebaut und betrieben wurden. Die erheblichen technischen, personellen und materiellen Anstrengungen, die autoritäre Regimes weltweit unternahmen, um die Rezeption und Wirkung solcher ,feindlichen‘ Propagandaradios zu erfassen und einzuschränken, sprechen dafür, Moormans Anwendung und Erweiterung der These vom kolonialen „nervous state“73 auf das Radio und seine Stimmen auch jenseits von dem spezifischen Fall Angolas zu untersuchen.

[9]

Moorman weist auf einen weiteren wichtigen Aspekt hin: die Kontinuität dieser Haltung über die großen politischen Brüche des 20. Jahrhunderts hinweg. Auch das postkoloniale Angola, dessen Legitimität von politischen und militärischen Konflikten weiter infrage gestellt wurde, blieb nervös gegenüber den vielen kleineren und größeren Radios der Region. Überhaupt tendiert die Geschichte des Radios dazu, Kontinuitäten aufzuzeigen, die viele der politischen und gesellschaftlichen Brüche des Jahrhunderts auf produktive Weise relativieren. Darin bettet es sich deutlich in Tendenzen der Kulturgeschichte insgesamt ein, doch zeigen sich auch im Radio Revolutionen, nur eben in Form der Williams’schen „long revolutions“ – obwohl und gerade weil Rundfunkstationen ein primäres und wichtiges Ziel aller möglichen politischen Umstürze und ein Mittel vieler revolutionärer, putschistischer und Guerilla-Bewegungen waren. Die ,langen‘ Revolutionen halten sich nicht an die von den ,kurzen‘ vorgegebene Temporalität. Nicht nur Programminhalte, auch die Mediennutzung selbst weisen lange Kontinuitäten auf, die sich auch wiederum in andere Medien verfolgen lassen.

[10]

Die Produzent_innen, Moderator_innen, Journalist_innen, Sprecher_innen des Radios berücksichtigten dies auch, so der ,nervöse‘ Staat sie ließ. Sie reflektierten mit ihrer „Stimme“ die Wünsche eines Publikums, das sie zunehmend als Gemeinschaft ansprachen. Die Radiogeschichte ist durchzogen von dem Problem, das Bertolt Brecht im Widerspruch von „Distribution“ und „Kommunikation“ festgehalten hatte. Ein Blick in die globale Geschichte des Mediums nach Brecht kontextualisiert seine Rede nicht nur wie oben beschrieben in den sozialen und politischen Rückschritten der späten Weimarer Republik, sondern zeigt, dass diejenigen, die im und mit dem Radio arbeiteten, sich immer dieses Widerspruchs bewusst waren und sich sehr kreativ darin zeigten, ihn aufzulösen. Die besten und beliebtesten Radiomoderatoren und Sendungsgestalterinnen machten sich zur Stimme ihrer Hörerinnen und Hörer. In Call-in-Programmen, in LiveEvents, durch Hörerbriefe, Musikwünsche und interaktive Programme banden Radios die Gemeinschaften, die sie ansprachen, in die Gestaltung des Programms ein. Am weitesten gingen community radios und Freie Radios, die ihre Hörerinnen und Hörer dazu einluden und aufforderten, selbst im Studio zu produzieren. Dieses Angebot, zunächst aus den linksradikalen Bewegungen der Neuen Linken kommend74, wurde von migrantischen Gruppen besonders willig aufgegriffen, die urbane Diaspora-Gemeinschaften in ihren Muttersprachen ansprechen wollten. Das Ergebnis sind vielsprachige, vielstimmige Stationen, deren Einzugsgebiet früher lokal begrenzt, im Zeitalter des Internetstreamings weltweit ist und damit auch die Herkunftsgemeinschaften umfasst – eine Möglichkeit, die auch politisch genutzt wird. Aber auch lokale private Stationen interagieren stark mit den sie umgebenden Gemeinschaften – die Grenzen zwischen community radio und Lokalradio sind fließend, institutionell wie inhaltlich. Anthropologische Arbeiten wie die Studie von Harri Englund75 zu dem Radiomoderator Gogo Breeze, Star eines privaten Lokalradios in einer sambischen Provinz, zeigen die multidirektionalen sozialen Netzwerke und Interaktionen um das Radio; auch Englund betont dabei die Rolle der Stimme. Gogo Breeze („gogo“ bedeutet Großvater in Nyanja, Breeze FM ist der Name der Station), Moderator einer Call-in-Sendung, versammelt in seiner Rolle als ein Ältester in der Community Stimmen seiner Hörer_innen, als deren Repräsentant er sich versteht und deren Beschwerden gegenüber lokalen Unternehmen, Ämtern oder anderen Institutionen er Raum in seiner Sendung gibt. Er vereine dabei, so Englund, in seiner Stimme eine Stimmenvielfalt, die er nicht einfach in einer Richtung bündelt, sondern deren widerstreitende Interessen er aushandelt. Die Politologin Florence Brisset-Foucault76 berichtet dagegen, wie sich in einer Periode demokratischer Liberalisierung in Uganda Mitte der 2000er Jahre eine rege politische Diskussionskultur in sogenannten ebimeeza, Debattierklubs in der Hauptstadt Kampala, entwickelte, die von lokalen Radios veranstaltet und übertragen wurden. Sie waren Gelegenheit zu politischer Aushandlung, zur Profilierung junger Hinterbänkler, und stellten ein Experimentierfeld für die Formen demokratischer Debatte sowie die Rolle privater Medien darin dar. Auch hier bildeten Stimmen die vielfältigen politischen und ökonomischen Machtbeziehungen ab, unter denen demokratische Deliberation in afrikanischen Ländern nach der second wave of democracy der 1990er Jahre ausgestaltet wurde.

