Baring, Arnulf (Hrsg.): Germany’s New Position in Europe. Problems and Perspectives, 134 S., Berg, Oxford/Providence 1994.

Wir befinden uns nicht mehr in der zumindest im Rückblick als wohl geordnet erscheinenden Welt des Ost-West-Konflikts. Die neue Staatenwelt bedeutet aber auch nicht, dass die alten Verhältnisse der internationalen Anarchie zurückgekehrt sind, die in der Epoche der Weltkriege herrschten. Die Außenpolitik des wiederhergestellten deutschen Nationalstaats unterscheidet sich fundamental von derjenigen des wilhelminischen oder gar des nationalsozialistischen Deutschland. Auch das internationale System unserer Tage ist ungeachtet mancher Berührungspunkte keine Kopie des Systems der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In dieser Weise kann man die Beiträge eines Sammelbands zusammenfassen, den der Herausgeber als Ergebnis einer Vortragsreihe am Oxforder St. Antony’s College organisiert hat. Die Autoren repräsentieren das Spektrum der gegenwärtigen publizistischen (Günther Gillessen, Joachim Fest, Jochen Thies, Josef Joffe, Christoph Bertram) und zu einem kleineren Teil auch der historisch-politikwissenschaftlichen (Arnulf Baring, Gregor Schöllgen,Hans-Peter Schwarz) Debatte zur Rolle Deutschlands in Europa und der Welt.

Fast allen Autoren erscheint die Frage nach den ‚nationalen Interessen‘ Deutschlands ebenso dringlich wie neu, denn die Bonner Republik sei bis 1989/90 aufgrund ihrer festen Einbindung in europäische und transatlantische Organisationen der Notwendigkeit enthoben gewesen, nationale Interessen zu definieren. Die nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und erst recht nach der Auflösung der Sowjetunion eingetretene Konstellation mache es erforderlich sowohl die neuen Handlungsspielräume deutscher Politik zu erkennen als auch den Anforderungen gerecht zu werden, denen sich Deutschland gegenübersehe.

So sehr einerseits Veränderungen im früheren sowjetischen Hegemonialbereich eingetreten sind, so ist doch andererseits nicht zu übersehen, dass das, was von den Autoren als nationales Interesse vorrangig benannt wird (Sicherheit, wirtschaftliche Produktivität, internationale Entspannung und Stabilität), insofern in der Kontinuität der alten Bundesrepublik bleibt, als die Bereiche ‚nationale Interessen‘ und ‚internationale Ordnung‘ ineinandergreifen. Die zentralen Interessen Deutschlands sind – auch nach 1990 – aus der Sicht aller Autoren nicht exklusiv, sondern werden mit anderen geteilt. Anzumerken ist, dass der gleichermaßen unverzichtbare wie vage Begriff des nationalen Interesses in verschiedenster Weise gebraucht wird. Sowohl Inhalte und Ziele der Politik werden darunter subsumiert als auch deren Umsetzung in bilateralen beziehungsweise multilateralen Beziehungen.

Mannheim, Gottfried Niedhart

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