Zbigniew Masur: Obraz Niemiec w polskich pordecnikach szkolnych do nauczania historii 1945-1989. (Das Bild der Deutschen in den polnischen Geschichtsbüchern 1945-1989.) 230 S., Institut Zachodni, Poznan 1995.

 

Stereotype über andere Nationen bilden sich auf verschiedene Weise und in der Regel in langen Zeiträumen aus. Ein möglicher Faktor der prägend auf die Ausgestaltung solcher Stereoype wirkt sind die Bilder von anderen Völkern, die über Geschichtsbücher vermittelt werden. Zbigniew Mazur untersucht anhand von mehr als 30 polnischen Schulbüchern - vorviegend aus den 50er und 60er Jahren, in einigen Fällen aus den 70er, in wenigen aus den 80er Jahren - wie sich das Image Deutschllands und der Deutschen (und zum Teil auch der Sowjetunion bzw. der Russen) vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende des kommunistischen Systems verändert hat bzw. wie es dem politischen Duktus der jeweiligen Zeit entsprechend fünktionalisiert wurde. Ebenfalls berücksichtigt wurden grundlegende Positionsdarstellungen maßgeblicher polnischer Historiker. Mlazur interessiert vor allem welche Elemente im Bild von Deutschland (und in geringerem Umfang auch Rußland) für eine propagandistische Ausnutzung geeignet waren und heute Ursache für nur schwer übewindbare Vereinfachungen und Entstellungen sein können. Mazur operationalisiert sein Vorhaben, indem er drei Paradigmen näher analysiert, die in den Schulbüchern teilweise getrennt, teilweise gleichzeitig auftauchten: Klasse Nation und Staat. Dabei dominierte in der Stalinzeit (ab 1949) der klassenmäßige Ansatz, der 1953 einen Höhepunkt in den Arbeiten von Mieczyslaw Suchocki fand. Dieser begründete den polnischen Anspruch auf die Oder-Neiße-Gebiete damit, daß sich dort die "Front des Klassenkampfes" und die ".Front des Nationalitätenkampfes" gedeckt hatten, wobei die Polen in diesen Gebieten zu den Unterdrückten zählten, die Deutschen dagegen zu den privilegierten reaktionären Schichten. Die Integration der Oder-Neiße-Gebiete in die Volksrepublik Polen habe daher mit "objetiven wirtschaftlichen Rechten" überereingestimmt. Der Paradigmenwechsel bzw. die Akzentverlagerung waren im Untersuchungszeitraum anfangs stärker von außen determiniertt (Übernahme sowietischer Interpretationsmuster), später eher von innen - als z.B. dlie Polnische Vereinigte Arbeiterpartei die Kontrolle über dlas Paradigma der Nation faktisch an die illegale Opposition verlor und in der offiziellen Geschichtsschreibung eine stärkere Akzentuierung der Rolle des (sozialistischen) Staates propagiert wurde. Mazur greift bei der Genealogie der von ihm untersuchten Paradigmen weiter aus als nur auf die Geschichte der Volksrepublik und macht so Traditionsstränge sichtbar, die zur gegebenen Zeit funktionalisiert werden konnten. Seine Grundaussage, die in vielfältiger Weise belegt wird, lautet: In der politischen Pädagogik propagierte die Volksrepublik Polen den Mythos des "einen Feindes" (der Bundesrepublik) wie des "einen Freundes" (der Sowjetunion). Bedauerlich ist nur, daß die Frage, ob und wie weit die Ergebnisse der deutsch-polnischen Schulbuchkonferenz Paradigmen wie Paradigmenwechsel der polnischen Geschichtsbücher beeinflußt haben, ausgeklammert bleibt. Trier, Klaus Ziemer Zbigniew Masur: Obraz Niemiec w polskich pordecnikach szkolnych do nauczania historii 1945-1989. (Das Bild der Deutschen in den plonischen Geschichtsbüchern 1945-1989.) 230 S., Institut Zachodni, Poznan 1995. Stereotype über andere Nationen bilden sich auf verschiedene Weise und in der Regel in langen Zeiträumen aus. Ein möglicher Faktor der prägend auf die Ausgestaltung solcher Stereoype wirkt sind die Bilder von anderen Völkern, die über Geschichtsbücher vermittelt werden. Zbigniew Mazur untersucht anhand von mehr als 30 polnischen Schulbüchern - vorviegend aus den 50er und 60er Jahren, in einigen Fällen aus den 70er, in wenigen aus den 80er Jahren - wie sich das Image Deutschllands und der Deutschen (und zum Teil auch der Sowjetunion bzw. der Russen) vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende des kommunistischen Systems verändert hat bzw. wie es dem politischen Duktus der jeweiligen Zeit entsprechend fünktionalisiert wurde. Ebenfalls berücksichtigt wurden grundlegende Positionsdarstellungen maßgeblicher polnischer Historiker. Mlazur interessiert vor allem welche Elemente im Bild von Deutschland (und in geringerem Umfang auch Rußland) für eine propagandistische Ausnutzung geeignet waren und heute Ursache für nur schwer übewindbare Vereinfachungen und Entstellungen sein können. Mazur operationalisiert sein Vorhaben, indem er drei Paradigmen näher analysiert, die in den Schulbüchern teilweise getrennt, teilweise gleichzeitig auftauchten: Klasse Nation und Staat. Dabei dominierte in der Stalinzeit (ab 1949) der klassenmäßige Ansatz, der 1953 einen Höhepunkt in den Arbeiten von Mieczyslaw Suchocki fand. Dieser begründete den polnischen Anspruch auf die Oder-Neiße-Gebiete damit, daß sich dort die "Front des Klassenkampfes" und die ".Front des Nationalitätenkampfes" gedeckt hatten, wobei die Polen in diesen Gebieten zu den Unterdrückten zählten, die Deutschen dagegen zu den privilegierten reaktionären Schichten. Die Integration der Oder-Neiße-Gebiete in die Volksrepublik Polen habe daher mit "objetiven wirtschaftlichen Rechten" überereingestimmt. Der Paradigmenwechsel bzw. die Akzentverlagerung waren im Untersuchungszeitraum anfangs stärker von außen determiniertt (Übernahme sowietischer Interpretationsmuster), später eher von innen - als z.B. dlie Polnische Vereinigte Arbeiterpartei die Kontrolle über dlas Paradigma der Nation faktisch an die illegale Opposition verlor und in der offiziellen Geschichtsschreibung eine stärkere Akzentuierung der Rolle des (sozialistischen) Staates propagiert wurde. Mazur greift bei der Genealogie der von ihm untersuchten Paradigmen weiter aus als nur auf die Geschichte der Volksrepublik und macht so Traditionsstränge sichtbar, die zur gegebenen Zeit funktionalisiert werden konnten. Seine Grundaussage, die in vielfältiger Weise belegt wird, lautet: In der politischen Pädagogik propagierte die Volksrepublik Polen den Mythos des "einen Feindes" (der Bundesrepublik) wie des "einen Freundes" (der Sowjetunion). Bedauerlich ist nur, daß die Frage, ob und wie weit die Ergebnisse der deutsch-polnischen Schulbuchkonferenz Paradigmen wie Paradigmenwechsel der polnischen Geschichtsbücher beeinflußt haben, ausgeklammert bleibt.

 

Trier, Klaus Ziemer

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