[11]

Die global-lokale Vielstimmigkeit des Radios zeigt sich heute auch in Apps wie „Radio Garden“, die es erlauben, lokale Radios auf der gesamten Welt (in der App auch grafisch als Globus dargestellt) über Internet-Streams zu hören. Neben den früher auch visuell und materiell beeindruckenden Weltempfängern, deren Displays mit Listen von Städtenamen den Zugang zur ganzen Welt von Johannesburg bis Jakarta versprachen, waren auch kleinere Stationen, die nur lokal sendeten, für die Großmächte in Zeiten von Dekolonisierung und Kaltem Krieg von Interesse. Eine unverzichtbare Quelle für alle, die sich mit lokalen Konflikten im Kontext dieser globalen Prozesse auseinandersetzen wollen, sind die Abhördienste der BBC und des CIA, die mittels entsprechend empfindlichen Abhöranlagen alle möglichen Radios (besonders Geheim- und Guerilla-Sender, aber auch große externe Propagandasender) empfingen, transkribierten und übersetzten. Daraus stellten sie tägliche und wöchentliche Bulletins aus Meldungen und Kommentaren zusammen. Die „Summaries of World Broadcasts“ (SWB) der BBC waren öffentlich, von Medien und Institutionen abonnierbar, der „Foreign Broadcast Information Service“ (FBIS) der CIA belieferte vor allem US-amerikanische Regierungsorganisationen. Beide sind heute archivalisch aufbereitet und im Falle des FBIS auch digital zugänglich. Beide hielten die politische Vielfalt der Stimmen im globalen Äther schriftlich fest; akustisch (und damit auch kulturell) vermitteln heute nur noch die – ebenfalls oft online gesammelten – Aufnahmen der Station-IDs durch private Funkenthusiasten einen Eindruck vom „Sound“ beziehungsweise der „Stimme“ dieser Stationen, die den globalen Äther bis heute durchziehen.

