Christian Menhorn: Skinheads: Portrait einer Subkultur. 289 S., Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2001.

 

Skinheads werden über die Medien in der Regel als gewaltbereite, haßerfüllte und rechtsextremistische Glatzenträger wahrgenommen. Dieses Bild trifft sicherlich auch zu, ignoriert aber andere Aspekte der jugendlichen Subkultur. Darüber hinaus blendet die einseitige Fixierung auf eine solche Vorstellung die Entstehung, Entwicklung und Politisierung dieser in vielen Ländern vorhandenen Szene aus der Betrachtung aus. Ihr widmet sich Christian Menhorn in seinem Buch "Skinheads: Portrait einer Subkultur", das auf einer grundlegenden Kenntnis und inhaltlichen Auswertung von zahlreichen Informationen und Materialien aus der Szene selbst basiert. Der Autor will darin die globale Entwicklung der Skinhead-Bewegung in einer historischen Rückschau beschreiben und entgegen des Medienbildes auf die Vielschichtigkeit des Szene-Kultes aufmerksam machen.

Zunächst beschreibt er die Entstehung der Skinheads aus den Umbrüchen in der britischen Gesellschaft und Jugendkultur Ende der sechziger Jahre und geht auf die Bedeutung von Fußball, Gewalt und Kleidung als Szene-Merkmale ein. Danach steht die Neuentwicklung der Skinheads Ende der siebziger Jahre bezogen auf ihr Verhältnis zur Punk-Szene und die rechtsextremistische Politisierung im Mittelpunkt. Anschließend beschreibt Menhorn die Entstehung von derart ausgerichteten Strukturen wie "Blood & Honour" und die "Hammerskins", aber auch die Gegenbewegung in Gestalt der antirassistischen "SHARP-" und "Redskins". Die internationale Verbreitung der Skinhead-Szene von den USA und Schweden über Frankreich und Italien bis nach Osteuropa und Japan steht danach im Zentrum der Darstellung. Dem folgend widmet sich Menhorn detalliert der Situation in Deutschland bezogen auf die Herausbildung einer solchen Szene Ende der siebziger Jahre, deren Entwicklung bis in die Gegenwart hinein und den meist gescheiterten Strukturierungsversuchen. Die letzten beiden Kapitel widmen sich ausführlich der Skinhead-Musik und den Fanzines als Binde- und Kommunikationsfaktoren der Subkultur.

Der Autor sieht in der Fixierung auf die gewaltbereite und rechtsextremistische Dimension der Skinhead-Szene eine einseitige Betrachtungsweise, die den subkulturellen Hintergrund ebensowenig beachtet wie die Attraktivität für Jugendliche. Darüber hinaus gibt er beachtenswerte Hinweise auf die Ursachen für die Politisierung hin zum Rechtsextremismus: Neben mentalen Vorprägungen, wie die Geneigtheit zur Gewaltanwendung oder die Herkunft aus dem autoritär geprägten Arbeitermilieu, spielten auch fremdenfeindliche Stimmungen in der Gesellschaft und Einflüsse von rechtsextremistischen Organisationen eine wichtige Rolle. In Deutschland scheiterten zunächst die Vereinnahmungsversuche von Neonazis, eher kann von einer Politisierung aus der Szene selbst heraus gesprochen werden. Deren öffentliches Image und der Reiz des Tabubruchs wirkten darüber hinaus ebenfalls attraktiv für manche Jugendliche.

Menhorn zeichnet die Entwicklung der Skinhead-Bewegung anhand zahlreicher Orginalquellen nach und erweist sich als hervorragender Kenner der Materie. Dabei gelingt es ihm, zahlreiche weitverbreiteten Auffassungen über diese Jugendkultur zu korrigieren. Hierzu gehören die Hinweise auf den zunächst unpolitischen Charakter der Skinheads ebenso wie wie die Anmerkungen zur politischen Bedeutung der Schnürsenkel. Insbesondere die Ausführungen zu Verlauf und Ursachen des Politisierungsprozesses verdienen Aufmerksamkeit, lassen sich hieraus doch wichtige Erkenntnisse für die Analyse der Entwicklung einer solchen Jugendkultur ableiten. Ab und an hätte man sich vielleicht noch gesonderte problemorientierte Ausführungen gewünscht, sei es in Form einer systematischen Diskussion der Bedingungsfaktoren für die Politisierung, sei es in Gestalt einer Erörterung der Ursachen für die länderübergreifende Verbreitung der Jugendkultur. Diese kritischen Anmerkungen wollen und können allerdings den Wert des Buches nicht mindern. Es kann als das Standardwerk zum Thema Skinsheads angesehen werden.

 

Köln, Armin Pfahl-Traughber

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