Roger Woods: Nation ohne Selbstbewußtsein. Von der Konservativen Revolution zur Neuen Rechten. 212 S., Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2001.

 

Motivation und Ziele der "Konservativen Revolution" in der Weimarer Republik und der "Neuen Rechten" in der Bundesrepublik will der an der Universität Nottingham lehrende Germanistik-Professor Roger Woods in seinem Buch "Nation ohne Selbstbewußtsein" untersuchen. Er versteht dabei die beiden Intellektuellengruppen als eine geistige Bewegung, für die das Ineinander von Kultur und Politik, von Ideen und Ideologien, von besonderer Bedeutung war (vgl. S. 12). Die Darstellung gliedert sich in fünf Teile: Zunächst geht es um die Deutung des Ersten Weltkriegs bei den Anhängern der "Konservativen Revolution" und um die Bedeutung des Philosophen Friedrich Nietzsche als deren geistiger Mentor. Dem folgt eine Erörterung des "konservativen Dilemmas" bei den Anhängern der "Konservativen Revolution" und deren Verhältnis zum Nationalsozialismus. Das letzte Kapitel widmet sich der "Neuen Rechten" als ideologischem Nachfolger der Weimarer Intellektuellen.

Das Urteil über die Arbeit fällt ambivalent aus: Einerseits arbeitet Woods die Ideologiefragmente der "Konservativen Revolution" anhand zahlreicher Primärquellen und mittels einer textnahen Interpretation auf. Deutlich macht er dabei u.a. den selektiven Charakter der Nietzsche-Rezeption (vgl. S. 78) und die ideologischen Gemeinsamkeiten mit dem Nationalsozialismus (vgl. S. 144). Darüber hinaus bringt Woods Analysen zu bislang in der Literatur eher ignorierten Aspekten, wie etwa zu den Weimarer Auffassungen von Hans Zehrer (vgl. S. 116-130). Andererseits wirkt das Buch fragmentarisch, stellen die Kapitel doch eher einzelne Aufsätze dar und bilden keine inhaltlich geschlossene Darstellung. Darüber hinaus mangelt es häufig an klaren Fragestellungen und Interpretationen. Auch die Auswahl der Primärliteratur irritiert, bezieht sich Woods doch stark auf Ernst Jünger und Oswald Spengler, nennt aber kein einziges Werk von Carl Schmitt.

 

Köln, Armin Pfahl-Traughber

 

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