Schluss: Geschichte hören lernen

[1]

Wie also können Historiker_innen lernen, zu hören? Wie können wir den „Sound“ des Radios ernsthaft in unsere historischen Analysen (nicht nur) des Mediums integrieren und seinen Auswirkungen in der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts nachspüren? Die neuere Forschung gibt mehrere Antworten: Erstens ist es notwendig, Radios als interdependente Institutionen in ihren zeitgenössischen politischen, sozialen und kulturellen Kontext einzubetten und auch die Interessenskonflikte unterschiedlicher Akteursgruppen inner- wie außerhalb der Stationen nachzuzeichnen. Insbesondere Analysen ,von unten‘ erlauben es, die komplexe Rolle, die diese Institutionen für mediale Landschaften und Hörer_innen spielten, nachzuvollziehen. Damit sind nicht allein direkt in (privaten oder staatlichen beziehungsweise öffentlich-rechtlichen) Rundfunkstationen arbeitende Journalist_innen und so weiter gemeint, sondern auch Aktivist_innen, Forschende, Bürokrat_innen, und andere Akteursgruppen bis hin zu Guerillas, die auf vielfältige Arten an der Gestaltung des Rundfunks mitwirkten. Hörer_innen sind ebenso als aktiv Teilnehmende, nicht nur als passiv Empfangende zu konzeptualisieren.

[2]

Ein Ansatz, der von der „Stimme“ im Sinne einer „gemischten Ontologie“ des Radios ausgeht, ermöglicht es, diese komplexen Dynamiken zu erfassen. Er hebt eine allzu binäre Unterscheidung zwischen Produktion und Rezeption zugunsten einer dynamischen Analyse vielstimmiger Unterhaltungen und der Gemeinschaften, mit denen sie interagierten, auf. Er erweitert den Blick auf transnationale und intermediale Aspekte des Radios. Und er nimmt die spezifische Medialität des Radios – seine „Physiognomie“77 – ernst. Insofern stellt er eine Rückkehr zu den Ursprüngen der Radiotheorie in der intellektuellen Debatte der Weimarer Republik dar, eine Rückkehr, die mit einer neuen Wertschätzung der darin entstandenen Schriften einhergehen sollte. Walter Benjamin beschrieb die Kommunikationssituation des Rundfunks als eine, in der Sprecher_innen und Hörer_innen einander als Gäste – im Studio wie in der heimischen Stube – begegneten. Theodor Adorno formulierte skeptischer, diese Nähe sei eine „Illusion“, die die hidden forces hinter der Radiostimme verberge, und im Hörvorgang einer Symphonie im Radio Vereinzelung an die Stelle der Gemeinschaft im Konzertsaal stelle.78 Beide betonten aber, dass sich eine Analyse des Radios ihm nur über die Stimme nähern könne. Noch sind diese medienphilosophischen Reflexionen selten in die historische Literatur eingebunden. Josh Shepperd79 betont den sehr konkreten Beitrag Adornos zur Entwicklung des public radio in den USA – trotz oder gerade wegen des Scheiterns seiner Mitarbeit im PRRP.

[3]

Doch auch die weitere hier vorgestellte Literatur nimmt die Frage der Stimme ernst, und sie tut das gerade in den Werken zum Radio außerhalb (West-)Europas und der USA. Ein kohärenter Ansatz – eine Art „Theorie der Stimme“ – fehlt dabei, und auch wenn es Überschneidungen gibt, unterscheiden sich die Herangehensweisen doch stark. Das scheint mir aber eher ein Vor- als ein Nachteil. Die Stimme – beziehungsweise die Stimmen – des Radios sind historisch, sozial und kulturell kontingent. Die Kakofonie des Äthers muss jeweils mit spezifischen Thematiken, Erkenntnisinteressen und Quellen aufgelöst werden, um einzelne Stimmen hör- und lesbar zu machen.

[4]

Leider sind auch in der Radiogeschichte weiterhin Trennungen wirksam, unter denen auch andere Subdisziplinen leiden. Gerade aber im Nachdenken darum, was ein spezifisch transnationales, immer potenziell und in Einzelfällen tatsächlich globales Medium wie das Radio ausmacht, sollte berücksichtigt werden, wie Gesellschaften außerhalb der westlichen mit ihm interagierten und damit auch das Radio im Westen selbst beeinflussten. Mehr als in anderen Medien lassen sich im Radio Interdependenzen zwischen lokalen, nationalen und globalen Gesellschaften und Gemeinschaften sichtbar machen, ebenso wie intermediale Wechselwirkungen. Die Radiogeschichte in Deutschland und Europa sollte dazu mehr Aufmerksamkeit für die radio studies in anderen Weltregionen entwickeln; geradezu utopisch, aber nicht weniger wünschenswert, wäre eine gegenseitige Beeinflussung und gemeinsame Entwicklung medientheoretischer Überlegungen zur Relevanz des Radios in der Globalgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts – und darüber hinaus, wie die Arbeiten zur Vorgeschichte des Radios von Wolfgang Hagen80 und Jurij Murašov81 zeigen.

