Fuchs, Stephan: „Dreiecksverhältnisse sind immer kompliziert“. Kissinger, Bahr und die Ostpolitik, 320 S., Europäische Verlagsanstalt/Rotbuch, Hamburg 1999.

Im Übergang von den sechziger zu den siebziger Jahren trat die Bundesrepublik in eine Phase ihrer Außenpolitik ein, in der sie dem schon von Konrad Adenauer gesetzten Ziel ein Stück näher kam. Es bestand darin, nicht der „besetzte Verbündete“ (H.-J. Rupieper) zu bleiben, sondern Schritt um Schritt zum Status der Gleichberechtigung voranzuschreiten. In der Ära Brandt schlug sich diese Politik im Neuansatz der Deutschland- und Ostpolitik nieder, ferner in einem größeren Maß an politischer Eigenständigkeit im westlichen Bündnis und speziell im Verhältnis zu den USA. Letzterem Aspekt geht der Autor dieser Dissertation nach, die im Fach amerikanische Kulturgeschichte der Universität München entstanden ist.

Fuchs engt sein Thema dahingehend ein, dass er sich unter Hervorhebung von Henry Kissinger und Egon Bahr auf die Rolle von Persönlichkeiten konzentriert und nach deren Bedeutung für die Konzeptualisierung und Realisierung von Außenpolitik fragt. Gestützt vor allem auf Interviews und in begrenztem Umfang Archivmaterial erstellt er Persönlichkeitsprofile im Kontext der politischen Kulturen und leitet den Erfolg der Entspannungspolitik daraus ab, „dass sich zur entscheidenden Zeit wie auch auf den gleichen Ebenen, in den USA, der UdSSR und in der Bundesrepublik, Personen zusammenfanden, die aus ihrer persönlichen Zuneigung heraus das Vertrauen entwickeln konnten, das nötig war, um die neue Politik umzusetzen“ (S. 190). Die besondere Aufmerksamkeit des Autors gilt der Kooperationsfähigkeit Kissingers und Bahrs: „Die Entwicklung ihres Verhältnisses von Rivalentum zu Freundschaft hat den gesamten Ablauf der Ostpolitik wie auch der globalen Detente gesteuert“ (ebd.).

Die Reduzierung der Analyse von Außenpolitik auf Elemente „personaler Steuerung“ (S. 203) kann ebenso wenig überzeugen wie die These, dass der „größere Teil der Anstrengungen“, die mit der sozial-liberalen Ostpolitik verbunden waren, „in der Westpolitik lag“ (S. 24). Die Absicherung der Ostpolitik in den USA und das Ausmaß der Emanzipation der Bundesrepublik von den USA bleiben auch nach diesem Buch ein Desiderat der Forschung. Dies betrifft auch das transatlantische Netzwerk, das weit mehr Politiker und Diplomaten umfasste, als Fuchs erkennen lässt, zugleich aber keineswegs auf die Politik beschränkt dargestellt werden kann.

Mannheim, Gottfried Niedhart

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