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Endnotes

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  3. Statista: Durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer ausgewählter Medien in Deutschland im Jahr 2025, in: statista, Oktober 2025, URL: <https://de.statista.com/statistik/daten/studie/165834/umfrage/taegliche-nutzungsdauer-von-medien-in-deutschland/> [Zugriff: 26.05.2025].
  4. Zit. n. Collini, Stefan: Review. Mainly Fair, Moderate, or Good, in: The Guardian, 22. September 2007, URL: <https://www.theguardian.com/books/2007/sep/22/radio.bbc> [Zugriff: 26.05.2025].
  5. Goodale, Greg: Sonic Persuasion. Reading Sound in the Recorded Age, UI Press, Champaign, IL 2011.
  6. Potter, Simon J.: Wireless Internationalism and Distant Listening. Britain, Propaganda, and the Invention of Global Radio, 1920–1939, Oxford UP, Oxford u. a. 2020.
  7. Morse, Daniel Ryan: Radio Empire. The BBC’s Eastern Service and the Emergence of the Global Anglophone Novel, Columbia UP, New York 2020, S. 31.
  8. Potter: Internationalism (wie Anm. 6), S. 6.
  9. Inzwischen gibt es einige Initiativen, diese Archivsituation zu verbessern. So führt der schweizerische, von mehreren nationalen Archiven und Bibliotheken 1995 gegründete Verein zur Sicherung des audiovisuellen Kulturguts Memoriav bereits seit den 2000er Jahren groß angelegte Digitalisierungen und Archivierungen musikalischer und radiofoner Daten durch, bis hin zu den Programmen der Schweizer Piratenradios und Freien Radios; vgl. Memoriav-Webseite unter URL: <www.memoriav.ch> [Zugriff: 25.02.2026].
  10. Arnheim, Rudolf: Rundfunk als Hörkunst, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2001 (orig. 1936); Kümmel, Albert: Innere Stimmen – die deutsche Radiodebatte, in: ders./Scholz, Leander/Schumacher, Eckhard (Hrsg.): Einführung in die Geschichte der Medien, UTB, Paderborn 2004, S. 175–198.
  11. Potter, Simon J.: Broadcasting Empire. The BBC and the British World, 1922–1970, Oxford UP, Oxford u. a. 2012.
  12. Vgl. Larkin, Brian: Signal and Noise. Media, Infrastructure, and Urban Culture in Nigeria, Duke UP, Durham, NC/London 2008; Spitulnik, Debra: Mobile Machines and Fluid Audiences. Rethinking Reception through Zambian Radio Culture, in: Ginsburg, Faye D./Abu-Lughod, Lila/Larkin, Brian (Hrsg.): Media Worlds. Anthropology on New Terrain, California UP, Berkeley, CA u. a. 2002, S. 337–354.
  13. Birdsall, Carolyn: Radiophilia, Bloomsbury Academic, London 2023; Huacuja Alonso, Isabel: Radio for the Millions. Hindi Urdu Broadcasting Across Borders, Columbia UP, New York 2023; Morse: Radio Empire (wie Anm. 7).
  14. Badenoch, Alexander W./Fickers, Andreas W./Henrich Franke, Christian (Hrsg.): Airy Curtains in the European Ether. Broadcasting and the Cold War, Nomos, Baden-Baden 2013; Johnson, A. Ross/Parta, R. Eugene (Hrsg.): Cold War Broadcasting. Impact on the Soviet Union and Eastern Europe. A Collection of Studies and Documents, CEU Press, Budapest u. a. 2010; Lekgoathi, Sekibakiba Peter/Moloi, Tshepo/Romão Saúte Saíde, Alda (Hrsg.): Guerrilla Radios in Southern Africa. Broadcasters, Technology, Propaganda Wars, and the Armed Struggle, Rowman & Littlefield, London 2020; Lekgoathi, Sekibakiba Peter/Mukonde, Kasonde Thomas: Zambia’s Support for the African National Congress’s Radio Freedom in Lusaka, 1967–1992, in: Journal of African Cultural Studies 36 (2024), H. 1, S. 24–40; Williams, Christian A.: Education in Exile. International Scholarships, Cold War Politics, and Conflicts among SWAPO Members in Tanzania, 1961–1968, in: Journal of Southern African Studies 43 (2017), H. 1, S. 125–141.
  15. Briggs, Asa: The History of Broadcasting in the United Kingdom, 5 Bde., Oxford UP, Oxford u. a. 1961–70.
  16. Albert, Pierre/Tudesq, André Jean: Histoire de la radio télévision, PUF, Paris 1981.
  17. Bausch, Hans (Hrsg.): Rundfunkpolitik nach 1945, 2 Bde., dtv, München 2013 (orig. 1980); Diller, Ansgar: Rundfunkpolitik im Dritten Reich, dtv, München 1980.
  18. Muller, Johan/Tomaselli, Keyan G./Teer Tomaselli, Ruth (Hrsg.): Currents of Power. State Broadcasting in South Africa, Anthropos, Denver 2001 (orig. 1989); Tudesq, André-Jean: L’Afrique parle, l’Afrique écoute. Les Radios en Afrique subsaharienne, Karthala, Paris 2002.
  19. Dahl, Peter: Arbeitersender und Volksempfänger. Proletarische Radio-Bewegung und bürgerlicher Rundfunk bis 1945, Syndikat, Frankfurt a. M. 1978; ders.: Radio. Sozialgeschichte des Rundfunks für Sender und Empfänger, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1983; Scannell, Paddy/Cardiff, David: A Social History of British Broadcasting, Vol. 1: 1922–1939. Serving the Nation, Blackwell, Oxford 1993.
  20. Hilmes, Michele: Radio Voices. American Broadcasting, 1922–1952, Minnesota UP, Minneapolis, MN 1997.
  21. Dies.: Network Nations. A Transnational History of British and American Broadcasting, Routledge, London/New York 2012.
  22. Marßolek, Inge/Saldern, Adelheid von/Münkel, Daniela: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung (Zuhören und Gehörtwerden, Bd. 1), edition diskord, Tübingen 1998.
  23. Hall, Stuart: Encoding/Decoding, in: ders. u. a. (Hrsg.): Culture, Media, Language, Hutchinson University Library, Birmingham 1980 (orig. 1973), S. 128–138.
  24. Classen, Christoph: Introduction. Transnational Broadcasting in Europe 1945–1990 – Challenges, Concepts, and Preliminary Findings, in: SPIEL. Eine Zeitschrift zur Medienkultur 2 (2016), H. 1, S. 7–22; Fickers, Andreas/Griset, Pascal: Communicating Europe. Technologies, Information, Events, Palgrave Macmillan, London 2019; Legay, Richard: The Cultural Histories of Radio Luxembourg and Europe n°1. Broadcasting Across Europe, Palgrave Macmillan, London 2021.
  25. Langenbruch, Anna (Hrsg.): Klang als Geschichtsmedium. Perspektiven für eine auditive Geschichtsschreibung, transcript, Bielefeld 2018; Birdsall, Carolyn: Nazi Soundscapes. Sound, Technology and Urban Space in Germany, 1933–1945, Amsterdam UP, Amsterdam 2012.
  26. Löffler, Bernhard: Moderne Institutionengeschichte in kulturhistorischer Erweiterung. Thesen und Beispiele aus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, in: Kraus, Hans-Christof/Nicklas, Thomas: Geschichte der Politik. Alte und neue Wege (= Historische Zeitschrift, Beiheft 44), Oldenbourg, München 2007, S. 155–180.
  27. Hendy, David: The BBC. A People’s History, Profile Books, London 2022.
  28. Ngwenya, Blessed: Media Power and Hegemony in South Africa. The Myth of Independence, Routledge, London/New York 2023.
  29. Shepperd, Josh: Shadow of the New Deal. The Victory of Public Broadcasting, UI Press, Champaign, IL 2023.
  30. Vgl. auch Goodman, David/Hayes, Joy Elizabeth: New Deal Radio. The Educational Radio Project, Rutgers UP, New Brunswick, NJ 2022.
  31. Beck, Rose Marie/Wittmann, Frank (Hrsg.): African Media Cultures/Cultures de médias en Afrique. Transdisciplinary Perspectives/Perspectives transdisciplinaires, Köppe, Köln 2004; Englund, Harri: Human Rights and African Airwaves. Mediating Equality on the Chichewa Radio, Indiana UP, Bloomington, IN 2011; Fardon, Richard/Furniss, Graham: African Broadcast Cultures. Radio in Transition, Currey, Oxford 2000.
  32. Lefebvre, Thierry: La bataille des radios libres. 1977–1981, Nouveau Monde, Paris 2008; ders.: L’aventurier des radios libres. Jean Ducarroir (1950–2003), Éditions Glyphe, Paris 2021; Scheer, André: „Kein Kommerz auf Megahertz“, in: Junge Welt, 2. März 2023, S. 12–13; Sproten, Vitus: Der Klang des Strukturwandels. Die Geschichte der Freien Radios in den Niederlanden, Belgien und NordrheinWestfalen. 1975–1990 (Medien und Gesellschaftswandel im 20. Jahrhundert, Bd. 16), Wallstein, Göttingen 2022.
  33. Dunbar-Hester, Christina: Low Power to the People. Pirates, Protest, and Politics in FM Radio Activism, MIT Press, Cambridge, MA 2014.
  34. Dahl: Arbeitersender (wie Anm. 19).
  35. Gunner, Elizabeth: Radio Soundings. South Africa and the Black Modern, Cambridge UP, Cambridge 2019; Englund: Human Rights (wie Anm. 31).
  36. Lei, Wei: Radio and Social Transformation in China, Routledge, London/New York 2019.
  37. Birdsall: Radiophilia (wie Anm. 13).
  38. Dahl: Arbeitersender (wie Anm. 19), S. 97.
  39. Vgl. ebd.; Heinze, Robert: Das Lehrstück vom Klubhaus – Brecht und der Verfremdungseffekt sozialer Medien, in: 54books, 31. Januar 2021, URL: <https://54books.de/das-lehrstueck-vom-klubhaus-brecht-und-der-verfremdungseffekt-sozialer-medien/> [Zugriff: 23.03.2026]
  40. Hagen, Wolfgang: „Die Stimme als Gast“. Benjamins Sendungen, in: Velminski, Wladimir (Hrsg.): Sendungen. Mediale Konturen zwischen Botschaft und Fernsicht, transcript, Bielefeld 2009, S. 25–50.
  41. Schiller-Lerg, Sabine: Walter Benjamin und der Rundfunk. Programmarbeit zwischen Theorie und Praxis (Rundfunkstudien, Bd. 1), Saur, München 1984. Zugl.: Karlsruhe, Univ., Diss., 1981.
  42. Baudouin, Philippe: Walter Benjamin au micro. Un philosophe sur les ondes (1921–1933), Éditions MSH, Paris 2022 (orig. 2009).
  43. Arnheim: Rundfunk (wie Anm. 10), S. 27.
  44. Vgl. Hendy: BBC (wie Anm. 27).
  45. Heinze, Robert: “The African Listener”. State Controlled Radio, Subjectivity, and Agency in Colonial and Post Colonial Zambia, in: Willems, Wendy/Mano, Winston (Hrsg.): Everyday Media Culture in Africa. Audiences and Users, Routledge, London/New York 2017, S. 47–70.
  46. Spitulnik, Debra: Radio Culture in Zambia. Audiences, Public Words, and the Nation-State, University of Chicago, unveröff. Diss., 1994.
  47. Huacuja Alonso: Radio (wie Anm. 13).
  48. Gunner: Radio Soundings (wie Anm. 35).
  49. Williams, Raymond: Marxism and Literature, Oxford UP, Oxford u. a. 1977, S. 133.
  50. Ders.: The Long Revolution, Columbia UP, New York 1961.
  51. Huacuja Alonso: Radio (wie Anm. 13), S. 9.
  52. Morse: Radio Empire (wie Anm. 7).
  53. Vgl. Hendy: BBC (wie Anm. 27).
  54. Birdsall: Radiophilia (wie Anm. 13).
  55. Larkin: Signal (wie Anm. 12), S. 61.
  56. Morse: Radio Empire (wie Anm. 7).
  57. Ritter, Caroline: Imperial Encore. The Cultural Project of the Late British Empire, California UP, Berkeley, CA u. a. 2021.
  58. Ribeiro, Nelson Costa: Introduction. Researching (Post)Colonial Broadcasting, in: Journal of Radio & Audio Media 29 (2022), H. 1, S. 5–9.
  59. Murašov, Jurij: Das elektrifizierte Wort. Das Radio in der sowjetischen Kultur der 1920er und 30er Jahre, Brill | Fink, Paderborn 2021.
  60. Hagen, Wolfgang: Das Radio. Zur Geschichte und Theorie des Hörfunks – Deutschland/USA, Fink, München 2005.
  61. Larkin: Signal (wie Anm. 12).
  62. Birdsall: Radiophilia (wie Anm. 13); Moorman, Marissa J.: Powerful Frequencies. Radio, State Power, and the Cold War in Angola, 1931–2002, Ohio UP, Athens, OH 2019.
  63. Ribeiro: Introduction (wie Anm. 58).
  64. Fanon, Frantz: Aspekte der algerischen Revolution, übers. v. Peter-Anton von Arnim, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1969 (frz. 1959), S. 61.
  65. Lekgoathi, Sekibakiba Peter: The African National Congress’s Radio Freedom and its Audiences in Apartheid South Africa, 1963–1991, in: Journal of African Media Studies 2 (2010), H. 2, S. 139–153; Brennan, James: Radio Cairo and the Decolonization of East Africa, 1953–1964, in: Lee, Christopher J. (Hrsg.): Making a World after Empire. The Bandung Moment and its Political Afterlives, Ohio UP, Athens, OH 2010, S. 173–195.
  66. Asseraf, Arthur: Electric News in Colonial Algeria, Oxford UP, Oxford u. a. 2019.
  67. Fanon, Frantz: A Dying Colonialism, übers. v. Haakon Chevalier, Grove Press, New York 1994 (frz. 1959), S. 97.
  68. Heinze: African Listener (wie Anm. 45).
  69. Moorman: Frequencies (wie Anm. 62).
  70. Ebd.
  71. Lekgoathi, Sekibakiba Peter/Moloi, Tshepo/Romão Saúte Saíde, Alda (Hrsg.): Guerrilla Radios in Southern Africa. Broadcasters, Technology, Propaganda Wars, and the Armed Struggle, Rowman & Littlefield, London 2020.
  72. Heinze, Robert: “It Recharged Our Batteries”. Writing the History of the Voice of Namibia, in: Journal of Namibian Studies 15 (2014), S. 25–62.
  73. Hunt, Nancy Rose: A Nervous State. Violence, Remedies, and Reverie in Colonial Congo, Duke UP, Durham, NC/London 2016.
  74. Lefebvre: L’aventurier (wie Anm. 32).
  75. Englund, Harri: Gogo Breeze. Zambia’s Radio Elder and the Voices of Free Speech, Chicago UP, Chicago, IL 2018.
  76. Brisset-Foucault, Florence: Talkative Polity. Radio, Domination, and Citizenship in Ugandas, Ohio UP, Athens, OH 2019.
  77. Adorno, Theodor W.: Nachgelassene Schriften. Abteilung I: Fragment gebliebene Schriften, Bd. 3: Current of Music. Elements of a Radio Theory, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2006 (orig. 1938–1941), S. 73.
  78. Ebd., S. 86f.
  79. Shepperd: Shadow (wie Anm. 29).
  80. Hagen: Radio (wie Anm. 60).
  81. Murašov: Wort (wie Anm. 59).